Blutstropfen - Die Geschöpfe der Finsternis, Band 4: Für immer und ewig - Rowena Crane - E-Book

Blutstropfen - Die Geschöpfe der Finsternis, Band 4: Für immer und ewig E-Book

Rowena Crane

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Beschreibung

Glücklich verheiratet fliegen Tina und Angelo zu ihrer Trauminsel.
Nach einer Vision, die ihnen zeigt, dass Tina sterben wird, verlässt Angelo voller Verzweiflung die Insel. Selbst Tina ist hoffnungslos. Doch sie interpretierte ihre Vision falsch, wie sie nach gründlichen Überlegungen erkennen muss. Noch in derselben Nacht erfüllt sich diese Vision.
Tina ist allein und verliert unter Schmerzen zu viel Blut.
Die weiße Hexe Asha nimmt sich ihrer an. Doch auch sie kann ihr Leben nicht retten.
Angelo kommt zurück, als es fast zu spät ist und muss eine Entscheidung treffen …
Nach dem Verlassen der Insel hat Tina vorerst keine Visionen mehr. Doch dann sind sie plötzlich wieder da. Gemeinsam mit Freunden und den Clans bereiten sie sich auf den Kampf gegen Damian vor, denn er kommt nicht allein.
Werden sie ihm nun endlich habhaft werden und ihn verurteilen können, oder wird Damian als Sieger aus diesem Kampf hervorgehen?

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EPUB

Veröffentlichungsjahr: 2025

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Rowena Crane

 

 

Die Geschöpfe der Finsternis

 

Blutstropfen

 

Eine Vampir-Saga

 

 

Band 4: Für immer und ewig

 

 

 

 

 

 

Impressum

Neuausgabe

Copyright © by Authors/Bärenklau Exklusiv

Cover: © by Sofia Steinbeck nach Motiven, 2025 

Korrektorat: Katharina Schmidt

 

Verlag: Bärenklau Exklusiv. Jörg Martin Munsonius (Verleger), Koalabärweg 2, 16727 Bärenklau. Kerstin Peschel (Verlegerin), Am Wald 67, 14656 Brieselang

www.baerenklauexklusiv.de / info.baerenklauexklusiv.de

 

Die Handlungen dieser Geschichte ist frei erfunden sowie die Namen der Protagonisten und Firmen. Ähnlichkeiten mit lebenden Personen sind rein zufällig und nicht gewollt.

 

Alle Rechte vorbehalten

 

Das Copyright auf den Text oder andere Medien und Illustrationen und Bilder erlaubt es KIs/AIs und allen damit in Verbindung stehenden Firmen und menschlichen Personen, welche KIs/AIs bereitstellen, trainieren oder damit weitere Texte oder Textteile in der Art, dem Ausdruck oder als Nachahmung erstellen, zeitlich und räumlich unbegrenzt nicht, diesen Text oder auch nur Teile davon als Vorlage zu nutzen, und damit auch nicht allen Firmen und menschlichen Personen, welche KIs/AIs nutzen, diesen Text oder Teile daraus für ihre Texte zu verwenden, um daraus neue, eigene Texte im Stil des ursprünglichen Autors oder ähnlich zu generieren. Es haften alle Firmen und menschlichen Personen, die mit dieser menschlichen Roman-Vorlage einen neuen Text über eine KI/AI in der Art des ursprünglichen Autors erzeugen, sowie alle Firmen, menschlichen Personen , welche KIs/AIs bereitstellen, trainieren um damit weitere Texte oder Textteile in der Art, dem Ausdruck oder als Nachahmung zu erstellen; das Copyright für diesen Impressumstext sowie artverwandte Abwandlungen davon liegt zeitlich und räumlich unbegrenzt bei Bärenklau Exklusiv. Hiermit untersagen wir ausdrücklich die Nutzung unserer Texte nach §44b Urheberrechtsgesetz Absatz 2 Satz 1 und behalten uns dieses Recht selbst vor. 13.07.2023 

Inhaltsverzeichnis

Impressum 

Das Buch 

Die Geschöpfe der Finsternis 

Blutstropfen 

Für immer und ewig 

Vorwort 

Ein wunderschöner Tag 

Sterben, um zu leben 

Unsterblich 

Vorfreude und Vorbereitungen 

Das Ritual 

Familie 

Alltag mit Problemen 

Visionen und Entscheidungen 

Neue Vorfälle 

Der Stärketest 

Unser Freund Xenus 

Ein neuer Vampir? 

Überraschungen 

Unerwartete Gäste 

Ungezügelter Hass 

Unser erster gemeinsamer Kampf 

Jessicas Wandlung 

Das Ende des Hasses 

Epilog 

Von Rowena Crane sind weiterhin erhältlich: 

 

Das Buch

 

 

Glücklich verheiratet fliegen Tina und Angelo zu ihrer Trauminsel.

Nach einer Vision, die ihnen zeigt, dass Tina sterben wird, verlässt Angelo voller Verzweiflung die Insel. Selbst Tina ist hoffnungslos. Doch sie interpretierte ihre Vision falsch, wie sie nach gründlichen Überlegungen erkennen muss. Noch in derselben Nacht erfüllt sich diese Vision.

Tina ist allein und verliert unter Schmerzen zu viel Blut.

Die weiße Hexe Asha nimmt sich ihrer an. Doch auch sie kann ihr Leben nicht retten.

Angelo kommt zurück, als es fast zu spät ist und muss eine Entscheidung treffen …

Nach dem Verlassen der Insel hat Tina vorerst keine Visionen mehr. Doch dann sind sie plötzlich wieder da. Gemeinsam mit Freunden und den Clans bereiten sie sich auf den Kampf gegen Damian vor, denn er kommt nicht allein.

Werden sie ihm nun endlich habhaft werden und ihn verurteilen können, oder wird Damian als Sieger aus diesem Kampf hervorgehen?

 

 

***

Die Geschöpfe der Finsternis

Blutstropfen

 

Eine Vampir-Saga, Band 4:

Für immer und ewig

 

 

Vorwort

 

Man wird geboren, um zu leben.

Nun sterbe ich denn, um zu leben.

Auf ewig vereint

– mit ihm.

 

 

Ein wunderschöner Tag

 

Der Mann in dem dunklen Anzug vor uns hielt eine gefühlvolle und inhaltsreiche Rede. Es gefiel mir, was er sagte. Er sprach von Treue und gegenseitiger Achtung, von Ehrlichkeit und von der großen Liebe. Grenzenloser Liebe, die alles übersteht. Ich spürte Angelos Blick auf mich ruhen und die Stille um uns, obwohl sich hinter uns viele Gäste befanden. Gäste, die unterschiedlicher nicht sein konnten. Die wenigsten unter ihnen waren gewöhnliche Menschen. Der größte Teil von ihnen waren Unsterbliche, Wandler und Hexen, über die man in Fantasieromanen liest und meint, dass sie nur Mythen und somit nicht existent sind. Aber es gibt sie. Sie leben unter uns. Doch sie halten ihre Existenz geheim.

Und das ist gut so - für beide Seiten.

Sie alle lauschten andächtig der wohlklingenden Stimme des Standesbeamten. Ich wandte mein Gesicht Angelo zu und blickte in seine bernsteinfarbenen Augen, die mich voller Liebe und Zärtlichkeit ansahen. Er hielt immer noch meine Hand, seit mein Vater mich ihm übergeben hatte. Ich wusste mit Sicherheit, dass er sie so schnell auch nicht wieder loslassen würde. Ich wollte auch nicht, dass er mich losließ.

Endlich sprach der Standesbeamte uns beide an. Ich hatte das Gefühl, dass bereits eine Ewigkeit vergangen war, seit wir Hand in Hand hier nebeneinander standen. Mein Zeitgefühl war mir etwas abhandengekommen. Aber das war nicht wichtig, denn ich war glücklich. Ich schwebte gerade im siebten Himmel. Mit ihm. Angelo Bohley wollte mich heiraten. Und ich ihn. Hier. Jetzt.

Angelo ist kein gewöhnlicher Mensch. Er ist ein Vampir. Ein Unsterblicher. Doch das war mir egal. Ich liebe ihn so sehr, dass ich alles für ihn aufgegeben wollte. Wirklich alles. Ohne ihn wollte ich nicht mehr existieren. Ich wusste, dass er genauso dachte. Ich hatte die Gewissheit, dass er mich ebenso liebte. An diesem schönen Tag wollten wir den ewigen Bund eingehen und mit dem Ja-Wort unsere Liebe besiegeln. Angelo griff nach meiner zweiten Hand, so dass wir uns jetzt gegenüberstanden.

»Wollen Sie, Herr Bohley, mit Ihrer hier anwesenden Verlobten Frau Bettina Schwarz die Ehe eingehen? Dann antworten Sie bitte mit Ja«, hörte ich den Beamten sagen. Ich hielt die Luft an und sah Angelo in die Augen. Ich hörte ihn laut und vernehmlich dieses kleine, so bedeutende und alles entscheidende Wort sagen: »Ja.«

Er tat es, ohne seinen Blick von mir zu wenden. Ich spürte, wie mir die Tränen meine Sicht verschleiern wollten und blinzelte. Es waren Tränen des Glücks, die nun heiß über meine Wangen liefen.

»Nun meine Frage auch an Sie, Frau Schwarz. Wollen Sie mit Herrn Bohley die Ehe eingehen? Dann antworten Sie bitte ebenfalls mit Ja.«

Ich blickte glücklich in Angelos Augen und sagte: »Ja.«

Jetzt forderte der Beamte uns auf, die Ringe zu tauschen. Sofort war Georg zur Stelle und hielt Angelo ein lachsfarbenes Kissen hin, auf dem die Ringe lagen - unser Freund Georg, auch ein Unsterblicher. Ihn und Angelo verband eine Freundschaft, die schon weit über einhundert Jahre andauerte.

Angelo nahm den breiten goldenen Ring mit mehreren Diamanten und steckte ihn auf meinen Finger. Dabei sah er mich zärtlich an.

»Ich liebe dich. Ich werde dich immer lieben, egal, was auch immer geschehen wird. Du bist mein Leben«, sagte er mit samtener Stimme zu mir. Es klang wie ein Schwur. Ich blinzelte ihn an, weil sich bereits wieder meine Augen voller Glück mit Tränen füllten. Georg hielt mir lächelnd das Kissen hin. Ich nahm den Ring und steckte ihn Angelo an seinen Finger. Dieser war ebenfalls sehr breit, jedoch ohne Diamanten.

»Ich werde mit dir deinen Weg gehen. Auch du bist mein Leben. Ohne dich kann ich nicht mehr sein. Ich liebe dich«, sagte ich mit leicht zittriger Stimme.

»Sie dürfen die Braut jetzt küssen«, drang die Stimme des Standesbeamten an mein Ohr. Er hatte den Satz noch gar nicht zu Ende gesprochen, da hatte Angelo mich auch schon in seine Arme genommen. Doch er küsste mir erst zärtlich die Tränen weg, bevor er seine Lippen auf meinen Mund legte. Dabei vergaß ich voll und ganz, wo ich mich befand.

Angelo löste sich widerwillig von mir, als der Standesbeamte sich höflich räusperte. Wir hörten ein paar Gäste verhalten lachen. Er forderte uns auf, das Heiratsprotokoll zu unterschreiben.

Ich unterschrieb nun zum ersten Mal mit dem Namen Bettina Bohley. Greta und Georg mussten ebenfalls unterschreiben, da sie unsere Trauzeugen waren. Der Standesbeamte beglückwünschte uns zur Eheschließung und überreichte uns die Urkunde der Eheschließung. Dann gab er den Gästen zu verstehen, dass sie nun die Möglichkeit hatten, dem jungen Paar zu gratulieren. Die ersten Gratulanten waren unsere Eltern und meine Kinder.

Meine Eltern - mein neuer, alter Vater. Ein Unsterblicher, der bereits über eintausend Jahre auf dieser Erde weilt. Und meine Mutter, die vor zwei Wochen ebenfalls eine Unsterbliche geworden war - nun wieder schön und jung. Sie sah jedenfalls jünger aus als ich.

Dann kamen Angelos Eltern. Sie sahen einfach toll zusammen aus. Auch sie sind unsterblich. Katja, meine Tochter, wurde natürlich von Georg begleitet. Sie hatten sich einmal gesehen und sich sofort ineinander verliebt. Sie war zu ihm in der Schweiz gezogen und arbeitete in seiner Klinik im Labor.

Als Georg mich umarmte, flüsterte er mir ins Ohr: »Du bist die wunderschönste Braut, die ich je gesehen habe.«

»Danke. Heute werde ich dir ausnahmsweise einmal nicht widersprechen«, flüsterte ich zurück und lächelte ihn an.

Jan, mein Sohn, schloss sich ihnen mit seiner Gratulation an.

Dann stellte Angelo mir gleich die Gäste vor, die nun zu uns kamen und ich nicht kannte. Sogar der asiatische Clan war erschienen. Sie teilten uns ihre Glückwünsche mit, musterten mich eindringlich und nickten kurz, was wohl bedeutete, dass sie mich und diese Heirat akzeptierten. Danach verschwanden sie wieder, was mir auch ganz recht war.

Dann stand plötzlich ein schlanker, gutaussehender Mann in einem hellen Anzug lässig vor uns. Er taxierte mich anerkennend mit einem Glitzern in seinen silbergrauen Augen. Auch ich sah ihn ohne Scheu an. Vorsorglich hatte ich meine Tür verschlossen, so dass er meine Gedanken nicht lesen konnte. Ich spürte bereits den Druck in meinem Kopf, der sich unangenehm verstärkte und ich mir deshalb mit meinen Fingern an die Schläfe drückte, als hätte ich Kopfschmerzen. In dem Moment, als ich mich fragte, wer er sein könnte, fiel es mir wieder ein. Andrew, mein Vampirvater, hatte mir von ihm erzählt. Er war der Älteste unter ihnen und wohl auch der angesehenste Unsterbliche. Und wie ich feststellen musste, ein sehr gut aussehender. Um ihn herum schien eine Aura von Weisheit und Stärke zu sein, die ihn unantastbar machte. Er strahlte eine besondere Art von Würde, Respekt und einer gnadenlosen Unnachgiebigkeit aus, die mich beeindruckte.

»Xenus. Willkommen«, hörte ich Angelo auch schon sagen. Ich runzelte die Stirn und sah ihn verärgert an, weil der Druck nicht nachließ.

»Sie werden es nicht schaffen. Auch wenn Sie fast zweitausend Jahre auf dieser Erde weilen«, gab ich ihm trotzig zu verstehen, denn ich fand, dass er dazu kein Recht hatte, egal wie alt er auch schon war. Ich beobachtete, wie er eine Augenbraue nach oben zog. Er schien überrascht zu sein. Doch dann lächelte er und sah Angelo an.

»Interessant«, sagte er. »Ich beglückwünsche dich und deine junge Frau zu diesem großen und dem noch folgenden entscheidenden Schritt und wünsche euch für den kommenden Weg nie aufkommende Langeweile.« Er sagte das so betont mit einer angenehm sonoren Stimme, dass mir ein Schauer über den Rücken lief. Ich bekam das sonderbare Gefühl, dass er der Unsterbliche war, der alle anderen sich unterwerfen konnte, wenn er es nur wollte. Er war der Stärkste unter ihnen. Ich war neugierig, welche besonderen Fähigkeiten er wohl hatte.

Nun sah mich Xenus wieder an, denn er spürte, dass ich ihn musterte. Er zeigte mir ein Lächeln, das ich nicht richtig deuten konnte. Es schien ehrlich zu sein, aber ich traute ihm nicht.

»Ich hoffe doch, dass wir heute noch ein paar Minuten für ein kleines Gespräch finden werden. Ich bin neugierig auf dich«, sagte er zu mir. Freundlich, aber es schwang etwas mit, das mir sagte, dass er keine Widerrede duldete und er auf dieses Gespräch bestand.

»Und ich auf dich«, sendete ich ihm zu, ohne mich davon beeindrucken zu lassen. Er duzte mich einfach, also warum sollte ich es nicht auch können - wieder voller Trotz. Aber es schien ihm zu imponieren, denn er lachte laut.

»Ich freue mich schon, denn ich denke, dass es interessant werden wird. Also, bis später.« Dann trat er zurück, verbeugte sich kurz und entfernte sich. Die nächsten Gratulanten warteten schon. Diese Personen waren mir auch unbekannt. Angelo stellte sie mir vor.

»Das sind unsere Freunde aus Griechenland. Orest mit seiner Frau Ida. Und das sind ihre Kinder Alexia und Dean. Dean ist mit Elena verheiratet.«

Ich begrüßte sie freundlich, denn sie waren es auch. Sie waren mir auf Anhieb sympathisch. Auch sie gehörten zu der anderen Welt, in der ich eingetaucht war.

Dann stand Jessica vor uns und strahlte uns an. Das kleine zierliche Mädchen mit ihrem goldgelockten Haar und den strahlend blauen Augen, die schon eine richtige Hexe war. Sie würde einmal eine sehr mächtige Hexe sein. Das spürten wir alle. Ich ging in die Hocke, damit sie mich umarmen konnte.

»Hallo, meine Prinzessin! Du bist das süßeste Blumenmädchen, das ich je gesehen habe. Wie eine kleine Elfe.«

»Und du bist so eine hübsche Braut«, grinste sie und gab mir einen Kuss auf die Wange. Angelo bekam gleich nach mir einen. Greta und Janos wurden danach ihre Glückwünsche los. Greta, ebenfalls eine sehr gute Hexe, ist mit Janos, dem Wandler verheiratet. Sie hatten Jessica adoptiert, weil ihre Pflegemutter nicht mit der Eigenart des kleinen Mädchens zurechtkam. Sie war ihr unheimlich. Als Jessi mich um Hilfe bat, hatte Angelo alles in die Wege geleitet. Nun lebte die Kleine bei Greta und Janos. Sie haben aber auch einen gemeinsamen Sohn. Oliver ist - wie sein Vater - ein Wandler und auch ein ganz besonderer Freund von uns. Er nahm meine Hände in seine warmen und sah mich lächelnd an.

»Du siehst glücklich aus, Schwesterherz«, meinte er.

»Das bin ich«, erwiderte ich und schenkte auch ihm mein Lächeln.

»Kann ich dich umarmen, ohne etwas kaputt zu machen?«, fragte er mit einem schiefen Grinsen. »Natürlich, Brüderchen! Sehe ich denn so zerbrechlich aus?«

»Ja. So schön und so zart«, murmelte er. Dann umarmte er mich und ich ihn. Ich spürte seine Hitze und nahm wieder einmal seinen leichten Duft nach Sandelholz wahr. Ich legte meine Wange an seine Brust und dachte, dass ich ihn auch liebte. Ja, ich liebte ihn wirklich. Doch es war die Liebe wie für einen Bruder. Auch bei ihm fühlte ich mich stets geborgen.

Oliver drückte mir noch einen Kuss auf die Wange. Dann umarmten sich er und Angelo freundschaftlich. Eine der letzten Gratulanten war eine schlanke, aber vollbusige Frau. Ich musterte sie argwöhnisch, als sie vor uns stand. Sie lächelte mich freundlich an. Doch auch ihr Blick mit ihren dunkelblauen Augen war prüfend. Das konnte nur Kathy sein.

»So. Du hast nun endlich deine große Liebe gefunden. Mach sie glücklich! Sonst bekommst du es mit mir zu tun. Weißt du eigentlich, dass ihr bei uns in aller Munde seid?«, sagte sie zu Angelo und schaute ihn dann endlich an.

»Hab ich mir schon gedacht. Schön, dass du gekommen bist, Kathy«, antwortete er lachend.

»So ein Ereignis lass ich mir doch nicht entgehen«, kicherte sie. Dann umarmten sie sich beide und gaben sich jeder einen Kuss auf die Wange. Nun stellte sie sich vor mich.

»Tina. Ich darf doch Tina sagen?«

Ich nickte.

»Ich freue mich ehrlich für euch. Wir beide werden in der Zukunft gute Freundinnen sein«, erklärte sie mir und umarmte mich ganz spontan. Fragend sah ich sie an. Woher konnte sie das wissen?

»Sie hat auch manchmal Visionen und hat noch eine andere interessante Gabe«, raunte Angelo mir zu.

»Oh«, entglitt es mir und dachte mir aber gleich, dass ihre Visionen anders sein mussten als meine. Diese hatten wohl eher erfreulichere Inhalte.

Endlich waren alle ihre Glückwünsche losgeworden und begaben sich zu ihren Autos, um zur Csárda von Greta und Janos zu fahren. Dort sollte die Feier stattfinden. Angelo und ich blieben zurück. Er spürte, dass ich noch nicht hier weg wollte. Als wir allein an der kleinen Bühne standen, sah er mich fragend an. »Sie werden auf uns warten.«

»Nur ein paar Minuten. Bitte.« Flehend schaute ich ihn an. Er nickte zustimmend. Ich griff nach seiner Hand und zog ihn mit mir zum Flügel. Dort stellte ich mich ganz dicht ihm gegenüber, dass sich unsere Körper berührten. »Bitte. Spiel es für mich noch einmal. Nur für mich.«

Angelo schob seinen Zeigefinger unter mein Kinn und legte sanft seine Lippen auf meine. Ich schlang meine Arme um ihn und hielt mich so an ihm fest. Schützend hielten seine Arme mich umschlungen und gab mir so noch mehr Sicherheit. Es war ein sanfter und sinnlicher Kuss, der mein Innerstes zum Klingen brachte. Langsam löste Angelo sich von mir, und ich seufzte leise. Er setzte sich an den Flügel und begann zu spielen. Ich stellte mich neben dem schönen Instrument und lehnte mich dort an. Dann lauschte ich seinem wunderbaren Spiel. Ja. Es war von Chopin Nocturne Op. 9 Nr. 2. Wunderschön, dachte ich und schloss für einen Moment die Augen. Als Angelo sein Spiel beendet hatte, stand er vor mir und gab mir einen Kuss auf die Stirn.

»Ab Morgen werden wir unsere Zweisamkeit genießen können. Doch heute müssen wir sie noch mit den anderen teilen.«

Ich sah zu ihm auf in seine schönen Augen. »Ich freue mich schon so sehr darauf. Werden wir wieder zu der Insel fliegen?«

»Ja. Zu unserer Insel. Sie gehört uns beiden. Dir und mir«, antwortete er lächelnd. »Sie fragen sich schon, wo wir bleiben«, informierte er mich dann und seine Augen glitzerten jetzt schelmisch.

»Jessi«, vermutete ich. Er nickte zustimmend.

»Dann lass uns hinfahren«, sagte ich lachend. Angelo gab mir meinen Strauß und nahm meine Hand. Dann gingen wir zu dem geschmückten Wagen und fuhren ebenfalls zur Csárda.

Dort wurde uns ein glanzvoller Empfang bereitet. Wir mussten durch einen Rundbogen gehen, der mit cremefarbenen Rosen und Gerberas geschmückt worden war. Zusätzlich zierten ihn Bänder in derselben Farbe. Man reichte uns ein Glas Champagner und ließ uns hochleben. Dann ging das Fotoshooting los. Ein extra engagierter Fotograf, den ich schon bei der Trauung entdeckt hatte, schoss nun unzählig viele Fotos mit uns und dann mit den Gästen. Ich ließ alles wie im Traum über mich ergehen. Auch Angelo machte alles mit, ohne zu murren. Endlich war der Fotograf fertig, und wir wurden von Greta zu der Tafel geführt. Mir verschlug es die Sprache, als ich das sah. Alles war so, wie ich es mir vorgestellt hatte. Lachsfarbene Gerberas und Rosen zierten den langen Tisch, der mit cremefarbenen Decken belegt war. Er war gedeckt mit weißem Geschirr, silbernem Besteck und Kristallgläsern. Silberne Kerzenleuchter mit cremefarbenen Kerzen rundeten alles ab. Die Tische und Stühle standen auf hellen Platten, mit denen man die Terrasse erweitert hatte. Davor hatte man eine Bühne aufgebaut, die mit den gleichen Farben und Blumen geschmückt worden war. Zwischen der Bühne und der Tafel befand sich die Tanzfläche.

»Oh, Angelo. Es ist traumhaft«, hauchte ich.

Greta nahm mir wortlos, aber schmunzelnd, den Brautstrauß ab und führte uns zu unseren Plätzen. Dann wurde das Essen in mehreren Gängen serviert. Es schmeckte wirklich hervorragend.

Doch ich war von allem so eingenommen und beeindruckt, dass ich kaum etwas aß. Was mich verwunderte, dass wir alle Weißwein tranken. Es war ein sehr guter Wein. Doch ich hatte, so lange ich Angelo kannte, nie weißen Wein mit ihm getrunken. Ich hielt das Glas nachdenklich zwischen meinen Fingern und drehte es hin und her.

»Schmeckt er dir nicht?«, fragte Angelo mich leise.

»Doch. Er ist gut.«

»Lass mich raten! Du fragst dich, warum weiß und nicht rot.«

»Ja.« Ich schaute ihn an und sah seinen durchdringenden Blick. Ich verstand. Er wollte alles verhindern, was mich an Blut erinnern könnte, damit mich nicht wieder Visionen befielen. Meine letzte Vision hatte, wie auch schon die meisten von den vorausgegangenen, keine erfreulichen Aussichten gezeigt. Daran wollte ich wirklich nicht erinnert werden. Und ich wollte nicht, dass neue dazukamen.

»Danke«, murmelte ich. »Passt auch besser zum Ambiente.«

»Genau«, flüsterte er lachend.

Jemand klopfte im gleichen Augenblick mit dem Löffel an seinem Glas und verschaffte sich so Gehör. Zu meinem Erstaunen sah ich, dass es mein Vater war, der aufgestanden war.

»Ich möchte anlässlich der Vermählung unserer Tochter und unseres nun Schwiegersohnes ein paar Worte sagen. Nicht, weil es sich gehört, sondern weil es mir ein Bedürfnis ist. Tina ist ein wundervoller Mensch, und wir sind stolz auf sie. Es erfüllt uns mit Freude, dass sie mit Angelo ihr neues Glück gefunden hat, das beiden Erfüllung bringt. Tina. Ich erlaube mir es auch im Namen deines verstorbenen Vaters zu sagen. Deine Mutter und ich wünschen euch Mut und Kraft zu all euren Entscheidungen, die zu fällen sind. Wir wünschen euch alles Glück dieser Welt, das es euch begleitet auf allen Wegen in die Ewigkeit. Haltet eure Liebe fest! Sie ist etwas sehr Kostbares. Ich weiß, wovon ich rede.« Dabei blickte er meine Mutter liebevoll an. »Lasst uns gemeinsam auf das glückliche Paar anstoßen!«

Ich war gerührt von seinen Worten. Es gab mir einen schmerzlichen Stich, als er meinen verstorbenen Vater erwähnte. Aber es war gut, dass er das getan hatte. Er gab mir damit das Gefühl, dass er unter uns weilte. Mein Vater hatte es an mich als seinen letzten Wunsch geäußert, dass ich die Hochzeit nicht verschieben durfte, wenn ihm etwas zustoßen sollte. Wir hatten ihn vor nicht ganz drei Wochen beerdigen müssen. Ja, Andrew wusste wirklich, wovon er redete. Schließlich hatte er über vierzig Jahre auf sein Glück verzichtet.

Dann stand Angelos Vater auf. Er schloss sich den Worten seines Vorredners an und sagte noch etwas zu unserer gegenseitigen Selbstaufopferung und Liebe. Er lobte meinen Mut, aber verkleidete alles so, dass Ingrid und ihr Freund nicht stutzig wurden. Sie wussten ja nichts von den Problemen in unserer Vergangenheit und schon gar nicht, dass sie unter Vampiren, Wandlern und Hexen weilten. Und sie durften davon auch nie erfahren.

Zu meiner und Angelos Überraschung stand auch noch Georg auf. Er versprach uns, wenn wir seine Hilfe benötigten, dass er immer zur Stelle sein würde. Er hoffte auch in der Zukunft auf unsere Nachsicht, wenn er nicht immer Antworten auf unsere Fragen finden würde. Ich verstand sofort, was er meinte, denn er sah mich wieder mit diesem eigentümlichen Blick an, den ich immer nicht deuten konnte. Obwohl mich wieder einmal der Verdacht beschlich, dass es etwas mit den Kindern zu tun haben könnte. Mit ungeborenen Kindern, die sich telepathisch mit mir in Verbindung setzten. Wie jetzt, gerade in dem Moment, wo ich mein Glas wieder auf den Tisch absetzte.

»Hallo Mama«, sagte das eine Kind. Ich atmete scharf ein und ergriff Angelos Hand, die auf dem Tisch lag.

»Hallo, meine Kleinen«, erwiderte ich fassungslos. Wie konnte das nur möglich sein. Sie sprachen doch nie auf so einer riesigen Entfernung mit mir.

»Du bist sehr glücklich.« Sie schienen sogar meine Gefühle zu spüren.

»Ja. Das bin ich. Wo seid ihr, dass ihr euch hier mit mir unterhaltet?« Ich hoffte, heute eine befriedigende Antwort zu bekommen. Doch sie kam nicht.

»Oh. Wo wir immer sind«, entgegnete das eine Kind.

»Wir werden uns bald sehen«, sagte das andere.

»Wie werde ich das wissen?«, fragte ich.

»Du wirst es spüren.«

»Werde ich Schmerzen haben?«, fragte ich erschrocken. Ich glaubte allmählich zu ahnen, welche Bedeutung die letzte Vision hatte.

»Ja.«

»Werde ich sterben?«, fragte ich voller Schrecken. Aber ich erhielt keine Antwort mehr. Die Verbindung war abgebrochen. Ich keuchte auf. Schnell nahm ich mein Glas und trank mehrere Schlucke. Angelo saß ganz still neben mir. Er hatte sich, seit ich meine Hand auf seine gelegt hatte, nicht mehr bewegt. Er wirkte erstarrt, als ich ihn ansah.

»Nein. Bitte Angelo. Es hat nichts zu bedeuten. Es unser Tag. Lass ihn uns genießen und glücklich sein!«, wisperte ich, selbst noch erschrocken.

»Du wirst sterben, wenn sie das Licht der Welt erblicken«, hörte ich ihn verzweifelt stöhnen.

»Angelo. Ich bin nicht schwanger. Keiner von uns weiß, was das alles zu bedeuten hat«, widersprach ich.

»Ich weiß das. Aber allmählich fange ich an zu glauben, dass unser Doktor dahintersteckt«, knurrte er.

»Wie meinst du das?«, fragte ich. Doch überrascht war ich nicht, denn mir ging es ähnlich wie Angelo. Auch ich brachte die Kinder mit Georg in Verbindung. Nur verstand ich nicht, wie das möglich sein konnte.

»Das müssen wir uns für später aufheben«, antwortete er stattdessen und griff nach meiner Hand. Dann stand er auf und zog mich mit sich hoch. Augenblicklich unterbrachen alle ihre Gespräche.

»Liebe Eltern, liebe Freunde! Wir möchten uns bei euch für euer Kommen zu unserer Hochzeit bedanken. Wir freuen uns, dass ihr diesen Tag gemeinsam mit uns feiert. Ich bin so glücklich, dass diese wunderbare Frau an meiner Seite mich erwählt hat. Ich weiß mit Sicherheit, dass auch sie glücklich ist. Sie hat es mir gestanden.« Er sah mich lächelnd an und drückte mir einen flüchtigen Kuss auf den Mund. Dann redete er weiter. »Wir möchten uns nochmals für die zahlreichen Geschenke bedanken. Greta, Janos - vielen Dank, dass wir bei euch unser Ja-Wort geben durften und hier jetzt feiern dürfen.«

»Ist doch selbstverständlich«, rief Janos, und Greta ergänzte noch lachend. »Hatte ja kein bisschen Arbeit. So viele Heinzelmännchen werkelten hier herum.«

»Lasst es uns an diesem schönen Tag gutgehen! Lasst uns feiern und fröhlich sein! Stoßt mit uns an! Auf unser aller Glück!«, rief Angelo. Unsere Gläser waren wieder gefüllt worden. Alle nahmen sie in ihre Hände und ließen das Kristall klingen. Wir setzten uns wieder. Angelo sah mich an und schmunzelte.

»Was?« Ich sah ihn fragend an.

»Du bist so still. Bist du vom Glück so überwältigt, dass es dir die Sprache verschlagen hat?«

»Sollte ich denn auch etwas sagen? Du hast es doch für uns beide gemacht. Ich fand es gut«, entgegnete ich und zuckte mit der Schulter.

Plötzlich stand Angelo auf. »Entschuldige, aber dein Vater hat mich eben um ein Gespräch gebeten. Setz dich doch zu deiner Mutter, damit sie sich nicht unbehaglich fühlt. Sie ist sehr auf deinen Vater fixiert und fühlt sich noch etwas unsicher«, teilte er mir steif mit. Stirnrunzelnd sah ich ihn an. Was hatte das zu bedeuten? Ich schaute von ihm zu meinem Vater. Unsere Blicke trafen sich. Mir schien, dass seiner mit Sorgen belastet war und eine Traurigkeit in ihnen lag, die ich nicht verstand. Ich nahm mir vor Angelo, danach zu fragen, wenn es sich zeitlich ergeben würde. Also rutschte ich nun zu meiner Mutter rüber.

»Wo gehen sie hin?«, fragte sie. Es klang ängstlich.

»Er will nur mit Angelo reden. Mach dir keine Gedanken! Er wird gleich wieder hier sein«, antwortete ich ihr lächelnd. Ich beobachtete sie, wie sie ihm hinterher sah, und musste schmunzeln. Meine Mutter war über beide Ohren verliebt. Ich konfrontierte sie mit meiner Beobachtung. Erst sah sie mich mit einer Falte zwischen den Brauen an, doch dann lächelte sie schief und nickte.

»Schön«, sagte ich. »Und was ist mit ihm?«

»Was soll mit ihm sein?«, fragte sie scheinheilig.

Ich grinste sie belustigt an. »Ist er auch so sehr in dich verliebt?«

»Ich glaube schon.«

»Du glaubst?« Ich sah sie skeptisch an.

Doch sie antwortete nicht, sondern sah wieder in Richtung der Eiche. Ich folgte ihrem Blick und beobachtete mit Unbehagen, wie Angelo seine Haltung änderte. Er schien sich vor Schmerzen zu krümmen. Mein Vater legte ihm mitfühlend seine Hand auf die Schulter.

Oh Gott! So viel Schmerz, dachte ich verzweifelt. Aber warum nur? Was hat er ihm nur gesagt? 

Ich spürte, dass sie sich telepathisch miteinander unterhielten. Doch ich konnte nichts von ihrem Gespräch empfangen. Sie schirmten sich beide vor jeden, insbesondere vor mir, ab.

Angelo straffte sich wieder und sah zu mir. Er zeigte mir ein gequältes Lächeln, dass ich nicht erwidern konnte. Dann schaute er wieder meinen Vater an. Der nickte kurz und ging. Angelo stand immer noch an der alten Eiche.

»Deine Mutter weiß es. Ich liebe sie mehr als meine bescheidene Existenz«, sagte plötzlich mein Vater neben mir und beantwortete damit meine Frage. Dabei zog er meine Mutter vom Stuhl und küsste sie ungeniert. Ich hatte nicht bemerkt, dass er sich zu uns gestellt hatte, denn ich beobachtete ja Angelo.

»Das dachte ich mir. Wann wollt ihr heiraten?«, fragte ich, ohne mein Blick von Angelo zu wenden.

»Im Dezember«, antwortete er.

»Gut. Wirst du mir sagen, worüber du dich eben mit Angelo unterhalten hast?« Nun sah ich ihn auffordernd an.

»Nichts Wichtiges«, wich er mir aus.

»So, also nichts Wichtiges. Merkwürdig, dass Angelo sich immer noch nicht richtig unter Kontrolle hat«, zischte ich ihn ungehalten an, ohne einen Ton von mir zu geben. Dabei funkelte ich ihn böse an. Doch ich erntete einen traurigen Blick. Keine Antwort. Keine Bemerkung. Nichts. Nur dieser Blick, der mich irritierte. Meine Mutter hatte uns beide beobachtet und sah uns fragend an.

»Was ist los? Tina. Heute ist euer Hochzeitstag. Das sollte mit einer der schönsten Tage für euch sein. Und da macht ihr solche Gesichter.« Sie schüttelte verwundert den Kopf.

»Du sagst es. Es ist mit einer der schönsten Tage. Ich will diesen genießen und mich freuen. Und das zusammen mit meiner wunderschönen Frau«, sagte Angelo und zog mich von dem Stuhl. Er gab mir einen Kuss auf den Mund und lächelte mich an. Doch die Trauer war aus seinen Augen nicht verschwunden. Ich wollte wissen, warum das so war. Aber ich musste ihm zustimmen. Es war unser Tag, und den sollte und wollte ich mir nicht verderben lassen. Ich hob mir also meine Fragen für einen späteren Zeitpunkt auf.

Wir gingen nun zu dem Tisch, wo wir die Geschenke abgelegt hatten und begannen sie auszupacken. Das schönste Geschenk war von Jessica. Sie hatte für uns ein wunderschönes Bild gemalt. Es war sogar gerahmt worden. Sie hatte sich mit einem schwarzen Wolf gemalt, der etwas größer als normale Wölfe war. Sie standen dicht nebeneinander. Das Mädchen hatte ihre Hand an dem Tier zu liegen. Wir beide wussten, dass Oliver dieser Wolf war. Das Bild zeigte deutlich das liebevolle Verhältnis der beiden zueinander. Sie waren ja Bruder und Schwester, wenn auch nicht blutsverwandt. Ein ziemlich ungleiches Geschwisterpaar, wenn man bedachte, dass Oliver bereits über vierzig Jahre alt war. Natürlich sah er nicht so alt aus. Durch das Wandeln blieb er jung, hielt sich gut um die Fünfundzwanzig.

Ich warf einen Blick zu ihm und lächelte. Er war ein wirklich gutaussehender Mann. Groß, schlank und kräftig, schwarzes, langes Haar, das er heute wieder zu einem Zopf gebunden hatte. Seine Augen waren dunkelbraun, seine Haut sonnengebräunt. Wenn er lachte, zeigte er eine Reihe strahlend weißer Zähne. So, wie gerade. Er stand zusammen mit Katja und Georg und unterhielt sich mit ihnen. Meine Augen suchten Jessica und fanden sie bei Jan und Alexia. Ich musste schmunzeln, als ich ihr helles Lachen hörte. Dann fiel mir der Blick von Jan auf. Er ließ Alexia nicht aus den Augen und musterte sie interessiert. Sie schien ihm zu gefallen. Ich fragte mich, ob er es bereits wusste, dass auch sie eine Unsterbliche war. Ich schaute weiter in die Runde und sah Kathy auf uns zukommen.

»Nette Gäste habt ihr hier«, sagte sie mit einem gewinnenden Lächeln. »Ich habe gehört, dass ihr eine Firma gegründet habt und das groß aufziehen wollt.«

»Richtig«, bestätigte es Angelo.

»Na. Dann kann ich ja nur gutes Gelingen wünschen. Gibt es schon Kostproben?«, fragte sie neugierig.

»Sicher. Hast du Hunger?« Angelo sah sie mit einem verschmitzten Gesicht an.

»Wenn du mich so fragst. Ich bin nicht abgeneigt. Wenn es gut ist, werde ich eine gute und treue Kundin sein. Das Jagen nervt mich. Man muss immer so auf der Hut sein«, flüsterte sie uns zu.

»Wir müssen dafür aber ins Haus gehen. Du weißt, wir haben menschliche Gäste unter uns«, informierte er sie fast lautlos.

»Kein Problem. Tina. Kommst du mit?« Sie sah mich auffordernd an. Doch ich schüttelte den Kopf. Das musste ich nicht haben, ihnen beim Leeren von Blutbeuteln zuzusehen. Kathy lachte. »Okay. Ich versteh das.«

»Geht ruhig! Es ist ja nicht so, dass ich hier einsam wäre«, schmunzelte ich.

Kathy hakte sich bei Angelo ein, und sie gingen ins Haus. Ich drehte mich um und wollte zu Katja und Georg gehen. Doch daran wurde ich gehindert, denn Xenus stand vor mir und blickte mit seinen silbergrauen Augen direkt in meine.

»Gestattest du?«, fragte er lächelnd. Ich nickte nur. Er reichte mir wortlos seinen Arm, unter den ich nun meinen schob. Er verließ mit mir die Feier und ging mit mir schweigend ein Stück den Waldweg entlang. Ich wurde unruhig, denn ich wusste nicht, was er vorhatte. Ich konnte auch keine Gedanken von ihm hören. Meine hielt ich vorsorglich verborgen.

Plötzlich blieb er stehen und entfernte sich einen Schritt von mir. Dann stand er einfach nur da und betrachtete mich. Das gefiel mir nicht. Ich kam mir wie ein Objekt vor, das zum Verkauf angeboten wurde. Nach einer Weile fragte er mich: »Hast du Angst?«

Prüfend lag sein Blick auf meinem Gesicht.

»Wovor?«, stieß ich überrascht aus.

»Vor mir?«

Ich atmete tief ein. »Nein.« Ich hatte wirklich keine Angst. Mich beunruhigte doch nur, dass ich nicht wusste, was er von mir wollte.

»Was willst du?«, wagte ich nun zu fragen.

»Dich kennenlernen«, antwortete er knapp, in dem er mich weiter musterte. Da spürte ich, wie sich der Druck in meinem Kopf aufbaute.

Verärgert sah ich ihn an. »Lass das!«

»Was?«, fragte er scheinheilig.

»Tu nicht so! Du wirst sie nicht lesen können, wenn ich es nicht erlaube«, antwortete ich ärgerlich.

»Hm. Du hast es bei mir auch versucht«, teilte er mir mit. Er hatte es also gespürt, dass ich zaghaft getastet hatte.

»Versucht. Aber nicht so wie du«, verteidigte ich mich jetzt.

»Stimmt. Aber ich könnte dich zwingen, mir deine Gedanken mitzuteilen.« Sein Blick wurde überheblich.

»Vielleicht«, murmelte ich. Ich glaubte schon, dass er die Kraft hatte, meinen Geist zu brechen. Schließlich war er ja schon uralt. Er musste Kräfte haben, die ich mir kaum vorstellen konnte.

»Willst du es darauf ankommen lassen?«, fragte er lauernd.

»Ich versteh nicht.« Ich stellte mich dumm, weil ich Zeit zum Nachdenken brauchte.

»Doch. Das tust du«, sagte er leise in einem zischenden Ton. Er schien ungeduldig zu werden. Ich stöhnte. Er hatte ja recht.

»Warum fragst du mich nicht einfach, was du wissen willst.«

»Alles.« Es war wie ein Paukenschlag, der in meinem Kopf dröhnte.

»Alles?«, krächzte ich. »Du weißt schon, dass du nicht der einzige Gast bist. Oder?«

Ich wollte schließlich noch einmal zu meiner eigenen Hochzeitsparty zurück.

Xenus lachte leise. »Komm! Wir wollen uns setzen.« Er zeigte auf einen umgestürzten Baumstamm. »Gehen wir dorthin.«

Xenus zog sein Jackett aus und legte es auf den rauen Stamm. Dann deutete er mir, mich zu setzen. Ich tat es wortlos. Er nahm neben mir Platz und griff nach meinen Händen.

»Bitte, gestatte es mir! Öffne dich!«

Ich erfüllte seine Bitte und zog den Riegel zurück. Er hielt seine Augen geschlossen. So saßen wir eine Weile dort und nichts geschah. Doch urplötzlich wurde mir schwindlig und schwarz vor Augen. Ich spürte, wie ich in die Dunkelheit versank. Schnell und haltlos.

Ganz langsam kam ich wieder zu mir. Ich sah noch Bilder vor meinem inneren Auge ablaufen, die fast zu schnell zum Erkennen waren. Doch ich erkannte meine Erinnerungen. Die Sache mit den Werwölfen, Damian und der Hexe, die Beerdigung meines Vaters, die Wandlung meiner Mutter und meine letzte Vision. Ich stöhnte, weil ich an einen schlechten Traum dachte. Aber es war kein schlechter Traum. Xenus hatte in wenigen Minuten alle meine Erinnerungen gelesen und gesehen. Doch diese Hochleistung an Gedankenübertragung war zu viel für mich und hatte mich in die Schwärze geschickt.

Xenus hielt mich fest in seinem Arm. Er ließ mir Zeit, dass ich wieder richtig zu mir kam. Mein Kopf ruhte an seiner Brust. Es fühlte sich für mich stählern an. Hart, aber nicht so kühl wie Angelo. Ich spürte eine Kraft, die nicht nur körperlich, sondern besonders mental war. Meine Benommenheit hatte sich gelegt, und ich konnte somit wieder klar denken.

Das ist also einer seiner Stärken. Doch welche hat er noch? Ob er sie mir verrät?, fragte ich mich. Ich hörte ihn leise lachen.

»Es ist nur Recht, wenn du etwas über mich erfährst. Schließlich hast du mir gerade dein ganzes Leben offenbart«, sagte er ohne ein Laut zu mir. Er streichelte mir über mein Haar. Dann fasste er sacht an meine Schulter und schob mich ein Stück von sich. Sofort hatte ich das Gefühl, von etwas weggerissen zu werden, das Schutz und Geborgenheit bedeutete. Ich schaute ihn mit einem fragenden Blick an. Er lächelte, doch seine Augen sahen ernst in meine.

»Auch das ist eine Gabe. Ich erschaffe einen Schutzwall um mich und um das, was ich zu schützen gedenke. Man kann nicht in diesen eindringen. Man kommt aber auch nicht hinaus.« Das war interessant. Sogar sehr interessant.

»Wie machst du das?«, fragte ich neugierig.

»Zu kompliziert, es zu erklären. Werde eine von uns, dann kann ich es dir zeigen. Vielleicht steckt in dir noch mehr, als ich es bis jetzt sehen konnte.« Er sah mich nachdenklich an und nickte. »Du bist jetzt schon sehr stark. Ich werde dich weiter mit Interesse beobachten.«

»Kannst du noch mehr?«, murmelte ich und musterte ihn.

»Was meinst du?«, fragte er mit einem Schmunzeln.

»Du bist schon so lange auf dieser Erde. Ich weiß, dass ihr stärker werdet mit den Jahrhunderten. Es ist erstaunlich, was du mir gezeigt hast. Aber ich denke, da ist mehr«, erwiderte ich.

»Ich zeige es dir«, sagte er und plötzlich war er verschwunden. Ich schaute voller Überraschung auf den leeren Baumstamm, wo er gerade noch gesessen hatte.

»Ich bin hier«, hörte ich ihn sagen. Ich glaubte mich verhört zu haben. Er war nicht vor oder hinter mir, sondern über mir. Ich blickte nach oben. Er schwebte über mir, lachend mit verschränkten Armen vor seiner Brust. Ich stand auf und sah ihn erstaunt mit großen Augen an. Er hing dort einfach so in der Luft. Da war nichts zum Festhalten oder Abstützen. Kein Seil, rein gar nichts. Er schwebte einfach so rum.

Langsam ließ er sich zu mir heruntergleiten. Seine Füße berührten nun wieder den Boden. Dann ging er in die Knie und schoss mit ungewöhnlicher Geschwindigkeit in die Höhe und entschwand meinen Augen. Vor Schreck wich ich zwei Schritte zurück und starrte in den Himmel. Nichts. Xenus war nicht zu sehen. Ganz sanft berührte etwas meine Schulter. Ich zuckte abermals zusammen und drehte mich ruckartig um. Lächelnd, sich keiner Schuld bewusst, stand er wieder vor mir.

»Unglaublich«, murmelte ich fassungslos. So etwas war doch unmöglich. Selbst in seiner Welt.

»Oh. Da irrst du dich.« Xenus nahm meine Hand und sah mich nun mit ernstem Gesicht an. »Schließ die Augen! Ich zeige dir meine letzte Gabe.«

Ich spürte einen leichten, aber nicht unangenehmen Druck in meinem Kopf. Dunkelheit umfing mich. Plötzlich sah ich mehrere Feuer brennen. Ich erkannte, dass es Scheiterhaufen waren. Fünf zählte ich. Mit Erschrecken zeigte mir diese grausame Szene, dass dort Menschen bei lebendigem Leib verbrannt wurden. Ich sah drei Frauen und zwei Männer an Pfählen gebunden, die in den brennenden Holzstößen steckten. Es war so real, dass ich die Flammen knistern hörte, die Hitze spürte und verbranntes Fleisch roch. Mir drehte sich der Magen um, und ich hatte einen bitteren Geschmack im Mund. Dann wechselte das Bild. Ich sah Xenus durch den Wald laufen. Er schien jemanden zu verfolgen. Eine Kutsche erschien. Sie stoppte so abrupt, dass die Pferde sich aufbäumten. Es gab keinen Kutscher mehr. Auch die Eskorte war verschwunden. Die Pferde hatten ihre Reiter verloren und galoppierten in die falsche Richtung. Xenus riss die Tür der Kutsche auf und zog brutal einen Geistlichen heraus. Jetzt wirst du brennen, rief er dem Geistlichen voller Zorn zu. Sein Gesicht war von seinem Rachedurst wutverzerrt und zu einer Maske erstarrt, als er seine Hand vorschießen ließ. Zu meiner Überraschung flog der Mann nicht an den nächsten Baum, um dort zerschmettert zu werden. Nein. Aus seiner Hand wuchs eine Energiekugel, die sich in einen Flammenwerfer verwandelte. Die Flamme schoss auf den Geistlichen zu und verwandelte ihn in eine lebende Fackel. Dann wurde es wieder dunkel.

Xenus ersparte mir die weiteren schrecklichen Anblicke, die darauf folgten.

»Du kannst deine Augen öffnen«, hörte ich ihn voller Trauer mit brüchiger Stimme sagen.

Ich starrte Xenus entgeistert an. Was hatte er mir da gerade gezeigt? Das war doch eine seiner Erinnerungen. Und es war eine sehr schmerzvolle Erinnerung. Warum gerade diese? Es musste jemand auf diesem Scheiterhaufen verbrannt worden sein, der ihm sehr nahe gestanden hatte. Den er geliebt hatte, mehr als sein Leben. Seine Partnerin? Seine Frau? Er war zu spät gekommen oder war nicht zur rechten Zeit am rechten Ort gewesen, um sie retten zu können. Die schmerzliche Qual stand ihm im Gesicht geschrieben.

»Er war der Letzte, den ich für ihren Tod habe büßen lassen. Es war Mitte des 15. Jahrhunderts. Wir hatten in Italien gelebt. Ich hatte für mehrere Tage weggemusst. Als ich zurückkam, war schon alles geschehen. Sie hatten sie als Hexe innerhalb weniger Stunden gefoltert, gequält und verurteilt. Sie war nicht in der Lage, sich zu wehren, denn sie war noch eine zu junge Unsterbliche. Es hatte jemand gegeben, der ihr Wolfskraut verabreicht hatte. Margret war meine Frau.«

»Das tut mir leid«, flüsterte ich voller Mitgefühl.

»Danke. Das muss es nicht. Es ist lange her.«

»Aber es schmerzt immer noch.« Ich sah es ihm an.

»Ja. Das tut es. Du ähnelst ihr sehr. Sie hatte mir ihren Schmerz nicht mitgeteilt, sondern ihre Gedanken und Gefühle hinter eine Mauer verbarrikadiert. Margret wollte mich so vor dem gleichen Schicksal bewahren«, knurrte er. »Das darfst du Angelo niemals antun. Dann wird er genauso leiden wie ich.«

Ich nickte nur und starrte ihn an. Wie meint es das nur?, dachte ich verwirrt.

Xenus lachte traurig. »Wenn du eine von uns bist, dann habt ihr euer Blut getauscht. So kannst du spüren, ob er sich in Gefahr befindet oder nicht. Umgekehrt ist es ebenso. Aber ihr müsst es zulassen«, erklärte er mir.

»Du kannst sie nicht vergessen. Das verstehe ich. Aber hast du keine neue Partnerin für dich finden können nach dieser langen Zeit?«, fragte ich leise und zurückhaltend.

»Nein.« Es kam so schnell und so hart aus seinem Mund, dass ich erschrocken zusammenzuckte. Er duldete keine weiteren Fragen in diese Richtung, was ich akzeptierte. Nach einer Weile des Schweigens fragte er mich etwas, das mich zuerst sehr verunsicherte.

»Tina. Ich möchte dir etwas vorschlagen. Du kannst es dir überlegen, ob du es möchtest. Ich biete dir und auch Angelo meine Hilfe an. Sie ist völlig uneigennützig. Ich mag euch beide. Ihr seid etwas Besonderes. Es wäre ein großer schmerzlicher Verlust für uns, wenn einem von euch etwas zustoßen würde. Nur, du musst mich etwas tun lassen.«

Ich bekam ein ziemlich mulmiges Gefühl und sah ihn fragend an. Weil ich nichts sagte, sprach er weiter.

»Du musst mich dein Blut trinken lassen«, hörte ich ihn sagen.

Scharf zog ich meinen Atem ein, entzog ihm ruckartig meine Hände und starrte ihn erschrocken an. »Warum?«, hauchte ich.

»Dann kann ich spüren, wenn du in Gefahr bist und kann zur Hilfe eilen«, antwortete er im ruhigen Ton und musterte mich.

»Ich denke, dass geht erst, wenn ich eine von euch bin«, stieß ich irritiert hervor.

»Dann kannst du es auch«, erwiderte er. Ich verstand jetzt, was er meinte. Angelo konnte also bereits spüren, wenn ich mich in einer Gefahr befand. Aber ich durfte meine Gedanken nicht verschließen. Ich konnte es noch nicht fühlen, denn sein Blut war noch nicht in mir.

»Gut. Dann tu es. Wir können jede Hilfe gebrauchen«, sagte ich kurzentschlossen mit fester Stimme und sah in seine silbergrauen Augen. Ich spürte, dass er es ehrlich meinte.

»Gib mir deine Hand!«, forderte er sanft. Ich reichte sie ihm und beobachtete ihn.

»Schließ deine Augen!«, flüsterte er, während er auf mein Handgelenk schaute. Doch ich schüttelte widerwillig den Kopf.

»Genau, wie Margret«, flüsterte er wehmütig. Seine Lippen streiften über meine Haut und ließen sie prickeln. Dann küsste er die Stelle, an der nun mein Puls heftig schlug. Gleich darauf spürte ich einen leichten Druck, der wieder verging. Dafür wurde mir ganz leicht, als würde ich beginnen zu schweben. Ich seufzte leise. Langsam senkten sich meine Lider. Doch dann hob er bereits seinen Kopf. Ich sah noch, wie sich seine Fangzähne zurückzogen. Er legte ein zweites Mal seine Lippen auf mein Handgelenk und verweilte dort wenige Augenblicke. Plötzlich saß er wieder aufrecht vor mir und schaute mich lächelnd an. Mir entglitt ungewollt noch ein Seufzer, denn die Leichtigkeit, die mich ergriffen hatte, verschwand.

»Ich verstehe Angelo. Dein Blut ist sehr köstlich«, sagte er leise mit einer rauen Stimme.

Stirnrunzelnd sah ich ihn an.

»Keine Sorge. Ich werde keine Gelüste nach deinem Blut verspüren. Ich habe dir meine Hilfe angeboten. Dafür war diese kleine Prozedur notwendig«, erklärte er mir mit einem Schmunzeln. Dann ließ er meine Hand los. Ich schaute zu der Stelle, an der er mich gebissen hatte. Aber es waren nur noch zwei kleine rötliche Punkte zusehen, die schnell verblassen würden.

»Wir sollten jetzt wieder zu den Gästen gehen«, sagte er. »Sie vermissen dich bereits.«

»Aber Angelo weiß doch, dass ich mit dir hier bin«, wandte ich ein. Es war mehr eine Frage als eine Feststellung.

»Ja. Das weiß er«, entgegnete er mit einem Nicken. »Es war angenehm mit dir zu plaudern. Ich hoffe, dass wir das wiederholen können.«

»Ja. Ich auch«, erwiderte ich lächelnd. Xenus stand auf und reichte mir seine Hand. Ich nahm sie und stand ebenfalls auf. Dann schob ich meinen Arm wieder unter seinen, und wir gingen den Weg zurück zu meiner Hochzeitsfeier. Angelo war sofort zur Stelle und nahm mich schützend in seinen Arm. Xenus nickte ihm freundlich zu und sagte: »Beschütze sie gut! Sie ist sehr kostbar.«

»Das werde ich. Darauf kannst du dich verlassen«, erwiderte Angelo und sah ihn mit einem entschlossenen Blick an.

»Sie wird dir erzählen, worüber wir gesprochen haben«, ergänzte er dann mit einem Schmunzeln. Ich begriff, dass Xenus uns die ganze Zeit vor allen Gedankenlesern abgeschirmt hatte. Ich war ihm dafür sehr dankbar. Alles, was er in meinen Erinnerungen gesehen hatte, ging den anderen Unsterblichen ja auch nichts an.

Xenus trat nun diskret ein paar Schritte von uns zurück und wandte sich ab. Angelo fasste um meine Taille und führte mich zur Tanzfläche. Dort sah ich eine wunderschöne Hochzeitstorte stehen. Sie hatte drei Etagen. Ganz oben stand ein kleines süßes Brautpaar, das sich küsste.

Die Torte war cremefarben mit hübschen Farbtupfern, die aus lachsfarbenen Rosen und Gerberas bestanden. Diese waren durch gelbliche Bänder miteinander verbunden. Jessica stand neben der Torte. Ich musste schmunzeln. Wenn die Torte am Boden gestanden hätte, dann wäre diese sogar größer als das Mädchen gewesen.

»Ich übergebe euch beiden das Messer, damit ihr gemeinsam die Torte anschneiden könnt«, sagte sie mit ihrer hellen, klaren Stimme und lachte uns fröhlich an.

Angelo und ich, wir fassten beide an den Griff und schnitten ganz langsam das erste Stück heraus, damit der Fotograf alles in Bild und Ton festhalten konnte. Das erste Stück bekam Jessica, die über das ganze Gesicht strahlte. Dann verteilten wir die Stücke an die, die auch etwas von der Torte wollten. Es waren fast alle. Ich beobachtete, dass Xenus und auch William sich nichts holten. Auch Angelo nahm sich kein Stück. Er aß eben keinen Kuchen, wenn er nicht unbedingt musste. Ich schnitt mir nur ein kleines Stück ab, von dem Angelo notgedrungen etwas abbekam. Widerwillig aß er zwei kleine Happen. Meine Mutter beobachtete dies mit gerunzelter Stirn.

»Du magst keinen Kuchen«, stellte sie fest.

»Nein«, antwortete Angelo zurückhaltend und sah sie schuldbewusst an.

»Aber du hast meinen immer gegessen«, sagte sie und musterte ihn nachdenklich.

»Das habe ich«, bestätigte er es.

»Obwohl du keinen magst. Warum?«

»Ich wollte höflich sein«, entgegnete er etwas kleinlaut.

Sie schüttelte den Kopf. »Das hättest du mir aber sagen können«, warf sie ihm vor.

»Nein. Das konnte ich nicht«, erwiderte er mit einem Schmunzeln. Sie musterte ihn.

»Ich glaube, ich verstehe, was du meinst«, sagte sie dann, schob sich einen Löffel in den Mund und dachte darüber nicht weiter nach. Ich hörte nur, wie sie ihre verstärkten Geschmacksnerven analysierte. Mmmm. Dieses Schokostück ist hervorragend. Früher konnte ich das nicht so intensiv genießen. Es ist so anders. So intensiv. Wie alles.

Was sie mit wie alles auch meinte, ich wollte es nicht unbedingt hinterfragen. Aber schmunzeln musste ich trotzdem. Dafür begegnete ich dem amüsierten Blick von meinem Vater. Er schien meine Gedanken belauscht zu haben. Sofort schob ich meinen Riegel wieder vor, was ihn zum Lachen brachte. Mit einem strafenden Blick sah ich ihn an, lächelte aber dabei. Ich schaute nun in die Runde und beobachtete unsere Gäste. Katja und Georg fütterten sich gerade gegenseitig. Greta, Delia und Janos lachten über etwas, was wohl Amatus von sich gegeben hatte. Oliver, Roman und Thomas schaufelten sich die Torte in den Mund. Roman und Thomas hatten ihre Freundinnen mitgebracht. Roman hatte mir verraten, dass er seine im Herbst heiraten wollte. Seine hübsche Freundin schien zu wissen, was er war. Jessica war schon fertig und hörte Musik, die ihr Oliver auf den MP3-Player gespielt hatte. Silvius beobachtete verstohlen Ingrid und ihren Freund, die sich ebenfalls mit ihrer Torte beschäftigten. Ich sah sogar William lachen, der seine Clara verliebt anschaute. Sie unterhielten sich mit den Gästen aus Griechenland. Jan schien Alexia zuzuhören. Er starrte sie unverwandt an. Das machte mich stutzig. Dieser Blick. Sie schien ihm zu gefallen. Sogar sehr zu gefallen. Auch sie sah ihn mit einem Lächeln an, das Bände sprach.

Ich stieß Angelo an.

»Hast du Alexia und Jan schon einmal beobachtet?«, flüsterte ich ihm zu.

»Sie scheinen sich zu mögen«, antwortete er schmunzelnd.

»Ja. Scheint so«, murmelte ich.

Die Kaffeetafel wurde von flinker Hand abgeräumt. Währenddessen hatte ich zu den Musikern gesehen. Sie hatten schon zwischendurch leise Melodien gespielt, als wir Kaffee getrunken und die Torte gegessen haben. Sie hatten zwischen Klavier- und Gitarrenmusik gewechselt. Einer der Mitglieder dieser Band bat nun Angelo und mich auf die Tanzfläche, damit wir den Eröffnungstanz tanzten. Die Gäste stellten sich in einem großen Halbkreis um uns herum. Angelo und ich standen uns gegenüber und sahen uns an. Er schenkte mir sein Lächeln, das ich so sehr liebte, und ich gab ihm meins dafür. Die Band spielte die ersten Töne, und ich schloss vor Freude kurz meine Augen. Ich erkannte diesen Walzer auf Anhieb. Es war der Walzer, den Angelo mit mir an dem Abend getanzt hatte, als er mir den Heiratsantrag gestellt hat. Der Donauwalzer von Johann Strauß.

Ich schwebte in seinen Armen über die Tanzfläche und vergaß dabei Raum und Zeit. Ich hätte den restlichen Nachmittag und den ganzen Abend so mit ihm weiter tanzen können. Doch die Musik endete und eine weitere Melodie erklang. Ich befand mich plötzlich in den Armen meines Vaters wieder, der mir lachend ins Ohr flüsterte, dass er sich mit der Absicht trug mit mir weitere Tänze zu absolvieren.

Dann lag ich schwebend in den Armen von Amatus. »Du bist wunderschön. Alle bewundern dich«, raunte er mir zu.

»Danke, Vater«, flüsterte ich verlegen. Amatus stutzte, doch dann schwang er mich erfreut mehrmals herum, hob mich an und setzte mich wieder ab. Strahlend sah er mich an.

»Du machst mich glücklich. Jetzt bist du wirklich zu Hause angelangt.«

»Nicht ganz«, murmelte ich und sah ihn mit ernsten Augen an. Er wusste sofort, an was ich dachte.

»Er wird sich nicht mehr lange Zeit lassen. Glaub es mir!«, raunte er mir zu. Dann gab er mich ab an Jan. Jan war ein guter Tänzer. Seine Schwester und er hatten sich die Mühe gemacht, eine Tanzschule zu besuchen. Es war Katjas Idee gewesen. Sie brauchte einen Tanzpartner und hatte ihren Bruder einfach mit angemeldet. Es gab zwar ein paar Diskussionen, aber er tat ihr den Gefallen und begleitete sie. Beide hatten ihren Spaß bei dieser Sache gehabt. Und nun tanzte mein Sohn mit mir. Ich spürte, dass er immer wieder verstohlen zu Alexia schaute. Sie beobachtete ihn ebenfalls.

»Sie ist hübsch«, sagte ich schmunzelnd zu ihm.

»Wer?«, fragte er, was mich zum Lachen brachte.

»He«, sagte ich und knuffte ihn.

»Ja. Das ist sie«, antwortete er nun und grinste etwas verlegen.

»Du scheinst sie zu mögen«, stellte ich fest.

»Hm.«

»Sie dich aber auch.«

»Meinst du?«, fragte er und sah mich nun ungläubig, aber auch hoffnungsvoll an.

»Ja.«

Silvius klatschte ab, und Jan gab mich gezwungenermaßen frei. Und so ging es immer weiter, und ich tanzte mit fast allen männlichen Gästen. Etwas außer Atem geleitete mich Ingrids Freund auf meinen Platz, als die Band endlich für ein paar Minuten pausierte. Man schenkte mir von dem guten Weißwein nach. Doch ich bat um Mineralwasser, was auch prompt gebracht wurde. Gierig trank ich es leer. Angelo hatte sich wieder zu mir gesetzt und hauchte mir einen Kuss auf die Wange.

»Ich hoffe, dass ich heute noch einen Tanz bei dir frei habe«, raunte er mir zu.

»Wenn es nach mir geht, alle«, erwiderte ich leise.

»Davon werde ich wohl heute träumen können«, stöhnte er theatralisch. Ich hoffte, dass er nicht recht bekam mit seiner Vermutung. Ich wollte mit ihm tanzen und nicht nur einen Tanz, sondern viele Tänze. Ich wollte mit ihm in die Nacht tanzen.

Kaum hatte ich das zu Ende gedacht, da stand Oliver vor mir. Er sah Angelo an.

»Darf ich mit deiner Frau tanzen?«

»Klar. Wenn sie es auch will«, sagte er mit einem Grinsen.

»Willst du?«, fragte Oliver mich mit einem unwiderstehlichen Lächeln. Ich nickte, stand auf und nahm seine Hand, die er mir reichte. Auf der Tanzfläche sahen seine Augen mit ernstem Blick in meine.

»Hättest du vor einem Jahr gedacht, dass du ihn heiraten würdest?«, fragte er mich nach den ersten Takten.

»Nein«, antwortete ich. »Ich hätte mir auch niemals träumen lassen, dass ich in so eine Welt eintauchen würde, dass ich ein Teil von ihr werde.«

Oliver hielt mich fest im Arm, als hätte er Furcht, ich könnte weglaufen. Er musterte mich mit seinen so dunkelbraunen Augen. »Du bist glücklich.«

»Ja, Brüderchen. Ich bin sehr glücklich« und strahlte ihn an.

»Gut. Wenn du es nämlich nicht wärst, müsstest du es mir erklären«, meinte er stirnrunzelnd.

»Ich bin es. Wirklich«, versicherte ich ihm und lachte.

»Was wollte der Uralte von dir?« Prüfend lag sein Blick auf meinem Gesicht.

Aha. Das war es also. Er machte sich Sorgen um mich. Ich lächelte und schüttelte leicht den Kopf. »Er wollte mehr über mich erfahren. Dafür hat er mir seine Stärken gezeigt. Er ist ein trauriger Unsterblicher, denn er hat vor vielen Jahren seine Frau verloren. Xenus hat uns seine Hilfe angeboten«, erzählte ich ihm freimütig.

»Und dafür hast du ihn von dir trinken lassen. Oder hat er dich gezwungen?«, knurrte er.

»Woher weißt du das?«, fragte ich überrascht.

»Ich habe euch weggehen sehen. Da bin ich hinterhergeschlichen«, gab er freimütig zu.

»Oliver. Du musst dir keine Sorgen machen. Es geschah freiwillig. Wenn ich in Gefahr sein sollte, dann kann er es jetzt spüren. Aber ich muss es zulassen«, erklärte ich ihm kopfschüttelnd, doch ich fand seine Fürsorge rührend.

»Gut. Wenn das so ist, dann ist es in Ordnung.« Nun erschien auf seinem Gesicht wieder das Lächeln, das ihn so anziehend machte. Er zog mich enger zu sich heran und tanzte den Rest schweigend mit mir, was wir beide sehr genossen. Nach zwei Tänzen brachte er mich zu meinem Platz zurück.

Kathy setzte sich neben mich. Mir schien, als hätte sie auf diese Gelegenheit gewartet, dass ich mich endlich einmal setzte.

»Angelo ist ein Glückspilz«, sagte sie lachend.

»Ich würde eher sagen, dass ich der Pilz bin, zu dem das Glück gekommen ist«, erwiderte ich darauf und sah sie ernst an.

»Naja. Du hättest ihn ja auch abweisen können«, meinte sie schmunzelnd.

»Wie hätte ich das können?«, murmelte ich und schüttelte den Kopf. Das hätte ich nicht gekonnt. Niemals. Ich schaute in ihre klaren dunkelblauen Augen, die so tief wie das Meer waren und mich nun ernst musterten.

»Du liebst ihn wirklich sehr. Ich spüre deine Verbundenheit zu ihm. Dieses Band ist sehr eng. Ich verstehe auch, wenn es zerreißt, dass es euch dann beide zerstören wird«, sagte sie leise. »Lasst es mich wissen, wenn ihr Hilfe braucht. Ich werde da sein.«

»Danke«, erwiderte ich.

»Ist doch selbstverständlich. Freunde helfen einander. Vielleicht brauche ich einmal eure«, meinte sie und zuckte mit der Schulter. Sie umarmte mich.

»Ich gehe jetzt mit einem Wolf tanzen. Das habe ich noch nie gemacht«, flüsterte sie mir dabei lachend ins Ohr.

Ich schaute zur Tanzfläche. Angelo tanzte gerade mit Katja. Sie unterhielten sich. Es musste etwas Erfreuliches sein, denn sie lächelte und fing dann laut an zu lachen. Ich wandte mich ab und griff zu meinem Glas mit Mineralwasser. Doch das wurde mir vor meiner Nase weggezogen. Dafür hielt man mir das Glas mit dem Wein hin. Ich schaute, wer sich dazu erdreistete. Georg setzte sich zu mir und sah mich mit ernsten Augen an.

»Stoß mit mir an!«, murmelte er und schaute mich bittend an.

»Sag mir erst, worauf du mit mir anstoßen möchtest«, forderte ich leise. Mein Blick lag auf seinem Gesicht. Er sah mich gequält an. Etwas schien ihn sehr zu beschäftigen, dass ihn nicht losließ. Und es hatte mit mir zu tun. Ich spürte es überdeutlich. Er machte sich Sorgen um mich. Er machte sich sogar Vorwürfe. Doch ich kannte den Grund nicht. Ich konnte es nur ahnen. Mir fiel da nur meine letzte Vision ein.

»Ich mache dir einen Vorschlag«, sagte ich, weil er beharrlich schwieg. »Trinken wir darauf, dass alles gutgeht. Einverstanden?«

In seinem Gesicht machte sich Überraschung breit. Ich sah in seine Augen, die mich fragend anblickten.

»Keine Fragen?« Seine Stimme klang rau.

»Nein. Keine Fragen«, antwortete ich lächelnd. Georg hob nun ebenfalls lächelnd sein Glas.

»Auf, das alles gutgeht«, sagte er und stieß mit mir an. Er trank mit einem Zug das ganze Glas leer, während ich nur einen Schluck nahm. Er stellte das Glas auf den Tisch und nahm mir meins ab, das er auch auf den Tisch stellte. Dann reichte er mir seine Hand.

»Bitte, gewähr mir diesen Tanz!« Schelmisch blickte er mich an. Ich hörte auf die Melodie und stellte fest, dass es ein Tango war und runzelte die Stirn.

»Bist du sicher, dass du einen Tango mit mir tanzen willst? Ich kann das nicht besonders gut.« Unsicher sah ich ihn an. Georg ergriff einfach meine Hand und zog mich hoch, dass ich dabei an seine Brust prallte. Doch er umfasste mich sofort und glitt mit mir auf die Tanzfläche. Dort stoppte er und schaute mich lächelnd an.

»Schließ die Augen!«

Ich atmete tief ein. »Auf deine Verantwortung«, flüsterte ich unsicher und machte sie dann zu. Ich hörte ihn lachen. Dann zog er mich eng an sich und tanzte mit mir diesen Tango so wunderbar, wie ich ihn noch nie zuvor getanzt hatte. Der letzte Ton war verklungen, und ich wagte meine Augen zu öffnen. Die zuvor tanzenden Paare hatten sich an den Rand gestellt und klatschten nun Beifall. Ich bekam einen roten Kopf, als Georg mir noch einen Kuss auf die Hand hauchte.

»Ich danke dir für diesen wundervollen Tanz«, sagte er lachend. »Darf ich dich heute noch einmal darum bitten?«

Ich musste lachen. »Aber natürlich. Zu jeder Zeit.«

Georg geleitete mich zu meinem Platz. Er setzte sich zu Katja, die sich mit ihrer Großmutter unterhielt. Ich stand wieder auf und ging zu Ingrid, weil Angelo nicht da war. Er tanzte gerade mit seiner Mutter. Oliver hatte sich Jessica geschnappt und wirbelte sie herum. Ich hörte sie laut und fröhlich lachen.

»He. Du siehst toll aus. Weißt du das eigentlich?«, fragte Ingrid mich lachend.

»Nun muss ich es ja wohl bald glauben, wenn mir das hier jeder sagt«, grinste ich. »Und. Amüsiert ihr euch?«, fragte ich.

»Ja. Es ist eine tolle Feier. Kommen da noch Spiele?« Sie sah mich belustigt an. Ingrid wusste, dass ich darauf nicht unbedingt erpicht war.

»Ich hoffe nicht, denn die von gestern haben gereicht«, brummte ich mürrisch.

»Ach, komm! Das gehört doch dazu«, grinste sie.

»Ja. Sicher«, stöhnte ich.

Dann sah sie mich ernst an. »Sag mal! Sind die irgendwie alle miteinander verwandt?«

»Wie kommst du denn darauf?«, fragte ich lachend. Doch in mir wuchs der Argwohn. Schöpfte sie etwa Verdacht, dass die meisten hier anders waren als normale Menschen?