Lore-Roman 199 - Regina Rauenstein - E-Book

Lore-Roman 199 E-Book

Regina Rauenstein

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Beschreibung

Annerose - immer wieder Annerose, die Schöne, die Freundliche, die Kluge, der die Herzen zufliegen, wo immer sie auch auftaucht ... Allein schon den Namen ihrer fast gleichaltrigen Stiefschwester zu hören, lässt in Ingrid Haßler heiße Eifersucht aufsteigen. Im Gegensatz zu Ingrids oft aufbrausendem, egoistischem Wesen hat sich Annerose mit ihrer Sanftmut und Bescheidenheit in Ingrids Augen schon das Wohlwollen ihres Stiefvaters erschlichen, ja es scheint Ingrid gar so, als hätte der Vater sie, seine eigene Tochter, nicht mehr lieb. Und jetzt hat Annerose sich auch noch einen waschechten Grafen geangelt. Es sieht so aus, als ob eine Verlobung kurz bevorstünde. Wieder einmal bekäme die Stiefschwester alles und Ingrid nichts. Neid und Eifersucht lodern in dem jungen Mädchen und verleiten es zu einer gemeinen Tat ...

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Seitenzahl: 154

Veröffentlichungsjahr: 2024

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Inhalt

Cover

Der Verlobte ihrer Schwester

Vorschau

Impressum

Der Verlobte ihrer Schwester

Ein dramatisches Liebesschicksal

Von Regina Rauenstein

Annerose – immer wieder Annerose, die Schöne, die Freundliche, die Kluge, der die Herzen zufliegen, wo immer sie auch auftaucht ... Allein schon den Namen ihrer fast gleichaltrigen Stiefschwester zu hören, lässt in Ingrid Haßler heiße Eifersucht aufsteigen. Im Gegensatz zu Ingrids oft aufbrausendem, egoistischem Wesen hat sich Annerose mit ihrer Sanftmut und Bescheidenheit in Ingrids Augen schon das Wohlwollen ihres Stiefvaters erschlichen, ja es scheint Ingrid gar so, als hätte der Vater sie, seine eigene Tochter, nicht mehr lieb. Und jetzt hat Annerose sich auch noch einen waschechten Grafen geangelt. Es sieht so aus, als ob eine Verlobung kurz bevorstünde. Wieder einmal bekäme die Stiefschwester alles und Ingrid nichts. Neid und Eifersucht lodern in dem jungen Mädchen und verleiten es zu einer gemeinen Tat ...

Beschwingte Tanzmusik klang bis hinaus auf die Terrasse, wo Annerose, in schwermütige Gedanken versunken, in einem der kleinen Sessel saß. Das fröhliche Lachen der Feiernden rief kein Echo in ihrem Herzen wach. Sie fühlte sich entsetzlich allein und von aller Welt verlassen.

Was sollte sie auch in dem stickig heißen Saal bei den jungen Gästen, die gekommen waren, um den Geburtstag ihrer Stiefschwester Ingrid zu feiern. Es waren ausschließlich Ingrids Freunde, zu denen sie keinen Kontakt finden konnte.

Leise seufzte das junge Mädchen auf. Ihr Blick wanderte über die hübschen Blumenbeete, und sie musste daran denken, wie sie das erste Mal das schöne große Haus ihres Stiefvaters betreten hatte. Es war ihr wie ein Märchenschloss erschienen, und sie hatte geglaubt, darin könne nur Frieden und Eintracht herrschen.

Aber es kam ganz anders.

Schon als Ingrid ihr die Hand reichte, sie kalt und hochmütig musterte, beschlich Annerose ein ungutes Gefühl. All ihre Bereitschaft, der fast gleichaltrigen Stiefschwester eine gute Freundin zu sein, sank in sich zusammen, als sie dem spöttischen Blick begegnete, mit dem Ingrid geringschätzig ihre einfache Kleidung musterte.

In diesem Augenblick hatte Annerose schlagartig erkannt, dass zwischen ihr und der Stiefschwester nie ein gutes Verhältnis entstehen würde – und sie sollte sich nicht getäuscht haben.

Wehmütig dachte das junge Mädchen an das kleine Forsthaus zurück, in dem sie mit ihrer Mutter gelebt hatte. Zwar hatten sie keine Reichtümer besessen, die Mutter hatte sich recht und schlecht nach dem Tod des Vaters durchschlagen müssen, aber sie waren glücklich und zufrieden in ihrer kleinen Welt gewesen.

Heute dünkte es Annerose, als wäre es die schöne Zeit ihres jungen Lebens gewesen.

Dann lernte die Mutter den zweiten Vater kennen, und schon kurze Zeit später waren sie verheiratet. Annerose selbst hatte in der ersten Zeit noch bei Tante Lina im Forsthaus gelebt und ungeduldig auf den Tag gewartet, an dem die Mutter sie für immer zu sich holte.

Das Mädchen hatte geglaubt, nun fange ein völlig neues und wundervolles Leben an, und sie hatte dem fremden Mann ihr junges Herz in williger Bereitschaft geöffnet, ihn als ihren Vater anerkannt.

Und der Vater war gut zu ihr. Er behandelte sie wie seine eigene Tochter und machte keinen Unterschied zwischen den beiden Mädchen.

Wie schön alles hätte sein können, wenn Ingrid sie wenigstens in Frieden gelassen und sie nicht ständig mit ihrer bösartigen Gehässigkeit verfolgt hätte.

Warum nur? Was habe ich ihr denn getan? Annerose fragte es sich immer wieder und fand keine Antwort darauf.

Schnelle Schritte klangen hinter ihr auf. Annerose zuckte erschrocken zusammen und wandte den Kopf. Es war Ingrid, die vor der Stiefschwester stehen blieb und aufreizend die vollen Lippen aufwarf.

»Hier also steckst du? Kannst du mir mal verraten, warum du dich wieder einmal absonderst?« Ihr Blick wurde lauernd. »Sind dir wohl nicht gut genug, meine Gäste, was?«

Hastig stand Annerose auf. »Du weißt genau, dass es nicht so ist, Ingrid«, gab sie mit leichtem Vorwurf in der warmen, dunklen Stimme zurück. Die schwarzen Augen sahen Ingrid ernst an. »Ich habe starkes Kopfweh. Aus diesem Grund habe ich mich zurückgezogen.«

Höhnisch lachte die andere auf, eiskalter Spott glitzerte in den hellen Augen.

»Erwartest du wirklich, dass ich dir diese Ausrede abnehme, Annerose?« Die stolze Ruhe der Stiefschwester reizte Ingrid jedes Mal zur Weißglut. »Gib doch zu, dass du dich in unserem Kreis nicht wohlfühlst. Na ja, ...«, sie zuckte die schönen Schultern, »... ich kann es ja verstehen – schließlich ist das hier eine völlig neue Welt für dich. Du musst dich erst daran gewöhnen, dass du nun nicht mehr die einfache Annerose Kettler bist, sondern die Stieftochter des reichen Haßler, der schließlich der ersten Gesellschaft angehört.« Nun wurde ihr Lächeln boshaft, während sie mit dem Finger schnippte. »Na, du wirst dich sehr bald in die verbesserten Verhältnisse eingelebt haben. Schau doch mal deine Mutter an, sie hat es schon kapiert und genießt die Vorteile, die die Heirat mit meinem Vater ihr bietet.«

Triumphierend funkelten Ingrids Augen, als sie das schmerzhafte Zusammenzucken der Stiefschwester bemerkte. Der Hieb hatte wieder einmal gesessen, stellte sie mit satanischer Genugtuung bei sich fest.

Sie kannte den leicht verletzbaren Stolz der Stiefschwester, wenn sie auf die ärmlichen Verhältnisse anspielte, aus denen sie und ihre Mutter gekommen waren. Und Ingrid ließ keine Gelegenheit ungenützt vergehen, der anderen immer wieder zu sagen, dass sie in ihren Kreisen völlig fehl am Platz war.

Annerose richtete sich unwillkürlich auf, stand stolz vor Ingrid und sah sie mit einem unbeschreiblichen Blick an.

»Ist dir jetzt wohler, Ingrid?«, fragte sie mit einem bitteren Auflachen. »Es hätte mich auch gewundert, wenn diese Anspielung nicht wieder gekommen wäre.« Die sonst so weiche Stimme klang kühl und unpersönlich. »Ich habe dir wiederholt erklärt, dass ich mich nicht darum reiße, in diesem Haus zu leben. Mir wäre wohler, Mutter hätte mich bei meiner Tante im Forsthaus gelassen. Mir wäre sehr viel erspart geblieben. Und was meine Mutter betrifft, Ingrid, so kannst du nur dankbar sein, dass sie sich so gut in ihre Rolle hineingelebt hat. Es wäre doch für deinen Vater sehr peinlich, wenn er sich der einfachen Frau schämen müsste. Aber nicht nur für ihn, auch für dich wäre es gewiss nicht angenehm, wo du doch solch großen Wert darauf legst.«

Einen Augenblick sah es aus, als ob Ingrid sich von den Worten der Schwester betroffen fühlte. Aber dann siegte ihr Hochmut schon wieder.

»Das Märchen, dass du lieber im Forsthaus leben würdest, nehme ich dir nicht ab, Annerose«, setzte sie nach. »Hier hast du doch alles, was du dir nur wünschen kannst. Vater behandelt dich, als wärst du seine leibliche Tochter. Du hast elegante Kleider, schönen Schmuck, ein modernes Zimmer für dich – was willst du noch mehr? Ich bin überzeugt davon, dass du in Wirklichkeit keinen einzigen Grund dafür weißt, warum du dich hier nicht wohlfühlst!«

»Ich könnte dir viele Gründe dafür nennen, Ingrid, aber wozu? Du würdest es doch nicht verstehen und alles mit deinem Spott abtun.« Annerose warf einen Blick zum Haus hin. »Ich finde, es wäre besser, dieses unerquickliche Thema jetzt fallenzulassen. Wir sollten zu deinen Gästen zurückgehen. Sie hätten sonst allen Grund, sich über ihre sonst so höfliche Gastgeberin zu wundern.«

»Willst du mich lehren, was ich zu tun und zu lassen habe?«, fuhr Ingrid wütend auf.

Annerose antwortete darauf nicht mehr. Sie zuckte nur die Schultern. Es hatte keinen Sinn, mit der Schwester zu streiten. Wenn Ingrid in dieser Stimmung war, dann war es besser, ihr aus dem Weg zu gehen.

Ein rundliches junges Mädchen kam nun auf sie zu und lachte sie freundlich an. Die Augen hinter den dicken Brillengläsern strahlten fröhlich.

»Puh, ist das heiß hier«, stöhnte sie. Nun hatte sie auch Ingrid entdeckt. »Du hast dich wohl auch für eine Weile verdrückt, um der Hitze da drin zu entkommen?«

Mara lachte angeheitert auf. Sie hatte etwas zu viel getrunken, und der Alkohol war ihr in den Kopf gestiegen. Das rundliche Mädchen war die Gutmütigkeit selbst. Dass sie dadurch auch zu Annerose immer nett und freundlich war, war Ingrid schon lange ein Dorn im Auge.

So fuhr sie jetzt das Mädchen ziemlich schroff an: »Wenn du den Alkohol nicht vertragen kannst, dann lass die Finger gefälligst von dem Zeug, Mara. Du siehst nicht gerade sehr vorteilhaft in deinem angeheiterten Zustand aus. Ich glaube, deinen Eltern wäre es nicht recht, wenn sie dich jetzt so sehen könnten.«

Mara riss erschrocken die Augen auf und betrachtete die Freundin verwundert.

»Was ist dir denn für eine Laus über die Leber gelaufen?«, wollte sie wissen.

»Ich mag es nicht, wenn man sich so gehen lässt.«

Ingrid ließ die beiden Mädchen einfach stehen und kehrte zu ihren anderen Gästen zurück.

Mara sah ihr verblüfft nach, dann seufzte sie abgrundtief auf.

»So was, die spielt auch jeden Tag verrückter. Sie wächst sich langsam zum kleinen Scheusal aus. So war sie doch früher nicht.«

Annerose gab darauf keine Antwort. Was sollte sie auch sagen? Sie hatte Ingrid nie anders gekannt. Zu ihr war sie vom ersten Augenblick an hässlich und unausstehlich gewesen.

Mara hatte Annerose aufmerksam betrachtet.

»Sie ist wohl auch zu dir nicht immer nett?«, fragte sie geradeheraus.

Annerose tat, als habe sie nicht verstanden, von wem Mara sprach: »Wer ist nicht nett zu mir?«

»Na, sie – oder muss ich wirklich noch einen Namen nennen, Annerose? Glaubst du, ich hätte nicht bemerkt, wie sie dich behandelt? Zudem sind ihre Äußerungen über dich auch nicht gerade sehr liebenswürdig. Von Schwesternliebe kann da wahrhaftig keine Rede sein.« Mara sah, wie Annerose erblasste und die Lippen hart aufeinanderpresste. Treuherzig legte sie ihre Hand auf die Schulter des Mädchens. »Ich hätte besser meinen Mund gehalten, ich weiß, Annerose. Aber ich finde, du solltest wissen, dass sie dir nicht gut gesonnen ist.«

»Das sagst du? Du bist doch ihre Freundin«, entrang es sich Anneroses blassen Lippen tonlos.

»Freundin hin, Freundin her – Ungerechtigkeit kann ich eben nicht ausstehen. Und dass Ingrid dir gegenüber im Unrecht ist, ist mir schon lange klar. Aber hast du auch schon einmal darüber nachgedacht, warum sie so gegen dich ist?«

Annerose schüttelte stumm den Kopf.

Mara fuhr schnell fort: »Ist dir noch nie in den Sinn gekommen, dass sie auf dich eifersüchtig ist?«

Anneroses schwarze Augen weiteten sich in fassungslosem Verwundern.

»Eifersüchtig? Aber warum denn? Ich nehme ihr doch nichts fort, was ihr gehört!«

»Das sagst du, Annerose, aber Ingrid denkt darüber ganz anders. Schau, sie hat viele Jahre mit ihrem Vater allein gelebt. Alles hat sich nur um sie gedreht. Und auf einmal kommt eine neue Frau ins Haus, mit der Ingrid den geliebten Vater teilen muss. Zu allem Überfluss bringt sie auch noch eine Tochter mit. Die Vorstellung, dass er nun auch dich lieben könnte, erträgt Ingrid einfach nicht. Der Vater bedeutet ihr alles. Deine Mutter hätte sie vielleicht noch in Kauf genommen, aber auch noch eine Schwester – das ist ihr einfach unmöglich.«

Annerose war erschüttert. Dunkel hatte sie geahnt, dass Ingrid eifersüchtig war, aber sie hatte den Gedanken jedes Mal wieder von sich gewiesen, weil er ihr unfassbar schien.

»Mein Gott, wie kann man nur so engherzig sein?«, brach es leidenschaftlich aus ihr heraus. »Ich neide es ihr doch auch nicht, dass meine Mutter sehr lieb zu ihr ist und alles versucht, um auch ihr eine wirkliche Mutter zu sein. Warum neidet sie mir das bisschen Liebe, das ihr Vater für mich empfindet? Sie wird doch immer in seinem Herzen die erste Stelle einnehmen.«

»Was sagt denn euer Vater dazu?«, wollte Mara wissen.

Annerose wehrte heftig ab und erwiderte: »Du glaubst doch nicht im Ernst, dass Mutter oder ich uns bei ihrem Vater beschweren? Was sollten wir denn dabei gewinnen?«

»Dass er Ingrid einmal gründlich den Kopf wäscht. Einer muss es ja mal tun. Da wäre ihr Vater doch der einzig Richtige.«

Wild schüttelte Annerose den Kopf.

»Nein, das würde nur noch alles schlimmer machen.« Sie tat einen tiefen Atemzug und fuhr dann ruhig fort: »Ich hoffe nur, dass die Eltern ein Einsehen haben und mich aus dem Haus gehen lassen. Ich habe eine schöne Stellung als Gesellschafterin in Aussicht, bei einer alten Dame, die gehbehindert ist, aber leidenschaftlich gern reist. Ich würde mit ihr sehr viel Neues sehen und erleben, und ich glaube, es wäre wirklich zu meinem Besten. Leider sind Vater und Mutter nicht so ganz damit einverstanden. Aber ich hoffe, sie noch umzustimmen.«

»Aber Annerose!«, entfuhr es Mara entsetzt. »Hast du dir das auch gut überlegt? Das ist kein Zuckerschlecken, den ganzen Tag nach den Launen einer Kranken zu tanzen. Wozu sich das Leben selbst schwer machen, wenn man es doch so gut haben kann wie du? Ich würde niemals feige die Flucht ergreifen, und wenn meine Stiefschwester noch so ein boshaftes Biest wäre. Der würde ich zeigen, was eine Harke ist!«

»Und damit Unfrieden und Zwist ins Haus bringen, Mara?«, kam es sehr ernst zurück. »Nein, das wäre ein schlechter Dank für all die Liebe, die Vater meiner Mutter und mir zuteilwerden lässt. Ich will nicht, dass er davon erfährt.«

Mara sah Annerose mit ehrlicher Bewunderung an. Sie stellte es sich einfach entsetzlich vor, sich den ganzen Tag nach den Wünschen anderer zu richten. Dass Annerose so ein Los freiwillig auf sich nahm, war ihr einfach unbegreiflich.

»Komm«, brach Annerose jetzt das Thema ab. »Gehen wir zu den anderen zurück. Ingrid ist sonst noch mehr erbost, wenn auch du dich nun noch absonderst und mir Gesellschaft leistest.«

Kaum hatten sie den Saal betreten, wurde Mara auch schon von den anderen Mädchen mit Beschlag belegt. Annerose stand wieder einmal allein. Ein bitteres Lächeln kräuselte ihren Mund. Sie wandte sich ab und ging zu einer Palmengruppe hin, die eine verborgene Nische bildete, und setzte sich auf einen der Stühle, die hier standen.

»Kind, warum sitzt du hier so allein? Warum bist du nicht mit den anderen fröhlich?«

Die besorgte Stimme der Mutter ließ Annerose aufsehen. Ein vages Lächeln umspielte ihren Mund, hinter dem sie die Bitterkeit ihres Herzens krampfhaft zu verbergen suchte.

»Glaubst du wirklich, dass es mein eigener Wunsch ist, hier als Außenseiterin zu stehen? Ich habe mir wirklich die größte Mühe gegeben, aber es hat alles keinen Sinn.«

»Unsinn, Annerose, das bildest du dir nur ein«, widersprach die Mutter. »Du bist eben zu empfindlich. Ingrid scheint es auch schon bemerkt zu haben. Sie fühlt sich gekränkt. Versuche doch wenigstens auf ihrem Geburtstag, ihr etwas entgegenzukommen.«

Ein hartes Lachen sprang von den jungen Mädchenlippen, bevor Annerose erwiderte: »Mama, warum belügst du dich selbst? Du weißt doch, dass es wirklich nicht meine Schuld ist, dass wir nicht miteinander auskommen. Vergiss nicht, es sind Ingrids Freunde, und ich bin nur ein Eindringling. Niemand will es sich mit Ingrid verderben.«

Frau Haßler, eine immer noch sehr attraktive Frau, blickte bekümmert vor sich hin. Es quälte und kränkte sie, dass man ihre Tochter so zur Seite stieß.

»Was soll ich nur tun, damit es anders wird, Annerose?«, entfuhr es ihr mit einem schweren Seufzer.

Es klang so hilflos, so verzweifelt, dass Annerose ihre eigene Bitterkeit vergaß und nur noch Mitleid mit der Mutter hatte, die zwischen zwei Feuern stand. Warm zuckte es in ihren schwarz schimmernden Augen auf. Sie legte die Hand auf den Arm der Mutter und lächelte ihr zuversichtlich zu.

»Quäle dich nicht, Mama. Irgendwie wird es schon weitergehen. Schau, ich habe dir doch von der Stellung erzählt. Das wäre wirklich das Beste für uns alle. Bitte, Mama, lass mich aus dem Haus gehen, dann wird auch für dich alles erträglicher werden.«

Leidenschaftlich fuhr die Mutter auf: »Soll ich mein eigenes Kind verlieren, nur um Ingrids Zuneigung zu gewinnen? Nein, das zu verlangen, wäre unmenschlich.«

Zärtlich drückte Annerose ihr Gesicht gegen die weiche Hand der Mutter.

»Du wirst mich nicht verlieren, Mama, niemals, auch wenn ich nicht bei dir bin. Aber glaube mir, es ist der einzige Ausweg für uns alle. Schau, du liebst doch Vater, und er liebt dich auch sehr. Eines Tages kann es ihm nicht länger verborgen bleiben, welcher Vulkan unter der Oberfläche brodelt und jeden Augenblick zum Ausbruch kommen kann. Er wird bestürzt sein und sich plötzlich einer harten Entscheidung gegenübersehen, der er einfach nicht gewachsen ist. Nein, Mama, machen wir uns doch nichts vor. Wenn jemand zu weichen hat, dann bin ich es – nur so kann der Friede dieses Hauses gewahrt bleiben.«

Obwohl sich alles im Herzen der Mutter dagegen auflehnte, spürte sie doch tief in ihrem Innern, wie bitter wahr jedes Wort war, das Annerose ihr im eindringlichen Ernst sagte.

»Wir sprechen noch darüber«, murmelte sie leise.

Sanft strich sie der Tochter mit ihren Fingern über das braune seidige Haar.

Die beiden Frauen bemerkten nicht, dass Ingrid in diesem Augenblick ganz nahe an ihnen vorbeikam. Jäh verhielt das Mädchen den Schritt, und in den hellen Augen begann es unheilvoll zu glimmen, als sie sah, wie die Mutter zärtlich über Anneroses Kopf strich.

Zorn, Eifersucht und ein kaum bezähmbarer Hass, der sich ausschließlich gegen Annerose wandte, brach in Ingrid auf und legte sich wie ein Schleier vor ihre Augen. Ruckartig wandte sie sich ab und ging hastig davon.

Ihr Blick suchte den Vater, blieb an ihm hängen, und ungestüm brach es in ihr auf, dass er zu ihr gehörte, dass sie sich ihn von niemandem streitig machen lassen wollte. Auch nicht von dieser Frau, die mit ihrer Tochter in den Frieden ihres Hauses eingedrungen war und sich hier breitmachte.

Arndt Haßler schien den Blick seiner Tochter zu spüren. Er löste sich jetzt aus dem Kreis, in dem er stand, und kam direkt auf sie zu. Zärtlich legte er den Arm um ihre Schultern und spürte verwundert, wie sich Ingrid zitternd gegen ihn drängte.

»Na, Kleines, gefällt es dir? Ich finde, es ist ein sehr schönes Fest, das Mutter dir gerichtet hat, nicht wahr?«

Sofort verschloss sich das schöne Mädchengesicht, wurde hart und abweisend. Fast schroff löste sie sich vom Vater und sah ihn mit einem feindlichen Blick an.

»Na ja, jeder so, wie er kann, Vater«, gab sie mit verletzender Kälte zurück. »Freilich, dafür, dass es für sie noch alles sehr neu und ungewohnt ist, ist es ihr leidlich gelungen.«

Arndt Haßler blickte seine Tochter betroffen an. Warnend zuckte es in seinen Augen auf.

»Ich finde, du bist sehr undankbar, Kind«, gab er scharf zurück. »Mutter hat sich so viel Mühe gegeben, um deinen Geburtstag zu einem besonderen Fest zu machen. Wie ich an den Gesichtern deiner Gäste sehen kann, gefällt es ihnen allen sehr gut.«

Sein scharfer Ton reizte Ingrid. Sie warf den Kopf herausfordernd in den Nacken zurück.

»Undankbar, Vater?«, fragte sie jetzt hitzig. »Schließlich steht sie als deine Gattin unserem Haus vor, und es ist ihre Pflicht, alles zu deiner Zufriedenheit zu arrangieren.«