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Emerson & Hunter – kann sie ihm nicht nur sein neues Zuhause, sondern auch Vertrauen und Liebe vermitteln?
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Footballstar Hunter Browning ist gewohnt zu bekommen, was er will – so auch die umwerfende Emerson Day, mit der er auf dem Weg zu einem Termin aneinandergerät. Als sich herausstellt, dass die temperamentvolle Rothaarige in einer Immobilienagentur arbeitet, ist für Hunter klar: sie soll ihm sein neues Haus vermitteln! Bei der gemeinsamen Besichtigung kommen die beiden sich schnell näher – doch noch ahnt Emerson nicht, dass der sonst so arrogant auftretende Sportler eine ganz andere Seite hat. Und dass er keineswegs auf der Suche nach einer protzigen Villa, sondern vielmehr nach einem Zuhause ist ...
Sports Romance trifft auf Different Worlds und Found Family – Band 1 der »San Diego Lightnings«-Reihe von Nr.-1-SPIEGEL-Bestsellerautorin Tracy Wolff!
Lassen Sie sich auch von der Wintersport-Reihe der Autorin verzaubern: in »Hearts on Boards« bringen heiße Snowboarder den Schnee in Utah zum Schmelzen!
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Seitenzahl: 358
Veröffentlichungsjahr: 2025
Footballstar Hunter Browning ist gewohnt zu bekommen, was er will – wie zum Beispiel die umwerfende Emerson Day, mit der er auf dem Weg zu einem Termin aneinandergerät. Als sich herausstellt, dass die temperamentvolle Rothaarige in einer Immobilienagentur arbeitet, ist für Hunter klar: Sie soll ihm sein neues Haus vermitteln! Bei der gemeinsamen Besichtigung kommen die beiden sich schnell näher – doch noch ahnt Emerson nicht, dass der sonst so arrogant auftretende Sportler eine ganz andere Seite hat. Und dass er keineswegs auf der Suche nach einer protzigen Villa ist, sondern
vielmehr nach einem Zuhause …
Tracy Wolff schrieb ihr erstes Buch bereits in der zweiten Klasse. Seitdem sind viele »New York Times«-, »USA Today«- und SPIEGEL-Bestseller dazugekommen. Die Autorin hat ihren Ursprung aber in der zeitgenössischen Romance: »San Diego Lightnings« zählt zu ihren beliebtesten Reihen und erscheint erstmals auf Deutsch bei Blanvalet. Die ehemalige Englischprofessorin widmet sich heute ganz dem Schreiben und lebt mit ihrer Familie in Austin, Texas.
TRACY WOLFF
ROMAN
Deutsch von Anita Nirschl
Die Originalausgabe erschien 2017 unter dem Titel »Down & Dirty« bei Loveswept, an imprint of Random House, a division of Random House LLC, a Penguin Random House Company, New York.
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Copyright © 2017 by Tracy Deebs-Elkenaney
All rights reserved.
This edition published by arrangement with Loveswept, an imprint of Random House, a division of Penguin Random House LLC.
Copyright der deutschsprachigen Ausgabe © 2025 by Blanvalet in der Penguin Random House Verlagsgruppe GmbH, Neumarkter Str. 28, 81673 München
(Vorstehende Angaben sind zugleich Pflichtinformationen nach GPSR)
Redaktion: Angela Kuepper
Umschlaggestaltung: © www.buerosued.de
Umschlagdesign und -motiv: © www.buerosued.de
Innengestaltung unter Verwendung der Bilder von:
© Adobe Stock (SimpLine)
SH · Herstellung: DiMo
Satz: satz-bau Leingärtner, Nabburg
ISBN 978-3-641-32826-9V001
www.blanvalet.de
Für Marni, weil du die Allerbeste bist! Ich hab dich ganz doll lieb!
Liebe Leser*innen,
dieses Buch enthält potenziell triggernde Inhalte. Deshalb findet sich auf S. 320 eine Triggerwarnung.
Achtung:
Diese enthält Spoiler für das gesamte Buch. Wir wünschen allen das bestmögliche Leseerlebnis.
Das darf doch nicht wahr sein! Nicht heute. Bitte, bitte, bitte, ich flehe dich an, nicht heute.
Ich bin mir nicht einmal sicher, wen ich anflehe. Gott, das Universum, das Schicksal … alles und jeden, der sich meiner erbarmen und meinen verdammten Motor zum Laufen bringen könnte.
Aber das Schicksal ist ein launisches Miststück – niemand weiß das besser als ich –, und das Universum ist es anscheinend auch, denn alles, was Suzanne tut, als ich den Schlüssel zum fünften Mal in ebenso vielen Minuten umdrehe, ist, ein wenig zu röcheln. Dann zu husten. Und wieder abzusterben.
Natürlich tut sie das. Natürlich, verdammt noch mal! Warum sollte mein zehn Jahre alter, beschissener Corolla auch nicht heute sterben? Ist ja nicht so, als wäre das mein erster Arbeitstag und als müsste ich einen guten Eindruck machen. Und es ist ganz sicher nicht so, als ob ich diesen Job brauchen würde oder so.
Ach, richtig. Tu ich ja doch. Ich brauche ihn wirklich unbedingt – zumindest, wenn ich vermeiden will, mit meinen Studienkrediten in Verzug zu geraten. Ganz zu schweigen davon, dass ich die Miete bezahlen muss. Und essen. Ich meine, klar, mein Hintern könnte es vertragen, fünf Pfund abzunehmen, aber Hungern ist nicht gerade die Art und Weise, wie ich das erreichen will. Ich meine ja nur.
»Bitte, bitte, bitte, Suzanne.« Das ist mein Mantra, als ich den Schlüssel erneut umdrehe. Und noch mal. Und noch mal. Alles vergeblich.
»Gottverdammt!« Ich schnappe mir meine Tasche und springe hastig aus dem Auto. Ein kurzer Blick auf mein Handy verrät mir, dass ich genau dreiundzwanzig Minuten Zeit habe, um zur Arbeit zu kommen. Was ich, falls genau in dieser Sekunde auf magische Weise ein Uber auftaucht, vielleicht noch schaffen könnte. Aber da meine gute Fee schon seit praktisch ewig Pause macht, bezweifle ich, dass das passieren wird.
Kurz überlege ich, ob ich meine beste Freundin Sage anrufen soll, aber um diese Zeit ist sie wahrscheinlich gerade dabei, im Yogastudio ihrer Mutter einen Kurs zu geben.
Also rufe ich letztendlich trotzdem die App auf und bestelle ein Uber – ein Typ namens Rajiv nimmt die Fahrt an. Ich kann sie mir nicht leisten, aber wenn ich diesen Job verliere, werde ich mir gar nichts mehr leisten können. Und verzweifelte Situationen erfordern verzweifelte Maßnahmen. Die App zeigt sechs Minuten bis zur Ankunft an, was sechs Minuten zu lang ist, aber wie gesagt, es ist nicht so, als hätte ich eine andere Wahl. Wie üblich. In letzter Zeit besteht mein ganzes Leben aus einer fehlenden Wahlmöglichkeit nach der anderen.
Das fängt allmählich wirklich an zu nerven.
Die nächsten acht Minuten verbringe ich damit, vor meinem Apartmentkomplex auf und ab zu marschieren und mir inständig zu wünschen, dass das verdammte Uber endlich kommt. Es nieselt – denn warum sollte es das auch nicht –, und ich kann bereits spüren, wie sich meine Locken kräuseln, während sie sich eine nach der anderen aus dem engen Pferdeschwanz lösen, zu dem ich sie heute Morgen zurückgekämmt habe. Ich überlege, in meine Wohnung zu rennen, um einen Regenschirm zu holen, aber ich habe Angst, dass ich dann das verdammte Uber verpasse.
Wie kann das mein Leben sein? Ich meine, ernsthaft, wie kann das mein Leben sein?
Ich war immer erfolgreich, habe es geschafft, das zu erreichen, was ich mir vorgenommen habe. In der Schule, in Beziehungen, im Leben … Zumindest, bis ich vor zehn Monaten mein Kunststudium abschloss und plötzlich in der richtigen Welt landete. Jetzt habe ich das Gefühl, fast ständig ins Schwimmen zu geraten, und wenn ich mal nicht schwimme … dann nur, weil ich untergehe.
Ich muss schon sagen: Erwachsensein ist scheiße. Es ist wirklich, wirklich scheiße.
Ein weiterer Blick auf die Uhr verrät mir, dass es jetzt schon zehn Minuten sind.
Dämliches verspätetes Uber.
Dämliche launische Suzanne.
Dämlicher Verkehr.
Und vor allem dämlich von mir, nicht früher losgegangen zu sein … Wenn man bedenkt, wie meine Haare wahrscheinlich gerade aussehen, hätte ich mir die zusätzliche Zeit, die ich heute auf sie verwendet habe, wirklich schenken können.
Nach zwölf Minuten taucht das Uber endlich auf, und ich stürze mich regelrecht in den Wagen. »Fahren Sie los!«, rufe ich, während ich die Tür zuschlage und gleichzeitig nach meinem Sicherheitsgurt greife. »Ich muss in elf Minuten auf der Arbeit sein!«
Der Fahrer regt sich nicht. Stattdessen sitzt er einfach nur da und sieht zu, wie ich mich mit seinem Sicherheitsgurt praktisch erhänge. Manchmal ist es wirklich ätzend, klein zu sein – wer außer mir würde tatsächlich in einem Prius von einem Sicherheitsgurt stranguliert werden, um Gottes willen?
»Haben Sie mich nicht gehört?«, will ich wissen, während ich auf die freie Straße und die Ampel vor uns zeige, die auf magische Weise grün ist. »Sie sind doch Rajiv, oder? Ich muss in elf Minuten in der Innenstadt sein.«
Er grinst, und – ich will nicht lügen – es ist ein bisschen unheimlich. Er gibt sich zu viel Mühe und zeigt zu viele Zähne für meinen Geschmack, und einen Moment lang überlege ich, sofort wieder aus dem Auto auszusteigen. Aber die Sekunden verrinnen, und wenn ich diesen Job verliere, habe ich sowieso nichts, wofür es sich zu leben lohnt. Oder, was noch wichtiger ist, nichts mehr, um zu leben. Und da nach Hause zu Mommy und Stiefvater Nummer vier zu rennen, keine Option ist, mit der ich leben könnte, muss ich wirklich, wirklich zur Arbeit kommen.
Ich begnüge mich damit, ganz dicht an die Tür zu rutschen, eine Hand auf den Griff zu legen und die andere in meine Tasche zu stecken, wo meine Dose Pfefferspray an Suzannes gegenwärtig nutzlosem Schlüsselring befestigt ist.
»Willkommen«, sagt er mit kaum merklichem Akzent und einer ausladenden Geste seiner Hände. »Willkommen in meinem Auto. Ich bin Rajiv, und es ist mir eine große Freude, Sie heute fahren zu dürfen.«
»Ähm … danke.« Also nicht serienmörder-unheimlich, entscheide ich, während ich den Griff um das Pfefferspray lockere. Nur Zen-Meister-verrückt. Ich sollte erleichtert sein, aber irgendetwas sagt mir, dass es noch viel schlimmer werden wird.
»Bitte«, wiederhole ich, als er zum fünften Mal in ebenso vielen Sekunden seine Spiegel überprüft, während er immer noch im Leerlauf an der verdammten Bordsteinkante steht. »Heute ist mein erster Tag. Ich darf nicht zu spät kommen.«
»Ich werde mein Bestes tun«, verspricht er mit einer so aufrichtigen Stimme, dass es mich nervös macht. »Aber laut Navi sind es vierundzwanzig Minuten von hier. Und das Navi irrt sich selten.«
»Gott, bitte sagen Sie das nicht«, stöhne ich, während er sich endlich in den Verkehr einfädelt – nur um einen halben Block weiter von der Ampel angehalten zu werden. Der Ampel, die unendlich langsam umschaltet und um diese Zeit am Morgen selten grün ist. Die Ampel, die fast zwei Minuten lang grün war, während Rajiv dasaß und meinen Blutdruck in die Höhe schießen ließ.
Ich checke meine eigene Navi-App, und tatsächlich hat Rajiv recht. Scheiße!
Die Sekunden dehnen sich zu Minuten, während wir darauf warten, dass die verdammte Ampel grün wird, und ich spüre, wie ich zu schwitzen anfange. Es ist gar nicht so heiß draußen – durch den leichten Regen haben wir es kaum auf dreiundzwanzig Grad geschafft, die für San Diego zu dieser Jahreszeit üblich sind –, aber meine Nerven spielen verrückt, denn ich darf nicht zu spät kommen, ich darf nicht zu spät kommen, ich darf nicht zu spät kommen, geht es mir durch den Kopf wie das Mantra eines Uhrmachers.
Ganz zu schweigen davon, dass es sich in diesem verdammten Auto anfühlt wie in Sages Hot-Yoga-Studio. Ernsthaft, hier drin muss es dreiunddreißig Grad haben.
Die Ampel wird endlich grün – Gott sei Dank –, und ich schreie praktisch: »Los!«
Rajiv schüttelt nur den Kopf und wirft mir einen leicht missbilligenden Blick zu. »Sie müssen ruhig bleiben«, sagt er mit langsamer, tiefer Stimme. »Wir werden ankommen, wann uns das Universum ankommen lassen will. Es hat keinen Sinn, gegen unser Schicksal anzukämpfen.«
O mein Gott. OmeinGott. O MEINGOTT. Wie kann das sein? WIE habe ich es geschafft, den einzigen Zen-Uber-Fahrer in ganz Scheiß-San Diego zu erwischen?
Fuck. My. Life.
»Aber es gibt etwas, was wir tun können«, sage ich, während ich penetrant mit dem Finger auf das Armaturenbrett zeige. Irre. »Wir könnten losfahren. Wir könnten sofort losfahren. Es ist grün! Die Ampel ist grün!«
»Ruhig«, wiederholt er, während sich das Auto endlich in Bewegung setzt. »Alles wird so laufen, wie es laufen soll.«
»Dass ich gefeuert werde, ist NICHT, wie es laufen sollte!«
»Sie werden nicht gefeuert«, sagt er, während er mir wieder dieses breite, unheimliche Grinsen schenkt. »Ich habe ein gutes Gefühl bei der Sache.«
»Tja, wenigstens einer von uns«, murmle ich, während ich mir in dem vergeblichen Versuch, mich abzukühlen, die inzwischen klebrige Bluse von der Haut ziehe. Ich würde ihn ja bitten, die Heizung auszuschalten, aber jetzt, da wir uns endlich in Bewegung gesetzt haben, ist das Letzte, was ich tun will, ihn abzulenken. Er scheint nicht gerade der Typ zu sein, der gleichzeitig gehen und Kaugummi kauen kann …
»Vertrauen Sie dem Universum, Emerson. Vertrauen Sie dem Universum.«
»Ja, nun, es hat in letzter Zeit nicht gerade irgendetwas dafür getan, dass ich ihm vertraue.« Außer mir diesen Job zu besorgen, den ich bald verlieren werde.
»Heute wird sich das ändern«, sagt Rajiv mit der Stimme eines Wahrsagers ganz langsam und mystisch. »Heute wird ein guter Tag für Sie sein. Das verspreche ich.«
»Ich hoffe es.« Ich hoffe es wirklich sehr.
Während wir uns im stetig schlimmer werdenden Regen auf den Weg in die Innenstadt machen, überlege ich, ob ich meine neue Chefin anrufen und ihr sagen soll, was passiert ist. Aber als Kerry mich eingestellt hat, hat sie mir erzählt, dass sie immer etwas später ins Büro kommt. Wenn ich also Glück habe – und wenn Rajiv das Auto tatsächlich noch in diesem Jahrhundert auf die zulässige Höchstgeschwindigkeit bringt –, habe ich vielleicht eine Chance, vor ihr in der Arbeit zu sein. Bitte, bitte, bitte, lass mich vor ihr in der Arbeit sein. Es mag zwar ein Scheißjob sein, aber es ist der einzige, den ich kriegen konnte, und ich darf ihn nicht verlieren.
Ich darf es einfach nicht.
Siebenundzwanzig quälende Minuten später hält Rajiv auf dem Parkplatz vor dem Immobilienbüro, in dem ich angestellt bin. Ich komme genau sechzehn Minuten zu spät zu meinem ersten Arbeitstag, aber wenigstens bin ich hier. Das ist doch schon mal was, oder?
»Danke, Rajiv!«, rufe ich über die Schulter, während ich die Autotür aufstoße und raushechte. Auf der Straße ist eine riesige Pfütze, also peile ich den Bürgersteig an, der von einer bunten Markise überdacht wird. Wenn man bedenkt, dass ich eine weiße Bluse trage, ist durchnässt aufzutauchen, das Letzte, was ich will. Ich bete darum, dass die Verspätung kein Kündigungsgrund ist, aber wenn ich zu spät komme und aussehe wie eine Teilnehmerin an einem Wet-T-Shirt-Wettbewerb … sagen wir mal, dann werden die Chancen nicht gerade gut für mich stehen.
Warum, oh warum nur habe ich heute Morgen nicht nach dem Wetter gesehen? Ach ja, ich war zu sehr damit beschäftigt, meine Haare zu bändigen. Total falsche Entscheidung. Aber zu meiner Verteidigung, das hier ist San Diego. Neunundneunzig Prozent der Zeit hat es einen strahlend blauen Himmel. Die Tatsache, dass es heute regnet, ist offensichtlich nur ein weiteres Zeichen dafür, dass ich das Universum irgendwie beleidigt habe.
Sobald ich sicher auf dem Bürgersteig stehe – und nur leicht feucht bin –, hupt Rajiv und winkt, bevor er sich wieder in den Verkehr einfädelt. Ich verbringe ein paar Sekunden damit, meinen roten Bleistiftrock gerade zu rücken und mir meine Ausreden zurechtzulegen. Dann setze ich ein breites, falsches Lächeln auf und mache einen Schritt auf die Bürotür zu.
Aber dieser eine Schritt ist alles, was ich schaffe, bevor ein riesiger schwarzer Truck in die Parklücke rauscht, die Rajiv soeben frei gemacht hat. Dabei trifft der Vorderreifen die Pfütze, der ich zuvor gerade noch ausweichen konnte, und spritzt mich patschnass, von meinen sich rasend schnell kräuselnden Haarspitzen bis zum Saum meines nun hautengen Rocks.
Fuck. My. Life.
»Soll das dein Ernst sein? Soll das dein verdammter Ernst sein?«, kreischt die kurvige kleine Rothaarige, als ich aus meinem neuen Truck steige. Ich bin mir nicht sicher, ob sie mit mir spricht oder mit dem Himmel – sie hat den Kopf in den Nacken gelegt und die Arme ausgebreitet, als wollte sie den Sinn des Lebens infrage stellen –, und ich bin mir auch nicht sicher, ob sie es überhaupt selbst weiß.
Normalerweise würde ich mich wie ein Arsch fühlen, weil ich sie nass gespritzt habe, aber welcher Idiot steht schon an einem regnerischen Tag so nah am Bordstein? Außerdem sieht sie tropfnass gut aus. Wirklich gut. Sie hat einen hammermäßigen Vorbau, und so, wie ihre Bluse an ihr klebt, kann ich nicht nur ihren Spitzen-BH sehen, sondern auch ihre Brüste und ihre harten, rosigen Brustwarzen.
Ganz zu schweigen davon, dass die Art und Weise, wie der gepunktete Rock jetzt an ihren wohlgeformten Schenkeln klebt, es definitiv schwer macht, diese Pfütze zu bedauern.
»Sorry deswegen, Süße«, sage ich, während ich auf die Fernbedienung drücke und auf den Bürgersteig trete. »Aber es sieht toll an dir aus.«
Ihre Augen werden groß, als sie mich zum ersten Mal richtig sieht, und ihr Mund öffnet und schließt sich, obwohl keine Worte herauskommen. Diese Reaktion erlebe ich oft, also grinse ich nur und zwinkere ihr leicht zu, während ich zum Eingang des Immobilienbüros gehe, wo ich meinen dritten Termin in fünf Tagen habe. Was eine verdammte Schande ist, denn ich würde lieber noch eine Weile hier draußen bleiben und mit der kleinen Miss Himbeernippel flirten. Das scheint im Moment eine viel bessere Verwendung meiner Zeit zu sein, statt ein unpassendes Haus nach dem anderen zu besichtigen, was letztendlich alles ist, was ich bei den letzten beiden Terminen gemacht habe.
Aber ich brauche dieses Haus, auch wenn ich es nicht will – und da ich die Sache so schnell wie möglich erledigen muss, heißt es: Je eher ich ein Haus finde, das meinen Vorstellungen entspricht, desto besser. Als sich der Grund für diese Dringlichkeit schwer auf meine Schultern legt, vergeht mir die gute Laune rasch wieder, die mir die frühmorgendliche Peepshow beschert hat.
Ich hasse es, dass es so weit gekommen ist, und noch mehr hasse ich es, dass es nichts gibt, was ich dagegen tun kann. Ich habe mehr Geld, als ich in drei Leben ausgeben könnte, aber was zum Teufel bedeutet das schon, wenn es nichts ändert? Was zum Teufel bedeutet irgendetwas davon?
Ich strecke gerade die Hand nach der Tür aus, als die kleine Miss Himbeernippel endlich ihre Stimme wiederfindet. »Willst du mich verdammt noch mal verarschen?«, kreischt sie, und diesmal hält sie meinen Arm fest, nur um sicherzugehen, dass ich weiß, sie redet tatsächlich mit mir und nicht mit Gott, dem Universum oder irgendeinem imaginären Freund von ihr.
»Du hast gerade mein ganzes Outfit ruiniert – weil du nicht einparken kannst, möchte ich hinzufügen –, und alles, was du mir zu sagen hast, ist: ›Sieht toll an dir aus!‹«
»Um fair zu sein, das ist nicht alles, was ich gesagt habe. Vorher habe ich mich entschuldigt.«
»Du hast mich Süße genannt!«, faucht sie mich regelrecht an. »Das macht deinen äußerst lahmen Versuch einer Entschuldigung zunichte.«
»Wirklich? Ich dachte nämlich irgendwie, dass das die Entschuldigung perfekt macht. Es gibt eine Menge Frauen auf der Welt, die alles dafür tun würden, nur um von mir ›Süße‹ genannt zu werden.«
Daraufhin bleibt ihr der Mund offen stehen, und während ich die vollen rosa Lippen anstarre, die gerade ein perfektes O formen, werde ich den Gedanken nicht los, wie gut sie aussehen würden, wenn sie sich um meinen Schwanz legen würden. Oder wie gut sie auf ihren Knien vor mir aussehen würde, meine Hände vergraben in all diesen roten Locken, während ich sie in die Kehle ficke.
Das ist wahrscheinlich nicht das, was mir gerade im Kopf herumgeistern sollte – vor allem, wenn man bedenkt, wie dunkel und gefährlich ihre blauen Augen geworden sind. Aber was kann ich sagen? Ich lebe für die Gefahr. Außerdem schreit alles an diesem Mädchen nach feurigem heißem Sex, und ich müsste ein Mönch sein, um das nicht zu bemerken.
Und ein blinder Mönch noch dazu.
Da ich das nicht bin und weil mich meine Fantasievorstellungen von ihr von dem Grund ablenken, warum ich hier bin, lange ich in meine Gesäßtasche und hole mein Portemonnaie hervor. Dann ziehe ich einen Hundertdollarschein heraus und halte ihn ihr hin. »Aber wenn meine Worte nicht genug Entschuldigung waren, dann lass mich für die Reinigung bezahlen. Das ist das Mindeste, was ich tun kann.«
Ich erwarte nicht, dass sie das Geld annimmt, sondern denke stattdessen, dass sie versuchen wird, das ganze Szenario in eine Einladung zum Abendessen zu verwandeln wie jede andere Frau, die ich dieser Tage treffe. Was genau das ist, worauf ich es hier abgesehen habe. Es würde mir gewiss nichts ausmachen, dieser kleinen Süßen ein, zwei Stunden lang am Tisch gegenüberzusitzen, solange es damit endet, dass ich ein paar weitere Stunden zwischen ihren sehr wohlgeformten Schenkeln verbringe.
Normalerweise mache ich nicht mehr den ersten Schritt – das brauche ich nicht –, aber sie fasziniert mich genug, um uns beiden das ganze Theater ersparen zu wollen, als sie die Hand ausstreckt und mir das Geld aus den Fingern reißt. »Verdammt richtig, das ist das Mindeste, was du tun kannst. Arschloch.«
Sie steckt das Geld in ihre Handtasche und reißt die Tür so schnell und kräftig auf, dass ich einen Schritt zurücktreten muss, um nicht von dem Ding getroffen zu werden. Meine Hand schnellt wie von selbst vor – ob aus Reflex oder Schock oder einfach nur purer Faszination. Was auch immer es ist, ich klatsche die flache Hand auf den Rand der Tür und drücke das Ding wieder zu.
»Hast du gerade das Geld genommen?«, frage ich. Ich weiß, dass ich schockiert klinge, aber komm schon. Keine Frau will je den kurzen und einfachen Weg. Nicht, wenn sie meine Aufmerksamkeit hat. Und definitiv nicht, wenn sie glaubt, dass sie eine Chance auf viel mehr hat.
»Natürlich habe ich das Geld genommen«, antwortet sie spöttisch. »Wenn du das nicht wolltest, hättest du es wahrscheinlich nicht anbieten sollen. Süßer.«
Verdammt, sie hat eine große Klappe, und verdammt, wenn mir das nicht gefällt. Außerdem ist ein kleiner Streit mit ihr viel besser, als mich in meinen Gedanken zu verlieren. Weshalb ich, als sie wieder nach der Tür greift, meine Hand genau dort lasse, wo sie ist, und sie zuhalte – und dieses Mal lege ich tatsächlich etwas Kraft hinein.
»Ist das jetzt dein Ernst?«, fragt sie, während sie heftig an der Türklinke zerrt. »Ich muss da reingehen.«
Ich lasse meine Hand, wo sie ist. »Wie heißt du?«
Sie verdreht die Augen. »Ich dachte, das hättest du schon rausgefunden. Süße, oder nicht?«
»Ja, nun, aber das passt nicht wirklich zu dir, oder? Und da es dir nicht besonders zu gefallen schien, dachte ich mir, ich frage dich, wie du lieber genannt werden möchtest.«
»Na, das ist aber großmütig von dir. Zu dumm, dass ich den Grundsatz habe, fremden Männern mit erbärmlichen Manieren niemals meinen Namen zu verraten.«
»Ach, komm schon. So fremd bin ich doch gar nicht.« Ich schenke ihr mein charmantestes Grinsen, das mir vor fast zehn Jahren bei jenem ersten, von Monday Night Football übertragenen Spiel meinen Spitznamen eingebracht hat. »Und ich arbeite daran, meine Manieren zu verbessern.«
»Indem du mir die Tür zu meinem Arbeitsplatz versperrst und dafür sorgst, dass ich mich noch mehr verspäte? Eine wirklich tolle Leistung.« Sie zieht wieder an der Tür.
Ich lasse immer noch nicht los. Wie könnte ich auch, wenn sie aussieht, als wäre sie gerade nach einem Sex-Marathon aus dem Bett gekrochen – mit leuchtenden Augen, geröteter Haut und zerzaustem Haar. Sie ist die heißeste Frau, die ich seit langer, langer Zeit gesehen habe (und das muss was bedeuten, wenn man bedenkt, dass professionelle Cheerleader regelmäßig weniger als fünfzehn Meter von mir entfernt ihre Choreografien einstudieren). Außerdem ist sie absolut faszinierend, auf eine Art und Weise, die ich nicht gewohnt bin, und ich werde sie nicht gehen lassen, ohne dass sie mir wenigstens ihren Namen und ihre Telefonnummer gegeben hat.
Sie hat jedoch andere Vorstellungen, denn gerade als ich mein Handy herausziehe, bohrt sie mir den Absatz eines ihrer roten Pumps in den Fuß – fest.
Ich würde lügen, wenn ich behaupten würde, dass ich keine große Befriedigung dabei empfinde, Hunter, dem »Goldjungen«, Browning dabei zuzusehen, wie er auf einem Bein herumhüpft, während er sein Bestes gibt, um nicht wie ein Baby zu jammern. Ich bin normalerweise keine Sadistin, aber komm schon. Ich hatte heute bereits meinen gerechten Anteil an Leid – wovon mindestens die Hälfte seine Schuld ist. Das Mindeste, was ich tun kann, ist, etwas davon zurückzugeben.
Und wenn er wegen eines wunden Fußes beim Spiel am Sonntag nicht sein Bestes geben kann, na, dann umso besser. Das wenigstens hat er für diese lahmarschige Entschuldigung und für den herablassenden Ton verdient, in dem er mich »Süße« genannt hat. Vielleicht lernt er tatsächlich etwas darüber, wie man Frauen behandelt, die größere Pläne im Leben haben, als sich als hübsche Begleitung am Arm eines dummen, eingebildeten Sportlers aushalten zu lassen.
Ich kann immer noch nicht fassen, dass er tatsächlich erwartet hat, ich würde mich ihm an den Hals werfen – und das, nachdem er mich mit dieser lächerlichen Schwanzverlängerung, die er Truck nennt, komplett durchnässt hat. Ernsthaft. Was für Frauen ist dieser Typ gewöhnt? Ach, richtig. Solche, die dumm genug sind, zu glauben, einen Footballspieler zu vögeln, würde ihnen tatsächlich eine Chance auf den Hauptgewinn – besser gesagt, einen Diamantring – einbringen. Ich kenne diese Sorte gut, dank der vier gescheiterten Ehen und unzähligen Beziehungen meiner Mutter.
Aber jetzt, da er endlich seinen Todesgriff von der Tür genommen hat, ist es ohnehin nicht mehr so, als spielte das eine Rolle. Ich werde ihn nie wiedersehen – Gott sei Dank. Ich mag Football zwar genauso gern wie jede andere (und vielleicht sogar ein bisschen mehr), aber auf arrogante, den Superbowl gewinnende Quarterbacks kann ich definitiv verzichten. Sogar, wenn sie wie Hunter Browning aussehen. Vor allem, wenn sie wie er aussehen, braun gebrannt und attraktiver, als gut für ihn ist.
Nicht, dass ich bewusst darauf achte, wie er aussieht, aber es ist auch nicht so, als könnte man diese Tatsache leicht ignorieren. Man sollte meinen, dass ich dagegen immun wäre, wenn man bedenkt, dass ich ihn, wie der Rest der Welt, seit seiner ersten Saison vor neun Jahren Hunderte Male im Fernsehen, online und in Zeitschriften gesehen habe. Und er ist absolut umwerfend, daran besteht kein Zweifel.
Aber seine ganzen ein Meter fünfundneunzig und einhundertachtzehn Kilo aus der Nähe zu sehen (nicht, dass ich die Statistiken für jedes Mitglied der Startaufstellung der Lightnings kenne oder so), ist etwas ganz anderes. Denn es sind nicht nur seine struppigen dunklen Haare, die strahlend grünen Augen und das messerscharf geschnittene, ständig von einem Dreitagebart überzogene Kinn. Nein, jetzt ist es der Sexappeal, der in Wellen von ihm ausstrahlt, das Charisma, das es unmöglich macht, den Blick von ihm abzuwenden, egal, wie nervtötend er ist.
Und er ist nervtötend, rufe ich mir in Erinnerung. Nervtötend und arrogant und mir gegenwärtig im Weg. Ich habe keine Zeit, in all dem Sexappeal zu ertrinken – ich muss versuchen, meinen Job zu retten, und mir eine Erklärung einfallen lassen. Eine, die es völlig vernünftig erscheinen lässt, dass ich an meinem ersten Tag als Empfangsdame so aussehe, als sollte ich in einem nicht jugendfreien Wasserpark für Erwachsene an der Stange tanzen.
Schon allein der Gedanke daran löst eine neue Welle der Gereiztheit in mir aus, und eine Sekunde lang denke ich darüber nach, dem großartigen Hunter Browning einen unerwarteten Boxhieb direkt auf sein perfektes Kinn zu verpassen. Er hält sich gerade nach vorne gekrümmt den Fuß, also könnte ich das eigentlich ohne allzu große Schwierigkeiten tun. Aber ihn zu schlagen – und mich mit den Folgen auseinanderzusetzen –, würde mehr Zeit in Anspruch nehmen, als ich im Moment habe, daher begnüge ich mich damit, die Tür aufzureißen und ihm die Kante gegen die Stirn zu knallen. Das schmerzhafte Ächzen, das er ausstößt, entschädigt mich fast für den ganzen Ärger, den er mir verursacht hat. Fast.
Nur dass ich kaum zwei Schritte in mein nagelneues Büro gesetzt habe, als sich die Tür erneut öffnet. Ich blicke zurück – ich kann nicht anders – und sehe gerade noch rechtzeitig, wie Hunter hereinspaziert, als wäre das sein Laden. Selbst sein frisches Humpeln und der rote Striemen auf seiner Stirn können nicht von der Tatsache ablenken, dass er aussieht, als gehörte er hierher, während ich aussehe, als gehörte ich überall sonst hin außer hierher.
»Ernsthaft?«, zische ich, als er näher kommt, und sehe ihn mit dem Blick an, den ich normalerweise für betrunkene Verbindungsstudenten reserviere, die versuchen, mir unter den Rock zu fassen. »Verfolgst du mich jetzt?«
»Wow! Dein Ego ist ein bisschen außer Kontrolle, oder, Süße?« Er schmunzelt mich an, und – ich will nicht lügen – er sieht gut dabei aus. So gut, dass mir wahrscheinlich die Knie weich werden würden, wenn ich nicht so verdammt sauer wäre. Und wenn meine Schuhe nicht so verdammt nass wären, dass ich tatsächlich spüren kann, wie das Kunstleder schrumpft, während ich hier stehe.
Ich tröste mich mit der Erkenntnis, dass der rote Strich, der quer über seine Stirn verläuft, aussieht, als würde er wehtun. Und sich langsam in einen Bluterguss verwandeln. Ich sollte mich wahrscheinlich schämen, und bei einem normalen Kerl würde ich das auch tun, aber er war schließlich derjenige, der die Tür blockierte … Er sollte sich glücklich schätzen, dass er nur humpelt und Kopfschmerzen hat, angesichts dessen, dass ich spüre, wie meine Lippen blau werden, als die Wirkung der Klimaanlage einsetzt.
»Mein Ego ist außer Kontrolle?«, schaffe ich es schließlich, über meine Empörung hinweg zu krächzen.
Er wackelt mit den Augenbrauen. »Freut mich, dass du das erkennst. Ein Problem zuzugeben, ist der erste Schritt, um Hilfe zu bekommen.«
»Willst du mich gerade hochnehmen? Ich meine, du musst mich hochnehmen, oder?« Verärgert werfe ich die Hände hoch. »Weil kein Typ ernsthaft …«
»Wenn ich dich hochnehmen würde, müsstest du nicht fragen, das garantiere ich dir. Du würdest es merken.« Er schenkt mir sein patentiertes Grinsen, bei dem Frauen von achtzehn bis achtzig sogleich ihre Höschen fallen lassen.
Trotz allem, was er getan hat, spüre ich, wie mein eigenes Höschen zu rutschen beginnt. Was mich so wütend macht, dass ich knurre: »Kannst du eigentlich noch klischeehafter sein?«
»Geh etwas mit mir trinken, und du kannst es herausfinden. Wir werden es eine Entschuldigung nennen, und wenn es gut läuft, wirst du wissen, wie es sich anfühlt, von mir hochgenommen zu werden.«
»Tja, ich trinke nicht mit Männern, die mich nass machen.«
Verdammt! Sobald die Worte meinen Mund verlassen, weiß ich, dass sie ein Fehler sind. Noch bevor sein Grinsen verrucht wird und seine Augen sich verdunkeln. Und obwohl ich normalerweise absolut dafür bin, mit einem sexy Typen Doppeldeutigkeiten auszutauschen, reizt mich dieser hier durch und durch. Und zwar nicht auf eine gute Weise.
»Also, das scheint mir ein ziemlich schlechter Grundsatz zu sein, Süße«, sagt er mit einem erneuten Wackeln seiner Augenbrauen. »Ich meine, was bringt es, mit einem Kerl zu trinken, der dich nicht nass macht?«
»Nenn mich noch einmal Süße, und ich werde …«
»Mr. Browning, schön, dass Sie es heute Morgen doch noch geschafft haben. Wie ich sehe, haben Sie unsere neue Empfangsdame schon kennengelernt. Ich hoffe, Sie sind nicht ebenfalls vom Regen erwischt worden.« Meine Chefin Kerry – die ganz eindeutig im Büro ist – schreitet mit ausgestreckter Hand an mir vorbei auf Hunter zu.
Dabei mustert sie mich flüchtig von Kopf bis Fuß, mit einem Blick, der deutlich macht, wie unzufrieden sie mit meinem Aussehen ist – und mit der Tatsache, dass ich Hunter, der offensichtlich ein sehr wichtiger Kunde ist, die Meinung gegeigt habe.
»Kein Problem.« Das Verruchte verschwindet so schnell aus seinem Lächeln, wie es gekommen ist, und als er Kerrys Hand nimmt, sieht er völlig professionell aus … bis auf das Zwinkern, das er mir zuwirft. »Ich möchte diesen Prozess so schnell wie möglich hinter mich bringen.«
»Ich weiß, dass die Suche nach einem Haus frustrierend sein kann«, beruhigt Kerry ihn, während sie sich umdreht, um ihn zurück in ihr Büro zu begleiten. »Aber ich habe viel recherchiert, seit wir uns das letzte Mal getroffen haben, und ich habe fünf sehr schöne Häuser, die ich Ihnen gerne zeigen würde. Jedes davon sollte Ihren Bedürfnissen entsprechen.«
»Das hoffe ich. Ich würde mich gerne so schnell wie möglich in meinem eigenen Haus einwohnen.«
Mehr höre ich nicht mehr, da sie das Büro meiner Chefin erreicht haben und sie die Tür schließt, sobald sie beide drinnen sind. Großartig! Nicht nur, dass ich an meinem ersten Tag zu spät komme und wie eine getaufte Maus aussehe, ich beleidige auch noch einen Klienten, der wahrscheinlich vorhat, Millionen für ein Haus hinzublättern. Es wäre ein Wunder, wenn mich Kerry nicht bei der nächstbesten Gelegenheit mit ihren zehn Zentimeter hohen Stilettos zur Tür rauskicken würde.
Aber noch bin ich hier, entscheide ich. Da kann ich mich ebenso gut an die Arbeit machen – wenn ich Glück habe, kommt sie bis heute Nachmittag nicht dazu, mich zu feuern. Die hundertzwanzig Dollar, die ich bis dahin verdiene, werden reichen, um die Uber-Fahrt von heute Morgen und die Lebensmittel für die nächste Woche zu bezahlen.
Aber zuerst muss ich mich frisch machen. Ein kurzer Blick in den Spiegel über dem Schreibtisch der Empfangsdame – über meinem Schreibtisch, zumindest einstweilen – verrät mir, dass es sogar noch schlimmer ist, als ich befürchtet habe. Ich habe Waschbäraugen, Steckdosenhaare, und mein sorgfältig ausgewähltes Outfit sieht aus, als hätte es die Hungerspiele durchgemacht … zweimal. Und beide Male verloren.
Verdammt! Ich habe Hunter wirklich nicht hart genug mit dieser verfluchten Türkante getroffen.
Da ich mir denke, dass das Letzte, was Kerry will, eine Empfangsdame ist, die aussieht, als hätte sie unter einer Brücke geschlafen, nachdem sie die ganze Nacht auf Sauftour war, rase ich wie wild zur Toilette. Ich habe nicht viel dabei – nur einen roten Lippenstift und ein Haargummi, aber ich tue mein Bestes.
Ich nehme Handseife, um mein Make-up abzuwaschen, wobei ich entschlossen das Spannungsgefühl ignoriere, das sie meiner Haut verleiht. Dann benutze ich die Finger, um meine Kriegszonen-Haare wieder zu einem Pferdeschwanz zu kämmen. Es sieht nicht mal annähernd perfekt aus, bei der Art und Weise, wie chaotisch sich meine Locken kräuseln –, aber es ist besser als der Begossene-Pudel-Look, den ich beim Hereinkommen zur Schau gestellt habe.
Meine Bluse ist das größte Problem, und obwohl ich zwar kein zusätzliches Oberteil in der Tasche habe, habe ich eine Strickjacke mitgenommen, für den Fall, dass die Klimaanlage zu hoch eingestellt ist. Ich will gerade hineinschlüpfen, aber der Cardigan ist ebenfalls weiß, und ich bin immer noch so durchnässt, dass ich Angst habe, er wird sich einfach an die Bluse kleben. Und obwohl er nicht durchsichtig ist, kann er auf keinen Fall die Tatsache verbergen, dass meine Brustwarzen sehr deutlich in Habachtstellung stehen.
Mit einem gemurmelten Fluch betrete ich eine der beiden Kabinen und schlüpfe aus meiner Bluse und meinem tropfnassen BH. Dann ziehe ich die Strickjacke an und knöpfe sie bis oben hin zu. Leider hat sie einen V-Ausschnitt, der genau an meinem Brustbein endet, daher entblöße ich immer noch mehr Haut, als mir lieb ist – zumindest für meinen Arbeitsplatz. Aber es ist besser als die Alternative, also nehme ich es in Kauf. Wenn schon sonst nichts, kann ich die Stunden, bis ich gefeuert werde, vornübergebeugt wie Quasimodo verbringen. Das wird sicher niemandem auffallen.
Ich ziehe mein Handy heraus und schreibe meiner besten Freundin Sage.
FML
Was ist los???
Werde an meinem ersten Tag gefeuert
Angestellt sein wird sowieso stark überbewertet
So wie Essen und Miete zahlen
Ganz genau
Was ist denn passiert?
Hunter Browning ist passiert
Wer?
Du solltest wirklich mal ab und zu aus deinem Yogastudio rauskriechen
FYL
Genau
Ich stecke das Handy in die Tasche und werfe einen weiteren Blick in den Spiegel. Da ich finde, dass ich aus dem, was ich habe, das Beste gemacht habe – wobei ich mir verspreche, nie wieder das Haus zu verlassen, ohne ein Schminkset und Kleidung zum Wechseln in meiner Tasche zu haben –, straffe ich die Schultern. Hole tief Luft. Sage mir, dass, wenn das Schlimmste erst mal passiert ist, von da an alles nur noch besser werden kann. Na ja, zumindest bis ich gefeuert werde …
Während ich mich ein wenig menschlicher fühle und auch viel ruhiger – vielleicht hat Rajiv recht, dass das Geheimnis darin liegt, zu akzeptieren, was das Universum geplant hat, anstatt dagegen anzukämpfen –, gehe ich durch das plötzlich betriebsame Büro zurück zum Empfangstisch. Ich war nur ein paar Minuten im Waschraum, aber in dieser Zeitspanne hat sich der Raum gefüllt. Plötzlich sitzen fast ein Dutzend Makler an ihren Schreibtischen oder tummeln sich mit Kaffeetassen in der Hand im, wie ich annehme, Pausenraum.
Die meisten von ihnen habe ich letzte Woche kennengelernt, als Kerry mich herkommen ließ, um den ganzen Papierkram für den Job zu erledigen. Alice – eine der jüngeren Maklerinnen – winkt mir von ihrem Platz in der Warteschlange für den Kaffee aus zu. Ich winke zurück und will gerade rübergehen, um Hallo zu sagen (und vielleicht ein paar Tipps zu bekommen, wie ich den Schlamassel, den ich aus meinem ersten Tag gemacht habe, wieder hinbiegen kann), als die Tür zu Kerrys Büro so heftig auffliegt, dass sie mit einem Knall gegen die Wand schlägt.
Ihr Blick schweift durch den Raum, offensichtlich auf der Suche nach etwas, bevor er sich auf mich heftet. »Emerson, könnten Sie bitte hereinkommen?«
Einen Moment lang kann ich mich der Hoffnung nicht erwehren, dass sie irgendeine andere Emerson meint. Ich werfe sogar einen Blick hinter mich, nur um sicherzugehen, dass niemand sonst dort steht. Leider vergebens. Und als Kerry eine Augenbraue hochzieht, um mich stumm zu fragen, warum ich so lange brauche, setze ich mich in Bewegung. Und plane dabei den Mord an Hunter Browning bei jedem Schritt.
Man muss kein Genie sein, um zu wissen, dass Kerry nicht erfreut ist. Ihr Körper ist steif, ihre Fäuste sind so gut wie geballt, und ihr aufgesetztes strahlendes Lächeln ist viel zu aggressiv. Sieht so aus, als würde ich doch nicht bis heute Nachmittag überleben. Das ist okay, rede ich mir ein, während ich ihr in ihr Büro folge. Essen wird wirklich völlig überbewertet.
»Setzen Sie sich«, sagt sie und nickt steif zum einzigen freien Stuhl im Raum. Der zufällig neben Hunter steht. Natürlich.
Er grinst mich an, als ich auf den Stuhl neben ihm rutsche, viel entspannter als meine Chefin oder ich gerade. Als ich wieder zu Kerry sehe, zuckt ihr Blick zwischen uns hin und her, als suchte sie nach etwas. Gott allein weiß, wonach.
Ein weiterer Blick zu Hunter gibt mir keinerlei Hinweise, und ich kann nicht anders, als mich zu fragen, was hier los ist. Wird von mir erwartet, dass ich mich für das, was draußen passiert ist, entschuldige, obwohl er der Arsch ist, der mit der ganzen Sache angefangen hat? Oder wird Kerry mich vor seinen Augen feuern, um ihn zu besänftigen? Ich mustere jetzt ihr Gesicht auf der Suche nach einem Hinweis, wie ich mich verhalten soll. Aber sie lächelt immer noch dieses falsche Lächeln, wobei sie aussieht, als wollte sie mich mit dem Kugelschreiber erstechen, den sie gerade in die Hand genommen hat.
»Also, Emerson«, sagt sie schließlich, und ihre Stimme ist so süßlich, dass ich mich dabei ertappe, angespannt darauf zu warten, dass sie mir diesen verdammten Kuli wie ein Messer zwischen die Rippen rammt. »Hunter hat mir erzählt, dass Sie beide sich heute Morgen sehr gut verstanden haben.«
Sehr gut verstanden? Ähm, okay. Definitiv nicht das, was ich zu hören erwartet habe. Aber Kerry wartet offensichtlich darauf, dass ich etwas sage, also antworte ich: »Ich denke, das ist vielleicht ein bisschen übertrieben.«
»Oh, seien Sie nicht so bescheiden. Er hat Sie in den höchsten Tönen gelobt.« Ihr Lächeln wird rasiermesserscharf. »Besonders beeindruckt ist er von Ihrer Initiative. Sogar so beeindruckt, dass er darauf besteht, dass Sie diejenige sind, die ihm von nun an die Häuser zeigt.«
Vor Schock bin ich lange Sekunden wie gelähmt, weil sich mein Gehirn weigert, das, was sie sagt, zu verarbeiten. Als es schließlich zu mir durchdringt, fange ich an zu stottern: »Aber heute ist mein erster Tag. Ich habe erst vor ein paar Wochen meine Makler-Lizenz bekommen, und ich habe noch gar nicht über Häuser in der Gegend recherchiert. Ich …«
»Alles berechtigte Argumente«, stimmt meine Chefin zu. »Argumente, die ich Hunter bereits ausführlich dargelegt habe. Aber er sagt, Sie beide hätten einen Draht zueinander, und er ist sich sicher, dass Sie besser herausfinden können, was er will, als irgendjemand sonst. Sogar jemand mit fünfzehn Jahren Erfahrung auf dem Immobilienmarkt und ihrer eigenen Firma.«
Wow, sie klingt ja überhaupt nicht verärgert.
Kerry holt tief Luft, dann setzt sie ein zuckersüßes Lächeln auf, bevor sie mir die Mappe über den Schreibtisch hinweg zuschiebt.
»Also, hier sind die Häuser, die ich ihm heute zeigen wollte. Mit denen können Sie anfangen und von da weitermachen.«
»Von da weitermachen?«, frage ich schwach.
»Nun, Sie haben doch einen Draht zueinander. Wenn keines dieser Häuser für ihn geeignet ist, bin ich sicher, Sie können eines finden, das zu ihm passt.«
Das »andernfalls« hängt unheilvoll zwischen uns in der Luft.
Emerson ist stinksauer. Und nicht einfach nur auf normale Weise stinksauer. Nein, im Moment ist sie extrem wütend, und mir ist klar, dass es einige Mühe kostet, eine Frau derart in Rage zu bringen – und noch mehr Mühe, sie wieder zu besänftigen.
Normalerweise bin ich ziemlich gut darin, mich aus Schwierigkeiten herauszureden … und wenn Reden nicht funktioniert, habe ich eine Menge anderer Methoden, die für gewöhnlich den Zweck erfüllen. Aber so, wie sie im Moment aussieht, wird es mehr als mein übliches Repertoire brauchen, um mich da raus- und auf sicheren Boden zu bringen.
Andererseits bin ich mir nicht so sicher, ob ich sie überhaupt aus ihrer Wut herausreden will. Nicht, wenn sie so atemberaubend aussieht mit ihren roten Wangen und ihren vor Wut sprühenden blauen Augen.
»Du wirst fahren müssen«, sagt sie, während sie sich an mir vorbeidrängt und sich auf den langen Marsch zur Tür im vorderen Teil des Büros macht.
»Soll mir recht sein. Die meisten Leute finden, ich bin ziemlich gut am Steuer.« Natürlich meinen die meisten Leute damit meine Fähigkeit, als Quarterback das Spiel zu gestalten, aber ich sehe keinen Grund, das jetzt zu erwähnen. Vor allem weil Emerson immer noch keinerlei Anzeichen gezeigt hat, dass sie weiß, wer ich bin. Im Gegensatz zu ihrer männerfressenden Chefin, die entschlossen zu sein scheint, mir die größte, protzigste Junggesellenbude in San Diego zu besorgen – egal, wie oft ich ihr sage, dass ich ein Familien-Zuhause suche.
»Das kann ich so nicht bestätigen«, erwidert sie, während sie die Hand nach der Tür ausstreckt. »Geschweige denn meine Kleider.«
Ich manövriere mich um sie herum, damit ich die Tür aufstoßen und für sie aufhalten kann, während ich ihr mit einer Geste bedeute vorauszugehen. Sie läuft an mir vorbei, ohne auch nur einen Blick für mich übrig zu haben, von einem Danke ganz zu schweigen. Was gut ist, denn ich mache mir nicht einmal die Mühe, mein Grinsen zu verbergen.
»Das ist eine ziemlich gewagte Vermutung, die du da anstellst.« Ich öffne die Beifahrertür und warte dann geduldig, während sie in die Kabine hinaufklettert. Dabei kann ich einen wirklich guten Blick auf ihren wirklich tollen Hintern werfen. Und da keine Kontur eines Höschens zu sehen ist – trotz der Tatsache, dass der nasse Stoff ihres Rocks immer noch an ihren üppigen Kurven klebt –, würde ich lügen, wenn ich behaupten würde, dass ich sie mir nicht in einem kleinen roten Tanga vorstelle. Oder besser noch, vollständig nackt unter diesem roten Pünktchenrock.
Ich warte, bis sie es sich bequem gemacht hat, bevor ich um die Motorhaube herum zur Fahrerseite meines Trucks gehe.
Sie hat die Mappe auf ihrem Schoß bereits aufgeschlagen und die Nase im ersten Datenblatt vergraben, während sie in ihr Handy tippt.
»Laut Navi ist das erste Haus etwa fünfzehn Minuten von hier entfernt.«
»Kannst du mir etwas darüber erzählen?«
Sie seufzt, als wäre das die größte Zumutung der Welt. »Schätze schon. Aber in ein paar Minuten wirst du es ja selbst sehen.«
»Tu mir den Gefallen. Ich gehe nicht gern blind in irgendetwas hinein – egal, ob Orte oder Situationen.«
»Aber du hast kein Problem damit, mich dazu zu zwingen, genau das zu tun.«