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Unbemerkt von der breiten Öffentlichkeit hat sich bei der Globalisierung ein milliardenschwerer Dienstleistungsmarkt für die Zertifizierung von Managementsystemen entwickelt, in dem insbesondere europäische Prüforganisationen tätig sind. Die Zertifizierung von Managementsystemen war eine Schlüsseldienstleistung für den Export von technischen Prüfdienstleistungen und hat die heutige internationale Aufstellung der deutschen Prüforganisationen erst möglich gemacht. Dargestellt werden die Entstehung dieses globalen Marktes und der Aufbau des internationalen Geschäftes einer Zertifizierungsgesellschaft für die Dienstleistung “ Zertifizierung eines Qualitätsmanagementsystems(QMS) nach DINENISO 9001 eines Unternehmens. ", die im Jahre 1990 zum ersten Mal in Deutschland durchgeführt wurde. An dieser Dienstleistung wird deutlich, welche Markmechanismen wirken und vorhanden sein müssen, damit ein neuer Markt im Bereich der Dienstleistungen entsteht. Wie ist die QMS-Zertifizierung entstanden? Welche Länder sind an dem Markt beteiligt? Was sind die Treiber dieses Marktes? Gibt es sie überhaupt? Welche Bedeutung hat die Eigendynamik, der von einem Markt profitierenden Akteure? Welchen Einfluss haben die begleitenden Dienstleistungen? Was sind die Erfolgsfaktoren für den Dienstleistungsexport? Welches Potenzial gibt es noch? Die Entwicklung der weltweiten Zertifizierungen und das vorhandene Potenzial werden mit zahlreichen Grafiken auf der Basis der ISO-Survey -Daten dargestellt und analysiert. Mehr als 1Million Auditoren arbeiten nach dieser Norm. Dieses Buch sagt Ihnen warum. Jede Zertifizierungsstelle sollte es kennen.
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Seitenzahl: 82
Veröffentlichungsjahr: 2016
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DIN EN ISO 9001 Die Eintrittskarte in den globalen Markt
Vorbemerkung
1. Harmonisierung der technischen Normen und Prüfungen als Voraussetzung für den freien Warenverkehr in der EU
1.1 Harmonisierung der technischen Normen und Richtlinien
1.2 Angelsächsisches kontra deutsches Qualitätssicherungskonzept
1.3 Globales Konzept für Prüfen und Zertifizieren
2. Panik bei den Technischen Überwachungsvereinen (TÜV)
3. Die Qualitätsmanagementnorm DINENISO 9001
4. Die Akkreditierungsstellen
5. Die Zertifizierungsstellen
6. Vom amtlich anerkannten Sachverständigen zum zertifizierten Auditor
7. Die Anfangsphase der QMS-Zertifizierung
8. Bedeutung der Harmonisierung in der EU für das außereuropäische Ausland
9. Die Einführung der QM-Systeme in der deutschen Industrie
9.1 Begleitende Dienstleistungen
9.2 Informationsveranstaltungen/ Erste Berührung mit dem Wettbewerb und Vertrieb
9.3 Die Akademien greifen das Thema QM-Systeme auf
9.4 Die Verlage erstellen Fachliteratur zum Qualitätsmanagement
9.5 Beratung zum Aufbau der QM-Systeme
9.6 QM-Systemzertifizierung
10. Entwicklung der QMS in Deutschland
10.1 Marketingeffekt der QM-Systemzertifizierung
10.2 Die Multiplikatoren
10.3 Der Schneeballeffekt im Qualitätsmanagementstandard
11. Einführung der QM-Systeme außerhalb von Deutschland in Europa
12. Einführung der QM-Systeme außerhalb Europas
13.Transparenz der weltweiten Marktentwicklung durch die Veröffentlichung der Marktdaten im ISO Survey
14. Erfolgsfaktoren der DINENISO 9001 und Widerstände
15. IRCA dominiert den Ausbildungsbereich
16. Übertragung der Idee des Qualitätsmanagements auf alle Produktbereiche und Dienstleistungen
17. Internationalisierung/Export der Dienstleistung Zertifizierung von Managementsystemen
17.1 Erste überregionale Tätigkeit in Deutschland
17.2 Geschäftsausweitung in Europa und weltweit
18. Erweiterung und Übertragung der Managementsysteme für Qualität auf andere Zielkriterien wie Umwelt –und Arbeitsschutz oder Informationssicherheit
19. Der Markt für Zertifizierungen von Managementsystemen
19.1 Qualitätsmanagementsysteme nach DINENISO 9001
19.2 Umweltmanagementsysteme nach DINENISO 14001
19.3 Qualitätsmanagementsysteme für die Automobilindustrie nach ISO TS 16949
19.4 Lebensmittelsicherheit nach ISO 22000
19.5 Informationssicherheit nach ISO 27001
19.6 Energiemanagementsysteme nach DINENISO 50001
19.7 Medizinprodukte nach DINENISO 13485
19.8 Business Continuity Management nach ISO 22301
19.9 Weitere Managementsysteme
20. Potenzialbetrachtungen
21. Bedeutung der Harmonisierung in Europa für den Globalen Markt
22. Die Eigendynamik des Globalen Marktes
23. Zusammenfassung und Ausblick
Nachwort des Autors
Abkürzungen und Quellen
Impressum
Der Zertifizierungsmarkt im Schatten der Globalisierung
Ein Markt entsteht - ein Lehrstück für den Export von Dienstleistungen
von Dr. Ing. Wilfried W.Rabe
Vorbemerkung
Unbemerkt von der breiten Öffentlichkeit hat sich bei der Globalisierung ein milliardenschwerer Dienstleistungsmarkt für die Zertifizierung der verschiedensten Managementsysteme entwickelt, in dem insbesondere europäische Prüforganisationen tätig sind. Er bietet nach wie vor Wachstumschancen. Die Zertifizierung von Managementsystemen war eine Schlüsseldienstleistung für den Export von technischen Prüfdienstleistungen und hat die heutige internationale Aufstellung der deutschen Prüforganisationen erst möglich gemacht.
Dargestellt wird die Entstehung eines globalen Marktes und der Aufbau des internationalen Geschäftes einer Zertifizierungsgesellschaft für eine Dienstleistung, die bis zum Zeitpunkt des Starts auf dem Markt im Jahre 1990 nicht angeboten und nicht nachgefragt wurde.
An dieser Dienstleistung wird deutlich, welche Markmechanismen wirken und vorhanden sein müssen, damit ein neuer Markt im Bereich der Dienstleistungen entsteht.
Es wird spannend sein, zu sehen, ob man Märkte machen kann oder ob nur Bedarf gedeckt werden kann.
Welche Länder sind an dem Markt beteiligt?
Was sind die Treiber eines Marktes? Gibt es sie überhaupt?
Welche Bedeutung hat die Eigendynamik, der von einem Markt profitierenden Akteure?
Interessant dürfte auch sein zu verfolgen, welche Rolle die Globalisierung bei der Marktentwicklung spielt.
Betrachtet werden soll die Dienstleistung
“ Zertifizierung eines Qualitätsmanagementsystems(QMS)” eines Unternehmens.
Bei diesem QMS-Zertifizierungsmarkt werden auch begleitende Dienstleistungen wie z.B. Aus- und Weiterbildungen, Beratungsleistungen und Akkreditierungen mit betrachtet.
Die Zertifizierung von Produkten, Prozessen und Personen läuft parallel zu diesem Markt, soll hier aber nicht im Detail dargestellt werden.
Wenn man von Globalisierung redet, wird das meistens nur unter dem Gesichtspunkt der Produktionsverlagerung diskutiert. Die Produktion wird in Länder mit möglichst geringen Lohnkosten verlagert. Dieser Trend ist umso stärker, je höher der Anteil der Lohnkosten an den Herstellungskosten ist und je einfacher der Produktionsprozess ist.
So haben sich bestimmte Länder (China, Indien, Vietnam, Indonesien…) zu den Produktionsstandorten für zahlreiche Produkte des Einzelhandels entwickelt, bei denen die Menge der Produkte und der Preis den Markt bestimmen.
Trotz einiger Rückschläge (Qualitätsprobleme, Rückrufaktionen) ist diese Aufgabenteilung vor allen Dingen aus Preisgründen, aber auch aufgrund zumeist zufriedenstellender Produktqualität am Markt von den Kunden akzeptiert und kaum noch in Frage gestellt.
Diese Produktionsverlagerung ist nicht mehr umkehrbar, und sie stabilisiert sich zunehmend durch eine Entwicklung, die parallel dazu abläuft, ohne von den meisten Kunden wahrgenommen zu werden.
Fast unbemerkt von der breiten Öffentlichkeit - einschließlich der Politik - hat eine wirkungsvolle internationale Standardisierung von Prüfungsnormen und Prüfungskonzepten stattgefunden, die noch vor einigen Jahren undenkbar war.
Diese Standardisierung und die auf dieser Basis stattfindenden Zertifizierungen von Produkten, Unternehmen und Personalqualifikationen tragen erheblich zur Absicherung der internationalen Warenströme bei und festigen mit jedem weiteren Tag die Offenheit und das Zusammenwachsen der Märkte und der Menschen.
Die Initialzündung zur Überwindung der nationalen Normungen, die häufig zum Schutze und Wohle der nationalen Industrie gedacht waren, entstand in den 90-iger Jahren des letzten Jahrhunderts durch den Zwang der europäischen Gemeinschaft, für den gemeinsamen Markt ihre technischen Regeln/Normen harmonisieren zu müssen.
Allein durch die europäische Idee, für diese Herausforderung mit dem „ Globalen Konzept für Prüfen und Zertifizieren“ einen einheitlichen Rahmen zu formulieren und auszugestalten, wurde dieser Prozess in Gang gebracht.
In diesem Globalen Konzept spielte der Standard für das QMS nach DINENISO 9001, den es schon länger gab, eine zentrale Rolle. Über diesen kleinen Standard, dem niemand eine große Rolle zugetraut hatte, soll hier berichtet werden.
Dieser Standard zieht einen ganzen Strauß von begleitenden Dienstleistungen nach sich, die das scheinbar geringe Dienstleistungsvolumen einer Zertifizierung auf ansehnliche Größen ansteigen lassen.
An ihm wird deutlich werden, mit welchen kleinen, aber wirksamen Schritten die Menschen auf der Welt durch den internationalen Handel von Dienstleistungen zu gemeinsamem Verständnis von Werten zusammengeführt werden, ohne dass sich die Politik eingemischt hat.
Bergisch Gladbach, Dezember 2015
Dr. Ing .W. W. Rabe
Am 01.01.1987 tritt die Einheitliche Europäische Akte in Kraft, in der die Vollendung des Binnenmarktes zum 31.12.1992 vereinbart wird. In diesem gemeinsamen Markt ohne Binnengrenzen soll der freie Verkehr von Waren, Dienstleistungen, Kapital und Personen gewährleistet sein. Zu diesem Zeitpunkt besteht der gemeinsame Markt aus 12 Ländern.
Es gibt in Europa mit Ausnahme von Großbritannien. noch keine Zertifizierung eines Qualitätsmanagementsystems im heutigen Sinne.
Europa steht vor der Aufgabe, für den einheitlichen Wirtschaftsraum auch die technischen Standards zu harmonisieren.
Diese Harmonisierung ist erforderlich, da es in der Gemeinschaft einen freien Warenverkehr ohne Grenzen und Zölle geben soll. Heute eine Selbstverständlichkeit, aber 1987 eine Vision, die gar nicht so einfach zu realisieren war.
Gibt es in den Ländern unterschiedliche Normen für die Herstellung und Prüfung von Produkten, wirkt das wie eine Handelsschranke. Diese Handelsschranken sollten abgebaut werden, und deshalb mussten drei Bereiche harmonisiert werden.
Dies sind:
die Normen und technischen Regeln für die Herstellung und Prüfung der Produkte
die gegenseitige Anerkennung von Prüfungen der Produkte in allen Ländern des gemeinsamen Marktes und
die länderspezifischen Prüfkonzepte der Produkte
Es waren nicht in erster Linie die Deutschen, die eine Harmonisierung herbeisehnten, sondern die Franzosen, die hofften, endlich die deutschen DIN-Normen und Technischen Regeln loszuwerden, die sie als großes Handelshemmnis betrachteten
Dabei ist es gut zu wissen, dass derjenige, der die Standards setzt, auch in der Technik bestimmt, wo es langgeht und Vorteile im Handel hat.
Nationale Standards als technische Produktnormen sind stärker als Ländergrenzen.
Sie schützen heimische Industrien und Branchen durch feinsinnige Festlegungen in den Normen und sind die Spielwiesen der Lobbyisten in aller Welt.
So konnte zum Beispiel kein Kanaldeckelhersteller (für die Straßen) aus Frankreich seine Produkte in Deutschland verkaufen, da sich die deutschen Kanaldeckelhersteller mit einer Gütegemeinschaft und entsprechenden Gütenormen ein sehr geschlossenes System aufgebaut hatten, das von ausländischen Firmen nicht geknackt werden konnte.
Alle großen Länder hatten für die gleichen Produkte sehr unterschiedliche Normen und technische Regeln, mit denen sich die jeweilige Industrie vor dem Wettbewerb aus dem Ausland schützen konnte.
Ohne Harmonisierung muss ein Hersteller sein Produkt so herstellen und prüfen lassen, dass es alle Normen der Länder erfüllt, in die es exportiert wird. Geht das nicht, muss er spezifische Produkte für das jeweilige Land herstellen. Das erhöht seine Herstellungskosten ganz erheblich, da es nicht nur die Übersetzung der Bedienungsanleitungen betrifft.
Für Deutschland mit seinem hohen Exportanteil in alle Länder der europäischen Gemeinschaft war dies stets eine kostspielige Herkulesaufgabe, obwohl die DIN-Normen und deutschen technischen Regeln eine starke Position in den Lieferbedingungen der Einkäufer hatten.
Auch die Prüfphilosophien der Länder waren sehr unterschiedlich, insbesondere zwischen Deutschland und Großbritannien.
Auf der einen Seite in Deutschland stehen umfangreiche, unabhängige Kontrollen der Produktqualität durch Technische Überwachungsvereine, auf der anderen, der angelsächsischen Seite, mehr Eigenverantwortung der Produzenten und weniger Produktprüfungen durch unabhängige Prüfstellen.
Diese diametral gegensätzlichen Konzepte sollten von Fachleuten, die eigentlich alle Lobbyisten der jeweiligen Branche und ihrer Länder waren, zu einheitlich geltenden europäischen Normen harmonisiert werden.
Dabei muss man wissen, dass die Normen nicht von staatlichen Stellen der Länder erstellt werden, sondern von den Unternehmen, die die Produkte herstellen, betreiben/nutzen oder prüfen.
Eine eigentlich unlösbare Aufgabe, denn diese Normen waren in jedem einzelnen Land in jahrzehntelanger Kleinarbeit entstanden, und beinhalteten die ausbalancierte Interessenslage der verschiedenen Nutzer der Norm. Und jetzt sollte das länderübergreifend zusammengebracht werden.
Dennoch haben sich Tausende von Fachleuten aus allen Branchen Ende der Achtziger Jahre und in den Neunziger Jahren des vorigen Jahrhunderts dieser langwierigen Aufgabe in den europäischen Normungsgremien gewidmet und in unermüdlicher Kleinarbeit um jede kleinste Formulierung gerungen, gefeilscht und nach dem Kompromiss niedergeschrieben.
Es wurde mit harten Bandagen gekämpft, getrickst und getäuscht. Jedes Land versuchte seine Interessen und seine Normen zu europäischen Normen zu machen und durchzusetzen.
Genauso wie es schon bei der deutschen nationalen Normung zwischen den Beteiligten üblich war.
Eine dänische Norm, die zwar mit der deutschen Norm völlig übereinstimmte wurde akzeptiert. Nur keine deutsche Norm als harmonisierte europäische Norm akzeptieren, war die Devise vieler anderer Länder in Europa.
Mit gutem Essen und noch mehr Rotwein konnten wir in Wien die Franzosen von unseren deutschen Vorstellungen überzeugen, die sie dann vier Wochen später nach Einwirken der französischen Industrielobby wieder einkassierten.
Dennoch gelang es immer mehr Normen mit entsprechenden Mehrheitsbeschlüssen zu harmonisieren.
Nur eins konnten technischen Delegierten nicht zusammenbringen, die verschiedenen Prüfphilosophien der Deutschen und Briten.
Was waren die Gründe für die unterschiedlichen Prüfphilosophien?
Beide Länder waren natürlich davon überzeugt, dass sie jeweils das bessere System hatten.