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Der 16-jährige Chaths durchzecht mit dem Kronprinzen Amsu eine Nacht, um herauszufinden, wer mehr verträgt. Allerdings werden beide am nächsten Morgen in einer kompromittierenden Situation vorgefunden, die gravierenden Folgen hat. Um Chaths zu retten, sorgt Amsu dafür, dass dieser zum Hohepriester ausgebildet wird. Dumm nur, dass Chaths weniger als nichts von den Göttern, dem Totenkult und dem Pharao an sich hält. Beim Versuch sich gegen die gesellschaftlichen Regeln aufzubäumen, entsteht eine ungewöhnliche und sehr zerbrechliche Freundschaft zwischen den beiden.
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Veröffentlichungsjahr: 2024
Inhaltsverzeichnis
Prolog
Kapitel I
Kapitel II
Kapitel III
Kapitel IV
Kapitel V
Kapitel VI
Kapitel VIII
Kapitel IX
Kapitel X
Kapitel XI
Kapitel XII
Kapitel XIII
Kapitel XIV
Kapitel XV
Kapitel XVI
Impressum
Amsu entglitten die Gesichtszüge, als er beim Essen inne hielt.
„Vater, ich soll was? Du bist doch kerngesund und es herrscht Frieden, also warum soll ich denn jetzt schon die Weihe bekommen?!“, entfuhr es ihm fassungslos. Sah er doch sein relativ unbeschwertes Leben den großen Fluss hinunter schwimmen.
Hanbal seufzte tonlos und er brauchte sich nicht zu seinen besten Freund und Hohepriester Ausar umzudrehen, um zu wissen, dass dieser Mühe hatte, nicht laut los zulachen.
„Amsu. Wie oft muss ich dir das noch erklären, dass die Erben des Nesut-bitis bereits bei der Geburt die Weihe zum Thronerben erhalten. Wir haben das nicht getan, damit du so normal wie möglich aufwachsen kannst. Du bist jetzt alt genug und hast bereits Fünfzehn Sonnenwenden gesehen. Ich verlange, dass du deine Weihe bei der kommenden Sonnenwende erhältst! Natürlich liegt mir nichts ferner, als in naher Zukunft den Thron abzutreten, aber es gibt den Volk Sicherheit und Vertrauen, wenn sie wissen, dass ein Thronerbe da ist.“
Amsu grollte innerlich. Sein Pa hatte ja recht, aber er wollte nicht von den alten Opas bevormundet werden... Da kam ihn eine Idee.
„Also gut, Papa. Ich lasse mich weihen. Unter einer Bedingung! Ich suche mir meine Vertrauten und meinen Hohepriester selber aus! Ich will nur von meinem Hohepriester die Weihe erhalten!“
Hanbal öffnete schon den Mund, um etwas zu sagen, als Ausar sich leise und kaum vernehmlich räusperte. So atmete der amtierende Nesut-Biti tief durch. Er hatte sich einst auch nur von seinem besten Freund Ausar weihen lassen und so nickte er ergeben. Er war nicht ungerecht.
„Nun gut, du empfängst die Weihe von deinem von dir ausgesuchten Hohepriester. Ausar wird ihn ausbilden und belehren“, gab er also nach und Amsu strahlte über das ganze Gesicht. Es fühlte sich wie ein Sieg über seinen Papa und die ganzen strengen Regeln des Hofes an!
„Super, Papa! Ich hab dich lieb, Papa!“, jauchzte er und sah sich in Gedanken schon in der Stadt, um das zu feiern!
Chaths näherte sich dem feiernden Volk. Die Stimmung war ausgelassen und kaum jemand achtete auf seine Wertsachen. Das war DIE Chance! Wenn Chaths es richtig anstellen würde, konnte er hier reich werden oder zumindest wieder einen längeren Zeitraum überleben.
Er lief gemütlich zwischen den Menschen entlang. Man nahm keinerlei Notiz von ihm. Er besaß nur das, was er am Leibe trug und lebte auf der Straße oder wo er einen Unterschlupf fand. Wegelagerer wie er waren noch weniger wert als Sklaven und demzufolge unsichtbar. Was in solchen Menschenmengen ein Vorteil war.
Da fiel ihm ein junger Mann auf. Dieser trug zwar Kleidung des einfachen Volkes, doch seine Haltung und Bewegungen erzählten etwas anderes. Chats Augen blitzten amüsiert auf. Oh ja, wenn die hohen Herrschaften sich unter das Volk mischten, bedeutete dies meist einfache und reichliche Beute! Und so näherte er sich gemütlich den jungen Mann, blieb neben ihn stehen, um den Feuerschlucker zu beobachten und ließ seine Hand auf Wanderschaft gehen. Schon erfühlte er den Goldbeutel, als sein Handgelenk blitzschnell und fest gepackt wurde und sein Opfer sich mit einem scharfen Blick zu ihm wandte.
Auch Chaths wandte sich um und blickte nun ruhig in funkelnde blaue Seen.
„Ich glaube du hast da etwas, was mir gehört“, spottete Chaths, während seine Augen wie flüssiges Silber herausfordernd blitzten. Sein Gegenüber hob beinahe gelangweilt eine Augenbraue und blickte runter zum Handgelenk, was er immer noch umschlossen hielt.
„Und warum sollte ich es dir wieder zurückgeben?“, kam es mindestens genauso spottend zurück.
Chaths schnaubte nun leicht genervt.
„Weil ich dir dein Gold lasse.“
Sein Gegenüber neigte erhaben und doch so alles verachtend den Kopf und ließ das Handgelenk los. „Hast du Mut, kleiner Dieb?“, fragte er dann ruhig.
Chaths verengte nun beleidigt die Augen.
„Mein Name ist Chaths. Und ich darf dich daran erinnern, dass du unter Garantie genauso alt bist wie ich...“, grollte er.
„Sehr gut gekontert. Mein Name ist Amsu. Und ich möchte mich etwas amüsieren. Wie sieht es aus? Du bekommst den gesamten Goldbeutel, wenn du es schaffst mehr zu trinken als ich.“
Chaths blinzelte verdutzt und brach dann in leises Lachen aus, als er den Inhalt der Worte begriff. Oh das würde ja so einfach werden! Jeder wusste, dass die vom Hof nichts vertrugen und schon beim Geruch diverser Getränke des einfachen Volkes umkippten!
„Die Herausforderung ist angenommen, Amsu!“, gluckste er, legte einen Arm vertraut um die Schulter des anderen und ging mit ihm zum ersten Stand, wo vergorene Säfte verkauft wurden.
Chaths blinzelte in die Sonne. Leise stöhnend griff er sich an den Kopf, während er es sich auf seiner weichen und warmen Unterlage bequem machte. Sein Mund war trocken und seine Zunge schien ein einziges totes Pelztier zu sein. Sie war so schwer und einfach alles war... Bäh! Er vergrub sein Gesicht in die Matratze unter sich und döste wieder weg.
Plötzlich wurde er brutal gepackt und von seiner Matratze gerissen. Er schrie leise auf, als brutaler Schmerz durch seine Schläfen hämmerte. Er wurde irgendwo dagegen geschmettert, was ihm die Luft aus den Lungen presste und dann hielten Schraubstöcke ihn an den Armen fest und auf den Beinen. Chaths war schlecht. Alles drehte sich um ihn, die Sonne brannte zu hell und die Stimmen, die brüllten, drohten nicht nur seine Ohren zu zerstören, sondern schienen darauf angelegt, seinen Kopf zum Platzen zu bringen!
Langsam konnte er etwas erkennen, während er so gehalten wurde. Und das, was er erkennen konnte, gefiel ihm gar nicht. Es erinnerte an einem Albtraum oder an einen sehr schlechten Scherz!
Langsam kam auch sein Verstand auf touren und er fing an zu begreifen, was er da sah:
Seine warme und weiche Matratze war Amsu gewesen. Sie hatten wohl irgendwo am Straßenrand genächtigt. Soweit war dies ja nicht wirklich besorgniserregend. Nur irgendwie gefiel es ihm nicht, wie Amsu, der so aussah, wie er sich selber fühlte, auf der einen Seite besorgt untersucht wurde, ob ihm ja nichts fehlte und auf der anderen Seite eine Standpauke erhielt, vor der selbst der große Seth den Kopf eingezogen hätte.
Amsu wurden die Kleider regelrecht vom Leib gerissen, damit er gleich direkt durch standesgemäße Roben gekleidet wurde. Doch der kurze Blick auf Amsus Körper ließen Chaths die Gesichtszüge entgleisen. Er hatte die Armreife gesehen. Er hatte die Tätowierungen nicht nur gesehen, sondern auch erkannt! Bei Seth! Er hatte mit dem Kronprinz die ganze Nacht durchgezecht und war dann irgendwie AUF ihm eingeschlafen!
Chaths stöhnte gepeinigt auf. Oh, er war ja so was von tot!
Und da trafen sich seine Augen mit denen von Amsu. Amsus Blick bat um Verzeihung und schon wurde der Kronprinz weggeführt, während Chaths gefesselt und einmal gründlich durchgeprügelt wurde.
Amsu klingelten noch immer die Ohren. Nicht nur die Standpauke des Generals von Papas Leibgarde hatte es in sich, auch die Standpauke von Ausar war nicht ohne. Ja und dann das Gebrüll von seinem Papa. Papa hatte noch nie gebrüllt.
Komplett erledigt, ließ er sich aufs Bett fallen und stöhnte gepeinigt auf. Sein Kopf schmerzte so tierisch und ihm war so schlecht. Bei Ra, was hatten sie denn alles getrunken?!
Und plötzlich schreckte er hoch und schrie schmerzgepeinigt auf. Sofort waren Diener bei ihm, doch er kämpfte sich auf die Beine und verließ sein Gemach. Er musste zu seinem Papa! Er musste Chaths retten! Bei Seth, wie konnte er das nur vergessen? Sie würden Chaths umbringen! Nicht nur dass er ihn, den Kronprinzen angeschaut hatte, nein, er hatte ihn auch berührt und auf ihn gelegen und geschlafen und... Chaths war so was von tot!
Mittlerweile rannte er und stürzte in den Thronsaal, wo Hanbal gerade Audienzen gewährte. Der gesamte Saal blickte zu Amsu.
„Chaths soll mein Hohepriester werden!“, rief er laut aus und gespenstische Stille folgte.
Chaths konnte später nicht sagen, wie lange er ohne Wasser und Brot im Kerker gewesen war. Er hatte viele gebrochene Knochen und er hustete immer wieder Blut. Er staunte, dass man ihn nicht totgeprügelt hatte.
Nun wurde er aus den Kerkern gezerrt, gefesselt und einfach mitgeschleift. Gierig schnappte er nach der frischen Luft, nur um dann halb zu ersticken vor Husten, während man ihn nun auch mit brutalen Schlägen vorwärts trieb. Oder es versuchte.
Vage konnte er erkennen, dass er zur Tempelanlage geschleift wurde.
„Nicht...“, kam es ihn panisch über die Lippen. Er hatte so viele Schauermärchen gehört, wie brutal die Priester bei Bestrafungen vorgingen.
Schließlich erreichten sie den Platz, auf den riesige Götterstatuen standen. Chaths erkannte, dass schon andere arme Sünder jeweils bei einer Statue wie aufgehängt waren. Mühsam blickte er auf und erkannte Anubis, unter dem er nun gefesselt und dann an Seilen hochgezogen wurde, die Arme gespreizt. Er schrie gellend auf, als seine Füße den Boden nicht mehr berührten und er nun so da hing.
Vage nahm er war, wie sie ihn auslachten, anspien und noch eine ganze Weile malträtierten.
Endlich waren sie gegangen und er hing da. In der glühenden Sonne und mehr tot als lebendig. Immer wieder wurde ihm schwarz vor Augen. Sein Körper zitterte unkontrolliert, wenn ihm ein Kälteschauer überkam und er sah das Blut aus seinem Mund tropfen.
Wie lange er da hing, wusste Chaths nicht, als er langsam und behutsam abgelassen wurde, so dass er wieder Boden unter die Füße bekam und er stöhnte erleichtert auf. Allerdings hatte er keine Kraft mehr, aufzublicken und sich für diese Wohltat zu bedanken.
„Was wird dir zur Last gelegt?“, wollte eine tiefe Stimme ruhig wissen. Chaths runzelte die Stirn. Ihm kam diese Stimme so bekannt vor.
„Hohepriester Ausar...“, entwich es Chaths leise und er wusste nicht, ob er erleichtert oder besorgt sein sollte.
„Richtig, mein Kind. Nun antworte mir bitte.“
Chaths atmete schwer und es tat weh. Doch bemühte er sich der Aufforderung nach zu kommen.
„Ich weiß es nicht genau. Ich wollte Amsu um seinen Goldbeutel erleichtern, aber er erwischte mich und dann hat er mir angeboten, dass ich den ganzen Beutel bekomme, wenn ich mehr trinken kann, als er. Und dann bin ich auf ihn aufgewacht...“, presste er mühevoll jedes Wort leise hervor.
„Trink...“, raunte der Hohepriester nachsichtig und hielt eine Schale an Chaths Lippen.
Chaths richtete sich langsam auf, als er die ersten Vogelstimmen hörte. Gedankenverloren blickte er auf seine Hände und atmete tief durch. Drei Monde war es nun her, dass er hier ankam und er begriff immer noch nicht, wie Hohepriester Ausar es geschafft hatte, ihn vollständig zu heilen.
Leise seufzend stand er auf und ging zum Brunnen, um sich zu reinigen. Seit etwa fünf Sonnenläufen war er soweit fit, dass er arbeiten konnte. Er sollte zum Hohepriester ausgebildet werden, weil er Amsu, wenn dieser einmal Nesut-Biti war, zur Seite stehen sollte. Chaths schnaubte leise. Er bezweifelte, dass ein Hohepriester Boden putzen musste. Nichts anderes machte er nämlich. Boden putzen. Und heute sollte er anfangen die großen Statuen zu putzen. Oh wie sehr er sich darauf freute.
Chaths fragte sich sowieso, wie man auf diese kranke Idee kam, ihn zum Hohepriester ausbilden zu wollen. Die Götter konnten ihm den Buckel runterrutschen – mal davon abgesehen, dass er bis jetzt nie irgendeinen Beweis bekommen hatte, dass diese komischen Figuren auch wirklich existierten – und die hohen Herrschaften, allen voran der Nesut-Biti sollten doch in der Verdammnis verfaulen!
Als Chaths sich gereinigt hatte, warf er sich das grobe Leinentuch wieder um und band sich die Tunika geschickt. Noch durfte er diese tragen, um seinen Körper zu schonen. Dann ging sein Blick zur aufgehenden Sonne und er vergaß alles um sich herum.
Ausar beobachtete aus dem Schatten heraus Chaths. Er verstand, warum Amsu unbedingt das Leben von diesen Straßenkind erhalten wollte, aber er verstand nicht, warum es zum Hohepriester ausgebildet werden sollte. Er hatte sehr schnell bemerkt, dass Chaths Glauben an die Götter, praktisch gesehen, überhaupt nicht existierte und er würde auch vor dem Nesut-Biti ausspeien. Chaths war respektlos, sehr aufbrausend und voller Wut und Hass.
Und dennoch, als er den Jungen so verträumt in den Sonnenaufgang blicken sah, musste er an die tiefe Demut und Dankbarkeit denken, die ihm jedes mal für scheinbare Selbstverständlichkeiten begegneten. Chaths war dankbar für jeden Tropfen Wasser und für jedes nette Wort. Deshalb wusste Ausar auch, dass er alles versuchen würde, damit Chaths diese Chance, die er jetzt bekam, nicht nur nutzen, sondern auch zu würdigen wissen würde. Doch noch war er ein Kind, dass jetzt zwar Grenzen und Regeln lernen musste, aber immerhin ein Kind! Und so sollte der Kleine noch etwas Kind bleiben.
Chaths saß zwischen den Beinen der großen Anubisstatue im Schatten und machte Pause. Irgendwie hatte er keine Lust mehr. Seine Aufgabe war, alle Götterstatuen hier auf dem Platz zu reinigen. Es waren zwar nur fünf Götter, aber es war dennoch eine langwierige Arbeit. Er hatte schon begriffen, dass dieser Platz hier wohl ein Zeremonienplatz oder so was war. Hier waren alle wichtigen Götter des Totengerichtes, außer der Ma'at, was Chaths wiederum merkwürdig fand. Er musste da mal Ausar fragen. Auf jeden Fall war dieser Platz kreisrund und in der Mitte stand eine Säule. Zwischen den einzelnen Göttern konnten Gefangene gefesselt werden. Ja, es war der gleiche Platz, an dem Chaths in den Seilen hing, bevor Ausar ihn losgebunden hatte. Wenn man es genau nahm, passte es auch auf eine makabere Weise, dass hier an dem Platz, an dem laut den Überlieferungen über die Toten gerichtet wird, Ausar über die irdischen Angeklagten richtete. Schließlich stand Ausar für Osiris und Osiris war nun mal der Totenrichter.
Wie dem auch sei. Chaths hatte die Statuen zu reinigen. Ammit war eigentlich sehr schnell fertig gewesen. Auch für Thot hatte er nur einen Tag gebraucht. Für Osiris zwei Tage und so eben war er mit Horus fertig geworden, mit dem er gestern früh begonnen hatte. Jetzt fehlte eigentlich nur noch Anubis...
Chaths musterte die Säule vor sich. Sie war schlank und trug keinerlei Verzierungen. Langsam ließ er seinen Blick nach oben gleiten und stockte dann, als er die Schenkel der Waage erkannte. Die Säule war Ma'at! Er begann zu grinsen. Ob die Waage sich bewegen würde?
Plötzlich horchte er jedoch auf. Unruhe kam auf und da hörte er seinen Namen rufen. Aber nicht von Ausar. Langsam erhob sich Chaths, trat aus den Schatten und stand einen grinsenden, komplett verdreckten und verschwitzten Amsu gegenüber.
Langsam ließ Chaths seinen Blick über den Prinzen gleiten.
„Du hast auch schon bessere Tage gesehen...“, meinte er trocken und Amsu lachte schallend auf. „Hallo, Chaths. Ich hoffe, es ist dir nicht allzu schlecht ergangen. Aber wie ich sehe, geht es dir dennoch gut. Mein Vater und ich sind auf Durchreise und bleiben die Nacht hier. Mein Vater und Hohepriester Ausar wollen einiges besprechen und ich darf mit dir Zeit verbringen.“
Chaths blinzelte etwas verwirrt, als er versuchte den Fluss an Informationen zu verarbeiten.
„Ich fasse zusammen: Wir haben Spaß?“, fragte er dann noch einmal nach und Amsu nickte. Da begann er breit zu grinsen.
„Lass uns erst einmal schwimmen gehen. Das kühlt uns ab und du kannst dich reinigen“, schlug er vor und sein Gegenüber sagte nicht nein.
Chaths saß am Beckenrand der riesigen Zisterne und beobachtete wie Amsu seine Bahnen zog. Ja, er war etwas neidisch, als er diese Eleganz und Kraft sah.
„Kann es sein, dass du im Wasser geboren wurdest?“, rief er da leise und Amsu lachte warm auf. „Du wirst lachen, ich bin tatsächlich im Wasser geboren. Meine Eltern haben mir erzählt, dass ich es wohl sehr eilig hatte. Und wie sieht es bei dir aus?“
Chaths blickte zur Decke und betrachtete die Bilder.
„Ich denke, ich bin normal geboren. Ich weiß es nicht. Ich kann mich nur vage an meine Eltern erinnern. Ich weiß noch, dass wir eines Tages Besuch bekamen. Reisende. Sie bekamen zu essen und durften bei uns schlafen. Am nächsten Morgen waren sie bereits aufgebrochen und plötzlich standen die Truppen des Nesut-bitis vor unserer Tür. Ich weiß noch, wie sie meinen Papa die Haut vom Rücken gepeitscht haben und wie meine Mama geschrien hatte. Mein Onkel hat mich im Vorratsloch versteckt und ich sollte erst wieder rauskommen, wenn ich einmal geschlafen habe. Ich schlief irgendwann ein und als ich wach wurde, stieg ich aus dem Vorratsloch und stand in den rauchenden Resten von unserem Heim.“
Amsu war langsam zum Beckenrand geschwommen, als Chaths erzählte und verharrte nun vor dessen Füßen.
„Das tut mir Leid, Chaths. Du bist auf der Straße groß geworden?“, wollte er leise wissen.
„Ja, Irgendwie habe ich es geschafft zu überleben. Und da war niemand, der mir half oder mich wärmte oder mich beschützte. Amsu, warum bin ich hier? Schau mich an! Ich kann weder lesen noch schreiben oder rechnen. Für mich sind die Götter nur die Bilder und die Steine da draußen. Der Nesut-Biti kann mir die Füße küssen. Wir können uns doch auch so treffen und Spaß haben. Also warum bin ich hier, Amsu?“, wollte Chaths leise, ja beinahe verschüchtert wissen.
Amsu seufzte und stemmte sich aus dem Becken, um sich dann neben Chaths hinzusetzen.
„Weißt du, Chaths, du hast ein Leben geführt, wovon ich träume. Frei, ungebunden, nur mein eigener Herr sein. Nur klingt es aus deinem Mund nicht annähernd so toll, wie ich es mir vorstelle. Meine Eltern lieben mich, ja. Aber dennoch bin ich der Thronerbe meines Vaters. Ich muss mich an Regeln und Gebräuche halten und darf die Palastmauern nicht ohne Erlaubnis und entsprechender Eskorte verlassen.