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Teil 23 des Fantasy-Epos Die Revolte in Sinál ist ganz schnell niedergeschlagen, doch ist der Preis dafür recht hoch. Dank einer ziemlich makaberen Idee gelingt es Nikko, aus der Situation dennoch das Beste zu machen. Auch in den abtrünnigen Ländereien beweist der Zauberer zunächst ein gutes Händchen. In kurzer Zeit sind gleich drei Lehen wieder unter Kontrolle gebracht. Dann aber läuft wieder einmal alles anders als geplant! Null Papier Verlag
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Seitenzahl: 165
Veröffentlichungsjahr: 2025
N. Bernhardt
Buch XXIII: Herr im eigenen Lande
Der Hexer von Hymal
N. Bernhardt
Buch XXIII: Herr im eigenen Lande
Der Hexer von Hymal
Veröffentlicht im Null Papier Verlag, 2024Klosterstr. 34 · D-40211 Düsseldorf · info@null-papier.de 2. Auflage, ISBN 978-3-962810-05-4
null-papier.de/katalog
Inhaltsverzeichnis
Erstes Kapitel: Alles wieder unter Kontrolle
Zweites Kapitel: Über den Tod hinaus
Drittes Kapitel: Endlich auch inauguriert
Viertes Kapitel: Außer Spesen nichts gewesen?
Fünftes Kapitel: Ein wahrlich guter Unterhändler
Sechstes Kapitel: Ein Ritter weniger
Siebtes Kapitel: Die Flamme des Zorns
Das große Finale
Der Hexer von Hymal, Buch I: Ein Junge aus den Bergen
Der Hexer von Hymal, Buch II: Der Untergang des Fürstentums
Der Hexer von Hymal, Buch III: Eine Reise in den Süden
Der Hexer von Hymal, Buch IV: Ein talentierter Schüler
Der Hexer von Hymal, Buch V: Rückkehr ins Unbekannte
Der Hexer von Hymal, Buch VI: Die Festung im Feindesland
Der Hexer von Hymal, Buch VII: Der leidliche Herzog
Der Hexer von Hymal, Buch VIII: Freund und Feind
Der Hexer von Hymal, Buch IX: Kein leichtes Spiel
Der Hexer von Hymal, Buch X: Schuld und Schmach
und weitere …
Die Revolte in Sinál ist ganz schnell niedergeschlagen, doch ist der Preis dafür recht hoch. Dank einer ziemlich makaberen Idee gelingt es Nikko, aus der Situation dennoch das Beste zu machen.
Auch in den abtrünnigen Ländereien beweist der Zauberer zunächst ein gutes Händchen. In kurzer Zeit sind gleich drei Lehen wieder unter Kontrolle gebracht. Dann aber läuft wieder einmal alles anders als geplant!
Weitere Informationen zur Reihe und zum Autor finden Sie unter:
hymal.info
Nur wenige Augenblicke später schämte Nikko sich für den Gedanken, Kahûl einfach so sterben zu lassen. Natürlich wäre es ihm lieb, Danuwil dauerhaft in Hymal halten zu können. Aber dafür seinen Stellvertreter zu opfern, wäre einfach nicht richtig. Zumal Kahûl sich bisher ja auch als recht kompetent erwiesen hatte, obwohl er den derzeitigen Schlamassel eigentlich hätte verhindern müssen.
So oder so, der Zauberer würde die Hoheit hier und jetzt auf keinen Fall einfach sterben lassen. Noch überlegte er zwar, ob er sich selbst erst einmal an der Heilung des Mannes versuchen sollte. Da er auf diesem Gebiet der Magie jedoch sehr wenig Erfahrung hatte, befürchtete er, das Leben Kahûls durch einen eigenen Versuch unnötig aufs Spiel zu setzen. Sollte er den Beamten also doch zu Peryndor oder gar Meister Khondyr teleportieren?
Nikko wusste aber nicht, welcher der beiden Magier sich besser auf die Heilung verstand. Da er sich allerdings vor dem Herzog von Khondharr nicht schon wieder eine Blöße geben wollte, beschloss er, lieber den Großmeister in Halfuár aufzusuchen.
»Schafft die Hoheit schnellstmöglich in den Keller des Magierturms!«, ordnete Nikko schließlich an.
»Was ist mit den anderen Verwundeten?«, fragte ein Beamter.
»Bringt die am schwersten Verwundeten ebenfalls in den Turm«, antwortete der Zauberer. Peryndors Begeisterung darüber, sich mitten in der Nacht um all die Verletzten kümmern zu müssen, konnte er sich schon ausmalen. »Aber nur die!«
»Sehr wohl, Eure … Erl … ähm Eminenz«, verbeugte sich der Beamte.
»Eure Eminenz«, schaltete sich Danuwil ein, »wenn ich Euch darauf hinweisen darf, dass die Lage draußen … nun, ja … weitgehend unbekannt ist.«
Oh je, damit hatte der Graf natürlich recht. Nikko hatte gar nicht bedacht, dass sie bis jetzt gerade einmal das Haupthaus gesichert hatten. Wie es um die Mauern, Türme und Tore stand, wussten sie ja gar nicht. Je nachdem, wie viel Unterstützung die Rebellen unter der Burgbesatzung gefunden hatten, könnte der Rest Sináls noch unter Kontrolle der Angreifer sein!
»Also gut«, überlegte der Zauberer angestrengt. »Dann teleportiere ich die Verletzten erst einmal schnell nach Halfuár … am besten gleich von hier aus. Ihr sichert unterdessen weiter das Haupthaus. Zur Not könnt Ihr den Thronsaal ja wieder verrammeln.«
»Gut, aber wie sollen wir so die Burg wieder unter unsere Kontrolle bringen?«, fragte der Graf.
»Ich werde so schnell wie möglich aus Halfuár zurückkehren und Euch dann hier mit meiner Zauberei unterstützen«, plante Nikko. »Vielleicht kann ich den Großmeister ja dazu überreden, sich erst einmal allein um die Verletzten zu kümmern.«
»Gut«, lächelte Danuwil. »Ich werde mein Bestes geben, den Thronsaal zu halten.«
»Habt Dank«, lächelte Nikko zurück und wies die Beamten an, die Schwerverletzten in einem kleinen Areal vor dem Thron zu sammeln. Er selbst bereitete daraufhin den Feldteleport vor. Mittlerweile trug er ja stets etwas von dem weißen Pulver bei sich, mit dem man die Markierungen für den Teleport zeichnete. Er hoffte nur, dass das kleine Säckchen dafür reichte.
Wenig später war er soweit. Die Verletzten befanden sich nun im Innern der Markierung auf dem Boden. Mit einem Nicken signalisierte Danuwil, dass er die Lage hier unter Kontrolle hatte. Er hatte die Tore zum Thronsaal bereits wieder fest verschließen und von innen verbarrikadieren lassen. Auch wenn die Rebellen einen weiteren Angriff auf den Saal wagen sollten, wären die Leute hier also einige Zeit lang sicher.
Nikko nutzte die derzeit ruhige Lage und teleportierte sich mitsamt den vier am schlimmsten Verletzten nach Halfuár. Als er dort ankam, machte er sich gleich auf den Weg in die oberen Etagen, um den Großmeister zu wecken. Wie gereizt dieser mitten in der Nacht reagieren würde, verdrängte der Zauberer dabei erst einmal.
Zu Nikkos großer Überraschung fand er den Alten nicht in seinen Schlafgemächern, sondern in der Bibliothek. Offenbar war er über einem dicken Wälzer eingenickt. Nun ja, das war immerhin besser, als ihn aus den Federn zu holen.
»Großmeister!«, rüttelte Nikko den Alten wach. »Ich brauche schnell Eure Hilfe!«
»Was?!«, schien Peryndor verwirrt. »Wie? Was ist denn … ach, Ihr seid es, junger Meister!«
»Großmeister, ich habe vier Verletzte im Teleportraum«, drängte Nikko. »Könnt Ihr ihnen nicht schnell helfen.«
»Verletzte?«, wunderte sich Peryndor. »Wovon redet Ihr denn da?«
»Es gab in Sinál … ein wenig Ärger«, hatte der Zauberer überhaupt keine Lust, dem Alten jetzt alles zu erklären. »Ein paar Leute sind verletzt. Darunter auch die Hoheit Kahûl von Khond.«
»Wie? Hoheit wer?«, schien Peryndor noch immer nicht ganz bei Sinnen zu sein.
»Die Hoheit Kahûl«, wiederholte Nikko. »Ein Vetter Meister Khondyrs und zudem der zukünftige Seneschall Hymals.«
Der Alte stutzte einige Augenblicke und meinte: »Also gut, dann schauen wir uns diese Verletzten eben einmal an.«
»Habe ich Euch denn nicht beigebracht, wie man mit Lebensmustern heilen kann?«, fragte er auf dem Weg nach unten. »Als Meister solltet Ihr Euch darauf eigentlich auch gut genug verstehen.«
»Das ist so lange her«, rechtfertigte sich Nikko. »Außerdem muss ich schnell nach Sinál zurück. Die Lage in der Stadt ist nämlich noch längst nicht unter Kontrolle.«
»Was ist denn dort los?«, gähnte der Alte.
»Ein paar Ritter waren … mit dem Ergebnis des Ständetags nicht einverstanden«, erklärte Nikko. »In der Nacht haben sie dann zugeschlagen.«
»Wie können sie es wagen, die Beschlüsse eines Ständetags zu missachten?!«, empörte sich der Großmeister und bohrte weiter: »Ja, was hat denn der Ständetag letztendlich überhaupt beschlossen?«
Zum Glück betraten die beiden in diesem Augenblick den Teleportraum, wo die Verletzten so laut stöhnten, dass Peryndor seine eigene Frage ganz schnell vergaß.
»Wer ist denn nun diese Hoheit?«, fragte er stattdessen.
Nikko zeigte auf Kahûl, der sich seinen durchschossenen Bauch noch immer vor Schmerzen hielt.
»Kommt Ihr hier eine Weile allein klar?«, drängte er nun wieder. »Ich sollte jetzt lieber schnell zurückkehren!«
Ganz so dringend war seine Rückkehr nach Sinal zwar nicht, doch verspürte der Zauberer kein großes Verlangen danach, sich vom Großmeister weiter mit Fragen löchern zu lassen. Auch stand ihm der Sinn nicht unbedingt nach der Arbeit mit den Verletzten.
»Ihr werdet mir schon noch helfen müssen, die Verletzten nach oben zu bringen«, erwiderte der Alte verärgert. »Ich werde die Männer wohl kaum hier im Keller behandeln. Außerdem werdet Ihr den Teleportring doch für Euren Rückweg benötigen, oder etwa nicht?«
Nikko könnte zwar einen weiteren Feldteleport wagen, aber im Grunde hatte Peryndor recht. Die Verletzten würden nach der Behandlung sicherlich in ein Bett gehören, nicht hier in den Keller.
»Ja, gut«, antwortete der Magier. »Ich helfe Euch natürlich.«
Ohne weitere Worte wirkte der Großmeister einige Muster auf die Verletzten, woraufhin diese nicht länger stöhnten und auch insgesamt irgendwie entspannter waren. Offenbar hatte der Alte ihnen die Schmerzen genommen und sie beruhigt.
Im Anschluss wirkte Peryndor einen weiteren Zauber auf die Männer. Dieser machte sie so leicht, dass die beiden sie ohne große Anstrengungen nach oben tragen konnten. Als sie auf die Betten der Schlafgemächer verteilt waren, bat der Alte den Zauberer um etwas Ruhe, um sich auf seine Arbeit konzentrieren zu können.
Nikko, der ohnehin so schnell wie möglich nach Sinál zurückkehren wollte, hatte darauf nur gewartete. Also nutzte er die Gelegenheit und stieg hinunter in den Teleportraum.
Als der Zauberer wenige Augenblicke später zurück in Sinál war, freute er sich zunächst, dass der Magierturm noch immer sicher war. Jedenfalls fand er dort auch jetzt nur Danuwils Leute vor. Allerdings hatten die Männer keine Neuigkeiten zu verkünden, denn sie hatten sich, ganz wie befohlen, hier im Turm verrammelt.
Für seinen Weg über den Burghof zum Haupthaus machte sich Nikko dann wieder unsichtbar. Mit seinen Schilden bestand zwar auch so kaum die Gefahr, entdeckt zu werden, doch wollte er lieber kein Risiko eingehen. Auf dem Hof war jedoch nichts mehr zu hören und zu sehen. Weder Geschrei, noch Soldaten, noch Kampfgeräusche. Das hieß wohl, dass die Kämpfe nun vorüber waren. Aber wer gewonnen hatte, konnte er natürlich nicht wissen.
Auch im Haupthaus schien alles ruhig zu sein. Der Zauberer überlegte kurz, ob er nicht zunächst die oberen Etagen durchsuchen sollte. Es könnte ja sein, dass dort mittlerweile neue Angreifer ihr Unwesen trieben. Da er von oben aber keinen Mucks hörte, entschied er sich spontan dazu, doch lieber gleich zum Thronsaal zu gehen, den Danuwil und die anderen Überlebenden hoffentlich noch immer hielten.
Das Tor zum Thronsaal war glücklicherweise intakt. Es sah auch nicht so aus, als hätte es hier einen weiteren Angriff gegeben. Also klopfte Nikko dagegen und gab sich dabei lautstark zu erkennen.
»Eure Eminenz«, begrüßte ihn Danuwil, nachdem das Tor geöffnet war. »Ich bin froh, dass Ihr so schnell zurück seid, auch wenn hier in der Zwischenzeit nichts mehr passiert ist.«
»Ja«, erwiderte Nikko, »draußen scheint ebenfalls alles ruhig zu sein.«
»Das muss nicht unbedingt Gutes bedeuten«, keuchte der Graf. »Derzeit wissen wir einfach nicht, wer welche Teile der Burg und der Stadt kontrolliert.«
»Das ist mir bewusst«, meinte Nikko. »Sollen wir also gleich losziehen oder wollt Ihr lieber bis zum Morgen warten?«
»Es dürfte besser sein, das Tageslicht abzuwarten«, nickte der Graf.
»Wie Ihr wollt«, lächelte der Zauberer und überlegte dann laut: »Viele Angreifer können eigentlich kaum übrig sein. Die meisten müssten wir mittlerweile doch schon erwischt haben.«
»Seid Ihr Euch da wirklich sicher, Eure Eminenz?«, schien Danuwil erstaunt. »Bedenkt, dass zuletzt beinahe noch vierzig Ritter zugegen waren. Außerdem erwähntet Ihr doch, dass sie auch die Verräter befreit haben.«
»Ich habe unter den Angreifern sogar den Grafen von Eruál ausmachen können«, fügte Nikko dem hinzu.
»Tatsächlich?«, war Danuwil erstaunt. »Seid Ihr Euch da sicher?«
»Das ist er doch oder?«, fragte der Zauberer und zeigte auf eine der Leichen, die noch vor dem Tor zum Thronsaal lagen.
»In der Tat«, nickte der Graf. »Dann ist er mit seinen sieben Rittern also doch nicht per Schiff in den Süden abgereist. Offenbar hatten sie sich hier irgendwo verborgen, um im rechten Augenblick zuzuschlagen.«
»Seht Ihr, Eure Eminenz«, grinste er dann, »das wären noch einmal fast zehn Gegner mehr. Wie viele von ihnen habt Ihr denn im Foyer … besiegt?«
»Vielleicht ein oder zwei Dutzend«, schätzte Nikko. »Allerdings waren unter den Toten vermutlich auch sehr viele Verteidiger.«
»Dann rechnet einfach nach!«, zuckte der Graf die Schultern. »Nehmt die knapp fünfzig Stände und dazu die Verräter aus dem Kerker und zieht davon diejenigen ab, die Ihr schon erledigt habt. Dann bekommt Ihr ein ungefähres Bild von dem, was in der äußeren Burg wohl noch auf uns wartet.«
»Bestimmt der größere Teil«, seufzte Nikko. »Nun, wir werden es morgen schon noch früh genug erfahren.«
»Das fürchte ich auch«, lachte Danuwil und fragte dann: »Sollen wir uns bis dahin weiter hier im Thronsaal verbarrikadieren? Oder sollen wir zumindest das Haupthaus vollständig in Beschlag nehmen? Dann könnten wir wenigstens die Betten benutzen, um für morgen besser ausgeruht zu sein.«
»Glaubt Ihr denn nicht, dass sie in der Nacht noch einmal angreifen werden?«, sorgte sich der Zauberer.
»Das ist natürlich denkbar«, antwortete der Graf, »aber dennoch unwahrscheinlich. Vermutlich haben sich die Angreifer in verschiedene Trupps unterteilt, die jeweils gewisse Bereiche der Burg einnehmen und sichern sollten. Ich vermute, sie wollten ihr Hauptquartier hier im Haupthaus einrichten. Die Trupps in der äußeren Burg werden nun auf weitere Befehle aus dem Haupthaus warten.«
»Die aber nicht kommen werden«, konterte Nikko. »Wird sie das nicht stutzig machen?«
»Irgendwann schon«, gab Danuwil zu. »Ich vermute jedoch, dass sie erst bei Tageslicht etwas unternehmen werden. Auch sie wissen ja nicht, wie es in der Burg genau aussieht, und werden ihre Posten in der Dunkelheit daher kaum verlassen wollen.«
Damit gab sich Nikko erst einmal zufrieden, auch wenn er nicht gänzlich überzeugt war. Dennoch wollte er bis zum Morgen lieber kein Risiko eingehen und meinte daher: »Lasst uns die Nacht trotzdem im Thronsaal bleiben. Hier sind wir im Zweifelsfall sicher und behalten auf jeden Fall den Überblick.«
»Wie Ihr wünscht, Eure Eminenz«, lächelte Danuwil und gab den Befehl, die Tore wieder fest zu verrammeln. An Nikko gerichtet meinte er schließlich: »Ihr solltet Euch bis zum Morgen noch etwas Ruhe gönnen. Wir werden Eure Kräfte für die Rückeroberung der Burg benötigen.«
»Die Befürchtung hege ich ebenfalls«, seufzte Nikko. »Aber auch Ihr solltet versuchen, ein wenig Ruhe zu finden. Hier drinnen sind wir ja durchaus sicher. Wenn sie noch einmal angreifen, sollten wir davon früh genug etwas mitbekommen, oder etwa nicht?«
»Da habt Ihr natürlich recht, Eure Eminenz«, lachte der Graf. »Macht Euch keine Sorgen, auch ich werde schon noch ein oder zwei Augen zumachen.«
Obwohl es dann die ganze Nacht über ruhig geblieben war, hatte Nikko nicht viel Schlaf finden können. Immer wieder hatte er sich gefragt, ob es wirklich sinnvoll war, sich im Thronsaal zu verkriechen, während die Angreifer vielleicht schon einen Großteil der Burg kontrollierten. Als Zauberer hätte er doch auch etwas gegen die Dunkelheit tun können, wenn diese sich im Kampf nicht sogar als Vorteil erwiesen hätte.
Als schließlich die ersten Sonnenstrahlen durch die großen Fenster an der Ostseite in das Innere des Saals drangen, war der Zauberer regelrecht verärgert über all die verlorene Zeit. Dass er heute wohl zudem kaum auf ein ordentliches Frühstück hoffen konnte, ließ seine Laune auch nicht gerade steigen.
»Jetzt wird es aber langsam Zeit, dieses Gesindel aus der Burg zu schmeißen!«, bellte er Danuwil an, der sich erst einmal gähnend reckte und streckte. Offenbar hatte der Graf weniger Probleme gehabt, etwas Schlaf zu finden.
»Das ist es wohl«, gähnte dieser erneut. »Wenn wir viel länger warten, werden sie sicherlich ahnen, dass im Haupthaus etwas nicht stimmt. Noch könnten wir sogar das Überraschungsmoment auf unserer Seite haben.«
»Dann lasst uns keine Zeit mehr verlieren!«, schnauzte Nikko.
»Wir sollten uns schon Gedanken darüber machen, wie wir weiter vorgehen, Eure Eminenz«, hielt Danuwil dagegen. »Ich schlage vor, zunächst das Torhaus unter unsere Kontrolle zu bringen. Damit können wir verhindern, dass sie Nachschub aus der Stadt in die Burg senden – wenn sie die Stadt denn überhaupt kontrollieren – oder das Torhaus.«
»Von mir aus«, zuckte Nikko die Schultern und überlegte dann: »Vielleicht sollte ich das Torhaus allein erobern. Mit meiner Unsichtbarkeit und den Schilden dürfte das kein Problem sein. Ihr könntet währenddessen Eure Männer aus dem Turm holen, um das Torhaus im Anschluss zu besetzen.«
»Ja, das klingt ganz gut«, nickte der Graf. »Solange Ihr unsichtbar seid, könnt Ihr auch erst einmal überprüfen, wer das Torhaus überhaupt kontrolliert. Es ist schließlich nicht sicher, dass die Rebellen es tatsächlich erobern konnten.«
»Woran erkenne ich denn, zu wem die Soldaten gehören?«, fragte Nikko, der am Vortag ja schon ziemliche Probleme gehabt hatte, Angreifer und Verteidiger voneinander zu unterscheiden.
»Das ist eine gute Frage«, kraulte sich Danuwil den Bart. »Auf eventuell vorhandene Hoheitszeichen solltet Ihr Euch im Zweifel lieber nicht verlassen, da offenbar auch einige unserer Krieger die Seiten gewechselt haben. Am eindeutigsten wäre es da wohl, wenn Ihr unter ihnen einen abtrünnigen Ritter oder befreiten Verräter wiedererkennen würdet.«
»Ich kann Euch nicht garantieren, dass ich die Ritter oder Verräter so genau kenne«, zweifelte Nikko am Plan des Grafen. »Ich weiß gar nicht, ob ich sie überhaupt jemals alle zu sehen bekommen habe.«
»Dann wäre es wohl besser, wenn ich doch mitkomme«, überlegte der Graf.
Das stimmte zwar, aber so ergäbe sich wieder das Problem mit der Unsichtbarkeit. Entweder Danuwil müsste ganz besonders dicht bei Nikko bleiben, oder der Zauberer müsste den unsichtbaren Bereich auf ihn ausdehnen, was wiederum zu größeren Verzerrungen führen würde, die sich gerade in engen Räumen durchaus bemerkbar machen dürften. So viel Zeit wie beim Anpassen des Unsichtbarkeitsbereichs um den Drachen herum konnte sich Nikko schließlich nicht nehmen, zumal sie sich ja auch bewegen würden.
»Am besten schaue ich mich dort erst einmal allein um«, beschloss der Fürstmagier daher. »Wenn ich niemanden wiedererkenne, dann können wir ja noch immer entscheiden, was zu tun ist.«
»Wie Ihr wünscht, Eure Eminenz«, lächelte der Graf. »Soll ich dann erst einmal hier warten oder doch schon zum Turm gehen?«
»Vielleicht teleportiere ich Euch lieber schnell in den Turm«, überlegte Nikko laut. »So laufen wir wenigstens nicht Gefahr, dass Ihr auf dem Burghof für unnötige Aufmerksamkeit sorgt.«
»Sehr gut«, freute sich Danuwil. »Wenn Ihr im Torhaus fertig seid, könnt Ihr dann ja zum Turm kommen, damit wir das weitere Vorgehen besprechen können.«
»Gut, so machen wir es!«, war Nikko froh, nun endlich einen Plan zu haben. »Macht Euch dann für den Teleport in den Turm bereit!«
»Einen Augenblick bitte!«, bremste der Graf den Magier aus. »Lasst mich erst noch ein paar Befehle an die Leute hier ausgeben. Wir wollen ja nicht, dass während unserer Abwesenheit Chaos ausbricht.«
»Also gut«, lächelte Nikko. »Aber beeilt Euch bitte. Ich will diese Revolte jetzt so schnell wie möglich zerschlagen!«
Nachdem Danuwil die Leute im Thronsaal instruiert hatte, teleportierte Nikko ihn in den Magierturm. Er selbst verließ daraufhin den Thronsaal durch das dafür kurz geöffnete Tor. Draußen machte er sich sogleich unsichtbar und frischte auch all die Schutzschilde wieder auf. Er überlegte einen Augenblick lang, ob er noch schnell das Haupthaus untersuchen sollte, da es in der Nacht ja unbewacht gewesen war. Allerdings konnte er auch diesmal nichts hören und nahm daher an, dass hier keine neuen Gegner aufgekreuzt waren.
Also verließ der Fürstmagier das unbewachte Haupthaus, dessen Tore weit offen standen. Auch auf dem Hof war nirgends eine Menschenseele zu erkennen. Auf den Wehrgängen zeigten sich hingegen ein paar vereinzelte Wachen, doch konnte Nikko nicht einordnen, zu welcher Seite sie gehörten.
Als der Zauberer am Burgtor ankam, stellte er fest, dass auch dieses unbewacht war, dafür jedoch verschlossen. War das ein gutes Zeichen? Sogar die Türen zum Torhaus waren fest verrammelt. Jedenfalls konnte Nikko sie nicht öffnen. Offenbar hatte sich dort jemand verschanzt. Ob es sich dabei um Angreifer oder Verteidiger handelte, wusste er natürlich nicht.
Der Magier musste letztlich einen Schwebezauber bemühen, um auf die oberen Wehrgänge zu gelangen. Von dort aus erhoffte er sich einen ungesicherten Zugang zum Torhaus. Diese Hoffnung erfüllte sich sogleich. Dort gab es tatsächlich ein Treppenhaus, dessen Zugang nicht durch Türen gesichert war. Also konnte Nikko von da aus ganz einfach in das Torhaus hineingehen.
Im Innern liefen ihm einige Krieger über den Weg, doch wurde er dank seiner Unsichtbarkeit nicht bemerkt. Nikko fand jedoch keine Hinweise darauf, zu welcher Seite sie gehörten. Allerdings musste es auch hier zu einem Kampf gekommen sein, da einige Männer verletzt waren. Leichen konnte Nikko zwar nicht ausmachen, vermutete aber, dass man diese bereits weggeschafft hatte.
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