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Die Fortsetzung des Fantasy-Epos. Schon wieder Hymal, schon wieder Orks! Natürlich endet wieder einmal alles im Desaster. Ist Danuwil etwa tot? Wenigstens kann Nikko einen Gefangenen aus den Klauen der Orks befreien. Wer aber ist der Kerl? Zurück in der Heimat, kommt alles nur noch schlimmer. Der Herzog marschiert gegen das Fürstentum, da kann man nur noch fliehen. Doch wo soll man sich je sicher fühlen in dieser Welt voller Gefahren? Außerdem hat Nikko ja noch ein ganz besonderes Ziel, das es nicht aus den Augen zu verlieren gilt... Null Papier Verlag
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Veröffentlichungsjahr: 2025
N. Bernhardt
Buch II: Der Untergang des Fürstentums
Der Hexer von Hymal
N. Bernhardt
Buch II: Der Untergang des Fürstentums
Der Hexer von Hymal
Veröffentlicht im Null Papier Verlag, 2024Klosterstr. 34 · D-40211 Düsseldorf · [email protected] 4. Auflage, ISBN 978-3-954182-40-4
null-papier.de/neu
Inhaltsverzeichnis
Erstes Kapitel: Eine Burg voller Fragen
Zweites Kapitel: Ein Gefangener von großem Wert
Drittes Kapitel: Wiedersehen mit Freude
Viertes Kapitel: Das Bankett in Hocatin
Fünftes Kapitel: Flucht auf die Eisenfeste
Sechstes Kapitel: Die dreizehnte Legion
Siebtes Kapitel: Verrat auf der Festung
Ausblick
Der Hexer von Hymal, Buch I: Ein Junge aus den Bergen
Der Hexer von Hymal, Buch II: Der Untergang des Fürstentums
Der Hexer von Hymal, Buch III: Eine Reise in den Süden
Der Hexer von Hymal, Buch IV: Ein talentierter Schüler
Der Hexer von Hymal, Buch V: Rückkehr ins Unbekannte
Der Hexer von Hymal, Buch VI: Die Festung im Feindesland
Der Hexer von Hymal, Buch VII: Der leidliche Herzog
Der Hexer von Hymal, Buch VIII: Freund und Feind
Der Hexer von Hymal, Buch IX: Kein leichtes Spiel
Der Hexer von Hymal, Buch X: Schuld und Schmach
und weitere …
Schon wieder Hymal, schon wieder Orks! Natürlich endet wieder einmal alles im Desaster. Ist Danuwil etwa tot? Wenigstens kann Nikko einen Gefangenen aus den Klauen der Orks befreien. Wer aber ist der Kerl?
Zurück in der Heimat, kommt alles nur noch schlimmer. Der Herzog marschiert gegen das Fürstentum, da kann man nur noch fliehen. Doch wo soll man sich je sicher fühlen in dieser Welt voller Gefahren? Außerdem hat Nikko ja noch ein ganz besonderes Ziel, das es nicht aus den Augen zu verlieren gilt…
Weitere Informationen zur Reihe und zum Autor finden Sie unter:
hymal.info
Es war bereits Mittag, als Nikko und Danuwil am nächsten Tag eine erste Rast einlegten. Nach einem schnellen Frühstück waren die beiden sehr früh aufgebrochen und dem Verlauf des Flusses an dessen Westufer ohne Pause für viele Stunden gefolgt. Gesprochen hatten sie dabei kaum, obwohl in Nikko mehr Fragen brannten, als der Adlige wohl je beantworten konnte. Vor allem hatte der Junge noch immer nicht genau verstanden, was es wirklich bedeutete, dass er plötzlich ein Zauberer war. Er war sich jedoch bewusst, dass sie jetzt in Feindesland wandelten. Danuwils Aussage, dass Wargreiter auf eine größere Anzahl Orks hindeuteten, hatte sein ohnehin düsteres Bild von Hymal dabei nur noch weiter verzerrt. Darum hatte sich der Junge lieber im Hintergrund gehalten, um den erfahreneren Adligen nicht abzulenken. Dieser hatte nun die Führung übernommen und immer wieder kurz Halt gemacht, um das Ostufer und die dahinterliegende Ebene mit seinem Fernrohr gründlich abzusuchen.
Die Sonne stand jetzt hoch am Himmel, und die beiden hatten es sich im Gras am Ufer gemütlich gemacht, um sich ein kurzes Mahl schmecken zu lassen.
»Die Burg scheint jetzt fast genau im Osten zu sein«, bemerkte der Adlige plötzlich und hielt sich schon wieder das Fernrohr ans Auge. »Der Fluss hingegen fließt noch viele Stunden nach Südost, bevor er dann nach Süden biegt«, fuhr er fort, als er sich mit dem Rohr am Auge langsam Richtung Süden drehte.
»Von hier könnten wir es vielleicht bis heute Abend zur Burg schaffen«, murmelte Danuwil und steckte dabei das Fernrohr weg. »Ein langer Weg jedoch über das weite Feld, das uns kaum Schutz bietet.«
»Wir können dem Fluss aber nicht ewig folgen«, meinte Nikko, obwohl er es selbst gar nicht so eilig hatte, das schützende Gewässer zu überqueren. »Ihr habt doch selbst gesagt, er fließt später nach Süden.«
»Richtig«, nickte der Adlige. »Aber dort, wo der Fluss nach Süden biegt, scheint der direkte Weg zum Hügel kürzer. Viele Stunden vielleicht sogar.«
»Wenn wir heute bis zu jener Biegung kommen«, fuhr er fort, »dann können wir morgen früh die Ebene angehen. Vielleicht sind wir dann schon mittags auf der Burg.«
»Dann könnten wir abends zurück über den Fluss sein«, dachte Nikko laut. »Nur falls wir dort nichts finden«, fügte er schnell hinzu, als er einen missbilligenden Blick des Adligen erntete.
»Ihr habt ja recht«, meinte dieser. »Wer weiß, was wir dort oben finden. Besser ist es, wenn wir wieder über den Fluss sein können, bevor es dunkelt.«
»Also gut«, entschied er dann. »Wir folgen dem Fluss so weit, wie wir heute noch kommen. Morgen in aller Frühe überqueren wir das Feld.«
Den restlichen Tag waren die beiden recht gut vorangekommen, sodass sie die Flussbiegung bereits am frühen Abend erreichten. Von hier aus floss das Gewässer gemächlich weiter nach Süden, so weit das Auge reichte. Auch waren sie nun deutlich näher an der Burg, die von hier aus vielleicht noch drei Stunden entfernt sein mochte.
Danuwil hielt sich wieder das Fernrohr ans Auge und schien das letzte Licht des ausgehenden Tages nutzen zu wollen, um sich noch schnell ein Bild vom Umfeld zu verschaffen.
»Keine Lichter«, murmelte er und hielt das Rohr zur Burg gerichtet. »Das gefällt mir gar nicht.«
»Verlassen?«, fragte Nikko und machte sich insgeheim Gedanken, ob sich das gefährliche Unterfangen wegen einer verlassenen Burg überhaupt lohnte.
»Wer weiß, wer weiß«, antwortete der Adlige und fügte dann hinzu: »Wir sind hier, um genau das herauszufinden.«
»Macht Euch keine Sorgen«, fuhr er aufmunternd fort. »Die Burg ist noch weit entfernt. Wahrscheinlich würden wir ein schwaches Licht, von einer Fackel etwa, von hier aus gar nicht erkennen können.«
»Schlaft jetzt«, sagte Danuwil dann mit einem Lächeln. »Ich übernehme die erste Wache.«
Es war tief in der Nacht, als der Adlige Nikko durch sanftes Rütteln weckte und dem noch halb schlafenden Jungen bedeutete, sich ruhig zu verhalten. Es dauerte noch einen längeren Augenblick, bis Nikko sich wenigstens etwas orientieren konnte, denn er hatte erstaunlich tief und fest geschlafen.
»Leise«, flüsterte Danuwil schließlich. »Ich glaube, es sind Orks unterwegs auf der anderen Seite. Der Wind steht gut, so werden sie uns wohl nicht wittern. Also verratet uns nicht durch unbedachte Geräusche.«
Nikko war zu verdutzt, um in diesem Moment überhaupt schon Angst zu verspüren. Zunächst versuchte er, erst einmal richtig wach zu werden.
»Wenn sie zu nahe ans Ufer kommen, oder der Wind dreht, dann weckt mich leise«, flüsterte Danuwil. »Ich lege mich jetzt hin. Weckt mich sonst kurz nach Sonnenaufgang.«
Der Junge war noch immer nicht ganz wach und nahm Danuwils Aussagen kommentarlos auf. Als er schließlich alle Sinne beisammen hatte, schlummerte der Adlige bereits friedlich unter seiner Decke.
Es war eine finstere Nacht, die kein Stern erhellte. Nikko konnte kaum die Hand vor Augen sehen. Umso gespenstischer erschienen ihm die Geräusche von der anderen Seite des Flusses. Fast glaubte der Junge, in einiger Entfernung würden Befehle in der kratzigen Sprache gebrüllt und von Grunzen quittiert. Den Zauberstab mit beiden Händen fest umklammert, konnte er sich ein Zittern in der unheilvollen Finsternis nicht verwehren. Wie war er bloß wieder in einen solchen Schlamassel geraten? Hatte er sich nicht vor kurzem erst fest geschworen, nie wieder einen Fuß nach Hymal zu setzen?
Wie lange er so dasaß, wusste er nicht. Vielleicht nur Minuten, vielleicht auch Stunden. Plötzlich jedoch durchschoss ein markerschütterndes Heulen seinen Körper und riss ihn jäh aus seiner Trance! Schnell jedoch sammelte er seine Gedanken und spitzte die Ohren. Noch ein Heulen hörte er, nur viel weiter entfernt. Der vor Angst fast gelähmte Junge fragte sich, ob er nicht lieber den erfahrenen Adligen wecken sollte.
»Ein Wargreiter«, hörte er diesen plötzlich flüstern. »Scheinbar nahe dem Ufer. Wir ziehen uns etwas vom Wasser zurück. Aber leise!«
Das erste Heulen musste Danuwil wohl schon geweckt haben, dachte sich Nikko und folgte dem Edelmann, der leise vom Ufer wegkroch. Erst nach einigen Minuten, als die beiden mehrere Steinwürfe vom Fluss entfernt waren, machte dieser Halt.
»Der Wind ist noch günstig«, sagte Danuwil mit leiser Stimme. »Aber diese verfluchten Wargs können noch besser riechen als ein Ork. Wir haben wahrlich Glück, dass der Wind uns nicht verrät in dieser Nacht.«
»Glaubt Ihr nicht, dass wir bemerkt wurden?«, fragte Nikko mit einem kläglichen Zittern in der Stimme, das Angst und Schrecken kaum verbarg.
»Nein«, erwiderte der Adlige. »Sie mögen zwar kein Wasser, aber wenn sie Beute wittern, gibt es kein Halten mehr.«
»Dann haben sie nicht nach uns gesucht?«
»Nein, ich denke nicht«, versicherte Danuwil. »Eher eine Patrouille am Fluss entlang. Vielleicht auch Späher. Macht Euch keine Sorgen.«
»Legt Euch noch etwas hin, Nikko«, befand der Adlige schließlich. »Es sind noch ein oder zwei Stunden bis zur Dämmerung. Ich übernehme den Rest Eurer Wache.«
Es war vielleicht eine Stunde nach Sonnenaufgang, als der Adlige Nikko weckte. Der Himmel war im Norden und im Osten, wohin ihr Weg sie führen würde, tief wolkenverhangen, während die Sonnenstrahlen im Westen manchmal doch einen Weg durch die Lücken in der Wolkendecke fanden und die Ebene dort in ein freundlicheres Licht rückten.
Nach einem kurzen und wortlosen Frühstück, bei dem Nikkos Gedanken noch immer um die Vorkommnisse der letzten Nacht kreisten, machten sich die beiden auf den Weg zurück zum Fluss. Dort angekommen, hielt sich Danuwil sogleich das Fernrohr ans Auge und inspizierte das vor ihnen liegende Feld.
»Das Ufer scheint frei zu sein«, befand er. »Aber auf der Ebene kann ich nicht viel erkennen. Zu hoch ist das Gras und zu viele Kuhlen sind im Boden. Nicht unmöglich, dass sich dort Orks verkrochen haben.«
»Auf der Burg kann ich keine Beflaggung erkennen«, fuhr er fort. »Das sieht nicht gut aus, fürchte ich.«
»Warum dann ein Risiko eingehen?«, schoss es aus Nikko heraus, ohne dass er vorher nachdenken konnte. Fast wie eine Anklage musste diese Frage wohl geklungen haben.
»Meister Nikko«, antwortete der Adlige mit fast väterlichem Ton, »wir sind auf einer Mission. Glaubt Ihr denn, eine verlassene … nein, eine wahrscheinlich verlassene Burg wäre dem Fürsten Nachricht genug?«
»Aber Ihr habt natürlich recht«, fuhr er fort. »Jedenfalls was Euch betrifft. Zwar seid Ihr eigentlich im Dienste des Fürsten, jedoch droht Euch als Zauberfähigem wohl keine Strafe. Zu wertvoll wärt Ihr … und zu gefährlich. Ich hingegen könnte mich in Hocatin, und viel wichtiger noch in Zundaj, wohl nie wieder blicken lassen.«
»Ich muss Antworten finden, Nikko«, erklärte Danuwil mit fester Stimme nach einer kurzen Pause. »Mein Weg führt auf diese verdammte Burg. Ich kann und will Euch jedoch nicht zwingen, mir dorthin zu folgen.«
Nikko brauchte nicht lange nachzudenken, um sich für den Adligen zu entscheiden. Nicht nur die trostlose Aussicht, tagelang allein durch Hymal wandern zu müssen, bewegte ihn dazu. Auch wollte er Danuwil jetzt nicht im Stich lassen. Irgendwie hatte er sich schon an die Gesellschaft des seltsamen Kerls gewöhnt, und hier in Hymal war dessen Erfahrung ja tatsächlich von großem Nutzen. Nützlicher als im Gebirge, ging es Nikko durch den Kopf, und er konnte sich ein überlegenes Grinsen nicht verkneifen.
»Ohne mich und meinen Zauberstab wärt Ihr doch glatt verloren«, scherzte der Junge schließlich.
»Hoffen wir, dass Ihr ihn nicht einsetzen müsst«, erwiderte Danuwil kühl, seinen Blick fest auf die Burg gerichtet.
Einige Stunden waren die beiden unterwegs gewesen, nachdem sie den seichten Fluss durchwatet hatten. Hüfthoch war das derbe Gras, das sich im Rhythmus des Windes bog wie Wellen auf dem Wasser. Viele zugewachsene Löcher im Boden behinderten ihren Gang. Kaum ein Sonnenstrahl drang durch die dichte Wolkendecke, die über dem weiten Feld lag und es in ein schummriges Licht rückte.
Fast schon Mittag war es wohl, als sie sich dem kahlen Hügel von Südosten her näherten, den eine kleine Burgruine aus hellgrauem Stein in längst verblasstem Stolz krönte. Still war es, und tot wirkte das Gemäuer von hier unten. Die bröckelnden Mauern schienen nicht bemannt, der halb eingestürzte Burgfried war nicht beflaggt.