Der Generaloberst - Alex Gfeller - E-Book

Der Generaloberst E-Book

Alex Gfeller

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Beschreibung

Der Generaloberst fällt auf seine eigenen Obsessionen herein. Pech gehabt!

Das E-Book Der Generaloberst wird angeboten von BoD - Books on Demand und wurde mit folgenden Begriffen kategorisiert:
Institut für forensische Euthanasie,Brunz an der Furze,Modernes Management,12 Teile der Serie "Scheinland",kostenbewusste Neutralität

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EPUB
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Seitenzahl: 69

Veröffentlichungsjahr: 2025

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Die lange, graue Nebelphase, welche die lange, graue Sommersmogphase jeweils übergangslos ablöst und sich vom Spätsommer bis in den nächsten Frühsommer hinziehen wird, scheint längst angekommen zu sein, obwohl sich auch dieser kurze Sommer endlich seinem verdienten Ende entgegenneigt. Bald wird die ganze Gegend um die mürrische „Stadt des Gesprächs“, um die abweisende Industriestadt voller Idiotinnen und Idioten, am Rande einer weiten, nahezu menschenleeren Sumpf- und Schwemmebene gelegen, angelehnt an die sanften Flanken einiger welliger, dunkelgrün bewaldeter Vorhügel der langgezogenen Schorihänge, die das ganze Land gegen Norden hin abschotten, noch stärker in eine undurchdringliche, graubraune Nebelsuppe getaucht werden, welche indessen all die städtebaulichen Geschmacklosigkeiten und manifesten Hässlichkeiten aufs wahrhaft Unvorteilhafteste herausstreichen wird.

Die einzigen, leider viel zu deutlich erkennbaren Charakterzüge der definitiv unsympathischen Einwohnerschaft der „Stadt des Gesprächs“, dieses falschspielerische Hinterhältige, dieses so unangenehm rechthaberische Miesepetrige, verbunden mit dieser so selbstsicher vorgetragenen Ahnungslosigkeit, und dieses selbstgerecht Analphabetische, kurz, diese missgünstige Arglist, diese zerstörerische Gleichgültigkeit und diese intrigenreiche Heimtücke treten im Herbst für alle unangenehm berührten Außenstehenden noch viel deutlicher sichtbar zu Tage und noch viel eindeutiger erkennbar hervor, kommen also noch gemeiner und noch deutlicher und unheilvoller zum Vorschein als sonst – und nicht nur das: Die ganze Niedertracht der Einwohnerschaft wird Nemesis ihr unausweichliches Werk mit ungewohnter Leichtigkeit vollbringen lassen, denn gerade diese betrüblichen Charaktereigenschaften erleichtern ihr, wenn auch unfreiwillig und ungewollt, wie wir noch sehen werden, die Erledigung ihrer aktuellen Aufgabe außerordentlich.

Die mächtige Göttin kennt dieses bemerkenswerte Charakteristikum mittlerweile; sie hat das gleich zu Beginn ihres Aufenthaltes in Beil-Benne durchschaut, hat sich von der vornehmen Dame aus dem Zeitzündermilieu in einen rotgesockten, pausbäckigen Rentner verwandelt, in einen eingefleischten Infanteristen und freudeglühenden Freizeit-Wandersmann der Musterklasse, und zwar in einen ehemaligen und langjährigen, allerdings nur subalternen Dienstkollegen des Obristen, von dem jetzt ausführlich die Rede sein wird, in einen pensionierten Oberstleutnant der enorm wichtigen Versorgungstruppen der hiesigen, enorm wichtigen Truppenversorgung.

Er ist in eine geeignete, gut gefütterte, wasserdichte und amtlich geprüfte, dunkelblaue Polar-Windjacke aus alten Armee-Beständen gekleidet, in altmodisch braune Knickerbokkers aus solidem Manchesterstoff, und trägt massive, wildlederne Wanderschuhe mit atmungsaktivem Innen- und Außenfutter und grobstolliger Ganzjahres-Sohle, und er hat am Rücken einen leichten, praktischen Rucksack aus glänzendem, wasserabstoßendem Wachstuch, wohlwissend, dass ausnahmslos alle Militärpersonen dieses überaus misstrauischen Scheinlandes ausschließlich ihresgleichen trauen können, wenn überhaupt, jedenfalls niemand anderem sonst, nicht einmal den eigenen Ehefrauen, nicht einmal den einzelnen Regierungsmitgliedern der führenden und leitenden Einheizpartei, der FB, der Freiheizlichen Bewegung, denen schon gar nicht, und dies einzig und allein im Interesse der materiellen, moralischen, politischen und geistigen Landesverteidigung, einer lebendigen Verteidigungs-Religion, die seit all den bedauerlichen Niederlagen das ganze, völlig isolierte Scheinland beherrscht.

Eigentlich haben sie völlig recht damit, die Scheinländler, denn besagter Generaloberst, um den es jetzt geht, kann beim besten Willen nicht wissen, noch ahnen, dass er mit Nemesis nicht etwa einen alten Dienstkameraden aus dem Städtischen Zeughaus vor sich hat, wie er selber völlig arglos und ahnungslos annimmt, zuständig für fahrbare Feldküchen und Marschverpflegung, sondern niemand anderes als die Mutter der schönen Helena, aber auch die Mutter von Klytaimnestra, der vom eigenen Sohn ermordeten Gattenmörderin. Die beiden einzigen Töchter von Nemesis sind übrigens aus je einem Ei von der Farbe des blauen Hyakinthos geschlüpft, die Nemesis damals nach einer üblen Vergewaltigung durch Zeus als schneeweiße Gans gelegt hat, gleich zwei befruchtete Eier aufs Mal, und beide, Klytaimnestra und Helena, sind somit niemand Geringeres als die überaus machtvollen Töchter von Zeus, aufgewachsen bei Leda, der Frau des Königs Tyndareos von Sparta. Aber hallo!

Wenn ihm, besagtem Generalobersten der nationalen, scheinländischen Verteidigungswehrfriedensmachtarmee (VWFMA) also, dieser ziemlich bemerkenswerte Umstand ganz unerwartet und trotz restlos fehlender Allgemeinbildung jemals hätte bekannt sein können, dann wäre er jetzt bestimmt nicht mit offenen Armen derart vertrauens- und erinnerungsselig gönnerhaft auf Nemesis in der Person des rangniedrigeren, älteren Dienstkollegen zugegangen, o nein, er hätte auf der Stelle die Armee, die Polizei und sämtliche Geheimdienste alarmiert und zudem flugs seine persönliche Dienstwaffe aus dem Nachttischchen geholt!

Seine ziemlich kitschig wirkende Rührseligkeit und seine billige Sentimentalität hätten ihre eindeutigen Grenzen, ja, ihr abruptes Ende gefunden, und er hätte sie, also Nemesis, respektive ihn, seinen altbekannten, altgedienten und zudem altvertrauten Dienstkollegen, ganz bestimmt nicht lachenden Gesichts und völlig arglos militärisch kurz und überaus herzlich begrüßt und sogleich spontan an seine alljährlich „nur einmal, dann aber richtig“ stattfindende Gardenparty eingeladen, o nein! Er hätte wohl eher auf der Stelle seine liebevoll gehegte und gepflegte, stets geladene und schussbereite Dienstwaffe hervorgeholt, wie bereits angedeutet! Aus der obersten Schublade des Nachttischchens des allzeit wachsamen und stets mustergültig vorbereiteten Obristen! Aber subito! Denn er hätte in der Person des unerwarteten Besuchers auf der Stelle einen verdeckten militärischen Angriff vermutet, ein feindliches Komplott, ein eindeutig ausländisches Geheimkommando, eine fremdländische Infiltration, eine extraterrestrische Infusion!

Diese stadtweit berühmt-berüchtigte, alljährlich zum Glück nur einmal an einem möglichst sommerlich warmen Samstagnachmittag stattfindende Gardenparty ist er soeben im gepflegten Garten vor seinem schönen Hause an erhöhter Hanglage vorzubereiten zugange, wie Nemesis als guter, alter Dienstkollege in geeigneter Wanderbekleidung, roten Socken und Rucksack völlig unangemeldet und sichtlich ahnungslos an seine schmiedeeiserne Gartentür mit den beiden gekreuzten Hellebarden klopft. Der Generaloberst steht breitbeinig vor seinem sehr solide gemauerten, äußerst voluminösen Gartengrill, schüttet eben weitere Anzündwürfel in großen Mengen in die kokelnden Holzkohleberge und wartet gleichzeitig ungeduldig auf seine zahlreich geladenen Gäste.

Zuweilen verlaufen nämlich die Geschehnisse so banal, so gradlinig, so überblickbar und so einfach, dass man selbst als überaus skeptische und seit jeher strikte atheistische griechische Göttin an höhere Mächte glauben möchte, und Nemesis kann sich jetzt gut vorstellen, dass unsichtbar hinter ihr ihre gute, alte Freundin Aidos, die Göttin der Scham steht, die sie schon so lange durch die Unbill der Zeiten begleitet hat und die ihr nach Bedarf jederzeit unaufgefordert den einzig richtigen Ausweg weist. Nemesis weiß also, dass Aidos ihr immer den geeigneten und stets naheliegenden Ausweg aus jeder undenkbaren, aber durchaus möglichen Sackgasse zeigen möchte und auch bedenkenlos zeigen würde, wo immer sich Nemesis befinden möchte, in welch verzwickter Lage sie immer stecken würde und wohin sie sich auch immer wenden könnte. Sie selber muss keine komplizierten Rückzugspläne ausarbeiten; das ist für eine vielbeschäftigte griechische Götterexistenz überaus nützlich, weil sie ganz genau weiß, dass die gute, alte Aidos als distanzierte, aber immerzu aufmerksame Beobachterin und persönliche Leibwächterin sie jederzeit bewacht, behütet, beschützt und beschirmt und Nemesis sofort warnen, aufhalten und sanft zurücknehmen würde, falls es ihr notwendig erschiene.

Nehmen wir als Beispiel den unberechenbaren Fall dieses schießwütigen und anerkennungssüchtigen Obristen, um den es hier geht: Aidos könnte Nemesis schnellstens aus der verdorbenen Welt der Sterblichen auf den Olymp zurückholen, falls Nemesis in ihrer ganzen Schusseligkeit in ein undurchdringliches Dickicht von sich überstürzenden Ereignissen geraten sollte, die sie aus unerfindlichen Gründen nicht mehr selber zu meistern imstande wäre, was allerdings konkret ziemlich unvorstellbar wäre. Doch wie auch immer: Diese kostbare, unersetzliche, aber seit jeher unumstößliche Gewissheit hält Nemesis, taktisch gesprochen, stets den Rücken frei.

Sie kennt, als sein alter Dienstkamerad, in den sie sich jetzt verwandelt hat, den geradezu unerträglich selbstgefälligen und zudem passenderweise gleichzeitig überaus selbstgerechten Obristen bestens und genauestens, und zwar seit gut vierzig Jahren, und sie kennt auch seine unberechenbare Impulsivität genau, ebenso wie sein gestörtes Verhältnis zur Wahrheit und zur Gerechtigkeit. Er ist, wie übrigens ausnahmslos alle Obristen, völlig unfreiwillig eine echte Karikatur seiner selbst und seiner ganzen Kaste von leicht verstaubten, leicht debilen Maul- und Bürohelden, allenfalls von aufgemotzten Salonlöwen mit Pediküre und Maniküre, wie in diesem Fall, auch wenn sich Nemesis vor allzu wohlfeilen Vorurteilen hüten möchte, gerade im Bereich solch unberechenbarer, allgemeingefährlicher Männer, vor denen man sich umsichtig hüten muss, wo immer sie anzutreffen sind.

Sie kennt ihn, wie gesagt, als erfahrenen, ehemaligen Dienstkameraden seit bereits gut vierzig Jahren, ihn, den stets reichlich parfümierten Aufschneider, der sich, wie angedeutet, sogar heimlich die Finger- und Zehennägel manikürieren lässt; sie weiß also genau Bescheid, mit wem, oder, besser gesagt, mit was für einer Sorte Mann, oder noch besser, mit was für einer Art Null sie es hierbei zu tun haben wird. Seine miesen Tricks und billigen Schliche durchschaut sie längst, und sie ist sich durchaus bewusst, dass es sich hierbei ganz bestimmt nicht um eine mit den griechischen Kriegern und Helden vergleichbare Figur handelt, nicht einmal mit einer Karikatur von richtigen Kriegern, denn so ein