2,49 €
Die Fortsetzung des Fantasy-Epos. Nach dem Vorfall bei der Niederkunft der Herzogin will Nikko einfach nur noch weg! Dem Herzog, seinem ehemaligen Freund, wird er die feige Tat wohl nie verzeihen. Doch hat der Zauberer nicht auch ein Recht auf Rache - oder gar die Pflicht dazu? So oder so, es ist für Nikko erst einmal Zeit, endlich die Meister des Südens zu treffen. Doch stellt sich schnell heraus, dass er von Peryndor keine Hilfe erwarten kann. Wird es dem jungen Meister dennoch gelingen, seinen Weg in den Süden zu finden? Null Papier Verlag
Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:
Veröffentlichungsjahr: 2025
N. Bernhardt
Buch XII: Des eigenen Glückes Schmied
Der Hexer von Hymal
N. Bernhardt
Buch XII: Des eigenen Glückes Schmied
Der Hexer von Hymal
Veröffentlicht im Null Papier Verlag, 2024Klosterstr. 34 · D-40211 Düsseldorf · [email protected] 2. Auflage, ISBN 978-3-954185-15-3
null-papier.de/neu
Inhaltsverzeichnis
Erstes Kapitel: Das Ziel vor Augen
Zweites Kapitel: Auf den Spuren des Großmeisters
Drittes Kapitel: Erster Kontakt
Viertes Kapitel: Die große Stadt am Ende des Stroms
Fünftes Kapitel: Auf Irrwegen zum Ziel
Sechstes Kapitel: Ein neuer Verbündeter?
Siebtes Kapitel: Kein Zurück mehr
Ausblick
Der Hexer von Hymal, Buch I: Ein Junge aus den Bergen
Der Hexer von Hymal, Buch II: Der Untergang des Fürstentums
Der Hexer von Hymal, Buch III: Eine Reise in den Süden
Der Hexer von Hymal, Buch IV: Ein talentierter Schüler
Der Hexer von Hymal, Buch V: Rückkehr ins Unbekannte
Der Hexer von Hymal, Buch VI: Die Festung im Feindesland
Der Hexer von Hymal, Buch VII: Der leidliche Herzog
Der Hexer von Hymal, Buch VIII: Freund und Feind
Der Hexer von Hymal, Buch IX: Kein leichtes Spiel
Der Hexer von Hymal, Buch X: Schuld und Schmach
und weitere …
Nach dem Vorfall bei der Niederkunft der Herzogin will Nikko einfach nur noch weg! Dem Herzog, seinem ehemaligen Freund, wird er die feige Tat wohl nie verzeihen. Doch hat der Zauberer nicht auch ein Recht auf Rache - oder gar die Pflicht dazu?
So oder so, es ist für Nikko erst einmal Zeit, endlich die Meister des Südens zu treffen. Doch stellt sich schnell heraus, dass er von Peryndor keine Hilfe erwarten kann. Wird es dem jungen Meister dennoch gelingen, seinen Weg in den Süden zu finden?
Weitere Informationen zur Reihe und zum Autor finden Sie unter:
hymal.info
Das Schlimmste an der Sache war, dass Nikko mit niemandem richtig darüber reden konnte. Mit wem auch?
Der Herzogin wollte der Zauberer nie wieder unter die Augen treten. Sie allein würde seinen eigenen Schmerz verstehen, ihn teilen. Doch hatte er sie im Stich gelassen und sein großmäuliges Versprechen gebrochen. Nicht mit Absicht zwar, aber was machte das nun noch für einen Unterschied?
Nein, er könnte Yolajas Blicke nicht ertragen. Nicht jetzt und auch nicht in der Zukunft. Es hätte ohnehin keinen Sinn, sich und die Dame damit zu quälen. Es war sowieso alles vorbei.
Nikko war nach dem Vorfall wie versteinert gewesen und hatte alles um sich herum nur noch ganz dumpf wahrgenommen. Auch der Seneschall war zunächst schockiert gewesen, hatte sich dann jedoch emsig darum bemüht, den Schaden zu begrenzen. Nach außen hin musste schließlich die Normalität gewahrt werden.
»Was für eine Tragödie«, hatte er anfangs noch den Kopf geschüttelt. »Wie konnte das nur geschehen?«
»Besser ein Ende mit Schrecken als …«, hatte er dann gekeucht, während man im Hintergrund noch die Herzogin jammern und schreien hörte.
»Wäre es kein Sohn gewesen, hätte man ja …«, hatte er die Schultern gezuckt, als er sich einen Überblick über die Lage verschafft hatte. »Aber ein fremdes Kind als Stammhalter? Nein, so ist es wohl die beste Lösung für alle.«
Langsam und wie in Trance hatte Nikko sich dann in seinen Turm zurückgezogen und dort stundenlang ins Leere gestarrt. Die beste Lösung für alle – diese Worte waren ihm seither nicht mehr aus dem Sinn gegangen.
Einige Tage war die Sache nun schon her, schmerzte jedoch noch immer keinen Deut weniger. Irgendwann hatte sich Nikko dann zurück nach Halfuár teleportiert, doch wusste er selbst nicht mehr, wann das genau gewesen war. Es schien ihm aber auch egal. So egal, wie vieles in diesen dunklen Stunden, wenn nicht gar alles.
Wie hatte Fydal nur …? Der junge Zauberer konnte den Gedanken nicht zu Ende führen, so verwerflich erschien ihm die Tat. Ein Neugeborenes zu … nein, schon die Idee allein war viel zu schrecklich!
Dennoch, es war geschehen, und der Herzog hatte keinen Zweifel daran gelassen, dafür verantwortlich zu sein. Die blutige Klinge in seiner Hand – er musste ja sogar selbst zugestochen haben!
Wie konnte Fydal nur zu einer derartigen Tat fähig sein? Hatte Nikko seinen Freund denn wirklich so falsch eingeschätzt? Sicherlich, der Herzog war ein Mann mit viel Stolz. Dennoch, das war doch keine Rechtfertigung!
In sein Unverständnis mischte sich nun auch mehr und mehr Wut. Ja, in diesem Augenblick hasste der Zauberer seinen Freund. Nein, seinen ehemaligen Freund! Für solch eine abscheuliche Tat gab es schließlich kein Verzeihen, keine Gnade.
Gnade? Ein interessanter Gedanke. Wer jemanden begnadigte, müsste ihn doch vorher erst einmal zur Rechenschaft ziehen. Der Zauberer hatte nicht vor, Gnade walten zu lassen. Aber den Herzog zur Rechenschaft zu ziehen, war eine Aussicht, die Nikko das erste Mal seit Tagen aufatmen ließ.
Ja, immerhin war er ein Zauberer und verfügte über die Macht, sich am Mörder seines Kindes zu rächen. Der desolate Zustand des Arkanen Ordens würde ihm dabei auch weitaus mehr Freiheiten lassen, als dies unter normaleren Umständen der Fall wäre.
Am liebsten hätte sich Nikko gleich wieder nach Sinál teleportiert und den Herzog dort seine Feuerbälle spüren lassen. Doch wäre dies ein viel zu schneller Tod, dazu mit unwägbaren Konsequenzen nicht nur für den Zauberer. Wie aber sollte er seine Vergeltung bekommen?
Vielleicht ein Fluch, der Fydal ganz langsam und mit großen Schmerzen dahinraffen würde, ohne dabei den Verdacht auf Nikko zu lenken? Schon besser! In der Bibliothek fände sich dazu bestimmt geeignete Lektüre. Wäre das aber Rache genug dafür, was der einstige Freund ihm angetan hatte?
Langsam! Wollte Nikko wirklich so sein? Wollte er seine Zeit etwa damit verbringen, zu planen und zu studieren, wie er es Fydal am besten heimzahlen könnte? Nein, oder? Vielleicht ja doch?
Es wäre wohl am besten, wenn er jetzt erst einmal etwas Abstand gewinnen würde. Ob und wie er den Herzog zur Rechenschaft ziehen würde, konnte er auch noch später entscheiden. Eine derartige Aktion müsste so oder so gut durchdacht sein. Klar zu denken, war jedoch nichts, was dem Zauberer in diesem Zustand der wütenden Trauer leicht fiel.
Am Abend desselben Tages wollte Nikko das erste Mal wieder gemeinsam mit Peryndor speisen, der noch immer als Gast auf der Burg Halfuár weilte. Die Tage zuvor hatte er den Alten lieber gemieden, soweit dies in dem beengten Turm überhaupt möglich war.
Mit einem Nicken begrüßte der Großmeister den jungen Zauberer, der gedankenverloren am Tisch saß und Löcher in sein Essen starrte.
»Ihr habt mir noch gar nicht berichtet, wie die … Angelegenheit in Sinál letztlich ausgegangen ist«, fing der Alte ein Gespräch an, während er sich den Teller vollpackte. »Ich hoffe doch sehr, dass Ihr erfolgreich wart.«
»Ich hatte gar keine Gelegenheit«, seufzte Nikko nach einigen Augenblicken des Schweigens.
»Was soll das heißen?«, schien Peryndor verwirrt, was seinen Appetit jedoch nicht minderte. »Nun lasst Euch doch nicht jedes Wort einzeln aus der Nase ziehen, Meister!«
»Der Herzog war wochenlang nicht in Sinál, sondern inspizierte irgendwelche Lehen«, schüttelte Nikko sein Haupt. »Als er wieder zurückkam, lag die Herzogin schon in den Wehen.«
»Ihr habt ihn demnach vorher nicht mehr sprechen können«, kraulte sich der Alte den Bart. »Dann … nun erzählt doch endlich!«
»Es war eine … Totgeburt«, berichtete der junge Zauberer mit leiser Stimme. »Dafür hat der Herzog mit seinem Dolch gesorgt.«
»Dolch?«, war Peryndor eher verwirrt als schockiert. »Ihr meint … soso.«
»Nun, dann hat sich die Angelegenheit ja sozusagen von selbst erledigt«, zuckte er einen Augenblick später mit den Schultern. »Solange die Sache mit dem Dolch nicht im Reich die Runde macht, ist dies ohnehin die beste Lösung.«
Die beste Lösung – da waren sie wieder, die widerlichen Worte! Wie konnte der Alte nur so herzlos sein?
»Die Herzogin und ihr ermordetes Kind pflichten Euch mit Sicherheit bei, Großmeister«, erwiderte Nikko sarkastisch.
»Beide sind ohne jede Relevanz«, konterte Peryndor mit einem gemeinen Grinsen. »Die einzige Aufgabe der Herzogin ist es, dem Herzog dessen Nachkommen zu gebären, nicht irgendwelche … Kuckuckskinder. Das Kind … nun ja, freuen wir uns lieber, dass das Reich letztlich doch um einen … unappetitlichen Skandal herumgekommen ist.«
Mit einem Kopfschütteln nahm Nikko das Gesagte zur Kenntnis, verzichtete aber lieber auf Widerworte. Ein wenig enttäuschte ihn der Großmeister zwar mit seiner Reaktion, aber irgendwie war es keine Überraschung.
Wie auch der Seneschall schien Peryndor erleichtert zu sein, dass die Sache aus politischer Sicht so glimpflich verlaufen war. Mitleid für die Herzogin und ihr getötetes Kind war für die feinen Herren dagegen kein Thema.
Wie anders sähe das wohl aus, wenn sie wüssten, wer der Vater war? Einen Augenblick lang erwog Nikko sogar, Peryndor davon zu berichten, wenn auch nur, um sich an dessen Gesichtsausdruck zu ergötzen. Einen Augenblick später war dieser Plan jedoch schon wieder verworfen.
»Nehmt Euch die Sache nicht zu sehr zu Herzen, junger Meister«, riet der Alte dann mit freundlicherer Miene. »Ihr seid noch zu jung, um vieles richtig einschätzen zu können. Glaubt mir, die Stabilität des Reiches wiegt unendlich schwerer als das … bedauerliche Schicksal der Herzogin und ihres Kindes.«
»Natürlich«, zwang sich Nikko ein Lächeln auf die Lippen und wollte nun nur noch allein sein. »Großmeister, ich bin müde. Wenn Ihr mich entschuldigen würdet.«
Mit einem Schulterzucken packte sich der Alte den zweiten Teller voll, woraufhin sich der junge Zauberer mit einem Kopfnicken verabschiedete und sich in sein Quartier im Haupthaus der Burg zurückzog. Peryndor wollte er an diesem Abend jedenfalls nicht mehr über den Weg laufen.
Stundenlang lag Nikko jetzt schon wach in seinem Bett. Den Mord an seinem Kind hatte er ja noch immer nicht richtig verarbeiten können. Doch die gehässigen Reaktionen des Seneschalls und nun auch noch Peryndors waren wie tiefe Nadelstiche, die alle Wunden immer wieder bluten ließen.
Was war nur los in dieser Welt, dass so gestandene Herren die Tötung eines Neugeborenen guthießen, nur um einen Skandal bei Hofe zu verhindern? Würden sie genauso denken, wenn es ihr Kind gewesen wäre? Wohl kaum!
In was für ein System war Nikko da nur hineingeraten? In seinem Dorf hätten sie so einen Kindsmörder gleich am nächsten Baum aufgeknüpft, so wie er es verdient hätte. Als Angehöriger des hohen Adels konnte sich Fydal jedoch fast alles erlauben.
Obwohl, Danuwil war damals in Brigo ja auch mit einem blauen Auge davongekommen. Er hatte dort immerhin den Gastwirt getötet. Da das Opfer jedoch nur ein Leibeigener war und Fydal den Rittersohn unter den Schutz seines hohen Hauses gestellt hatte, war es bei einer deftigen Geldbuße geblieben. Aber konnte man die beiden Taten überhaupt vergleichen?
Hier der sturzbetrunkene Danuwil, der liebestoll die Schankmaid bedrängte und so an ihren Herrn Vater geriet, den er dann im Affekt erstach. Da der überstolze Fydal, der monatelang Zeit gehabt hatte, sein Vorgehen in dieser heiklen Angelegenheit abzuwägen und genau zu planen, und dem trotz allem nichts Besseres eingefallen war, als das fremde Kind einfach so abzustechen.
Nein, die beiden Taten konnte man wohl kaum miteinander vergleichen. Trotzdem blieben sie ohne große Konsequenzen. Warum? Weil beide Täter adlig waren! Jeder Gewöhnliche würde schon für viel geringere Vergehen baumeln.
Adel? Nikko war ja selbst ein Graf und schämte sich auf einmal dafür. Machte ihn das nicht zu einem von ihnen? Denen, die sich alles erlauben konnten. Wollte er wirklich so einer sein?
Der junge Zauberer mochte sich diese Frage lieber nicht stellen, obwohl sein Herz keine Zweifel an der Antwort hegte. Am liebsten würde er in diesem Augenblick hier alles stehen und liegen lassen, sich irgendwo in die Einsamkeit flüchten und dort nur noch der Zauberei frönen.
Nein, dafür war die Zeit noch lange nicht reif. Doch irgendwann würde er diesen Traum wahr machen! Vielleicht sogar hier in Halfuár, allerdings dann nicht als Graf und nicht als Vasall eines so ungerechten Herrn wie des Herzogs. Wie aber sollte er das je bewerkstelligen?
Mit diesen und ähnlichen Fragen im Geiste fielen Nikko langsam die Augen zu – auch wenn er sich nicht schon jetzt dem Schlaf ergeben wollte, der ihm doch nichts als Albträume versprach.