Das neue Meditationshandbuch - Geshe Kelsang Gyatso - E-Book

Das neue Meditationshandbuch E-Book

Geshe Kelsang Gyatso

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Beschreibung

Das neue Meditationshandbuch ist ein praktischer Leitfaden für die Meditation. Er lehrt uns, wie wir uns selbst und andere glücklich machen, indem wir inneren Frieden entwickeln und dadurch unserem Leben mehr Sinn verleihen. Ohne inneren Frieden gibt es überhaupt kein wirkliches Glück. Probleme, Leiden und Unglück existieren nicht außerhalb des Geistes. Es sind Gefühle und somit sind sie Teil unseres Geistes. Deshalb können wir unsere Probleme nur dauerhaft lösen und uns selbst und andere wirklich glücklich machen, wenn wir Kontrolle über unseren Geist gewinnen. Die 21 buddhistischen Meditationsübungen, die dieses Buch präsentiert, sind die eigentlichen Methoden, wie wir unseren Geist zähmen und anhaltenden inneren Frieden erfahren können. Dieser außerordentlich praktische Leitfaden ist für alle, die nach Glück und Sinn in ihrem Leben suchen, ein unentbehrliches Handbuch.

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Seitenzahl: 204

Veröffentlichungsjahr: 2020

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Ehrwürdiger Geshe Kelsang Gyatso Rinpoche

Vollkommen verwirklichter Meditationsmeister und international anerkannter Lehrer des Buddhismus, der den Weg für die Einführung des modernen Buddhismus in unsere heutige Gesellschaft ebnete. Als Autor von 23 hochangesehenen Büchern, die die alte Weisheit des Buddhismus in vollkommener Weise in unsere moderne Welt übertragen, gründete er auch über 1200 Zentren und Gruppen des Kadampa Buddhismus auf der ganzen Welt.

Mehr unter tharpa.com

Das neue Meditationshandbuch

Empfohlene Reihenfolge, in der die Bücher des Ehrwürdigen Geshe Kelsang Gyatso Rinpoche studiert oder gelesen werden sollten:

Wie wir unser Leben verwandeln

Wie wir den Geist verstehen

Freudvoller Weg

Der Spiegel des Dharma mit Ergänzungen

Das neue Herz der Weisheit

Moderner Buddhismus

Tantrische Ebenen und Pfade

Führer ins Dakiniland

Essenz des Vajrayana

Die mündlichen Anleitungen des Mahamudra

Große Schatzkammer der Verdienste

Acht Schritte zum Glück – Neuausgabe

Einführung in den Buddhismus

Wie wir unsere menschlichen Probleme lösen

Sinnvoll zu betrachten

Das Bodhisattva Gelübde

Allumfassendes Mitgefühl

Das neue Meditationshandbuch

Sinnvoll leben, freudvoll sterben

Ozean von Nektar

Herzjuwel

Das klare Licht der Glückseligkeit

Mahamudra Tantra

Dieses Buch wurde unter der Schirmherrschaft des

Internationalen Tempelprojekts der NKT-IKBU

veröffentlicht und der Verkaufserlös ist durch diesen Fonds für das Wohl der Allgemeinheit bestimmt.

Eingetragen unter VR 33517 B.

Mehr dazu unter

www.tharpa.com/de/weltfrieden

EHRWÜRDIGER GESHE KELSANG GYATSO RINPOCHE

Das neue Meditationshandbuch

MEDITATIONEN FÜR EIN GLÜCKLICHES UND SINNVOLLES LEBEN

Originaltitel: The Meditation Handbook

6. Auflage 2024

Alle Rechte vorbehalten.

Das Werk einschließlich aller seiner Teile ist urheberrechtlich geschützt. Jede Reproduktion ist unzulässig, außer zur Verwendung kurzer Passagen für privates Studium, Forschung und Buchbesprechungen.

Herausgeber:

Tharpa Verlag Deutschland, ein Teil des

Dipankara Kadampa Meditationszentrum e.V. (VR 33517 B)

Chausseestraße 108

10115 Berlin

Der Tharpa Verlag hat überall auf der Welt Niederlassungen und Tharpa Bücher werden in den gängigsten Sprachen veröffentlicht.

Kontaktadressen siehe hier

© Ehrwürdiger Geshe Kelsang Gyatso Rinpoche und Neue Kadampa Tradition - Internationale Union des Kadampa Buddhismus 2024

Gestaltung des Einbands © NKT-IKBU 2019

Die Zeichnungen beinhalten Bilder vom Rad des Lebens sowie von den acht glückverheißenden Symbolen.

Satz: Tharpa Verlag Deutschland

Druck: PieReg Druckcenter Berlin GmbH

ISBN 978-390854360-2

ISBN ePub 978-390854379-4

Inhaltsverzeichnis
Vorwort
TEIL EINS: Grundlagen
Einleitung
Was ist Meditation?
Der Nutzen der Meditation
Wie man mit der Meditation beginnt
Für die Meditation erforderliches Hintergrundwissen
Wie man meditiert
TEIL ZWEI: Die einundzwanzig Meditationen
Die anfängliche, mittlere und große Ausrichtung
DIE ANFÄNGLICHE AUSRICHTUNG
1. Unser kostbares menschliches Leben
2. Tod und Unbeständigkeit
3. Die Gefahren niederer Wiedergeburt
4. Die Praxis der Zuflucht
5. Handlungen und ihre Auswirkungen
DIE MITTLERE AUSRICHTUNG
6. Entsagung für Samsara entwickeln
DIE GROSSE AUSRICHTUNG
7. Gleichmut entwickeln
8. Erkennen, dass alle Lebewesen unsere Mütter sind
9. Sich an die Güte der Lebewesen erinnern
10. Gleichstellen vom Selbst und anderen
11. Die Nachteile der Selbstwertschätzung
12. Die Vorteile, andere wertzuschätzen
13. Austauschen vom Selbst mit anderen
14. Großes Mitgefühl
15. Nehmen
16. Wünschende Liebe
17. Geben
18. Bodhichitta
19. Ruhiges Verweilen
20. Höheres Sehen
21. Sich auf einen spirituellen Meister verlassen
Schlussfolgerung
Anhang I – Befreiendes Gebet und Gebete für die Meditation
Anhang II – Ein Kommentar zu den vorbereitenden Übungen
Anhang III – Eine besondere Atemmeditation
Anhang IV – Empfohlener Retreatplan
Anhang V – Die Verpflichtungen der Zuflucht
Anhang VI – Eine traditionelle Meditation über Leerheit
Anhang VII – Die Kadampa Lebensweise
Glossar
Bibliographie
Studienprogramme des Kadampa Buddhismus
Tharpa Niederlassungen weltweit
Leseempfehlungen
So finden Sie Ihr nächstgelegenes Kadampa Meditationszentrum

Vorwort

Buddha, der Gründer des Buddhismus, erschien 624 v. Chr. in dieser Welt. So wie ein Arzt unterschiedliche Medikamente für Menschen mit unterschiedlichen Krankheiten verschreibt, so gab Buddha Menschen mit unterschiedlichen Problemen und Fähigkeiten unterschiedliche Unterweisungen. Er lehrte insgesamt 84.000 verschiedene Arten von Unterweisungen, oder Dharma. Eine seiner wichtigsten Lehren ist das Sutra der Vollkommenheit der Weisheit. Es umfasst auf Tibetisch zwölf aus dem Sanskrit übersetzte Bände. Um uns verständlich zu machen, wie man diese Lehren in den Alltag integriert, schrieb der buddhistische Meister Atisha Eine Lampe für den Pfad zur Erleuchtung, auch die Stufen des Pfades genannt, oder Lamrim auf Tibetisch. Obwohl dieser Text sehr kurz ist, enthält er die gesamte Bedeutung des Sutras der Vollkommenheit der Weisheit.

Später schrieb der tibetische buddhistische Meister Je Tsongkhapa ausführliche, mittlere und zusammengefasste Kommentare zu Atishas Lamrim Unterweisungen. Ich habe dieses neue Meditationshandbuch auf der Grundlage von Je Tsongkhapas Kommentaren verfasst. Es soll den Menschen der modernen Welt helfen, den kostbaren, heiligen Dharma des «Kadam Lamrim» zu verstehen und zu üben. Teil Eins dieses Buches erläutert die Grundlagen des Pfades zur Erleuchtung und Teil Zwei stellt den eigentlichen Pfad zur Erleuchtung dar. Ausführliche Erklärungen sind in den Büchern Moderner Buddhismus, Wie wir unser Leben verwandeln und Freudvoller Weg enthalten.

Lesen Sie dieses Buch aufrichtig mit einer guten Motivation, frei von negativen Sichtweisen, wird es Ihnen für Ihr alltägliches Wohlergehen von großem Nutzen sein. Das verspreche ich Ihnen.

Geshe Kelsang Gyatso

USA

März 2003

TEIL EINS

Grundlagen

EINLEITUNG

Das neue Meditationshandbuch ist ein praktischer Leitfaden für die Meditation. Es zeigt uns, wie wir uns selbst und andere glücklich machen. Obwohl es unser Wunsch ist, immer glücklich zu sein, wissen wir nicht, wie uns das gelingen kann. Deshalb zerstören wir gewöhnlich unser Glück, indem wir Wut und andere Verblendungen entwickeln. Der buddhistische Meister Shantideva sagt:

 . . . obwohl sie sich Glück wünschen,

Zerstören sie es aus Unwissenheit wie einen Feind.

Wir glauben normalerweise, dass das Verbessern äußerer Umstände uns wirklich glücklich machen wird. In diesem Glauben haben viele Länder erstaunlichen materiellen Fortschritt angestrebt und auch erreicht. Wir müssen jedoch feststellen, dass uns dies nicht wirklich glücklicher gemacht oder unsere Probleme vermindert hat. Im Gegenteil, es entstehen immer mehr Probleme, Leiden und Gefahren. Wir haben unsere Umwelt, Wasser und Luft verschmutzt. Dies schadet unserer Gesundheit und immer mehr Krankheiten breiten sich in der Welt aus. Unser Leben heute ist komplizierter, wir werden immer unglücklicher und unsere Sorgen nehmen zu. Gegenwärtig gibt es mehr Probleme und größere Gefahren als je zuvor. Das zeigt deutlich, dass es zum Glücklichsein nicht reicht, nur die äußeren Bedingungen zu verbessern. Natürlich brauchen wir, weil wir Menschen sind, die notwendigen menschlichen Lebensgrundlagen. Doch äußere Umstände können uns nur glücklich machen, wenn unser Geist friedvoll ist. Ist unser Geist nicht friedvoll, werden wir nie glücklich sein, selbst wenn die äußeren Umstände perfekt sind. Stellen wir uns vor, wir sind auf einem Fest mit Freunden und vergnügen uns. Sollten wir aus irgendeinem Grund wütend werden, verschwindet unsere gute Laune im gleichen Augenblick. Das ist so, weil die Wut unseren inneren, oder geistigen, Frieden zerstört hat.

Ohne inneren Frieden gibt es gar kein wirkliches Glück. Je besser wir unseren Geist beherrschen, desto größer ist unser innerer Frieden und umso glücklicher sind wir. Deshalb ist die Beherrschung unseres eigenen Geistes die einzige Methode, um uns glücklich zu machen. Indem wir unseren Geist beherrschen – vor allem unsere Wut, unsere Anhaftung und ganz besonders unser Festhalten am Selbst –, werden alle unsere Probleme verschwinden. Wir werden tiefen inneren Frieden erleben und immerwährend glücklich sein. Probleme, Leiden und Unglück existieren nicht außerhalb des Geistes; es sind Gefühle und darum sind sie Teil des Geistes. Deshalb können wir nur durch die Beherrschung unseres Geistes unsere Probleme für immer beenden und uns selbst und andere wirklich glücklich machen.

Die Meditationsübungen, die in diesem Buch vorgestellt werden, sind allesamt Methoden unseren Geist zu kontrollieren. Wir alle haben unterschiedliche Wünsche und Fähigkeiten, deshalb gibt es viele unterschiedliche Ebenen der Meditationspraxis. Zu Beginn wählen wir die Ebene, die uns am meisten anspricht. Wenn unser Verständnis sich schrittweise verbessert und unsere Vertrautheit allmählich zunimmt, schreiten wir zu den höheren Ebenen fort. Widmen wir uns beständig mit Freude und Geduld diesen Meditationen, verwirklichen wir das endgültige Ziel des menschlichen Lebens.

Was ist das endgültige Ziel menschlichen Lebens? Welche Dinge sind unserem Gefühl nach wirklich wichtig für unser Glück? Einen schöneren Körper zu haben oder viel Geld und einen guten Ruf, oder Ruhm und Macht, oder Spannung und Abenteuer? Vielleicht glauben wir, dass wir wirklich glücklich wären, wenn wir einfach von allem das Richtige hätten: den richtigen Ort zum Leben, den richtigen Besitz, die richtige Arbeit, die richtigen Freunde, den richtigen Partner. Folglich versuchen wir mit großem Aufwand an Zeit und Energie die Welt so umzugestalten, dass wir all dies erreichen. Manchmal gelingt es uns sogar, aber immer nur bis zu einem gewissen Grad und nur für kurze Zeit. Selbst wenn wir erfolgreich sind und die scheinbar vollkommenen äußeren Bedingungen haben, gibt es doch immer Nachteile. Sie können uns nie das vollkommene immerwährende Glück geben, nach dem wir uns alle sehnen. Sehen wir den Sinn unseres Lebens allein darin, Glück in äußeren Umständen zu suchen, wird uns das letztendlich täuschen. Denn zum Zeitpunkt unseres Todes kann uns nichts von alledem helfen. Alle weltlichen Errungenschaften sind in sich hohl – sie sind nicht die wahre Essenz des menschlichen Lebens.

Es wird gesagt, dass es in alter Zeit, als Menschen im Überfluss Verdienste hatten, wunschgewährende Juwelen gab, die die Kraft besaßen Wünsche zu erfüllen. Doch selbst jene kostbarsten weltlichen Besitztümer konnten nur die Wünsche nach verunreinigtem Glück befriedigen. Reines Glück, das einem reinen Geist entspringt, konnten sie nicht schenken. Zudem wirkte ihre Kraft nur bei der Erfüllung der Wünsche dieses Lebens. In zukünftigen Leben konnten sie ihre Besitzer nicht beschützen. So waren auch sie letztendlich täuschend.

Nur die Erlangung der vollen Erleuchtung wird uns nie täuschen. Was ist Erleuchtung? Sie ist die allwissende Weisheit, frei von allen fehlerhaften Erscheinungen. Eine Person, die im Besitz dieser Weisheit ist, ist ein erleuchtetes Wesen, ein «Buddha». Alle Wesen, die keine Buddhas sind, haben zu jeder Zeit fehlerhafte Erscheinungen, Tag und Nacht, selbst im Schlaf.

Alles, was uns erscheint, nehmen wir wahr, als existierte es von seiner eigenen Seite. Das ist fehlerhafte Erscheinung. Wir nehmen ein «Ich» und «Mein» wahr, als existierten sie von ihrer eigenen Seite. Unser Geist hält stark an dieser Erscheinung fest und glaubt, dass sie wahr ist. Dies ist der Geist der Unwissenheit des Festhaltens am Selbst. Auf dieser Grundlage handeln wir unangemessen und das führt dazu, dass wir Leiden erleben. Das ist die fundamentale Ursache für unser Leiden. Erleuchtete Wesen sind vollkommen frei von fehlerhaften Erscheinungen und den Leiden, die sie hervorbringen.

Nur die Erlangung der Erleuchtung kann unseren tiefsten Wunsch nach reinem und anhaltendem Glück erfüllen. In dieser unreinen Welt hat sonst nichts die Kraft, diesen Wunsch zu stillen. Nur als vollerleuchteter Buddha erleben wir den tiefen und immerwährenden Frieden, der aus einer dauerhaften Beendigung aller Verblendungen und ihrer Prägungen entsteht. Wir werden frei von allen Fehlern und geistigen Verdunkelungen sein und über die notwendigen Eigenschaften verfügen, allen Lebewesen unmittelbar zu helfen. Dann werden wir eine Zuflucht für alle Lebewesen sein.

Mit diesem Verständnis können wir klar erkennen, dass die Erlangung der Erleuchtung das endgültige Ziel und der wahre Sinn unseres kostbaren menschlichen Lebens ist. Es ist unser Herzenswunsch, zu jeder Zeit glücklich zu sein und vollständig frei von allen Fehlern und Leiden. Deshalb entwickeln wir die feste Absicht Erleuchtung zu erlangen. Wir sollten denken: «Ich muss Erleuchtung erlangen, weil es nirgendwo in dieser unreinen Welt wahres Glück gibt.»

WAS IST MEDITATION?

Meditation ist ein Geist, der sich auf ein tugendhaftes Objekt konzentriert und die Hauptursache für geistigen Frieden ist. Die Meditationspraxis ist eine Methode, unseren Geist mit Tugend vertraut zu machen. Je vertrauter unser Geist mit Tugend ist, desto ruhiger und friedvoller wird er. Ist unser Geist friedvoll, sind wir frei von Sorgen und geistigem Unbehagen und erleben wahres Glück. Schulen wir unseren Geist darin friedvoll zu sein, sind wir immer glücklich, selbst unter den widrigsten Umständen. Ist unser Geist jedoch nicht friedvoll, dann sind wir selbst unter den angenehmsten äußeren Umständen nicht glücklich. Deshalb ist es so wichtig, unseren Geist in Meditation zu schulen.

Jedes Mal, wenn wir meditieren, ist diese Handlung die Ursache dafür, in Zukunft inneren Frieden zu erleben. Normalerweise erfahren wir Tag und Nacht Verblendungen, unser ganzes Leben lang. Sie sind das Gegenteil von geistigem Frieden. Manchmal aber erleben wir ganz natürlich inneren Frieden. Das geschieht, weil wir uns in unseren früheren Leben auf Tugendhaftes konzentrierten. Ein tugendhaftes Objekt ist jedes Objekt, das uns hilft einen friedvollen Geist zu entwickeln, wenn wir uns darauf konzentrieren. Konzentrieren wir uns auf ein Objekt, durch das wir einen unfriedlichen Geist entwickeln wie etwa Wut oder Anhaftung, weist uns dies darauf hin, dass es für uns ein nichttugendhaftes Objekt ist. Außerdem sind viele Objekte neutral, weder tugendhaft noch nichttugendhaft.

Es gibt zwei Arten der Meditation: analytische Meditation und verweilende Meditation. In der analytischen Meditation denken wir über die Bedeutung einer spirituellen Anleitung nach, die wir gehört oder gelesen haben. Durch tiefes Nachdenken über diese Anleitungen gelangen wir schließlich zu einer eindeutigen Erkenntnis oder zu einem besonderen, tugendhaften Geisteszustand. Dies ist das Objekt der verweilenden Meditation. Wir konzentrieren uns so lange wie möglich einsgerichtet auf diesen Entschluss oder tugendhaften Geisteszustand, um damit tief vertraut zu werden. Diese einsgerichtete Konzentration ist verweilende Meditation. Oft wird analytische Meditation «Kontemplation» und verweilende Meditation einfach nur «Meditation» genannt. Die verweilende Meditation hängt von der analytischen Meditation ab und die analytische Meditation beruht auf dem Hören oder Lesen spiritueller Anleitungen.

DER NUTZEN DER MEDITATION

Sinn der Meditation ist es, unseren Geist ruhig und friedvoll zu machen. Wie bereits erwähnt sind wir, wenn unser Geist friedvoll ist, frei von Sorgen und geistigem Unbehagen und erleben wahres Glück. Ist unser Geist aber nicht friedvoll, wird es uns schwerfallen glücklich zu sein, selbst wenn wir in den allerbesten Umständen leben. Schulen wir uns in Meditation, wird unser Geist allmählich friedvoller und wir erleben immer reineres Glück. Schließlich wird es uns gelingen zu jeder Zeit, selbst unter schwierigsten Umständen, glücklich zu sein.

Normalerweise fällt es uns schwer, unseren Geist zu beherrschen. Es scheint, als ob unser Geist wie ein Ballon im Wind ist, der durch äußere Umstände mal hierhin und mal dorthin geweht wird. Laufen die Dinge gut, ist unser Geist glücklich. Läuft es aber schlecht, wird er sofort unglücklich. Angenommen, wir bekommen was wir wollten, wir erwerben etwas Neues, finden eine neue Stelle oder einen neuen Partner: Sofort sind wir aufgeregt und klammern uns fest daran. Wir können aber nicht alles haben, was wir uns wünschen, und wir werden uns unweigerlich von Freunden, Beruf oder Besitz, d.h. von allem, was uns jetzt erfreut, trennen müssen. Dann wird uns diese geistige Klebrigkeit, oder Anhaftung, nur Schmerz bereiten. Wenn wir andererseits nicht bekommen, was wir wollen, oder verlieren, was wir mögen, fühlen wir uns niedergeschlagen oder werden ärgerlich. Sind wir zum Beispiel gezwungen mit einem Kollegen zusammenzuarbeiten, den wir nicht mögen, sind wir wahrscheinlich gereizt oder fühlen uns bedrückt. Wir können nicht gut mit ihm zusammenarbeiten und unsere Arbeit wird stressig und unproduktiv sein.

Diese Stimmungsschwankungen entstehen, weil wir zu stark in äußere Situationen verstrickt sind. Wir sind wie ein Kind, das eine Sandburg baut und sich riesig freut, wenn sie fertig ist. Wird sie aber von der hereinströmenden Flut zerstört, ist es enttäuscht. Durch Schulung in Meditation lassen wir einen inneren Raum und eine Klarheit entstehen, die es uns unter allen Umständen ermöglichen, unseren Geist zu beherrschen. Allmählich entwickeln wir, anstelle des unausgewogenen Geistes, der zwischen den Extremen von freudiger Erregung und Niedergeschlagenheit schwankt, ein geistiges Gleichgewicht, einen ausgewogenen Geist, der immer glücklich ist.

Durch systematische Schulung in Meditation können wir schließlich die Verblendungen, die Ursachen all unserer Probleme und Leiden, beseitigen. Nur so werden wir dauerhaft inneren Frieden finden. Dann werden wir Tag und Nacht, Leben für Leben, nur Frieden und Glück erfahren.

Selbst wenn zu Beginn unsere Meditation nicht gut läuft, sollten wir daran denken, dass wir das geistige Karma erschaffen, in der Zukunft inneren Frieden zu erleben, einfach indem wir uns in unserer Schulung in Meditation bemühen. Das Glück dieses Lebens und zukünftiger Leben hängt von der Erfahrung inneren Friedens ab und der wiederum hängt von der geistigen Handlung der Meditation ab. Und weil innerer Frieden die Quelle allen Glücks ist, können wir sehen, wie wichtig Meditation ist.

WIE MAN MIT DER MEDITATION BEGINNT

Auf der ersten Stufe der Meditation stoppen wir Ablenkungen und machen unseren Geist klarer und lichter. Wir erreichen dies durch einfache Atemmeditation. Wir wählen einen ruhigen Ort und nehmen eine bequeme Haltung ein. Wir sitzen entweder in der traditionellen Haltung mit gekreuzten Beinen oder in jeder anderen angenehmen Haltung. Wenn wir wollen, können wir auch auf dem Stuhl sitzen. Das Wichtigste ist unseren Rücken gerade zu halten. Das verhindert, dass unser Geist träge oder schläfrig wird.

Wir sitzen mit beinahe geschlossenen Augen und richten unsere Aufmerksamkeit auf den Atem. Wir atmen ganz natürlich, ohne den Atem zu beeinflussen, am besten durch die Nase. Wir versuchen die Empfindung zu spüren, wie der Atem durch die Nasenflügel ein- und ausströmt. Diese Empfindung ist das Objekt unserer Meditation. Wir versuchen uns vollständig darauf zu konzentrieren, bis wir nichts anderes mehr wahrnehmen.

Zuerst wird unser Geist sehr beschäftigt sein und wir haben vielleicht sogar das Gefühl, dass die Meditation den Geist unruhiger macht. In Wirklichkeit jedoch wird uns nur bewusst, wie beschäftigt unser Geist tatsächlich ist. Die Versuchung wird groß sein, den unterschiedlichen Gedanken, sobald sie auftauchen, zu folgen. Wir sollten dem aber widerstehen und einsgerichtet auf dem Gefühl des Atems verweilen. Stellen wir fest, dass unser Geist abwandert und unseren Gedanken folgt, kehren wir sogleich zum Atem zurück. Das wiederholen wir so oft es nötig ist, bis der Geist auf dem Atem verweilt.

Üben wir geduldig in dieser Weise, nehmen unsere ablenkenden Gedanken allmählich ab und wir erleben ein Gefühl von innerem Frieden und Entspannung. Unser Geist wird sich licht und weit anfühlen, und wir fühlen uns erfrischt. Wenn das Meer stürmisch ist, wirbeln Ablagerungen hoch und das Wasser wird trübe. Lässt der Sturm nach, setzt sich der Schlamm allmählich ab und das Wasser wird wieder klar. In ähnlicher Weise wird unser Geist außergewöhnlich licht und klar, sobald sich die ansonsten unablässige Flut ablenkender Gedanken durch Konzentration auf den Atem beruhigt. In diesem Zustand geistiger Ruhe verweilen wir für kurze Zeit.

Obwohl Atemmeditation nur eine Vorstufe der Meditation ist, ist sie sehr kraftvoll. Durch diese Übung sehen wir, dass es allein durch die Kontrolle des Geistes, völlig unabhängig von äußeren Bedingungen, möglich ist, inneren Frieden und Zufriedenheit zu erleben. Nimmt die Unruhe ablenkender Gedanken ab und kommt unser Geist zur Ruhe, entstehen in uns ganz natürlich tiefes Glück und Zufriedenheit. Dieser Zustand von Zufriedenheit und Wohlgefühl hilft uns, mit der Geschäftigkeit und den Schwierigkeiten des Alltags umzugehen. Ein großer Teil des Stresses und der Anspannung, die wir normalerweise erleben, kommt aus unserem Geist. Viele unserer Probleme, auch gesundheitliche, werden durch diesen Stress verursacht oder verstärkt. Bereits durch eine tägliche Atemmeditation von nur zehn oder fünfzehn Minuten können wir diesen Stress abbauen. Unser Geist wird ruhig und weit und viele unserer gewöhnlichen Probleme werden einfach von uns abfallen. Wir gehen leichter mit schwierigen Situationen um und unsere Beziehungen zu anderen werden sich schrittweise verbessern, weil wir in einer ganz natürlichen Weise warmherziger und wohlwollender werden.

Wir sollten uns in dieser vorbereitenden Meditation so lange schulen, bis unsere groben Verblendungen schwächer geworden sind. Danach schulen wir uns in den einundzwanzig Meditationen, die in diesem Buch erläutert sind. Wir beginnen diese Meditationen, indem wir den Geist mit Atemmeditation besänftigen, so wie es erklärt wurde. Dann wenden wir uns entsprechend den Anleitungen für die jeweilige Meditation den Stufen der analytischen und verweilenden Meditation zu.

FÜR DIE MEDITATION ERFORDERLICHES HINTERGRUNDWISSEN

Die Meditationen dieses Buches setzen voraus, dass wir an Wiedergeburt, oder Reinkarnation, und Karma, oder Handlungen, glauben. Deshalb ist eine kurze Beschreibung des Vorgangs von Tod und Wiedergeburt sowie der Bereiche, in denen wir wiedergeboren werden können, sicher hilfreich.

Der Geist ist weder körperlich, noch ist er ein Nebenprodukt körperlicher Prozesse. Er ist ein formloses Kontinuum, eine vom Körper getrennte Wesenheit. Wenn der Körper zum Zeitpunkt des Todes zerfällt, hört der Geist nicht auf zu existieren. Unser oberflächlicher, bewusster Geist vergeht zwar, aber nur, weil er sich in eine tiefere Bewusstseinsebene, in den sehr subtilen Geist, auflöst. Das Kontinuum des sehr subtilen Geistes ist ohne Anfang und ohne Ende. Es ist dieser Geist, der sich, wenn er vollständig gereinigt ist, in den allwissenden Geist eines Buddha umwandelt.

Jede Handlung, die wir ausführen, hinterlässt eine Prägung in unserem sehr subtilen Geist. Jede dieser Prägungen führt früher oder später zu entsprechenden Auswirkungen. Unser Geist ist wie ein Feld und unsere Handlungen sind wie Samen, die wir in dieses Feld säen. Tugendhafte Handlungen setzen Samen zukünftigen Glücks. Nichttugendhafte Handlungen setzen Samen zukünftigen Leidens. Die Samen, die wir in der Vergangenheit gesät haben, ruhen, bis die für die Keimung notwendigen Bedingungen da sind. Dies kann manchmal erst viele Leben nach der ursprünglichen Handlung eintreten.

Sehr wichtig sind die Samen, die zum Zeitpunkt unseres Todes reifen. Sie bestimmen die Art unserer nächsten Wiedergeburt, die wir annehmen. Welcher Samen genau im Moment des Todes heranreift, hängt vom Geisteszustand ab, in dem wir sterben. Sterben wir mit einem friedlichen Geist, wird ein tugendhafter Samen angeregt und wir werden eine glückliche Wiedergeburt annehmen. Sterben wir jedoch mit einem unfriedlichen Geist, zum Beispiel in einem Zustand der Wut, so wird ein nichttugendhafter Samen angeregt und wir werden eine unglückliche Wiedergeburt erlangen. Dies ist vergleichbar mit Albträumen, die durch einen unruhigen Geist kurz vor dem Einschlafen ausgelöst werden.

Diese Analogie ist nicht zufällig gewählt, denn der Vorgang von Schlafen, Träumen und Aufwachen gleicht dem Vorgang von Tod, Zwischenzustand und Wiedergeburt. Wenn wir einschlafen, sammeln sich unsere groben inneren Winde und lösen sich nach innen auf. Unser Geist wird zunehmend subtiler, bis er sich in den sehr subtilen Geist des klaren Lichts des Schlafes umwandelt. Wenn sich das klare Licht des Schlafes manifestiert, befinden wir uns im Tiefschlaf und mögen anderen wie tot erscheinen. Endet das klare Licht, dann wird unser Geist zunehmend gröber und wir durchlaufen die verschiedenen Ebenen des Traumzustands. Schließlich erlangen wir wieder unser normales Erinnerungsvermögen, sowie die Fähigkeit geistiger Kontrolle und wachen auf. Zu dieser Zeit verschwindet die Traumwelt und wir nehmen die Welt des Wachzustands wahr.

Zum Zeitpunkt unseres Todes geschieht etwas sehr Ähnliches. Wenn wir sterben, lösen sich unsere Winde nach innen auf. Unser Geist wird zunehmend subtiler, bis sich der sehr subtile Geist des klaren Lichts des Todes manifestiert. Die Erfahrung des klaren Lichts des Todes ist der Erfahrung des Tiefschlafs sehr ähnlich. Nachdem das klare Licht des Todes endet, erleben wir die Stadien des Zwischenzustands, oder «Bardo» auf Tibetisch, der ein traumähnlicher Zustand zwischen Tod und Wiedergeburt ist. Nach einigen Tagen oder Wochen endet der Zwischenzustand und wir werden wiedergeboren. So wie die Traumwelt beim Erwachen aus dem Schlaf verschwindet und wir die Welt des Wachzustands wahrnehmen, so enden mit der Wiedergeburt die Erscheinungen des Zwischenzustands und wir nehmen die Welt unseres nächsten Lebens wahr.

Der einzige bedeutsame Unterschied zwischen dem Vorgang des Schlafens, Träumens und Aufwachens und dem Vorgang des Sterbens, des Zwischenzustands und der Wiedergeburt besteht darin, dass nach der Beendigung des klaren Lichts des Schlafes die Verbindung zwischen unserem Geist und unserem gegenwärtigen Körper bestehen bleibt, während sie sich nach dem klaren Licht des Todes auflöst.

Im Zwischenzustand haben wir verschiedene Visionen, die aus den karmischen Samen entstehen, die unmittelbar vor dem Tod angeregt wurden. Wurden negative Samen aktiviert, sind die Visionen alptraumhaft. Das Aktivieren positiver Samen führt zu überwiegend angenehmen Visionen. In jedem Fall zwingen uns die karmischen Samen, sobald sie genügend ausgereift sind, zu einer Wiedergeburt in einem der sechs Bereiche Samsaras.

Die sechs Bereiche sind wirkliche Orte, an denen wir wiedergeboren werden können. Sie entstehen durch die Kraft unserer Handlungen, oder Karma. Es gibt drei Arten von Handlungen: körperliche, sprachliche und geistige Handlungen. Unsere körperlichen und sprachlichen Handlungen haben ihren Ursprung in unseren geistigen Handlungen. Deshalb werden die sechs Bereiche letztlich durch unseren Geist erschaffen. Ein Höllenbereich ist zum Beispiel ein Ort, der als Ergebnis schlimmster Handlungen wie Mord oder außerordentliche geistige oder körperliche Grausamkeit entsteht. Derartige Handlungen hängen ihrerseits von am stärksten verblendeten Geisteszuständen ab.

Um uns die sechs Bereiche bildhaft vorzustellen, vergleichen wir sie mit den Stockwerken eines großen, alten Hauses. In dieser Analogie ist das Haus Samsara, der Kreislauf von Tod und Wiedergeburt, dem alle gewöhnlichen Wesen ohne Wahl oder Kontrolle unterworfen sind. Es besteht aus dem Erdgeschoss, dem ersten und zweiten Stockwerk und drei Untergeschossen. Verblendete fühlende Wesen sind wie die Bewohner dieses Hauses. Sie sind in ständiger Bewegung, gehen nach oben und nach unten. Manchmal wohnen sie in den oberen Stockwerken und manchmal in den Untergeschossen.