Blutstropfen - Die Geschöpfe der Finsternis, Band 5: Schwarzroter Mond - Rowena Crane - E-Book

Blutstropfen - Die Geschöpfe der Finsternis, Band 5: Schwarzroter Mond E-Book

Rowena Crane

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Beschreibung

Die Geschöpfe der Finsternis leben unter uns und sie treiben ihr Unwesen im Verborgenen – aber nicht immer …
Conny geht ganz in ihrem Job auf. Nebenbei ist sie eine erfolgreiche Autorin. Doch bald leidet ihre Gesundheit unter dem täglichen Stress, und sie bekommt Zwangsurlaub verordnet, den sie in einer Kureinrichtung im Norden Rumäniens verbringen soll.
Widerwillig tritt sie die Reise an. Dort trifft sie auf Dr. Carlsen und Dr. Morgan, zwei attraktive Männer. Beide zeigen reges Interesse an Conny und bieten ihr ihren Schutz an. Jeder von ihnen verfolgt dabei jedoch andere Absichten.
Während der Zeit dort findet Conny keine Erholung. Alles erscheint ihr merkwürdig, denn auch bei ihr zeigen sich Gaben. Wird sie es akzeptieren, dass sie ebenfalls zu der Welt der Mythen gehört?
Conny schwebt nun in einer tödlichen Gefahr, die unabwendbar ist, denn Philipp, der Hexer, begehrt sie ebenfalls …

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EPUB

Veröffentlichungsjahr: 2025

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Rowena Crane

 

 

Die Geschöpfe der Finsternis

 

Blutstropfen

 

Eine Vampir-Saga

 

 

Band 5: Schwarzroter Mond

 

 

 

 

 

 

Impressum

Neuausgabe

Copyright © by Authors/Bärenklau Exklusiv

Cover: © by Sofia Steinbeck nach Motiven, 2025 

Korrektorat: Katharina Schmidt

 

Verlag: Bärenklau Exklusiv. Jörg Martin Munsonius (Verleger), Koalabärweg 2, 16727 Bärenklau. Kerstin Peschel (Verlegerin), Am Wald 67, 14656 Brieselang

www.baerenklauexklusiv.de / info.baerenklauexklusiv.de

 

Die Handlungen dieser Geschichte ist frei erfunden sowie die Namen der Protagonisten und Firmen. Ähnlichkeiten mit lebenden Personen sind rein zufällig und nicht gewollt.

 

Alle Rechte vorbehalten

 

Das Copyright auf den Text oder andere Medien und Illustrationen und Bilder erlaubt es KIs/AIs und allen damit in Verbindung stehenden Firmen und menschlichen Personen, welche KIs/AIs bereitstellen, trainieren oder damit weitere Texte oder Textteile in der Art, dem Ausdruck oder als Nachahmung erstellen, zeitlich und räumlich unbegrenzt nicht, diesen Text oder auch nur Teile davon als Vorlage zu nutzen, und damit auch nicht allen Firmen und menschlichen Personen, welche KIs/AIs nutzen, diesen Text oder Teile daraus für ihre Texte zu verwenden, um daraus neue, eigene Texte im Stil des ursprünglichen Autors oder ähnlich zu generieren. Es haften alle Firmen und menschlichen Personen, die mit dieser menschlichen Roman-Vorlage einen neuen Text über eine KI/AI in der Art des ursprünglichen Autors erzeugen, sowie alle Firmen, menschlichen Personen , welche KIs/AIs bereitstellen, trainieren um damit weitere Texte oder Textteile in der Art, dem Ausdruck oder als Nachahmung zu erstellen; das Copyright für diesen Impressumstext sowie artverwandte Abwandlungen davon liegt zeitlich und räumlich unbegrenzt bei Bärenklau Exklusiv. Hiermit untersagen wir ausdrücklich die Nutzung unserer Texte nach §44b Urheberrechtsgesetz Absatz 2 Satz 1 und behalten uns dieses Recht selbst vor. 13.07.2023 

Inhaltsverzeichnis

Impressum 

Das Buch 

Die Geschöpfe der Finsternis 

Blutstropfen 

Schwarzroter Mond 

Vorwort 

1. Uneinsichtig! 

2. Stille Planung 

3. Anreise zur zwangsverordneten 

4. Erste Eindrücke 

5. Zuwiderhandlung 

6. Unvorstellbares 

7. Zum See und noch weiter 

8. Verbotener Ausflug mit Folgen 

9. Des Hexers List 

10. Walpurgisnacht 

11. Am Ende 

12. Verloren Geglaubtes 

13. Pläne 

14. Der Ball 

15. Umzug 

16. In Ungarn 

17. Wut 

18. Gefangen 

19. Das Ritual 

20. Nach der Wandlung 

21. Sorgen um den Hexer 

22. Vorbereitungen für ein großes Ereignis 

23. Vereitlung eines Plans 

24. Der große Tag 

25. Emily 

Von Rowena Crane sind weiterhin erhältlich: 

 

Das Buch

 

 

 

Die Geschöpfe der Finsternis leben unter uns und sie treiben ihr Unwesen im Verborgenen – aber nicht immer …

Conny geht ganz in ihrem Job auf. Nebenbei ist sie eine erfolgreiche Autorin. Doch bald leidet ihre Gesundheit unter dem täglichen Stress, und sie bekommt Zwangsurlaub verordnet, den sie in einer Kureinrichtung im Norden Rumäniens verbringen soll.

Widerwillig tritt sie die Reise an. Dort trifft sie auf Dr. Carlsen und Dr. Morgan, zwei attraktive Männer. Beide zeigen reges Interesse an Conny und bieten ihr ihren Schutz an. Jeder von ihnen verfolgt dabei jedoch andere Absichten.

Während der Zeit dort findet Conny keine Erholung. Alles erscheint ihr merkwürdig, denn auch bei ihr zeigen sich Gaben. Wird sie es akzeptieren, dass sie ebenfalls zu der Welt der Mythen gehört?

Conny schwebt nun in einer tödlichen Gefahr, die unabwendbar ist, denn Philipp, der Hexer, begehrt sie ebenfalls …

 

 

***

Die Geschöpfe der Finsternis

Blutstropfen

 

Eine Vampir-Saga, Band 5:

Schwarzroter Mond

 

 

Vorwort

 

Das Leben ist voller Überraschungen.

Von guten und schlechten.

Die schlechten verabscheuen und verdammen wir.

Wir lieben die guten und schönen.

Und wünschen uns mehr davon.

Manchmal sind sie wunderlich.

Denen schenken wir viel zu wenig Beachtung,

weil wir sie kaum wahrnehmen.

Warum?

Wer glaubt denn noch an Wunder?

An das Außergewöhnliche?

An die Magie?

Du?

Nein?

Versuch es einfach! Du wirst wunderbare Überraschungen erleben.

 

 

1. Uneinsichtig!

 

»Du bist ganz schön fertig. Du brauchst dringend eine Auszeit«, hörte Cornelia ihre Freundin sagen, der sie in ihrem geräumigen Arztzimmer gegenüber saß. Das war etwas, was sie nicht zum ersten Mal von ihr gehört hatte. Doch diesmal war ihr Ton schärfer und eindringlicher, was Cornelia gar nicht behagte. Sie musterte ihre Freundin nachdenklich. Beide waren gemeinsam zur Schule gegangen und schon seit dieser Zeit eng befreundet. Als sie nach dem Abitur an verschiedenen Universitäten studierten, hatten sie sich trotzdem nie aus den Augen verloren. Aus Sarah war eine anerkannte und erfolgreiche Ärztin mit einem Doktortitel geworden. Während es Cornelia ins Management nach München verschlagen hatte, richtete sie sich in dieser Stadt ihre Praxis ein. Cornelia war eine ihrer ersten Patienten gewesen.

Cornelia arbeitete in einer großen und renommierten Firma und hatte als Managerin einen ganzen Aufgabenbereich unter sich. Die Arbeit machte ihr Spaß, weil sie vielfältig und abwechslungsreich war. Sie stellte sie immer wieder vor neuen Herausforderungen. Außerdem verdiente sie besser als gut. Aber das bedeutete auch, dass ihr nicht viel Freizeit blieb. Der Job forderte ihr sehr viel ab. Oft war sie für die Firma unterwegs. Darunter gab es auch zahlreiche Auslandseinsätze. Sie konnte sich gar nicht mehr richtig erinnern, wann sie das letzte Mal Urlaub gemacht hatte. War schon eine Weile her, musste sie zugeben.

»Sag mal, hörst du mir überhaupt zu, Conny?« Sarah sah ihre Freundin mit gerunzelter Stirn an.

»Entschuldige. Ich war in Gedanken.«

»War nicht zu übersehen«, erwiderte sie brummig. »Also. Was sagst du dazu?«

»Wozu?« Cornelia sah sie verständnislos an.

Sarah stöhnte leicht gereizt. »Ich will dich für ein paar Wochen wegschicken. Du brauchst dringend eine Pause.«

»Wegschicken? Kommt gar nicht in Frage!«, widersprach sie heftig. »Das geht nicht. Wer soll denn meine Arbeit machen?« Sie musterte ihre Freundin ärgerlich. Dabei stellte sie wieder einmal neidisch fest, wie gut sie aussah. Sie waren beide gleich alt, doch bei Sarah war noch kein Fältchen zusehen. Sie hatte sich immer noch ihr jugendliches Aussehen bewahrt, obwohl sie schon Ende Dreißig war. Cornelia hingegen fühlte sich seit Tagen uralt. Im Stillen gab sie Sarah recht. Sie schlief schlecht, war viel zu schnell erschöpft. In letzter Zeit musste sie sich oft zwingen, wirklich alle Arbeiten zu erledigen, die am Tag anstanden. Manchmal hatte sie sogar einfach keine Lust zur Firma zu fahren, weil sie wusste, dass noch mehr Arbeit auf sie wartete. Sie bekam oft das Gefühl, dass sie von allem überrollt wurde, dass sie es nicht mehr packen konnte. Das machte ihr zusätzlich Angst. Kein Wunder, dass sie sich im Spiegel nicht mehr ansehen mochte. Nicht einmal das Make-up konnte ihre Augenringe kaschieren. Aus diesem Grund hatte Cornelia ihre Freundin angerufen und um einen Termin gebeten. Sie hoffte, dass sie ihr ein paar Schlaftabletten verschreiben würde, damit sie wenigstens nachts zur Ruhe kam. Für den Tag brauchte sie etwas, das sie munter hielt.

»Du hast einen Stellvertreter. Deine Assistentin ist doch auch eine fähige Kraft. Die beiden werden dich schon würdig vertreten«, hielt Sarah dagegen.

»Nein. Das geht nicht. Das kann ich Steffen nicht zumuten.«

»Das lass ich nicht gelten. Der macht das schon. Bist du eigentlich noch mit ihm zusammen?«

Cornelia sah sie stirnrunzelnd an. »Warum fragst du nicht, ob wir uns ab und zu treffen und miteinander schlafen?«, meinte sie pikiert.

»Wenn du es so ausdrücken willst«, erwiderte Sarah und lehnte sich in ihrem Stuhl nach hinten. Dabei ließ sie Cornelia nicht aus den Augen. »Und?«

»Hm. Ja«, murmelte diese widerwillig.

»Scheint also schon eine Weile her zu sein«, schloss Sarah aus ihrer Antwort. »Conny, das Leben kann doch nicht nur aus Arbeit bestehen. Du machst dich kaputt. Du musst dich auch mal amüsieren. Mal was anderes machen. Leb endlich!« Sarah machte sich wirklich ernsthaft Sorgen um ihre Freundin.

»Unsinn. Ich lebe doch – eben auf meine Weise. Gib mir die Pillen, dann geht das schon wieder. Ist doch nur für eine kurze Zeit.«

»Vergiss es! Da du nicht auf meinen freundschaftlichen Rat hören willst, muss ich dich als deine Ärztin zwingen. Du wirst zu dieser Kur fahren«, bestimmte sie in einem Ton, der keine Widerrede duldete. Aber Cornelia sah ihre Freundin ärgerlich an. »Das kannst du nicht.«

»Ha, und wie ich das kann. Du wirst mir noch dankbar sein«, erwiderte sie mit einem selbstgefälligen Lächeln. »Wir sehen uns nächste Woche zur gleichen Zeit. Bis dahin hast du Bedenkzeit, dann besprechen wir Zeit und Ort.« Cornelia seufzte. Sie hatte keine Lust und keine Kraft zum Diskutieren. Sie würde einfach den Termin vergessen. Gründe für eine Ausrede gab es genügend.

Als hätte Sarah ihre Gedanken gelesen, blickte sie ihre Freundin drohend an. »Ach, und falls du die Absicht hegst, nicht erscheinen zu wollen, lasse ich dich her schleifen. Es werden keinerlei Gründe akzeptiert.«

Cornelia verdrehte die Augen. »Ja, ja. Ich werde da sein«, stieß sie resigniert hervor.

Sarah gab ihr noch ein leichtes Schlafmittel mit. Sie fand, dass ihre Freundin furchtbar aussah. Total erschöpft, blass mit Augenringen, aber immer noch schön, musste sie zugeben. Cornelia wirkte dadurch noch zarter und zerbrechlicher. Sie schien kaum noch zu altern. Hat wohl besondere Gene der Eltern mitbekommen, dachte sie für sich, aber sie würde dafür sorgen, dass Conny diese Auszeit bekam. Sie wusste auch schon, wo sie sie hinschicken wollte. Als ihre Freundin gegangen war, fing sie an zu telefonieren.

Cornelia fuhr auf kürzestem Weg nach Hause. Sie wollte sich jetzt nur noch auf ihre Couch setzen und in Ruhe ihren Tee trinken. Vielleicht würde sie auch weiter an ihrem Roman schreiben. Das war das Einzige, was sie von ihrer Arbeit ablenkte. Dann begab sie sich in eine ganz andere Welt. In eine Welt voller Mythen, in der die Werwölfe, Hexen, Vampire und anderen mystische Gestalten lebten. Sie glaubte nicht an so etwas. Dafür hatte sie aber eine riesige Fangemeinde, die ihre Bücher zu verschlingen schienen. Vor zwei Tagen hatte der Verlag ihr sechstes Buch unter ihrem Pseudonym Conny Hans herausgegeben. Ihre Assistentin war wohl eine der Ersten, die sich das Buch besorgt hatte. Sie wartete schon seit Tagen, dass sie es endlich in ihren Händen halten konnte. Diese Lektüre verschlang sie wie ihr Lieblingsessen. Emily kleidete sich sogar wie eine der Hauptfiguren. Sie hatte am nächsten Tag mit dem Buch vor Cornelias Gesicht umher gewedelt.

»Ich hab schon angefangen zu lesen. Mensch, ist das spannend und sooo romantisch«, schwärmte sie ihr vor. »Wenn er mir über den Weg laufen würde, dann …« Sie plapperte munter weiter, doch Cornelia hatte nur mit dem halben Ohr hingehört. Sie kannte ja die Geschichte. Schließlich hatte sie sie geschrieben. Was keiner in der Firma wusste, dass sie auch eine freie Autorin war, dass sie derartige Bücher verfasste. Das sollte auch so bleiben.

»Emily. Mach mal `ne Pause! Du hebst ja richtig ab«, hatte Cornelia sie schmunzelnd ermahnt. »Du steigerst dich da in was rein. Also nein, das sind doch alles nur Fantasien. Diese Figuren gibt es nicht wirklich. Komm also wieder auf den Boden der Realitäten zurück.«

»Du solltest die Bücher dieser Frau selbst einmal lesen. Sie erzählt alles so real, als hätte sie das alles selbst erlebt, und ich glaube das fast auch. Ist mir egal, was du über mich denkst«, hatte sie sich verteidigt.

»Ich denke nur, dass du dich da in was verrennst«, hatte Cornelia ihr erwidert, doch Emily hatte noch nicht aufgegeben. »Es wird so viel über sie geschrieben, dann muss doch was Wahres dran sein. Sie existieren. Sie zeigen sich nur nicht. Ist ja auch verständlich.«

Cornelia fuhr ihren Wagen, einen Audi A6, in die Tiefgarage. Schnell lief sie zum Fahrstuhl und ließ sich von ihm in die vierte Etage bringen. Hier hatte sie sich eine geräumige Wohnung gekauft, die sie sich modern eingerichtet hatte. Achtlos schob sie ihr Pumps beiseite und hängte ihren Mantel über den Bügel. Sie lief in die Küche, setzte Wasser auf und ging sich umziehen. Sie wollte unbedingt in etwas Bequemes schlüpfen. Als das Wasser kochte, goss sie es in die Kanne, in der sich ein gefülltes Teesieb befand. Damit und mit einem Glas bewaffnet, ging sie in ihr Wohnzimmer. Sie stellte alles auf den niedrigen Tisch ab und ließ sich dann auf die breite Couch fallen. Ihre Gedanken wanderten zu dem Gespräch mit Sarah zurück. Was dachte sie sich nur dabei? Sie konnte doch nicht einfach ihre Arbeit Steffen überlassen. Klar würde er sie gut vertreten und auf Emily war Verlass. Aber es war ihr Bereich. Sie war verantwortlich.

Cornelia rieb sich die Schläfen. Es machten sich leichte Kopfschmerzen bemerkbar. Kein Wunder. In letzter Zeit hatte sie viel zu wenig Schlaf bekommen und am Tag trank sie nie genug. Die Mahlzeiten nahm sie zu unregelmäßig ein und dann oft in Eile. Ihre Küche hatte sie bis jetzt kaum genutzt. Steffen hatte hier einmal für sie gekocht. Meistens war sie bei ihm gewesen, wenn sie sich verabredet hatten. Sie liebte ihn nicht, aber er sie schon. Sie musste sich auch diesmal wieder eingestehen, dass sie Steffen benutzt hatte. Er war immer für sie da, wenn sie ihn brauchte – und das eigentlich nur für gewisse Stunden. Aber das kam in letzter Zeit eher sehr selten vor.

Sie dachte an Sarahs Worte: ›Das Leben kann doch nicht nur aus Arbeit bestehen.‹ Sie gab ihr ja recht. Man muss auch mal etwas anderes machen. Sie fragte sich nun, wann sie sich das letzte Mal amüsiert hatte, wann sie das letzte Mal etwas für sich gemacht hatte.

Ihr fiel nichts ein. Gar nichts.

Cornelia stand auf und schaute aus dem Fenster hinunter auf den Park, der von hier aus gut zu überblicken war. Der Frühling hatte Einzug gehalten und präsentierte überall sein helles Grün. Sie konnte die gelben Farbtupfer der Narzissen ausmachen. Doch dann setzte sie sich wieder und nippte an ihrem Tee. War sie wirklich so ausgepowert? Sie wollte nicht weg. Basta! Kurz entschlossen stand sie wieder auf und holte ihren Laptop. Dann begab sie sich in das Reich der Fantasie und schrieb an ihrem siebten Roman weiter.

Nach fast zwei Stunden klappte Cornelia den Laptop zu. Bevor sie ins Bett ging, nahm sie das Schlafmittel, das Sarah ihr gegeben hatte. Sie hoffte, dass sie diesmal durchschlafen konnte – und das länger als nur drei Stunden.

 

 

2. Stille Planung

 

Der Wecker riss Cornelia aus dem Schlaf. Sie war erst in den frühen Morgenstunden eingeschlafen. Das Schlafmittel hatte nicht wie erhofft gewirkt. Völlig fertig schlich sie ins Bad und stellte sich unter die Dusche. Doch auch das machte sie nicht richtig munter. Am liebsten hätte sie sich wieder ins Bett verkrochen, aber diese Schwäche konnte und wollte sie sich nicht eingestehen. Also vollzog sie ihr morgendliches Ritual und fuhr in die Firma.

Emily begrüßte sie mit einem Blick, der Bände sprach. »Du scheinst nicht gut geschlafen zu haben.«

»Wird schon. Ein Kaffee wäre nicht schlecht«, erwiderte Cornelia abwinkend.

»Kommt sofort!«

Cornelia verkroch sich in ihr Büro und ließ sich auf den Sessel fallen. »Dann wollen wir mal«, murmelte sie mit einem Seufzer.

Drei Tage später fand die nächste Vorstandssitzung statt. Als Cornelia den Konferenzraum betrat, waren bereits fast alle Mitglieder anwesend. Unter ihnen entdeckte sie Steffen.

»Was willst du denn hier?«, fragte sie ihn verwundert.

»Der Chef hat mich angerufen. Ich soll heute der Sitzung beiwohnen. Den Grund kenne ich auch nicht«, teilte er ihr achselzuckend mit. Cornelia fragte sich, was das wohl wieder zu bedeuten hatte. Nun, sie würde es garantiert gleich erfahren.

Der Vorstandsvorsitzende eröffnete die Sitzung und erklärte als ersten Tagesordnungspunkt, warum auch der Stellvertreter ihres Bereiches anwesend war. Cornelia versteifte sich innerlich, als er die Mitglieder über den Grund informierte. Dabei sah er sie unverwandt mit einem entschuldigen Lächeln an.

»Frau Hansen war bis jetzt mit großem Einsatz viele Jahre für unsere Firma tätig. Persönliche Dinge hat sie immer hinter den Interessen unserer Einrichtung gestellt. Wir haben festgestellt, dass sie die letzten Jahre zwar den Urlaub beantragt, jedoch hat sie ihn nie angetreten hat. Wir müssen auch an die Gesundheit unserer hervorragenden Mitarbeiter denken. Wir brauchen Sie, Frau Hansen. Darum werden Sie in der nächsten Zeit einen verlängerten Urlaub verordnet bekommen. Ihr Stellvertreter Herr Jansen wird Sie während Ihrer Abwesenheit vertreten.«

»Das geht doch nicht«, wandte sie fassungslos ein.

»Jeder Mensch braucht einmal eine Erholungsphase. Sie auch. Über alles andere reden wir später«, sagte er und würgte somit einen weiteren Einwand ab. Dann ging man zur Tagesordnung über. Cornelia gab sich wirklich die größte Mühe, sich darauf zu konzentrieren, aber es wollte ihr nicht richtig gelingen. Wie kam man nur darauf, dass sie Urlaub brauchte? Wer oder was steckte wirklich dahinter? Sie wollte allein entscheiden, wann sie sich frei nahm und wann nicht. Man konnte sie doch nicht einfach dazu zwingen! Warum sagte man ihr das hier vor allen Mitgliedern? Warum fragte man sie nicht vorher und sprach das mit ihr ab? Dass man sie so einfach vor vollendete Tatsachen setzte, fand sie nicht richtig. Cornelia fing an, sich darüber maßlos zu ärgern.

Nach der Sitzung bat sie der Vorsitzende des Vorstandes zu sich in sein Büro.

»Setzen Sie sich bitte, Frau Hansen!« Cornelia nahm Platz und musterte ihn verärgert.

»Was soll das?«, fragte sie. Überrascht schaute er sie an.

»Frau Hansen. Wir haben bei einer Überprüfung festgestellt, dass Sie in den letzten drei Jahren nicht einen Tag frei genommen haben. Das verkraftet kein Mensch. Wie ich schon vorhin sagte: Wir wollen Sie nicht verlieren. Es ist beschlossen. Sie können Herrn Jansen in der nächsten Woche noch die wichtigsten Details mitteilen. Danach packen Sie Ihre Koffer. Wir wollen Sie erst in drei Monaten hier wiedersehen.«

»Wie bitte? Drei Monate?«, hauchte sie. Das konnte doch wohl nicht wahr sein. Drei Monate? Was sollte sie bloß so lange machen? Wo sollte sie hin? Sie würde vor Langeweile sterben. Ganz sicher.

»Ja. Drei Monate. Auch wenn Sie es nicht hören wollen. Sie sehen total fertig aus. So, und jetzt gehen Sie! Erholen Sie sich und kommen sie mit neuen Kräften wieder.«

Damit verabschiedete er sie. Cornelia kannte ihn gut genug, um zu wissen, dass ein weiterer Einwand nichts ändern würde. Geknickt verließ sie sein Büro, das Ganze immer noch nicht fassend.

Emily beobachtete sie schweigend, als sie an ihr vorbeiging. Sie hatte die Neuigkeit von Steffen erfahren. Emily, Steffen und andere Mitarbeiter fanden es richtig, was der Vorstand entschieden hatte, aber sie fanden auch, dass man es ihr hätte schonender beibringen sollen. Cornelia holte wortlos ihren Mantel und griff nach ihrer Handtasche. »Ich geh jetzt. Bis morgen«, teilte sie Emily mit. »Alles in Ordnung?«, fragte sie besorgt.

»Ja. Warum nicht? Hab doch gerade den längsten Urlaub der Geschichte verordnet bekommen. Das ist doch was«, erwiderte Cornelia sarkastisch.

»Conny. Ich denke, dass das so richtig ist. Du bist fix und fertig.«

»Du also auch«, murmelte sie enttäuscht.

»Das denke nicht nur ich«, verteidigte sich Emily.

»Also habt ihr euch gegen mich verschworen«, schloss Cornelia daraus.

»So ein Unsinn. Du machst dich kaputt. Wir machen uns Sorgen um dich.« Emily schüttelte verständnislos den Kopf. Cornelia sah sie schweigend an, dann ging sie zur Tür. Dort drehte sie sich noch einmal um.

»Ich komme morgen etwas später. Wenn ich schon unfreiwillig Urlaub machen muss, dann sollte ich auch eine Reise planen.«

Am nächsten Morgen war sie die Erste, die im Wartezimmer ihrer Freundin und Ärztin Sarah auftauchte.

Die Überraschung stand Sarah im Gesicht geschrieben.

»Nanu! Du hattest doch eine Woche Bedenkzeit«, begrüßte sie Cornelia munter. »Setz dich!«, forderte sie sie auf und beobachtete sie dann mit einem verhaltenen Schmunzeln. Sarah konnte sich denken, was passiert war. Sie hatte ein paar Anrufe getätigt. So wurde eine inoffizielle Anfrage an die Firma gestartet, in der ihre Freundin arbeitete, ob den Mitarbeiter in den letzten fünf Jahren der gesetzlich vorgeschriebene Jahresurlaub gewährt und ob er auch angetreten wurde. Die Firma hatte also schnell reagiert, wie sie zufrieden feststellte. Doch das alles musste Conny nicht wissen. Wichtig war nur, dass sie ihren Urlaub bekam und vor allem ihn auch nahm. Ihrer Freundin schien das gar nicht zu passen, doch das interessierte sie nicht. Sarah hatte versprochen, dafür zu sorgen, dass Conny ihre Auszeit bekam. Nun konnte sie alles in die Wege leiten. Ein paar Telefonate, dann war auch das erledigt.

»Also. Was ist los? Hast du dich entschieden?«, fragte sie.

Cornelia schnaubte verächtlich. »Die haben mich zu drei Monaten Zwangsurlaub verdonnert. Auf einmal fällt ihnen auf, dass ich drei Jahre keinen Tag frei hatte. Ist das nicht merkwürdig?«

Sarah machte große Augen. »Drei Monate? Wow!« Donnerwetter. Gleich drei Monate. Das hätte ich nicht erwartet, dachte sie bei sich erfreut. »Warum merkwürdig? Irgendwann musste es ja mal auffallen. Sei doch ehrlich, man sieht es dir an.«

»Mag sein, aber gleich drei Monate. Einer hätte es auch getan«, murrte Conny.

»Ach, sieh das doch positiv! Du kannst relaxen, dich ausschlafen, hast mehr Zeit für deine Schreiberei«, entgegnete Sarah. Sie war die Einzige, die über ihre Autorentätigkeit Bescheid wusste. Mit irgendjemand musste sie sich ja mal darüber unterhalten. Steffen hatte sie nie davon erzählt. Dafür gingen auch ihre Interessen viel zu weit auseinander. Ihre Eltern, eigentlich Adoptiveltern, waren früh gestorben. Geschwister hatte sie keine.

»Drei Monate lang. Da bin ich vor Langeweile gestorben«, stöhnte Conny.

Sarah lachte laut auf. »Iwo. Wirst du nicht. Wir werden einen schönen Ort finden, wo man dich verwöhnt und du dich auch erholst. Da wirst du alles finden, was du brauchst. Schließlich kenne ich dich lange genug.«

»Wie ich dich kenne, hast du schon längst was ausgeheckt. Spuck’s schon aus!«

»Was hältst du von Maramuresch?« Sarah hatte ein verschmitztes Lächeln im Gesicht.

»Sollte ich wissen, was das ist?« Conny sah ihre Freundin stirnrunzelnd an, denn sie hatte beim besten Willen keine Ahnung, wo das sein sollte. Doch statt auf ihre Frage zu antworten, stellte sie eine Gegenfrage: »Ab wann bist du abkömmlich?«

»Sie haben mir eine Woche gelassen. Bis dahin soll ich Steffen in die wichtigsten Angelegenheiten eingewiesen haben«, antwortete Conny.

»Dann ist Freitag dein erster Urlaubstag. Das ist gut, also wirst du am Samstag abreisen?«

»Wie bitte? Ehrlich, Sarah. Das geht nicht«, widersprach sie nun heftig.

»Natürlich geht das. Sei mal spontan! Was hält dich denn hier? Oder findest du es in deinen vier Wänden so erquickend?« Sarah musterte die schlanke Frau mit den meerblauen Augen, die sie ärgerlich ansah. »Wie gesagt, ich kenne dich. Du musst hier weg. Weit weg. Sonst kommst du von deiner Arbeit nicht los. Ich will, dass du auch für deine Firma nicht erreichbar bist. Drei Monate völlige Abstinenz.«

Cornelia stöhnte. Ja, Sarah kannte sie wirklich zu gut.

»Was ist das für eine Einöde, wo du mich hin verbannen willst?« Sarah kicherte leise.

»Keine Einöde, aber in eine exquisite Kureinrichtung. Nur für besondere Patienten. Klasse Betreuung, erstklassige Ärzte. Und das Wichtigste: Natur, Natur, Natur.«

»Oh Gott! Also am A…«

»Conny, nicht doch!«, unterbrach Sarah sie lachend. »Es wird dir gefallen. Wenn nicht, dann kommst du zurück, doch du musst wenigstens drei Wochen durchhalten. Abgemacht?«

»Zwei«, hielt Cornelia dagegen.

»Ist nicht verhandelbar. Poker nicht! Sonst werden es vier«, drohte Sarah.

»Okay. Okay. Gut. Drei Wochen.« Cornelia gab sich geschlagen. Sie konnte es ja wenigstens versuchen. »Nun sag mir aber endlich, wo ich versauern soll.«

Du und dort versauern? Du wirst mir noch dankbar sein, lachte Sarah in sich hinein. 

»Hab ich dir doch schon gesagt.«

Verständnislos sah Cornelia sie an. »Nach Maramesch oder wie das heißt?«

Sarah lachte. »Maramuresch. Das ist eine Region im Norden von Rumänien. Sagt dir Transsilvanien was?« Cornelia starrte sie im ersten Moment fassungslos an.

»Willst du mich jetzt auf den Arm nehmen?«, schimpfte sie dann.

»Ich kann ja auch Siebenbürgen sagen«, meinte Sarah schmunzelnd und redete gleich weiter. »Ein Teil von diesem Gebiet gehört zu Maramuresch. In der Nähe von dem Ort mit dem schönen Namen Viseu de Sus befindet sich mitten im Wald die Privatklinik. Für Fremde kein Zutritt. Natur pur, und wie gesagt, exquisite Betreuung und so weiter.«

»Privatklinik. Also auch exquisite Preise«, resultierte Cornelia aus dem Gehörten und stöhnte innerlich.

»Umsonst ist nicht mal der Tod«, spottete Sarah. »Das wirst du verschmerzen können. Da gibt es jemand, der mir noch einen Gefallen schuldet. Du bekommst Rabatt.«

In Cornelia machte sich in diesem Moment ein Gedanke breit, der ihr gar nicht gefiel. »Sag mal! Hast du mich da etwa schon einquartiert?«

»Nein, keine Angst. Ich hatte nur angefragt, ob demnächst was frei ist, und das ist es. Also kannst du schon am Samstag fliegen«, sagte Sarah ohne weitere Bedenken. Cornelia sah ihre Freundin ungläubig an. »Machst du es dir nicht ein bisschen zu einfach?«

»Mach du es doch nicht so kompliziert!«

»Ich bekomme so schnell niemals einen Platz im Flieger«, wandte Cornelia ein. Darauf hoffte sie, doch Sarah durchschaute sie und grinste. Sie rollte mit dem Stuhl zu ihrem Computer. Schnell hatte sich die gesuchte Seite geöffnet.

»Hast du einen besonderen Wunsch? First-Class?«

»Ähm. Ja, natürlich. Sag mal, was machst du da?«

»Deinen Flug buchen.«

»Du lässt mir keine Wahl, oder?«, stöhnte Cornelia.

»Du lässt mir keine Wahl. Man muss dich ja zum Glück zwingen.«

»Glück!«, murmelte Cornelia und verdrehte die Augen. Sarah druckte die Buchungsbestätigungen aus und gab sie ihr.

»Komm nächste Woche noch mal zu mir, dann besprechen wir den Rest.«

Cornelia sah sich die Buchungen an. Zwei Stunden Flug von München nach Bukarest. Dort musste sie dann warten, bis es nach Baia Mara weiterging, aber es stand dort nichts von einem Ort Viseu de Sus. Das bedeutete, dass ihr noch eine weitere Fahrt bevorstand. Dann sah sie die Summe für den Flug und das Wort bezahlt. Flugpreise in dieser Höhe waren ihr nicht unbekannt, doch die liefen immer über ein Spesenkonto.

Ob die mir das auch bezahlen? Schließlich hat man mir ja befohlen Urlaub zu machen, dachte sie missmutig. Sie wollte gerade sagen, dass sie Sarahs Kontonummer benötigte, um ihr das Geld zu überweisen, das sie ausgelegt hatte, da schob sie ihr schon einen Zettel rüber und sagte: »Dann wäre ja soweit alles geklärt. Wir sehen uns in der nächsten Woche. Am besten am Mittwoch. Bis dahin habe ich deine Unterlagen fertig, die du mitnehmen musst.«

Cornelia verabschiedete sich missmutig von ihr und fuhr zur Firma, wo sie sich mit Steffen treffen wollte.

Am Mittwoch holte sie sich, wie abgesprochen, die Unterlagen von ihrer Freundin ab. Cornelia versäumte es nicht, ihre Freundin darauf hinzuweisen, dass ihr das Ganze voll gegen den Strich ging, aber Sarah lächelte nur und gab ihr die schriftliche Bestätigung, dass sie für eine Weile Gast in der privaten Einrichtung sein wird.

Conny war immer noch skeptisch. »Nicht, dass ich in ein Altersheim komme und sich dort nur im Rollstuhl sitzende Menschen befinden, und du weißt, wie ich es hasse, etwas machen zu müssen, was ich nicht will: So was wie Gruppengespräche. Dann lauf ich sogar nach Hause«, murrte sie, doch Sarah lachte darüber nur. Sie gab ihr zu verstehen, dass es keine Kureinrichtung in dem Sinne war, wie Conny es sich vorstellte. Wünsche der Gäste standen dort im Vordergrund. Sie würde es schon selbst herausfinden.

 

 

3. Anreise zur zwangsverordneten

Erholungskur 

 

Cornelia war vor einer halben Stunde in Bukarest gelandet und wanderte nun langsam durch die Gänge. Sie hatte noch genügend Zeit, bis der nächste Flug nach Baia Mara ging. Sie schlenderte auf das kleine Café zu. Dort setzte sie sich und bestellte sich einen Kaffee. Die Zeit verstrich viel zu träge. Einfach so tatenlos herumsitzen, das war ganz gegen ihre Natur. Sie versuchte sich abzulenken, indem sie die Menschen beobachtete, aber das wurde ihr nach kurzer Zeit schon über. Sie ärgerte sich über sich selbst, dass sie sich keins der Bücher in ihr Handgepäck gesteckt hatte. Sie lagen wohl verstaut in ihrem Koffer.

Dann endlich ging es weiter. Nach hundert Minuten landete das Flugzeug in Baia Mara. Sarah hatte ihr mitgeteilt, dass Conny vom Flughafen abgeholt wird. Nun hoffte sie darauf, dass es auch wirklich so war. Sie hatte die zwei Koffer auf einen Gepäckwagen gehievt und schob ihn nun vor sich her. Für drei Monate zu packen, war nicht so einfach gewesen. Insgeheim hoffte sie, dass sie auch an alles gedacht hatte. Wenn nicht, konnte sie sich vorstellen, dass es für sie zu einem Problem werden konnte. Schließlich gab es im tiefen Wald keine Shops. In der Halle blieb sie stehen und sah sich um. Sie konnte niemanden entdecken, der nach ihr Ausschau hielt. Es stand auch niemand dort, der ein Schild mit ihrem Namen zeigte.

Na, das kann ja heiter werden, dachte sie missmutig und sah sich schon einsam und verlassen in der Halle stehen.

Plötzlich wurde sie von hinten angesprochen. »Frau Hansen?«

Cornelia drehte sich zu der Stimme um. Vor ihr stand ein Mann, der sie freundlich anlächelte. »Ja. Das bin ich«, sagte sie.

»Ich begrüße Sie. Mein Name ist Otmar. Ich werde Sie zu unserer Einrichtung fahren. Ist das Ihr ganzes Gepäck?«

»Ja«, antwortete sie.

»Entschuldigen Sie. Darf ich?« Er zeigte auf den Wagen und meinte damit, dass er ihn zum Taxi schieben wollte. Cornelia trat beiseite und überließ ihm das Gefährt. Wortlos ging sie ihm nach und schaute zu, wie er ihre Koffer in ein für ein Taxi unübliches Fahrzeug verstaute. Als Otmar auf den Wagen zugestrebt war, hatte sie überrascht die Stirn gerunzelt. Einen BMW dieser Klasse hätte sie hier nicht erwartet. Es war ein schwarzer X5. Otmar war ihr überraschter Blick nicht entgangen und schmunzelte.

»Wir wollen, dass es unsere Gäste bequem haben und sicher ans Ziel gebracht werden. Wo möchten Sie sitzen?«

»Hinten«, antwortete sie.

»Bitte, steigen Sie ein!« Er hielt ihr die Tür auf. »Es steht ein Korb auf dem Sitz. Greifen Sie ruhig zu! Wir werden noch ein paar Stunden unterwegs sein«, teilte er ihr mit und fuhr dann auch schon los.

Noch ein paar Stunden, stöhnte sie innerlich. Worauf hatte sie sich da bloß eingelassen?

Das dachte sie während der Fahrt noch mehrere Male. Cornelia hatte sich natürlich schlau gemacht und im Internet gegoogelt. Sie wusste, dass sie durch das Gebirge fuhren und dass es hier überwiegend dichte Wälder gibt. Ihnen begegneten kaum Fahrzeuge. Sie schaute oft aus dem Fenster und betrachtete das satte Grün der Bäume. Otmar musste oft das Tempo drosseln, da manchmal die Straße so gewunden war, dass sie das Gefühl bekam, wieder zurückzufahren. Manchmal waren die Kurven so eng und steil, dass er den ersten Gang nutzte, um die Steigung mit dem schweren Wagen zu bewältigen. Doch er machte es so routinemäßig, dass er nur über ihr besorgtes Gesicht schmunzelte. Cornelia hatte ihn eine Zeitlang verstohlen gemustert. Was ihr gleich aufgefallen war, er hatte rötliches Haar und grüne Augen. Otmar war nur wenig größer wie sie und korpulent gebaut. Der Ansatz seines Bauches war nicht zu übersehen. Während der Fahrt hatte er meist geschwiegen. Ab und zu spürte sie seinen prüfenden Blick, wenn er in den Spiegel schaute. Erst als sie ihn ansprach, gab er ihr eine Antwort.

»Sie können gut deutsch«, stellte sie einfach für sich fest.

»Gelernt ist gelernt«, war seine Antwort.

»Sprechen alle in der Einrichtung deutsch?« Cornelia hoffte insgeheim darauf, denn die rumänische Sprache war ihr völlig unbekannt. Sie selbst sprach sehr gut englisch und französisch.

»Wen meinen Sie speziell?«, fragte Otmar.

»Ärzte, Schwestern.«

»Die meisten sprechen fließend englisch, französisch, deutsch und etwas spanisch«, antwortete er.

»Dann sind auch, ähm, Gäste aus anderen Ländern hier«, resultierte sie aus seiner Information.

»Sicher. Zurzeit haben wir Franzosen, Schweizer, auch Amerikaner und Deutsche bei uns.«

»Wie groß ist die Einrichtung? Ich konnte nichts über sie im Internet finden«, fragte Conny neugierig weiter.

»Das können Sie auch nicht. Diese Klinik wird privat betrieben. Unser Professor mag diese Öffentlichkeit nicht so. Er will, dass seine Gäste eine Rundumversorgung erhalten. Sie sollen sich erholen. Viele von ihnen sind nicht zum ersten Mal hier. Er meint, dass unsere Klinik keine Werbung nötig hat, und das glaube ich auch. Es ist keine Einrichtung, wie man sie sonst so kennt und sich vorstellt. Sie werden schon sehen.«

Das hatte sie schon einmal von Sarah gehört. Als sie das Wort Professor gehört hat, stellte sie sich sofort einen älteren Mann mit grauen Haaren vor.

Sie waren nun schon fast zwei Stunden unterwegs gewesen, als sie ein Schild mit dem Namen Viseu de Sus sah. Otmar lenkte den Wagen von der Hauptstraße auf eine schmalere. Cornelia nahm an, dass sie nun ihr Ziel erreicht hatten. Doch sie irrte sich. Es ging noch weiter. Die Straße verschlechterte sich merklich, dann war es keine Straße mehr, sondern nur noch eine Weg aus Sand und Steinen. Plötzlich stoppte Otmar den Wagen.

»Was ist los? Wir sind doch nicht etwas schon da?«, fragte Cornelia mittlerweile schlecht gelaunt. Seit dem frühen Morgen war sie nun unterwegs. Sie fühlte sich wie gerädert und hatte nur noch einen Wunsch: Sie sehnte sich nach einer Dusche und dann nach einem Bett, wo sie hoffte sich ausschlafen zu können. Otmar drehte sich zu ihr um und sah sie nur an. Sein Blick wurde eindringlich. Ungehalten erwiderte sie seinen Blick.

»Was ist nun? Müssen wir den Rest zu Fuß gehen? Oder geht es jetzt weiter?«

Otmar blinzelte und sah sie für einen Moment unschlüssig an. »Entschuldigung. Ich muss mal telefonieren«, murmelte er und verließ den Wagen. Cornelia beobachtete ihn, wie er mehrere Schritte entfernt mit jemand sprach. Laufend sah er in ihre Richtung und schüttelte wiederholt den Kopf. Er wirkte hilflos, dann schien er zuzuhören und nickte. Er kam zurück und öffnete die Beifahrertür, um etwas aus dem Handschuhfach zu holen. Cornelia konnte aber nicht sehen, ob er es gefunden hatte.

»Komplikationen?«, fragte sie unsicher.

»Keine, die nicht zu beheben wären«, brummte er und ging um den Wagen herum. Hier öffnete er die Heckklappe und klapperte mit etwas herum. Cornelia stieg nun auch aus und streckte sich einmal. Sie fühlte sich erschlagen. Otmar stellte sich vor sie und reichte ihr einen Becher mit dampfendem Tee.

»Oh! Wo haben Sie denn den her?«

Er grinste sie an. »Man muss für alle Eventualitäten vorbereitet sein. Ich habe hinten im Wagen immer eine Thermosflasche mit Tee, wenn ich unterwegs bin.«

Cornelia schnupperte an den Tee. »Was ist das? Der riecht gut.«

Otmar lachte leise. Sie fand, dass er ein lustiges Gesicht hat. Wahrscheinlich war er auch ein fröhlicher Typ.

»Eine besondere Kräutermischung nach einem uralten Rezept von meiner Mutter«, verkündete er ihr.

»Aha«, murmelte sie und nippte an den Becher. Der Tee schmeckte gut, wenn nicht sogar eigenartig. Sie versuchte herauszufinden, wonach. Doch es gelang ihr nicht. Otmar nahm ihr den leeren Becher ab und verstaute alles im Kofferraum. Er deutete ihr, sich wieder in den Wagen zu setzen.

»Fahren wir jetzt weiter?«, fragte sie und gähnte hinter vorgehaltener Hand.

»Ja.«

»Entschuldigen Sie meine Ungeduld, aber ich bin fix und fertig. Sind wir nicht bald da?« Sie musste schon wieder gähnen. Otmar machte ein zufriedenes Gesicht. »Die längste Strecke haben wir hinter uns. Es ist nicht mehr weit.«

Hoffentlich, dachte Cornelia seufzend. Oh Gott, bin ich müde. 

Sie lehnte sich nach hinten und starrte aus dem Fenster. Otmar fuhr langsam los. Er war noch keine hundert Meter gefahren, da schlief sie schon. Er atmete erleichtert auf. Das war ihm noch nie passiert. Bis jetzt hatte sich nie einer seinem hypnotischen Blick widersetzen können. Das verwirrte ihn. Mit dieser Frau stimmte etwas nicht, doch das sollte ihn nicht kümmern. Wichtig war nur, dass sie nicht herausfand, wie man zum Klinikgelände gelangte.

Otmar fuhr jetzt nur noch ein kurzes Stück, dann stoppte er den Wagen erneut und stieg aus. Er prüfte, ob ihn jemand beobachtete und konzentrierte dabei alle Sinne. Als er sich sicher war, dass das nicht der Fall war, stellte er sich vor den Berg, der sich zu seiner linken Seite erhob, dann schaute er sich nochmals um und ging zu der uralten Eiche, die dort gewachsen war. Er tastete ihren Stamm ab und murmelte in Richtung des Berges etwas vor sich hin.

Plötzlich öffnete sich der Berg mit einer Zufahrt, dass sogar ein Laster hindurch fahren konnte. Otmar sprang in den BMW und fuhr in den Berg hinein. Sofort verschloss sich das Tor hinter ihm und wurde somit wieder unsichtbar für die Außenwelt. Er durchfuhr den unterirdischen Tunnel, bis er in das angrenzende Tal kam. Hier befand sich die besondere Einrichtung, in der sich ein ausgewählter Kreis an Menschen ihre Jungzellenkur verabreichen ließen. Keiner von ihnen wusste, wie man hierher kam. Oder wie man diese geheime Insel wieder verließ. Bis jetzt waren alle manipulierbar gewesen. Nur eine nicht, und das war die Neue.

Cornelia bekam von all dem nichts mit. Otmar lenkte den Wagen vor den Eingang. Er holte die Koffer heraus, die sofort auf ihr Zimmer gebracht wurden. Cornelia saß immer noch schlafend im Auto. Er betrachtete sie und stellte für sich fest, dass er sie hübsch fand. Aber er sah ihr auch an, dass sie unbedingt Erholung brauchte. Die Frau sah ziemlich fertig aus. Nicht wie die anderen, die hier weilten. Diese Frau Hansen hatte es wirklich bitter nötig. Es tat ihm jetzt sogar leid, dass er sie wecken musste.

In diesem Augenblick schlug Cornelia blinzelnd ihre Augen auf. »Oh. Ich bin eingeschlafen«, murmelte sie entschuldigend. Otmar gab sich große Mühe, sich seine Überraschung nicht anmerken zu lassen. Normalerweise hätte er sie wachrütteln müssen, damit sie zu sich kam. Doch nun sah sie ihn mit klarem Blick an.

»Man hat Ihre Koffer schon auf Ihr Zimmer bringen lassen. Wenn Sie das Haus betreten, sehen Sie den Empfang. Ich wünsche Ihnen einen angenehmen Aufenthalt«, teilte er ihr mit und lächelte schief.

»Danke. Wenn alle so nett sind wie Sie, dann wird er das werden«, erwiderte sie und schenkte ihm ebenfalls ein Lächeln. Dann sah sie sich kurz um. Gegenüber dem Gebäude entdeckte sie ein Carport für mehrere Fahrzeuge. An einem blieb ihr Blick hängen. Sie glaubte ihren Augen nicht zu trauen. Dort stand ein schwarzer Porsche Cayenne Turbo mit dunkel getönten Fenstern. Cornelia schwärmte für dieses Auto. Für sie war es der Traum, der mindestens zwei Preisklassen zu hoch für sie war. Aber dass sie diesen Wagen hier am Ende der Welt stehen sah, verblüffte sie noch mehr. Otmar hatte ihren Blick verfolgt.

»Gehört dem Chef. Hat ’nen auserlesenen Geschmack, was teure Autos betrifft.«

»Aha«, murmelte sie und zog die Stirn kraus. Wahrscheinlich auch bei jungen und hübschen Mädchen, dachte sie missbilligend und drehte sich um. »Also, bis dann«, sagte sie und betrat das Gebäude. In der Empfangshalle erwartete man sie bereits.

Eine junge Frau kam ihr freundlich lächelnd entgegen.

»Herzlich willkommen in unserer Einrichtung, Frau Hansen. Ich bin Maja. Wir hoffen, Sie hatten eine angenehme Anreise.«

Cornelia lächelte zurück und nickte nur.

Die Frau redete gleich weiter. »Sie sind gewiss erschöpft. Ich werde Sie zu Ihrer Wohnung begleiten. Man wird Ihnen noch etwas zu essen bringen. Morgen können wir dann alles andere besprechen.«

»Das hört sich gut an«, entgegnete Cornelia müde. Während sie den Fahrstuhl betraten, um in die zweite Etage zu fahren, erklärte ihre Begleiterin, dass man auch die Treppe nehmen kann. Das wollte sie ihr am nächsten Tag zeigen. Dann gingen sie bis zum Ende des langen Flures. Dort schloss sie die Tür auf und ließ Cornelia eintreten.

»Dies ist eine der schönsten Wohnungen, die wir haben«, sagte Maja. Conny sah sich um und überlegte, ob sie das wohl zu jedem Gast sagen würde. Der Raum, den sie betraten, war ein geräumiges und helles Wohnzimmer mit einer modernen Couch, einem Tisch und einer Anbauwand, in der ein Flachbildfernseher stand. Es gab auch eine Musikanlage. An einer Seite befand sich ein Schreibtisch, was ihr sehr entgegenkam. Dort stellte sie auch gleich ihre Tasche mit dem Laptop ab. Maja war während ihrer stillen Betrachtung zum Fenster gegangen und zog die Vorhänge zurück. Cornelia staunte nicht schlecht. Die eine Seite war ein riesiges feststehendes Fenster. Die andere eine Schiebetür. Dahinter befand sich ein Balkon, der sich bis zum Nachbarraum zog. Dort befand sich das Schlafzimmer mit einem Bett, in dem drei Leute bequem nebeneinander schlafen konnten. Auch dieses Zimmer hatte diese großen Fenster, dann zeigte Maja ihr den begehbaren Kleiderschrank und als letztes das Bad. Bevor sie sich von ihr verabschiedete, gab sie Cornelia noch eine Mappe.

»Hier sind ein paar Termine für Morgen. Da finden Sie auch, was Sie zur Untersuchung mitbringen müssen.«

Cornelia warf schnell einen Blick auf die erste Seite und machte ein unglückliches Gesicht.

Maja lachte. »Es ist nur am ersten Tag etwas viel. Glauben Sie mir. Sie werden sich hier sehr wohl fühlen. Dafür werden alle sorgen.«

Es klopfte leise.

»Das wird Ihr Essen sein«, meinte sie und öffnete die Tür. Ein junger Mann stellte das Tablett auf den Tisch, dann sah er zu Cornelia und begrüßte sie mit einer wohlklingenden Stimme, die sie erstaunt aufhorchen ließ. »Herzlich willkommen.«

»Hallo und danke«, erwiderte sie und musterte ihn neugierig. Er war nicht älter als fünfundzwanzig und sah gut aus. Auch seine dunklen Augen betrachteten sie neugierig, doch Maja scheuchte ihn hinaus und ging dann selbst.

»Ich wünsche Ihnen eine angenehme Nacht.« Sie schloss die Tür hinter sich und Cornelia stand allein in der Wohnung. Sie ging auf den Balkon und schaute in die Nacht. Sie war warm. Nur ein leichter Wind wehte, der ihre Haut zu streicheln schien. Sie blickte zum Himmel und sah, wie die Sterne blinkten. Vom Mond war nur eine hauchdünne Sichel zu sehen. Noch zwei Tage, dann war Neumond. Wenn man genau hinsah und man wusste, wo der Mond seinen Platz am Himmel hatte, dann konnte man ihn erkennen. Den schwarzen Mond. Sie setzte sich auf die Liege, die dort einladend stand und schaute weiter verträumt in die Nacht. Ihre Unterkunft gefiel ihr. Bis jetzt war es still um sie herum. Das Personal war nett. Sie würde abwarten, was die nächsten Tage ihr brachten. Drei Wochen. Wenn es ihr dann nicht mehr gefiel, dann würde sie ohne zu zögern wieder nach Hause fliegen. Doch nun sollte sie erst einmal etwas essen. Ihr Magen fing fürchterlich an zu knurren. Cornelia holte sich das Tablett nach draußen und stillte ihren Hunger. Danach packte sie ihre Koffer aus und brachte die Kosmetik ins Bad. Achtlos ließ sie ihre Sachen im Bad fallen und stellte sich unter die Dusche. Oh, wie sie das genoss. Das warme Wasser lief über ihren Körper und schien ihre Anspannung zu lösen. Nach einer Weile verließ sie die Dusche und trocknete sich ab. Etwas später legte sie sich ins Bett und wartete darauf, dass der Schlaf kam. Aber wie so oft, stellte er sich auch jetzt nicht ein. Verdammt! Sie war doch vorhin noch so müde gewesen, und nun konnte sie nicht einschlafen. Frustriert setzte sie sich hin. Was sollte sie nur machen? Cornelia stand wieder auf und zog sich ihren Morgenmantel über. Sie entschloss sich, wieder auf den Balkon zu gehen. Dort lehnte sie sich an das Geländer und starrte in den angrenzenden Wald. Die Nächte waren hier anders als in Deutschland. Wärmer. Die saubere Luft. Ganz anders als in München zu dieser Zeit. Wenn Emily jetzt hier wäre, würde sie garantiert behaupten, dass sie eine Sauerstoffvergiftung bekäme. Als Cornelia das dachte, musste sie unwillkürlich schmunzeln. Sie schaute zu den dunklen Fenstern des Hauses. Dabei stellte sie fest, dass der mittlere Teil des Gebäudes höher war. Sie konnte statt des Daches ein etwas höheres Gitter ausmachen. So ähnlich, wie das ihres Balkons. Dort musste sich eine Dachterrasse befinden. Cornelia fragte sich, was man von dort für eine Aussicht haben würde. Sie wurde neugierig. Kurz entschlossen verließ sie ihre Wohnung, vergaß aber nicht den Schlüssel mitzunehmen. Leise schlich sie über den Flur bis zum Fahrstuhl. Sie glaubte zu wissen, dass man nur mit ihm auf die Dachterrasse gelangen konnte. Cornelia drehte sich noch einmal um und horchte. Doch alles blieb still. Dann drückte sie auf den Knopf. Der Fahrstuhl setzte sich in Bewegung und es öffnete sich die Tür. Sie betrat ihn und sah auf die Schalttafel. Da stand nichts weiter, nur eine Vier. Darauf hatte sie gar nicht geachtet, als Maja sie zu ihrer Wohnung begleitet hatte. Cornelia tippte auf diese Zahl. Die Tür des Fahrstuhls schloss sich lautlos, dann setzte er sich in Bewegung. Sekunden später öffnete sich bereits wieder die Tür. Sie trat heraus und staunte, denn sie hatte angenommen, dass es nur eine kleine Fläche wäre. Aber sie hatte sich geirrt. Die Terrasse war sehr groß. Cornelia ging bis zur Mitte und drehte sich langsam im Kreis. Nun konnte sie zu allen Seiten sehen und stellte fest, dass sie sich in einem Tal befand, umgeben von Bergen, die mit Bäumen bedeckt waren. Wenn es in der Nacht schon so schön hier war, dann musste bei Tag der Anblick umwerfend sein. Sie setzte sich auf einen der Liegestühle und genoss diese Ruhe, die sie einhüllte. Wenn sie nun auch noch schlafen könnte, dann würde sie für die heutige Nacht wunschlos glücklich sein.

Plötzlich hatte Cornelia das merkwürdige Gefühl, nicht mehr allein zu sein. Sie schaute sich um, konnte aber niemand sehen.

»Ist da jemand?«, fragte sie zaghaft, erhielt aber keine Antwort. Sie schaute sich noch einmal um mit dem gleichen Ergebnis. Trotzdem wurde sie das Gefühl nicht los, dass sie beobachtet wurde.

Ich leide wohl schon an Paranoia, stöhnte sie und stand auf. Sie fuhr mit dem Fahrstuhl wieder zurück in die zweite Etage und legte sich ins Bett. Endlich schlief sie ein.

Cornelia hatte sich nicht geirrt. Es war jemand auf der Terrasse, der sie beobachtet hatte, seit sie sie betreten hatte. Zuerst fühlte er sich gestört, doch dann betrachtete er sie neugierig. Was wollte sie hier oben? Warum lag sie nicht in ihrem Bett und schlief? Er wusste sofort, dass sie die Neue war. Otmar hatte ihn angerufen und ihm verstört erklärt, dass er sie nicht zum Einschlafen bringen konnte. Gut, dass sie aus Sicherheitsgründen immer ein Schlafmittel im Handschuhfach deponiert hatten. Doch er selbst hatte nicht daran geglaubt, dass das mal eintreten konnte. Aber warum lag sie nicht in ihrem Bett? Das Schlafmittel müsste eigentlich noch wirken. Das Zeug setzte sogar den Stärksten außer Gefecht. Und dass Otmar Fehler machte, glaubte er nicht. Er bemerkte, dass die Frau plötzlich unruhig wurde und sich umsah. Dann hörte er, wie sie zaghaft fragte, ob hier jemand wäre. Doch er verhielt sich weiter still in der dunklen Ecke, wo die Grünpflanzen die Sicht zu ihm versperrten. Er wollte sie nicht erschrecken. Sie kam ihm schon so erschöpft vor. Eine ohnmächtige oder vielleicht sogar hysterische Frau mitten in der Nacht war gewiss nicht das, was er jetzt gebrauchen konnte. Er kam selbst öfter hier hoch und schaute in den Himmel. Er genoss die Ruhe, die er hier fand.

Die Frau schien sich nicht mehr wohl zu fühlen, denn sie stand auf und ging zurück zum Fahrstuhl. Dann war sie verschwunden und er wieder allein. Sie hatte ihn neugierig gemacht, doch er wollte sich gedulden. Er würde sie ja am Vormittag kennenlernen.

 

 

4. Erste Eindrücke

 

Cornelia schlug die Augen auf und kniff sie sofort wieder zu, weil das helle Licht sie blendete. Außerdem bemerkte sie, dass sie leichte Kopfschmerzen hatte, die sich garantiert verstärken würden. Sie hatte viel wirres Zeug geträumt. Von einem Berg, der sich öffnete und einen Tunnel frei gab, der zu einem Gebäude führte. Dass sie von einem Schatten beobachtet wurde, vor dem sie sich fürchtete und weglief. Doch er verfolgte sie. Dann war sie im Wald. Sie hatte sich verlaufen. Der Schatten war wieder da und zeigte ihr den Weg. Cornelia rieb sich an ihren Schläfen und schaute auf die Uhr. Es war kurz nach sieben. Erstaunt starrte sie auf die Zeiger. Sonst war sie schon immer um fünf Uhr wach. Sie hatte zwei Stunden länger als sonst geschlafen. In einer Stunde sollte sie sich bei der Schwester melden. So stand es jedenfalls auf ihrem Plan. Danach wartete Maja auf sie, um ihr alles zu zeigen. Sie konnte sich erinnern, dass noch mehr Termine an diesem Tag anstanden. Jedenfalls würde der heutige Tag wohl keine Langeweile aufkommen lassen. Cornelia schlug die dünne Decke zurück und stand auf. Sie ging zum Fenster und schob es weit auf. Bereits jetzt war es ein herrlicher Tag, denn die Morgensonne strahlte am blauen Himmel. Sehnsüchtig blickte sie zum Park hinunter, der sich vor ihrem Fenster ausbreitete. Er schien groß zu sein mit vielen Blumen, Koniferen und Büschen. Sie sah schattige Plätze mit Bänken, wo man sich ungestört zurückziehen konnte.

Conny riss sich von dem Anblick los und ging ins Bad. Danach nahm sie sich eine leichte Sommerhose und dazu eine helle Bluse aus dem begehbaren Schrank heraus. Als sie fertig angezogen war, sah sie wieder auf die Uhr. Sie hatte getrödelt. Frühstück musste ausfallen. Gern hätte sie noch eine Tasse Kaffee getrunken, doch dafür war keine Zeit mehr. Conny nahm sich den großen Briefumschlag, den Sarah ihr mitgegeben hatte.

Dann ging sie zu ihrem ersten Termin. Sie fand selbst die Treppe, die nach unten führte. Eine Etage tiefer entdeckte sie das Schild, das anzeigte, wo sich die Arztzimmer befanden und schlug diese Richtung ein. Der Flur öffnete sich zu einem hellen Warteraum mit Grünpflanzen und einem Springbrunnen in der Mitte. Bequeme Ledersessel boten den Wartenden Platz. Dort saßen eine Frau und ein Mann, die sich unterhielten. Eigentlich war es die Frau, die redete. Der Mann hörte ihr zu. Er war es auch, der Conny bemerkte und sie ansah.

»Guten Morgen«, murmelte sie und setzte sich gleich vorn auf den ersten Sessel. Sie fühlte den Blick des Mannes immer noch auf sich ruhen und schaute zu ihm. Er sah sie wirklich noch an. Nur mit einem Blick erfasste sie sein Aussehen. Schwarzes, welliges Haar fiel ihm auf seine Schulter. Er war sonnengebräunt und muskulös. Dunkle, ja fast schwarze Augen betrachteten sie aus einem markanten Gesicht. Conny schätzte ihn um die fünfunddreißig. Er trug ein weißes Hemd und eine leichte, helle Sommerjeans. Auf Cornelia wirkte er wie ein Zigeuner. Da er sie immer noch unverwandt musterte, schaute sie ihm direkt in die Augen. Sie spürte, dass sein Blick eindringlich wurde. Das ärgerte sie. Deshalb machte sie auch ein entsprechendes Gesicht und schüttelte leicht den Kopf. Was bildet der sich ein? Er hält sich wohl für was Besonderes und meint, dass ihm die Frauen in Scharen zufliegen, dachte sie verstimmt. Insgeheim musste sie aber zugeben, dass er wirklich gut aussah. Doch das war nicht unbedingt neu für sie. Sie war in den letzten Jahren mit vielen Menschen zusammengekommen. Vor allem mit Männern, und da waren schon die unterschiedlichsten Typen dabei. Auch solche, die sich besonders unwiderstehlich fanden. Conny wusste mit ihnen umzugehen.

Nun runzelte ihr Gegenüber seine Stirn. Er schien über etwas nachzudenken. Die Frau neben ihm plapperte immer noch munter weiter und schien gar nicht zu merken, dass er sie nicht beachtete. Aber dann öffnete sich plötzlich eine Tür. Eine Schwester trat heraus und kam auf sie zu.

»Guten Morgen, Frau Hansen. Würden Sie mich bitte begleiten?« Cornelia erwiderte ihren Gruß und erhob sich. Die Schwester, eine junge Frau mit hoch gestecktem schwarzem Haar, schickte sie in den Nebenraum und schloss hinter ihr die Tür. Vorher informierte sie sie noch höflich, dass Doktor Carlsen sie erwartete. Cornelia hatte im Warteraum bereits das Schild neben der Tür gelesen. Dort stand Prof. Dr. Roger Carlsen. Sie wunderte sich etwas über diesen Namen, denn der war eher englisch als rumänisch.

Nun stand sie in der Tür und sah einen Mann, der an seinem Schreibtisch saß und noch etwas schrieb. Weil er sich nicht rührte, schaute sie sich um. Auch dieser Raum war in einem angenehmen hellen beigen Ton gehalten. Die Möbel waren ausnahmslos weiß. Es gab am großen Fenster eine Sitzgruppe. Auf dem Tisch standen ein Krug mit Wasser und Gläser. Jetzt spürte sie wieder Durst.

Sie schaute zu dem Schreibtisch und runzelte die Stirn. Er musste doch mitbekommen haben, dass sie hier stand und wartete. So eine Behandlung war sie nicht gewohnt. Sie fand es unhöflich. Trotzdem hielt sie ihren Mund. Plötzlich war ihr, als wenn er etwas sagte.

Na, dann wollen wir mal. Hoffentlich ist sie nicht so nervtötend wie die Nächste, die da kommen wird, dachte er und blickte hoch. Er registrierte sofort, dass sie die Frau war, die er in der Nacht auf der Dachterrasse beobachtet hatte.

»Wie bitte?«, reagierte Cornelia pikiert und sah dabei zu Boden.

Dr. Carlsen stutzte.

»Hatten Sie gerade etwas gesagt?«, erkundigte sie sich, weil sie glaubte, sich verhört zu haben.

»Nein«, antwortete er mit hochgezogener Braue. Er war sich sicher, dass er nicht laut gedacht hatte.

»Was haben Sie denn gehört?« Nun war er neugierig.

»Ich bin nicht nervtötend«, murmelte sie beleidigt und sah ihn dann an. Wow, dachte sie im ersten Moment und vergaß, was sie zu hören vermeint hatte. Conny hatte sich einen älteren Herrn mit grauem Haaransatz vorgestellt. Aber nun sah sie dort einen Mann sitzen, der verteufelt gut aussah. Viel zu gut für einen Arzt. Viel zu jung, um schon Professor zu sein. Sie schätzte ihn auch um die fünfunddreißig.

Dr. Carlsen musterte sie nachdenklich.

Sie kann unmöglich meine Gedanken gehört haben, dachte er mit Besorgnis, schirmte sich diesmal aber ab. Dafür versuchte er ihre zu lesen und stieß gegen eine Wand. Diese Frau war ein Mensch. Wie konnte das sein? Er fragte sich, ob sie ihre Fähigkeit kannte und ob sie sie auch einsetzte. Wenn ja, könnte es zu Schwierigkeiten kommen und die musste er auf jeden Fall vermeiden. Diese Einrichtung durfte nicht gefährdet werden. Die Menschen durften von ihrer wahren Existenz nichts erfahren, aber vielleicht war sie auch kein Mensch.

Dr. Carlsen erhob sich nun endlich von seinem Sessel und ging langsam auf Cornelia zu.

Wie eine Raubkatze, dachte sie, als sie beobachtete, wie er auf sie zukam. Sie fand, dass er ein sehr blasser Typ war. Dichtes, dunkelbraunes Haar fiel ihm leicht wellig in den Nacken. Stahlblaue Augen musterten Conny jetzt interessiert. Ihr fielen auch sein markantes Kinn und die gerade Nase auf. Er war groß und schlank. Seine Muskeln zeichneten sich deutlich unter seinem Shirt ab, das er unter dem weißen Arztkittel trug, den er nicht zugeknöpft hatte. Er war ein Bild von einem Mann. Und er war garantiert auch einer von den Männern, die wegen ihres Aussehens alles bekamen. Vor allem junge und hübsche Mädchen, dachte sie spöttisch. Es war doch immer so.

Kurz vor ihr blieb er abrupt stehen, was Conny stirnrunzelnd registrierte. Wollte er sie nicht endlich begrüßen und mit ihr reden? Allmählich wurde ihr das wirklich zu dumm.

Dr. Carlsen starrte sie mit innerlichem Entsetzen an. Seine Nasenflügel bebten, als er ihren Geruch wahrnahm. Unwillkürlich machte er wieder einen Schritt zurück. Diese Frau ließ seine ganze Selbstbeherrschung innerhalb einer Sekunde wie ein Kartenhaus zusammenfallen. Ihr Geruch stieg ihm in die Nase und vernebelte seinen Verstand. Er musste sich mit aller Macht zwingen, Abstand von ihr zu halten. Sie würde sonst dieses Zimmer nicht mehr lebend verlassen. Stumm wies er sie mit einer Geste an, bei der Tischgruppe Platz zu nehmen.

Unhöflicher Klotz, dachte Conny verärgert. Etwas steif ging sie dort hin und setzte sich. Also dieser Tag verlief eindeutig nicht nach ihrer Vorstellung. Er setzte sich ihr gegenüber und lehnte sich nach hinten. »Frau Hansen. Auch ich möchte Sie recht herzlich in unserer Einrichtung begrüßen und hoffe, dass es Ihnen hier gefallen wird«, fing er an. Er gab sich Mühe, dass es nicht abweisend klang.

Klar doch, dachte sie zerknirscht. Bis jetzt haben Sie, werter Professor, dazu nichts beigetragen. 

»Hat Ihnen Ihre Ärztin etwas für mich mitgegeben?« Er sah sie nun auffordernd an. Wortlos schob sie ihm den Briefumschlag über den Tisch, aus dem er nun mehrere Zettel zog. Schnell überflog er den ersten und lächelte kurz.

»Frau Dr. Clarsen ist Ihre Ärztin.« Cornelia reagierte nicht darauf. Sie dachte bei sich jetzt ziemlich genervt, dass es ja wohl ersichtlich war. Dr. Carlsen spürte ihren Unmut. Er vermied es immer noch, durch die Nase zu atmen. Er war zu angespannt. Doch er musste sie noch befragen und mit ihr Therapien festlegen. Das Schlimmste stand ihm aber noch bevor. Er musste sie untersuchen. Es sollte seine ganze Willenskraft erfordern, dies durchzustehen.

»Sie teilt mir mit, dass Sie überarbeitet sind und dringend Erholung benötigen. Sie finden kaum Schlaf, sind zu schnell erschöpft, unzufrieden mit sich, gereizt.«

»Gereizt? Nein«, widersprach Conny. »Das andere trifft es.«

»Sie haben oft Kopfschmerzen und sind verspannt«, fuhr er unbeirrt fort. Dann stellte er ihr viele Fragen, die sie ihm kurz und knapp beantwortete. Dabei schaute er sie selten an. Dafür schrieb er umso mehr.

»Ich muss Sie untersuchen. Danach besprechen wir die Therapien. Würden Sie bitte Ihre Bluse ausziehen«, sagte er auf einmal, statt eine neue Frage zu stellen. Conny nahm an, dass er nun wohl seinen Fragenkatalog abgearbeitet hatte. Sie fühlte sich jedoch nach seiner Ankündigung mit einem Mal unbehaglich. Es war ihr unangenehm, sich vor ihm zu entkleiden. Sie spürte, dass er eine große Distanz zwischen sich und ihr aufgebaut hatte. Es kam ihr so vor, als wollte er lieber auf Abstand gehen, als wollte er sie nicht untersuchen. Sie verstand nur nicht, warum. Er tat ja fast so, als hätte sie Knoblauch gegessen. Nie hatte ihr jemand so deutlich gezeigt, dass er sie ablehnte. Das verletzte sie und förderte nicht gerade ihre so schon schlechte Laune. Außerdem verstärkten sich ihre Kopfschmerzen. Wortlos stand sie auf und ging zu der Liege. Dort zog sie ihre Bluse aus und legte sie dort hin. Als sie sich zu ihm umdrehte, stellte sie fest, dass er aufgestanden war und aus dem Fenster schaute. Er stand mit dem Rücken zu ihr. Sie musterte ihn und bemerkte, dass er angespannt war. War sie wirklich daran schuld? Conny wusste es nicht. Sie wollte nur noch hier raus. Er sollte endlich tun, was er tun musste. Dann wollte sie sich etwas zum Trinken besorgen und sich hinlegen. Sie rieb sich wieder an ihren Schläfen.

Dr. Carlsen hatte auf das Rascheln der Bluse gehört. Er wusste, dass sie fertig war und darauf wartete, dass er sie untersuchte. Er drehte sich zu ihr um und sah noch, wie sie ihre Finger von den Schläfen nahm.

»Kopfschmerzen?«, fragte er gepresst.

»Ja«, murmelte sie.

»Haben Sie heute schon etwas gegessen oder getrunken?«

»Nein«, hauchte sie und stützte sich an der Liege ab.

»Warum nicht?«, fragte er ärgerlich.

»Ich wollte nicht unpünktlich sein«, antwortete sie und warf ihm einen widerspenstigen Blick zu. Was bildete er sich nur ein? Sie war noch keine vierundzwanzig Stunden hier und er fragte, warum sie nichts gegessen und getrunken hat. Es gab doch bestimmt Wichtigeres.

Dr. Carlsen drehte sich um und ging zum Tisch. Dann reichte er ihr auch schon ein Glas Wasser.

»Trinken Sie das! Wenn wir hier fertig sind, werden Sie in den Speisesaal gehen und frühstücken.«

Conny nahm ihm das Glas ab, ohne ihn anzusehen und trank es leer. Er stellte es zurück auf den Tisch.

»Bitte drehen Sie sich um! Ich möchte Ihre Lunge abhören«, sagte er dann. Sie spürte das kalte Stethoskop auf ihrer Haut.

»Umdrehen bitte!«, murmelte er und berührte leicht ihre Schulter.

Sie zuckte zusammen. Es war wie eine Schockwelle, die durch ihren Körper jagte und ihr Innerstes aufwühlte. Erschrocken über das Empfundene versteifte sie sich und hielt den Atem an. Das entging ihm nicht. Was ihn jedoch irritierte, dass es ihm genauso erging. Diese winzige Berührung hatte ein Gefühl in ihm erzeugt, das er seit Ewigkeiten nicht mehr empfunden hatte. Nachdenklich sah er sie an. Auch sie schaute zu ihm auf, und er erkannte die Verwirrung in ihren Augen. Verlegen senkte sie ihre Lider und griff nach der Bluse.

»Bitte setzen Sie sich! Ich möchte noch Ihre Reflexe prüfen.« Seine Stimme klang rau. Als Conny auch das hinter sich hatte, nahm sie wieder am Tisch Platz. Er setzte sich ihr gegenüber und musterte sie. Cornelia vermied es weiter ihn anzusehen. Sie blickte auf ihre Hände, die sie ineinander verschränkt hielt.

Nun schlug er ihr verschiedene Therapien vor. Massagen, Bäder, Schwimmen, Wassergymnastik, Gespräche in der Gruppe.

Cornelia konnte ein Stöhnen nicht unterdrücken, als sie das alles von ihm hörte.