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Unverhofft kommt oft: Das Leben bietet ungeahnte Glücksmomente zu den ungewöhnlichsten Zeiten. Reginald Reggie Herrera fühlt sich schon seit einiger Zeit nicht mehr wohl in seiner Haut. Als er einem alten Freund hilft, eine Scheune für ein schwules Paar zu errichten, stellt er sich die Frage, was wäre, wenn und erweckt damit Bedürfnisse, die er schon vor Jahrzehnten begraben hatte. Voller Schuldgefühle, als würde er damit irgendwie das Andenken an seine verstorbene Frau verraten, fährt Reggie für ein paar Wochen allein in seine Fischerhütte, in der Hoffnung, einen klaren Kopf zu bekommen. Beim Fliegenfischen beobachtet Reggie, wie ein Mann mit einem Schlauchboot im Fluss umkippt und sich den Kopf stößt. Reggie zieht den Bewusstlosen aus dem Wasser, aber als der junge Mann aufwacht, hat er eine Amnesie. Während Reggie dem Fremden hilft, wieder zu Kräften zu kommen und seine Vergangenheit zusammenzusetzen, wandeln sich seine Gefühle von väterlicher Sorge zu etwas mehr. Gerade als Reggie beginnt, seinem Verlangen nachzugeben, erfährt er, dass sein junger Geliebter Miguel Swanson ist, der im Zusammenhang mit dem Tod seiner Mitbewohnerin gesucht wird. Kann Reggie Miguel, der sich nicht mehr richtig erinnern kann, glauben, dass er seine beste Freundin wirklich nicht ermordet hat? Außerdem: Wenn Miguel es nicht war ... wer war es dann? Ein homoerotischer Liebesroman für Erwachsene mit explizitem Inhalt. Jeder Band dieser Reihe geht auf die romantische Beziehung eines anderen Paares ein. Um die gesamte Handlung sowie die Geschichte aller Figuren zu erfahren, empfiehlt es sich, alle Bände in der Reihenfolge ihres Erscheinens zu lesen. Länge: rund 40.000 Wörter
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Veröffentlichungsjahr: 2025
Inhaltsverzeichnis
Kapitel 1
Kapitel 2
Kapitel 3
Kapitel 4
Kapitel 5
Kapitel 6
Kapitel 7
Kapitel 8
Kapitel 9
Kapitel 10
Kapitel 11
Kapitel 12
Kapitel 13
Kapitel 14
ÜBER CHARLIE RICHARDS
LESEPROBE:
Die Kraft loszulassen
Unverhofft kommt oft: Das Leben bietet ungeahnte Glücksmomente zu den ungewöhnlichsten Zeiten.
Reginald Reggie Herrera fühlt sich schon seit einiger Zeit nicht mehr wohl in seiner Haut. Als er einem alten Freund hilft, eine Scheune für ein schwules Paar zu errichten, stellt er sich die Frage, was wäre, wenn und erweckt damit Bedürfnisse, die er schon vor Jahrzehnten begraben hatte. Voller Schuldgefühle, als würde er damit irgendwie das Andenken an seine verstorbene Frau verraten, fährt Reggie für ein paar Wochen allein in seine Fischerhütte, in der Hoffnung, einen klaren Kopf zu bekommen. Beim Fliegenfischen beobachtet Reggie, wie ein Mann mit einem Schlauchboot im Fluss umkippt und sich den Kopf stößt. Reggie zieht den Bewusstlosen aus dem Wasser, aber als der junge Mann aufwacht, hat er eine Amnesie. Während Reggie dem Fremden hilft, wieder zu Kräften zu kommen und seine Vergangenheit zusammenzusetzen, wandeln sich seine Gefühle von väterlicher Sorge zu etwas mehr. Gerade als Reggie beginnt, seinem Verlangen nachzugeben, erfährt er, dass sein junger Geliebter Miguel Swanson ist, der im Zusammenhang mit dem Tod seiner Mitbewohnerin gesucht wird. Kann Reggie Miguel, der sich nicht mehr richtig erinnern kann, glauben, dass er seine beste Freundin wirklich nicht ermordet hat? Außerdem: Wenn Miguel es nicht war ... wer war es dann?
Ein homoerotischer Liebesroman für Erwachsene mit explizitem Inhalt. Jeder Band dieser Reihe geht auf die romantische Beziehung eines anderen Paares ein. Um die gesamte Handlung sowie die Geschichte aller Figuren zu erfahren, empfiehlt es sich, alle Bände in der Reihenfolge ihres Erscheinens zu lesen.
Länge: rund 40.000 Wörter
CHARLIE RICHARDS
Die Kraft loszulassen
Carry Me: Halte mich 5
Ein homoerotischer Liebesroman für Erwachsene
ME AND THE MUSE PUBLISHING
www.meandthemuse.com
Copyright © der englischen Originalausgabe „Break Away Strength“:
Charlie Richards
Copyright © der deutschsprachigen Ausgabe und veröffentlicht von:
Me and the Muse Publishing – Sage Marlowe
Hohenstaufenring 62, 50674 Köln, 2025
Copyright © Cover Design: Sinfully Sweet Designs
Übersetzt von: Sage Marlowe
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Alle in diesem Buch vorkommenden Personen und Handlungen sind frei erfunden. Jegliche Ähnlichkeit zu realen, lebenden oder verstorbenen Personen ist rein zufällig. Sofern Namen real existierender Personen, Orte und Marken verwendet werden, geschieht dies in einem rein fiktiven Zusammenhang.
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Einige unserer Titel enthalten Hinweise auf und Beschreibungen sexueller Handlungen, die möglicherweise eine Gefährdung körperlicher und geistiger Gesundheit darstellen können. Mit der Beschreibung solcher Praktiken erheben wir keinen Anspruch auf deren tatsächliche Durchführbarkeit und übernehmen keine Verantwortung für etwaige Verletzungen oder Schäden, die bei der Nachstellung solcher oder vergleichbarer Handlungen entstehen. Generell raten wir unseren Lesern davon ab, potenziell gefährliche Sexualpraktiken ohne entsprechende Sicherheitsvorkehrungen und Anleitung durch Personen mit ausreichender Sachkenntnis durchzuführen.
Widmung
Für die Tiere in unserem Leben und die Liebe, die sie uns bringen.
Reginald Herrera blinzelte durch seine Gleitsichtbrille und band die Fliegenattrappe behutsam an seine Angel. Das Ende der Angelschnur schnitt er mit der Schere ab, die er an seiner Anglerweste befestigt hatte. Er ließ beides los, hob die Rute, die er in der Ellenbeuge abgestützt hatte, an und ergriff sie am Ende.
Reggie ließ seinen Blick über den Fluss schweifen und suchte nach der besten Stelle, um seine Angel auszuwerfen. Nachdem er sich in der Hoffnung, dass er keine der Felsen erwischte, die aus dem Wasser ragten, vergewissert hatte, wo er den Haken am besten auswarf, zog er mit der linken Hand die Angelschnur ein. Er konzentrierte sich auf die sanfte Bewegung, mit der er seine Rute spannte und die Schnur auswarf, so dass seine Fliege über das Wasser hüpfte, wie es ein echter Käfer tun würde.
Während er sich in dieser einfachen Tätigkeit verlor, genoss Reggie den Anblick und die Geräusche um ihn herum. Er hörte das Rauschen des Wassers, das um Felsen herumwirbelte und über eingeklemmte Äste brach. Er atmete tief ein und genoss den Geruch der frischen Luft. Die kühle Brise auf seinem Gesicht verband sich mit der Wärme der Sonne und sorgte für die perfekte Wohlfühltemperatur.
„Das ist das wahre Leben“, murmelte Reggie vor sich hin. Er lächelte abwesend, als er spürte, wie sich die Muskeln in seinen Armen und seinem Rücken entspannten und wieder zusammenzogen, während er immer wieder die Angel auswarf. Sogar seine Bauchmuskeln spannten sich an. „Daran muss ich noch arbeiten“, sagte er zu sich selbst. „Ich werde noch ganz weich.“
Reggie hatte immer verdammt hart gearbeitet, um seine körperliche Verfassung zu erhalten. Da er dreißig Jahre lang als Elektriker gearbeitet hatte, hatte er täglich viel körperliche Arbeit verrichten müssen. Er zog regelmäßig Drähte ein, balancierte auf Leitern und kroch in engen Räumen. Er ging fast täglich joggen und stemmte mehrmals pro Woche Gewichte.
Jetzt, wo er sich seinem fünfundfünfzigsten Geburtstag näherte, wurde es jedes Jahr schwieriger, seinen Bauch weitgehend flach zu halten. Seine Arme und Beine waren immer noch gut definiert, auch wenn er kein Sixpack mehr hatte. Mit seinem Körperbau und seiner Größe von knapp einem Meter neunzig hinderte ihn selbst seine Glatze nicht daran, die Aufmerksamkeit der einen oder anderen Frau auf sich zu ziehen.
Dieser Gedanke führte zu einem anderen ... nämlich zu seiner verstorbenen Frau. Catherine war eine besondere Frau gewesen. Er hatte sie in seinem zweiten Gesellenjahr kennengelernt, und es hatte einfach „Klick“ zwischen ihnen gemacht. Sie hatte etwas Besonderes an sich, das sein rastloses Verlangen beruhigte, das er nicht hatte stillen können.
Nach nur drei Monaten Beziehung hatte Reggie ihr einen Antrag gemacht. Seine Freunde hielten ihn für verrückt und er erfuhr schließlich, dass sie eine Wette darüber abgeschlossen hatten, wie lange ihre Ehe halten würde. Reggies Kumpel Sam hatte gewonnen, denn er hatte vorausgesagt, dass Reggie und Catherine so lange zusammenbleiben würden, bis dass der Tod sie scheidet, wie es in ihrem Gelübde stand.
Neun Jahre zuvor war bei Catherine ein Gehirntumor diagnostiziert worden. Sie war danach schnell verschieden, nach nur zwei verbleibenden Monaten. Obwohl Reggie sich der Tatsache bewusst war, dass es eine Gnade für sie war, war er am Boden zerstört. Er stürzte sich in die Arbeit und den Sport und tat tagein, tagaus nichts anderes.
Schließlich hatten sich seine Kinder mit ein paar Freunden verschworen, um ihn aus dem Haus zu holen. Bei einem kleinen Grillabend nach dem anderen kehrte Reggie in das Reich der Lebenden zurück. Die größte Motivation war, dass seine Kinder sich zu ihm setzten und ihn daran erinnerten, dass Catherine nicht gewollt hätte, dass er sich verkroch.
Das Ziehen an seiner Angelrute riss Reggie aus seinen Gedanken. Er zog an seiner Angel, während er die Angelschnur ein paar Zentimeter einholte, in der Hoffnung, dass der Fisch anbiss. Als er die anhaltende Spannung spürte, begann er, die Schnur langsam einzuholen. Er suchte die Stelle, an der sie im Wasser verschwand, und hoffte, einen Fisch zu sehen.
Als ein schlanker, grüner Kopf aus dem Wasser ragte, um dann wieder unter der Oberfläche zu verschwinden, musste Reggie lachen. „Ha ha!“ Er grinste breit, während er den Fisch weiter auf sich zukommen ließ. „Was bist du, hm?“, fragte er den Fisch.
Als ob er ihm antworten wollte, sprang der Fisch aus dem Wasser. Er drehte sich und kämpfte gegen die Angelschnur, die ihn immer näher zu Reggie zog. Die silbernen und roten Schuppen des Tieres glitzerten in der Sonne.
„Oh, verdammt, ja“, fuhr Reggie fort und sprach dabei sowohl mit sich selbst als auch mit dem Fisch. „Du bist eine gut aussehende Regenbogenforelle, nicht wahr? Wie viel wiegst du? Fünf Pfund? Sechs? Du wirst ein gutes Mahl abgeben.“
Reggie verspürte einen gewissen Stolz, als er langsam rückwärts zum Ufer ging, wobei er sich jedes Schrittes vergewisserte. Als die Forelle nah genug war, griff er nach dem Netz, das an seinem Gürtel befestigt war, und holte den Fisch damit ein. Nachdem er seine Angelrute am Ufer abgelegt hatte, löste Reggie mit schnellen, sicheren Bewegungen, die er schon oft benutzt hatte, den Fisch vom Haken und befestigte ihn an der Schnur, die er am Ufer gelassen hatte.
Er nahm den Metallspieß, den er neben der Angelschnur liegen gelassen hatte, und versenkte ihn tief in der weichen Erde. Schließlich setzte er den Fisch in den Fluss. So blieb er lebendig und gefangen am Ufer angebunden, bis Reggie mit dem Fischen fertig war und ihn ausnehmen konnte.
„Du wirst bestimmt ein leckeres Abendessen abgeben“, wiederholte Reggie voller Vorfreude. „Heute Abend steht gegrillter Fisch auf meinem Speiseplan.“
Reggie hatte zwar einige Grundnahrungsmittel mit in die Hütte gebracht – einen Beutel Reis, etwas Brot und ein Glas Erdnussbutter sowie einige Dosen Bohnen, Frühkartoffeln und Mais –, aber er aß, was er im Fluss gefangen hatte. Die meisten seiner Mahlzeiten hier draußen bestanden aus Fisch. Nur einmal hatte er so viel Pech gehabt, dass er die vierzig Minuten in die Stadt fahren musste, um sich im Diner etwas zu essen zu holen.
„Aber diesmal nicht.“
Reggie ergriff seine Angel und machte sich auf den Weg zurück zu seinem Platz im Fluss. Als er knietief im Wasser stand, vergewisserte er sich, dass seine Fliege noch an ihrem Platz war und warf erneut. Er schätzte das dicke Material seiner hüfthohen Wathose.
„Ich muss mich bei Susan für diese neue Wathose bedanken“, murmelte er vor sich hin. „Die rutscht überhaupt nicht.“
Seine letzte hatte irgendwie ein paar kleine Risse abbekommen. Reggie verdächtigte Susans Tochter Paige, die vor drei Monaten vier Jahre alt geworden war. Obwohl er es seiner älteren Tochter nie sagen würde, hatte er das kleine Mädchen beim Verkleiden in der Garage angetroffen.
In den wahrscheinlich nur zehn Minuten, die sie unbeaufsichtigt war, hatte sie es auf wundersame Weise geschafft, seine Angelsachen herauszuholen. Sie hatte sich seinen Hut auf den Kopf gesetzt und die Wathose halb angezogen, wobei sie die untere Hälfte der Hose abwetzte, als sie damit durch die Garage schlurfte.
Seine Enkelin sah so verdammt niedlich aus, dass er sie dafür nicht zur Rechenschaft ziehen konnte. Stattdessen erzählte er seinen Kindern, dass er die Hose beim Angeln mit ein paar Haken erwischt hatte. Wenigstens hatten Geburtstage in seinem Alter auch etwas Gutes – er bekam etwas Besseres als das, was ruiniert war.
Reggie hatte erst etwa fünfzehn Minuten geangelt, als er einen weiteren Schlag spürte. Aufgeregt glucksend begann er, den Fisch einzuholen. Gerade als er sein Netz unter der Regenbogenforelle durchzog, sah er aus dem Augenwinkel eine Bewegung.
Reggie schaute nach links und sah, wie ein Mann auf einem Schlauchboot die Biegung des Flusses umrundete. Er richtete sich auf und zog die Augenbrauen hoch. Es kam nicht oft vor, dass jemand diesen Nebenarm nutzte, um den Rogue River zu befahren. Meistens trieben nur die Einheimischen auf dem Fluss, aber Reggie erkannte den jungen Mann in dem blauen Schlauchboot nicht ... das, wenn er so darüber nachdachte, ein gemietetes Boot zu sein schien. Vielleicht war er neu in der Gegend.
Er ist auf jeden Fall ein hübscher Junge.
Er schüttelte den Kopf über seinen unbedachten Gedanken. Deshalb war er doch allein in der Hütte – um einen klaren Kopf zu bekommen.
Auch wenn er sich über sich selbst nicht ganz im Klaren war, nickte Reggie dem Mann höflich zu. Dann begab er sich zum Ufer und fügte seine neu erbeutete Regenbogenforelle seinem Fang hinzu. Er beobachtete, wie der Mann eine Hand hob und zurückwinkte. Gerade als er den gefangenen Fisch ins Wasser fallen ließ, hörte Reggie ein Platschen.
Als er sich umdrehte, um dem Geräusch nachzugehen, runzelte er die Stirn, da er nur das umgedrehte blaue Schlauchboot und einen Arm sah. „Scheiße“, zischte er, warf seine Rute ans Ufer und wandte sich dem Mann zu. „Alles in Ordnung?“, rief er, als er ein paar Schritte auf das Platschen zuging.
„J-ja. Oh Scheiße!“ Er hörte ein Glucksen und dann: „Hilfe! Hil...“
Als das Geräusch verstummte, fluchte Reggie und watete so schnell er konnte in Richtung der Stelle, an der er das Boot umkippen gesehen hatte. Schnell suchte er die Gegend ab und versuchte, den Strudeln des Flusses zu folgen. Sie veränderten sich jedes Jahr, je nachdem, wie die Strömung die Felsen verändert hatte.
Reggie erspähte ein gelbes Aufblitzen und ging so schnell er konnte darauf zu. Als er die Schwimmweste sah, die unter einem Ast steckte, und weißes, aufgewühltes Wasser, in dem möglicherweise Gliedmaßen zappelten, packte er sie und zerrte daran. Das glatte Plastik rutschte zweimal durch seine Finger, bevor er es richtig ergreifen konnte.
Reggie stemmte sich nach hinten und nutzte sein Gewicht, um den reglosen Körper des Mannes umzudrehen. Er blickte auf den nun mit dem Gesicht nach oben liegenden Mann. Er schien angesichts der glatten Linien in seinem leicht gebräunten Gesicht Mitte bis Ende zwanzig zu sein. Seine Augen waren geschlossen, aber zu Reggies Erleichterung hustete er zweimal, bevor er stöhnte und das Bewusstsein verlor.
Reggie bedankte sich im Geiste bei seiner Tochter für ihr Geschenk und die gute Bodenhaftung der Stiefel. Andernfalls wäre es eine äußerst gefährliche Aufgabe gewesen, den Körper des dunkelblonden Mannes durch das Wasser zu ziehen. Er tat sein Bestes, um den muskulösen nackten Oberkörper und die zerrissene Badehose des bewusstlosen Mannes zu ignorieren, und zog ihn immer näher ans Ufer heran. Schließlich hob er den nassen Körper hoch und legte ihn auf das feuchte Ufer.
Reggie blickte in die untergehende Sonne und verzog das Gesicht. Er wusste, dass er in dem schwindenden Licht nicht viel erkennen konnte. Verdammt, er fragte sich ohnehin, was der Mann so spät noch mit dem Schlauchboot machte.
Nachdem Reggie aus dem Fluss geklettert war, zog er sich schnell seine Anglerweste und die Wathose aus. Er tat dasselbe mit der Schwimmweste des Fremden und legte alles neben seiner Angelrute ab, während er den Fremden hochhob. Ächzend drückte er ihn an seine Brust, während er zügig zu seiner Hütte lief.
Reggie drehte seinen Körper so, dass er den Türknauf erreichen konnte, ohne den Mann abzusetzen. Mit seiner Schulter schob er die Tür auf und betrat seine Hütte. Er ging zum Sofa hinüber und legte den Mann darauf ab.
Als er sich aufrichtete, spürte Reggie ein Stechen im Rücken, das ihn daran erinnerte, dass er nicht mehr so jung war, wie er einmal gewesen war. Er verzog das Gesicht, als er ins Bad ging und sich mit einer Hand den unteren Rücken rieb. Mit einem sauberen Handtuch in der Hand kehrte er zu dem Fremden zurück.
Reggie rieb mit dem Tuch über die Haut des Mannes und trocknete ihn rasch ab. Als er über den Kopf des Mannes fuhr und versuchte, etwas Wasser aus seinem dichten blonden Haar zu streichen, stöhnte der Mann und seine Augenlider flatterten. Reggie hielt inne, als er eine große Beule an der Schläfe des Mannes bemerkte.
Die Augen des Mannes öffneten sich und er keuchte.
Reggie blickte in stark geweitete, schmerzerfüllte haselnussbraune Augen und lächelte. „Hey, Kumpel“, murmelte er. „Du hast einen harten Schlag auf den Kopf bekommen. Wie geht’s dir?“
Der Blonde blickte von Reggies Gesicht durch das Zimmer und dann wieder zu Reggie. Sein Körper spannte sich an und er bewegte seinen Kopf ... oder versuchte es zumindest. Angst durchzog seinen Gesichtsausdruck und ließ ihn die Stirn runzeln.
„Wer bist du?“ Die Stimme des Fremden klang rau, vielleicht wegen des Wassers, das er ausgespuckt hatte. „Wo bin ich?“
Reggie bemerkte, dass er die Kopfhaut des Mannes weiterhin sanft mit dem Handtuch abrieb. Er hielt inne und legte seine Hand auf die Armlehne des Sofas. „Mein Name ist Reginald Herrera“, erklärte er ihm. „Meine Freunde nennen mich Reggie. Du bist in meiner Hütte, weil du auf dem Fluss aus deinem Schlauchboot gefallen bist und dir den Kopf an einem Felsen angeschlagen hast.“ Als er den verwirrten Gesichtsausdruck des Mannes sah, fragte Reggie: „Kannst du mir deinen Namen verraten? Gibt es jemanden, den ich anrufen soll, um ihm zu sagen, dass es dir gut geht?“
„Ich ...“ Die Augenbrauen des Mannes zogen sich zusammen. Sein Blick schweifte erneut durch den Raum. Seine Angst verwandelte sich in Panik. „I-ich weiß es nicht. Ich ...“, stöhnte er.
Reggie verspürte das Bedürfnis, ihn zu beschützen und zu beruhigen, als er die überraschten Worte des Fremden hörte. Er verbuchte es als väterliche Sorge. Da er nicht daran denken wollte, dass es etwas anderes sein könnte, richtete er sein Augenmerk auf die Worte des Mannes.
„Du kannst dich nicht an deinen Namen erinnern?“, fragte Reggie nach. Als der Fremde ihn mit großen Augen ansah, schenkte er ihm ein beruhigendes Lächeln. „Du ruhst dich jetzt einfach aus. Wie ich schon sagte, du hast eine große Beule am Kopf. Das wird schon wieder.“
Reggie beugte sich vor und griff nach der Decke, die er auf der Lehne der Couch zusammengelegt hatte, und fügte hinzu: „Warum ziehst du nicht die nassen Shorts aus? Ich hole dir eine trockene Jogginghose, die du anziehen kannst.“ Er schüttelte die Decke aus und fuhr fort: „Wir werden dich erst einmal aufwärmen und es dir bequem machen. Ich sollte eine Dose Hühnersuppe haben. Das macht immer alles besser. Dann kannst du dich in diese Decke einrollen und ...“
Reggie hörte auf zu sprechen, als er den Blick wieder auf den Mann richtete und sah, dass dessen Augen geschlossen waren. Er senkte die Decke, die er in der Hand hielt, und sah, wie sich der Brustkorb des Mannes in einem gleichmäßigen Rhythmus hob und senkte. Sein unerwarteter Gast war wieder eingeschlafen. Er wusste zwar, dass er sich Sorgen um eine Gehirnerschütterung machen sollte, aber Reggie nahm an, er könnte ihm eine Stunde Zeit geben. Zuerst musste er sich darum kümmern, dass der Mann trockene Kleidung bekam.
Vielleicht hat er eine Brieftasche in seiner Badehose.
Mit diesem Gedanken im Hinterkopf warf Reggie die Decke über die Füße des Mannes. Er eilte in sein Schlafzimmer und nahm die erwähnte Jogginghose. Auch wenn der Fremde darin schwimmen würde, weil er viel kleiner und schlanker war als er selbst, war sie wenigstens trocken. Das würde dem Mann sicher helfen, sich wohler zu fühlen.
Reggie versuchte, seinen Gast gründlich zu entkleiden und abzutrocknen. Doch als er über die Oberschenkel des Mannes strich, fiel sein Blick auf sein Gemächt und das kleine Regenbogentattoo in seiner Hüftbeuge. Sein eigener Schwanz wurde beim Anblick des weichen, blassen Glieds, das schlaff an der Leiste des Mannes lag, dicker in seiner Jeans. Seine Finger verkrampften sich im Handtuch vor Verlangen, ihn zu berühren, und sein Herzschlag beschleunigte sich. Er konnte sich nicht daran erinnern, jemals dem Schwanz eines anderen Mannes so nahe gewesen zu sein, egal ob er weich war oder nicht, und er spürte, wie das Verlangen, das er vor langer Zeit begraben hatte, seinen Körper überflutete und ihn von innen heraus erhitzte.
Verdammt!
Reggie schüttelte den Kopf über das bescheuerte Timing seines Körpers und beeilte sich, den Mann abzutrocknen. Er tupfte ihn ab und zog ihm dann die Jogginghose an. Trotzdem wachte der Blonde nicht auf.
Als Reggie den Mann gut zugedeckt hatte, tastete er die Shorts ab. Er seufzte, als er in der Reißverschlusstasche der Badehose keine Brieftasche fand. Er fand jedoch ein Etui mit einer schicken, goldgerahmten Brille. Diese legte er auf den Couchtisch, hoffentlich im Blickfeld seines Gastes, wenn dieser erwachen würde.
Nachdem er die Badehose zum Trocknen ins Bad gehängt hatte, machte er sich auf den Weg, um seine Ausrüstung zu holen und seine Fische auszunehmen. Die ganze Zeit überlegte er, was er als Nächstes tun sollte.
So viel zu einem erholsamen Urlaub.
Er fühlte sich benebelt und verwirrt. Es fiel ihm schwer, die Augen zu öffnen. Die verschwommenen Bilder ergaben keinen Sinn. Nachdem er mehrmals geblinzelt hatte, stellte sich eines seiner Augen scharf. Das andere aber nicht.
Besorgt rieb er sein verschwommenes Auge. Nichts. Instinktiv rieb er sich beide Augen und fragte sich, was wohl geschehen war. Als er bemerkte, dass sich etwas bewegte, erstarrte er.
Blinzelnd blickte er weiter vor sich hin und versuchte, sich einen Reim darauf zu machen. Dann fiel sein Blick auf das Brillenetui auf dem Couchtisch, der einen Meter vor der Couch stand, auf der er lag. Richtig, seine Brille. Er musste eine Kontaktlinse verloren haben.
Was ist bloß passiert, dass ich eine Kontaktlinse verloren habe?
Er war sich nicht sicher. Das holte ihn zurück in die Gegenwart. Er schloss sein schlechtes Auge, sah sich um und nahm die urige Einrichtung und die Hüttenatmosphäre in sich auf. Ein unbehagliches Gefühl durchfuhr ihn.
Wo bin ich hier?
Als er hörte, wie sich eine Tür öffnete, die Scharniere knarrten und die Tür wieder geschlossen wurde, erstarrte er. Langsam rollte er sich auf die Seite und verzog das Gesicht wegen der pochenden Schmerzen in seinen Schläfen. Er hob eine Hand an seinen Hinterkopf und tastete vorsichtig nach seiner Kopfhaut. Als er eine Beule spürte, zuckte er zusammen.
„Hallo, Kumpel“, grummelte eine tiefe Stimme. „Ich bin froh, dass du wach bist. Wie geht’s dir?“
Er sah, wie ein Mann – ein verdammt großer Mann – um das Sofa herumging und an der Seite der Couch stehen blieb. Er konnte sich nicht zurückhalten und starrte den Mann an. Er spürte tatsächlich ein leichtes Gefühl der Erregung, von dem er selbst in seiner Verwirrtheit wusste, dass es völlig unangebracht war.
Der Mann schien Ende vierzig oder Anfang fünfzig zu sein. Er war über eins achtzig groß, hatte breite Schultern, eine kräftige Brust, über die sich sein weißes Unterhemd spannte, und eine schmale Taille mit ersten Anzeichen von Fettpölsterchen. Seine Arme waren leicht mit einer Mischung aus grauem und hellbraunem Haar bedeckt und sehr muskulös. So wie der Mann seine verblichene Jeans ausfüllte, wettete er, dass auch seine Beine kräftig gebaut waren.
Er war zwar etwas benebelt, aber er wusste, dass er schon immer eine Schwäche für ältere Männer gehabt hatte.
„Versuch einfach, dich zu entspannen“, riet ihm der Mann. Er nahm das Brillenetui in die Hand und ließ sich auf dem Couchtisch nieder. Das Holz knarrte ein wenig, aber es hielt. Der ältere Mann hielt das Etui hoch. „Haben deine Kontaktlinsen den Sturz in den Fluss überlebt, mein Freund?“ Sein Lächeln wirkte freundlich. „Ich habe deinen Gesichtsausdruck schon ein paar Mal auf dem Gesicht meiner Tochter gesehen. Du hast Probleme, klar zu sehen.“ Er runzelte die Stirn und richtete sich auf. Mit der freien Hand rieb er über seine kahle Kopfhaut. „Es sei denn, du hast eine Gehirnerschütterung. Deine Augen sind ziemlich geweitet, mein Freund. Wie fühlt sich dein Kopf an?“
Tochter? Ja, ich sollte seine Glatze wirklich nicht bewundern, egal wie sehr ich mit meinen Handflächen darüber streichen möchte.
Kopfverletzung. Das musste die Antwort sein.
„Ähm, kann ich die bitte haben?“ Er streckte seine Hand aus und blickte auf das Brillenetui. „Ich habe eine Kontaktlinse verloren.“
Der Mann reichte ihm das Etui.
Er tastete um sein linkes Auge herum und holte die Kontaktlinse schnell heraus. Er hielt sie auf seinem Finger, während er das Etui mit dem Daumen öffnete, und setzte sich die Brille mit den Drahtbügeln auf die Nase. Nach einer Sekunde des Zögerns schloss er das Etui, beugte sich vor und legte das Etui auf den Beistelltisch. Er legte die Kontaktlinse auf das Etui.
Als er den älteren Mann zum ersten Mal deutlich sah, bestätigte sich seine frühere Einschätzung.