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Eine rote Narbe zieht sich über Martha Renners sonst hübsches Gesicht. Zeit ihres Lebens wird die junge Frau nur über diesen Makel wahrgenommen, während ihre wunderschöne Schwester Clarissa stets von allen bewundert und bevorzugt wird. Clarissa bekommt alles, was sie will - auch Marthas Chef. Der junge Viktor Fürst von Erlenbach erliegt der faszinierenden Sirene. Als sie ihn kurz darauf für eine Karriere als Schauspielerin wieder verlässt, ist Viktor am Boden zerstört. Es ist Martha, die den verletzten Fürsten mit Sanftmut und Hartnäckigkeit von seinem Liebeskummer heilt. Nach und nach sieht Viktor in ihr nicht mehr nur seine Angestellte. Ihre Narbe nimmt er gar nicht mehr wahr, und sein Herz klopft aufgeregt in Marthas Nähe. Eine zarte Liebe beginnt, aber da kehrt plötzlich Clarissa nach Schloss Erlenbach zurück ...
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Seitenzahl: 121
Veröffentlichungsjahr: 2025
Cover
Im Schatten ihrer schönen Schwester
Vorschau
Impressum
Im Schatten ihrer schönen Schwester
Darf Martha auf ihr Liebesglück hoffen?
Von Sandra Heyden
Eine rote Narbe zieht sich über Martha Renners sonst hübsches Gesicht. Zeit ihres Lebens wird die junge Frau nur über diesen Makel wahrgenommen, während ihre wunderschöne Schwester Clarissa stets von allen bewundert und bevorzugt wird. Clarissa bekommt alles, was sie will – auch Marthas Chef. Der junge Viktor Fürst von Erlenbach erliegt der faszinierenden Sirene. Als sie ihn kurz darauf für eine Karriere als Schauspielerin wieder verlässt, ist Viktor am Boden zerstört.
Es ist Martha, die den verletzten Fürsten mit Sanftmut und Hartnäckigkeit von seinem Liebeskummer heilt. Nach und nach sieht Viktor in ihr nicht mehr nur seine Angestellte. Ihre Narbe nimmt er gar nicht mehr wahr, und sein Herz klopft aufgeregt in Marthas Nähe. Eine zarte Liebe beginnt, aber da kehrt plötzlich Clarissa nach Schloss Erlenbach zurück ...
Viktor Fürst von Erlenbach sortierte seine Spesenquittungen, als seine Schwester unbemerkt das Büro betrat. Prinzessin Ricarda trat leise näher und beobachtete amüsiert, wie ihr Bruder zögerte, die Quittung eines Hamburger Nobel-Restaurants auf den Spesen-Stapel zu legen.
»Das wird Frau Renner nie akzeptieren«, machte Ricarda auf sich aufmerksam. »Soviel ich weiß, warst du mit dieser blonden Sirene dort, auf die du eine Weile so abgefahren bist.«
Fürst Viktor verzog das Gesicht. »Das weiß Frau Renner ja nicht. Es könnte genauso gut ein Geschäftsessen gewesen sein ...«
Prinzessin Ricarda, eine rothaarige, aparte Erscheinung von dreiunddreißig Jahren, lachte herzhaft auf.
»Versuch's«, sagte sie fröhlich. »Ich wette mit dir um eine Flasche Dom Perignon, dass Martha die Quittung nicht durchgehen lassen wirst. Aber sie hat ein Faible für dich ...«
»Frau Renner hat doch kein Faible für mich!«
Ricarda ließ sich von der Empörung ihres Bruders nicht beirren und fuhr ungerührt fort: »Also, wenn du ein bisschen mit ihr flirtest ...«
Fürst Viktor schnappte nach Luft. »Mit ihr flirten? Bist du verrückt? Hast du dir die Frau einmal angesehen? Sie ist nicht gerade eine Schönheit und dann diese Narbe quer über der rechten Wange ...«
»Dafür kann sie doch nichts«, verteidigte die Prinzessin ihre Buchhalterin. »Das war ein Unfall in ihrer Kindheit. Und wenn man deine Vorstellung von weiblicher Schönheit zugrunde legt, bin ich auch unansehnlich«, entgegnete sie amüsiert. »Jede Frau, die nicht blond und blauäugig ist und eine Super-Figur hat, fällt bei dir doch durch und ist keinen zweiten Blick wert, oder?«
»Ach Gott«, gab Fürst Viktor ein wenig peinlich berührt zu, doch die Worte seiner Schwester hatten nicht wie ein Vorwurf geklungen.
In der Tat neidete die Prinzessin ihrem Bruder die meist kurzlebigen Affären nicht. Er hatte es verdient, sich ein wenig zu amüsieren, fand sie. Schließlich hatte Viktor es in seinem Leben nicht leicht gehabt.
Mit zwanzig Jahren hatte er sein gerade begonnenes Studium in den USA abbrechen und nach Hause zurückkehren müssen, weil ihre Eltern bei einem schrecklichen Zugunglück ums Leben gekommen waren. Viktor hatte nicht nur das traditionsreiche Schlosshotel Erlenbach vor den Toren Hamburgs übernehmen, sondern sich auch noch um seine völlig verstörte siebzehnjährige Schwester kümmern müssen.
Hinzu kam, dass der junge Fürst die Leitung des Hotels auch noch mit einem Studium vereinbaren musste. Es waren harte Jahre für Viktor gewesen und sie, Ricarda, hatte es ihm in ihrer Trauer um die Eltern, auch nicht gerade leicht gemacht. Erst Jahre später hatte sie erkennen können, was ihr Bruder geleistet hatte und nach einem Studium der Betriebswirtschaft und Kommunikationswissenschaften stand sie ihrem Bruder inzwischen als Marketing- und Eventmanagerin zur Seite.
Wenn Viktor sich also hin und wieder etwas Vergnügen mit bezaubernden jungen Damen suchte, so konnte Ricarda es ihm nicht verübeln, zumal Viktor ein recht gut aussehender, charmanter Mann war, der mit seiner sportlich-schlanken Gestalt, dem markant männlichen Gesicht und dem dunklen Haar zudem auf das weibliche Geschlecht sehr anziehend wirkte.
Die Prinzessin hielt ihrem Bruder nun die Hand hin, auf dass er einschlagen sollte.
»Also, was ist? Steht die Wette?«
Der junge Fürst hob amüsiert die Augenbrauen. »Eine Flasche Dom Perignon? Warum nicht!«
Martha Renner saß noch an ihrem Computer, als Fürst Viktor und seine Schwester ihr schlichtes Büro betraten. Es war kurz nach Feierabend und die Kollegin, mit der Martha sich das Büro teilte, war eben gegangen.
Ricarda klopfte kurz an die offen stehende Tür und erkundigte sich munter: »Dürfen wir kurz stören, Martha?«
Die kaum dreißigjährige Martha sah verlegen auf und strich sich unwillkürlich das halblange brünette Haar über die rechte Gesichtshälfte, als sie den Fürsten entdeckte. Viktors Blick hing mit Abscheu an der Narbe, die sich von Marthas rechtem Auge bis fast zum Mundwinkel zog. Doch so sehr Viktor dieser Anblick auch abstieß, so wenig gelang es ihm, seinen Blick von ihr zu wenden.
Er respektierte Martha Renner als hervorragende und sehr präzise Buchhalterin und als solche wollte er sie nicht missen. Doch er war froh, sie nicht täglich sehen zu müssen, auch wenn er zugeben musste, dass sie wunderschöne Augen hatte. Smaragdgrüne Augen von einer umwerfenden Klarheit.
»Mein Bruder wollte nur eben noch seine Spesenquittungen einreichen«, sagte Prinzessin Ricarda.
Martha Renner errötete leicht, als Viktor ihr nun die Quittungen reichte.
»Danke, Durchlaucht«, flüsterte Martha schüchtern und wollte sie schon beiseite legen.
Viktor räusperte sich. »Wenn Sie sie kurz durchsehen könnten, ob alles in Ordnung ist?«
»Sicher!« Marthas ungewöhnlich schlanke Hände sichteten rasch den Stapel der Quittungen. Bei der Rechnung des Hamburger Nobel-Restaurants zögerte sie. »Ich fürchte, diese Quittung kann ich nicht akzeptieren«, erklärte sie entschuldigend.
»Ach? Und warum nicht?« Viktor wechselte einen raschen Blick mit seiner Schwester, deren Augen triumphierend leuchteten. »Das war ein Geschäftsessen!«
»Zufällig weiß ich, dass es das nicht war«, gestand Martha bestürzt. »Am Morgen nach Ihrem ›Geschäftsessen‹ waren Sie leider in der Morgenpost abgelichtet. Bilder vom Abend zuvor: Sie verlassen mit einer blonden jungen Dame eben dieses Restaurant. Die Dame wirkte nicht wie ein Geschäftspartner, wenn ich das sagen darf.« Obwohl sie sich sichtlich unwohl fühlte, reichte sie die Quittung mit großer Entschiedenheit an den Fürsten zurück.
Er lächelte ein wenig schief. »Können Sie nicht eine Ausnahme machen?«, bat er mit Blick auf seine Schwester.
»Wenn ich Ihnen eine Ausnahme zugestehen würde, müsste ich auch anderen Mitarbeitern solche Ausnahmen erlauben. Das wäre, als wenn Sie einen Griff in die Portokasse gutheißen würden.«
Martha war sichtlich erschüttert über sein Ansinnen. Gerade von ihrem Arbeitgeber war sie dergleichen nicht gewohnt. Fürst Viktor war in dieser Hinsicht stets vorbildlich gewesen – bis jetzt.
»Danke, Martha!«, rief die Prinzessin jetzt fröhlich aus. »Sie haben mir eben zu einer Flasche Champagner verholfen. Dom Perignon.«
Martha Renner zwinkerte verwirrt. »Tatsächlich?«
»Ich habe mit meinem Bruder gewettet, dass Sie diese Quittung nie akzeptieren würden ...«
Marthas Blick streifte den Fürsten flüchtig. »Es tut mir leid«, entschuldigte sie sich.
»Das müssen Sie nicht. Sie haben vollkommen richtig gehandelt, Frau Renner«, beruhigte Viktor sie. »Eigentlich hätte ich nicht auf diese dumme Wette eingehen dürfen«, gestand er. »Jedenfalls bin ich froh, eine so zuverlässige Buchhalterin zu haben, auf die ich mich hundertprozentig verlassen kann.«
»Das können Sie«, versicherte Martha ihm.
»Ich wünsche Ihnen noch einen schönen Abend, Martha«, rief Ricarda ihr noch zu, bevor sie und Viktor das kleine Büro verließen.
Mit einem schwachen Seufzer sah Martha ihnen nach. Sie mochte den Fürsten. Sie mochte ihn sogar sehr. Doch diese Gefühle verbarg sie tief in ihrem Herzen, denn sie wusste nur zu gut, dass sie niemals auf Gegenseitigkeit stoßen würden. Martha bemerkte ja, mit welcher versteckten Abscheu der Fürst sie betrachtete.
Martha fuhr sich mit den Fingern über die entstellende Narbe. Zeit ihres Lebens war sie ihr Handicap gewesen. Martha war gehänselt worden und hatte bittere Erfahrungen mit den Reaktionen ihrer Mitmenschen machen müssen. Jeder sah immer zuerst die Narbe und kaum einer machte sich dann noch die Mühe, den Menschen Martha Renner zu sehen. Prinzessin Ricarda war da anders. Ihre Unvoreingenommenheit war Balsam für Marthas verletzte Seele.
Marthas Finger tasteten über den Makel in ihrem Gesicht.
Ein Unfall. Ja, gewiss war es ein Unfall gewesen. Diese Folgen hatte Clarissa sicher nicht beabsichtigt. Die Schwester war ja auch noch ein kleines Kind gewesen. Gerade fünf Jahre alt. Sie hatte der fünf Jahre älteren Martha mit einem Küchenmesser das Haar abschneiden wollen, auf das sie rasend neidisch gewesen war.
Dummerweise war das kleine Mädchen so ungeübt im Umgang mit dem scharfen Werkzeug, dass es abgerutscht war und seiner Schwester einen tiefen Schnitt quer über die Wange beigebracht hatte. Natürlich war die blonde, puppenhaft schöne Clarissa, der Liebling ihrer Eltern, entsetzt von all dem Blut gewesen, das sich rasend schnell ausgebreitet hatte.
Die Eltern hatten zunächst Clarissa getröstet, statt sich um die verletzte, ältere Martha zu kümmern. Später befand der Vater, dass der Schnitt nicht der Rede wert sei und keiner ärztlichen Behandlung bedürfe. Ohne Behandlung jedoch hatte sich eine unschöne, unregelmäßig geformte Narbe gebildet.
Martha machte ihrer jüngeren Schwester keine Vorwürfe. Sie war damals ein Kind gewesen. Wohl jedoch ihrem Vater, der die schöne Clarissa abgöttisch liebte und sie zum Mittelpunkt seines Lebens gemacht hatte, mehr noch, als wenige Jahre später die Mutter gestorben war und er sich allein um die beiden Töchter hatte kümmern müssen.
Stets stand Clarissa im Mittelpunkt seines Interesses, während Martha nur am Rande existierte. So hatte Martha früh gelernt, auf eigenen Füßen zu stehen. Früh hatte sie daher auch ihr Elternhaus in Barmbek verlassen, um andernorts eine Ausbildung zur Buchhalterin zu beginnen. Erst vor drei Jahren war sie nach Hamburg zurückgekehrt, als ihr die Stellung im noblen Schlosshotel Erlenbach angeboten worden war. Seitdem bewohnte sie eine kleine Wohnung in der Nähe des Hotels.
Zu ihrer Schwester und ihrem Vater hielt Martha kaum Kontakt, wie sie auch kaum je etwas von ihnen hörte. Sie wusste jedoch, dass Clarissa Schauspielerin geworden war, eine talentierte zudem, mit hochfliegenden, ehrgeizigen Plänen.
Als seien telepathische Kräfte im Spiel läutete in diesem Augenblick das Telefon auf ihrem Schreibtisch und zu ihrer Überraschung vernahm sie die unwirsche Stimme ihres Vaters.
»Ich möchte, dass du am Sonntag zu uns kommst«, befahl er. »Wir haben etwas zu besprechen.«
Martha verzog das Gesicht. »Danke, Vater, mir geht es auch gut«, erwiderte sie. »Ich nehme an, es geht um Clarissa«, vermutete sie, denn etwas anderes als das Wohl der jüngsten Tochter war für Lutz Renner nicht von Interesse.
»Selbstverständlich«, gab er denn auch zurück. »Deine Schwester braucht deine Hilfe!«
Ohne zu fragen, ob sie den Besuch überhaupt einrichten konnte, legte er auf. Martha war nichts anderes gewohnt, auch wenn sie diesmal leisen Ärger verspürte.
Clarissa brauchte ihre Hilfe? Das war neu.
Clarissa verstand es mit ihrer Schönheit und ihrem Charme, Menschen um den Finger zu wickeln und für ihre Zwecke auszunutzen. Aus dem verwöhnten kleinen Mädchen war eine ebenso verwöhnte, eigensüchtige junge Frau geworden.
Pünktlich zum Nachmittagskaffee traf Martha Renner in der kleinen Barmbeker Wohnung ihres Vaters ein. Schon dass Clarissa ihr den dünnen Sommermantel abnahm machte Martha deutlich, dass man etwas von ihr wollte. Sie fragte sich nur, was das sein könnte, denn ihre Unterstützung war bislang nie von Interesse gewesen.
Clarissa begleitete sie in das kleine, etwas überladene Wohnzimmer, und Martha staunte, wie so oft, über die außerordentliche Schönheit der Schwester. Nicht einmal ohne ihre Narbe hätte sie mit Clarissa konkurrieren können. Clarissa brauchte für ihre Schönheit kaum etwas zu tun. Auch ohne Make-up bot sie einen sensationellen Anblick.
Die Schwester schenkte Kaffee ein und kam sofort zur Sache.
»Ich habe kürzlich ein wenig gegoogelt«, eröffnete sie Martha.
»Ach, tatsächlich.«
»Es interessierte mich, was das für ein Laden ist, für den du arbeitest ...«
Das glaubte Martha ihr nicht im Entferntesten.
»... nobler Schuppen, dieses Schlosshotel Erlenbach. Ich hatte keine Ahnung, dass es einem echten Fürsten gehört.«
Martha seufzte. »Worauf willst du eigentlich hinaus, Clarissa? Du interessierst dich doch nicht für meinen Arbeitsplatz.«
»Deine Schwester hat etwas herausgefunden«, warf Lutz Renner ein, und sein Blick lag stolz auf seiner schönen Jüngsten.
»Wohl war.« Clarissa nickte. »Wusstest du, dass dein Fürst ...«
»Er ist nicht mein Fürst«, korrigierte Martha. »Er ist mein Chef.«
»Na, etwas anderes wird auch kaum jemand denken«, sagte Clarissa hämisch. »Also, wusstest du, dass Viktor von Erlenbach mit einem der erfolgreichsten Hollywood-Produzenten befreundet ist? Er ist mit Herbert von Freihoff zur Schule gegangen ...«
»Nein, das war mir nicht bekannt«, gestand Martha, der der Name Herbert von Freihoff nichts sagte.
»Du musst mich mit dem Fürsten bekannt machen«, forderte Clarissa jetzt eifrig, »damit er mich seinem Freund vorstellen kann.«
Martha musterte ihre Schwester und ihren Vater verblüfft. Das war es also! Sie sollte dafür sorgen, dass Clarissa die Bekanntschaft eines Hollywood-Produzenten machte.
Martha sprach ihrer Schwester ihr Talent als Schauspielerin keineswegs ab. Clarissa war in der Tat sehr begabt. Leider war sie bislang noch nicht von wirklich wichtigen Leuten »entdeckt« worden und fristete ihr Dasein an einem kleinen Stadttheater, das ihr kaum eine Gage bezahlen konnte, sodass Clarissa froh darum war, bei ihrem Vater wohnen zu können, der wiederum seine schmale Rente aufbrachte, um ihr ein angemessenes Leben zu bieten.
Martha wusste, dass Hollywood der große Traum ihrer Schwester war. Sie wollte eine Diva werden wie Elizabeth Taylor, so populär wie Angelina Jolie und ebenso fantastisch bezahlt.
Martha schüttelte jedoch den Kopf.
»Ich kann dich nicht mit dem Fürsten bekanntmachen, Clarissa. Wie stellst du dir das vor? Ich bin nur eine Buchhalterin. Ich habe kaum etwas mit ihm persönlich zu tun.«
Die Weigerung erzürnte Clarissa. Wütend sah sie ihre Schwester an.
»Du wirst auch kaum je etwas anderes sein als eine kleine Buchhalterin.«
»Das will ich auch gar nicht«, erwiderte Martha. »Ich bin durchaus zufrieden mit meinem Leben.«
Clarissa schluckte ihren wütenden Zorn hinunter und bemühte sich um ein schmeichelndes Lächeln.
»Martha, stell dir doch nur mal vor: Ich in Hollywood! Ich werde zweifellos Karriere machen. Man wird sich um mich reißen. Ich werde die bedeutendsten Menschen kennenlernen – Männer! Da wird sich auch der eine oder andere für dich interessieren, für die Schwester der großen Clarissa Renner!«
Unwillkürlich lachte Martha auf. »Sei nicht albern, Clarissa. Niemand wird sich für mich interessieren. Nicht, solange ich diese Narbe trage und die wird nicht einfach verschwinden, nur, weil du in Hollywood Karriere machst.« Sie erhob sich entschlossen. »Nein, tut mir leid. Ich kann und werde Seine Durchlaucht nicht mit solchen Spinnereien belästigen. Ich kenne ihn kaum.«
Clarissa und ihr Vater mussten erkennen, dass Martha nicht die Absicht hatte zu helfen und hatten nichts dagegen, als Martha sich verabschiedete.
Lutz Renner war zornig. Er war ein Mann in den Sechzigern. Groß, von kräftiger Statur. Sein graues Haar verlieh ihm etwas Joviales.
»Himmel, sie ist deine Schwester. Ich hätte wirklich erwartet, dass sie dir behilflich ist.«
»Ich nicht«, gestand Clarissa. »Ich glaube, sie nimmt mir die Geschichte von damals immer noch übel.«