Der Hexer von Hymal, Buch XXIII: Herr im eigenen Lande - N. Bernhardt - E-Book

Der Hexer von Hymal, Buch XXIII: Herr im eigenen Lande E-Book

N. Bernhardt

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Beschreibung

Teil 23 des Fantasy-Epos Die Revolte in Sinál ist ganz schnell niedergeschlagen, doch ist der Preis dafür recht hoch. Dank einer ziemlich makaberen Idee gelingt es Nikko, aus der Situation dennoch das Beste zu machen. Auch in den abtrünnigen Ländereien beweist der Zauberer zunächst ein gutes Händchen. In kurzer Zeit sind gleich drei Lehen wieder unter Kontrolle gebracht. Dann aber läuft wieder einmal alles anders als geplant! Null Papier Verlag

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Seitenzahl: 165

Veröffentlichungsjahr: 2025

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N. Bernhardt

Buch XXIII: Herr im eigenen Lande

Der Hexer von Hymal

N. Bernhardt

Buch XXIII: Herr im eigenen Lande

Der Hexer von Hymal

Veröffentlicht im Null Papier Verlag, 2024Klosterstr. 34 · D-40211 Düsseldorf · info@null-papier.de 2. Auflage, ISBN 978-3-962810-05-4

null-papier.de/katalog

Inhaltsverzeichnis

Ers­tes Ka­pi­tel: Al­les wie­der un­ter Kon­trol­le

Zwei­tes Ka­pi­tel: Über den Tod hin­aus

Drit­tes Ka­pi­tel: End­lich auch in­au­gu­riert

Vier­tes Ka­pi­tel: Au­ßer Spe­sen nichts ge­we­sen?

Fünf­tes Ka­pi­tel: Ein wahr­lich gu­ter Un­ter­händ­ler

Sechs­tes Ka­pi­tel: Ein Rit­ter we­ni­ger

Sieb­tes Ka­pi­tel: Die Flam­me des Zorns

Das große Fina­le

Der Hexer von Hy­mal

Der Hexer von Hy­mal, Buch I: Ein Jun­ge aus den Ber­gen

Der Hexer von Hy­mal, Buch II: Der Un­ter­gang des Fürs­ten­tums

Der Hexer von Hy­mal, Buch III: Eine Rei­se in den Sü­den

Der Hexer von Hy­mal, Buch IV: Ein ta­len­tier­ter Schü­ler

Der Hexer von Hy­mal, Buch V: Rück­kehr ins Un­be­kann­te

Der Hexer von Hy­mal, Buch VI: Die Fes­tung im Fein­des­land

Der Hexer von Hy­mal, Buch VII: Der leid­li­che Her­zog

Der Hexer von Hy­mal, Buch VIII: Freund und Feind

Der Hexer von Hy­mal, Buch IX: Kein leich­tes Spiel

Der Hexer von Hy­mal, Buch X: Schuld und Schmach

und wei­te­re …

Inhalt

Die Re­vol­te in Sinál ist ganz schnell nie­der­ge­schla­gen, doch ist der Preis da­für recht hoch. Dank ei­ner ziem­lich ma­ka­be­ren Idee ge­lingt es Nik­ko, aus der Si­tua­ti­on den­noch das Bes­te zu ma­chen.

Auch in den ab­trün­ni­gen Län­de­rei­en be­weist der Zau­be­rer zu­nächst ein gu­tes Händ­chen. In kur­z­er Zeit sind gleich drei Le­hen wie­der un­ter Kon­trol­le ge­bracht. Dann aber läuft wie­der ein­mal al­les an­ders als ge­plant!

Website

Wei­te­re In­for­ma­tio­nen zur Rei­he und zum Au­tor fin­den Sie un­ter:

hy­mal.info

Erstes Kapitel: Alles wieder unter Kontrolle

Nur we­ni­ge Au­gen­bli­cke spä­ter schäm­te Nik­ko sich für den Ge­dan­ken, Kahûl ein­fach so ster­ben zu las­sen. Na­tür­lich wäre es ihm lieb, Da­nu­wil dau­er­haft in Hy­mal hal­ten zu kön­nen. Aber da­für sei­nen Stell­ver­tre­ter zu op­fern, wäre ein­fach nicht rich­tig. Zu­mal Kahûl sich bis­her ja auch als recht kom­pe­tent er­wie­sen hat­te, ob­wohl er den der­zei­ti­gen Schla­mas­sel ei­gent­lich hät­te ver­hin­dern müs­sen.

So oder so, der Zau­be­rer wür­de die Ho­heit hier und jetzt auf kei­nen Fall ein­fach ster­ben las­sen. Noch über­leg­te er zwar, ob er sich selbst erst ein­mal an der Hei­lung des Man­nes ver­su­chen soll­te. Da er auf die­sem Ge­biet der Ma­gie je­doch sehr we­nig Er­fah­rung hat­te, be­fürch­te­te er, das Le­ben Kahûls durch einen ei­ge­nen Ver­such un­nö­tig aufs Spiel zu set­zen. Soll­te er den Be­am­ten also doch zu Pe­ryn­dor oder gar Meis­ter Khon­dyr tele­por­tie­ren?

Nik­ko wuss­te aber nicht, wel­cher der bei­den Ma­gier sich bes­ser auf die Hei­lung ver­stand. Da er sich al­ler­dings vor dem Her­zog von Khond­harr nicht schon wie­der eine Blö­ße ge­ben woll­te, be­schloss er, lie­ber den Groß­meis­ter in Hal­fuár auf­zu­su­chen.

»Schafft die Ho­heit schnellst­mög­lich in den Kel­ler des Ma­gier­turms!«, ord­ne­te Nik­ko schließ­lich an.

»Was ist mit den an­de­ren Ver­wun­de­ten?«, frag­te ein Be­am­ter.

»Bringt die am schwers­ten Ver­wun­de­ten eben­falls in den Turm«, ant­wor­te­te der Zau­be­rer. Pe­ryn­dors Be­geis­te­rung dar­über, sich mit­ten in der Nacht um all die Ver­letz­ten küm­mern zu müs­sen, konn­te er sich schon aus­ma­len. »Aber nur die!«

»Sehr wohl, Eure … Erl … ähm Emi­nenz«, ver­beug­te sich der Be­am­te.

»Eure Emi­nenz«, schal­te­te sich Da­nu­wil ein, »wenn ich Euch dar­auf hin­wei­sen darf, dass die Lage drau­ßen … nun, ja … weit­ge­hend un­be­kannt ist.«

Oh je, da­mit hat­te der Graf na­tür­lich recht. Nik­ko hat­te gar nicht be­dacht, dass sie bis jetzt ge­ra­de ein­mal das Haupt­haus ge­si­chert hat­ten. Wie es um die Mau­ern, Tür­me und Tore stand, wuss­ten sie ja gar nicht. Je nach­dem, wie viel Un­ter­stüt­zung die Re­bel­len un­ter der Burg­be­sat­zung ge­fun­den hat­ten, könn­te der Rest Sináls noch un­ter Kon­trol­le der An­grei­fer sein!

»Also gut«, über­leg­te der Zau­be­rer an­ge­strengt. »Dann tele­por­tie­re ich die Ver­letz­ten erst ein­mal schnell nach Hal­fuár … am bes­ten gleich von hier aus. Ihr si­chert un­ter­des­sen wei­ter das Haupt­haus. Zur Not könnt Ihr den Thron­saal ja wie­der ver­ram­meln.«

»Gut, aber wie sol­len wir so die Burg wie­der un­ter un­se­re Kon­trol­le brin­gen?«, frag­te der Graf.

»Ich wer­de so schnell wie mög­lich aus Hal­fuár zu­rück­keh­ren und Euch dann hier mit mei­ner Zau­be­rei un­ter­stüt­zen«, plan­te Nik­ko. »Vi­el­leicht kann ich den Groß­meis­ter ja dazu über­re­den, sich erst ein­mal al­lein um die Ver­letz­ten zu küm­mern.«

»Gut«, lä­chel­te Da­nu­wil. »Ich wer­de mein Bes­tes ge­ben, den Thron­saal zu hal­ten.«

»Habt Dank«, lä­chel­te Nik­ko zu­rück und wies die Be­am­ten an, die Schwer­ver­letz­ten in ei­nem klei­nen Are­al vor dem Thron zu sam­meln. Er selbst be­rei­te­te dar­auf­hin den Feld­tele­port vor. Mitt­ler­wei­le trug er ja stets et­was von dem wei­ßen Pul­ver bei sich, mit dem man die Mar­kie­run­gen für den Tele­port zeich­ne­te. Er hoff­te nur, dass das klei­ne Säck­chen da­für reich­te.

We­nig spä­ter war er so­weit. Die Ver­letz­ten be­fan­den sich nun im In­nern der Mar­kie­rung auf dem Bo­den. Mit ei­nem Ni­cken si­gna­li­sier­te Da­nu­wil, dass er die Lage hier un­ter Kon­trol­le hat­te. Er hat­te die Tore zum Thron­saal be­reits wie­der fest ver­schlie­ßen und von in­nen ver­bar­ri­ka­die­ren las­sen. Auch wenn die Re­bel­len einen wei­te­ren An­griff auf den Saal wa­gen soll­ten, wä­ren die Leu­te hier also ei­ni­ge Zeit lang si­cher.

Nik­ko nutz­te die der­zeit ru­hi­ge Lage und tele­por­tier­te sich mit­samt den vier am schlimms­ten Ver­letz­ten nach Hal­fuár. Als er dort an­kam, mach­te er sich gleich auf den Weg in die obe­ren Eta­gen, um den Groß­meis­ter zu we­cken. Wie ge­reizt die­ser mit­ten in der Nacht rea­gie­ren wür­de, ver­dräng­te der Zau­be­rer da­bei erst ein­mal.

Zu Nik­kos großer Über­ra­schung fand er den Al­ten nicht in sei­nen Schlaf­ge­mä­chern, son­dern in der Biblio­thek. Of­fen­bar war er über ei­nem di­cken Wäl­zer ein­ge­nickt. Nun ja, das war im­mer­hin bes­ser, als ihn aus den Fe­dern zu ho­len.

»Groß­meis­ter!«, rüt­tel­te Nik­ko den Al­ten wach. »Ich brau­che schnell Eure Hil­fe!«

»Was?!«, schi­en Pe­ryn­dor ver­wirrt. »Wie? Was ist denn … ach, Ihr seid es, jun­ger Meis­ter!«

»Groß­meis­ter, ich habe vier Ver­letz­te im Tele­por­traum«, dräng­te Nik­ko. »Könnt Ihr ih­nen nicht schnell hel­fen.«

»Ver­letz­te?«, wun­der­te sich Pe­ryn­dor. »Wo­von re­det Ihr denn da?«

»Es gab in Sinál … ein we­nig Är­ger«, hat­te der Zau­be­rer über­haupt kei­ne Lust, dem Al­ten jetzt al­les zu er­klä­ren. »Ein paar Leu­te sind ver­letzt. Dar­un­ter auch die Ho­heit Kahûl von Khond.«

»Wie? Ho­heit wer?«, schi­en Pe­ryn­dor noch im­mer nicht ganz bei Sin­nen zu sein.

»Die Ho­heit Kahûl«, wie­der­hol­te Nik­ko. »Ein Vet­ter Meis­ter Khon­dyrs und zu­dem der zu­künf­ti­ge Se­ne­schall Hy­mals.«

Der Alte stutz­te ei­ni­ge Au­gen­bli­cke und mein­te: »Also gut, dann schau­en wir uns die­se Ver­letz­ten eben ein­mal an.«

»Habe ich Euch denn nicht bei­ge­bracht, wie man mit Le­bens­mus­tern hei­len kann?«, frag­te er auf dem Weg nach un­ten. »Als Meis­ter soll­tet Ihr Euch dar­auf ei­gent­lich auch gut ge­nug ver­ste­hen.«

»Das ist so lan­ge her«, recht­fer­tig­te sich Nik­ko. »Au­ßer­dem muss ich schnell nach Sinál zu­rück. Die Lage in der Stadt ist näm­lich noch längst nicht un­ter Kon­trol­le.«

»Was ist denn dort los?«, gähn­te der Alte.

»Ein paar Rit­ter wa­ren … mit dem Er­geb­nis des Stän­de­tags nicht ein­ver­stan­den«, er­klär­te Nik­ko. »In der Nacht ha­ben sie dann zu­ge­schla­gen.«

»Wie kön­nen sie es wa­gen, die Be­schlüs­se ei­nes Stän­de­tags zu miss­ach­ten?!«, em­pör­te sich der Groß­meis­ter und bohr­te wei­ter: »Ja, was hat denn der Stän­de­tag letzt­end­lich über­haupt be­schlos­sen?«

Zum Glück be­tra­ten die bei­den in die­sem Au­gen­blick den Tele­por­traum, wo die Ver­letz­ten so laut stöhn­ten, dass Pe­ryn­dor sei­ne ei­ge­ne Fra­ge ganz schnell ver­gaß.

»Wer ist denn nun die­se Ho­heit?«, frag­te er statt­des­sen.

Nik­ko zeig­te auf Kahûl, der sich sei­nen durch­schos­se­nen Bauch noch im­mer vor Schmer­zen hielt.

»Kommt Ihr hier eine Wei­le al­lein klar?«, dräng­te er nun wie­der. »Ich soll­te jetzt lie­ber schnell zu­rück­keh­ren!«

Ganz so drin­gend war sei­ne Rück­kehr nach Sinal zwar nicht, doch ver­spür­te der Zau­be­rer kein großes Ver­lan­gen da­nach, sich vom Groß­meis­ter wei­ter mit Fra­gen lö­chern zu las­sen. Auch stand ihm der Sinn nicht un­be­dingt nach der Ar­beit mit den Ver­letz­ten.

»Ihr wer­det mir schon noch hel­fen müs­sen, die Ver­letz­ten nach oben zu brin­gen«, er­wi­der­te der Alte ver­är­gert. »Ich wer­de die Män­ner wohl kaum hier im Kel­ler be­han­deln. Au­ßer­dem wer­det Ihr den Tele­por­tring doch für Eu­ren Rück­weg be­nö­ti­gen, oder etwa nicht?«

Nik­ko könn­te zwar einen wei­te­ren Feld­tele­port wa­gen, aber im Grun­de hat­te Pe­ryn­dor recht. Die Ver­letz­ten wür­den nach der Be­hand­lung si­cher­lich in ein Bett ge­hö­ren, nicht hier in den Kel­ler.

»Ja, gut«, ant­wor­te­te der Ma­gier. »Ich hel­fe Euch na­tür­lich.«

Ohne wei­te­re Wor­te wirk­te der Groß­meis­ter ei­ni­ge Mus­ter auf die Ver­letz­ten, wor­auf­hin die­se nicht län­ger stöhn­ten und auch ins­ge­samt ir­gend­wie ent­spann­ter wa­ren. Of­fen­bar hat­te der Alte ih­nen die Schmer­zen ge­nom­men und sie be­ru­higt.

Im An­schluss wirk­te Pe­ryn­dor einen wei­te­ren Zau­ber auf die Män­ner. Die­ser mach­te sie so leicht, dass die bei­den sie ohne große An­stren­gun­gen nach oben tra­gen konn­ten. Als sie auf die Bet­ten der Schlaf­ge­mä­cher ver­teilt wa­ren, bat der Alte den Zau­be­rer um et­was Ruhe, um sich auf sei­ne Ar­beit kon­zen­trie­ren zu kön­nen.

Nik­ko, der oh­ne­hin so schnell wie mög­lich nach Sinál zu­rück­keh­ren woll­te, hat­te dar­auf nur ge­war­te­te. Also nutz­te er die Ge­le­gen­heit und stieg hin­un­ter in den Tele­por­traum.

Als der Zau­be­rer we­ni­ge Au­gen­bli­cke spä­ter zu­rück in Sinál war, freu­te er sich zu­nächst, dass der Ma­gier­turm noch im­mer si­cher war. Je­den­falls fand er dort auch jetzt nur Da­nu­wils Leu­te vor. Al­ler­dings hat­ten die Män­ner kei­ne Neu­ig­kei­ten zu ver­kün­den, denn sie hat­ten sich, ganz wie be­foh­len, hier im Turm ver­ram­melt.

Für sei­nen Weg über den Bur­g­hof zum Haupt­haus mach­te sich Nik­ko dann wie­der un­sicht­bar. Mit sei­nen Schil­den be­stand zwar auch so kaum die Ge­fahr, ent­deckt zu wer­den, doch woll­te er lie­ber kein Ri­si­ko ein­ge­hen. Auf dem Hof war je­doch nichts mehr zu hö­ren und zu se­hen. We­der Ge­schrei, noch Sol­da­ten, noch Kampf­ge­räusche. Das hieß wohl, dass die Kämp­fe nun vor­über wa­ren. Aber wer ge­won­nen hat­te, konn­te er na­tür­lich nicht wis­sen.

Auch im Haupt­haus schi­en al­les ru­hig zu sein. Der Zau­be­rer über­leg­te kurz, ob er nicht zu­nächst die obe­ren Eta­gen durch­su­chen soll­te. Es könn­te ja sein, dass dort mitt­ler­wei­le neue An­grei­fer ihr Un­we­sen trie­ben. Da er von oben aber kei­nen Mucks hör­te, ent­schied er sich spon­tan dazu, doch lie­ber gleich zum Thron­saal zu ge­hen, den Da­nu­wil und die an­de­ren Über­le­ben­den hof­fent­lich noch im­mer hiel­ten.

Das Tor zum Thron­saal war glück­li­cher­wei­se in­takt. Es sah auch nicht so aus, als hät­te es hier einen wei­te­ren An­griff ge­ge­ben. Also klopf­te Nik­ko da­ge­gen und gab sich da­bei laut­stark zu er­ken­nen.

»Eure Emi­nenz«, be­grüß­te ihn Da­nu­wil, nach­dem das Tor ge­öff­net war. »Ich bin froh, dass Ihr so schnell zu­rück seid, auch wenn hier in der Zwi­schen­zeit nichts mehr pas­siert ist.«

»Ja«, er­wi­der­te Nik­ko, »drau­ßen scheint eben­falls al­les ru­hig zu sein.«

»Das muss nicht un­be­dingt Gu­tes be­deu­ten«, keuch­te der Graf. »Der­zeit wis­sen wir ein­fach nicht, wer wel­che Tei­le der Burg und der Stadt kon­trol­liert.«

»Das ist mir be­wusst«, mein­te Nik­ko. »Sol­len wir also gleich los­zie­hen oder wollt Ihr lie­ber bis zum Mor­gen war­ten?«

»Es dürf­te bes­ser sein, das Ta­ges­licht ab­zu­war­ten«, nick­te der Graf.

»Wie Ihr wollt«, lä­chel­te der Zau­be­rer und über­leg­te dann laut: »Vie­le An­grei­fer kön­nen ei­gent­lich kaum üb­rig sein. Die meis­ten müss­ten wir mitt­ler­wei­le doch schon er­wi­scht ha­ben.«

»Seid Ihr Euch da wirk­lich si­cher, Eure Emi­nenz?«, schi­en Da­nu­wil er­staunt. »Be­denkt, dass zu­letzt bei­na­he noch vier­zig Rit­ter zu­ge­gen wa­ren. Au­ßer­dem er­wähn­tet Ihr doch, dass sie auch die Ver­rä­ter be­freit ha­ben.«

»Ich habe un­ter den An­grei­fern so­gar den Gra­fen von Eruál aus­ma­chen kön­nen«, füg­te Nik­ko dem hin­zu.

»Tat­säch­lich?«, war Da­nu­wil er­staunt. »Seid Ihr Euch da si­cher?«

»Das ist er doch oder?«, frag­te der Zau­be­rer und zeig­te auf eine der Lei­chen, die noch vor dem Tor zum Thron­saal la­gen.

»In der Tat«, nick­te der Graf. »Dann ist er mit sei­nen sie­ben Rit­tern also doch nicht per Schiff in den Sü­den ab­ge­reist. Of­fen­bar hat­ten sie sich hier ir­gend­wo ver­bor­gen, um im rech­ten Au­gen­blick zu­zu­schla­gen.«

»Seht Ihr, Eure Emi­nenz«, grins­te er dann, »das wä­ren noch ein­mal fast zehn Geg­ner mehr. Wie vie­le von ih­nen habt Ihr denn im Foy­er … be­siegt?«

»Vi­el­leicht ein oder zwei Dut­zend«, schätz­te Nik­ko. »Al­ler­dings wa­ren un­ter den To­ten ver­mut­lich auch sehr vie­le Ver­tei­di­ger.«

»Dann rech­net ein­fach nach!«, zuck­te der Graf die Schul­tern. »Nehmt die knapp fünf­zig Stän­de und dazu die Ver­rä­ter aus dem Ker­ker und zieht da­von die­je­ni­gen ab, die Ihr schon er­le­digt habt. Dann be­kommt Ihr ein un­ge­fäh­res Bild von dem, was in der äu­ße­ren Burg wohl noch auf uns war­tet.«

»Be­stimmt der grö­ße­re Teil«, seufz­te Nik­ko. »Nun, wir wer­den es mor­gen schon noch früh ge­nug er­fah­ren.«

»Das fürch­te ich auch«, lach­te Da­nu­wil und frag­te dann: »Sol­len wir uns bis da­hin wei­ter hier im Thron­saal ver­bar­ri­ka­die­ren? Oder sol­len wir zu­min­dest das Haupt­haus voll­stän­dig in Be­schlag neh­men? Dann könn­ten wir we­nigs­tens die Bet­ten be­nut­zen, um für mor­gen bes­ser aus­ge­ruht zu sein.«

»Glaubt Ihr denn nicht, dass sie in der Nacht noch ein­mal an­grei­fen wer­den?«, sorg­te sich der Zau­be­rer.

»Das ist na­tür­lich denk­bar«, ant­wor­te­te der Graf, »aber den­noch un­wahr­schein­lich. Ver­mut­lich ha­ben sich die An­grei­fer in ver­schie­de­ne Trupps un­ter­teilt, die je­weils ge­wis­se Be­rei­che der Burg ein­neh­men und si­chern soll­ten. Ich ver­mu­te, sie woll­ten ihr Haupt­quar­tier hier im Haupt­haus ein­rich­ten. Die Trupps in der äu­ße­ren Burg wer­den nun auf wei­te­re Be­feh­le aus dem Haupt­haus war­ten.«

»Die aber nicht kom­men wer­den«, kon­ter­te Nik­ko. »Wird sie das nicht stut­zig ma­chen?«

»Ir­gend­wann schon«, gab Da­nu­wil zu. »Ich ver­mu­te je­doch, dass sie erst bei Ta­ges­licht et­was un­ter­neh­men wer­den. Auch sie wis­sen ja nicht, wie es in der Burg ge­nau aus­sieht, und wer­den ihre Pos­ten in der Dun­kel­heit da­her kaum ver­las­sen wol­len.«

Da­mit gab sich Nik­ko erst ein­mal zu­frie­den, auch wenn er nicht gänz­lich über­zeugt war. Den­noch woll­te er bis zum Mor­gen lie­ber kein Ri­si­ko ein­ge­hen und mein­te da­her: »Lasst uns die Nacht trotz­dem im Thron­saal blei­ben. Hier sind wir im Zwei­fels­fall si­cher und be­hal­ten auf je­den Fall den Über­blick.«

»Wie Ihr wünscht, Eure Emi­nenz«, lä­chel­te Da­nu­wil und gab den Be­fehl, die Tore wie­der fest zu ver­ram­meln. An Nik­ko ge­rich­tet mein­te er schließ­lich: »Ihr soll­tet Euch bis zum Mor­gen noch et­was Ruhe gön­nen. Wir wer­den Eure Kräf­te für die Rückerobe­rung der Burg be­nö­ti­gen.«

»Die Be­fürch­tung hege ich eben­falls«, seufz­te Nik­ko. »Aber auch Ihr soll­tet ver­su­chen, ein we­nig Ruhe zu fin­den. Hier drin­nen sind wir ja durch­aus si­cher. Wenn sie noch ein­mal an­grei­fen, soll­ten wir da­von früh ge­nug et­was mit­be­kom­men, oder etwa nicht?«

»Da habt Ihr na­tür­lich recht, Eure Emi­nenz«, lach­te der Graf. »Macht Euch kei­ne Sor­gen, auch ich wer­de schon noch ein oder zwei Au­gen zu­ma­chen.«

Ob­wohl es dann die gan­ze Nacht über ru­hig ge­blie­ben war, hat­te Nik­ko nicht viel Schlaf fin­den kön­nen. Im­mer wie­der hat­te er sich ge­fragt, ob es wirk­lich sinn­voll war, sich im Thron­saal zu ver­krie­chen, wäh­rend die An­grei­fer viel­leicht schon einen Groß­teil der Burg kon­trol­lier­ten. Als Zau­be­rer hät­te er doch auch et­was ge­gen die Dun­kel­heit tun kön­nen, wenn die­se sich im Kampf nicht so­gar als Vor­teil er­wie­sen hät­te.

Als schließ­lich die ers­ten Son­nen­strah­len durch die großen Fens­ter an der Ost­sei­te in das In­ne­re des Saals dran­gen, war der Zau­be­rer re­gel­recht ver­är­gert über all die ver­lo­re­ne Zeit. Dass er heu­te wohl zu­dem kaum auf ein or­dent­li­ches Früh­stück hof­fen konn­te, ließ sei­ne Lau­ne auch nicht ge­ra­de stei­gen.

»Jetzt wird es aber lang­sam Zeit, die­ses Ge­sin­del aus der Burg zu schmei­ßen!«, bell­te er Da­nu­wil an, der sich erst ein­mal gäh­nend reck­te und streck­te. Of­fen­bar hat­te der Graf we­ni­ger Pro­ble­me ge­habt, et­was Schlaf zu fin­den.

»Das ist es wohl«, gähn­te die­ser er­neut. »Wenn wir viel län­ger war­ten, wer­den sie si­cher­lich ah­nen, dass im Haupt­haus et­was nicht stimmt. Noch könn­ten wir so­gar das Über­ra­schungs­mo­ment auf un­se­rer Sei­te ha­ben.«

»Dann lasst uns kei­ne Zeit mehr ver­lie­ren!«, schnauz­te Nik­ko.

»Wir soll­ten uns schon Ge­dan­ken dar­über ma­chen, wie wir wei­ter vor­ge­hen, Eure Emi­nenz«, hielt Da­nu­wil da­ge­gen. »Ich schla­ge vor, zu­nächst das Tor­haus un­ter un­se­re Kon­trol­le zu brin­gen. Da­mit kön­nen wir ver­hin­dern, dass sie Nach­schub aus der Stadt in die Burg sen­den – wenn sie die Stadt denn über­haupt kon­trol­lie­ren – oder das Tor­haus.«

»Von mir aus«, zuck­te Nik­ko die Schul­tern und über­leg­te dann: »Vi­el­leicht soll­te ich das Tor­haus al­lein er­obern. Mit mei­ner Un­sicht­bar­keit und den Schil­den dürf­te das kein Pro­blem sein. Ihr könn­tet wäh­rend­des­sen Eure Män­ner aus dem Turm ho­len, um das Tor­haus im An­schluss zu be­set­zen.«

»Ja, das klingt ganz gut«, nick­te der Graf. »So­lan­ge Ihr un­sicht­bar seid, könnt Ihr auch erst ein­mal über­prü­fen, wer das Tor­haus über­haupt kon­trol­liert. Es ist schließ­lich nicht si­cher, dass die Re­bel­len es tat­säch­lich er­obern konn­ten.«

»Woran er­ken­ne ich denn, zu wem die Sol­da­ten ge­hö­ren?«, frag­te Nik­ko, der am Vor­tag ja schon ziem­li­che Pro­ble­me ge­habt hat­te, An­grei­fer und Ver­tei­di­ger von­ein­an­der zu un­ter­schei­den.

»Das ist eine gute Fra­ge«, kraul­te sich Da­nu­wil den Bart. »Auf even­tu­ell vor­han­de­ne Ho­heits­zei­chen soll­tet Ihr Euch im Zwei­fel lie­ber nicht ver­las­sen, da of­fen­bar auch ei­ni­ge un­se­rer Krie­ger die Sei­ten ge­wech­selt ha­ben. Am ein­deu­tigs­ten wäre es da wohl, wenn Ihr un­ter ih­nen einen ab­trün­ni­gen Rit­ter oder be­frei­ten Ver­rä­ter wie­der­er­ken­nen wür­det.«

»Ich kann Euch nicht ga­ran­tie­ren, dass ich die Rit­ter oder Ver­rä­ter so ge­nau ken­ne«, zwei­fel­te Nik­ko am Plan des Gra­fen. »Ich weiß gar nicht, ob ich sie über­haupt je­mals alle zu se­hen be­kom­men habe.«

»Dann wäre es wohl bes­ser, wenn ich doch mit­kom­me«, über­leg­te der Graf.

Das stimm­te zwar, aber so er­gä­be sich wie­der das Pro­blem mit der Un­sicht­bar­keit. Ent­we­der Da­nu­wil müss­te ganz be­son­ders dicht bei Nik­ko blei­ben, oder der Zau­be­rer müss­te den un­sicht­ba­ren Be­reich auf ihn aus­deh­nen, was wie­der­um zu grö­ße­ren Ver­zer­run­gen füh­ren wür­de, die sich ge­ra­de in en­gen Räu­men durch­aus be­merk­bar ma­chen dürf­ten. So viel Zeit wie beim An­pas­sen des Un­sicht­bar­keits­be­reichs um den Dra­chen her­um konn­te sich Nik­ko schließ­lich nicht neh­men, zu­mal sie sich ja auch be­we­gen wür­den.

»Am bes­ten schaue ich mich dort erst ein­mal al­lein um«, be­schloss der Fürst­ma­gier da­her. »Wenn ich nie­man­den wie­der­er­ken­ne, dann kön­nen wir ja noch im­mer ent­schei­den, was zu tun ist.«

»Wie Ihr wünscht, Eure Emi­nenz«, lä­chel­te der Graf. »Soll ich dann erst ein­mal hier war­ten oder doch schon zum Turm ge­hen?«

»Vi­el­leicht tele­por­tie­re ich Euch lie­ber schnell in den Turm«, über­leg­te Nik­ko laut. »So lau­fen wir we­nigs­tens nicht Ge­fahr, dass Ihr auf dem Bur­g­hof für un­nö­ti­ge Auf­merk­sam­keit sorgt.«

»Sehr gut«, freu­te sich Da­nu­wil. »Wenn Ihr im Tor­haus fer­tig seid, könnt Ihr dann ja zum Turm kom­men, da­mit wir das wei­te­re Vor­ge­hen be­spre­chen kön­nen.«

»Gut, so ma­chen wir es!«, war Nik­ko froh, nun end­lich einen Plan zu ha­ben. »Macht Euch dann für den Tele­port in den Turm be­reit!«

»Ei­nen Au­gen­blick bit­te!«, brems­te der Graf den Ma­gier aus. »Lasst mich erst noch ein paar Be­feh­le an die Leu­te hier aus­ge­ben. Wir wol­len ja nicht, dass wäh­rend un­se­rer Ab­we­sen­heit Cha­os aus­bricht.«

»Also gut«, lä­chel­te Nik­ko. »Aber be­eilt Euch bit­te. Ich will die­se Re­vol­te jetzt so schnell wie mög­lich zer­schla­gen!«

Nach­dem Da­nu­wil die Leu­te im Thron­saal in­stru­iert hat­te, tele­por­tier­te Nik­ko ihn in den Ma­gier­turm. Er selbst ver­ließ dar­auf­hin den Thron­saal durch das da­für kurz ge­öff­ne­te Tor. Drau­ßen mach­te er sich so­gleich un­sicht­bar und frisch­te auch all die Schutz­schil­de wie­der auf. Er über­leg­te einen Au­gen­blick lang, ob er noch schnell das Haupt­haus un­ter­su­chen soll­te, da es in der Nacht ja un­be­wacht ge­we­sen war. Al­ler­dings konn­te er auch dies­mal nichts hö­ren und nahm da­her an, dass hier kei­ne neu­en Geg­ner auf­ge­kreuzt wa­ren.

Also ver­ließ der Fürst­ma­gier das un­be­wach­te Haupt­haus, des­sen Tore weit of­fen stan­den. Auch auf dem Hof war nir­gends eine Men­schen­see­le zu er­ken­nen. Auf den Wehr­gän­gen zeig­ten sich hin­ge­gen ein paar ver­ein­zel­te Wa­chen, doch konn­te Nik­ko nicht ein­ord­nen, zu wel­cher Sei­te sie ge­hör­ten.

Als der Zau­be­rer am Burg­tor an­kam, stell­te er fest, dass auch die­ses un­be­wacht war, da­für je­doch ver­schlos­sen. War das ein gu­tes Zei­chen? So­gar die Tü­ren zum Tor­haus wa­ren fest ver­ram­melt. Je­den­falls konn­te Nik­ko sie nicht öff­nen. Of­fen­bar hat­te sich dort je­mand ver­schanzt. Ob es sich da­bei um An­grei­fer oder Ver­tei­di­ger han­del­te, wuss­te er na­tür­lich nicht.

Der Ma­gier muss­te letzt­lich einen Schwe­be­zau­ber be­mü­hen, um auf die obe­ren Wehr­gän­ge zu ge­lan­gen. Von dort aus er­hoff­te er sich einen un­ge­si­cher­ten Zu­gang zum Tor­haus. Die­se Hoff­nung er­füll­te sich so­gleich. Dort gab es tat­säch­lich ein Trep­pen­haus, des­sen Zu­gang nicht durch Tü­ren ge­si­chert war. Also konn­te Nik­ko von da aus ganz ein­fach in das Tor­haus hin­ein­ge­hen.

Im In­nern lie­fen ihm ei­ni­ge Krie­ger über den Weg, doch wur­de er dank sei­ner Un­sicht­bar­keit nicht be­merkt. Nik­ko fand je­doch kei­ne Hin­wei­se dar­auf, zu wel­cher Sei­te sie ge­hör­ten. Al­ler­dings muss­te es auch hier zu ei­nem Kampf ge­kom­men sein, da ei­ni­ge Män­ner ver­letzt wa­ren. Lei­chen konn­te Nik­ko zwar nicht aus­ma­chen, ver­mu­te­te aber, dass man die­se be­reits weg­ge­schafft hat­te.



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