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Western Helden – Die neue Reihe für echte Western-Fans! Harte Männer, wilde Landschaften und erbarmungslose Duelle – hier entscheidet Mut über Leben und Tod. Ob Revolverhelden, Gesetzlose oder einsame Reiter auf der Suche nach Gerechtigkeit – jede Geschichte steckt voller Spannung, Abenteuer und wilder Freiheit. Erlebe die ungeschönte Wahrheit über den Wilden Westen Er kam von den blauen Bergen heruntergeritten und streifte durch die Niederungen, zog durch die Abenddämmerung und dachte an nichts Böses. Da zerriss der scharfe, peitschende Knall eines Gewehrschusses die Stille. Wie von einer unsichtbaren Faust getroffen, stürzte er vom Pferd, überschlug sich und lag still, während das Echo des heimtückischen Schusses in der Wildnis verhallte. Hufe klapperten über Gestein hinweg, wühlten sich durch die lockere Grasnarbe und stampften dicht an den jungen Mann heran. Der Reiter senkte das Gewehr, zielte und hielt inne. »Hab' ich dich endlich erwischt?«, flüsterte er heiser. »Widerlicher, langhaariger Hundesohn. Ich hab' dich lange genug beobachtet. Du wolltest wieder eines unserer Rinder stehlen, nicht wahr? Ich werde auch deinen Alten erwischen, irgendwann!« Er stieß das Gewehr in den Scabbard zurück und riss am Zügel. Schon jagte das Pferd durch den Staub und trug ihn davon. Der junge Mann hob mühsam den Kopf an und blickte ihm nach, sackte dann zurück und lag wie tot im Sand. Die Sonne sank. Über ihm funkelten all die tausend Sterne und streuten ihr bleiches Licht über dem weiten Land aus, erhellten sein blasses Gesicht und die lederne Kleidung, die nach Lagerfeuer, Büffelfett und Douglasfichten roch. Stundenlang lag er reglos. Dann kam ein Reiter näher und suchte nach ihm. Er trug die Pelzmütze der einsamen Fallensteller und hatte in der Faust eine Sharps. Sein eisgrauer Bart wehte im Nachtwind.
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Seitenzahl: 162
Veröffentlichungsjahr: 2025
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Er kam von den blauen Bergen heruntergeritten und streifte durch die Niederungen, zog durch die Abenddämmerung und dachte an nichts Böses.
Da zerriss der scharfe, peitschende Knall eines Gewehrschusses die Stille.
Wie von einer unsichtbaren Faust getroffen, stürzte er vom Pferd, überschlug sich und lag still, während das Echo des heimtückischen Schusses in der Wildnis verhallte.
Hufe klapperten über Gestein hinweg, wühlten sich durch die lockere Grasnarbe und stampften dicht an den jungen Mann heran.
Der Reiter senkte das Gewehr, zielte und hielt inne.
»Hab’ ich dich endlich erwischt?«, flüsterte er heiser. »Widerlicher, langhaariger Hundesohn. Ich hab’ dich lange genug beobachtet. Du wolltest wieder eines unserer Rinder stehlen, nicht wahr? Ich werde auch deinen Alten erwischen, irgendwann!«
Er stieß das Gewehr in den Scabbard zurück und riss am Zügel. Schon jagte das Pferd durch den Staub und trug ihn davon.
Der junge Mann hob mühsam den Kopf an und blickte ihm nach, sackte dann zurück und lag wie tot im Sand.
Die Sonne sank.
Über ihm funkelten all die tausend Sterne und streuten ihr bleiches Licht über dem weiten Land aus, erhellten sein blasses Gesicht und die lederne Kleidung, die nach Lagerfeuer, Büffelfett und Douglasfichten roch.
Stundenlang lag er reglos.
Dann kam ein Reiter näher und suchte nach ihm.
Er trug die Pelzmütze der einsamen Fallensteller und hatte in der Faust eine Sharps. Sein eisgrauer Bart wehte im Nachtwind. Das sandfarbene Haar war so lang, dass es die Schultern berührte. Unendlich viele Falten kerbten das Gesicht des Alten.
»Roy!«, rief er mit hohler Stimme. »Roy, mein Junge, wo bist du?«
Die Stimme verklang ohne Echo. Die Bäume ächzten im Wind und schlugen mit den Zweigen. Dumpf tappten die Hufe des Pferdes durch die Mulden.
Horchend verhielt der Alte und beugte sich vor. Er starrte umher wie ein misstrauischer alter Wolf, der das Feuer fürchtete, und hörte das Brüllen ferner Rinder, das der Wind herantrug.
»Roy!«
Keine Antwort.
Er ritt weiter, hockte schwer auf dem Pferd und hielt die Sharps schussbereit.
Plötzlich entdeckte er das Pferd in der Mulde. Es stand fast reglos; die Mähne flatterte im Wind. Wiehernd hob es den Schädel an und blickte ihm entgegen.
Er peitschte sein Pferd vorwärts und jagte in die Mulde, warf sich vom Pferd und rannte zu seinem Sohn, kniete nieder und warf das Gewehr hin. Mit beiden Händen hob er den Kopf des Sohnes an und küsste erschüttert das bleiche Gesicht.
»Roy!«, stöhnte er. »O Gott, mein Junge, komm zu dir! Du musst es deinem Vater sagen.«
Doch der Sohn rührte sich nicht.
Da rannte er zum Pferd zurück, zerrte die Wasserflasche vom Sattelhorn und warf sich wieder hin, goss Wasser übers Gesicht des Sohnes und versuchte, ihm Wasser einzuflößen. Fahle Blässe überzog das faltige Gesicht. Zitternd tastete er über die Wunde und krümmte sich zusammen, stöhnte im wilden Schmerz auf und ballte die Hände zusammen. Aus der Unterlippe sickerte Blut …
Der Sohn bewegte sich auf einmal, sah auf und blickte ins Leere.
»Roy, mein Junge«, ächzte der Alte und legte die große Hand ans Gesicht seines Jungen. »Wer hat das getan? Sag es deinem Vater, mein Junge.«
Die Lippen des Sohnes zitterten. Der Atem floh über die blutleeren Lippen.
Der Alte beugte sich ganz tief hinunter und hörte die letzten Worte seines Sohnes.
Sein faltiges Gesicht zerriss fast. Wie ein gebrochener Mann hockte er neben dem Sohn und hielt dessen Hände. Und der Sohn starrte empor und zu den Sternen.
»Du wirst Mam wiedersehen, mein Junge«, tönte die rasselnde Stimme des alten Mannes durch die Nacht. »Du musst sie sehen, Roy, und ihr alles sagen. Bestimmt komme ich bald nach. Jetzt hat es doch keinen Sinn mehr für mich …« Immer schwerer kamen die Worte, immer langsamer und leiser. »Ich will nicht mehr in den Bergen hausen, Roy, allein in der Hütte. Ich werde ihn suchen und finden und mit ihm abrechnen. Er wird mir nicht entkommen können, mein Junge, und ich werde dann …«
Er verstummte, strich mit der großen Hand unendlich sanft über die Augenlider des Sohnes hinweg und schloss ihm die Augen.
Ein großer, rauer Mann der Wildnis weinte.
In dieser Nacht zog er mit seinem Sohn in die tiefe Stille der Bergwildnis zurück.
Er sprach unterwegs.
Der Ritt führte auf schmalen Pfaden immer höher und in die einsame Region hinauf, wo es keinen anderen Menschen gab, wo das Wild noch frei und nach uralten Gesetzen wechselte und wo die Berge dem Himmel so nahe waren.
An der Felswand klebte die primitive Hütte. Dort stieg er vom Pferd und holte seinen Jungen in die Hütte. Er setzte sich aufs Lager, hielt die kalte Hand seines Sohnes und stierte hinaus.
Irgendwann trat er aus der Hütte hervor. Er ging gebeugt; die breiten Schultern waren ohne Kraft. Dabei hatte dieser Mann mit bloßen Händen Stiere zu Boden gezwungen.
Unter den rauschenden Bäumen blieb er stehen und starrte über die weiten Täler hinweg.
Ein Mann wie Les Dundee gab nicht auf.
Er kniete nieder und grub mit den Händen das Grab für seinen Sohn. Dann ging er in die Hütte, holte viele Felle und legte sie ins Grab, breitete sie aus und schnäuzte sich dann. Schließlich trat er seinen schwersten Weg an, nahm seinen Sohn auf beide Arme und legte ihn auf die Felle, deckte ihn zu und häufte Erde auf ihn. Mit den Händen glättete er den kleinen Erdhügel und legte dann schwere Steine darauf.
Bis zum Morgengrauen saß er am Grab.
Aus den tiefen Tälern zog der kalte Dunst der Morgendämmerung empor und unter die Bäume.
Wie tot hockte er am Baumstamm und starrte leer in die Weite. Als die Sonne aufging, erhob er sich steif und ging zur Hütte, um die Vorbereitungen zu treffen.
Dieser Mann war wie die Wildnis selber …
*
»Marshal, du musst mir helfen! Diese verdammten Säcke schlagen mir den ganzen Saloon kaputt!«
Schreiend kam der Keeper mit wehender weißer Schürze über die dunkle Straße gelaufen und blieb vor Marshal Hackett McBain stehen. Beschwörend hob er beide Hände hoch.
»Marshal, tu was, sonst geht alles zu Bruch! Dennis Chisum ist bei mir im Saloon. Er und die Cowboys sind stinkbesoffen. Die kennen jetzt nichts mehr.«
Groß und hager stand McBain vor seinem erleuchteten Office und hielt die Winchester gesenkt. Über das raue Gesicht glitt flüchtiges Lächeln.
»Na, und?«, knurrte er. »Erst lässt du sie saufen, und wenn sie dick sind, dann kommst du und willst, dass ich dir diese wilde Bande aus dem Saloon schmeiße. Sieh zu, wie du sie ’rausbekommst.«
»Marshal«, krächzte der dürre Mann und stieß die gefalteten Hände gegen die Brust, »ich schwöre dir, dass ich diesen Cowboys keinen Tropfen Whisky geben wollte, aber sie …« Er brach ab und starrte Hackett McBain nach. »Marshal, wohin gehst du denn jetzt?«
McBain drehte sich lässig um und blickte ihn ruhig an.
»Nach Hause; wohin denn sonst? Im Office liegt mein Deputy. Wenn du Glück hast, dann hilft er dir, aber du hast ihm heute zu viel von deinem verdammten Whisky gegeben. Ich glaube nicht, dass du Smiley hochkriegst. Er ist sehr gründlich, wenn’s ums Saufen geht …«
Mit großen Schritten ging Marshal McBain davon und durch die Lichtbahnen der Häuser.
Hinter ihm stürzte der Keeper ins Office und rüttelte an Smileys Schultern.
»Aufstehen, Deputy! Du bekommst keine einzige Pfütze Whisky mehr von mir, wenn du nicht sofort aufstehst. O verflucht, hörst du nicht den Lärm im Saloon?«
»Hä?«, machte Smiley und kam mit dem zerknitterten Gesicht halb hoch. »Whisky? Bring her.«
»Sind denn alle nur besoffen hier?«, schrie der Keeper wütend. »Komm hoch mit dem Hintern. Du trägst schließlich den Stern.«
»Lass mich in Ruhe«, knurrte Smiley verächtlich, drehte sich auf die Seite und schnarchte sofort wieder.
Drüben im Saloon schrien die Cowboys und lachten. Dann zerplatzte die Fensterscheibe; voller Wucht kam ein Hocker herausgeflogen.
»Nein«, stöhnte der Keeper, »ich halte das nicht mehr aus. Ich werde noch verrückt.«
Dann lief er hinaus und zum Saloon zurück.
Hackett hatte sein kleines Haus am Stadtrand erreicht, horchte zurück, sah den Keeper über die Straße laufen und lächelte. Er trat ins Haus ein und blieb vor dem gedeckten Tisch stehen. In seinen grauen Augen wurde es auf einmal ganz weich.
»Fein hast du das gemacht, Frau.«
»Ich immer Freude daran haben«, lächelte sie glücklich. »Du immer Hunger wie ein Wolf.«
Er legte den Arm um die junge schöne Indianerin und zog sie an sich, gab ihr einen Kuss und setzte sich dann. Sie wollte ihm die staubigen Stiefel ausziehen, doch er wehrte ab. Fragend sah sie ihn an und schüttelte dabei den Kopf.
»Geh nicht mehr, Hackett. Du einen Deputy haben. Lass die Männer doch Krach machen. Heute Abend unser Abend.«
Hackett legte die große sehnige Hand an die Wangen seiner Frau und sah ihr in die dunklen Augen.
»Ich muss noch ’raus. Es wird immer schlimmer mit Dennis Chisum und den Cowboys. Der alte Chisum reitet mit seinen beiden anderen Söhnen und der Revolvermannschaft irgendwo durch Kansas, und sein Sohn Dennis schlägt hier alles zusammen. Ich muss da eingreifen, und du wirst es verstehen. Aber essen wir erst einmal.«
Sie richtete sich auf und setzte sich ihm gegenüber an den Tisch. In diesem kleinen Haus verbreitete sie Wärme und Frieden, und der raue Marshal fühlte sich hier geborgen und zufrieden. Draußen begann die feindselige Welt, aber hier war sein Heim. Der Bürgerkrieg war noch nicht zu Ende gewesen, als er seine Frau getroffen und geheiratet hatte. Damals, vor zwei Jahren, war es zu einem richtigen Kuhhandel zwischen ihm und dem Kiowa-Häuptling gekommen, an den Hackett sich oft schmunzelnd erinnerte.
Er aß schnell, denn immer wieder hörte er es krachen und brüllen. Dann ging er hinaus, nahm die Winchester 66 mit und näherte sich dem Saloon.
In diesen wenigen Sekunden geschah sehr viel.
Im Saloon hantierte einer der Cowboys mit dem Colt und fuchtelte damit herum. Leeres Grinsen zog über sein vom Alkohol erschlafftes Gesicht. Mit der linken Hand griff er zur Flasche und trank; Whisky floss ihm aus dem Mund und am Hals herunter, nässte das Halstuch und tropfte auf den Bretterboden. Während die anderen Cowboys johlend umhersprangen, und leere Flaschen durch den Raum schleuderten, zog der Cowboy den Colthahn zurück und feuerte plötzlich blindlings auf die Lampen; dabei lachte er schrill und schwankte, drehte sich herum und jagte den letzten Schuss hinaus.
Die letzte Kugel traf.
Mitten in der Bewegung zuckte ein anderer Cowboy zusammen, stand steif im Raum und stierte ihn mit weit aufgerissenen Augen an.
Schlagartig war es totenstill im Saloon. Alle standen wie gelähmt im flackernden Licht und starrten auf den Cowboy.
Langsam knickte er in den Knien ein und schlug der Länge nach zu Boden. Mit toten Augen stierte er zur Decke empor, wo der Tabakrauch in dicken Schwaden hing.
»Das … wollte ich nicht …«
Die Stimme des Cowboys klang zerrissen in die lastende Stille hinein. Brandrot leuchtete sein Haar, und Schweißperlen rannen auf einmal über das graue Gesicht. Vorbei war der Rausch; er war jäh ernüchtert.
Zwischen den anderen Cowboys verharrte Dennis Chisum. Im Gesicht zuckte es, er hob langsam und steif die Hand und zeigte auf den rothaarigen Cowboy.
»Du hast ihn umgelegt, Manning. Du Dreckskerl, lass den Colt fallen, oder ich schieß dich zusammen.«
Manning löste mühsam den Blick vom Toten und sah zu Dennis Chisum hinüber. Sein Gesicht war hässlich grau geworden. Er bemerkte das wilde Aufflackern in Chisums Augen, schluckte schwer und rutschte etwas an der Theke entlang.
»Ich wollte es nicht, Dennis!«
»Aber du hast es getan, du verdammter Kerl!«, schrie Dennis Chisum wütend auf. »Dafür wirst du hängen! Corly war mein Freund.«
Sie alle hörten die schweren Schritte des Marshals auf dem Brettersteg und sahen zur Schwingtür.
Dort tauchte Hackett McBain auf und blickte mit verkniffenen Augen herein.
Hackett sah sofort den Cowboy am Boden und den rothaarigen Mann an der Theke, der noch den Colt hielt. Die anderen Cowboys waren von Manning weggewichen, als hätte er die Pest. Und Dennis Chisum stand wie zum Sprung bereit. Sein Gesicht glühte im Hass. Hackett wusste, dass der Ranchersohn zu Gewalttätigkeiten neigte und zu allem fähig war. Seine Wutausbrüche waren nicht nur auf der Ranch gefürchtet.
Langsam drückte Hackett die Türflügel auseinander und schob sich über die Schwelle hinweg.
»Manning«, sagte er rau, »weg mit dem Schießeisen!«
Doch Manning geriet in Panik; er konnte keinen klaren Gedanken mehr fassen. Die Angst, gehenkt zu werden, wuchs von einer Sekunde zur anderen und erstickte ihn fast. In wilder Flucht warf er sich über die Theke und stürzte durch die schmale Hintertür hinaus.
»Hinterher!«, schrie Dennis Chisum krächzend. »Holt ihn zurück, den verfluchten …«
Seine Stimme ging im Lärm unter. Die Cowboys rannten zur Hintertür, prallten dort aufeinander und behinderten sich gegenseitig. Keiner kam zunächst durch die Tür.
Immer wieder schrie Chisum und gebärdete sich wie ein Verrückter. Er sah nicht mehr den Marshal, der herankam. Er riss den Colt hervor und wollte ein paar Schüsse in die Decke jagen.
Da war Hackett heran, packte hart zu und stieß Chisums Faust nach unten.
»Keine Schießerei, Chisum!«, sagte er grimmig. »Sonst fällt womöglich noch ein anderer um.«
»Lassen Sie mich los!«, fauchte Chisum. »Ich will den Kerl vor den Colt bekommen. Er hat meinen Freund Corly erschossen.«
»Ich bin hier der Marshal«, entgegnete Hackett hart, stieß ihn beiseite und wollte die Cowboys zur Vernunft bringen, als draußen Hufschlag laut wurde. Die Hufe trommelten die Straße hinauf und zum Stadtrand.
»Manning reitet weg!«, schrie Dennis Chisum. »Zurück, ihr Dummköpfe! Alles auf die Pferde!«
Fluchend kamen sie durch die schmale Tür und drängten hinter der Theke hervor. Sie wollten Chisum folgen, aber auch der Ranchersohn kam nicht zur Vordertür.
Breitbeinig und wie ein Fels stand Hackett vor ihnen und hielt die Winchester im Anschlag. Hart traten die Muskelstränge unter der Gesichtshaut hervor. Er bewegte den Unterkiefer, als zerbisse er Steine.
»Stop, Amigos! Gelyncht wird hier nicht! Bleibt da stehen, wo ihr seid!«
Zitternd vor Wut verharrte Dennis Chisum vor Hackett und stierte ihn mit einem irren Ausdruck an.
»Gehen Sie zur Seite, McBain!«, keuchte er. »Manning gehört uns. Nur uns allein. Haben Sie mich verstanden? Manning macht sich aus dem Staub. Wenn wir nicht sofort hinterherreiten, dann entkommt er.«
Ungerührt stand Hackett an der Tür. Längst hatte er festgestellt, dass der Rausch die Cowboys und Dennis Chisum in einen gefährlichen Zustand versetzt hatte, in dem sie vor nichts haltmachen würden. Dennoch war er von einer stoischen Ruhe.
»Manning wird nicht von euch gelyncht«, sagte er eisig. »Ich werde Manning folgen und zurückbringen. Jeder, der mich daran hindern und Manning hängen will, der stellt sich gegen das Gesetz. Dann gnade ihm Gott!«
»Ich will Ihnen mal was sagen, Sie aufgeblasener Marshal«, fauchte Chisum und kam einen Schritt näher. »Sie schaffen es nicht. Manning wird entkommen. Wenn Sie ’rausgehen, dann reiten wir los.«
Hackett verzog ein wenig den Mund. Er hörte Schritte hinter sich, das Knarren der Türflügel und eine krächzende Stimme:
»Ich bin auch noch da! Marshal, brauchst du dein Pferd?«
»Ja, Smiley. Pack Proviant in die Taschen. Vielleicht bin ich zwei Tage unterwegs.«
Smiley machte ein Gesicht, als wäre er auf einer Beerdigung, nickte und lief dann hinkend davon.
Hackett rührte sich nicht. Er hielt die Cowboys in Schach und wartete mit eisernen Nerven.
Sie starrten ihn wie Bluthunde an. Chisums Gesicht war entstellt von Wut und Hass.
»Dich kriege ich auch noch, McBain«, flüsterte er mit spröder Stimme. »Wir Chisums sind mächtiger. Oder glaubst du, wir würden vor diesem jämmerlichen Blechstern haltmachen?«
In Hacketts Augen war eisige Kälte. Er war schon durch tausend Höllen gegangen; jene Drohung konnte ihn nicht mehr erschüttern. Ein US-Marshal wurde überall gehasst und verwünscht. In den letzten Jahren war er viele hundert Meilen durchs Land geritten, und war keinem einzigen Freund begegnet. Marshals sterben einsam – so hieß es im Westen.
»Immer sachte, Dennis Chisum«, sagte er kühl. »So leicht lasse ich mich nicht fertigmachen. Das hatten schon ganz andere Leute versucht. Sie tun’s nie wieder.«
Draußen pochten die Hufe des Pferdes, und dann erschien Smiley wieder an der Tür und griente herein.
»Alles klar, Marshal, die Ziege steht vor der Tür.«
»Komm herein!«
Smiley nickte, trat durch die Tür und verharrte neben Hackett McBain. Er hielt eine Spencer in den Händen und blickte kurz auf den leblosen Cowboy.
»Das ist eure Schuld«, sagte er bissig. »Hoffentlich sauft ihr das nächste Mal nicht so viel.«
Hackett glitt zur Tür zurück und stieß mit dem Rücken gegen die schlagenden Türflügel. Er senkte die Winchester und murmelte: »Lass dich nicht überrumpeln, Smiley. Halt sie so lange in Schach, bis ich weit genug weg bin.«
»Sicher, Marshal«, griente Smiley. »Wenn sich hier jemand rührt, dann schieß ich ihm ein Loch in die Backen, dass es nur so pfeift. Ich kenne mich mit dieser Sorte aus. In ihrem Herzen ist es so dunkel wie in einem Rinderhintern. Reite schon los, Marshal. Papa Smiley macht das hier schon.«
»Gut, Smiley.« Hackett verließ den Saloon und drehte sich draußen um. Während er zum Pferd ging, hörte er Dennis Chisums Stimme:
»Wir sprechen uns noch, Marshal. Bring Manning nur her. Wir werden ihn aufhängen.«
Er antwortete nicht, stieg in den Sattel und trieb das Pferd an, ritt aus der Stadt und nach den dunklen Hügeln hinüber, wohin Manning geritten war. Deutlich erkannte er die Spur des einzelnen Pferdes im Grasland.
Smiley stand lauernd im Saloon und beobachtete die Cowboys und den Ranchersohn. Jedes Mal, wenn einer von ihnen eine Bewegung machte, riss er die Spencer herum und richtete den Gewehrlauf auf den Cowboy.
Der Hufschlag war verklungen. Auf der Straße standen Einwohner und blickten zum Saloon hinüber. Stimmengemurmel tönte herüber. Die Cowboys standen still; niemand wagte es, auf den Deputy Marshal loszugehen.
»Warten wir noch etwas«, grinste Smiley grimmig. »Und dann nehmt ihr Corly mit und verschwindet, klar?«
Dennis Chisum versteifte sich vor ohnmächtiger Wut.
»Dich alte Vogelscheuche knüpfen wir noch auf«, drohte er. »Du fühlst dich ja nur stark, weil du eine Knarre in der Hand hast. Du weißt genau, dass wir dich sonst in der Luft zerreißen würden.«
»So ist es«, nickte Smiley ungerührt. »Ich hab’ mächtig Schiss vor euch. Ihr seht ja auch aus wie Halbmenschen. Da hat mir doch jemand eine Story über Affen erzählt. Yeah, so seht ihr aus.«
»Nur weiter, Deputy«, fauchte Chisum. »Dir wird schon noch der Atem weggehen. Was nicht heute ist, das ist morgen.«
Smileys Gesicht zeigte den Ausdruck von Hohn. Er ließ sich nicht einschüchtern und wartete entschlossen. Als genug Zeit vergangen war, wich er zur Tür zurück und hinaus, blieb draußen an der Tür stehen und sagte:
»Macht nicht noch mehr Ärger hier! Verschwindet aus der Stadt, sonst wird Papa Smiley saugrimmig, verstanden?«
Mit großen Schritten eilte er davon und verbarg sich in einer dunklen Hausnische, sah zurück und beobachtete, wie Dennis Chisum und die Cowboys aus dem Saloon kamen. Sie trugen den leblosen Corly und brachten ihn zu seinem Pferd. Dann stiegen sie auf und folgten Chisum. Das Rudel verließ die Stadt und raste in die dunkle Nacht hinein.
Smiley verließ die Hausnische und ging zu McBains Haus, um dessen Frau zu verständigen.
*
»Manning!«
Laut hallte Hackett McBains Stimme durch die Hügelfalte und stieß gegen die Flanken der Hügel, überschlug sich und kam als grollendes Echo zurück.
McBain verhielt in der Hitze der Sonne und blickte mit verkniffenen Augen zum Hügel empor, wohin die Spur des flüchtigen Cowboys führte.