Blutstropfen - Die Geschöpfe der Finsternis, Band 9: Nachts - Rowena Crane - E-Book

Blutstropfen - Die Geschöpfe der Finsternis, Band 9: Nachts E-Book

Rowena Crane

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Beschreibung

Die Geschöpfe der Finsternis leben unter uns und sie treiben ihr Unwesen im Verborgenen – aber nicht immer …
Laura arbeitet in einer Bar, Der Job gefällt ihr. Ihr Traum ist es, selbst einmal eine Bar zu eröffnen.
Doch dann wird alles anders. Eines Tages schlägt sie ihre Augen auf und befindet sich in einem Krankenhaus mit einem Tropf an ihrem Arm. Der gutaussehende Arzt erklärt ihr, dass sich in ihrem Körper zu wenig Blut befand, als sie eingeliefert wurde, was ihm ein Rätsel ist. Besonders Laura findet es merkwürdig, denn sie kann sich nur erinnern, dass sie nach ihrer Schicht zum Auto gegangen ist, um nach Hause zu fahren.
Doch allmählich kehrt ihre Erinnerung zurück. Sie ist sich sicher, dass sie überfallen wurde. Doch von wem? Und warum fehlte ihr so viel Blut?
Laura gibt ihre Arbeit in der Bar auf, denn nun fürchtet sie die Dunkelheit. Nach einiger Zeit findet sie einen neuen Job in einer Fleischerei. Die Arbeit gefällt ihr, und ihr Chef, Colin Macrae, ist nicht nur nett, er sieht auch toll aus – wie ein echter Highlander. Aber etwas an ihm kommt ihr seltsam vor, und sie fängt an, Fragen zu stellen, die er ihr nicht beantworten will, was sie noch neugieriger werden lässt.
Es ist kurz vor Ladenschluss. Da betritt noch ein Kunde den Laden. Als Laura sich ihm zuwendet, bleibt ihr fast das Herz stehen …

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EPUB

Veröffentlichungsjahr: 2025

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Rowena Crane

 

 

Die Geschöpfe der Finsternis

 

Blutstropfen

 

Eine Vampir-Saga

 

 

Band 9: Nachts

 

 

 

 

 

 

Impressum

Neuausgabe

Copyright © by Authors/Bärenklau Exklusiv

Cover: © by Sofia Steinbeck nach Motiven, 2025 

Korrektorat: Katharina Schmidt

 

Verlag: Bärenklau Exklusiv. Jörg Martin Munsonius (Verleger), Koalabärweg 2, 16727 Bärenklau. Kerstin Peschel (Verlegerin), Am Wald 67, 14656 Brieselang

www.baerenklauexklusiv.de / info.baerenklauexklusiv.de

 

Die Handlungen dieser Geschichte sind frei erfunden sowie die Namen der Protagonisten und Firmen. Ähnlichkeiten mit lebenden Personen sind rein zufällig und nicht gewollt.

 

Alle Rechte vorbehalten

 

Das Copyright auf den Text oder andere Medien und Illustrationen und Bilder erlaubt es KIs/AIs und allen damit in Verbindung stehenden Firmen und menschlichen Personen, welche KIs/AIs bereitstellen, trainieren oder damit weitere Texte oder Textteile in der Art, dem Ausdruck oder als Nachahmung erstellen, zeitlich und räumlich unbegrenzt nicht, diesen Text oder auch nur Teile davon als Vorlage zu nutzen, und damit auch nicht allen Firmen und menschlichen Personen, welche KIs/AIs nutzen, diesen Text oder Teile daraus für ihre Texte zu verwenden, um daraus neue, eigene Texte im Stil des ursprünglichen Autors oder ähnlich zu generieren. Es haften alle Firmen und menschlichen Personen, die mit dieser menschlichen Roman-Vorlage einen neuen Text über eine KI/AI in der Art des ursprünglichen Autors erzeugen, sowie alle Firmen, menschlichen Personen , welche KIs/AIs bereitstellen, trainieren um damit weitere Texte oder Textteile in der Art, dem Ausdruck oder als Nachahmung zu erstellen; das Copyright für diesen Impressumstext sowie artverwandte Abwandlungen davon liegt zeitlich und räumlich unbegrenzt bei Bärenklau Exklusiv. Hiermit untersagen wir ausdrücklich die Nutzung unserer Texte nach §44b Urheberrechtsgesetz Absatz 2 Satz 1 und behalten uns dieses Recht selbst vor. 13.07.2023 

Inhaltsverzeichnis

Impressum 

Das Buch 

Die Geschöpfe der Finsternis 

Blutstropfen 

Nachts 

Vorwort 

1. Kapitel 

2. Kapitel 

3. Kapitel 

4. Kapitel 

5. Kapitel 

6. Kapitel 

7. Kapitel 

8. Kapitel 

9. Kapitel 

10. Kapitel 

11. Kapitel 

12. Kapitel 

13. Kapitel 

14. Kapitel 

15. Kapitel 

16. Kapitel 

17. Kapitel 

18. Kapitel 

19. Kapitel 

20. Kapitel 

21. Kapitel 

22. Kapitel 

23. Kapitel 

24. Kapitel 

25. Kapitel 

26. Kapitel 

27. Kapitel 

28. Kapitel 

29. Kapitel 

30. Kapitel 

31. Kapitel 

32. Kapitel 

33. Kapitel 

Epilog 

Von Rowena Crane sind weiterhin erhältlich: 

 

Das Buch

 

 

Laura arbeitet in einer Bar, Der Job gefällt ihr. Ihr Traum ist es, selbst einmal eine Bar zu eröffnen.

Doch dann wird alles anders. Eines Tages schlägt sie ihre Augen auf und befindet sich in einem Krankenhaus mit einem Tropf an ihrem Arm. Der gutaussehende Arzt erklärt ihr, dass sich in ihrem Körper zu wenig Blut befand, als sie eingeliefert wurde, was ihm ein Rätsel ist. Besonders Laura findet es merkwürdig, denn sie kann sich nur erinnern, dass sie nach ihrer Schicht zum Auto gegangen ist, um nach Hause zu fahren.

Doch allmählich kehrt ihre Erinnerung zurück. Sie ist sich sicher, dass sie überfallen wurde. Doch von wem? Und warum fehlte ihr so viel Blut?

Laura gibt ihre Arbeit in der Bar auf, denn nun fürchtet sie die Dunkelheit. Nach einiger Zeit findet sie einen neuen Job in einer Fleischerei. Die Arbeit gefällt ihr, und ihr Chef, Colin Macrae, ist nicht nur nett, er sieht auch toll aus – wie ein echter Highlander. Aber etwas an ihm kommt ihr seltsam vor, und sie fängt an, Fragen zu stellen, die er ihr nicht beantworten will, was sie noch neugieriger werden lässt.

Es ist kurz vor Ladenschluss. Da betritt noch ein Kunde den Laden. Als Laura sich ihm zuwendet, bleibt ihr fast das Herz stehen …

 

 

***

Die Geschöpfe der Finsternis

Blutstropfen

 

Eine Vampir-Saga, Band 9:

Nachts

 

 

Vorwort

 

Möchtest du nicht auch jemanden finden,

der keine Angst hat, dir zu sagen, dass er dich vermisst?

Möchtest du nicht jemanden an deiner Seite wissen

der dich perfekt findet, auch wenn du das von dir nicht denkst?

Möchtest du nicht jemanden lieben,

der Angst hat, er könnte dich verlieren?

Wünschst du dir nicht jemanden,

der dir sein ganzes Herz gibt?

Wünschst du dir nicht einen Partner,

der dir sagt, dass er dich liebt und es auch so meint?

 

Wenn du ihn gefunden hast,

dann halte ihn fest!

Wenn du ihn gefunden hast,

dann sage auch du ihm, dass du ihn vermisst,

dass er für dich perfekt ist,

dass du ihn nicht verlieren willst,

dass du ihm dein ganzes Herz schenkst,

dass du ihn liebst!

Und – meine es auch so!

 

 

1. Kapitel

 

»He, Süße! Krieg ich noch einen Drink?«, rief er ihr über den Tresen zu.

»Meinst du nicht auch, dass du für heute genug hast?«, rief sie zurück.

»Ne, einer geht noch«, antwortete er und lächelte sie mit glasigen Augen an.

»Klar, und dann noch einer, und noch einer …«, seufzte sie. Aber sie kam seinem Wunsch nach. Später besorgte sie ihm ein Taxi, damit er heil nach Hause kam. Er belohnte sie mit einem

großzügigen Trinkgeld, als er dann endlich ging.

Laura sah ihm hinterher und schüttelte unmerklich den Kopf. Dieser Mann war ein Stammgast in der Bar, in der sie seit drei Jahren arbeitete. Jedes Wochenende tauchte er hier auf und betrank sich. Und jedes Wochenende besorgte sie ihm ein Taxi und bekam von ihm ein gutes Trinkgeld. Er schien ein Problem zu haben, doch sprach er nicht darüber. Es ging sie auch nichts an.

Sie machte hier ihre Arbeit, die ihr übrigens gefiel, stand hinter dem Tresen und bediente die Gäste. Sie mixte die Drinks oder schenkte pur ein. Immer ganz nach Wunsch. Außerdem verdiente sie nicht schlecht. Und Trinkgeld gab es reichlich. Der einzige Nachteil war, dass sie immer nachts arbeiten musste und nicht so oft die Sonne sah. Aber das war es ihr wert, denn sie sparte darauf hin, selbst eine Bar eröffnen zu können.

Doch dann sollte sich alles schlagartig ändern.

Lauras Schicht war nachts um 4 Uhr zu Ende. Es waren nicht mehr viele Leute in der Bar, so dass sie gehen konnte. Die zwei anderen Barkeeper würden das jetzt auch allein schaffen. Also schnappte sie sich ihre Handtasche und ging nach hinten hinaus. Dort stand ihr kleiner Wagen, den sie sich vor einem Jahr gebraucht gekauft hatte. Er passte zu ihr und brachte sie sicher von A nach B.

Mit der Fernbedienung entriegelte sie das Fahrzeug und öffnete die Tür. Wie immer warf sie ihre Handtasche auf den Beifahrersitz.

Und dann passierte es.

Laura wollte gerade einsteigen. Plötzlich wurde sie von hinten gepackt und an die Seite ihres Wagens gedrückt. Es ging alles so schnell, dass es ihr nicht einmal gelang, zu schreien, denn etwas raubte ihr die Sinne und dann das Bewusstsein.

Einige Male erwachte sie aus ihrer Ohnmacht, ohne jedoch die Augen öffnen zu können.

Was ist passiert? Was ist nur los mit mir? Ich fühle mich so schwach. Ich glaube … ich sterbe. Nein … nicht …

Und schon war sie wieder weggedämmert.

Als sie endlich richtig zu sich kam, musste sie zu ihrer Verwunderung feststellen, dass sie in einem Bett lag. Und dieses Bett befand sich in einem Raum, der ihr fremd war, was sie erschreckte – ja, fast panisch reagieren ließ. Entführung kam ihr in den Sinn.

Erschrocken wollte sie sich aufrichten, doch jemand ließ es nicht zu. Laura blickte ängstlich zu der Person, die das verhinderte. Beinahe erleichtert stellte sie fest, dass es eine Krankenschwester war. Aber warum eine Krankenschwester? Was war hier los?

»Da sind Sie ja wieder. Schön liegenbleiben! Ich hole Dr. Graham«, sagte sie resolut, aber freundlich zu Laura, und deutete noch auf den Tropf neben dem Bett.

Laura verfolgte mit ihren Augen den dünnen Schlauch bis zu ihrer Hand.

Was soll denn das? Warum hänge ich an einem Tropf?, fragte sie sich, weiter angespannt, und blickte der Schwester fragend hinterher, die gerade aus dem Zimmer verschwand.

Kurze Zeit später tauchte sie wieder auf. Und mit ihr ein Mann in einem weißen Kittel, der sich Laura als Dr. Graham vorstellte.

»Was ist hier los? Warum bin ich hier?«, fragte Laura, bemüht, ihre Angst zu verbergen, denn sie konnte sich nicht erinnern, dass es einen Grund dafür geben könnte, in einem Krankenhaus gelandet zu sein – es sei denn, dies war kein Krankenhaus, sondern sie war das Opfer einer Entführung, und die Personen spielten ihr hier etwas vor, um sie hinzuhalten.

Doch der Mann an ihrem Bett wischte ihre panischen Gedanken beiseite.

»Ein Kollege von Ihnen hat sie bewusstlos vor Ihrem Wagen gefunden und den Notdienst alarmiert. Das war auch gut so, denn wir haben festgestellt, dass Sie viel zu wenig Blut im Körper haben. Wir denken, dass eine Störung in der Blutbildung vorliegt. Darum der Tropf …«, klärte Dr.

Graham sie kurz und schmerzlos auf.

Laura musterte nun den Arzt genauer. Sie schätzte sein Alter so um die dreißig. Hübscher Kerl, dachte sie, konzentrierte sich aber schnell wieder auf ihr Problem.

»Das ist doch Unsinn. Ich bin kerngesund. Vor ein paar Wochen hab ich mich gerade untersuchen lassen. Da war noch alles in Ordnung«, widersprach sie der Auffassung des Arztes.

»Warten wir ab, was uns das Labor sagt. Aber die Ursache ihrer Ohnmacht beruht mit Sicherheit auf den Blutmangel«, entgegnete er und riet ihr: »Seien Sie vernünftig und warten den Befund ab! Dann wissen wir Genaueres.«

»Wenn es sein muss«, seufzte sie, konnte es aber nicht glauben, was er ihr da über sie erzählte.

Dr. Graham musterte sie und sagte dann schmunzelnd: »Sie werden es überleben. So schlecht ist es hier nicht. Haben Sie Hunger?«

Jetzt, wo er das sagte, musste sie feststellen, dass sie wirklich hungrig war, aber auch durstig. Zum Beweis fing auch gleich ihr Magen an zu knurren.

»Wie ich höre, ja. Schwester Tanja wird Ihnen etwas bringen. Sobald die Laborergebnisse da sind, werde ich wieder zu Ihnen kommen.«

»Danke«, murmelte Laura. Ihr war immer noch schleierhaft, was da mit ihr passiert war. Warum konnte sie sich nur nicht erinnern? Vielleicht musste sie sich etwas mehr anstrengen. So einfach kippt man doch nicht aus den Latschen und hat dann auch noch einen Filmriss, dachte sie ärgerlich.

Dr. Graham und die Schwester wollten gerade gehen, als Laura fragte: »Wie lange bin ich schon hier?«

»Seit über fünf Stunden«, beantwortete die Schwester ihre Frage.

»Wie spät ist es denn jetzt?«

»Gleich 9 Uhr«, war die Antwort der Schwester.

»Dann war ich fast sechs Stunden bewusstlos?«, reagierte sie entsetzt.

»So in etwa. Das ist ziemlich lange, finden Sie nicht auch?«, meinte der Arzt und sah sie nachdenklich an. Laura blieb nichts anderes übrig, als ihm in diesem Punkt zuzustimmen, denn jetzt machte sie sich doch Sorgen, dass mit ihr vielleicht etwas nicht stimmen konnte.

Schwester Tanja brachte ihr nun etwas zum Essen und Trinken. Aber irgendwie war Laura der Appetit abhandengekommen und spürte ihren Hunger nicht mehr. Von dem Gebrachten aß sie gerade mal ein Drittel und stellte den Rest auf den Nachttisch ab. Unruhe hatte sich in ihr breitgemacht.

Was ist, wenn der Arzt recht hat und ich wirklich krank bin?, fragte sie sich. Kann sich denn das so schnell ändern? Vor ein paar Wochen war bei mir doch noch alles topfit.

Plötzlich ging die Tür auf. Es wurde ein Bett ins Zimmer geschoben, in dem eine Frau lag, die sich von der Narkose noch nicht vollständig erholt hatte. Die Schwestern schoben es zu dem angestammten Platz und gingen wieder. Kurz darauf erschien Dr. Graham.

»Also, Ihr Blutbild ist nicht ganz in Ordnung. Die Konzentration der der roten Blutzellen ist etwas zu gering. Ich werde Ihnen ein Eisenpräparat für die Blutbildung verordnen. Dann müsste auch das wieder in Ordnung kommen. Das Ganze ist aber irgendwie merkwürdig. Sagen Sie, ist Ihnen das schon einmal passiert?«

»Nein«, antwortete sie.

»Hm. Ich würde sie trotzdem gern für ein oder zwei Tage hierbehalten.«

Laura machte ein ablehnendes Gesicht.

»Wozu das denn? Sie sagen doch, ich bin so gut wie gesund.« Laura sah nun absolut keine Notwendigkeit mehr für einen längeren Aufenthalt in diesem Haus.

Dr. Graham schaute sie jedoch prüfend an. So einfach konnte er sie nicht gehen lassen, denn er fand die Sache zu merkwürdig: der Blutmangel ohne einen Hinweis einer gravierenden Störung in ihrem Körper. Jedenfalls hat das Labor nichts weiter herausgefunden. Das war ungewöhnlich. Und Ungewöhnliches reizte ihn, das zu untersuchen und den Grund dafür zu finden. Außerdem gefiel ihm das blasse, blonde Mädchen mit den grünen Augen. Sie war wohl einssechzig groß, sehr schlank und hatte einen zu ihrer Figur richtig proportionierten festen Busen. Außerdem schien sie nicht dumm zu sein. Dr. Graham fing an, sich für Laura zu interessieren, und das ging über die Patientin Laura hinaus.

»Können Sie mir beschreiben, wie Ihr gestriger Tag verlaufen ist?«, fragte er nun.

»Natürlich. Aber was soll das bringen?« Laura verstand gerade nicht, was das mit ihrer Ohnmacht zu tun haben sollte.

»Können Sie sich an alles erinnern?«, bohrte Dr. Graham weiter.

Laura dachte kurz nach und sagte dann: »Ich denke schon.«

»Gut, erzählen Sie es mir!«, forderte er sie auf.

Obwohl ihr immer noch nicht klar war, was er damit bezweckte, fing sie an, die letzten vierundzwanzig Stunden Revue passieren zu lassen.

»Also, ich bin gestern um 13 Uhr aufgestanden. Meine Schicht ging bis morgens um 6. Ich arbeite als Barkeeperin in der »Nightmoon-Bar«. Dann war ich im Bad, habe mich angezogen und was gegessen. Danach bin ich zum Supermarkt gefahren. Das war gegen 14 Uhr. Von dort aus ins Fitnessstudio und dann nach Hause. Dort war ich so gegen 18 Uhr. Ich hab dann wieder was gegessen und bin um 19.30 Uhr mit meinem Wagen zur Arbeit gefahren. Heute Morgen war meine Schicht um 3 Uhr zu Ende.«

»Als die Schicht zu Ende war, was war dann?«

»Na, ich hab mir meine Handtasche genommen und bin zu meinem Auto … hab die Tür geöffnet … meine Tasche auf den Beifahrersitz …« Laura kniff die Augen zusammen und rieb sich an ihren Schläfen. Ihr Kopf fing an zu schmerzen. Sie bekam das Gefühl, als müsste sie durch Watte nach ihren Erinnerungen greifen. Aber da war noch etwas, etwas, das wie von Nebel umhüllt war. Doch der Nebel lichtete sich nicht, so sehr sie sich auch bemühte und dabei versuchte, den Kopfschmerz zu ignorieren.

Dr. Graham wartete, dass sie weitererzählte und beobachtete sie genau. Etwas schien ihre Erinnerungen zu blockieren. Doch warum? Oder wodurch geschah das?

»Ich weiß nicht … ich … da ist nichts …«, murmelte sie und schüttelte den Kopf so, als könnte sie das dumpfe Gefühl in ihren Kopf so verscheuchen. War sie gefallen und hatte sich dabei vielleicht den Kopf angeschlagen? Laura fragte ihn, doch er verneinte. Sie hatte keine Verletzung oder Prellung am Kopf. Dafür stellte er ihr weitere Fragen: »War noch jemand bei Ihnen, als sie in den Wagen steigen wollten?«

»Nein. Ich war allein.« Zumindest bis sie in den Wagen steigen wollte, denn von da an fehlte ihr ein Stück, wie sie festgestellt hatte.

»Sind Sie sicher?«

»Ich versteh Ihre Frage nicht. Oder denken Sie, dass mich jemand ausgeknockt hat?«, fragte sie, nun doch unsicher geworden.

»Die Möglichkeit besteht …«

»Ich habe – soweit ich mich erinnern kann – niemand gesehen.«

»Sie haben da eine Verletzung am Hals. Woher haben Sie die?« Dr. Graham deutete mit dem Finger an die besagte Stelle.

»Was für eine Verletzung?« Laura konnte sich nicht erinnern, sich dort gestoßen oder anderweitig verletzt zu haben.

»Einen Augenblick! Der Tropf kann jetzt ab. Dann können Sie sich das im Spiegel ansehen.«

Dr. Lambert befreite Laura von dem Schlauch, so dass sie nun beim Aufstehen nicht aufpassen musste.

Als sie sich im kleinen Bad ihren Hals vor dem Spiegel begutachtete, runzelte sie die Stirn. Da schien sie etwas gebissen zu haben, und dann hatte sie unbewusst daran gekratzt, so dass die Stellen sich vergrößert hatten. Eine andere Erklärung fiel ihr nicht ein. Doch wann soll das gewesen sein? Als sie die Bar verlassen hatte, da hatte sie noch nichts am Hals. Da war sie sich sicher – ganz sicher.

»Das ist doch keine Verletzung. Da hat mich vielleicht was gestochen, und ich hab noch daran gekratzt. Ist doch kaum zu sehen und fast verheilt«, erwiderte sie ihm nun. Es waren eben nur ein feiner dünner Kratzer, der verschwinden würde. Das war kein Grund, sich hier weiter aufzuhalten.

»Sie wissen wirklich nicht, woher Sie das haben?«, hakte er nach.

Laura schaute nun noch einmal in den Spiegel und sah sich die rötliche Stelle genauer an. Es waren feine rote Linien, leicht gebogen wie eine Klammer.

Welch ein Zufall, dachte sie zynisch. Hat mich wohl ein Vampir gebissen, dem die Fangzähne aus Altersschwäche rausgefallen sind. 

Schmunzelnd kam sie aus dem Bad und sah den Arzt herausfordernd an.

»Sie denken doch nicht etwa, dass in unserer Stadt Vampire ihr Unwesen treiben und Frauen das Blut aussaugen?«, konfrontierte sie ihn belustigt mit ihrem Gedanken, der für sie mehr als abwegig war. Dr. Graham lachte auf.

»Nein, das denke ich nicht. Ich denke nur darüber nach, was die Ursache für ihre Bewusstlosigkeit sein könnte. Es muss doch einen Auslöser dafür gegeben haben.«

»Tja, da kann ich nicht helfen. Tut mir leid. Und diese Stellen da …«, Laura zeigte auf ihren Hals, »… werden damit wohl kaum etwas zu tun haben«, sagte sie und setzte sich zurück ins Bett.

Wer weiß, vielleicht doch, meinte Dr. Graham im Stillen. Mal sehen, wie die Stellen morgen aussehen.

Er konnte ihr unmöglich erzählen, dass er das schon einmal erlebt hat, was ihr widerfahren war. Sie würde ihn wahrscheinlich für verrückt erklären und fluchtartig das Krankenhaus verlassen.

Laura blieb noch bis zum nächsten Tag, wollte aber am Nachmittag entlassen werden, denn sie fühlte sich gesund und munter.

Dr. Graham untersuchte sie aber noch einmal und sah sich in einem Punkt bestätigt. Die merkwürdigen Linien waren verblasst, kaum noch zu sehen. Eigentlich war das unmöglich. Der Heilungsprozess war viel zu schnell vonstattengegangen. Zu gern würde er diesem Phänomen nachgehen und es untersuchen, aber mit welcher Begründung? Nur ein Zufall konnte ihm zu einer Lösung verhelfen. Aber wann traf der ein? Wenn er alt und grau war? Bis dahin hatte er bestimmt aufgegeben, sich damit zu beschäftigen und wohl etwas in seinen Augen Sinnvolleres gefunden.

Am gleichen Abend ging Laura wieder zur Bar, auch, um ihren Wagen zu holen, der ja da noch stand. Eigentlich hatte sie einen freien Tag. Aber da man zwei Nächte für sie eingesprungen war, wollte sie anfragen, ob man ihre Hilfe brauchte. Doch die war nicht nötig.

Nun überlegte sie, was sie mit dem Rest des Tages anfangen sollte. Wie von selbst trugen ihre Beine sie zu dem kleinen Parkplatz hinter der Bar. Hier war es nur den Angestellten erlaubt, ihr Auto abzustellen. Jeder hatte schon seinen angestammten Platz.

Laura ging langsam auf ihren Wagen zu und überlegte krampfhaft, was an der besagten Nacht abgelaufen war. Wie immer entriegelte sie mit der Fernbedienung die Fahrertür, öffnete sie und warf die Tasche auf den Beifahrersitz. Und wieder stellten sich Kopfschmerzen ein, aber keine weiteren Erinnerungen. Nur Nebel.

Merkwürdig, dachte sie und fasste sich dabei an den Hals.

 

 

2. Kapitel

 

Zu Hause setzte Laura sich vor die Flimmerkiste und zappte so lange herum, bis sie einen Film gefunden hatte, der ihr zusagte. Danach ging sie ins Bad und dann ins Bett. Noch einmal versuchte sie sich zu erinnern, was passiert sein könnte, als sie in ihr Auto steigen wollte. Es brachte ihr nur weitere Kopfschmerzen.

Das wurde Laura allmählich zu bunt, und sie schimpfte vor sich hin: »Das ist ja wie Hirnwäsche aus`m Film? Nicht, dass mir noch mein Hirn explodiert!«

Nach einer Weile war sie jedoch eingeschlafen.

Aber es wurde ein sehr unruhiger und beunruhigender Schlaf, der ihr durchaus echt vorkam, als sie davon wieder erwachte.

Laura stand vor ihren Wagen und warf ihre Handtasche hinein. Dann wollte sie sich hineinsetzen. Doch drückte sie jemand an den Wagen weg und schloss die Tür dabei. Dann wurde sie von dort weggezerrt. Das ging so schnell, dass sie nicht in der Lage war, sich zu wehren oder um Hilfe zu schreien. Plötzlich stand sie in einer dunklen Ecke des Parkplatzes, wohin das Licht nicht reichte. Sie war starr vor Angst. Was wollte der Kerl von ihr? Sie etwa hier vergewaltigen?

»Sei still! Ich will dir nicht wehtun«, flüsterte ihr eine männliche Stimme zu.

Das beruhigte sie auf keinen Fall, sondern steigerte ihre Angst noch. Sie wollte sich bewegen, ihn wegstoßen, aber es war nicht möglich, denn sein Körper hielt sie, eng an die Hauswand gedrückt, gefangen.

»Bitte nicht …«, kam es noch über ihre Lippen, als sie seinen Mund am Hals spürte …

Schweißgebadet wachte Laura schlagartig auf. Ihr war ganz trocken im Mund. Der ganze Traum kam ihr so real vor, dass sie zu zittern begann.

Sie war überfallen worden. Das stand für sie fest. Doch was hatte der Kerl mit ihr gemacht, dass sie so lange bewusstlos gewesen war? Vergewaltigt hatte er sie nicht. Das hatte man untersucht und nichts festgestellt. Zerrissene Kleidung hatte sie auch nicht. Die war nicht einmal schmutzig. Und gestohlen war auch nichts. Dafür hatte sie aber was am Hals.

Ein Vampirbiss?

Quatsch! Das war und bleibt eine Fantasiegestalt von Schriftstellern und Filmemachern, dachte sie kopfschüttelnd.

Dann war das wohl ein Verrückter, der nachts in die Rolle eines Möchtegernvampirs schlüpft und junge Frauen erschreckt. Nun stand aber noch die Frage im Raum: Warum war innerhalb von zwei Tagen nichts mehr von dem Biss zu sehen? Das fand sogar Laura merkwürdig.

Sie machte Licht und stand auf, um in die Küche zu gehen, denn sie hatte Durst. Dann ging sie noch einmal ins Bad und holte sich aus ihrem kleinen Medizinschrank eine Schlaftablette, die sie auch gleich schluckte. Danach schlüpfte sie wieder unter ihre Decke, ließ aber das Licht an.

Die Dunkelheit macht ihr nun Angst.

Am nächsten Abend fuhr sie zur Bar. Den Wagen stellte sie, wie gewohnt, auf ihren Platz ab. Es war schon dunkel, als sie dort ankam. Und sie traute sich nicht auszusteigen. Panik überfiel sie.

Vielleicht stand der Kerl hier wieder irgendwo verborgen und überfiel sie ein zweites Mal.

Im Handschuhfach hatte sie eine Taschenlampe. Damit versuchte sie, ihre Umgebung auszuleuchten.

Erst, als sie sich sicher war, dass hier niemand war, stieg sie aus und eilte ins Haus.

»Sag mal, was ist denn mit dir? Du bist ja käseweiß«, fragte Rozali, die mit ihr und zwei anderen Barkeepern heute die Gäste bediente.

»Ich glaub, ich leide an Paranoia, seit David mich ins Krankenhaus verfrachtet hat. Zuerst konnte ich mich ja nicht erinnern. Aber jetzt weiß ich es wieder. Mich hat jemand überfallen«, sagte sie stöhnend.

»Was? Hier? Auf dem Parkplatz? Oh mein Gott? Da geh ich nie wieder allein hin«, rief die erschrocken aus. »Warst du schon bei der Polizei und hast denen das erzählt?«

»Was soll ich da? Das würde mir keiner glauben. Er gibt keine Beweise für einen Überfall. Die würden mich auslachen und wieder nach Hause schicken. Wahrscheinlich würden die mir noch raten, dass ich nicht so viel Alkohol trinken soll, wenn ich denen sage, wo und als was ich arbeite«, winkte Laura resignierend ab.

»Da magst du recht haben. Aber du warst doch so lange ohnmächtig. Vielleicht hat der dir was gegeben«, entgegnete Rozali.

Nee, wohl eher genommen, dachte Laura, denn das war auch eine Sache, die sie sich nicht erklären konnte, über die sie aber nicht redete.

»Die im Labor haben nichts gefunden. War alles okay«, sagte Laura darauf.

»Wer weiß, was das für eine Droge war, die sich nach `ner Zeit verflüchtigt und nicht mehr nachgewiesen werden kann. Meinst du nicht, dass es sowas gibt?«, überlegte die Kollegin.

»Möglich. Kann sein. Aber damit brauche ich nicht zur Polizei. Mach dir nicht so viele Gedanken! Lass uns lieber loslegen! Sind schon reichlich Gäste da?«

»Ja, `ne Reisegesellschaft. Die wollen hier heute abfeiern«, erfuhr Laura von ihr.

Die Arbeit lenkte Laura etwas von ihrem Problem ab. Doch kaum ging sie im Dunkeln aus dem Haus oder ihr Dienst war beendet und sie musste raus, packte die Angst sie. Nach zwei Wochen hielt sie es nicht mehr aus und kündigte.

Und somit war auch der Traum von einer eigenen Bar gestorben. Jetzt galt es, sich eine neue Perspektive zu schaffen. Und die sollte sich im Tageslicht befinden. Aber das war nicht ganz einfach.

Täglich stöberte sie die Stellenanzeigen durch. Doch offenbarte sich ihr hier nichts, was ihr zugesagt hätte. Der Zufall sorgte aber nach fast vier Wochen dafür, dass sie etwas fand, was sie auf Anhieb nicht schlecht fand und für sie doch recht interessant aussah.

 

 

3. Kapitel

 

In ihrer Nähe, wo sie wohnte, befand sich eine Einkaufsstraße mit vielen unterschiedlichen Läden. So auch ein Laden, der frisches Fleisch und Wurst aus eigener Produktion anbot. Diesen Laden gab es noch nicht so lange, aber er war gut von den Kunden angenommen worden. Das Geschäft schien hervorragend zu laufen.

Als Laura dort wieder einmal vorbeiging, sah sie einen kleinen, eher unauffälligen Aushang. Hier las sie, dass eine Verkäuferin gesucht wurde.

Hm, warum nicht!, sagte sie sich. Fleisch und Wurst, das zu verkaufen, kann so schwer nicht sein. 

Kurz entschlossen betrat sie den Laden. Hier war es angenehm kühl, was ihr sofort zusagte. Dann dieser Geruch nach frischer Wurst – das war besser, viel besser als die Gerüche, die in der Bar vorherrschten.

Hinter dem Tresen stand ein junger Mann und bemühte sich redlich, die Kunden zu bedienen. Er stellte sich ein bisschen link an, doch die Frauen nahmen es ihm nicht übel, denn er sah süß aus. Nach gut zehn Minuten Wartezeit war Laura endlich an der Reihe.

»Was kann ich für Sie tun?«, fragte er mit einem Lächeln, das sich in seinem Gesicht festgenagelt hatte.

»Mich Ihrem Chef vorstellen. Ich habe Ihre Anzeige gelesen.« Sie zeigte mit dem Daumen über ihre Schulter zum Fenster, an dem der Zettel klebte.

»Wirklich?«, fragte er überrascht, was Laura schmunzeln ließ.

»Was meinen Sie? Dass ich zu Ihrem Chef möchte? Oder dass ich lesen kann?«, fragte Laura belustigt.

Der junge Verkäufer schüttelte den Kopf und grinste schief.

»Entschuldigung! Ich bin hier vorn nur eine Aushilfe. Sonst arbeite ich hinten in der Produktion. Es wäre toll, wenn der Chef endlich jemanden einstellt. Das hier«, er deutete auf die Auslagen, »liegt mir nicht.«

»Haben sich denn schon andere beworben?«

»Ja, einige.« Er verzog das Gesicht. »Waren alle nicht geeignet.«

»Hm, Ihr Chef scheint hohe Ansprüche zu stellen«, schlussfolgerte Laura aus dem Gehörten.

»Naja, wenn man hier arbeiten will, muss man schon ein paar Kriterien erfüllen«, meinte er. »Ich werde Sie mal zu ihm bringen.«

Er führte sie durch einen schmalen Gang bis zu einer Tür, an der ›Büro‹ stand. Laura hatte mit einem schnellen Blick festgestellt, dass es zwei Ausgänge nach hinten gab. Der zweite war garantiert für die Bestückung des Ladens gedacht, denn hier gab es ein stabiles Rolltor, das aber gerade geschlossen war.

Der junge Mann klopfte an die Tür, worauf beide hörten, dass jemand »Herein!«, rief. Er öffnete die sie und lugte in den Raum.

»Chef, hier ist jemand, der sich dir vorstellen möchte.«

»Schick ihn rein!«

Angenehme Stimme, dachte Laura und schob sich an die Aushilfe vorbei. Mit einem schnellen Blick durch das Büro trat sie ein.

»Hallo, ich bin Laura Henderson«, stellte sie sich vor, als sie vor einem großen Schreibtisch stand, hinter dem ein Mann saß, den sie nun überrascht anstarrte.

Der erhob sich und kam hinter dem Schreibtisch zu ihr vor. Laura verfolgte seine Bewegung, die so geschmeidig wie die einer Katze war, mit Bewunderung.

Wow!, dachte sie.

Ihr Gegenüber hielt ihr lächelnd seine Hand hin und stellte sich ebenfalls vor.

»Colin Macrae.« Auch er hatte sie gemustert, und es gefiel ihm, was er da vor sich sah.

»Vom Clan Macrae aus den Highlands?«, entschlüpfte es Laura, die ihn immer noch anstarrte.

Überrascht zog er eine Braue nach oben.

»Das ist lange her«, meinte er, fast wehmütig, als würde er der Zeit hinterher trauern.

»Naja, aber das Wappen des Clans hängt dort an der Wand. Also fühlen Sie sich damit verbunden. Man hängt das doch nur als Wandschmuck auf, wenn man der Linie entstammt«, erwiderte sie darauf.

»Nicht schlecht. Wissen Sie noch mehr darüber?« Auffordernd sah er sie an, zeigte dann aber zu einer kleinen Sitzecke. Dort nahmen beide Platz.

»Hm, mal sehen. Der Wahlspruch war Fortitudine – Mit Tapferkeit. Der Clan Macrae hatte keinen Chief. Man hatte dem Clan MacKenzie die Treue geschworen. Und er pflegte eine enge Beziehung zu den Fraser`s und das mehrere Generationen. Ich kann mich erinnern, einen Spruch gelesen zu haben: So lange ein Fraser lebt, bleibt keine Macrath draußen.«

»Ja, stimmt! Die Fraser`s hatten das als Inschrift über die Tür in Beaufort Castle in Beauly geschrieben: Fhad ’sa bhitheas Frisealach ein stigh, na biheadh Macrath ein muigh«, sagte er, was Laura mit Erstaunen vernahm, wie perfekt er diesen Satz in Gälisch aussprach, als würde er diese Sprache beherrschen.

»Woher haben Sie dieses Wissen?«, fragte er und sah sie prüfend an.

»Reines Interesse, von meinem Großvater geweckt. Ich lese viel über die Geschichte der Highlands. Da prägt sich so einiges ein«, erklärte sie. »Aber wollen wir uns weiter über die Geschichte Schottlands unterhalten, oder darüber, ob ich hier anfangen kann?«, erinnerte sie ihn an den Zweck ihres Besuches.

Laura hatte ihn bis jetzt keinen Moment aus den Augen gelassen. Dieser Mann strahlte etwas aus, was sie nicht erfassen konnte. Er war ein Bild von einem Mann. Sie schätzte sein Alter um die Dreißig. Er war groß, hatte eine kräftige Statur, volles schwarzes Haar, blaue Augen, ein markantes Gesicht – er erinnerte sie stark an einen Highlander.

Sie stellte sich ihn in einen Kilt vor. Ja, das passte!

Er lachte kurz auf. Es war ein raues Lachen.

»Stimmt! Sie haben recht.«

Nun stellte er ihr die obligatorischen Fragen. Eine davon war, wo sie zuletzt gearbeitet hatte. Laura sagte es ihm.

»In der Nightmoon-Bar? Warum sind Sie dort nicht geblieben? Hat man Sie gekündigt?« Wenn ja, dann wollte er wissen, warum.

»Nein, ich habe gekündigt«, antwortete sie.

»Darf ich den Grund erfahren?« Er musterte sie weiter und fragte sich, ob sie es ihm wohl verraten würde.

Laura schaffte es endlich, ihren Blick von ihm zu lösen und schaute auf ihre Hände, die in ihrem Schoß ruhten.

»Es gab da einen Vorfall. Eigentlich hat der nichts mit der Arbeit und der Bar zu tun. Ich will nicht mehr nachts unterwegs sein«, sagte sie nach einer Weile.

Macrae lehnte sich nach hinten in den Sessel und dachte über ihre Antwort nach.

»Sind Sie etwa überfallen worden?«, sprach er dann seine Vermutung aus.

»Tja, wenn ich das wüsste, wäre ich schon etwas klüger. Es ist schon verrückt, was mir da passiert ist«, meinte sie mit einem Seufzer.

»Hm, hört sich mysteriös an. Ich steh auf derartige Geschichten.«

Laura wusste, dass das eine Aufforderung war, ihm von der besagten Nacht zu erzählen. Doch konnte sie einem wildfremden Mann diese Geschichte erzählen? Einem, der eventuell ihr neuer Arbeitgeber sein würde? Würde er sie dann nicht belächeln und für leicht verrückt erklären?

Aber dann fing sie an zu erzählen. Es sprudelte einfach so aus ihr heraus, und Macrae hörte ihr aufmerksam zu.

Als sie von dem Mal an ihrem Hals berichtete, stellte sie fest, dass seine Augen etwas dunkler wurden. Und als sie ihm von dem Gespräch mit dem Arzt erzählte, versteifte er sich für einen Moment. Beides registrierte Laura und wunderte sich darüber, aber dachte zuerst nicht weiter darüber nach.

Macrae schwieg er eine Weile, als sie fertig war.

»Das ist wahrlich eine interessante Geschichte«, meinte er dann. »Und was denken Sie nun? Was oder wer hat Sie überfallen?«

Laura warf ihm einen schiefen Blick zu. Wahrlich? Wie redet der denn?, dachte sie spöttisch.

»Keine Ahnung? Es ist mir ein Rätsel?«, antwortete sie.

»Aber die merkwürdige Wunde und das fehlende Blut? Was wäre, wenn Ihr Arzt gar nicht so falsch mit seiner Vermutung liegt?« Er hatte sich wieder vorgebeugt und musterte sie nun mit einem durchdringenden Blick. Laura sah direkt in seine Augen, die plötzlich wieder dunkler wurden. Fasziniert beobachtete sie das Spiel.

»Wow!«, murmelte sie. »Tragen Sie Kontaktlinsen, die ihren Ton ändern können?«

Sofort zog er sich wieder zurück und blickte von ihr weg.

»Nein! Das ist bei mir so. Ich sage immer, dass es ein Generationsdefekt ist.«

»Sie meinen, dass das von Generation zu Generation vererbt wird?«, fragte sie ungläubig.

»Ja, und nun Ihre Antwort auf meine Frage«, erinnerte er sie.

»Ein Vampir? Ich glaube, dass ich von mir sagen kann, dass ich mit beiden Beinen im realen Leben stehe. Das bedeutet, dass ich nicht glaube, dass derartige Wesen existieren.«

»Derartige Wesen …? Meinen Sie nicht auch, dass es Menschen sind, die nur etwas anders sind?«

Da er das so ernst von sich gab, sprach sie prompt ihre Vermutung aus: »Oh, Sie denken, dass sie existieren.« Das überraschte Laura nun doch. Dieser Hüne von einem Mann glaubt an die Existenz von Vampiren? Ernsthaft jetzt?

»Könnte doch sein«, meinte er und schmunzelte.

Laura schien zu begreifen.

»Ach, Sie wollen mich nur auf den Arm nehmen«, meinte sie lachend.

Er hob abwehrend die Arme.

»Das würde ich nie wagen.« Doch dann wurde er ernst.

»Ich stelle Sie ein. Wann können Sie anfangen?«

Das kam jetzt doch etwas plötzlich und unerwartet. Freudige Überraschung zeigte sich nun in Lauras Gesicht.

»Ähm … ja … Wann soll ich denn?«

»Wenn es nach John geht, dann schon morgen. Aber ich denke, wenn Sie am Montag anfangen, reicht das. Er wird’s überleben.« Er nannte ihr auch seine Gehaltsvorstellung für einen Monat. Das war mehr, als sie in der Bar verdient hatte, einschließlich Trinkgeld.

»Gegenvorschlag! Ich komme schon am Freitag. Da kann Ihr John mich einarbeiten und meine Fragen beantworten«, meinte sie.

»Gut, dann machen wir es so.« Er stand auf und reichte ihr seine Hand. »Willkommen in unserem Team!«

Laura ergriff sie und spürte nun, dass sie ganz kalt war. Verwundert sah sie ihn an. Doch er lächelte nur, was ihn noch attraktiver aussehen ließ.

»Das ist auch so ein Generationsdefekt«, sagte er mit einem Schmunzeln.

»So, so«, murmelte sie.

Als sie das Büro verlassen wollte, fiel ihm noch etwas ein.

»Haben Sie ein Gesundheitszeugnis?«

»Ich bringe es am Freitag mit. Es ist erst ein zwei Monate alt.«

»Gut! Ich bringe Sie nach vorn«, sagte er und wies ihr mit der Hand den Weg.

Im Laden wartete John schon auf sie.

»Hatten Sie Glück?«, fragte er erwartungsvoll.

Laura machte ein enttäuschtes Gesicht.

»Nein, leider nicht. Dann such ich eben weiter.«

Nun machte auch er ein enttäuschtes Gesicht.

»Und ich muss hier weiter aushelfen. Schöner Mist!«

»Wenn es Sie tröstet, komme ich mal am Freitag vorbei. Dann können Sie mir zeigen, wie das hier funktioniert.«

»Ja, das wäre toll … He, was hast du gesagt? Ich soll dir alles zeigen?« Es hatte etwas gedauert, bis ihm die Erkenntnis erreicht hat, dass sie den Job bekommen hatte. Laura lachte.

»Ja, ich löse dich ab und befreie dich von dieser unliebsamen Tätigkeit.«

Es sah fast so aus, als würde er gleich einen Freudentanz aufführen. Doch in diesem Moment kam Kundschaft in den Laden, so dass er sich diesen für später aufheben musste. Aber dafür strahlte er die Kundin an und fragte: »Was kann ich für Sie tun, schöne Frau?«

Laura lachte in sich hinein und verließ den Laden.

 

 

4. Kapitel

 

Beschwingt setzte sie ihren Einkaufsbummel fort und leistete sich zur Feier des Tages eine neue Jeans und ein neues Sweatshirt. Als sie auf dem Rückweg war, kaufte sie noch ein paar Lebensmittel ein.

Zuhause räumte sie alles weg und schob eine Pizza in den Backofen. Dann entkorkte sie eine Flasche Rotwein und goss sich das Glas voll. Beides stellte sie in ihrem Wohnzimmer auf den Tisch. Dann ließ sie sich auf die Couch fallen und starrte an die Decke. Dabei ließ sie noch einmal das Gespräch mit Macrae Revue passieren.

Es war schon merkwürdig, wie sich seine Augenfarbe verändert hatte. Auch, dass seine Hände so kalt waren. Generationsdefekt! Tolle Begründung, dachte Laura spöttisch.

Dann stellte sie sich Macrae in einem Kilt vor. Diesmal hatte sie genügend Zeit, ihrer Fantasie freien Lauf zu lassen. Ja, das passte. Dieser Mann im Kilt – mit nacktem Oberkörper, wie er in der Mitte des 18. Jahrhunderts mit anpackte, sich Wasser über den schweißbedeckten Körper goss …

Ihre Reise in das 18. Jahrhundert wurde jäh von einem durchdringenden Piepen unterbrochen.

»Man, man, der Typ hat’s dir aber angetan, Laura. Aber der ist nix für dich. Schöne Männer hat man nicht für sich allein. Außerdem, der denkt, dass es Vampire gibt. Verrückt!«, sagte sie zu sich selbst, als sie auf den Weg zur Küche war, um ihre Pizza aus dem Backofen zu holen.

Colin Macrae hatte sich, als Laura sein Büro verlassen hatte, ganz andere Gedanken gemacht. Nach ihrer Geschichte wusste er, dass er sie im Auge behalten musste. Auch diesen Dr. Graham, den musste man sich mal ansehen. Es wäre interessant zu erfahren, was er eventuell für sich in diese Richtung herausgefunden hatte. Vielleicht waren es aber auch nur fixe Ideen.

Doch der Doktor war im Moment nicht ganz so wichtig. Wichtig erschien ihm Laura. Darum auch sein Entschluss, sie einzustellen. Aber es gab noch andere Gründe. Sie gefiel ihm, denn sie war klug, interessierte sich für die Geschichte der Clans, erschien ihm ehrlich und – sie war obendrein auch noch hübsch – trotz ihrer auffallenden Blässe.

Was ihm sehr zu denken gab, war ihre unfreiwillige Begegnung mit einem Unsterblichen, denn es dürfte nicht passieren, dass sich das Opfer an etwas erinnert. Und Laura hat sich erinnert. Das Gute daran war, dass sie mit dieser Erinnerung so gut wie nichts anfangen konnte, denn sie war nicht vollständig. Aber es könnte der Tag kommen, dass sie mehr darüber nachdachte und tiefer schürfte und danach alles klarer sah. Dann gab es nur zwei Möglichkeiten. Doch darüber wollte er noch nicht weiter nachdenken.

Wenn er nur wüsste, wer da so unvorsichtig gewesen war. Hoffentlich kein Neuer. Das könnte sich zu einem Problem entwickeln. Noch war ihm nichts zu Ohren gekommen.

Aber was nicht ist, kann ja noch werden, waren seine sarkastischen Gedanken.

Er überlegte auch, ob er die Obrigkeit informieren sollte, entschied sich aber dagegen. Alles erst einmal auf sich zukommen lassen, sagte er sich.

Wichtig war nur, dass er sich nicht selbst verriet. Das war etwas, was ihm eigentlich nicht schwerfallen sollte. Schließlich hatte er viel Zeit gehabt, um an sich zu arbeiten.

Er durfte ihr eben nicht zu nahe kommen, denn sie war eine gute Beobachterin, wie er feststellen musste. Wie sie ihn angesehen hatte, als er ihr weismachen wollte, dass er unter einem Generationsdefekt litt. So richtig hatte sie es wohl nicht geglaubt. Aber wenn man es richtig betrachtete, war es so. Fast! Denn er war nicht so geboren worden, sondern man hatte ihn erschaffen. Und das war nun schon ein paar hundert Jahre her, seit der Schlacht von Culloden im April 1746.

Was war das für ein Gemetzel zwischen den englischen Regierungstruppen und ihnen, den aufständischen Jakobiten unter Führung von Prinz Charles Edward Stuart gewesen. Das Ganze hatte mit einem Sieg der englischen Regierungstruppen geendet, die General Georg Wade und Herzog von Cumberland angeführt hatten. Die Verluste der Besiegten waren groß gewesen. Über 1200 Jakobiten waren getötet worden.

Auch nach der Schlacht hatte das Töten kein Ende genommen. Cumberland befahl, alle verwundeten und gefangenen Jakobiten zu exekutieren. Nur einige wenige wurden verschont und als Kriegsgefangene behandelt.

Sogar am folgenden Tag hatte Cumberland Patrouillen auf das Schlachtfeld geschickt, um weitere Überlebende aufzugreifen und zu töten.

Wenn Colin sich an diese Zeit erinnerte, wurde er schwermütig. Damals hatte er alles verloren: Seine Frau, seine zwei Kinder, seinen Bruder, seine Schwester, seine eigene Existenz!

Er wäre ebenso wie die anderen auf dem Schlachtfeld gestorben, wenn der junge englische Soldat mit seinem Säbel richtig zugestoßen hätte. Aber vielleicht konnte er es auch nicht, denn Colin, der schon aus zahlreichen Wunden blutete und kraftlos im Moor lag, hatte in seinem Gesicht sehen und erkennen können, dass er das Töten verabscheute.

Als die Nacht sich wieder über das Culloden Moor senkte, war er dem Tod schon sehr nah gewesen. Müdigkeit hatte ihn übermannt. Und dann war plötzlich der Schmerz gekommen, der ihn zu zerreißen drohte. Er hatte nicht verstanden, was diesen ausgelöst haben konnte. Er war so stark, dass er sich den schnellen Tod wünschte. Er wollte nur noch Erlösung. Doch die kam nicht. Er schwebte zwischen Ohnmacht und unmenschlichen Schmerz.

Als er diesen irgendwie überstanden hatte, befand er sich nicht mehr auf dem Schlachtfeld, sondern in einem kargen Zimmer. Und er war nicht mehr der, der er einmal gewesen war …

Er hätte sterben sollen. Er hätte sterben sollen, wie all die anderen tapferen Männer, die Charles in diesen Kampf gefolgt waren. Wenn er jetzt daran zurückdachte, kam ihm alles so sinnlos und falsch vor. Warum hatte ihn dieser Unsterbliche nur in der Nacht gefunden? Warum war er nicht einfach weitergezogen?

Colin schüttelte die schweren Gedanken ab. Es brachte nichts, sich immer wieder an die schlimmen Ereignisse der Vergangenheit zu erinnern. Es war geschehen und nicht mehr zu ändern. Und trotzdem verfiel er stets der Schwermut, wenn er an seine Frau, seine zwei Kinder, seine Schwester und seinen jüngeren Bruder dachte, obwohl es schon so lange her war.

Aus seinem Schreibtisch holte er die Vertragsunterlagen, die er Laura am Freitag vorlegen wollte. Er setzte schon einmal ihren Namen und das Einstellungsdatum ein. Dann legte er die Blätter zurück in die Schublade und verschloss sie.

Colin erhob sich und verließ sein Büro, um nach hinten zu gehen, wo die Produktion lief. Er musste den Bestand an Blutkonserven prüfen, denn hier war ein Verteilerstützpunkt für Unsterbliche für ihre Versorgung.

---ENDE DER LESEPROBE---