Sagen aus Litauen 2 - Erik Schreiber - E-Book

Sagen aus Litauen 2 E-Book

Erik Schreiber

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Beschreibung

Dieses Taschenbuch beschreibt Märchen und Sagen aus Litauen in seinem zweiten Band. Die baltischen Staaten waren schon immer faszinierend. Die Märchen und Sagen werden aus alten Quellen bezogen und neu veröffentlicht. Mit dem vorliegenden Buch lernt man mit den Sagen und Märchen nicht nur die eigene Heimat besser kennen, sondern auch die Märchen der fremden Lande, die doch so vertraut sind.

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Seitenzahl: 178

Veröffentlichungsjahr: 2025

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Herausgeber

Erik Schreiber

Märchen Sagen und Legenden

Sagen und Märchen

aus Litauen 2

Märchen Sagen und Legenden 26

e-book: 292

Titel: Sagen und Märchen aus Litauen 2

Erscheinungstermin: 01.05.2025

© Erik Schreiber

An der Laut 14

64404 Bickenbach

Titelbild: Frank C. Pape

Lektorat: Peter Heller

Vertrieb neobook

Herausgeber

Erik Schreiber

Märchen Sagen und Legenden

Sagen und Märchen

aus Litauen 2

Inhaltsverzeichnis

Vorrede

Vom Räuber

Vom trägen Mädchen

Von dem Prinzen, der bei dem Satan in Diensten stand und den König aus der Hölle befreite

Von den zwei Fischerssöhnen

Von der Königstochter

Von den Steinen

Vom Zimmermann, Perkun und dem Teufel

Vom verwünschten Schloss

Von den neun Brüdern

Wer kann besser lügen?

Vom Königssohn und seinen Tieren

Von dem Jungen, der die drei Königstöchter von den Drachen erlöste

Von dem alten Soldaten, der die drei Königstöchter befreite

Vom Juden und Petrus

Vom Bartmännlein

Vom König und seinen drei Söhnen

Vom Kater und dem Sperling

Von der goldenen Brücke

Vom Schmied, der den Teufel dran kriegte

Von einem Bauern, der ein großer Schelm war

Vorrede

Um die Märchen, Sprichworte, Rätsel, Lieder und Sprüche des litauischen Volkes auch denen zugänglich zu machen, die des Litauischen nicht kundig sind, habe ich mein litauisches Lesebuch ins Deutsche übersetzt. Auch ist diese Übersetzung manchem eine willkommene Beihilfe zum Verständniss schwieriger Stellen des litauischen Originals. Leider muste ich in der Übersetzung gar manches weg lassen; so vor allem den aufs Sexuelle bezüglichen Schmutz; ferner manches wirklich Unübersetzbare, als Rätsel, die aus lauter selbst den Litauern unverständlichen Rätselworten bestehen; Sprichworte, die nur einem zufälligen Gleichklang der Worte ihre Entstehung danken, Dainas (Lieder), die ihre Wirkung nur durch die in ihnen angewandten eigentümlich gebildeten Worte haben. Ob ich, besonders in den Sprichworten, die größtenteils einem alten handschriftlichen Wörterbuche entnommen sind, überall das Rechte getroffen, wage ich nicht zu behaupten, obgleich ich mich mit der litauischen Sprache vertraut gemacht und überdies bei zweifelhaften Stellen den Rat eines Eingeborenen eingeholt habe. Ich gab mir Mühe, so treu als möglich zu übersetzen und gab also oft den Reim in den Sprichworten der Treue der Übertragung wegen auf; ja ich setzte bisweilen da, wo sich die Begriffe im Litauischen und Deutschen nicht decken, ein Wort zur Erklärung bei, obwohl ich weiß, dass das ein schlechter Notbehelf ist. Wo ich nur die Wahl zwischen weniger gutem Deutsch aber treuer und wörtlicher Übertragung und einer fließenden aber freien Übertragung hatte, zog ich die wörtliche Übersetzung vor. Übrigens ist übersetzen nicht mein Fach, und ich bitte deshalb den Leser um nachsichtige Beurteilung etwa sich findender Schwächen; ich konnte und wollte aber nicht die Übersetzung meiner unter Entbehrung und Mühsal zusammengebrachten Sammlung eines Teiles der mündlich überlieferten Literatur des litauischen Volkes fremden Händen überlassen.

Eine Sammlung litauischer Märchen, Sprichworte und Rätsel treten hier zum ersten Mal an das Licht. Dainas hat Neßelmann bereits in Fülle geboten, deshalb gebe ich hier nur weniges, aber namentlich das mythologisch wichtige und einiges bisher ungedruckte. Von den von mir gesammelten Liedern stehen einige schon bei Neßelmann, dem ich sie für seine Sammlung mitteilte. Übrigens habe ich nicht alle Lieder meiner Sammlung übersetzt, sondern nur die bedeutenderen. Die Singweisen habe ich, leider nur zu wenigen Liedern, selbst den Singenden nach geschrieben, und ich kann für die Richtigkeit der Aufzeichnung daher einstehen. Obwohl die Dainas stets einstimmig gesungen werden, so glaubte ich doch die höchst eigentümlichen, ja bedeutenden Weisen dieser Lieder durch Zugabe einer einfachen Klavierbegleitung unserem Geschmack zugänglicher zu machen; durch die Noten, die ich der Melodie untergelegt, suchte ich den Eindruck wieder zu geben, den die Lieder auf mich machten, als ich sie singen hörte.

Gerne hätte ich mehr Märchen mitgeteilt und zum Teile Gewählteres und besser Erzähltes geboten. Der Reichtum der litauischen Nation an Märchen ist sehr groß. Mancher Erzähler könnte einen ansehnlichen Band voll diktieren. Diesen Schatz wüste ich gerne gehoben und geborgen. Ich kenne einen zur Aufzeichnung vollkommen befähigten Litauer, welcher gegen eine angemessene Geldentschädigung für Reisekosten, Zeit und Mühe ein solches Unternehmen ausführte; ich selbst aber bin nicht im Besitz der erforderlichen Mittel.

Ich teile das von mir, teilweise mit Beihilfe Eingeborner, Zusammengebrachte hier ohne Anmerkungen mit. Das Gebiet der Sprachwissenschaft ist ein so ausgedehntes, dass mich wohl kein Vorwurf deswegen treffen kann, weil ich mich darauf beschränke, dem Forscher zuverlässiges Material in die Hände zu geben.

Jena, im Sommer 1857

August Schleicher.

Vom Räuber

Es war einmal ein Landwirt, der hatte eine Tochter. Einmal war er mit seiner Frau auf einige Tage weggefahren und hatte die Tochter allein gelassen. Eines Abends, während sie allein zu Hause war, kamen zwölf Räuber, die gruben sich unter der Wand des Hauses durch und krochen da hinein. So wie aber einer hineingekrochen war, hieb sie ihm mit dem Beile den Kopf ab und zog ihn hinein; so tat sie mit dem andern und so mit allen eilfen. Und wie der zwölfte hinein kroch, da merkte er, dass es da so nass sei; da zog er sich zurück und sie konnte ihm nicht den ganzen Kopf abhauen, sondern nur die Hälfte, und er lief davon. Nach nicht langer Zeit kam er zu dem Mädchen auf Brautschau, aber sie wollte ihn durchaus nicht. Als jedoch ihre Eltern sie nötigten, da musste sie ihn nehmen. Wie sie mit ihm fuhr, ließ er sich von ihr den Kopf absuchen; da fand sie, dass das nur ein halber Kopf war, aber sie dachte doch nicht daran, dass es jener Räuber sei. Als er mit ihr nach Hause gekommen war, da ließ er sie Wasser in den Kessel tragen. Es war eine alte Frau im Hause, die fragte sie: „Wozu hab ich denn so viel Wasser zu tragen?“

Die Frau sagte zu ihr „Das, scheint mir, wird für dich sein.“ Und sie sagte weiter zu ihr „Ich will dir sagen, was du tun must. Wenn du zum Teich hin kommst, da lege du einem Pfahl deine Kleider an und lauf dann weg.“

So geschah es. Jetzt ward dem Räuber die Zeit lang, weil sie so lange nicht wieder kam, und er lief schnell hin, um zu sehen, was sie so lange mache; und wie er nahe herbeigekommen war, da sah er, dass es ein Pfahl sei. Da merkte er, dass da List im Spiel und dass die Frau entlaufen sei. Sogleich setzte er mit andern Räubern ihr nach, sie fanden sie jedoch nicht. Wie sie durch einen Wald lief und jene hinter ihr, da erstieg sie einen Baum und einer der Räuber stach mit einer langen Pike in die Höhe und traf sie zufällig in den Fuß. Das Blut floss, aber es war schon abends und man konnte sie nicht sehen, und einer der Räuber sagte „Ach, das regnet schön!“

Da sie sie nicht fanden, gingen sie wieder nach Hause. Zu Hause sah der Räuber beim Spahnlicht, dass er ganz voll Blut war und sagte „So war die Kröte doch da!“

Tags darauf gingen sie wieder aus, sie zu suchen. Das Mädchen war aber noch immer im Wald. Da sah sie einen Wagen voll Baumrinde fahren und bat den Menschen, der beim Wagen war, er möge sie unter die Rinde kriechen lassen und mitnehmen; und er gabs zu. Da kamen die Räuber und fragten den Menschen, ob er hier kein Mädchen habe gehen sehen. Er sagte „Nein;“ sie aber glaubten es nicht und begannen selbst die Rinde vom Wagen zu werfen bis auf die letzte Schicht, die sie liegen ließen, indem sie dachten, dass sie da doch nicht sein werde. Darauf gingen die Räuber nach Hause und das Mädchen auch. Nach nicht langer Zeit kam aber der Räuber wieder zu dem Mädchen; jetzt wussten aber alle, was er für einer sei, und sie brachten ihn um.

Vom trägen Mädchen

Eine Frau hatte eine sehr faule Tochter, die zu keiner Arbeit Lust hatte; da führte sie sie auf einen Kreuzweg und auf dem Kreuzweg prügelte sie sie durch. Da fuhr ein Herr des Weges daher, und das war ein Edelmann, und er fragte, weshalb sie das Mädchen so prügele. Sie sagte:

„Herrchen, sie ist eine solche Arbeiterin, ja sie kann uns das Moos von der Wand ab spinnen.“

Da sagte der Herr „Ei da gib sie nur mir, ich habe zu Hause genug zu spinnen.“

Da sagte die Frau „Nehmt sie nur mit, nehmt sie nur mit, ich will sie nicht mehr.“

Wie nun der Herr mit ihr nach Hause kam, da stopfte er ihr den ersten Abend ein ganzes Fass voll Werg, auch Heede genannt, grober, schlechter Flachs und führte sie in eine Stube allein.

Jetzt ward es ihr angst: „Spinnen mag ich nicht und kann ich nicht.“

Da kommen des Abends drei Laumes daher und klopfen ans Fenster und das Mädchen ließ sie schnell ein. Die Laumes sagten:

„Wirst du uns auf deine Hochzeit laden, so wollen wir dir heute Abend spinnen helfen.“

Schnell erwiderte sie „Spinnt nur, spinnt, ich werde euch laden.“

Da spinnen denn die Laumes den ersten Abend das ganze Fass leer: das faule Mädchen schlief stets, die Laumes spannen. Am Morgen kam der Herr nachsehen: das Mädchen das schlief und die ganze Wand des Zimmers hing voll Gespinst. Da ließ der Herr niemanden in das Zimmer des Mädchens, damit sie recht ausschlafen könne nach so großer Arbeit. Und den anderen Tag stopfte er ihr ein eben so großes Fass voll Flachs. Die Laumes erschienen wieder und es begab sich wie am ersten Abend. Da hatte der Herr nichts mehr zu spinnen und er sprach:

„Jetzt will ich dich heiraten, da du eine so vortreffliche Arbeiterin bist.“

Den Tag vor der Hochzeit sagte das Mädchen zum Herrn „Ich muß noch gehen meine drei Tanten einladen.“

Und der Herr ließ sie gehen. Als sie nun kamen und sich hinter den Ofen setzten, da kam der Herr um sie anzusehen und als er sie sah in ihrer Hässlichkeit, da sagte er zu seinem Mädchen:

„Aber deine Tanten sind sehr unschön.“ Und die eine Laume fragte er, weshalb sie solch lange Nase habe. Sie erwiderte dem Herrn:

„Herrchen, das ist von dem starken Spinnen; wenn man immer spinnt und der Kopf so nickt, da dehnt sich die Nase so stark in die Länge.“ Da fragte er die andere, weshalb sie so dicke Lippen habe. Sie erwiderte dem Herrn:

„Herrchen, das ist von dem starken Spinnen; wenn man immer spinnt und immer netzt, da werden die Lippen so dick.“

Da fragte er die dritte, weshalb sie einen so ungefügen Steiß habe. Sie erwiderte dem Herrn:

„Herrchen, das ist von dem starken Spinnen; wenn man immer spinnt und immer sitzt, da wird der Steiß so ungefüge.“ Da überkam ihn die Angst, seine Gemahlin könne vom Spinnen eben so hässlich werden, und schnell warf er den Rocken in den Ofen.

Von dem Prinzen, der bei dem Satan in Diensten stand und den König aus der Hölle befreite

Es war ein König, der hatte drei Söhne, die gingen einmal in den Wald jagen, und da verirrte sich der eine und nur die zwei andern kamen wieder heim. Der Wald war groß, und der Prinz, der sich verirrt hatte, streifte in dem Wald umher und hatte nichts zu essen; hungrig und bekümmerten Herzens dachte er, wie werde ich noch aus dem großen Wald herauskommen? Endlich nach fünf Tagen erblickte er, wie er so durch den Wald ging, ein Stück freies Feld, das lag grade in der Mitte des großen Waldes, und er fand dort einen Palast. Er ging hinein und durchwanderte alle Gemächer, aber keine lebende Seele war darin zu finden. Aber in einem großen Saal da fand er einen Tisch, auf dem Tisch standen Speise und Trank, soviel nur das Herz begehrte. Der Prinz aß und trank, und wie er fertig war, da war mit einem Mal alles von dem Tisch verschwunden. Er ging nun noch weiter in dem Schloss herum, darüber wurde es Abend, und jetzt hörte er, dass da jemand auf ihn zu kam. Es war ein alter Mann, und der fragt' ihn:

„Was gehst du hier in meinem Schloss herum?“

Der Prinz antwortete „Ich habe mich in dem Wald verirrt. Könnt ich jetzt nicht wenigstens einen Dienst hier bekommen?“

Der Alte entgegnete „Ja, das kannst du. Du kannst mir den Ofen schüren, Brennholz fahren und das Pferd im Stall besorgen, weiter brauchst du nichts zu arbeiten. Ich geb dir den Tag einen Rubel Lohn, und wenn es Essenszeit ist, findest du auf dem Tisch im Saal stets so viel dein Herz begehrt.“ Der Königssohn war's zufrieden und blieb bei dem Alten und schürte den Ofen.

Der Alte aber kam jeden Abend mit einer Flamme zu Haus angeflogen, und eines Abends, als der Prinz das Feuer ein bisschen hatte ausgehn lassen, da kam sein Herr in aller Eile angeschnaubt, und er sprang auf ihn zu und fragte „Warum brennt der Ofen nicht ordentlich? Ich hatte meine Not noch zurechtzukommen!“ und dabei gab er seinem Knecht eine hinter die Ohren. Da suchte denn der Prinz fortan, auf was Art und Weise er konnte, alles recht zu machen.

Eines Tags war er im Stall bei dem Pferd, und da fing das Pferd an zu sprechen und sagte: „Komm mal zu mir, ich hab dir was zu sagen. Hol mein Zaumzeug aus dem Schrank und den Sattel und sattle mich. Und sieh dort, da ist eine Flasche, da ist eine Salbe drin, mit der bestreich dir die Haare. Und dann trag alles Brennholz, was da ist, zusammen und steck es in den Ofen, bis er voll ist.“

Das tat er denn auch. Er sattelte das Pferd, strich die Salbe über seine Haare, und da wurden die von Diamant und glitzerten und funkelten, und alsdann heizte er den Ofen gehörig ein, also dass das Haus Feuer fing. Und jetzt sagte das Pferd „Nun nimm auch noch aus dem Schrank den Spiegel und die Bürste und die Peitsche, dann setz dich auf mich und reit wacker zu, denn das Feuer brennt jetzt gut.“

Der Prinz tat, wie ihn das Pferd hieß, und wie er jetzt aufsaß, da ging es davon, dass er in einer Stunde schon drei Länder hinter sich hatte. Der Alte kam zu Haus angeflogen, und da er den Knecht und das Pferd nicht fand, setzt' er sich auf ein andres Pferd, das er hatte, und jagte dem Prinzen nach. Des Prinzen Pferd sprach „Schau hinter dich, ob du den Teufel nicht siehst.“ (Der Alte war nämlich der Satan.) Und wie der Prinz sich umdrehte, da sah er schon in der Ferne eine Rauchwohlke und sagte das dem Pferd.

„Reit zu!“, sprach das Pferd. Und wie er wieder ein Weilchen geritten war, sagte das Pferd wieder „Schau jetzt hinter dich, ob er noch weit ist.“

„Er ist schon ganz nahe“, rief der Prinz. „So wirf den Spiegel weg.“

Das tat er, und als jetzt des Alten Pferd auf den Spiegel trat, klirr klirr und da stürzte das Tier zusammen. Drauf kehrte der Alte nach Hause zurück, beschlug das Pferd frisch und setzte seinem Knecht wieder nach; es war ihm aber weniger um den zu tun als um das Pferd, das er mitgenommen hatte. Der Prinz hatte nun wieder etliche Länder durchritten, da sagte das Pferd:

„Steig ab, leg das Ohr an die Erde und höre, ob er noch nicht wieder hinter uns ist.“ Der Prinz stieg ab, und da hörte er, dass der Boden dröhnte.

„Ja, er muss schon wieder hinter uns her sein“, sagte er, „die Erde dröhnt.“

„Dann flink auf mich, dass wir weiter kommen“, sprach das Pferd. Der Ritt ging eine gute Strecke weiter, da sprach das Pferd wiederum „Schau zurück, ob er noch nicht zu sehn ist.“

„Ja, ich sehe schon einen Feuerschein, aber er ist noch fern.“

„Nur weiter, nur weiter!“ Über eine Weile sprach wieder das Pferd „Schau zurück, er kann nicht mehr weit sein.“

Der Prinz drehte sich um und sagte, „Er ist dicht hinter uns, die Lohe fasst uns beinahe schon an!“

„So wirf die Bürste weg“, sprach das Pferd, und die Bürste verwandelte sich im Nu in einen Wald, der war so dicht, dass keine Mücke den Schnabel hätte hineinstecken können, und wie der Alte jetzt drauf losritt, da blieb er in dem Gestrüpp hängen. Drauf ritt er wieder heim, holte sich ein Beil, mit dem hieb er sich einen Weg durch den Wald, brachte dann die Axt erst noch wieder nach dem Schloss zurück, und wie er sich jetzt von neuem aufmachte, da war der Prinz wiederum etliche Länder weiter. Jetzt sprach das Pferd „Horch einmal, ob sich noch nichts hören lässt.“

Er drehte sich um und sprach „Ja, ich höre ihn schon heransausen.“

„Na dann reit schnell zu!“ Aber nach einer Weile „Schau, ob er noch nicht zu sehn ist.“

Er drehte sich um und sprach „Ja schon seh ich das Feuer“, und da sagte das Pferd „So wirf die Peitsche weg“, und die Peitsche dehnte sich im Nu zu einem großen Fluss. Der Alte kam heran und machte sich mit seinem Pferd daran, den Fluss auszutrinken, sie tranken und tranken, und des Wassers wurde immer weniger. Mit Schrecken sah jetzt der Prinz und sein Pferd, dass nur noch eine schmale Pfütze übrig war, aber da hatten der Alte und sein Pferd auch schon genug, und sie platzten.

Jetzt ritt der Königssohn ein Stückchen von dem Fluss weg aufs Feld, und da sprach das Pferd zu ihm „Nun kannst du absteigen und brauchst nichts mehr zu fürchten, der Satan ist tot. Geh hier ans Ufer, da findest du einen Stock, mit dem schlage auf den Boden, dann zeigt sich eine Tür.“

Als der Königssohn mit dem Stock auf die Erde schlug, da öffnete sich eine Tür, die führte nach einem unterirdischen Königsschloss, und das Pferd sprach,

„Führ mich in das Schloss, da werd ich bleiben, du aber geh hier durch das Feld, bis du an einen Garten kommst, wo ein König sein Schloss hat, da frag nach, ob du nicht einen Dienst bekommen kannst. Und wenn du einen bekommst, so vergiss meiner nicht.“

Sie verabschiedeten sich, und das Pferd sagte ihm noch, dass er die Leute seine diamantnen Haare nicht solle, sehn lassen. Wie nun der Prinz durch das Feld ging, kam er auch an den Garten, und als er durch den Garten gehn wollte, da sah ihn ein Gärtner, der fragte ihn:

„Wohin willst du?“

Der Königssohn aber war wie ein armer Mann gekleidet, und er antwortete: „Ich gehe einen Dienst suchen.“

„Na den kannst du bei mir haben, wir brauchen einen, der die Wege im Garten rein hält und Erde wegfährt. Du kriegst ein Arbeitspferd und den Tag zwei Gulden Lohn und dein Essen.“

Der Prinz war's zufrieden, und er ging an die Arbeit. Das Essen aber, das man ihm gab, das aß er nicht ganz auf, sondern wenn es Feierabend war, brachte er den Rest seinem Pferd am Ufer, und das Pferd dankte ihm, dass er sein nicht vergessen hatte. Eines Abends nun sprach das Pferd zu ihm,

„Morgen werden nach eurem Schloss von weit und breit Könige und allerlei Prinzen und reiche Kaufherrn gefahren kommen, die sind alle noch Junggesellen. Diese Herren werden sich auf dem Schlosshof in eine Reihe aufstellen. Nun hat der König drei Töchter, und da wird jede Tochter einen diamantnen Apfel in die Hand nehmen und den rollen lassen, und der, zu dessen Füssen der Apfel rollt, wird ihr Bräutigam. Sei du aber zu dieser Zeit im Garten bei deiner Arbeit. Da wird der Apfel der jüngsten Prinzessin, die die schönste von allen ist, zu dir in den Garten gerollt kommen, und wenn er heranrollt, so heb ihn nur auf und steck ihn in die Tasche.“

Tags darauf, als die Freier alle versammelt waren und des Königs Töchter die diamantnen Äpfel hinwarfen, da rollte der ältesten Apfel zu den Füßen eines Prinzen, der der zweiten zu den Füssen irgendeines reichen Kaufherrn, der Apfel der jüngsten Prinzessin aber rollte an allen Freiern vorbei, rollte gradaus in den Garten und dort rollte er grade Wegs vor die Füße des Gärtnerburschen, und der hob ihn auf und steckte ihn in die Tasche. Des Königs Herz hing an der jüngsten Tochter; aber er musste dem Gärtnerburschen die Prinzessin zur Frau geben, und da wurde gleich die dreifache Hochzeit gefeiert. Danach aber musste der Gärtnerbursche mit seiner Frau abseits eine Stube beziehen, und er blieb was er gewesen war.

Über einige Zeit geschah es, dass sich etliche Länder wider den König empörten, und da musste der König in den Krieg ziehn und ließ seine Schwiegersöhne mitreiten. Aber der Mann seiner jüngsten Tochter hatte nur sein Arbeitspferd, und der König sprach „Ein andres Pferd als das geb ich dir nicht.“

Er ging also in den Garten, nahm sein Pferd und setzte sich darauf. Wie er aber jetzt losreiten wollte, stürzte das Pferd gleich zu Boden. Da ließ er das Tier liegen und ging zu seinem Pferd in dem Schloss am Ufer. Das Pferd sprach zu ihm „Nimm rasch mein Zaumzeug und den Sattel und sattle mich, und geh dort in das Zimmer, da findest du einen Anzug und einen Säbel, die tu um, und dann wollen wir reiten.“