Der Albtraum von Texarkana - Jörg Spitzer - E-Book

Der Albtraum von Texarkana E-Book

Jörg Spitzer

0,0

Beschreibung

Texarkana 1946: Die kleine, aufstrebende Stadt im Süden der USA wird von einem psychopathischen und sadistischen Serientäter heimgesucht, der es fast ausnahmslos auf Liebespärchen abgesehen hat. Grausam und brutal richtet er seine Opfer buchstäblich hin. Die wenigen Überlebenden vermögen den unbekannten Mörder nur sehr vage zu beschreiben. Wird es der Polizei dennoch gelingen den heimtückischen KIller zu fassen? Ein Kurzroman basierend auf einer wahren Begebenheit.

Sie lesen das E-Book in den Legimi-Apps auf:

Android
iOS
von Legimi
zertifizierten E-Readern
Kindle™-E-Readern
(für ausgewählte Pakete)

Seitenzahl: 67

Das E-Book (TTS) können Sie hören im Abo „Legimi Premium” in Legimi-Apps auf:

Android
iOS
Bewertungen
0,0
0
0
0
0
0
Mehr Informationen
Mehr Informationen
Legimi prüft nicht, ob Rezensionen von Nutzern stammen, die den betreffenden Titel tatsächlich gekauft oder gelesen/gehört haben. Wir entfernen aber gefälschte Rezensionen.



Daß ein Mensch einen Menschen tötet – nicht aus Zorn, nicht aus Furcht, sondern nur aus Lust an seiner Qual sich zu weiden.

Lucius Annaeus Seneca

Ich fasse das Leid nicht, das der Mensch dem Menschen zufügt. Sind die Menschen von Natur so grausam? Sind sie nicht fähig, sich hineinzufühlen in die Vielfalt der Qualen, die stündlich, täglich Menschen erdulden? Ich glaube nicht an die "böse" Natur des Menschen. Ich glaube, daß er das Schrecklichste tut aus Mangel an Phantasie, aus Trägheit des Herzens.

Ernst Toller -Deutscher Schriftsteller (1893 - 1939)

„Was Ich getan habe, habe ich getan. Ich habe das getan, was ich tun musste. Soll ich es etwa noch bereuen?

Nein, es gibt gewiss nichts zu bereuen. Warum auch?

Es hat mir doch außerordentlich große Freude bereitet.

War ich in diesen Momenten nicht sehr glücklich?

Oh doch, dass war ich ganz bestimmt. Sehr sogar. Doch jetzt ist es genug. Der Spaß schmeckt nicht mehr.

Ihr werdet nie erfahren, warum ich es getan habe. Ihr werdet nie erfahren, wer ich war. Ihr werdet noch nicht einmal erfahren, dass ich weiter unter euch gelebt habe.“

Dieser verdammte Regen. Nun fuhr er schon fast drei Stunden durch diesen nie enden wollenden Regen.

Unter normalen Umständen wäre die Fahrt von Shreveport bis nach Texarkana in gut eineinhalb Stunden zu bewältigen.

Doch bei diesem verdammten Regen...

Herbert Brewster schnaubte wie ein texanischer Bulle während einem Rodeo bei dieser Vorstellung.

Als Ranger im Nationalpark von Texarkana war er natürlich einiges gewohnt, was dass Wetter anbetraf.

Doch solch einen Regen hatte es schon seit Jahren nicht mehr hier im Nordosten von Texas gegeben.

Jedenfalls vermochte sich der Ranger nicht daran zu erinnern.

Die Scheibenwischanlage seines schon etwas betagten Packard Clipper ächzte förmlich auf und konnte die enormen Wassermassen, die auf die Scheibe des Wagens prasselten, dazu nur mit einem lauten und schabenden Geräusch fort bewegen.

Hinzu kam diese grässliche Dunkelheit und der Highway lag wie ein undurchdringliches, alles verschlingendes endlos dunkles Loch vor ihm.

Dieser gottverdammte Regen ließ nur eine Geschwindigkeit von höchstens fünfzehn Meilen die Stunde zu.

Mehr wäre lebensgefährlich gewesen.

Ganz selten kam dem Ranger ein anderes Fahrzeug entgegen; vor und hinter seinem Wagen war kein anderes Auto zu sehen.

Der Mittvierziger fuhr sich mit einer Hand durch sein dichtes, schwarzes Haar und starrte unentwegt auf die Mittelstreifen der Straße, die bei diesem Wetter sein einziger Anhaltspunkt waren. Ohne diese festen Markierungen wäre er schon im Straßengraben gelandet.

Rechts und Links der Fernstraße war es noch schwärzer als schwarz. Nur ganz selten wurde diese bedrohlich wirkende Dunkelheit durch kleine schwache Lichtpunkte unterbrochen, die von den wenigen Ranches und Farmen stammten, die weit draußen in der unendlich weit scheinenden Ebene lagen und einigen Ölfeldern, die auch bei Nacht betrieben wurden.

Nur noch fünf Meilen bis zur Stadtgrenze von Texarkana: Brewster holte tief Luft und stieß einen wohltuenden Seufzer der Erleichterung aus.

Umständlich zündete er sich eines seiner Zigarillos an, keinen Moment den Blick vom Highway lassend.

Doch plötzlich, von einer Sekunde zur anderen, ließ der Regen nach und hörte nach weiteren, wenigen Sekunden ganz auf.

Merkwürdig, wunderte sich der Aufseher nur kurz, freute sich aber im selben Augenblick darüber, dass er nun halbwegs trocken sein Zuhause in Texarkana erreichen würde.

Ich werde über die Lanewood Road fahren und dann rechts abbiegen in den schmalen Waldweg, dass wird zwar eine ziemlich holprige Fahrt, aber ich bin schneller daheim. Kaum hatte er die Überlegung zu Ende gebracht, als er auch schon vom Highway abfahren mußte und nach wenigen Metern die Lanewood Road erreicht hatte.

Hier, am Stadtrand von Texarkana, war um diese Uhrzeit an diesem Samstagabend nicht mehr all zu viel Verkehr. Einige Male wurde das trübe Licht der Gasstraßenlaternen durch die Scheinwerfer der wenigen Autos, die vorüberfuhren, etwas verstärkt.

Ansonsten war in dieser reinen Wohngegend nicht viel los. Hinzu kam, dass die wenigen Häuser, die sich hier befanden, auch noch sehr weit auseinander lagen.

Der Ranger steuerte nun seinen Wagen in den schmalen Seitenweg, der auch Lovers Lane genannt wurde, da sich dort ein beliebter Treffpunkt für Liebespaare gebildet hatte. Hier waren die meist jungen Leute unter sich; es gab viel Wald und es gab immer einen Parkplatz für den Wagen.

Die Lane mündete oben in die Pinewood Avenue: Von dort aus war es für Brewster nur noch ein Katzensprung bis zu seinem Haus.

Plötzlich riß die Wolkendecke auf und es schien beinahe taghell zu werden. Es war Vollmond und in seinem kalten Licht konnte man den schmalen Waldweg sehr gut sehen. Überdies stellte der Ranger zu seiner Freude fest, dass der Boden nicht allzu aufgeweicht war. Doch umso heftiger wurde sein Packard durch den unebenen Waldboden durchgerüttelt. Das Licht der Scheinwerfer tanzte wild auf und ab und einige Male stieß der Aufseher mit seinem Kopf gegen das Wagendach. Doch dies machte ihm nicht viel aus. Er hatte schon Schlimmeres erlebt. Gut gelaunt pfiff er eine flotte Melodie und sah sich schon bei einem Glas Bier und einem Zigarillo zuhause in seinem gemütlichen Ledersessel sitzen.

Auf einmal tauchte im Fahrlicht ein auf der Seite geparktes Fahrzeug auf. Was Brewster dann zu sehen bekam, ließ sein Pfeifen abrupt verstummen.

„Was ist das denn? Das gibt es doch nicht! Sieh sich mal einer diesen Regen an.“

Stewart Allison setzte sich fluchend seinen schneeweißen Stetson auf, sprang aus dem Wagen und rannte so schnell wie er konnte quer über die Straße zu seinem Wohnhaus.

Trotz dieses schnellen Spurtes erreichte er völlig durchnässt sein Heim, ein Haus, erbaut im Südstaatenstil.

In der großen geräumigen Diele empfing ihn seine Mutter.

„Stew, Du siehst aus, als ob du aus der Badewanne gestiegen bist. Trockne dich erst einmal und komme dann bitte zum Abendessen.“

Misses Allison, eine kleine untersetzte Frau mit langen grauen Haaren, die zu einem Knoten gebunden waren, sah ihren ältesten Sohn mitfühlend an. Der gab ihr wortlos einen Kuß auf die Stirn und stürzte die Treppe hinauf zu seinem Zimmer.

In der Küche war die gesamte Familie am Tisch versammelt.

Seine jüngeren Brüder, Billy Joe und Timothy, und seine Schwester Nancy, alle drei wenige Jahre jünger als Stew, begrüßten ihren Bruder herzlichst.

Vater Bill, ein großer und drahtiger Texaner, der sein Leben lang als Verwalter auf der Holmes Ranch gearbeitet hatte, begrüßte seinen ältesten Sohn mit der für ihn typischen strengen Miene. Nicht das er das absichtlich tat: Vor einigen Jahren wurde er bei einer Schlägerei so schwer im Gesicht verletzt, dass er bleibende Schäden davon getragen hatte. Seine herabhängenden Mundwinkel und seine wie gemeißelt wirkende Gesichtskontur verliehen ihm eben diesen Ausdruck. Dafür war er ein um so liebender und fürsorglicher Vater, der seinen Kindern jeden Wunsch von den Augen ablas.

Nach dem Abendbrot ging Stewart nochmals auf sein großzügig eingerichtetes Zimmer mit eigenem Bad.

Mit seinen 29 Jahren wohnte der junge Mann immer noch bei den Eltern. Das lag weniger an finanziellen Erwägungen, sondern mehr daran, dass er eben noch nicht die richtige Frau kennengelernt hatte. In seinem Job als Versicherungsagent der Texarkana Insurance Corporation verdiente er gutes Geld, dass reichen würde eine Familie zu gründen. Zwar hatte der gutaussehende Mann schon einige Freundinnen gehabt, doch das große Los war noch nicht dabei gewesen.

Er war 1,90 groß, schlank, hatte braune lockige Haare und dunkelblaue Augen, die in manchen Momenten wie schwarz erschienen.

Aber vielleicht hatte er jetzt in Melissa endlich die Frau für´s Leben gefunden. Denn mit ihr war er heute an diesem Samstagabend verabredet. Zunächst sollte es ins Kino gehen und dann vielleicht noch etwas trinken. Melissa war auch schon zwanzig und für ihn eine besonders reife und sehr besonnene Frau. Und sie war bildhübsch. Hinzu kam, dass es Liebe auf den ersten Blick gewesen war, damals vor drei Monaten, als sie mit ihrem Dad in seinem Büro erschienen war. Seitdem waren die beiden unzertrennlich und verbrachten jede freie Minute miteinander. Melissa hatte das College beendet und würde im Frühjahr an der Texarkana University Veterinärmedizin studieren.

Stew sah auf seine aus reinem Gold bestehende Taschenuhr, die er von seinem Großvater geerbt hatte. Sie war ein kleines Vermögen wert und Stewart hätte sie mit seinem Leben verteidigt.