Magier von London - Buch vier - Anna Heart - E-Book
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Magier von London - Buch vier E-Book

Anna Heart

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Beschreibung

Die romantische Fantasy Serie über eine verbotene Liebe zwischen verfeindeten Magiern geht weiter Die Schlacht zwischen den Aydin und Karan hat auf beiden Seiten schwere Opfer gefordert. Kann Lizzy den Frieden halten - und wird Elias zurückkehren? Verbotene Liebe, magische Kämpfe und unvorhersehbare Wendungen – die rasante Fantasy Liebesgeschichte um Lizzy und Elias hat Leserherzen im Sturm erobert! Für alle, die Romantasy mit Spice lieben.

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Seitenzahl: 224

Veröffentlichungsjahr: 2025

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ANNA HEART

Magier von London

Buch vier

Titel: Magier von London – Buch 4

Autorin: Anna Heart

Verlag: Von Morgen Verlag

Stettiner Straße 20 13357 Berlin

Cover: Jenny-Mai Nuyen

Deutsche Erstveröffentlichung: Berlin 2023

© 2023 Von Morgen Verlag, Berlin

Alle Rechte vorbehalten.

Kapitel 1

Kapitel 2

Kapitel 3

Kapitel 4

Kapitel 5

Kapitel 6

Kapitel 7

Kapitel 8

Kapitel 9

Kapitel 10

Kapitel 11

Kapitel 12

Kapitel 13

Kapitel 14

Kapitel 15

Kapitel 16

Kapitel 17

Kapitel 18

Kapitel 19

Epilog

Kapitel 1

Träge öffnete ich die Augen und spürte warme Lippen an meinem Ohr.

„Ich wäre fast gestorben!“, flüsterte eine Stimme, die mir ein Kribbeln in den Bauch schickte.

Ich verdrehte die Augen, musste aber lachen.

„Erzähl’s mir nochmal, als wäre ich nicht dabei gewesen“, sagte ich neckend und gab Elias einen Kuss auf die Nasenspitze.

Er schlang die Arme um mich und zog mich zu sich heran. „Sei nicht so frech“, sagte er zärtlich. LAngsam küsste er mich, erst spielerisch, dann intensiver und fordernder.

Ich rollte mich ganz zu ihm herum und kuschelte mich an seinen nackten Körper.

Wir hatten uns gerade erst geliebt, aber ich spürte, wie sich Verlangen in mir ausbreitete, die schönen Stunden noch zu verlängern. Alles in mir widerstrebte dem Gedanken, jetzt aufzustehen, und ich konnte fühlen, dass es Elias ähnlich ging.

Wir hatten uns den Luxus eines entspannten Wochenendes gegönnt, nachdem ich mich darüber beschwert hatte, dass ich Elias‘ Couch besser kannte als sein Bett.

„Die Couch steht eben näher an der Tür, und ich kann mich einfach nicht zurückhalten, wenn ich mit dir allein bin“, hatte er als Entschuldigung gemeint und mich mit einem Grinsen dazu gebracht, es ähnlich zu sehen.

Ich seufzte und ließ meine Hände langsam über seinen Rücken gleiten. Es tat es mir gleich, fuhr mit seinen Fingern die leichte Beugung meiner Wirbelsäule nach und streichelte meine Schultern.

Wie immer spürte ich jede seiner Berührungen tief in mir drin, und sie weckten den Wunsch, ihm näher zu sein, noch näher, bis jeglicher Abstand zwischen uns verschwunden war.

Ich küsste ihn sanft, und er küsste mich gierig zurück. Seine Hände wanderten von meinen Schultern zu meinen Brüsten und liebkosten sie. Ich drückte den Rücken durch und presste meinen Bauch an seinen. Sofort spürte ich, wie er hart wurde.

Ich konnte es nicht mehr abwarten, ich wollte ihn in mir. Doch er ließ sich Zeit. Seine Hände wanderten tiefer und begannen, mich zu streicheln. Jede seiner Bewegungen ließ mich lustvoll aufstöhnen, und er grinste mich an.

„Na?“, flüsterte er mir sanft ins Ohr. „Gefällt dir das?“

Ich nickte atemlos. Meine Hände zitterten, aber fanden ihn. Langsam begann ich, ihn zu massieren, und er schloss die Augen und stöhnte auf.

„Na?“, fragte ich ihn keuchend. „Gefällt dir das?“

Er grinste. „Alles, was du tust, gefällt mir“, raunte er mir ins Ohr.

Eine Weile streichelten und liebkosten wir uns, bis ich es nicht mehr aushielt. Das Brennen in mir wurde zu stark und verlangte nach Befriedigung. Ich zog ihn zu mir, bis er auf mir lag. Mit einem Stoß drang er in mich ein, und ich warf den Kopf zurück und stöhnte. Gemeinsam bewegten wir uns im Rhythmus unseres immer schneller werdenden Herzschlages. Ich presste meine Hand auf seine Brust und schob ihn weg, und gehorsam folgte er mir. Dann saß ich auf ihm. Seine Hände lagen auf meinen Hüften und dirigierten mich, aber ich gab den Ton an. Immer schneller und schneller bewegte ich mich, bis ich es nicht mehr aushielt. Mit einem leisen Schrei kam ich, und im selben Moment drückte er seine Hüfte fester gegen meine, um ein letztes bisschen Nähe zu erzwingen.

Keuchend sank ich auf seine Brust, nicht bereit, ihn schon freizugeben. Er streichelte meinen Rücken und murmelte mir ins Ohr: „Du bist der Wahnsinn.“

„Du auch“, murmelte ich zurück, während ich ihm über die Schultern strich. Er küsste mich, lange und intensiv. Atemlos ließen wir schließlich voneinander ab, nur, um uns im nächsten Augenblick wieder aneinander zu kuscheln. Ich genoss die wohlige Wärme in meinem Bauch, genoss es, Elias‘ Haut auf meiner und die Festigkeit seines Körpers zu spüren.

Es hatte fast zwei Monate gedauert, bis Elias‘ Körper ganz wiederhergestellt war, aber ich hatte auf ihn gewartet, mal mehr, mal weniger geduldig. Das Warten hatte mir viel Zeit zum Nachdenken gelassen, vor allem darüber, wie es sein würde, wenn Elias wieder da wäre. Nachts war ich aus Träumen hochgeschreckt, in denen er mir mit einem traurigen Lächeln den Rücken zuwandte, wie an dem Tag, als er gekommen war, um den Aydin den Krieg zu erklären. Doch jedes Mal, wenn ich wieder an ihm zweifelte, erinnerte ich mich an den Moment, in dem er sich Ayas Klinge in den Weg gestellt hatte. Ich hielt mit daran fest, dass er mir das Leben gerettet hatte, obwohl es ihn beinahe sein eigenes gekostet hatte. Es reichte aus, um mich weiter warten zu lassen, bang, voller Hoffnung und Fragen. Aber ich wartete.

Ich war davon ausgegangen, dass es leichter werden würde, wenn ich erst wieder in meinen Armen halten konnte, und in gewisser Hinsicht wurde es das auch. Wann immer ich mich an ihn schmiegte, den Kopf an seine Schulter lehnte und seine Lippen auf meinen spürte, brauchte ich keine weitere Gewissheit. Doch trotz seiner zärtlichen Blicke, trotz seiner Finger, die mir durchs Haar strichen, sprach er die entscheidenden Worte nicht aus.

Jeden Abend gab er mir einen Kuss auf die Stirn und öffnete kurz die Lippen, als wollte er mir noch etwas sagen, und ich sah ihn erwartungsvoll an. Aber die Worte, die ich so gern hören wollte, blieben aus. Es ärgerte mich, dass ich unser Glück nicht einfach genießen konnte, nachdem ich mir so lange nichts sehnlicher gewünscht hatte, als ihn bei mir zu haben.

Bevor Elias‘ Körper wieder Gestalt annahm, hatte ich mich noch bei meinen Eltern in Cornwall eingenistet, wo meine Mutter mich und meinen Vater mit ihren Kochkünsten verwöhnte. Die beiden zusammen zu sehen hatte mich immer mit einem warmen Gefühl und gleichzeitig einem Stechen erfüllt; froh darüber, dass meine Mutter wieder mit ihrer großen Liebe vereint war, aber gleichzeitig erinnerte es mich daran, dass ich von Elias getrennt war.

Liam und Jassy hatten mir in den ersten Tagen Gesellschaft geleistet, bis sie – entgegen den Protesten meiner Mutter – meinten, sich nicht länger aufdrängen zu können.

Wir standen gerade in der Küche, als Jassy verkündete: „Wie haben eure Gastfreundschaft lang genug strapaziert. Morgen fahren wir zurück nach London.“

Liam nickte mit einem Lächeln, das alles bedeuten konnte.

Meine Mutter und ich wechselten einen schnellen Blick. Schon länger hatte sie die Theorie, dass die beiden mehr als Freundschaft verband, aber ich hatte bisher keine Anzeichen dafür gesehen. Sicher, sie verbrachten viel Zeit miteinander, aber in dem Dörfchen in Cornwall blieb ihnen auch nicht viel anderes übrig. Und ich verstand, dass sie meine Wehklagen über Elias‘ Abwesenheit auch nur eine gewisse Zeit lang ertrugen.

„Nein, bleibt doch noch hier“, startete meine Mutter einen mehr als halbherzigen Versuch, doch Jassy schüttelte entschieden den Kopf.

„Ihr braucht Zeit für euch, als Familie“, sagte sie, und kurz huschte Traurigkeit über ihr Gesicht. Zum ersten Mal fragte ich mich, was wohl mit Jassys Eltern geschehen war – ob sie im großen Krieg zwischen Aydin und Karan gefallen waren.

Am nächsten Tag fuhren die beiden zurück nach London, und ich blieb in Cornwall, ungeduldiger denn je. Am liebsten hätte ich ebenfalls meine Sachen gepackt und wäre abgereist, um meinen Eltern etwas Privatsphäre zu geben. Es zeigte sich in jeder Berührung, jedem Blick zwischen den beiden, dass sie sich nach zwanzig Jahren Trennung darauf freuten, miteinander allein zu sein. Ich versuchte, nicht allzu viel darüber nachzudenken, schließlich handelte es sich um meine Eltern.

Irgendwann begann Elias‘ Körper, sich zu regenerieren, und ich wurde unsicher, was ich tun sollte. Wie ein Geist folgte er mir. Meine Eltern gaben sich große Mühe, ihm mit Freundlichkeit zu begegnen, aber ein entspanntes Gespräch ergab sich nie. Auch wenn meine Mutter aus offensichtlichen Gründen nicht dem Glauben anhing, dass alle Karan böse waren, schaffte sie es doch nicht, ihre Befangenheit Elias gegenüber ganz abzulegen.

Meinem Vater ging es ähnlich, immerhin war Elias der König der Karan. Auch hatte er schlechte Erfahrungen mit anderen Karan gemacht, war es doch ein Karan gewesen, der ihn zwanzig Jahre lang eingesperrt hatte, nur weil er mit einer Aydin zusammen war.

Natürlich brauchte ich ihn nicht davon überzeugen, dass ihm von Elias keine solche Gefahr drohte, schließlich war er in einer ähnlichen Situation wie meine Eltern. Doch wann immer ich das Zimmer betrat, gefolgt von Elias‘ geisterhaften Gestalt, sah ich, wie mein Vater zusammenzuckte. Er schien sich nie ganz sicher zu sein, wie er sich Elias gegenüber verhalten sollte. Manchmal murmelte er „Mein König“ und verließ fluchtartig das Zimmer. Dann wieder sah er ihn nur an, mit großen Augen, deren angsterfüllter Blick mich schmerzte.

Meine Mutter war resoluter, doch auch sie verhielt sich anders als sonst. Sie erkannte seine Anwesenheit mit einem Nicken an, sagte dann aber oft etwas wie „Ich lasse euch besser in Ruhe“, oder „Ich schaue mal, was Rory gerade macht“, um ebenfalls zu verschwinden.

Also beschloss auch ich, nach London zurückzukehren, sobald Elias‘ Körper das durchscheinend Geisterhafte abgelegt hatte. Ich wartete ungeduldig auf den Augenblick, in dem ich ihn zum ersten Mal wieder in den Armen halten konnte, und der Kuss, der folgte, war so intensiv, als wäre es unser erster. Wir liebten uns mit einer neugewonnenen Nähe in einer Welt, in der es nur uns gab.

Seit diesem Moment war ich ihm kaum von der Seite gewichen, und er gab sich alle Mühe, die verlorene Zeit wieder wettzumachen. Er führte mich in die schicksten Restaurants Londons aus und erfüllte zwei Versprechen, die er mir gegeben hatte: Wir schliefen aus und wachten nebeneinander auf. Und er tanzte mit mir in seiner Wohnung.

Eines Abends kamen wir von einem Besuch in einem Sternerestaurant zurück, eine Art des Essens, an die ich mich noch immer nicht gewöhnt hatte. Die mundgerechten Happen schmeckten vorzüglich, doch kaum war der Biss verschwunden, wünschte ich mir mehr davon. Dazu war reichlich Wein geflossen, und eine wohlige Schummerigkeit hatte sich in meinem Kopf breitgemacht. Kaum betraten wir Elias‘ Wohnung, zog er mich an sich, doch ich stieß ihn spielerisch von mir.

„Was ist mit meinem Tanz?“, fragte ich neckend, und er sah mich verwundert an.

„Welcher Tanz?“

„Du hast mir einen Tanz versprochen, damals, auf der Reise nach Schottland“, erinnerte ich ihn. Wie im Spiel nahm ich ihn an der Hand und zwang ihn dazu, sich einmal im Kreis zu drehen.

„Nun gut. Aber kein Walzer“, antwortete er mit einem Lachen. „Zu welchem Lied möchtest du tanzen?“

„Ich möchte, dass du singst“, sagte ich mit Nachdruck. „Du hast so eine schöne Stimme. Ich will dich singen hören.“ Definitiv machte mich der Alkohol herausfordernder, als ich sonst gewesen wäre.

Er verdrehte die Augen. „Aber du weißt doch, böse Menschen kennen keine Lieder“, meinte er mit einem Grinsen.

„Du bist ja auch kein Mensch“, gab ich zurück.

„Du hast gewonnen.“

Er stellte sich vor mir hin und krempelte seine Ärmel hoch, sodass seine muskulösen Unterarme entblößt waren. Kurz hatte ich ganz andere Gedanken als zu tanzen, aber ich hatte es eingefordert, also musste ich nun mitspielen.

Ich hatte erwartet, dass Elias eine Ballade anstimmen würde, doch zu meiner Überraschung ertönten aus dem Nichts schnelle Gitarrenriffs und ein harter Beat. Er zog mich an sich, und wir wirbelten über das Parkett seines Wohnzimmers. Dann begann er in der melodischen Sprache der Magier zu singen. Ich verlor mich in seiner tiefen, warmen Stimme, in der Bewegung, mit der er mich mal in die eine, mal in die andere Richtung dirigierte.

Instinktiv ergaben die Worte für mich Sinn, obwohl ich die Sprache der Magier nie gelernt hatte – wie alle Magier verstand ich sie.

„Was auch immer sie sagen

Ich tanze mit dir

Die Antwort auf tausend Fragen

Finde ich hier

Ja, wir sind verschieden

Zwei Hälften, ein Ganzes

Heute herrscht Frieden

Bis zum Ende des Tanzes“

Kaum hatte er das Lied beendet, zog er mich näher in einen Kuss. Wärme breitete sich in mir aus, und es kam nicht nur von der Anstrengung des Tanzes. Für einen Moment verflogen alle Zweifel, die manchmal noch in dunklen Stunden ihre Köpfe reckten. In diesem Augenblick war ich mir sicher, wir würden ein schönes, erfülltes Leben haben, ohne Schwierigkeiten. Doch die Bedrohung des letzten Krieges hing noch immer über uns, und wir mussten aufpassen, dass uns kein Karan oder Aydin zusammen sah. Manchmal wechselten wir unsere Gestalten, wenn wir an einen Ort gingen, an dem wir vermuteten, auf Magier zu treffen. Dann durchzog eine gewisse Trauer den Abend, während wir einander in den fremden Formen anstarrten und uns kaum wiedererkannten.

Meine Eltern hatten es da einfacher. In ihrem kleinen Dorf in Cornwall mussten sie nicht befürchten, auf Magier zu treffen, und selbst wenn, hätte ihr Gegenüber sie kaum erkannt. Aber Elias war der König der Karan und ich die Königin der Aydin. Solange es den Hass zwischen Aydin und Karan gab, würde unsere Liebe im Verborgenen stattfinden müssen. Der Gedanke daran verband sich automatisch mit einem zweiten. Am Ende des Krieges hatte ich gedroht, jeden Magier zu finden und zu bestrafen, der den alten Hass wiederaufleben ließ. In Wahrheit tat ich jedoch nichts dergleichen, weil ich nicht wusste, wie.

Als ich mit Elias darüber sprach, machte er eine wegwerfende Handbewegung. „Die meisten Magier sind nicht allzu scharf darauf, die Gegenseite zu bekämpfen. Und du wirst es spüren, wenn ein magischer Kampf in deiner Nähe stattfindet.“

Seine Worte beruhigten mich nur etwas, denn schließlich gab es nicht nur in London Magier.

Im Gegensatz zu mir schien Elias sich nicht darum zu kümmern, was die Situation für uns bedeutete. Er nahm sie hin, und ob es daran lag, dass es ihm egal war, oder er nur so tat, konnte ich nicht sagen.

Mich jedoch beschäftigte sie jeden Tag und vor allem nachts, wenn ich an Elias gekuschelt dalag und trotzdem nicht schlafen konnte. In jeder Sekunde konnte sich die Tür öffnen oder die Glaswand im Wohnzimmer wieder splittern, weil uns Karan oder Aydin gefunden hatten. Es war ein Leben in den Schatten, aus denen wir kaum heraustreten konnten, und die Zukunft bereite mir große Sorgen. Mir fehlte der innere Frieden.

Vieles hatte sich verändert, doch einiges war wie vor meinem Eintritt in die Welt der Magier. Nachdem ich ihn hartnäckig bearbeitet hatte, ließ mich Elias mein Praktikum bei Jordans, Pfeiffer & Smith wieder aufnehmen.

„Ich will nicht einer von diesen Chefs sein, die jemanden einstellen, weil sie auf sie stehen“, grummelte er, als wir eines Abends auf der Couch saßen, und ich gab ihm einen spielerischen Klaps auf dem Oberarm. „Und ich will nicht eingestellt werden, nur weil du auf mich stehst!“, gab ich lachend zurück. Dann kuschelte ich mich an ihn, aber sah ihn streng an, nicht bereit, das Thema fallen zu lassen. „Also?“

„Ich muss wohl zugeben, dass du keine schlechte Mitarbeiterin bist. Du hast alle meine Anforderungen stets zu meiner Zufriedenheit erfüllt“, gab er zu, und wieder lachte ich.

„Das klingt wie ein schlechtes Arbeitszeugnis!“, sagte ich neckend.

„Ist es nicht“, antwortete er und gab mir einen Kuss auf die Nasenspitze. „Du bist unglaublich.“

Ich nahm es gern an.

Mein erster Tag zurück auf der Arbeit erwies sich voller schwieriger Erklärungen und einigen Notlügen.

Es fühlte sich merkwürdig an, das mir so vertraute und doch inzwischen unbekannte Gebäude zu betreten. Erinnerungen an meinen ersten Tag wurden wach, als ich an der Rezeption vorbeilief und den Aufzug nach oben nahm. Damals hatte ich mit klopfendem Herzen mein Praktikum angetreten, ohne zu wissen, was mich erwartete. Dass es ein ewiger Kampf zwischen Magiern sein würde, hätte ich mir noch vor wenigen Monaten nicht einmal vorstellen können.

Noch immer in Erinnerungen versunken trat ich durch die Tür, die das Büro von den Aufzügen trennte. Alles war wie zuvor, doch der Name „Jordans“ im Schriftzug „Jordans, Pfeiffer & Smith“ über der Tür hatte jetzt eine andere Bedeutung für mich – damals hatte ich ihn mit einem gefeierten Staranwalt verbunden, jetzt dachte ich an lange, warme Nächte und enge Umarmungen.

Langsam ging ich auf meinen alten Platz zu, noch immer mit dem Gefühl, unbekanntes Land zu betreten.

Kaum, dass sie mich gesehen hatte, fiel mir Mary auch schon um den Hals und drückte mich so fest an sich, dass ich fast keine Luft mehr bekam.

„Lizzy! Du bist zurück! Was ist passiert? Du glaubst gar nicht, was in der Zwischenzeit alles geschehen ist!“ Sie betrachtete mich von oben bis unten, als musste sie sich versichern, dass es wirklich ich war.

„Kaffee“, verkündete sie dann, und das freundliche Blitzen tauchte in ihren dunklen Augen auf, das mich schon an meinem ersten Tag willkommen geheißen hatte.

Sie führte mich in die Kaffeeküche, während sie unablässig auf mich einredete. „Elias war fast drei Monate lang verschwunden, und selbst die anderen Partner wussten nicht, was los war. Und dann hat Patricia gekündigt …“

„Patricia hat gekündigt?“, fragte ich. Mein Magen zog sich zusammen. Seit dem großen Kampf der Magier hatten wir keinen Kontakt mehr gehabt. Laut Liam und Jassy hatte es sie hart getroffen, dass ich mich am Ende nicht für die Aydin und dazu entschieden hatte, die Karan zu vernichten. Trotz all ihrer Beteuerungen, mich zu unterstützen, hatte etwas in ihr wohl doch gehofft, dass sie Rache für den Tod des alten Königs nehmen könnte, in den sie verliebt gewesen war.

Mir war, als hätte ich eine Freundin verloren, auch wenn Jassy mir immer wieder versicherte, dass Patricia irgendwann wieder auftauchen würde.

„Ja, Patricia hat gekündigt, und das völlig aus dem Blauen heraus!“, erklärte Mary mir, während wir auf unseren Kaffee warteten. „Auch sie war längere Zeit verschwunden, aber noch ein paar Mal hier. Dann hat sie gekündigt, obwohl viele spekuliert haben, dass sie Elias‘ Stelle als Partner übernehmen könnte, wenn er nicht zurückkommt. Aber jetzt ist er zurück, und du auch.“

Sie sah mich fragend an, und ich überlegte, wie ich es erklären sollte.

„Kurz, nachdem Elias mich gefeuert hat, hat er mich doch noch einmal angerufen und gesagt, dass er Unterstützung bei der Recherche für einen wichtigen, aber geheimen Fall brauchte“, erklärte ich. „Und ich habe zugesagt.“ Lügen war wirklich nicht meine Stärke, und ich spürte, wie ich rot wurde.

„Das ist wirklich ungewöhnlich“, meinte Mary, und ich konnte sehen, dass sie mir nicht glaubte. „Ist es auch“, gab ich zu. Dann setzte ich meine Stimme ein, die Stimme der Magier, die jeden überzeugen konnte: „Aber es hat alles seine Richtigkeit so.“

Sie sah mich verblüfft an. „Natürlich! Jetzt, wo du es sagst …“

Ich nickte zufrieden, aber fühlte mich gleichzeitig etwas schlecht, dass ich meine Arbeitsfreundin angelogen hatte.

Es fühlte sich auch merkwürdig an, am selben Morgen eine E-Mail von Elias zu erhalten. „Komm in mein Büro“, stand darin, sonst nichts. Also machte ich mich auf den Weg in sein Büro, unsicher, wie er sich mir gegenüber verhalten würde.

„Wir haben viel nachzuholen“, erklärte er mir ohne eine Begrüßung. „Es gibt viel zu tun.“

Damit wies er auf einen Stapel Akten, die sich auf seinem Schreibtisch türmten. „Ich will, dass du all diese Akten liest und sie zusammenfasst. Aber nur die relevanten Dinge“, sagte er harsch, doch dann gebrochen von einem kleinen Lächeln.

Ich grummelte etwas, aber nahm die Aufgabe gern an. Es tat gut, sich nach all dem, was passiert war, endlich wieder mit etwas Normalem zu beschäftigen.

Der Tag verflog schnell. Dank meiner magischen Fähigkeiten konnte ich in Sekundenschnelle den Inhalt des Geschriebenen aufnehmen und dann wieder in Text verwandeln.

„Du bist der Wahnsinn“, meinte Mary irgendwann. „Kein Wunder, dass Elias dich zurückhaben wollte, mit dem Tempo, in dem du durch die Akten gehst, ersetzt du locker drei Mitarbeiter.“

„Und das zu einem Praktikantengehalt“, murmelte ich unzufrieden. Darüber würde ich mit Elias noch einmal sprechen müssen. Auch hatten wir uns dazu entschieden, mein Praktikum auf ein Jahr auszudehnen, um die verlorene Zeit wieder wettzumachen. So würde ich die Gelegenheit haben, noch einiges zu lernen, die durch den Kampf zwischen Karan und Aydin zunichte gemacht worden war.

Am Abend wartete Elias im Parkhaus auf mich. „Fährst du mich nach Hause?“, fragte ich ihn mit einem Grinsen und warf meine Handtasche auf den Beifahrersitz, zu dem er mir die Tür aufhielt.

„Lustig, da wollte ich gerade sowieso hin“, entgegnete er mit einem Lächeln.

Meine Wohnungsverhältnisse hatten sich verändert, seit wir aus Cornwall zurückgekehrt waren. Da ich sowieso die meiste Zeit bei Elias verbrachte, hatte er mich irgendwann dazu bewegt, bei ihm einzuziehen, und ich genoss es. Zwar vermisste ich meine Abende mit Jassy, aber auch sie war nicht allein geblieben. Liam hatte sich dazu entschieden, mein freies Zimmer zu übernehmen, um Geld zu sparen und jemanden um sich zu haben, wie er sagte. Doch ich wurde das Gefühl nicht ganz los, dass die beiden es ebenfalls genossen, in der Nähe des jeweils anderen zu sein. In den Wochen vor dem Krieg und auch danach hatten sie viel Zeit miteinander verbracht, und manchmal stahl sich ein Lächeln auf Jassys Gesicht, wenn sie von ihm redete.

Wenn ich sie darauf ansprach, wehrte sie aber schnell ab. „Nein, nein, jedem ist doch klar, dass Liam in dich verliebt ist“, sagte sie hastig. „Und ich weiß gar nicht, was ich mit einem Jüngling wie ihm anfangen sollte!“

Es erinnerte mich immer wieder daran, dass Jassy vielleicht aussah wie Anfang zwanzig, aber in Wahrheit schon über achtzig Jahre lebte.

„Lass uns unterwegs irgendwo etwas zu essen mitnehmen“, schlug ich vor, auch, um den Gedanken an Jassy und Liam loszuwerden.

Elias lachte auf. „Ich werde mich nie ganz daran gewöhnen, dass du jeden Abend essen willst“, meinte er mit einem Grinsen, aber lenkte dann den Wagen um, damit wir bei meinem liebsten indischen Imbiss vorbeifuhren. Eingedeckt mit Pakora, Dal und Naanbrot machten wir uns auf den Weg zurück zu Elias‘ Wohnung.

„Wusstest du, dass Patricia gekündigt hat?“, fragte ich, während wir uns über die Leckereien hermachten.

Elias hielt kurz inne, dann nickte er. „Ja, natürlich. Ich kann es ihr nicht verdenken. In ihrer Situation wäre ich auch nicht in der Lage dazu, jeden Tag einem Karan – und meiner abtrünnigen Königin – über den Weg zu laufen.“

Ich rührte nachdenklich in meinem Dal herum. „Ich bin trotzdem enttäuscht“, gab ich schließlich zu. „Ich hatte erwartet, dass sie mich auch weiterhin unterstützt.“

„Ich denke, sie braucht einfach etwas Zeit, um sich von dem Schock zu erholen“, meinte Elias mit einem Schulterzucken. „Und ich bin auch sehr froh, dass ich nicht jeden Tag mit jemandem reden muss, der mich vor wenigen Wochen noch tot sehen wollte. Und das wahrscheinlich auch immer noch will.“

Ein flaues Gefühl drückte in meinen Magen, doch ich ignorierte es. Es stimmte, Patricia war eine der lautesten Führsprecherinnen dieses Krieges gewesen.

Trotz allem vermisste ich sie. Sie hatte mich in die Welt der Magier eingeführt, mir Magie beigebracht und geholfen, meine Kräfte zu entdecken. Selbst als ich herausgefunden hatte, dass ich Wirklichkeit Karan- und Aydinblut in mir hatte, war sie nicht von meiner Seite gewichen.

Elias schien es mir anzusehen, denn er lächelte schief. „Du vermisst sie, hm?“

Ich zuckte mit den Schultern. „Ich habe noch so viele Fragen über die Aydin.“

„Die kann ich dir leider nicht beantworten. Ich kenne nur die Lügen, die mir meine Eltern erzählt haben“, sagte er, und ein Schatten legte sich auf sein Gesicht. „Aber du hast Jassy und Liam und deine Mutter.“

„Da hast du recht.“

Trotzdem fühlte ich mich, als fehlte jemand in meinem Leben, aber ich wollte nicht weiter mit Elias darüber sprechen.

Die Wochen flogen dahin, und ich genoss es, mich nur auf das Hier und Jetzt zu konzentrieren. Alles war perfekt, und ich fand, ich hatte es mir nach den letzten Monaten verdient, ein Stück Glückseligkeit im Alltag zu haben. Es gab nichts Schöneres für mich, als neben Elias aufzuwachen und in seine dunklen Augen zu blicken.

„Heute Abend treffe ich mich mit Liam und Jassy“, verkündete ich eines Morgens, und Elias verzog das Gesicht. Natürlich versuchte ich, die beiden so oft wie möglich zu sehen, aber Elias freute sich nicht darüber. Noch immer hatte er eine schlechte Meinung über die Aydin, die im Krieg gegen ihn gekämpft hatten, und ich konnte es ihm nicht verdenken.

„Bist du etwa eifersüchtig?“, fragte ich ihn an diesem Morgen, und seine Miene wurde noch grimmiger. „Eifersüchtig? Auf einen Aydin?“

„Dann bin ich ja froh, dass du auch keinen Grund dazu siehst. Lass mich einfach den Abend genießen, in Ordnung?“, fragte ich und gab ihm einen Kuss. Er zog mich näher heran, im Kopf schon wieder bei ganz anderen Sachen, und ich folgte ihm mit Freuden.

Nach der Arbeit machte ich mich auf den Weg zu der kleinen Wohnung, in der ich mit Jassy gewohnt hatte. Es fühlte sich merkwürdig an, nicht länger den Schlüssel ins Schloss zu stecken, sondern zu klingeln, aber kaum betrat ich die Wohnung, war das Gefühl auch schon wieder verflogen.

Jassy fiel mir um den Hals. „Lizzy, es ist so wunderbar, dich zu sehen!“

„Und immerhin begrüßt du mich jetzt nicht jedes Mal mit ‚Ich habe mir solche Sorgen um dich gemacht‘“, meinte ich grinsend.

„Eine echte Verbesserung“, stimmte sie mir zu. Dann wandte ich mich an Liam, der mich ebenfalls in eine Umarmung zog. Seine Augen leuchteten. „Ich freue mich so, dich zu sehen! Ich habe Hähnchencurry gekocht“, fügte er gleich hinzu, und jetzt waren es meine Augen, die leuchteten. „Mein Lieblingsessen!“

Lachend gingen wir ins Wohnzimmer und ließen uns auf der Couch nieder. Dabei fiel mir auf, dass Liam und Jassy eng nebeneinandersaßen, sodass sich ihre Oberschenkel berührten. Als sie mein Grinsen bemerkten, rückten sie ein Stück voneinander weg.

„Na, ihr beiden“, meinte ich, während ich den Wein, den Liam zur Feier des Tages geöffnet hatte, in meinem Glas schwenkte. „Seid ihr immer noch nicht zusammen?“

Liam und Jassy wurden beide rot, und ich musste lachen.

„Nein, nein, wir sind nur Freunde“, sagte Jassy schnell, und als er meinen Blick bemerkte, setzte Liam hastig hinzu: „Wirklich.“

„Na gut, dann glaube ich euch“, beschloss ich das Thema ruhen zu lassen. Vorerst.

Wir verbrachten den Abend mit gutem Essen, leckerem Wein und viel Lachen. Liam konnte hervorragend Geschichten erzählen, die er mit wilden Handbewegungen unterstrich. Jassy lachte über jeden Witz, den er machte. Manchmal fing ich Blicke zwischen ihnen auf, die mich fast dazu gebracht hätten, doch noch einmal nachzuhaken, ob wirklich nichts zwischen ihnen lief. Aber ich ließ es, dafür genoss ich es zu sehr, einfach Zeit mit den beiden zu verbringen.

„Oh weh, es ist schon drei Uhr morgens“, stellte ich irgendwann mit einem Blick auf mein Handy fest. Die Zeit war verflogen, ohne dass ich es mitbekommen hatte.