"Schlaf gut" - Anne Wockenfuß - E-Book

"Schlaf gut" E-Book

Anne Wockenfuß

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Beschreibung

"[...]Natürlich funkelten deine Augen amüsiert und dennoch nahmst du die Fleischstückchen ungewöhnlich vorsichtig und wie zögernd. Es schien, dass du jedes mal vorher in dich hineingehorcht hattest. Und dennoch wirkte der Rest wie immer.[...]" Nach dem endgültigen Abschied eines langjährigen Weggefährten geht es weiter über einen vermissten Jungen und einen verrückten Axt-Mörder zu einem Erlebnis der 3. Art.

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Veröffentlichungsjahr: 2025

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Inhaltsverzeichnis

I „Schlaf gut, meine Mila“

II Zurück ins Leben – Ein Tagebuch aus der Zukunft

III Ein Vagabund zum liebhaben

IV This is halloween...

V ET 2.0

Impressum

I „Schlaf gut, meine Mila“

Die letzten acht Wochen waren ein ständiges Auf und Ab. Es brachte mich an den Rand der Verzweiflung und ich wusste zum Teil nicht weiter. Du hattest mit mir gespielt, Du wolltest mit spazieren gehen. Warst zum Teil richtig agil. Und dennoch kamst du immer schlechter auf die Beine. Treppensteigen war zum Teil ein Horror UND du hattest nicht mehr gefressen!

Gut, dass du mal zwei oder drei Tage nichts frisst, dass war normal. Nicht unüblich. Schließlich hattest du regelmäßig in den letzten zehn Jahren mal zwei oder drei Tage nichts gefressen! Doch als du eine Woche lang nichts mehr gefressen hattest, läuteten bei mir die Alarmglocken. An den Zähnen konnte es nicht liegen. Die waren in Ordnung und Knochen hattest du ja weiter geschreddert wie Papier! Also warum fraßt du dein Futter nicht mehr?

Ich musste meine gesamte Einstellung überdenken und kaufte dir also anderes Futter. Versuchte dein tägliches Futter immer wieder neu zu gestalten, denn ein Makel des Alters: Appetitlosigkeit.

Du blühtest wieder auf, wurdest auch wieder kräftiger und hey, du ranntest sogar fast wieder auf unseren Spaziergängen. Du warst wieder die erste an der Wohnungstür, wenn es hieß: wir gehen Gassi.

Es ging bergauf und bergab. Und jeden Tag musste ich aufs neue entscheiden: Gehen wir zum Tierarzt und lassen dir die Spritze geben oder geht es noch. Und alleine bei den Gedanken, entscheiden zu müssen, wann du einschlafen sollst, wurde mir schlecht. Denn habe ich ein Recht über Leben und Tod zu entscheiden?

Jedes Mal, wenn ich mich entschied, ich ruf an, schien es, dass du mir den Stinkefinger gezeigt hast und es ging dir wieder besser.

Es war Donnerstag Abend. Ich war skeptisch, weil du scheinbar nichts gefressen hattest. Ich stand in der Küche und war gerade dabei mir Essen zu kochen. Natürlich kochtest du mit und so gab ich dir immer wieder etwas zum Naschen. Doch dieses „gemeinsame“ Kochen war anders als sonst. Natürlich funkelten deine Augen amüsiert und dennoch nahmst du die Fleischstückchen ungewöhnlich vorsichtig und wie zögernd. Es schien, dass du jedes mal vorher in dich hineingehorcht hattest. Und dennoch wirkte der Rest wie immer. Selbst dass du nicht gefressen hattest, war ok. Weil wie gesagt: seit zehn Jahren hast du regelmäßig mal zwei Tage nichts gefressen. Und diesmal hattest du ja fast zwei Wochen jeden Tag etwas gefressen.

Freitag früh: Du sprangst auf, als ob du fünf Jahre jünger wärst und standest als erstes an der Tür, als es hieß: wir gehen spazieren.

Du liefst normal. Machtest ohne Probleme deine Geschäfte und als wir wieder zurück in die Wohnung gingen, war dein direkter Weg auf deinen Stammplatz im Bad, mit meiner Pferdejacke als Kopfkissen. Nein, du wolltest kein Fressen und keine Leckerlies.

Und für mich war klar – Es ist vorbei. Ich hoffte, betete und wünschte, dass du nicht alleine und ohne mich für immer einschlafen musst!

Freitag Abend. Ich kam von der Arbeit und mein Blick ging ins Bad, während ich dich rief. Keine Reaktion! Mir wurde schlecht. Kein Kopf hob sich mit dem spitzbübischen oder gar gelangweilten Blick, was ich schon zu Hause suchen würde. Mir wurde so richtig schlecht. Heiß und kalt gleichzeitig.

„Mila?“, trat ich an dich ran und schnippste beinahe kindlich naiv gegen deine aufgestellten Ohren. Vielleicht schliefst du nur sehr tief. Doch keine Reaktion! Ich sah deine offenen Augen, die dennoch glänzten und ich sah deinen langsamen, schweren Atem. Mir war klar: Es war soweit. Du würdest nun für immer einschlafen.

Obwohl du schon beinahe zur Hälfte über der Regenbogenbrücke warst, wolltest du zu mir. Dich verabschieden?

Ich kam gerade wieder ins Bad, als ich dich kämpfen sah, wie du auf die Beine wolltest. Ich streichelte dich, beruhigte dich, nahm dich in den Arm. Flüsterte dir liebende Worte beruhigend ins Ohr und legte dich wieder sanft hin – darauf bedacht, dass dein Kopf auf der Pferdejacke lag.

Ja, du warst gerne bei den Pferden, auch wenn nicht alle dich toll fanden.

Immer wieder wurdest du unruhig und wolltest mir hinterher. Da holte ich meine Decke und machte es mir neben dir bequem und dann begann ich dich zu streicheln, mit dir zu reden und ich war da. Stundenlang.

Du schliefst ein und fingst an zu träumen. Vermutlich zog dein Leben an dir vorbei. Und immer wieder streichelte ich dich. War bei dir. Sagte, ich bin da.

Gern hätte ich dich zugedeckt, aber ich wusste, du warst nicht so ein Fan davon, wenn du nicht selber zu mir gekommen warst.

Schließlich hauchtest du dein Leben aus. Schliefst für immer ein. Es war zwischen zwei und halb drei Uhr die Nacht.

Nun ging es daran, dich zur letzten Ruhe zu betten. Trotz Schnee und Minusgrade, schien man mit mir Erbarmen zu haben. Der Boden war butterweich und so war schnell deine letzte Ruhestätte ausgehoben.

Sanft und behutsam legte ich dich ins Grab hinab und so wie du nun da lagst, wirktest du lebendiger denn je. Dein Fell schien zu glänzen. Du wirktest so viele Jahre jünger und schliefst. Als ob du jeden Moment aufwachen würdest und mich mit deinen schelmischen Blick fragen würdest, ob alles in Ordnung ist.

Immer wieder musste ich mich davon überzeugen, dass auch dein Atem versiegt war.

Noch einmal streichelte ich über dein Fell, was wieder richtig weich zu sein schien.

---ENDE DER LESEPROBE---