Kaukasische Märchen - Erik Schreiber - E-Book

Kaukasische Märchen E-Book

Erik Schreiber

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Beschreibung

Dieses Taschenbuch beschreibt Märchen und Sagen von Drachen. Drachen sind seit Jahrhunderten faszinierende Wesen in Mythen und Geschichten, die in vielen Kulturen auf der ganzen Welt verehrt wurden. Der Inhalt wird aus alten Quellen bezogen und neu veröffentlicht. Mit dem vorliegenden Buch lernt man mit den Sagen und die eigene Heimat besser kennen.

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Seitenzahl: 219

Veröffentlichungsjahr: 2025

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Herausgeber

Erik Schreiber

Märchen Sagen und Legenden

Kaukasische Märchen

Saphir im Stahl

Märchen Sagen und Legenden 9

e-book: 286

Titel: Kaukasische Märchen

Erscheinungstermin: 01.03.2025

© Saphir im Stahl Verlag

Erik Schreiber

An der Laut 14

64404 Bickenbach

www.saphir-im-stahl.de

Titelbild:

Lektorat: Peter Heller

Vertrieb neobook

Herausgeber

Erik Schreiber

Märchen Sagen und Legenden

Kaukasische Märchen

Saphir im Stahl

Der Wortzer und die Bauersleute

Ein Wortzer ließ sich auf dem Hof eines Bauern nieder und fraß vom Futter der Hühner. Jedes Mal jagten ihn der Bauer und die Bäuerin fort. Das wollte der Wortzer ihnen nicht vergessen. Bald war die Erntezeit da. Der Bauer und die Bäuerin droschen das Korn mit dem Dreschflegel. Da kam der Wortzer angeflogen und setzte sich gerade auf den Kopf der Bäuerin. Schnell rief der Bauer: „Frau, halte still, heute bekommen wir den Scheitansvogel. Ich schlag ihn mit dem Flegel tot. Das gibt einen feinen Braten!“ Die Bäuerin hielt still, der Bauer holte mit dem Flegel aus. Ein Schlag. Der Wortzer flog frech davon, und das Eheweib des Bauern sank tot nieder.

Der Fuchs bringt einen Hammelbraten

Ein Mann hatte im Wald einen Fuchs gefangen. Er nahm einen Stock und wollte ihn erschlagen. Da sagte der Fuchs: „Lieber Mann, schlage mich nicht tot.“

„Warum denn nicht“, sagte der Mann. „Wenn du mir einen fetten Hammelbraten bringst, dann lasse ich dich laufen. Wenn du aber nicht in kürzester Zeit mit dem Schafbock hier bist, fange ich dich wieder, und dein Ende ist gekommen. Ich werde dir den Balg abziehen und ihn verkaufen.“ Da sprang der Fuchs schnell fort.

Nach einiger Zeit traf er den Bären: „Guten Tag, lieber Kamerad, kannst du mir nicht helfen?“ „Was hast du denn auf dem Herzen?“ fragte der Bär.

„Ein Mann hatte mich heute im Wald gefangen. Der will mich töten, wenn ich ihm nicht einen fetten Schafbock bringe. Komm mit mir und hilf mir!“

„Diesen Menschen werde ich töten. Ich bin stark genug“, antwortete der Bär. Und Bär und Fuchs machten sich auf den Weg. „Wo ist denn dieser Mann?“

„Ich geh voran“, sagte der Fuchs, „geh du hinter mir her und halte meinen Schwanz fest in deinen Tatzen. Da ist schon das Haus dieses Menschen!“

Der Mann stand auf dem Balkon seines Hauses und rief hinunter: „Ich habe dir doch gesagt, du sollst mir einen fetten Schafbock zum Schlachten bringen!“

Jetzt merkte der Bär erst, was los war. Er hat den Fuchs am Schwanz durch die Luft auf den Balkon dem Mann an den Kopf geschleudert und ist vor Angst schnell in den Wald gelaufen.

Der Speck wird nicht gegessen, weil er riecht

Der Bauer hatte ein großes Stück Speck an den Deckenbalken gehängt. Da schlich die Katze in das Haus und versuchte, durch verwegene Sprünge den Speck zu erreichen, um ihn herunterzuzerren und aufzufressen. Das gelang ihr trotz aller Mühe nicht. Da hob sie stolz ihr Haupt und sagte: „Ich mag diesen Speck nicht, er riecht zu stark.“

Am andern Tag brachte der Bauer ein noch größeres Stück Speck in die Stube und legte es auf den Tisch. In einem unbewachten Augenblick sprang die Katze hinzu, zog den frischen Speck in eine dunkle Ecke und fraß ihn auf. „Wie herrlich doch der frische Speck duftet“, sagte sie beim Fressen.

Eine Stunde später kam der Bauer und sah, dass der Speck verschwunden war. „Hast du den Speck weggehängt?“ fragte er die Bäuerin.

„Nein, ich habe kein Stück Speck gesehen“, antwortete die Frau.

„Dann hat die schlechte Katze unseren Speck gefressen!“ schrie puterrot der Bauer. „Das Vieh will ich erschlagen!“

„Ach, lieber Mann, tu das doch nicht. Wir haben viele Mäuse. Willst du einen doppelten Schaden anrichten? Du erschlägst unsere schöne Katze. Sie kann keine Mäuse mehr fangen. Ratten und Mäuse werden dann allen Speck, alles Getreide und auch das Mehl fressen!“ „Eigentlich hast du recht, liebe Frau“, sagte der Bauer, nahm einen Prügel und schlug immer noch einmal auf seinen eigenen Kopf, bis er tot umfiel.

Der diebische Fuchs

Eine Frau ging den Feldweg entlang, um ihrem Manne das Mittagsbrot zu bringen. Aber der kluge Fuchs hatte sie beobachtet, als sie mit ihrem Korb an den letzten Häusern des Dorfes vorbeieilte.

Schon war er zur Stelle und hinkte neben der Frau über das Feld. „Das gibt einen prächtigen Pelz“, sagte die Bauersfrau, stellte den Korb an den Wegrand und lief hinter dem Fuchs her. Dieser sprang mehrere Sätze, dann legte er sich wie tot auf den Boden. Das Weib wollte ihn greifen, da schoss das Tier wieder mit letzter Kraft eine kurze Wegstrecke davon, um wieder halbtot zusammenzubrechen. So trieb der Fuchs für eine lange Zeitspanne sein Spiel mit der Frau des Bauern. Dann schlug er ungesehen im hohen Gras eine andere Richtung ein und schnürte zurück nach dem Esskorb. Der war schnell ausgeplündert, und vom Fuchs war nichts mehr zu sehen.

Die Alte kehrte missmutig zum Weg zurück, nahm den Korb auf und zog ihrem Eheherrn entgegen, ohne zu bemerken, dass der Korb leer war.

„Mann, komm, das Essen ist schön warm!“ rief ihm zu.

„Ja, ich komme gleich“, rief er zurück und versorgte die Pferde. Dann setzten sich Mann und Frau nieder.

„Ah, das ist gut“, sagte der Mann und zog das Tuch vom Korb zurück. „Was ist das“, schrie er, „der Korb ist ja leer!“ Er nahm einen Prügel und begann, die Frau durchzuwalken. Die Frau schrie immer lauter: „Das hat der Scheitan getan, das hat der Scheitan getan!“ Endlich ließ der Mann von ihr ab, und sie humpelte zum Dorf zurück, um ein neues Mittagessen zu bereiten und es ihrem Mann zu bringen.

Da war das Füchslein wieder zur Stelle, und noch einmal trieb er sein Spiel mit der dummen Frau. Wieder eilte sie dem Tier nach, und wieder raubte der Fuchs das Mittagessen. Auch diesmal merkte sie nicht, dass der Korb leichter geworden war. Schon kam ihr der Bauer entgegen: „Na, wo ist mein Mittagsbrot?“

„Diesm:a1 habe ich es aber im Korb“, rief sie freudig. Dann sollte das Essen aus dem Korb geholt werden. Was war geschehen? Der Korb war wieder leer. Jetzt begann die Frau laut zu weinen. Und auch der Bauer glaubte nun, dass der Scheitan das Mittagsbrot gestohlen hatte.

Die Spinne und das Rheuma

Die Spinne und das Rheuma zogen durch das Land. In einem Dorf beschlossen sie, sich zu trennen und einen Dienst anzunehmen. Nach einigen Wochen wollten sie wieder zusammentreffen und ihre Erlebnisse austauschen. Die Spinne verdingte sich bei einem reichen Mann und zog dort ihre Netze, das Rheuma aber wählte die Hütte eines Armen und wollte dort seinen Dienst ausüben.

Nach einigen Wochen trafen die beiden Reisekameraden wieder zusammen. „Wie geht's?“ fragten sie sich gegenseitig. „Schlecht“, antworteten sie wie aus einem Munde.

„Der reiche Mann hat viele Dienstleute, die zerstören immer wieder meine Netze, ich werde nie mit meiner Arbeit fertig“, sagte die Spinne.

„Und der Arme muss Tag und Nacht arbeiten, an dem ist meine Arbeit vergebens“, bemerkte das Rheuma.

„Dann wollen wir den Arbeitsplatz tauschen“, schlug die Spinne vor. Damit war das Rheuma einverstanden, und so geschah es auch. Nach einigen Wochen trafen die beiden Wandergesellen wieder zusammen. „Na, wie geht's, wie steht's?“

„Großartig steht's“, sagten beide zugleich, und jeder berichtete von seinen Erlebnissen. Der Reiche saß den ganzen Tag in seiner Stube und arbeitete nicht, aber das Rheuma arbeitete an ihm. Es hatte ihn schon ganz krumm geplagt. Alle Diener hörten sein lautes Schreien. Der arme Mann hatte nie Zeit gehabt, seine Stube zu fegen. Die Spinne konnte unbesorgt ihre Netze flechten und das auch an hellen Ecken und vor dem Fenster.

„Dann haben wir ja reichliche und gute Arbeit gefunden“, sagten die Kameraden und trennten sich zufrieden, um wieder ihrer Arbeit nachzugehen.

Warum ist der Schwalbenschwanz gespalten?

Schon seit den Urtagen hatte die Schwalbe die Menschen geliebt und ihre Nähe gesucht. Einmal flog sie über das Feld und musste mit ansehen, wie sich eine große Schlange auf einen Mann stürzte und ihn schwer verletzte. Schnell flog sie in den Wald und kehrte mit heilenden Kräutern zurück, die sie dem Mann auf die Bisswunden legte. Der Mann war durch den Kampf ermattet und sehr durstig. Die mitleidige Schwalbe konnte das nicht ertragen. Sie flog hin und her und schöpfte mit ihrem Schnabel Wasser und netzte die Lippen des Durstigen. Das sah die Schlange, die durch den Kampf auch schwere Wunden davongetragen hatte. Sie kroch wieder auf den Kampfplatz und versuchte, die Schwalbe mit dem Schwanz abzuwehren, denn ihrem Feind gönnte sie keinen Tropfen Wasser. Es gelang ihr, die Schwalbe zu vertreiben. Ein Schlag aber traf den Schwanz des Vogels. Seit dieser Zeit ist der Schwalbenschwanz gespalten.

Wie der Halohn erschaffen wurde

Der Halohn ist ein scheuer Vogel. Oft hört man ihn rufen: Huhuhuhuu! Huhuhuhuu! Dieser Vogel war früher ein schönes und sanftes Fräulein. Es lebte auch ganz zurückgezogen im Hause der Eltern. Da kam eines Tages ein stattlicher und tapferer Reiter. Der sprach bei den Eltern vor und bat sie, das Fräulein heiraten zu dürfen. Die Eltern sagten freudig zu und luden den Reiter als lieben Gast ein, bei ihnen im Hause zu bleiben. Am Abend griff das Mädchen mit an, die schweren Reiterstiefel vom Bein des Gastes zu ziehen. Da strich ihr ein verschämter Wind durch die Stube. Mit rotem Gesicht lief das Mädchen aus der Stube in den Garten und rief Allah an: „Verwandle mich in einen Vogel, weil ich mich so unsagbar schäme.“ Gott rührte diese Bitte und verwandelte sie in den Halohn. Seit dieser Zeit ruft der Vogel ständig: „Huhuhuhuu! Das war ich nicht, das war der Stiefel! Huhuhuhuu!“

Warum die Häsin nur drei Tage Milch gibt

Als die Wildhäsin zum ersten Male Junge geworfen hatte, wurde sie missmutig und ungehalten, weil sie diese auch säugen sollte. Sie schaute die kleinen Hasen an und fragte: „Wie lange soll ich euch säugen, wie lange braucht ihr meine Milch, drei Monate oder drei Taaaaaaaage?“

Die Kleinen haben gedacht, drei Taaaaaaaage sind ein längerer Zeitabschnitt als drei Monate und haben sofort im Chor geantwortet: „Drei Taaaaaaaage!“ Seit dieser Zeit bekommen die Junghasen nur drei Tage nach ihrer Geburt die Muttermilch.

Das Zauberross.

Einmal spielte ein Junge mit seinem Kreisel auf der Straße. Da rollte der Kreisel in einen Graben und fiel in ein tiefes Loch. Der Junge sprang dem Kreisel nach, zwängte sich in das Loch und stieg immer tiefer und tiefer, um seinen Kreisel zu holen. Die Höhle weitete sich zu einer Kammer, und die Kammer führte in einen Saal, der zu einem Schloss gehörte. Das unterirdische Schloss aber war der Besitz eines grausamen Woijuks. Im Stall hatte er ein nachtschwarzes und ein schneeweißes Pferd stehen. Der Woijuk war für lange Zeit ausser Landes gegangen, und die Pferde bewachten seinen Palast. Als der Junge über den Hof schreiten wollte, stürmte der Rappe aus dem Stall und wollte den Jungen zertrampeln. Gerade noch rechtzeitig jagte der Schimmel herbei, um den Jungen zu schützen. Das Ross sprach: „Wo kommst du denn her, mein Junge? Weißt du überhaupt, wo du bist? Das Schloss gehört dem Woijuk. Wenn der dich hier findet, zerreißt er dich und frisst dich.“

„Ich suche nur meinen Kreisel, der mir beim Spielen in das tiefe Loch gefallen ist.“ Der Schimmel sprach weiter freundlich mit dem jungen. Der wollte sich gar nicht von den Pferden trennen. Er blieb in dem Schloss und pflegte die Pferde ein ganzes langes Jahr.

Als die Zeit herankam, in welcher die Rückkehr des Woijuks erwartet wurde, sagte das weiße Pferd: „Verstecke dich hier im Schloss. Wenn der Woijuk kommt, werde ich mit ihm sprechen. Vielleicht lässt er dich am Leben. Vielleicht darfst du auch bei uns bleiben.“ Und so geschah es.

Am andern Tag kam der Woijuk nach Hause. Er rollte seine Augen und rief mit dröhnender Stimme: „Was ist das hier für ein Geruch? Was riecht hier so fremd?“ Da rief der Schimmel: „Das ist die Luft, die du selbst aus der Fremde mitgebracht hast.“

„Das ist nicht wahr!“ drohte der Woijuk, „es riecht hier nach einem fremden Menschen!“ Da wieherte der Schimmel wieder: „Nun will ich dir die Wahrheit sagen. Als du fort warst, habe ich Gott um Gesellschaft gebeten, weil ich immer so allein bin. Und da hat er mir einen Jungen geschickt, der hat unseren Stall sauber gehalten. Den darfst du nicht töten!“

„Gut!“ rief der Woijuk mit rollender Stimme: „Wenn das so ist? Ich bin froh darüber. Der Junge soll auch mein Kind sein. Zeige ihn mir!“

Da hat der Schimmel den jungen gerufen: „Komm her, junge, es tut dir niemand ein Leid, zeige dich unserm Herrn!“ Und der Junge kroch aus seinem Versteck. „Ach das bist du?“ sagte der Woijuk, „tritt nur näher.“ Er nahm ihn auf seinen Schoß und küsste ihn mit seinen breiten Lippen. „Da, komm her, iss und trink, und lass es dir gut schmecken!“ Dann zeigte der Woijuk ihm seinen unterirdischen Palast.

Dort waren herrliche Kammern, Stuben und Säle. Alles glänzte von Gold, Silber und Diamanten. Dann kamen sie an eine eiserne Tür. Sie verhielten davor, und der Woijuk sagte: „Diese Kammer darfst du nie betreten, wenn dir dein Leben lieb ist. In dieser Kammer befindet sich ein großes Geheimnis.“ Danach blieb der Woijuk noch einige Tage im Schloss, um dann wieder eine weite Reise anzutreten.

Der Woijuk war schon zehn Jahre ausgeblieben, und der junge verlebte herrliche Tage im Schloss. Er wurde größer und klüger, und seine Freundschaft mit dem Schimmel wurde immer fester. Bald hatte er die ernste Ermahnung des Woijuk vergessen. Er öffnete die eiserne Tür und trat in das verbotene Gemach. Da sah er in der Mitte des Fußbodens ein großes tiefes Bassin eingelassen, das war gefüllt mit Goldwasser. Eine zweite Vertiefung enthielt ganze Haufen von Edelsteinen. Die Neugier des jungen wuchs, je näher er an das Bassin mit dem Goldwasser kam. Er konnte sich nicht bezwingen, er nahm seinen Finger und tauchte ihn in das Wasser. Da war sein Finger mit festem dichtem Goldblech umgeben. Erschrocken lief er zum Schimmel, hob seinen Finger in die Höhe und berichtete sein Missgeschick. Der Schimmel begann zu jammern: „Mein Gott, was hast du getan? Jetzt musst du sterben. Der Woijuk hat dir doch gesagt, du sollst das verbotene Zimmer nicht betreten!“ Nun ließ der Junge den Kopf hängen und sagte kein Wort mehr.

Aber der treue Schimmel wusste einen Rat: Er sagte: „Binde mich los und führe mich in das verbotene Zimmer. Dort werden wir beide in das Goldwasser tauchen, bis wir ganz mit Gold bedeckt sind. Dann wollen wir fliehen. Aber wir müssen uns sehr beeilen. Die Strecke, welche wir in drei Tagen zurücklegen, schafft das schwarze Pferd an einem Tage. Wenn uns aber der Woijuk fängt, müssen wir beide sterben.“

Das Pferd hatte gesprochen, die beiden Kameraden badeten im Goldwasser und machten sich reisefertig. Der Knabe bestieg das Goldross, und schon flogen sie über den Wolken dahin. In den Satteltaschen führten sie alle Edelsteine aus der zweiten Vertiefung mit sich. Auch eine Wollpeitsche hatte der Junge auf den Rat des Pferdes mitgenommen.

Nach drei Tagen kehrte der Woijuk von seiner Wanderreise zurück. Da waren der Schimmel und der Junge verschwunden. Dann betrat er seine Schatzkammer. Alle Reichtümer waren gestohlen. Nun begann er, das schwarze Ross auszufragen. Und der Rappe erzählte dem Woijuk, was sich zugetragen hatte.

Drei Tage waren das Goldross und der Junge schon am Himmel dahingeflogen. Da schaute sich das Pferd einmal um, und sah fern am Horizont eine dunkle Wolke aufziehen. Da wusste es sofort, dass der Woijuk auf dem Rappen sie verfolgte. Die schwarze Wolke wuchs und wuchs und kam immer näher. Da sagte das Pferd: „Greif in die rechte Satteltasche und wirf den großen Kamm nach unten!“ Der Junge öffnete die Tasche, fand den Kamm und warf ihn nach hinten. Da wuchs ein hoher Berg empor mit spitzen Pfählen. Die Wolke hinter ihnen wurde kleiner und kleiner und war bald nicht mehr zu sehen. Der Woijuk aber musste sich mit seinem Rappen mühen, über den Berg durch die spitzen Pfähle zu klettern.

Der Junge mit seinem Schimmel sah jedoch bald ein gewaltiges Meer vor sich. Als sie das Gestade erreicht hatten, sagte der Schimmel wieder: „Nimm die Wollpeitsche und schlage dreimal auf das Wasser!“ Und der Junge gehorchte seinem Tier. Da wölbte sich eine herrliche hohe Brücke über das Meer. Sie sprengten auf den hohen Bogen und jagten dem andern Ufer des Meeres entgegen. Kaum hatten sie den Strand betreten, da tobte auch schon der Woijuk mit seinem Rappen über die Brücke. „Schlage schnell mit der Peitsche auf die Brücke, sonst sind wir verloren!“ rief der Schimmel, und der Junge konnte kaum schnell genug auf die Brücke schlagen, als sie auch schon donnernd zusammenbrach und in das Meer stürzte. Mit ihr versanken auch der Woijuk und sein kohlschwarzes Ross in den Abgrund der Fluten. So konnten nun Ross und Reiter ohne Furcht ihre Reise fortsetzen.

Das Pferd trug seinen Reiter bis an ein großes Dorf. Dann sprach es: „Wir wollen nun voneinander Abschied nehmen. Hier nimm dir ein Haar von mir. Wenn du in Not bist, brenne es an, ich werde sofort bei dir sein und dir helfen.“ Danach erhob sich das Pferd in die Lüfte und ward bald nicht mehr gesehen. Der Junge verwahrte aber sorgsam das Haar seines Zauberpferdes.

Bei dem Dorf erhob sich das glänzende Schloss eines mächtigen Zaren. Dieser Zar hatte eine schöne Tochter, die gern am Fenster stand und dem Getriebe der Arbeiter und Diener zusah. Der Jüngling kam an diesen Zarenhof und bat um Arbeit. Es war aber keine Dienerstelle frei. So wurde er den Arbeitern zugewiesen, die einen großen Graben um das Schloss ausheben mussten.

Eines Tages brannte die Sonne heiß vom Himmel. Der Jüngling hatte in der Mittagspause seine Jacke ausgezogen und legte sich in das Gras, um zu ruhen. Da stand gerade die Zarentochter am Fenster und sah, dass der Junge ganz mit Gold bedeckt war. Er gefiel ihr auf den ersten Blick und sie gelobte: „Den will ich heiraten und keinen anderen!“

Nach einigen Tagen fasste die Zarentochter Mut und ging zu ihrem Vater. Und sie sprach: „Mein lieber Vater, ich bin nun alt genug, um zu heiraten. Erfülle mir den Wunsch, mir einen Mann zu wählen.“ Der Zar war hocherfreut und ließ alle Zaren und Zarensöhne der Weltkugel zusammenrufen. Er verkündete, dass seine Tochter dem Auserwählten ein Glas Wein reichen würde.

Bald hatten sich alle Zaren und Zarensöhne auf einem großen Platz versammelt. Die Zarentochter schritt mit dem gefüllten Weinglas durch die Reihen und zögerte, einem der Herren das Glas zu reichen. Als der alte Zar ungeduldig zu werden drohte, sagte sie, dass ihr Auserwählter nicht dabei sei.

Da ließ der Zar alle Männer seines weiten Reiches zusammentrommeln und ließ noch einmal die Neuigkeit am Zarenhof verkünden. Die Zarentochter schritt wieder mit ihrem Glas die Reihen entlang und entdeckte endlich den goldenen Jüngling. Schnell ging sie auf ihn zu und reichte ihm das volle Glas. Da hat das Volk laut aufgeschrien, und der Zar geriet in den höchsten Zorn. Er rief: „Ich habe meine Tochter verloren, ich will sie nicht mehr sehen!“ Da sagte die Prinzessin ruhig: „Sei still, lieber Vater, ich weiß etwas, das du nicht weißt. Wenn ich aber für dich verloren sein soll, dann sollst du auch nicht mehr mein Vater sein.“ So zog sie mit ihrem angetrauten Mann in eine dürftige Hütte. Ihre beiden Schwestern aber heirateten zwei reiche und mächtige Zarensöhne.

Nach einiger Zeit wurde der Zar sehr krank. Alle berühmten Ärzte des Landes wurden aufgeboten, aber keiner konnte helfen. Da traf der älteste und berühmteste Arzt am Hofe ein und wurde vor den Zaren geführt. Er sagte, dass nur Hirschmilch den Zaren wieder genesen machen könnte. „Aber wo kriegen wir diese Hirschmilch her?“ fragte der Zar. Da riefen seine beiden Schwiegersöhne zugleich aus: „Wir werden gemeinsam ausziehen und die Hirschmilch besorgen, koste es, was es wolle.“ So ritten sie denn am andern Morgen fort.

Das sagte auch der arme Schwiegersohn des Zaren, dass er das Heilmittel herbeischaffen wolle. Seine Frau, die Zarentochter, stimmte zu, denn auch sie wollte das Leben des Vaters erhalten. Da nahm der Gräberknecht das Pferdehaar aus der Tasche und brannte es an. Schon rauschte es in den Lüften, und das Goldpferd ließ sich nieder. „Was liegt an?“ fragte es und schnaubte aus den Nüstern. Schnell waren die Worte gesprochen, aber lang war der Ritt durch die Lüfte, denn das Zauberross führte seinen Freund direkt zum König der Hirsche. Dieser wohnte hinter siebenmal sieben Bergen. Er lag mit großen Schmerzen in seinem Schloss. Sein Fuß war vereitert, und er stöhnte ununterbrochen. Der Schimmel sagte zu seinem Freund: „Geh erst hinein, wenn der König der Hirsche eingeschlafen ist. Der Hirschkönig hasst den Anblick der Menschen. Er könnte dich zerreißen oder mit seinem Geweih zerfleischen. Nimm dieses Messer hier und öffne die große Eiterbeule. Dem Hirschkönig wird gleich wohler werden. Verstecke dich aber gut, und lasse dich erst sehn, wenn du gerufen wirst.“

Der junge Mann befolgte treulich den Rat seines Freundes. Als der Hirschkönig eingeschlafen war, öffnete er mit dem Messer die Eiterbeule, und der Eiter spritzte heraus. Dann versteckte er sich geschwind.

Der Hirschkönig wachte auf und verspürte sofort eine große Erleichterung. Er sagte: „Jetzt hat mir Gott geholfen. Wer mag mir nur die Beule aufgeschnitten haben? Bitte zeige dich!“ Da trat der Schwiegersohn des Zaren aus seinem Versteck hervor: „Da bin ich!“ Da hat ihn der Hirschkönig abgedrückt und hat sich bei ihm immer wieder bedankt. „Ich gebe dir alles, was du dir nur wünschen kannst und noch viel mehr obendrein“, sagte er. „Ich brauche nur etwas Hirschmilch“, sagte der Goldjunge freudig. „Diesen Wunsch erfülle ich dir gern“, war die Antwort. Schnell wurde das Heilmittel herbeigeholt, der junge bedankte sich herzlich, das Ross schnaubte, und schon ging es im Fluge über Berge und Wälder.

Aber auch die Schwäger hatten ihr Glück versucht, ihre Mühe war jedoch vergebens. Als sie schon lange geritten waren, füllten sie Kuhmilch in ihre Flaschen, um sie dem kranken Zaren zu bringen. Da sahen sie das Zauberross. Und sie riefen: „Das ist ein Himmelsross!“ Das Zauberpferd senkte sich nieder. Beide Männer erkannten den Reiter nicht. Dieser fragte: „Was ist euer Ziel, wohin des Weges?“ Schnell waren die Umstände ihrer mühsamen Fahrt erzählt. Da sagte der goldene Reiter: „Hirschmilch? Die habe ich bei mir.“

„Wir geben dir alle Reichtümer der Welt, wenn wir die Hirschmilch bekommen können“, bettelten sie. „Nein, ich will nur eure Ringe, in die eure Namen eingelassen sind“, sagte der Reiter des goldenen Pferdes. Nach langem Widerstreben gaben sie ihm die Ringe. Der listige goldene Reiter gab ihnen aber auch nur eine Flasche Kuhmilch. Danach ritt wieder jeder seine Straße.

Kaum waren die Schwäger in der Heimat angekommen, ließen sie sich beim Zaren melden, überreichten ihm die Kuhmilch und wünschten ihm baldige Genesung. Der Zar trank die Milch, bekam aber einen Durchfall und wurde noch kränker. Der Arzt musste feststellen, dass der Zar Kuhmilch getrunken hatte. Der goldene Reiter war inzwischen wieder in sein schmutziges Gewand geschlüpft. Die Hirschmilch gab er seiner Frau, der Zarentochter. Sie sollte die Hirschmilch heimlich dem Arzt übergeben. Und so geschah es. Der Zar trank die Hirschmilch und wurde wieder gesund. Er war in dem Glauben, dass seine vornehmen Schwiegersöhne ihm geholfen hätten. Ein großes Fest wurde ausgerichtet und viele Gäste geladen. Zu den geladenen Zaren und Zarensöhnen sprach er: „Das sind meine lieben Schwiegersöhne, die mich vor dem Tod bewahrt haben.“ Der goldene Reiter und seine Frau hörten alles und schwiegen. Nach dem Fest baute der Zar seinen beiden Lieblingsschwiegersöhnen große herrliche Schlösser. Seine jüngste Tochter aber musste mit ihrem Gräberknecht weiter in der armen Hütte wohnen.

Nach einem halben Jahr wurde der Zar wieder krank, und bald war er dem Tode nahe. Diesmal sagte der alte Arzt: „Es gibt da nur ein ganz geheimes Mittel. Das sind Hirschleber und Hirschnieren von den Hirschen hinter den siebenmal sieben Bergen.“ Gleich waren die beiden Schwäger wieder bereit, das Heilmittel herbeizuschaffen. Der Mann der armen Zarentochter zündete wieder das Haar seines Pferdes an und flog mit ihm in den Palast des Hirschkönigs. Dort wurde er freudig empfangen und bekam auf seine Bitte das Heilmittel. Dann sagte der König der Hirsche: „Nun will ich dir gleich noch eine ganz besondere Medizin mitgeben. Das ist die beste Medizin der Welt, die Galle eines Bären.“ Der Goldreiter bedankte sich wieder herzlich bei seinem Freunde, dem Hirschkönig, und flog mit dem Goldpferd wieder dem Zarenschlosse zu.

Unterwegs hielten sie, als sie wieder die Schwäger erspähten. Nun bettelten sie ohne Unterlass um das neue Heilmittel. „Gut, ich gebe euch das Mittel, aber diesmal müsst ihr eure Ohrläppchen lassen.“ Da half kein jammern, der arme Schwager blieb hart. Er zog sein Messer und beschnitt ihnen die Ohren. Er verwahrte die Ohrläppchen gut in seiner Tasche und gab ihnen eine Rindsleber und ein Paar Rindsnieren. Dann flog er mit seinem Pferd vor die Hütte und zog sein Arbeitsgewand wieder an. Eine Stunde später war er wieder dabei, Gräben für den Zaren zu ziehen.

Die beiden stolzen Schwäger kehrten ohne Ohrläppchen aber mit Rindsleber und Rindsnieren zurück. Vom Genuss des Fleisches wurde der Zar noch kränker. Erst, als seine jüngste Tochter die Medizin des Hirschkönigs gebracht hatte und der Zar sie verzehrt hatte, wurde er langsam gesund. Noch einmal gab er seinen beiden vornehmen Schwiegersöhnen zu Ehren ein Fest. Wieder wurden sie gelobt und mit Kostbarkeiten überhäuft.

Aber nach einem halben Jahr war der Zar wieder sehr krank. Alle Ärzte hatten ihn aufgegeben. Da trat der Mann der jüngsten Zarentochter in seinem zerrissenen und schmutzigen Gewand in den Saal, ließ dem Zaren die Bärengalle reichen und begab sich wieder in seine Hütte. Auch der Arzt hatte aus seinem Buch gelesen, dass Bärengalle die beste Medizin der Welt sei. Aber der Zar sagte: „Was willst du denn hier!“ Erst nach dem Genuss der Medizin wurde er freundlicher, als sich die ersten Zeichen einer Besserung bemerkbar machten. Nach einigen Tagen war er wieder völlig gesund.