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Der Einzelkämpfer Uhlenspiegel, mit der Armee seiner schalkhaften Gedanken bewaffnet, trifft auf ein Dorf voller Schildbürger, die eher weniger oder sagen wir eher mit anderen Gedanken bewaffnet sind. Uhlenspiegels Prämisse: Wo es ums Geld geht, ist es gut zu sein! Und so spielt er in schalkhafter Weise seine Erkenntnisse bei den Schildbürgern aus, die in ihrer naiven Denkweise die adäquaten Gegenspieler sind. Ist eine solche Begegnung sinnvoll? Amüsant und kurzweilig auf alle Fälle!
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Seitenzahl: 88
Veröffentlichungsjahr: 2025
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For Cameron Our sporty and mathematical Idea champion
Über Sinn und Unsinn oder unter dem Sinn der Sinnlosigkeit oder über den Sinn vom Unsinn.
Eine Narrheit ist nicht gut, zwei Narrheiten nicht zwangsläufig besser, es sei denn, sie versuchen, sich gegenseitig negativ zu über-(trump)fen bzw. anders zu Papier gebracht, sie versuchen, einander zu kompensieren, gewissermaßen ein kopfstehendes Komplettkompensationsgeschäft dergestalt, dass beide dekompensieren in dem Sinne, nicht noch arger zu werden, sondern einträchtig gemeinsam zu verschwinden.
Ob das Sinn ergibt, sei dahingestellt. Aber das mit dem Sinn ist so eine Sache. Selbst im Unsinn steckt zumindest (sprachlich) ein Sinn, gewissermaßen der Sinn, keinen Sinn zu ergeben, eben kein UndSinn, sondern ein Unsinn.
Weshalb die Sprache nie das Wort Undsinn erfunden hat? Kaum zu erklären! Denn gemeiner, Pardon, kaum allgemeiner Weise stecken in einer Sache manchmal zwei Sinne. Wir sind schon zufrieden, in einer Sache einen Sinn zu finden, höchstens unter Benutzung aller Sinne kann es möglich sein, einer Sache mehrere Sinne zu entlocken, den ertasteten Spürsinn, den zu vernehmenden Hörsinn, einen nicht zu fassenden Gefühlssinn usw.
Doch all dies erscheint sinnlos (oder sinnLos, vielleicht Sinn(los)).
SinnLos, der Sinn ist vielleicht ein Los, manchmal in einer Sache zu finden, oft nicht, eben wie bei einem Los.
Sinn-los. Das ergibt schon mehr Sinn. Jemand hat den Sinn einer Sache los gemacht, wie man ein vertäutes Boot losmacht, und beides, Sinn und Boot, sind bald danach verschwunden. Ein bootfahrender Sinn, falls dies einen Sinn ergibt. Zwar noch vorhanden aber weg, eben nicht mehr da, Pardon nicht mehr hier aber (irgendwo) doch da.
Wenn also etwas Sinn los, Pardon, sinnlos, also ohne Sinn ist, wie kann es einen doppelten Sinn ergeben? Ein Nichts kann schwerlich verdoppelt werden, etwas, das sinnlos ist, vermag schwerlich doppelt sinnlos, sinnloser, zu sein. Sinn-loser kann doch nur bedeuten, der Sinn ist nicht mehr so fest, wird bald verschwunden, ganz los sein und Eile ist geboten, ihn zu er(be)greifen, bevor er noch loser, ganz los, also ganz weg ist.
Sinnlos, also etwas ohne Sinn und im doppelten Sinn (Pardon im doppelten Sinne wegen der Mehrzahl). Ergibt das (zumindest einen(1)) Sinn? Aus nichts eins zu machen, wäre ein Zauberkunststück, aus einem doppelten Sinn eins zu machen ein unschätzbarer Verlust.
Ein VerlustSinn, Pardon, Verlustsinn.
Diese Abschweifung war wenig sinnvoll, vielleicht sogar Sinn leer.
Sinnlos, doppelter Sinn? Das ergibt überhaupt keinen Sinn. Warum sollte man sich sinnvollerweise etwas zweimal angucken, was gar nicht vorhanden ist.
Ein leerer Teller wird auch nicht davon voller, gucken wir ihn uns zweimal an. Und es ist absolut sinnlos bzw. sinnwidrig oder gar unsinnig, etwas, was nicht vorhanden ist, zweimal zu betrachten. Irgendwann werden wir (bzw. unsere Sinne) denken, einer Sinntäuschung zu unterliegen, wir (über den manchmal sinnlosen Weg der Sinne) haben uns gewissermaßen selbst hereingelegt.
Sinngemäß steckt übertragener Weise etwas von diesen Gedanken in den folgenden Geschichten.
Zwei Hauptprotagonisten – der Einzelkämpfer Uhlenspiegel, aber mit der Armee seiner schalkhaften Gedanken – trifft auf die Armeen der zahlreichen Schildbürger (eher weniger oder sagen wir neutraler, eher waffenmäßig mit anderen Gedanken bewaffnet). (*PS.1).
Ist eine solche Begegnung sinnvoll? Ist sie vielleicht sinnlos?
Oder ergibt es vielleicht zumindest einen doppelten Sinn, einen Undsinn, wenn nicht gar Mehrfachsinn?
Das alles bleibt offen, wie auch wir mit offenem Sinn durchs Leben gehen sollten, um zu erkennen, was einen Sinn ergibt oder gar auf abenteuerliche Weise einen versteckten Sinn zu entdecken - herauszufinden, wo ein (der) Sinn steckt oder ob er schlichtweg fehlt, quasi ein Nichtsinn und in diesem Sinne als Nichtsinn noch weniger als ein Unsinn, der ja irgendwo existiert, sonst wäre es kein Unsinn.
Zusammenfassend oder sinngemäß:
Jeder muss selbst herausfinden, ob es Sinn macht oder einen Sinn ergibt, diese Geschichten zu lesen bzw. einen Uhlenspiegel mit einem Dorf Schildbürger zusammenzubringen. Das würde dann wiederum einen Sinn ergeben, also einen Sinn machen. Auf diese Weise würde jeder Leser einen Sinn in diese Geschichten hineinmachen (Pardon, hineininterpretieren), wo bisher kein Sinn war und es hätte für alle doch Sinn gemacht, diese Geschichten zu schreiben, zu schreiben bzw. zu lesen.
Da sollen Sie jedoch unbelastet (also schon belastet mit Sinn aber ausgestattet mit unbelastetem Sinn) an Sinn und Unsinn dieser Geschichten herangehen.
In diesem Sinne: Viele Sinnvergnügen.
PS.0. Zwischen die Geschichten haben sich kurze Aphorismen gemogelt, besser gesagt, Rede-wendungen oder zumindest ein Teil davon und was wohl Uhlenspiegel oder die Schildabürger dazu gesagt hätten.
*PS.1: Aktuelle Anmerkung
Erklärt sich dadurch vielleicht das sich heute wieder abzeichnende Phänomen der Diktaturen. Ein Einzelner (aber mit fast absolut unverrückbarem Sinn) steht einer gewaltigen, in ihren Sinnen eher abgestumpften Masse gegenüber. Eine Konstellation, die nicht nur keinen Sinn, sondern einen unglaublich gefährlichen Sinn ergibt (Pardon, beinhaltet). Mehr als Blödsinn, viel mehr, der stärkste Schwachsinn, den es je geben kann.
PS.2 Leseempfehlung
Es macht vielleicht Sinn, nur eine Geschichte im Monat zu lesen bzw. es macht vielleicht keinen Sinn, mehr als eine Geschichte im Monat zu lesen. Deshalb enthält dieses Buch zwölf Geschichten. Wem der Sinn danach steht, kann selbstverständlich auch mehr, im Höchstfall alle zwölf Geschichten an einem Tag anstatt nur eine Geschichte im Monat lesen.
Sie werden endlich zu den Geschichten wollen. Bitte schön! Viel Vergnügen! Deshalb wird das Folgende als Ausleitung bzw. Nachleitung oder Nachsinn (nicht mit dem Nachsinnen zu verwechseln), je nachdem, wie Sie es bezeichnen wollen, an das Ende des Buches gestellt.
1 Vorausschauende Buße
2 Geraubter Raub
3 Verkehrte Welt – we(nn)(m)’s gefällt
4 Weihnachten – unter dem Erdkreis
5 Die Neue (umgedrehte) Welt
6 Märchenhafte Freiheit
7 Pferdemobile
8 Der Windfang an Schilda
9 Mist bleibt Mist, so ein Mist!
10 Seltsame unselige Verkettung
11 Scheinmalerei
12 Einmalig(e) verkehrte Weihnachtswelt
Es begab sich, dass Uhlenspiegel an einem Sonntag mit sich und der Welt nichts anzufangen wusste und kurzerhand beschloss, an diesem Tag das Gleiche zu tun, was die wenigsten an einem solchen Tag machten. Er dachte nämlich dabei seinesgleichen zu treffen, wo es wenige gab, dort mussten diese wenigen irgendwo ihm gleich sein, denn von seiner Sorte gab es nicht viele auf der Kugelerde.
Gleich wie gültig trat er aus dem Haus und sah eine nicht unstattliche Zahl an Schildbürgern zur nächsten Gaststätte eilen. Entgegengesetzt, wie rotglühende Lachse, bahnten sich einige wenige den umgekehrten Weg. Uhlenspiegel folgte jenen, obwohl ihm aus der Gaststätte beinahe der wohlselige Geruch des Alkohols und die Geräusche der ersten anbratenden Hähnchen eingeholt hätten. Und wer weiß, wie Uhlenspiegel entschieden hätte, wären diese Düfte rechtzeitig in seine Nase gedrungen. So stand er jedoch plötzlich vor der Kirche von Schilda, die Eingangspforte weit geöffnet wie das Maul des Walfisches, der Jonas gefressen hatte.
Von innen schwebten erste Orgelklänge ins Freie, mischten sich mit Weihrauch und gelegentlich dem wohlvertrauten Klang, wenn eine Geldmünze auf eine andere fiel.
Wo es ums Geld geht, ist es gut zu sein, dem Klang zu folgen, dachte Uhlenspiegel und trat in das alte riesige Gemäuer.
Einige wenige Seelen verharrten in sich zusammengekauert auf wurmzerfressenen Holzbänken, vorne stand in dunkelpurpurner Pracht mit Stolz gerichtetem Hals, gerade eben wie ein Messstock, der Pfarrer.
Als der Gesang begann, meinte Uhlenspiegel, noch weniger Bürgern anhörig zu werden, als tatsächlich vorhanden waren. Wie Blei legten sich die schweren Orgelklänge auf die verzagten Stimmen der Bußfertigen. Dann hob der Pfarrer an. Er machte unentwegt Zeichen in der Luft mit seinen Händen, dass Uhlenspiegel meinte, er male Bilder und habe in der Eile Pinsel und Staffelei vergessen. Seine Stimme war von einer jahrelangen ausufernden Weihrauchmenge wohl gerundet und seine Augen, obwohl sie kaum wirklich etwas sahen, wirkten wie die Blicke eines Adlers, der ein Opfer erspäht hatte.
Ab und zu hörte Uhlenspiegel Worte, die er nicht verstand, eine ihm altertümliche Sprache. Dann vernahm er wieder umso deutlicher die Sprache des Pfarrers, die Anwesenden kauerten sich unter seinen Worten noch mehr zusammen, als gelte es, Deckung zu nehmen, von den gewandten Artikulierungen nicht am Kopf getroffen zu werden. Am Höhepunkt der Rede brach der Pfarrer ab und lief mit einer Büchse, in der die Münzen lustig auf und ab sprangen, durch die Reihen der Kirchenbänke.
Uhlenspiegel geriet in eine Zwickmühle, er hatte kein Geld in seinen Taschen, auch hatte er vorne an der Tür kein Schild gesehen, dass hier Eintritt zu zahlen sei. Im Nu stand der Pfarrer mit der ganzen Wucht seines Leibes vor Uhlenspiegel.
Alles wirkt hier wie ein Walfisch, dachte Uhlenspiegel, die Kirche mit der aufgesprungenen Pforte und nun der Pfarrer, das Gesicht rotglühend, der mit weitaufgerissenem Mundwerk vor ihm stand.
Uhlenspiegel streckte seine Hand vor und ließ etwas Weiches in den Schlitz fallen. Die Augen des Pfarrers begannen zu funkeln, vermissten sie doch das vertraute Klingeling der Münzen. Uhlenspiegel beugte sich zum Pfarrer und flüsterte ihm etwas in die Ohren. Bald hellte sich das priesterliche Gesicht auf. Er schraubte die Büchse auf und hieß Uhlenspiegel hineinzulangen, ein paar Münzen herauszunehmen, damit er später im Gasthof etwas essen konnte, hatte er doch all sein Geld, einen bunten Papierschein mit endlosen Zahlen aus einem fernen arabischen Land, in den Kasten geworfen.
Uhlenspiegel fand Gefallen an der ganzen Angelegenheit. In seiner bei Leibe nicht eingeengten Vorstellungskraft konnte er sich keinen anderen Beruf vorstellen, der seinen Geschmack besser traf. Einer konnte in vornehmer Kleidung herumgehen, in Weihrauch schwelgen, allerlei Bilder in die Luft malen und obendrein den Zuhörern ordentlich die Meinung sagen. Und was Uhlenspiegel am sonderbar angenehmsten auffiel, dafür dass man den anderen ihr Sündenregister rauf- und runterprangerte, bezahlten sie einem noch Geld.
Uhlenspiegel hatte in seinem Leben längst herausgefunden, dort wo es ein Oben gab, gab es auch ein Oberes darüber, und über diesem Oberen gab es wieder ein Oberes darüber, gerade wie eine Leiter mit endlosen Stufen, die irgendwann in den Wolken des Himmels verschwand.
Er besorgte sich Kleidung, die stärker glänzte als die Gewänder des Pfarrers, behing sich hier und dort mit Goldamuletten, steckte seinen Kopf unter einen ehrwürdigen schwarzen Hut und beschloss, dem Pfarrer einen Besuch abzustatten.
An einem frühen sonnigen Morgen klingelte er an der Haustür des Pfarrhauses. Der Geistliche war über den Besuch äußerst überrascht, keine Nachricht habe ihn erreicht, sonst hätte gewiss ein fürstliches Mahl mit erlesenen Kostbarkeiten auf der Tafel gestanden.
Der Himmel segne Dich für Deine guten Absichten, salbierte Uhlenspiegel.
Und damit es nicht nur bei den guten Absichten bleibt, denn Du weißt, nicht allein das Wort, sondern vielmehr die Taten werden im Himmel mit Gold aufgewogen, eile Dich, der Haushälterin aufzutragen, das beste Gericht der Küche zu entlocken, denn so wurde seit eh und je mit den prophetischen Gesandten verfahren, wie es auch in unserem dicken Buch allerorts beschrieben ist.