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„ Die Welt hinter der Welt – wo die Schatten leben!“ Von W. A. Hary Der Daedrafürst, wie er sich selbst immer nannte. Seinen wahren Namen hat er mir nie verraten. Und jetzt hat er behauptet, ich müsste etwas durchleben, vielleicht vergleichbar mit dem, was mich das letzte Mal selber zum halben Daedra hat werden lassen. Nach Torturen, die man seinem ärgsten Feind nicht wünscht. Ich habe seine Worte noch im Ohr. Er hat doch tatsächlich behauptet, es sei meine einzige Chance für die weitere Zukunft, nicht nur von mir selbst. Doch er könnte mir leider nicht so genau sagen wieso. Ob ich ihm vertraue, ja, jemals auch nur annähernd vertraut habe? Nein, absolut gar nicht. Wieso sollte ich denn auch? Bei allem, was ich seinetwegen schon durchmachen musste. Aber wenn mir überhaupt keine andere Möglichkeit mehr bleibt?
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Seitenzahl: 89
Veröffentlichungsjahr: 2025
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Mark Tate jagt die Schatten: Gruselkrimi: Neuer Mark Tate Roman 14
Ein CassiopeiaPress Buch: CASSIOPEIAPRESS, UKSAK E-Books, Alfred Bekker, Alfred Bekker präsentiert, Casssiopeia-XXX-press, Alfredbooks, Bathranor Books, Uksak Sonder-Edition, Cassiopeiapress Extra Edition, Cassiopeiapress/AlfredBooks und BEKKERpublishing sind Imprints von
Alfred Bekker
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„ Die Welt hinter der Welt – wo die Schatten leben!“
Von W. A. Hary
Der Daedrafürst, wie er sich selbst immer nannte. Seinen wahren Namen hat er mir nie verraten. Und jetzt hat er behauptet, ich müsste etwas durchleben, vielleicht vergleichbar mit dem, was mich das letzte Mal selber zum halben Daedra hat werden lassen. Nach Torturen, die man seinem ärgsten Feind nicht wünscht.
Ich habe seine Worte noch im Ohr. Er hat doch tatsächlich behauptet, es sei meine einzige Chance für die weitere Zukunft, nicht nur von mir selbst. Doch er könnte mir leider nicht so genau sagen wieso.
Ob ich ihm vertraue, ja, jemals auch nur annähernd vertraut habe? Nein, absolut gar nicht. Wieso sollte ich denn auch? Bei allem, was ich seinetwegen schon durchmachen musste. Aber wenn mir überhaupt keine andere Möglichkeit mehr bleibt?
Denn da ist diese unbeschreibliche Neugierde. Ohne die wäre ich nicht das, was ich bin, immer war und immer sein werde: Mark Tate, den manche den TEUFELSJÄGER nennen, andere den Geisterkiller oder auch einfach nur den Geisterdetektiv. Egal, das alles führt sowieso wieder auf dasselbe hinaus:
Ich werde mich trotz aller Vorbehalte mal wieder in haarsträubende und garantiert tödlich gefährliche Situationen begeben, die wirklich jeder normale Mensch mit Vernunft und Verstand tunlichst vermeiden würde.
Verdammt noch eins, weil ich einfach nicht anders kann. Und deshalb folgte ich entgegen jeglicher Vernunft seinen genauen Anweisungen und war bereits mit dem Auto unterwegs…
*
Ein eigenartiges Murmeln war auf einmal in der Luft. Schlagartig. Ohne jegliche Vorankündigung. Ja, vorher war alles eigentlich vollkommen normal erschienen. Und jetzt: Alles erschien so unwirklich.
Der Gedanke kam mir ganz von selbst:
„ Mein Gott, was ist geschehen? Wo bin ich plötzlich?“
Ich hörte die eigenen Worte und verstand sie gar nicht. Außer dem Wort Gott, und das ließ wahre Schauer durch meinen Körper rieseln.
Hoch am Himmel hing die runde, volle Scheibe des Mondes. Eine ungeheure Anziehungskraft ging von ihr aus, eine Kraft, der ich mich nicht entziehen konnte, und ich merkte, dass eine Veränderung mit mir vorging, gegen die ich mich nicht wehren konnte, egal wie sehr ich mich auch bemühte.
Ich beugte mich vor, was mir irgendwie schwer fiel, als würde ich mich in einer zähen Flüssigkeit befinden, die mich trotzdem atmen ließ, wie in einem Alptraum, und blickte durch die Windschutzscheibe zum Himmel. Noch war die seltsam veränderte Nacht klar, aber am Horizont türmten sich mit beängstigender Geschwindigkeit pechschwarze Wolken auf.
Wann jemals hatte ich erlebt, dass sich ein Gewitter so schnell zusammen braute? Das konnte überhaupt kein normales Gewitter sein. Die elektrischen Spannungen, die auf baldige Entladung harrten, waren sogar innerhalb des Wagens fast körperlich spürbar. Was jeglichen Naturgesetzen widersprach.
Ich verdrängte die Beklommenheit, die sich meiner bemächtigen wollte, und konzentrierte meine Aufmerksamkeit wieder auf die Straße. Verdammt noch eins, ich war doch kein Anfänger. Ich war einer mit mindestens tausend gelebten Leben. Und natürlich hatte ich bereits weitaus Schlimmeres erlebt.
Überhaupt, so etwas wie jetzt war ja auch nicht wirklich vollkommen neu für mich.
Die Worte des Daedrafürsten klangen in mir erneut nach. Doch sie setzten sich nicht durch. Denn ich fühlte mich jetzt tatsächlich wie ein blutiger Anfänger, so unendlich unterlegen, dass es schon schmerzte. Ein Anfänger, der gar noch niemals konfrontiert worden war mit Phänomen jenseits jeglicher Vorstellungskraft.
Und außerdem: Was blieb mir denn jetzt noch anderes übrig, als es einfach… zuzulassen? Jetzt war es endgültig zu spät, einen Rückzieher zu machen. Ich hatte bereits jegliche Kontrolle verloren, obwohl ich mich verzweifelt bemühte, sie zumindest rudimentär wiederzuerlangen.
Die beiden Scheinwerfer meines Autos, das ja eigentlich May Harris gehörte, schnitten Lichtkegel aus der Dunkelheit, zitterten über Bäume und Sträucher hinweg und versuchten vergeblich, die Sterne zu erreichen, wenn der Wagen über eine Bodenwelle fuhr.
Ich warf einen Blick zur Seite und lächelte auf einmal. Denn ich war nicht allein. Ich hatte meiner Lebensgefährtin May Harris vom neuesten Ansinnen des namenlosen Daedrafürsten erzählt, und es war mir unmöglich gewesen, sie davon abzubringen, mich auf jeden Fall begleiten zu wollen. Trotz aller Gefahren, die mit Sicherheit auf mich lauerten.
Nun, sie war halt eine echte Weiße Hexe. Also wirklich niemand, der von mir beschützt werden musste. Wir konnten uns höchstens gegenseitig beschützen. Und mit dieser Begründung war es ihr endgültig gelungen, meinen Widerstand zu brechen.
Und jetzt freute ich mich irgendwie sogar darüber. Wobei ich jegliche Sorgen, die ich mir zwangsläufig trotzdem um sie machte, zu verdrängen versuchte.
Ich betrachtete sie kurz, bevor ich meinen Blick wieder nach vorn wandte. War May Harris nicht wunderbar?
Obwohl ich wieder nach vorn blickte, sah ich immer noch ihr fein geschnittenes, im Schlaf entspanntes Gesicht…
Sie schlief? Ausgerechnet jetzt, als es darauf ankam?
Das war doch nicht normal!
Ich erschrak - nicht in Anbetracht dieser Tatsache, sondern weil es draußen schlagartig taghell wurde. Meine Hände krampften sich unwillkürlich fester um das Steuer. Ein mächtiger Blitz zuckte über den Himmel.
Dann war es wieder dunkel.
Ich lauschte auf das gleichmäßige Brummen des Motors, als hätte sich das stete Geräusch angesichts der entfesselten Naturgewalten verändern müssen. Es war und blieb der einzige Laut, bis rollender Donner den Wagen erreichte.
May bewegte sich unruhig. Ich sah besorgt zu ihr hin. Eine steile Falte war auf ihrer Stirn erschienen, und sie flüsterte etwas im Schlaf. Durch die Bewegungen rutschte eine Locke ihres langen, derzeit rotblonden Haares über ihr Gesicht. Das weckte sie vollends. Sie fuhr mit einem leisen Schrei hoch.
„ Was - was ist passiert?“, erkundigte sie sich erschrocken.
„ Nichts Besonderes“, versuchte ich sie zu beruhigen.
Irgendwie wirkte sie nicht nur beunruhigt, sondern sogar… verwirrt. So hatte ich sie eigentlich noch nie erlebt. Das war ja gerade so, als würden ihre Hexenkräfte total versagen. Das würde sie jedenfalls dermaßen einschränken in ihrer Wahrnehmungsfähigkeit, dass ich ihr Verhalten gut hätte verstehen können.
Ja, wäre es so gewesen. Aber das war doch unmöglich, nicht wahr?
„ Äh, wir sind nur unerwartet in eine… äh, Art Gewitterfront geraten.“
Ich lehnte mich vor und starrte nach draußen.
Seltsam ist es dennoch, dachte ich bei mir. Irgendwas Unbestimmbares lag in der Luft, als müsste sich bald etwas Schlimmes ereignen.
Verwirrt schüttelte ich den Kopf. Eigentlich hatte ich ja schon vorher erwartet, dass irgendetwas passierte. Sonst hätte mich ja der Daedrafürst nicht hierher geschickt. Und wieso war ich jetzt selber so verwirrt? Eben wie ein blutiger Anfänger und ganz und gar nicht wie ein erfahrener Kämpfer gegen das Böse?
„ Wo sind wir eigentlich jetzt?“, gähnte May, als wüsste sie überhaupt nicht mehr, wieso wir uns überhaupt auf den Weg gemacht hatten, und streckte sich ausgiebig.
„ Ich habe keine Ahnung“, antwortete ich wahrheitsgemäß. „Irgendwo zwischen London und Schottland.“
„ Nun, ungenauer geht es dann ja wohl nicht?“
Ich ging gar nicht darauf ein.
„ Verflucht einsame Gegend hier jedenfalls. Wir sind schon lange an keinem Hinweisschild mehr vorbei gekommen, und die letzten habe ich mir nicht gemerkt. Einfach immer weiter geradeaus müssen wir. Das ist alles, was ich weiß.“
„ Moment mal. Aber du bist doch seinen Anweisungen gefolgt? Dann müsstest du doch genauer wissen, wo wir sind.“
Ich überlegte krampfhaft, denn sie hatte irgendwie ja recht. Und wieso fiel es mir nicht mehr ein?
Erschrocken sah ich sie an. Wir waren beide beeinträchtigt. Um es einmal harmlos zu umschreiben. Da war etwas, was nicht greifbar war, und wir konnten uns nicht dagegen wehren. Sonst hätte es nicht längst die Kontrolle über uns gewonnen.
Wie war es möglich, dass uns etwas unsere Kräfte rauben konnte? Und dazu auch noch einen wesentlichen Teil unserer Erinnerungen?
Ich sinnierte über den Daedrafürsten nach, der uns überhaupt erst in diese Lage gebracht hatte, und während ich noch an ihn dachte, schweiften meine Gedanken wie von selbst wieder von ihm ab. Ich schaffte es nicht, sie erneut auf ihn zu konzentrieren.
„ Was nicht viel ist“, maulte May.
„ Wie bitte?“
„ Ich meine, seine Anweisungen waren doch präzise. Eigentlich. Wie sonst hätten wir den richtigen Weg gefunden? Und jetzt weißt du nur noch, dass wir immer weiter geradeaus müssen? Im Ernst?“
Ich konnte nicht antworten, weil ich nicht wusste, was ich hätte sagen sollen.
Sie gab es auf, mir Vorwürfe machen zu wollen, rückte näher heran und kuschelte sich an mich. Dabei merkte ich allerdings, dass sie verhalten zitterte.
„ Ist dir kalt?“, erkundigte ich mich besorgt. Obwohl es absurd anmutete. Eine Weiße Hexe fror niemals. Nicht wenn sie so stark war wie May.
Sie schüttelte nur den Kopf.
„ Aber, May, du brauchst doch keine Angst zu haben. Es ist nur ein Gewitter.“ Das war eigentlich genauso absurd: Eine mächtige Weiße Hexe und… Angst?
Ich fuhr unverdrossen fort:
„ In einer Viertelstunde werden wir die Schlechtwetterfront hinter uns haben, denke ich. Du weißt, dass der Wetterbericht schönes Wetter vorausgesagt hat. Viel kann es also nicht sein, was uns erwartet.“
„ Der Wetterbericht?“, wunderte sie sich. „Aber, Mark, das da, das hat doch gar nichts mit Wetter zu tun, sondern…“
Wie zur Bestätigung zuckten Blitze über den schwarz verhangenen Himmel. Die Wolken türmten sich auf wie schwarze Felsen. May kuschelte sich unwillkürlich enger an mich. Dann rollte wieder der Donner. In mir krampfte sich alles zusammen. Noch nie hatte ich ein so furchtbares Grollen gehört. Da war ich mir auf einmal sicher. Es klang, als verkünde es das wahre Ende der Welt.
Die Kurve war plötzlich da. Ich riss die Augen weit auf. May öffnete den Mund, kam aber nicht mehr zum Schreien.
Eine wertvolle Sekunde verstrich, bis ich endlich reagierte. Mein rechter Fuß trat mit aller Kraft auf das Bremspedal. Das war zu viel gewesen. Der Wagen kam ins Schleudern, schlitterte mit schreienden Pneus in die Kurve hinein, drehte sich halb um sich selbst und kam schließlich ächzend zum Stehen.
Blitze grellten erneut auf und beleuchteten für den Bruchteil einer Sekunde die gespenstische Gestalt, die am Straßenrand stand. Ich blickte direkt hinein in die leeren Augenhöhlen eines Totenschädels, in denen ein unheimliches Feuer glomm.
Der Donner kam und mit ihm ein dichter Vorhang aus Regen. Wir waren beide wie gelähmt. Die Gestalt stand wie ein Mahnmal vor den hohen Schatten der Bäume.
Jetzt erst merkte ich, dass die Scheinwerfer des Wagens ausgeschaltet waren. Wahrscheinlich war ich ja nur bei dem wilden Manöver gegen den Schalter gekommen. Meine zitternde Hand griff danach. Alles sträubte sich in mir dagegen. Aber dann ließ ich das Licht doch wieder aufflammen.
*
Fendrich Altman pfiff vergnügt vor sich hin. Er äugte nach der Aktentasche neben sich auf dem Beifahrersitz, was seine gute Laune auf den Höhepunkt brachte. Warum sollte er sich nicht freuen? Er hatte eine wichtige Hürde in seinem Beruf genommen.
Es war normalerweise nicht seine Art, weite Nachtfahrten zu unternehmen. Seine Frau würde überrascht sein, ihn zwei Tage früher als erwartet zurückkehren zu sehen, doch er konnte nicht anders. In den letzten Monaten waren seine Geschäfte stark rückläufig gewesen. Jetzt endlich gab es eine Wende. Der Auftrag, den er für sich und die Firma, für die er arbeitete, hatte buchen können, enthob ihn mit einem Schlag sämtlicher Sorgen.