Blutstropfen - Die Geschöpfe der Finsternis, Band 7: Gejagt - Rowena Crane - E-Book

Blutstropfen - Die Geschöpfe der Finsternis, Band 7: Gejagt E-Book

Rowena Crane

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Beschreibung

Die Geschöpfe der Finsternis leben unter uns und sie treiben ihr Unwesen im Verborgenen – aber nicht immer …
Kathy befindet sich auf dem Kreuzfahrtschiff und tritt dort an den Abenden als Pianistin auf. In ihrer freien Zeit zieht sie sich von den Menschen und ihren Gedanken zurück. Doch immer wieder wird sie von ihrer schrecklichen Vergangenheit eingeholt. Sie war eine Gefangene der Dunklen gewesen, wo sie Schmerzen und Demütigungen erleiden musste, die ihren Kampfgeist brachen. Nach ihrer Befreiung trug sie sich mit dem Gedanken, ihre Existenz zu beenden.
Die Dunkle ist ein grauenhaftes Geschöpf der Nacht, das von dem Sohn des Königspaares, Tina und Angelo, gewandelt wurde, als ihr Herz schon lange aufgehört hatte zu schlagen. Ein fataler Fehler, wie das Volk der Unsterblichen erfahren muss.
Auf dem Schiff lernt Kathy Matthias und das Kind Eleanor kennen, die für die Dunkle unterwegs sind, um Vampire aufzuspüren. Nach einem Konzert lädt der Kapitän des Schiffes, Börge Andersson, sie ein, mit ihm an seinem Tisch zu speisen. Nur widerstrebend sagt sie zu. Börge findet die Pianisten schön und geheimnisvoll. Er möchte sie näher kennenlernen. Aber auch Matthias fühlt sich zu Kathy hingezogen.
Doch Kathy will sich rächen und das Monster töten. Dazu benötigt sie einen klaren Kopf …

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EPUB

Veröffentlichungsjahr: 2025

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Rowena Crane

 

 

Die Geschöpfe der Finsternis

 

Blutstropfen

 

Eine Vampir-Saga

 

 

Band 7: Gejagt

 

 

 

 

 

 

Impressum

Neuausgabe

Copyright © by Authors/Bärenklau Exklusiv

Cover: © by Sofia Steinbeck nach Motiven, 2025 

Korrektorat: Katharina Schmidt

 

Verlag: Bärenklau Exklusiv. Jörg Martin Munsonius (Verleger), Koalabärweg 2, 16727 Bärenklau. Kerstin Peschel (Verlegerin), Am Wald 67, 14656 Brieselang

www.baerenklauexklusiv.de / info.baerenklauexklusiv.de

 

Die Handlungen dieser Geschichte ist frei erfunden sowie die Namen der Protagonisten und Firmen. Ähnlichkeiten mit lebenden Personen sind rein zufällig und nicht gewollt.

 

Alle Rechte vorbehalten

 

Das Copyright auf den Text oder andere Medien und Illustrationen und Bilder erlaubt es KIs/AIs und allen damit in Verbindung stehenden Firmen und menschlichen Personen, welche KIs/AIs bereitstellen, trainieren oder damit weitere Texte oder Textteile in der Art, dem Ausdruck oder als Nachahmung erstellen, zeitlich und räumlich unbegrenzt nicht, diesen Text oder auch nur Teile davon als Vorlage zu nutzen, und damit auch nicht allen Firmen und menschlichen Personen, welche KIs/AIs nutzen, diesen Text oder Teile daraus für ihre Texte zu verwenden, um daraus neue, eigene Texte im Stil des ursprünglichen Autors oder ähnlich zu generieren. Es haften alle Firmen und menschlichen Personen, die mit dieser menschlichen Roman-Vorlage einen neuen Text über eine KI/AI in der Art des ursprünglichen Autors erzeugen, sowie alle Firmen, menschlichen Personen , welche KIs/AIs bereitstellen, trainieren um damit weitere Texte oder Textteile in der Art, dem Ausdruck oder als Nachahmung zu erstellen; das Copyright für diesen Impressumstext sowie artverwandte Abwandlungen davon liegt zeitlich und räumlich unbegrenzt bei Bärenklau Exklusiv. Hiermit untersagen wir ausdrücklich die Nutzung unserer Texte nach §44b Urheberrechtsgesetz Absatz 2 Satz 1 und behalten uns dieses Recht selbst vor. 13.07.2023 

Inhaltsverzeichnis

Impressum 

Das Buch 

Die Geschöpfe der Finsternis 

Blutstropfen 

Gejagt 

Vorwort 

1. Dunkle Erinnerungen 

2. Ungewollte Bekanntschaften 

3. Ein zufälliges Treffen mit Folgen 

4. Überraschungen 

5. Sich näherkommend 

6. Entscheidungen 

7. Missglückte Flucht 

8. Ein Anfang 

9. Fragen nach Antworten 

10. Wer ist was? 

11. Hexe oder Elfe? 

12. Drang nach Blut 

13. Der Ausflug 

14. Abschied? 

15. Dunkle Pläne 

16. In Rumänien 

17. Angriff 

18. Bei Freunden 

19. Getrennt 

20. Die Suche nach dem Versteck 

21. Im Elfenreich 

22. Das Ende der Jagd 

Von Rowena Crane sind weiterhin erhältlich: 

 

Das Buch

 

 

Die Geschöpfe der Finsternis leben unter uns und sie treiben ihr Unwesen im Verborgenen – aber nicht immer …

Kathy befindet sich auf dem Kreuzfahrtschiff und tritt dort an den Abenden als Pianistin auf. In ihrer freien Zeit zieht sie sich von den Menschen und ihren Gedanken zurück. Doch immer wieder wird sie von ihrer schrecklichen Vergangenheit eingeholt. Sie war eine Gefangene der Dunklen gewesen, wo sie Schmerzen und Demütigungen erleiden musste, die ihren Kampfgeist brachen. Nach ihrer Befreiung trug sie sich mit dem Gedanken, ihre Existenz zu beenden.

Die Dunkle ist ein grauenhaftes Geschöpf der Nacht, das von dem Sohn des Königspaares, Tina und Angelo, gewandelt wurde, als ihr Herz schon lange aufgehört hatte zu schlagen. Ein fataler Fehler, wie das Volk der Unsterblichen erfahren muss.

Auf dem Schiff lernt Kathy Matthias und das Kind Eleanor kennen, die für die Dunkle unterwegs sind, um Vampire aufzuspüren. Nach einem Konzert lädt der Kapitän des Schiffes, Börge Andersson, sie ein, mit ihm an seinem Tisch zu speisen. Nur widerstrebend sagt sie zu. Börge findet die Pianisten schön und geheimnisvoll. Er möchte sie näher kennenlernen. Aber auch Matthias fühlt sich zu Kathy hingezogen.

Doch Kathy will sich rächen und das Monster töten. Dazu benötigt sie einen klaren Kopf …

 

 

***

Die Geschöpfe der Finsternis

Blutstropfen

 

Eine Vampir-Saga, Band 7:

Gejagt

 

 

Vorwort

 

Warum lebe ich noch?

Leben ist kostbar.

Leben ist schön.

Alles hat seinen Preis.

Du musst nur die richtige Währung finden.

Kein Geld!

Vertrauen – Zuneigung – Liebe – …

– das macht Leben aus!

Darum lebst du noch!

Nein. Darum lebe ich wieder!

 

 

1. Dunkle Erinnerungen

 

Die Sonne versank langsam im Meer. Sie färbte den Himmel in den schönsten Farben. Er leuchtete von Gelb zu Orange bis ins Rot. Diese Farben spiegelten sich im Wasser wider. Ein farbenprächtiges Spiel vom Übergang des Tages zur Nacht, die sich allmählich ausbreitete und die Stille mit sich brachte.

Kathy stand allein, etwas versteckt, an der Reling auf dem obersten Deck des Kreuzfahrtschiffes und starrte über das Meer. Sie sah dem herrlichen Schauspiel zu, aber hatte keine Freude daran. Trotz der angenehmen Wärme schlug sie die Arme fest um ihren Körper, weil es sie fröstelte. Ihre Erinnerungen hatten sie wieder eingeholt, die einfach zu schrecklich waren. Immer wieder fielen sie über sie her. Es gelang ihr nicht, sie abzuschütteln, um das Leben zu genießen.

Ein normales Leben hatte sie seit ihrer Befreiung aus der Gefangenschaft nicht mehr führen können. Kathy war rastlos geworden. Stets hatte sie das Gefühl, dass ihre Feinde in der Nähe waren. Sie war misstrauisch allem und jedem gegenüber. Auch jetzt sondierte sie ihre Umgebung ab. Es gab selten einen Moment, wo sie sich richtig entspannen konnte. Sie vermied es, engere Kontakte aufzunehmen. Egal, ob es Menschen waren oder Unsterbliche. Niemand sollte ihretwegen in Gefahr geraten. Ihr Volk hatte seit kurzer Zeit wieder einen Feind. Und dieser Feind war gefährlich geworden. Es gab seit einem Jahr eine geheime Organisation, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, Abnormale zu jagen, wie sie es für sich beschrieben. Zu diesen Abnormalen gehörte Kathy, denn sie war eine Unsterbliche, die Blut zum Überleben benötigte. Ein Vampir, wie man sie auch bezeichnete. Die fanatischen Menschen dieser Organisation nannte sich heimlich Vampirjäger. Doch das schien ihr oberster Boss nicht so gern zu hören. Der Boss war eine Frau, die ihre Leute gut unter Kontrolle hatte. Jeder von ihnen wurde von ihr einer Manipulation unterworfen. Das Ganze war gut getarnt als ein Forschungsinstitut in der Nähe von Rockford im Bundesstaat Illinois.

Das Schlimme war, dass keiner wusste, wie weit sie ihr Netz schon gesponnen hatte. Um Abnormale aufzuspüren und sie zu fangen, benutzte sie neuerdings auch Menschen, die die besondere Gabe hatten, ihre Art zu erkennen. Doch die waren rar. Diese mussten auch manipulierbar sein. Sonst waren sie wertlos für sie, und sie tötete sie, wie alle, deren Blut sie stahl. Doch wenn einer Kathys Art mit Sicherheit aufspüren konnte, dann war es diese Frau. Die Frau, die selbst eine Unsterbliche war. Jedoch hatte Kathy erkannt, dass sie nicht wie sie oder andere ihrer Art war. Diese Frau war ein Geschöpf der Nacht, von jemandem geschaffen, der verzweifelt um ihr Leben gekämpft und doch verloren hatte. Denn die Gefährtin, die er glaubte, für sich retten zu können, war sie nach der Wandlung nicht mehr.

Kathy hatte nach ihrer Befreiung erfahren, wer die Frau gewesen war. Francine Hartow war von einem Unsterblichen, der in den Augen ihres Volkes ein Abtrünniger war, getötet worden. Man war zu spät gekommen, um sie noch zu wandeln. Linos, der Sohn des Königspaars, konnte das nicht verwinden. Er hatte sich in sie verliebt. Er war es, der sie nach der Zeit gewandelt hatte, was er bereits zutiefst bereute. Doch damals hatte er an die Folgen keinen Gedanken verschwendet. Als er begriff, was er getan hatte, war es zu spät gewesen. Francine war zu einem Monster geworden. Ständig benötigte sie Blut. Etwas anderes konnte sie nicht zu sich nehmen. Am Tag musste sie sich im Dunkeln aufhalten. Das Tageslicht schadete ihrer Haut. Ihre Augen waren dunkelrot, und ihre Haut hatte einen feinen Gelbstich. Wenn sie zu wenig trank, wurde sie faltig und grau.

Während ihrer Gefangenschaft hatte Kathy die Dunkle ein paarmal zu Gesicht bekommen. Francine wollte so viel von ihr wissen. Doch Kathy beantwortete ihr nicht eine Frage. Trotz des Extraktes vom Wolfskraut schaffte sie es nie, ihre Gedanken und Erinnerungen zu lesen. Vor Wut hatte sie ihr einmal den Dolch in den Bauch gerammt und gleich wieder entfernt, sodass das Blut nur so aus ihr herausfloss.

»Das nächste Mal schneide ich dir das Herz heraus«, hatte sie gezischt und war dann gegangen.

Kathy hatte bis jetzt immer noch nicht verstanden, warum sie so hasserfüllt auf ihre Art war. Sie konnte es nur vermuten. Francine hatte sich an Kathy genährt. Und das mehrmals. Hoffte sie etwa, durch sie so zu werden, wie es ihre Art war? Das würde nie geschehen. Doch dadurch war nun die Dunkle in der Lage, sie immer wieder aufzuspüren. Das würde erst ein Ende haben, wenn dieses Monster seine Existenz verlor.

Als man Kathy und noch zwei weitere Unsterbliche aus den Fängen der Wahnsinnigen befreit hatte, waren bereits mehrere von ihnen getötet worden. Doch vorher hatte man es nicht versäumt, sie alle zu foltern. Kathy spürte immer noch schmerzhaft den Stich des Dolches, der ihre Herzwand gestreift hatte. Sie hatten den Heilungsprozess mit und ohne Zugabe von Blut dokumentiert, sowie mit Wolfskraut und ohne. Sie hatten ihr Drogen gegeben und Gifte verabreicht. Und immer wieder hatten sie sie verletzt. Zumeist waren es Männer gewesen, die dort arbeiteten. Einige von ihnen gingen nur ihrer Tätigkeit nach. Aber es gab auch welche, die ihre Hände nicht von ihrem Körper lassen konnten. Wenn sich einer allein gewähnt hatte und Kathy zu schwach gewesen war, auch nur die Augen zu öffnen, hatte er die Chance ausgenutzt und seine Triebe an ihr ausgelebt.

Kathy verkrampfte sich schmerzhaft bei dieser Erinnerung und kniff die Augen zusammen. Sie fühlte sich schmutzig, benutzt, hilflos und leer. Diese Gefühle würde sie nie mehr loswerden. Nie mehr. Warum hatte Angelo ihre Bitte ausgeschlagen, ihrer Existenz ein Ende zu setzen. Warum nur? Auch Tina hatte ihr diesen Wunsch verweigert. Kathy wollte nicht mehr leben. Ihr Stolz war gebrochen. Ihre Kraft war ihr geraubt worden. Ihr war nichts geblieben, nur noch Qualen. Doch sie musste sich dem Willen des Königspaars beugen. Ihrer Freundschaft zuliebe verlangten sie von ihr ein Jahr, in dem sie versuchen sollte, Abstand und Ruhe zu finden und ihre Seele zu heilen. Ein ganzes Jahr, von dem erst vier Wochen vergangen waren.

Vielleicht hätte sie anders gedacht, wenn die beiden ihr mitgeteilt hätten, dass sie die Dunkle auch gerichtet hatten. Doch die war bei der Erstürmung des Geländes nicht anwesend gewesen. Auch auf den anderen drei Anwesen war sie nicht. Sie hatten ja nicht gewusst, dass Francine die Drahtzieherin war.

Diesmal war es der Clan mit Andrew, William und Clara, der das Königspaar informiert hatte, dass plötzlich Unsterbliche verschwanden und man Leichen gefunden hatte, denen das Herz herausgeschnitten worden war. Das brachte die beiden auf den Plan, und sie riefen den Bereitschaftstrupp zusammen, bei dem Kathy fehlte. Das hatte sie beunruhigt und in ihnen den Verdacht genährt, dass sie zu den Verschleppten gehörte. Als man genug Informationen hatte und die Standorte kannte, griffen sie an. Alle Menschen mussten getötet werden, da sie nicht mehr beeinflusst werden konnten. Jemand hatte eine feste Barriere setzen können. Sie hatten nicht genügend Zeit, diese dort zu überwinden. Sie waren sich sogar sicher, dass es bei diesen Leuten gar nicht mehr möglich war, ohne dass sie einen Schaden erlitten. Von den Gefangenen erfuhren Tina und Angelo von Francine und waren entsetzt. Sie ließen daraufhin die ganze Gegend nach ihr absuchen, jedoch ohne Erfolg. Dann hatten sie alles gesäubert und vernichtet. Kathy und die anderen Unsterblichen wurden in den Norden von Minnesota geflogen, wo man sie für ein paar Tage versorgte. Dort hatten Tina und Angelo Kathy alles Wichtige erzählt, weil sie hofften, dass sie sie nun bei der Jagd nach Francine unterstützen würde. Doch Kathy hatte nur mit dem Kopf geschüttelt und gesagt, dass es vorbei ist. Sie hatte ihnen noch alle Fragen beantwortet und dann um den Tod gebeten, der ihr verwehrt wurde.

Kathy krallte ihre Hände um das Eisen und krümmte sich unter ihren seelischen Schmerzen. Sie sollte sich selbst einen Dolch mit Wolfskraut getränkt in das Herz jagen und dann ins Meer springen. Vielleicht würden die Haie sie dann zerfleischen. Aber nur vielleicht.

Wie schön dieses Rot ist, dachte sie verzweifelt. Es zerfließt im Meer wie Blut im Wasser. Nach und nach verschwindet es. 

Wenn sie ihre Existenz aufgab, werden die Erinnerungen an sie zuerst so kräftig wie dieses Rot sein. Doch dann werden sie verblassen, und zum Schluss verschwinden.

Kathy gab sich einen Ruck und seufzte leise. Es wurde Zeit. Sie musste sich umziehen, denn sie spielte heute Abend ein paar Kompositionen am Flügel für die Passagiere. Fast jeden Abend spielte sie mal auf dem einen oder dem anderen Deck. Ihr Repertoire war groß. Klassik und auch Moderneres hatte sie im Programm. Das Spielen auf dem Klavier half ihr, sich besser zu fühlen. Darum hatte sie sich entschlossen, diese Reise zu machen und diese Stelle anzunehmen. Gleichzeitig befolgte sie den Rat von Tina und kam so auch von dem Ort weg, an dem ihr so viel Schlechtes widerfahren war.

Linos stand am Fenster seines Büros und starrte auf die Stadt Hamburg. Doch seine Gedanken waren ganz woanders. Sie weilten bei einer Frau mit dem Namen Francine. Er sah wieder ihr hübsches Gesicht vor sich mit ihren braunen Augen und ihrem bezaubernden Lächeln. Doch im selben Moment veränderte es sich. Das Braun ihrer Augen wurde dunkelrot. Ihre gesunde Hautfarbe nahm die Farbe einer Toten an, und ihr Mund verzog sich hässlich. Das war nicht mehr seine Francine, die er zu lieben begonnen hatte. Das war eine Fremde. Und wie er zu seinem Erschrecken feststellen musste, hatte er ein Monster geschaffen.

Linos kühlte seine Stirn an der kalten Scheibe und schloss die Augen. Was hatte er nur getan? Damit musste er nun leben. Er durfte nicht einmal mithelfen, sie zu suchen, um sie dann selbst zu vernichten. Seine Eltern hatten es ihm strikt untersagt. Sie fürchteten, wenn er vor ihr stand, dass er sich anders entscheiden könnte. Doch, das würde er ganz gewiss nicht. Nicht nachdem, was diese Francine alles getan hatte.

Linos konnte sich glücklich schätzen, dass seine Eltern ihn nicht mit Verbannung oder Schlimmeren bestraft hatten. Er hatte Auflagen bekommen. Eine davon war, Hamburg nicht ohne Erlaubnis zu verlassen. Man hatte ihm zugutegehalten, dass er nicht wusste, was er da überhaupt getan hatte und dass es verboten war. Niemand hatte ihm je davon erzählt.

Doch wenn er jetzt über seine Tat nachdachte, dann verstand er sich selbst nicht mehr. Todunglücklich hatte er Francine mit der offenen Wunde am Hals am Boden liegen sehen. Sie und Emily sollten von ihnen beschützt werden. Und doch hatte es dieser Abtrünnige Simon geschafft, sie zu überlisten. Das hatte ihnen den Tod von Francine und die Wandlung von Emily gekostet.

Silvius und er hatten Francine nach München erst einmal in ihre Wohnung gebracht. Linos wimmelte sich das Clanmitglied ab, indem er ihn überzeugte, dass er alles Notwendige tun würde. Als Silvius sich wieder auf den Weg gemacht hatte, hatte Linos angefangen zu grübeln. Er hatte Francinces Hand für eine Weile gehalten und ihr dann noch einmal von seinem Blut gegeben. Doch sie hatte es nicht aufgenommen. Völlig von dem Gedanken besessen, nichts unversucht zu lassen, war er in ein Krankenhaus geschlichen. Dort hatte er mehrere Spritzen und Blutkonserven gestohlen. Als er die Abteilungen studierte, war ihm die Geburtenstation ins Auge gefallen. Sofort machte er sich dorthin auf den Weg. Junges, reines Blut, das musste ihm helfen. Ungesehen entnahm er von den Kleinen, die erst ein paar Stunden oder Tage alt waren, etwas von ihrem Blut, ohne ihnen zu schaden. Dann verschwand er so schnell, wie er auch gekommen war. Er überlegte nicht lange und spritzte Francine das Blut der Kinder. Danach gab er ihr auf dem gleichen Weg sein Blut. Er massierte ihre Hände und Arme. Er setzte die Herzdruckmassage ein und pumpte Luft in ihre Lungen.

Plötzlich hatte Francine ihre Augen aufgeschlagen und die Decke angestarrt. Linos hatte sie vor Freude umarmt und ihre Wangen geküsst. Doch das war ein Fehler gewesen. Sofort versenkte sie ihre Reißzähne ohne Ankündigung in seinen Hals und trank in großen Zügen. Linos hatte versucht, sich von ihr zu lösen, aber das erwies sich als sehr schwierig. Beschwichtigend hatte er auf sie eingeredet und versucht, in ihren Geist einzutauchen. Endlich ließ sie von ihm ab, was auch höchste Zeit wurde. Sie schupste ihn von sich weg und stand auf. Linos schaffte es nur mit Mühe, sich hochzustemmen. Er nahm sich von den Blutkonserven und trank selbst gierig zwei von ihnen leer. Ausdruckslos hatte sie ihm dabei zugesehen und sofort begriffen, was er war. Dann war sie zum Fenster gegangen und hatte die Rollos mit einem Ruck hochgezogen, sodass sie aus der Verankerung sprangen. Das grelle Tageslicht traf sie mit voller Wucht und ließ sie nach hinten taumeln. Ihre Haut verfärbte sich sofort ins Graue, wie Linos entsetzt feststellen musste. Auch Francine war erschrocken und verkroch sich in die dunkle Ecke ihres Schrankes. Linos hatte schnell wieder die Rollos repariert und sie heruntergleiten lassen.

»Was hast du aus mir gemacht?«, hatte sie anklagend gefragt. Ihre Stimme klang heiser.

»Dich gewandelt«, hatte er gemurmelt und sie schweigend betrachtet. Ihm wurde jetzt erst bewusst, dass ihre Wandlung sehr schnell vonstattengegangen war. Sie hatte keinerlei Schmerzen verspürt.

Plötzlich hatte Francine dicht vor ihm gestanden und ihn grob auf das Bett zurückgestoßen. »Du hast mich zu einem Vampir gemacht. Du bist selbst einer, aber anders. Wieso?«, hatte sie ihn angezischt.

»Ich weiß es nicht. Vielleicht war es doch zu spät. Verzeih mir! Ich wollte dich nicht verlieren«, hatte er gequält geantwortet und dabei krampfhaft überlegt, was hier falsch lief.

»Ich war tot?« Sie hatte ein nachdenkliches Gesicht gemacht.

»Ja. Weißt du denn nicht mehr, was passiert ist?« Linos hatte sie daraufhin prüfend angeblickt und versucht, ihre Erinnerungen zu finden. Doch sie schien davon keine zu haben. Aber er irrte sich. Sie hatte sie noch.

»Ich bin immer noch tot. Das werdet ihr alle noch bereuen. Glaub mir! Wenn ich nicht so werden kann, wie du es bist, werde ich deinesgleichen leiden lassen. Dieser Simon wird der Erste sein«, hatte sie ihm knurrend zu verstehen gegeben. Aber Linos wollte noch nicht wahrhaben, was ihm sein Verstand bereits zuflüsterte.

»Simon hat seine Existenz verloren. Er ist gerichtet worden. Sei nicht mehr wütend! Wir werden einen Weg finden.«

»Vergiss es!«

»Was ist mit Emily? Sie weint um dich bittere Tränen«, hatte er es weiter versucht.

»Emily?« Es war, als müsste sie überlegen, wer das war. Doch dann schien es ihr eingefallen zu sein. »Sie denkt also, dass ich gestorben bin«, hatte sie geschlussfolgert.

»Ja. Deine Beerdigung ist in der nächsten Woche«, war seine Mitteilung.

»Dann lass sie es weiterdenken. Doch wen willst du beerdigen? Ich stehe ja nicht mehr zur Verfügung.« Francine hatte hämisch gelacht, was ihn zusammenzucken lassen hat. Es war nicht mehr ihr erfrischendes und fröhliches Lachen. Dieser Ton war anders.

»Das wird sich finden. Es gibt genug Asche auf dieser Erde«, hatte er gemurmelt.

»Okay. Da ich ja nicht raus kann, bevor es dunkel wird, möchte ich mich vergnügen.« Sie hatte sich einfach vor ihm ausgezogen und sich zu ihm auf das Bett gesetzt.

»Francine. Das ist nicht dein Ernst?« Entsetzt hatte er sie angesehen, doch sie hatte nur gelacht. »Sieh es als einen winzigen Teil der Wiedergutmachung an! Ich will wissen, wie es mit dir ist. Jetzt!« Ihre Augen hatten sich nicht verdunkelt. Sie waren rotglühend.

Er hatte versucht, sich ihr zu entziehen. Doch sie hielt ihn mit ihren Augen fest. Sie befahlen seinem aufgewühlten Verstand, sie zu berühren und mit ihr Sex zu haben, bis die Dunkelheit hereinbrach. Linos hatte nicht die Kraft, sich zu wehren. Er schlief mit ihr bis zur Erschöpfung. Beim letzten Mal biss sie wieder einfach zu und nahm sein Blut. Diesmal verschloss sie die Wunde und kroch vom Bett, um sich anzuziehen.

»Ich gehe«, hatte sie im heiseren Ton gesagt.

»Werde ich dich wiedersehen?«

Sie verstand seine geflüsterten Worte. »Du wirst der Letzte sein, den ich töten werde, wenn ich nicht das bekomme, was ich will.« Dann verließ sie ihre Wohnung.

Linos war erst Stunden später völlig ausgelaucht zu sich gekommen. Als er festgestellt hatte, dass Francine gegangen war, hatte er sich die Haare gerauft und sich Vorwürfe gemacht. Er hatte noch zwei von den gestohlenen Blutkonserven genommen und sie leer getrunken.

Was sollte er nun tun? Es seinen Eltern beichten?

Davor hatte er sich am meisten gefürchtet. Er wusste mittlerweile, dass er einen riesigen und vor allem dummen Fehler gemacht hatte. Doch der war nicht rückgängig zu machen. Mit diesen Gedanken hatte er sich von der Außenwelt abgeschottet. Keiner sollte seine Gedanken lesen oder erahnen können. Linos hatte dann begonnen, die Beerdigung zu organisieren und danach versucht, Spuren von Francine zu finden. Doch sie war wie vom Erdboden verschluckt. Das war, wie eine Nadel im Heuhaufen suchen. Er hatte es aufgegeben.

Dann hatte die Beerdigung stattgefunden. Es war so eine schreckliche Farce für ihn gewesen. Er hatte sich so schuldig und schlecht gefühlt. Besonders, als Emily ihn zu Recht angegriffen hatte. Sie war todunglücklich darüber, dass sie sich von ihrer Freundin nicht richtig verabschieden konnte. Sie hatte sie gern noch einmal sehen wollen. Doch Linos hatte alles so ablaufen lassen müssen. Francine war tot. Für alle. Auch für ihn. Sie war kein Wesen seiner Art. Sie war nun ein Geschöpf der Nacht.

Aber wie es zu erwarten war, hatte seine Mutter eine Vision. Seine Eltern stellten ihn zur Rede. Ihm blieb nur, die Wahrheit zu sagen. Sie waren die Majestäten ihres Volkes. Vor ihnen blieb nichts verborgen. Seine Mutter hatte seinetwegen Tränen vergossen, und er schämte sich für seine unbedachte Tat. Er hatte erwartet, dass sie ihm Vorhaltungen machen würden. Aber das taten sie nicht. Sie machten ihm nur klar, was sie nun von ihm erwarteten. Und er würde sich daran halten. Das hatte er sich geschworen.

Francine stand in dem Raum, der vor Kurzem noch das Labor ihres Hauptquartiers war. Sie kochte vor Wut. Ihre ganze Arbeit war hier in Illinois zunichte gemacht worden. Und das von diesen verhassten Unsterblichen. Nichts hatten sie hier gelassen. Es war, als wäre hier nie etwas gewesen. Also war man auf sie aufmerksam geworden. Doch sie fragte sich, ob sie von ihrer Person etwas wussten. Oder nur von ihrer Organisation. Das war ihr eigentlich fast egal. Sie wollte auf jeden Fall weitermachen, denn sie hatte ein Ziel. Wenn sie das Eine nicht erreichen konnte, dann würde sie für das Zweite sorgen. Entweder sie bekam, was sie wollte oder den Unsterblichen ging es an ihre Existenz. Ihr war jedes Mittel recht. Ihr größter Trumpf würde sein, ihre Existenz den Menschen zu verraten. Mal sehen, wer den Krieg dann gewann. Sie würde seelenruhig zusehen.

Francine hatte es schon einige Mühe gekostet, in dieses Land zu kommen. Als sie sich von Linos genährt hatte und die Dunkelheit hereingebrochen war, war sie einfach gegangen. Was sollte sie auch noch bei ihm? Sie war nicht wie er. Das konnte sie nicht akzeptieren. Und etwas sagte ihr, dass es auch andere wie er nicht tun würden. Erstaunlicherweise hatte es sie kalt gelassen, dass sie von ihm weggegangen war. In ihr hatte eine Unzufriedenheit geherrscht, die sich in Zorn verwandelt hat.

Francine war zum Flughafen gefahren und hatte sich, nachdem sie den Taxifahrer fast ausgesaugt hatte, in den Laderaum eines großen Flugzeugs geschmuggelt. Sie wollte weg, egal wohin. So war sie in Washington gelandet. Von dort hatte sie sich nach Illinois durchgeschlagen und Erfahrungen gesammelt. Sie stellte fest, dass sie sehr schnell und stark war und Menschen beeinflussen konnte. Ein Versuch, außer Blut auch andere Lebensmittel zu sich zu nehmen, scheiterte. Zumal das Zeug nicht schmeckte, erbrach sie es wieder.

Auf ihrem Weg grübelte sie darüber nach, wie sie es erreichen konnte, dass sie wie Linos wurde. Allein konnte sie das nicht schaffen. Francine brauchte Unterstützung. Und die holte sie sich bei den Menschen.

Gezielt suchte sie sich Leute heraus, wo sie meinte, dass sie das benötigte Potenzial hatten. Sie fand sie, indem sie in den Köpfen der Leute wühlte. Francine ging gezielt auf die Menschen zu, die sich nach einer Arbeit in die gewünschte Richtung umsahen. Wenn sie meinte, dass diese Person für ihre Zwecke geeignet war, manipulierte sie sie. Mit ihrer Hilfe nahmen sie das erste Gebäude in Besitz und richteten es entsprechend ein. Die oberen Etagen waren nur Schein. Verborgen im Keller, der keinem Außenstehenden Zutritt gewährte, befand sich das eigentliche Labor und kleinere Räume, in denen Unsterbliche gefangen gehalten wurden. Francine hatte durch eine ihrer Marionetten, die in ihrem Labor tätig war und sich mit Mythen beschäftigte, erfahren, dass das Wolfskraut die Abartigen schwächen und sogar lähmen würde. Das hatte Francine auf die Idee gebracht, sie damit außer Gefecht zu setzen und für ihre Zwecke zu nutzen.

Doch bis jetzt war sie keinen Schritt weitergekommen. Das Tageslicht war immer noch ihr Feind. Das ständige Trinken von den Menschen war ebenfalls eine zwingende Notwendigkeit. Sie hatte es mit Blutkonserven versucht, es dann aber wieder aufgegeben, da es ihr zu aufwendig wurde, diese zu besorgen. Zu schnell waren sie aufgebraucht. Sie konnte sie ja nicht von BADA-Enterprices ordern. Dann hätte sie gleich dort auftauchen können, um sich umbringen zu lassen.

Sie hatte das Blut der Vampire getrunken, die sie gefangen hielt. Aber immer dann, wenn sie allein mit ihnen war. Das half ihr über einen längeren Zeitraum, ohne menschliches Blut auszukommen. Doch ihre Gefangenen brauchten auch Nahrung. So zwang sie ahnungslose Menschen, Blut zu spenden. Das bekamen die Gefangenen in unregelmäßigen Abständen auf Zuteilung. Francine warf ihnen auch mal kleine Tiere, wie Kaninchen oder Tauben, in die Zelle. Es ließ sie völlig kalt, denn die hier gefangen waren, verloren sowieso ihre Existenz.

Die Menschen, die für Francine arbeiteten, ahnten nicht einmal, was Francine war. Sie ließ ihnen bei ihren Experimenten und der Erforschung freie Hand. Doch sämtliche Ergebnisse, die auffällig bei dem Blut waren, mussten ihr gemeldet werden. Außerdem hatte Francine es ihnen eingeschärft, dass von ihrer Arbeit nichts nach außen dringen durfte. Sollte es doch einer von ihnen versuchen, würde er wahnsinnige Kopfschmerzen bekommen, die ihn umbringen konnten.

Francine verließ das Gebäude und brach wieder nach Montana auf. Hier hatte sie vor Kurzem zwei weitere Labore einrichten lassen und eine grandiose Entdeckung gemacht. Die sollte ihr helfen, für sie Unsterbliche zu finden.

 

 

2. Ungewollte Bekanntschaften

 

Kathy hatte ein mulmiges Gefühl im Bauch. Es gefiel ihr nicht, was sie jetzt tun musste. Man zog sie in den Mittelpunkt. Das war etwas, was sie unbedingt vermeiden wollte. Doch sie hatte es nicht verhindern können.

Am Abend zuvor hatte sie ihr erstes kleines Konzert erfolgreich hinter sich gebracht. Die Gäste hatten ihrem Spiel gebannt zugehört. Kaum einen Laut hatte Kathy vernommen. Ein Raunen war durch den kleinen Saal gegangen, als der letzte Ton schon ein paar Sekunden verklungen war. Einige hatten tief eingeatmet, waren wohl gerade aus dem Traum erwacht, in dem sie durch die Musik gefangen genommen waren. Die Leute hatten begeistert geklatscht, als Kathy sich erhoben und sich leicht verbeugt hatte. Dann war da dieser Mann, der sich einen Weg durch die Reihen gebahnt hatte. Er war groß und kräftig gebaut, sein Haar blond und kurz geschnitten. Blaue Augen blickten ernst auf sie, während sein Mund gewinnend lächelte. Er hat das kantige Gesicht eines Wikingers, hatte Kathy in dem Moment gedacht und wusste sogleich, wer er war.

»Börge Andersson. Guten Abend, Madam«, hatte er sie in der englischen Sprache begrüßt und sich leicht verbeugt. »Ihr Spiel war exzellent und sehr bewegend. Danke.«

Kathy hatte leicht ihren Kopf geneigt, aber nichts erwidert.

»Ich möchte mir erlauben, Sie morgen zum Abendessen bei mir an den Tisch einzuladen.«

Ihr war sofort unbehaglich geworden. Am liebsten hätte sie ihm das auf ihre Art ausgeredet. Doch zu viele Leute hatten neugierig auf sie gestarrt und sich bereits Meinungen gebildet, wovor sie sich sofort abschottete. Der gutaussehende Kapitän lud persönlich eine ebenfalls gutaussehende Frau zu sich an den Tisch ein. Dann wird sie wohl auch in sein Bett landen. Menschen waren doch manchmal so primitiv in ihrer Gedankenwelt.

Kathy hatte ihn ernst angesehen und dabei schnell abgewogen, was sie antworten soll. Sie hatte nur widerwillig zugestimmt.

»Es wird mir eine Ehre sein, Kapitän Andersson.« Sie hatte kurz wie zu einem Gruß genickt und den Saal verlassen. Dabei hatte sie noch gehört, wie er dachte:Guck, sie weiß, wer ich bin. Sie ist eine Schönheit, stolz und bestimmt sehr klug. Aber traurig. Hm. 

Kathy schüttelte fast unmerklich ihren Kopf. Der Mann war viel zu aufmerksam. Sie hoffte nur, dass er nicht zu viele Fragen stellen würde.

Bevor sie sich für die Stelle auf dem Kreuzfahrtschiff eingelassen hatte, hatte sie sich über einige der Verantwortlichen informiert, soweit es möglich war. Dazu hatte auch der Kapitän gehört. Sie wusste, dass er gebürtiger Schwede und verheiratet war. Kathy schätzte sein Alter auf dreiundvierzig. Doch das Foto war dem Mann nicht gerecht geworden. Sie musste zugeben, dass er schon beeindruckend auf sie wirkte. Er strahlte regelrecht vor Autorität.

Kathy zog sich das dunkelblaue Etuikleid an und nahm sich ihre kurze Jacke, nachdem sie noch einmal in den Spiegel gesehen hatte. Sie trug ihr mittelblondes Haar wie am Vorabend offen. Vor ein paar Jahren hatte sie entschieden, es wieder wachsen zu lassen. Nun fiel es ihr über die Schulter bis tief in den Rücken.

Kathy betrat zögernd das große Restaurant und dämpfte für sich die Geräusche ab. Dann stärkte sie ihre Sinne, um zu prüfen, ob für sie hier eine Gefahr bestehen könnte. Dabei ließ sie ihren Blick durch den Raum gleiten. Doch es schien alles in Ordnung zu sein. Zielstrebig ging sie auf den Tisch zu, an dem sie bereits den Kapitän entdeckt hatte. Als sie dort ankam, erhob er sich als Erster. Die zwei anderen Männer, einer davon in Uniform, erhoben sich ebenfalls.

Börge Andersson nahm Kathys Hand und hauchte ihr galant einen Kuss darauf. Diese Berührungen lösten ein angenehmes Kribbeln in ihr aus, das sie schon lange nicht mehr verspürt hatte. Sie nahm sich sehr zusammen, um sich das nicht anmerken zu lassen. Doch er schien zu ihrer Erleichterung nichts bemerkt zu haben, denn er fing gleich an zu reden. »Guten Abend. Danke, dass Sie gekommen sind. Ich möchte Ihnen meine Gäste vorstellen.« Der Mann in Uniform war der Erste Offizier. Der andere war ein Manager einer Großfirma in England, der seine Frau, die wie ein wasserstoffblondes Mannequin aussah, an seiner Seite hatte. Zudem saß noch eine ältere, modern gekleidete Frau an dem Tisch, die eine Schriftstellerin war und unter einem Pseudonym Krimis schrieb. Die war Kathy auf Anhieb sympathisch, während das ungleiche Paar Schaufensterpuppe und gelifteter Playboy ihr nicht gefielen. Sie hoffte inständig, dass die Puppe nicht plötzlich zu reden anfing.

Die ältere Frau, die als Marita Moriani vorgestellt wurde, hüstelte leicht und ihre Augen fingen belustigt an zu funkeln. Kathy versteifte sich innerlich im selben Moment. Hatte sie etwas übersehen? Doch sie musste ihre Aufmerksamkeit weiter dem Kapitän widmen, der gerade seine Vorstellungsrunde beendet hat, bei der er diverse Informationen zu den Personen abgegeben hatte. Nun stellte er sie vor.

»Und das ist unsere begabte Pianistin Kathy Farrell. Bitten setzen Sie sich.« Er schob ihr den Stuhl richtig hin. Kathy murmelte einen Dank und nickte den Gästen höflich zu.

»Ich hatte gestern das Vergnügen, Ihrem Konzert beizuwohnen. Ich muss sagen, dass ich es genossen habe. Sie spielen sehr einfühlsam. Manchmal habe ich mich versetzt gefühlt, an einen Bach, auf eine Wiese unter dem blauen Himmel. Sie haben die Leute glücklich gemacht. Frau Farrell, sie sind eine Magierin«, schwärmte er, als er sich ebenfalls gesetzt hatte.

»Ich habe nur gespielt, Kapitän Andersson«, erwiderte Kathy mit einem verhaltenen Lächeln.

»Das haben Sie, Schätzchen. Mit viel Gefühl. Sie haben ihre eigenen Emotionen hineinfließen lassen«, sagte die Schriftstellerin. Fragend sah Kathy die Frau an, die ihr ein ehrliches Lächeln schenkte. »Ich war auch da und kann dem Kapitän nur zustimmen.«

»Danke. Es freut mich, dass es Ihnen gefallen hat«, entgegnete Kathy darauf höflich.

Der Kapitän stand auf und nahm sein Glas, um die Gäste, die sich in diesem Restaurant eingefunden hatten, zu begrüßen und ihnen und sich allen eine gute Fahrt zu wünschen. Er bekam seinen Beifall und nahm wieder Platz. Gleich danach begann man das Menü zu servieren.

»Ich nehme an, sie spielen nur Klassisches.« Die Schaufensterpuppe meldete sich zu Wort. Kathy griff zu ihrem Glas und musterte die Frau mit einem kalten Blick. Sie machte sich gar nicht erst die Mühe, ihre Gedanken zu lesen, denn die Frau hatte keine Ahnung von einer derartigen Kunst. Sie stand auf das, was der Markt gerade an moderner Musik hergab, bei der sie sich amüsieren konnte.

»Nein. Sie scheinen sie nicht zu mögen«, stellte Kathy mit leicht provokativer Stimme fest.

»Stimmt. Entschuldigung. Aber diesem Geklimper auf dem Klavier kann ich nichts abgewinnen.«

»Auf einem Flügel«, berichtigte sie die Puppe und sagte dann mit einem Lächeln, das ihre Augen nicht erreichte: »Man muss diese Musik lieben, um sie zu verstehen. Das ist nicht jedem vergönnt.«

Doch diese Frau verstand ihre Spitze nicht. »Was gibt es denn da zu verstehen? Da wird ja nicht mal gesungen. Und tanzen kann man zu dieser Musik auch nicht«, nörgelte sie stattdessen.

Kathy verschloss sich der Ignoranz dieser Modepuppe. Sie war eindeutig nicht intelligent genug für so ein Gespräch. Jetzt fehlte nur noch, dass Mister Lifting auch noch seinen Kommentar dazu abgab. Doch der unterhielt sich gerade mit dem Offizier, was Kathy sehr erleichtert zur Kenntnis nahm. Dafür hielt sich jedoch die Schriftstellerin nicht zurück, denn sie hatte das kurze Gespräch mit Interesse verfolgt.

»Ich stimme der jungen Pianistin voll und ganz zu. Nur wer diese Musik liebt, erlebt sie auch.«

Eine Grundlage für einen neuen Krimi? Schaufensterpuppe tötet Unsterbliche mit dummen Worten. Das wäre doch mal was, waren Kathys sarkastische Gedanken. In Marita Morianis Augen blitzte es wieder belustigt auf. Sie nahm ihr Glas und lehnte sich nach hinten.

»Ich werde auch ihr nächstes Konzert besuchen. Das ist doch schon heute Abend, wenn ich mich nicht irre.«

»Ich gebe fast jeden Abend ein Konzert«, erwiderte Kathy und versuchte zu lächeln.

»Hummelbärchen. Wir gehen doch tanzen«, meldete sich Blondi wieder zu Wort und forderte sich die Aufmerksamkeit ihres Mannes ein. Der antwortet ihr genauso bescheuert: »Hasilein, aber natürlich.«

Kathy stöhnte innerlich auf. Sie sollte aufstehen und gehen. Damit man ihr nicht ansah, dass sie genervt war, sah sie über den Tisch hinweg zu den Panoramafenstern des Restaurants. Ihr Blick streifte dabei einen Tisch, an dem nur ein Mann und ein Kind saßen. Etwas störte sie an diesem Anblick, doch sie wurde abgelenkt. Der erste Offizier wollte sich höflich verabschieden, da er zum Dienst musste.

Die Schriftstellerin räusperte sich. »Kathy. Ich darf Sie doch so nennen?«

»Bitte«, erwiderte sie und schaute die Frau abwartend an.

»Okay, Kathy. Warum kennt man Sie nicht? Sie spielen doch hervorragend«, wollte sie wissen, denn sie war sich sicher, dass Kathy außerordentlich war.

»Mir reicht das so, wie ich es hier praktiziere. Es ist nur ein Ausflug auf eine Insel, auf der ich nicht bleiben möchte. Wenn Sie verstehen, was ich meine«, entgegnete Kathy mit ruhiger Stimme, obwohl es sie anfing aufzuwühlen. Es war ihre Sache, wo und wie lange sie spielte und was sie noch in ihrem kurzen Dasein tun würde.

»Schön gesagt. Also haben Sie andere Ziele.« Die ältere Frau sah sie nachdenklich an.

»Richtig«, bestätigte Kathy es ihr und hoffte, das Thema wäre nun erledigt.

Der Kapitän hatte Kathy die ganze Zeit aufmerksam beobachtet. Ihm war nicht entgangen, dass sie die beiden zu seiner rechten Seite nicht mochte, und dass sie sich offener zu der Schriftstellerin verhielt. Ihm war auch nicht entgangen, dass ihre Augen immer mal wieder einen traurigen Ausdruck annahmen. Diese Frau hatte eine Mauer um sich gebaut. Es würde schwer werden, dort ein Loch zu finden. Sie machte ihn neugierig.

»Darf man erfahren, welche das sind?«, fragte er einfach gerade heraus.

»Tut mir leid, Kapitän«, antwortete sie und warf ihm einen Blick zu, in dem er deutlich einen tiefen Schmerz erkennen konnte. Aber auch die Ablehnung, weitere Fragen in dieser Richtung zu beantworten. Kathy schlug sofort die Augen nieder, als sie seine gerunzelte Stirn sah. Warum machte er sich um sie Gedanken? Sie war eine Fremde für ihn. Aber er tat es. Sie konnte hören, was er dachte. Das sollte er nicht tun. Schließlich war er verheiratet.

»Ich sollte mich jetzt zurückziehen und mich auf mein Konzert vorbereiten«, sagte sie und gedachte sich zu erheben.

»Aber Frau Farrell, Sie wollen uns doch noch nicht verlassen. Ihr Konzert beginnt erst in knapp zwei Stunden.« In Börge Anderssons Gesicht sah sie deutlich seinen Unmut über ihr Vorhaben, und in seiner Stimme lag eine gewisse Härte und die Kritik. Kathy sah ihn verärgert an und fragte ziemlich unterkühlt: »Sie sind doch verheiratet. Dann müssten Sie doch wissen, dass eine Frau eine gewisse Zeit benötigt, um sich für ein besonderes Ereignis vorzubereiten und einzustimmen.«

»Glücklich geschieden seit über zwei Jahren. Entschuldigen Sie, dass ich Ihnen widerspreche. Doch Sie sehen perfekt aus. Was wollen sie heute noch ändern?« Er lächelte, doch seine Augen lagen prüfend auf ihr, was sie schon wieder störte.

»Danke für das Kompliment. Aber dieses Kleid ist nicht für die Darbietung eines Konzerts gedacht.« Ende der Diskussion, dachte sie weiter verärgert. Was sollte das Theater?

»Ach, bleiben Sie noch etwas! Eine halbe Stunde können Sie uns doch noch mit ihrer Gegenwart erfreuen«, mischte sich nun auch noch Marita ein. Bevor Kathy etwas erwidern konnte, fing die Schaufensterpuppe an zu brabbeln.

»Hummelbärchen. Diese Frau hat ja so recht. Wir sollten gehen, damit ich mich für dich heute Abend noch schön machen kann.« Sie warf Kathy einen Blick mit einem so falschen Lächeln wie ihre Haarfarbe zu. Diese Frau hatte ein krankhaftes Geltungsbedürfnis. Sie war eingeschnappt, weil der Kapitän ihr nicht seine Aufmerksamkeit geschenkt hatte, sondern der Frau, die ihr gegenübersaß. Kathy ließ das völlig kalt und bedachte sie auch mit diesem Blick. Früher hätte sie sich einen Spaß daraus gemacht und dafür gesorgt, dass ihre Eitelkeit einen Dämpfer bekommen hätte.

»Aber sicher doch, mein Engel«, säuselte der geliftete Playboy seinem Blondchen zu. »Sie entschuldigen uns bitte. Es hat uns gefreut«, sagte er dann und erhob sich, um seiner Frau mit dem Stuhl zu helfen. Doch die war etwas schneller und stand schon. Der Kapitän hatte sich aus Höflichkeit erhoben und setzte sich mit einem erleichterten Seufzen wieder, als die beiden gingen.

Kathy sah ihn stirnrunzelnd an. »Warum hatten Sie sie eingeladen, wenn sie Ihnen so unangenehm sind? Es gibt doch gewiss angenehmere Gäste hier an Bord.«

»Er besitzt leider ein paar Aktien dieser Gesellschaft. Was soll ich machen? Das sind die negativen Seiten meines Berufes«, antwortete er achselzuckend.

»Also, mein Lieber. Sie haben uns verschwiegen, dass Sie wieder zu haben sind? Das nehme ich Ihnen übel«, meinte dann Marita in einem verschwörerischen Ton und sah Kathy augenzwinkernd an.

»Oh bitte, Marita. Ich habe das so lange geheim halten können. Hängen Sie das bloß nicht an die große Glocke! Dann werfen sie mich nämlich den Hyänen zum Fraß vor«, bat er sie. Und das meinte er wirklich ernst.

»Meinen Sie nicht, dass Miss Wasserstoffblond es nicht tun wird, nachdem Sie es hier am Tisch veröffentlicht haben?«, fragte Kathy zynisch.

»Ich denke nicht, dass Skandale auf dem Schiff, das zu einer Gesellschaft gehört, von der der Mann gewinnbringende Aktien besitzt, dann noch gewinnbringend sind. So dumm wird sie bestimmt nicht sein«, antwortete er und verzog dabei verächtlich seinen Mund.

Marita lachte leise. »Ich stelle mir das gerade bildlich vor, wie Sie auf dem Deck vor einer Horde Frauen weglaufen.«

Kathy konnte diese Bilder sehen und musste selbst schmunzeln.

»Na, so schlimm wird es nicht kommen«, tröstete sie ihn. »Ich werde mich nicht unter ihnen befinden. Das macht dann mal schon eine Hyäne weniger.«

Marita lachte laut auf. »Schätzchen. Sie haben ja Humor. Sie gefallen mir.«

Schwarzer Humor, dachte Kathy zerknirscht und verschanzte sich wieder hinter ihre Mauer. Der älteren Frau fiel es sofort auf, dass sich die junge wieder zurückzog.

»Wenn Sie nichts dagegen haben, werde ich mich anschließen, und wir sehen beide der Jagd zu«, meinte Marita aber weiter mit einem verschmitzten Grinsen. Bei dem Wort Jagd zuckte Kathy merklich zusammen und versteifte sich. Das fiel sogar dem Kapitän auf. Er fragte sich, warum sie das gerade so erschreckt hatte. Die Frau schien etwas erlebt zu haben, dass ihr schwer zusetzte. Er wollte sich die Mühe machen und es ergründen. Doch Kathy ließ es nicht zu. Als er anfangen wollte, sie zu fragen, was sie an dem Wort Jagd störte, sah sie ihn nur an. Sie suggerierte ihm, dass er seine Fragen vergessen und ihr stattdessen viel Glück für ihr Konzert wünschen soll. Das tat er dann auch prompt.

Marita hatte das kleine Zwischenspiel mit großem Interesse verfolgt und nickte leicht.

»Ja. Dem schließe ich mich an. Es wird garantiert wieder ein Erlebnis werden«, sagte sie und sah mit einem aufmunternden Lächeln zu der Unsterblichen. Kathy erwiderte das Lächeln. »Ich werde mir Mühe geben.«

»Oh, das machen Sie mit links«, prophezeite sie es ihr und forderte sie und den Kapitän auf: »Stoßen wir darauf an!« Sie ließen ihre Gläser klingen und tranken den Wein.

»Ich habe leider Dienst. Aber vielleicht ist es mir zwischendurch möglich, kurz vorbeizuschauen«, meinte der Kapitän.

»Na, na. Vernachlässigen Sie nicht Ihre Pflicht! Hier gibt es zwar keine Eisberge. Trotzdem will ich mich in Sicherheit wiegen.« Marita hob mahnend ihren Zeigefinger.

»Keine Sorge. Es gibt genug Rettungsboote«, witzelte er.

»Sicher? Ich würde lieber meine Reise wie ursprünglich geplant fortsetzen«, stichelte sie weiter.

Der Kapitän lachte auf. »Marita. Das werden Sie auch. Wir haben gute Sicht. Es gibt keine Schlechtwetterfront. Und wir wollen keinen Rekord aufstellen. Schließlich haben wir eine Route abzufahren.«

»Dann wollen wir hoffen, dass Poseidon uns gut gewogen ist«, erwiderte sie mit einem theatralischen Seufzer.

»Marita. Also wirklich. Sie machen der jungen Dame noch Angst«, tadelte er sie und wandte sich dann an Kathy. »Dabei fährt sie nicht zum ersten Mal mit uns.«

»Gut gemerkt. Es ist bereits das vierte Mal. Zwei dieser Reisen waren störungsfrei. Doch an die letzte erinnere ich mit Grausen. Wir waren in einem heftigen Sturm gekommen. Die meisten Leute wurden seekrank«, erzählte Marita und macht ein entsprechendes Gesicht, als würde ihr übel werden. Kathy verfolgte diesen Schlagabtausch stumm und belächelte ihn im Stillen.

»Hören Sie nicht auf sie!«, verlangte er von Kathy und winkte ab. »Sie übertreibt maßlos. Es war an zwei Tagen etwas windig. Und es hatten sich nicht mehr Passagiere seekrank gemeldet als üblich.«

»Etwas windig? Man konnte sich nur innerhalb der Decks aufhalten. Sonst wäre man glatt vom Schiff gepustet worden«, wies sie ihn mit gespielter Entrüstung zurecht.

»Und trotzdem sind Sie rausgegangen und haben sich an einem Haltemast geklammert, nur um den schäumenden See zusehen«, hielt er dagegen.

»Ist doch nichts passiert.« Marita tat es mit einem Schulterzucken ab.

»Nein, Gott sei Dank. Ich musste zwei meiner Leute zu ihr schicken, damit sie sie wieder ins Trockene brachten«, informierte er Kathy und verdrehte dabei die Augen.

»Das war völlig unnötig gewesen«, schnaubte Marita.

»Ich schlussfolgere jetzt mal daraus, dass Sie sich schon länger kennen«, warf Kathy sich zwischen ihren Disput.

»Oh ja«, grinste Marita nun verschmitzt.

Der Kapitän verzog leidend das Gesicht. »Alle zwei Jahre finde ich ihren Namen auf der Passagierliste und …«

»Vorsicht Käpt`n! Überlegen Sie jetzt gut, was Sie sagen!«, warnte sie ihn.

»… und bin jedes Mal sehr erfreut. Marita ist trotz ihres Temperaments eine hinreißende und überaus kluge Frau. Und das meine ich ernst«, betonte er. Dann ergriff er ihre Hand und hauchte ihr einen Kuss darauf.

»Charmeur«, hörte Kathy sie murmeln und schmunzelte.

»So, Schätzchen. Bevor er mir alten Schachtel noch einen Heiratsantrag macht, sollten wir uns zurückziehen und uns auf unser Konzert vorbereiten.«

»Marita, Sie sind eine Frau in der Blüte ihres Lebens«, korrigierte er sie.

»Danke, mein Lieber! Doch heben Sie sich bitte ein paar Komplimente für die nächsten Tage auf. Dann kann ich wieder zwei Jahre daran zehren.«

»Reisen Sie einfach jedes Jahr mit uns«, schlug er lachend vor.

Sie winkte ab und verzog ihr Gesicht.

»Nein, nein. Es reicht, wenn Sie die jährlich zunehmende Anzahl meiner Falten in diesem Abstand zu sehen bekommen.«

»Marita. Was reden Sie denn da? Meinen Sie etwa die kleinen Lachfalten an ihren Augen?«

»Er schmeichelt mir schon wieder., seufzte sie. »Ich gehöre nicht mehr zu Ihren Weidegründen. Da sehe ich eine schöne und junge Frau in Ihrer Nähe, die in Ihr Schema passen könnte«, meinte sie dann provokativ.

Doch das ging Kathy nun zu weit. »Marita, bitte.«

»Gerade heraus, wie immer«, stöhnte der Kapitän. »Hören Sie einfach nicht hin!«

Marita lachte auf, wurde dann aber ernst. »Kinder. Lebt den Augenblick! Der kommt nie wieder.«

Kathy schloss für einen Moment die Augen. Diese Frau hatte ja so recht. Doch das traf für sie nicht mehr zu. Es lag eine so schreckliche Zeit hinter ihr, die sie jetzt verfolgte und weiter so lange verfolgen wird, solange sie noch existierte. Ihr würde es unmöglich sein, auch den kleinsten schönen Augenblick voll und ganz zu genießen.

Als sie die Augen wieder öffnete, schaute sie direkt in die aufmerksamen der Schriftstellerin. Sofort schlug sie ihre Lider nieder.

So viel Trauer und Hoffnungslosigkeit. Das kann nicht gutgehen, hörte Kathy die Frau denken. Auch der Kapitän sah sie nachdenklich an und grübelte nach, warum sie so hoffnungslos aussah.

»Nun Kapitän. Wir danken für die Einladung. Aber wir sollten uns jetzt zurückziehen«, sagte Marita und zog so die Aufmerksamkeit wieder auf sich. Der Kapitän erhob sich und verabschiedete sich mit einem Handkuss von den beiden Frauen.

»Ich hoffe, dass ich Ihrer beider Gesellschaft noch einmal genießen darf.«

»Sicher doch. Sagen Sie uns wo und wann!«, erwiderte Marita und drehte sich zu Kathy. »Also, bis gleich. Ich freue mich schon.« Dann eilte sie auch schon aus dem Restaurant.

»Frau Moriani hat zwar für uns beide gesprochen. Doch ich möchte es nicht versäumen, mich selbst bei Ihnen zu bedanken«, sagte Kathy, zu ihm gewandt.

»Ich bin derjenige, der sich bedanken muss. Sie beide haben dieses Abendessen interessant und amüsant werden lassen.« Er musterte sie mit seinen graublauen Augen.

»Daran hatte aber Frau Moriani den größten Anteil«, meinte sie mit einem verhaltenen Lächeln.

»Da irren Sie sich«, widersprach er. »Sie ist eine außergewöhnliche Person. Ich freue mich ehrlich, wenn sie die Reise für meine Schiffsrouten bucht, denn ich mag sie sehr. Doch auch Sie, Kathy, hatten einen nicht gerade bescheidenen Anteil an dem Gelingen des heutigen Abends. Ich frage mich nur, warum Sie oft diesen traurigen Zug im Gesicht haben.«

Kathy sah auf ihre Schuhspitzen, damit er ihren verzweifelten Ausdruck im Gesicht nicht sah. »Bitte, nicht!«, flüsterte sie.

»Keine Sorge. Ich werde Sie zu nichts drängen. Das steht mir nicht zu. Aber vielleicht erlauben Sie mir, dass ich Sie nochmals einladen darf.«

»Ich glaube nicht, dass das eine gute Idee ist«, murmelte sie.

»Aber ich kann es versuchen«, entgegnete er.

Kathy reichte ihm ihre Hand. »Ich muss jetzt gehen. Sonst komme ich noch zu meinem eigenen Konzert zu spät.«

Er nahm ihre Hand und hielt sie etwas länger in seiner.

»Viel Glück«, wünschte er ihr. Dann ging auch Kathy und spürte seinen Blick in ihrem Rücken mit einem nachhaltigen Kribbeln auf ihrer Haut, das sie beunruhigte. Sie lief in ihre Kabine, die sich auf einem der oberen Decks befand. Es war eine Außenkabine mit Balkon, die sie für sich gebucht hatte. Sie hätte auch die ihr zugedachte nehmen können, die für sie kostenlos gewesen wäre. Doch das hatte sie dankend abgelehnt. Dafür hatte man ihr einen Rabatt gewährt.

Kaum hatte sie ihr derzeitiges Reich betreten, ließ sie sich längs auf das Bett fallen.

Warum ist nur alles so kompliziert, dachte sie bekümmert.

»Hast du schon wieder Kopfschmerzen?«, fragte Eleanor ihren Vater besorgt, der sich an seiner Schläfe rieb.

»Nein, es geht schon. Wie schmeckt dir dein Essen?«, lenkte er von sich ab.

»Ist okay«, antwortete sie.

»Wir haben immer noch nicht entschieden, was wir nachher tun wollen. Kino, Zaubershow oder Konzert?« Ihr Vater sah sie abwartend an.

»Weiß nicht. Gestern durfte ich es mir aussuchen. Mach du es heute.«

»Dann gehen wir ins Casino«, entschied er mit einem amüsierten Schmunzeln.

»Papa. Da darf ich nicht mit rein. Außerdem finde ich es nicht gut. Da kann man viel Geld verlieren«, tadelte sie ihn.

»War doch nur Spaß. Dann gehen wir zu dieser Zaubershow«, entschied er.

»Au ja. Schön«, freute sich Eleanor. »Ist das der Kapitän dort an dem Tisch?«, wollte sie wenige Augenblicke später wissen.

»Ja. Der große blonde Mann ist Kapitän Andersson«, bestätigte er es ihr.

»Den habe ich mir ganz anders vorgestellt«, meinte das Kind und trank einen Schluck von ihrer Cola.

»Wie denn?«

»Na, älter. Und mit Bart.«

Der Vater lachte. »Vielleicht lässt er sich, wenn er älter geworden ist, einen wachsen.«

»Sind das Leute, die da bei ihm sitzen, die auch auf dem Schiff arbeiten?«

»Das weiß ich nicht, Schatz. Kann aber sein. Zumindest der mit der Uniform. Die anderen sind vielleicht seine Gäste.«

»Die eine Frau ist sehr hübsch«, meinte sie.

Der Vater schaute noch einmal kurz zu dem besagten Tisch. »Meinst du die blonde?«

Eleanor rümpfte die Nase. »Die ist doof. Nein, die mit den dunkleren Haaren. Der Kapitän sieht sie auch laufend an.«

»Was du alles so beobachtest.« Der Vater schüttelte lächelnd den Kopf und sah nun noch einmal genauer zu dem Tisch. Er musste seiner Tochter zustimmen. Diese Frau war wirklich eine Schönheit. Doch die spielte in einer anderen Liga.

Er widmete sich wieder seiner Tochter, denn sie war ihm das Wichtigste, was er noch besaß. Während sie weiter sich ihrem Essen widmete, verfiel er in Gedanken.

Vor fast zwei Monaten hatte er seine Frau und ihre Mutter verloren. Sie waren gemeinsam mit dem Auto unterwegs gewesen, als ihnen an einer Kreuzung ein Wagen mit überhöhter Geschwindigkeit in die Seite fuhr. Der betrunkene Fahrer war einfach bei Rot weitergefahren. Ihr Fahrzeug hatte sich durch den Aufprall überschlagen und war total eingedrückt worden. Seine Frau war noch an der Unfallstelle gestorben. Ihn und seine Tochter hatte man ins Krankenhaus gebracht, wo er auch erst zu sich gekommen war und man ihm den Tod seiner Frau mitteilte.

Das war eine der Varianten gewesen, die man ihm glauben ließ. Bis vor zwei Wochen hatte Eleanor noch im Koma gelegen. Er hatte sich geschworen, wenn sie wieder aufwachte, dann durfte sie sich alles wünschen, und er würde versuchen, es ihr zu erfüllen. Er selbst hatte wohl Glück gehabt. Neben einer anständigen Gehirnerschütterung hatte er ein paar gebrochene Rippen und Prellungen, was relativ schnell verheilte.

Während er im Krankenhaus gelegen hatte, war abends oft eine junge Frau zu ihm gekommen. Sie half ihm über seinen Schmerz und seine Trauer hinweg, indem sie mit ihm redete. Ihre Stimme hatte etwas Einnehmendes und klang noch in seinen Ohren. Ihre rotbraunen Augen waren für ihn etwas Besonderes. Sie hatte sich mit Francine vorgestellt. Später brachte sie ihn oft zu seiner Tochter, damit er auch mit ihr reden konnte. Sie hatte gemeint, dass sie ihn bestimmt hören konnte. Dann hatte sie ihm nach ein paar Wochen etwas erzählt, was er absolut nicht glauben konnte.

»Papa. Hallo! Du träumst«, sagte Eleanor vorwurfsvoll und unterbrach somit seine Grübeleien, die ihn immer wieder befielen.

»Oh, entschuldige. Ich bin ein langweiliger Vater.« Schuldbewusst sah er sie an.

Eleanor kicherte. »Ach, geht so.«

»Guck mal! Die stehen auf«, sagte sie plötzlich.

»Ja, aber nur das Paar. Die anderen bleiben noch«, entgegnete er nach einem schnellen Blick in die Richtung. Seine Tochter hatte es sich zur Aufgabe gemacht, die Leute zu beobachten. Manche dieser Beobachtungen wurden von ihr auch kommentiert, sodass er sich manchmal das Lachen verkneifen musste. Nur eins machte ihn dabei Sorgen, dass sie etwas entdeckte, was für sie beide nicht erfreulich sein wird.

»Der mit der Uniform ist auch schon weg. Ist wohl langweilig bei denen am Tisch«, meinte Eleanor achselzuckend.

»Ich hoffe, dass du nicht auch vor deinem langweiligen Vater flüchtest.«

»Nee, der geht doch mit mir heute noch zu der Zaubershow. Kann ich noch eine Cola haben?«

»Du bekommst noch schwarze Füße von dem Zeug«, stöhnte er und winkte dem Ober zu. Der kam auch gleich und nahm die Bestellung auf. Es dauerte nur wenige Minuten, dann brachte er auch schon den Kaffee für den Vater und die Cola für das Kind.

»Soll ich dir wieder eine Schwimmstunde geben?«, fragte er seine Tochter lächelnd. Die saugte gerade am Trinkröhrchen.

»Ja. Aber nur, wenn du mich nicht wieder untergehen lässt«, nuschelte sie.

»Du hättest nur deine Bewegungen weitermachen müssen. Das hatte heute doch schon gut geklappt«, versuchte er, sie etwas zu loben.

»Du hattest aber versprochen, nicht deinen Arm wegzunehmen«, hielt sie ihm ärgerlich vor.

»Eleanor. Das hattest du zuerst gar nicht mitbekommen und bist sogar ein Stück allein geschwommen.«

»Ich hatte Angst, dass ich ertrinke«, brummte sie.

Er lachte nur und schüttelte den Kopf. »Wir versuchen es morgen wieder, okay?«

Eleanor sah für eine Weile aus dem Fenster. Jedenfalls hatte es den Anschein. Sie beobachtete im Spiegelbild den Tisch des Kapitäns. Ihr Vater hatte sich zurückgelehnt und trank seinen Kaffee. Er hoffte, dass der sich verstärkende Druck in seinem Kopf durch ihn wieder verschwinden würde. Seit dem Unfall wurde er ihn einfach nicht mehr los.

Kathy erhob sich von ihrem Bett und nahm die letzte Blutkonserve aus dem Kühlschrank. Dazu musste sie die provisorische Rückwand im Innern wegnehmen. Dahinter passten bis zu sechs Beutel. Angelo und Tina hatten für dieses kleine Extra gesorgt, bevor sie auf das Schiff gegangen war. Schließlich konnte sie die Blutkonserven nicht für das Personal sichtbar liegen lassen.

Dann zog Kathy sich um. Sie entschied sich für das dunkelgrüne Kleid. Es hatte angesetzte Ärmel und schmiegte sich an ihren Körper. Im Bad nahm sie sich zwei Spangen und steckte sich an den Seiten das Haar hoch. Sie besah sich im Spiegel und war zufrieden mit ihrem Aussehen. Dann machte sie sich auf den Weg, um ihr zweites Konzert zu geben.

 

 

3. Ein zufälliges Treffen mit Folgen

 

Kathy schaute über die Menschen, die gekommen waren, um ihrem Spiel zuzuhören. Wieder checkte sie ab, ob ihr etwas ungewöhnlich erschien. Dabei entdeckte sie Marita in einer der ersten Reihen. Sie lächelte ihr freundlich zu, und Kathy nickte kurz. Nach einer leichten Verbeugung setzte sie sich an den Flügel und begann zu spielen. Diesmal hatte sie Stücke von Schumann und Haydn im Programm, die ebenfalls großen Anklang bei ihrem Publikum fanden.

Nach ihrem Konzert suchte Kathy sofort ihre Kabine auf. Sie zog sich das Kleid aus und machte die Spangen aus ihrem Haar. Dann ließ sie sich bäuchlings auf das Bett fallen und vergrub ihr Gesicht in der Armbeuge. Sie wollte ruhen und vergessen. Doch nach einer Weile setzte sie sich stöhnend hin und umschlang ihre angewinkelten Beine mit den Armen. Dabei legte sie ihre Stirn auf ein Knie.

Plötzlich klingelte das Handy. Kathy griff zum Nachttisch und nahm das Gespräch an.

»Hallo, Kathy. Ich hoffe, ich störe nicht.« Es war Tina.

»Entschuldige. Ich habe es vergessen.« Jetzt war ihr eingefallen, dass sie sich ja bei ihr melden wollte.

»Nicht so wild. Alles in Ordnung?«, fragte Tina mit Besorgnis.

»Hm.« Kathy hatte keinen Bedarf, sich über ihre Gefühlslage zu äußern. Das spürte die Freundin.

»Was machen deine Konzerte?«, fragte sie dafür.

»Den Leuten gefällt`s.«

»Sonst gibt es nichts, was wir vielleicht wissen müssten?«, hakte Tina nach. Kathy stöhnte gequält auf. »Nein, Tina. Bitte.«

»Nimm es uns nicht übel! Aber wir machen uns nun mal Sorgen«, verteidigte sich Tina. »Ich übergebe an Angelo. Bis dann.«

»Bis dann«, murmelte Kathy.

»Hallo, wenn du morgen in Cádiz von Bord gehst, wirst du bereits erwartet«, teilte Angelo ihr mit und erwartete ihren ablehnenden Kommentar.

»Erwartet? Wer?«, stieß Kathy ärgerlich hervor. Sie wollte niemanden treffen. Man sollte ihr die Blutkonserven geben. Und das war’s dann. So hatten sie es auch vereinbart.

Angelo lachte leise. »Wird nicht verraten. Lass dich überraschen!«

»Ich mag keine Überraschungen.« Nicht mehr, dachte sie betrübt.

»Sei versichert, du wirst erfreut sein«, sagte er. »Wir hören in drei Tagen voneinander.«

»Ja. Aber kann ich …«

Angelo hatte einfach das Gespräch beendet.

»Mist!«, fluchte Kathy und stand auf. Sie zog sich eine Jeans und ein Shirt über und ging auf den Balkon. Doch dann entschloss sie sich, wieder auf das obere Deck zu gehen. Dort hielten sich zu dieser Zeit keine Menschen mehr auf. Sie stellte sich wieder auf ihren Platz, um nicht so schnell entdeckt zu werden, falls sich doch noch jemand hier verirren sollte. So starrte sie auf den Horizont, dort, wo der Himmel in den Ozean fiel, wie in einen dunklen Abgrund.

Eleanor war schon seit geraumer Zeit eingeschlafen. Nur er konnte keinen Schlaf finden. Ruhelos hatte er sich im Bett hin und her gewälzt. Kurz entschlossen zog er sich ein Hemd und seine Jeans an und verließ leise die Kabine. Ihn zog es ebenfalls auf das obere Deck, weil er hoffte, dort ungestört zu sein.

Er sah sich um. Es schien niemand hier zu sein, also setzte er sich auf einen der Sessel, die an der Reling standen. Sein Blick glitt zum schwarzen Nachthimmel, an dem die Sterne blinzelten. Er konnte sehen, wie sich ein paar dunkle Wolken über sie hinweg schoben. Wie die Schiffe auf dem Meer zogen sie vorüber, jedoch ohne Ziel. Mit einem stillen Seufzen fuhr er sich mit seinen Händen durch sein volles Haar. Er sollte es mal wieder schneiden lassen, dachte er. Doch Eleanor fand, dass ihr Vater mit den etwas längeren Haaren cool aussah. Also verwarf er diesen Gedanken wieder. Dann schloss er seine Augen und rieb sich an seinen Schläfen. Ob er jemals diesen ständigen Druck in seinem Kopf wieder loswerden würde? Und schon waren die ungewollten Gedanken wieder da. Immer wieder holten sie ihn ein, und er konnte sie nicht abschütteln. Sie hatten sich tief in ihm festgebissen.

Francine hatte ihn eine Weile in den Glauben gelassen, dass sie einen Unfall gehabt hatten. Doch plötzlich wartete sie mit einer Behauptung auf, die für ihn völlig absurd klang. Sie hatte felsenfest behauptet, dass es kein Mensch gewesen war, der den Unfall verschuldet hatte. Es war auch kein Unfall gewesen. Das hatte ihm jemand suggeriert. Und dieser Jemand war ein Vampir gewesen.

Er hatte laut aufgelacht, als Francine ihm das versuchte, klarzumachen. Doch sie hatte sich nicht beirren lassen und hat weiter auf ihn eingeredet. Ein Vampir soll sie angegriffen haben, als sie auf dem Weg nach Hause gewesen waren. Sie hatte ihm sogar Bilder vorgelegt, die beweisen sollten, dass sie existierten.

Heutzutage konnte man solche Sachen leicht am Computer herstellen, hatte er ihr vorgehalten. Doch Francine zeigte ihm an den folgenden Tagen weitere Bilder von seiner Frau und von anderen Personen mit Bisswunden, die kaum noch Blut im Körper gehabt hatten. Die meisten hatten Bissspuren an ihrem Hals, die sie ihm auf Vergrößerungen zeigte. Kleine Einstiche, aber auch halbmondartige Wunden.

Er hatte immer noch große Zweifel. Wie kam sie an derartige Fotos? Die Polizei hatte sie ihr garantiert nicht freiwillig gegeben. Das bestätigte sie ihm auch und verriet ihm, dass die davon gar nichts wusste. Es gab eine Gruppe von Leuten, die sich um Fälle wie diesen kümmerten. Sie wussten über Vampire Bescheid und versuchten diese aufzuspüren, um sie zu beseitigen. Doch das war alles geheim. Schließlich glaubte man ja, dass Vampire Fantasiegestalten waren.

Francine forderte ihn auf, sich ihnen anzuschließen, denn er hätte eine Gabe, sie zu erkennen. Auch seine Tochter besäße sie. Das hatte ihn wieder misstrauisch gemacht. Eine Gabe. Was sollte das sein? Er war noch nie einem Vampir begegnet, wenn es sie wirklich geben sollte, was er für sich immer noch verneinte. Und wenn er wirklich eine Gabe hätte, wie konnte sie so etwas wissen? Er hatte sie gefragt, wie denn diese Gabe aussah. Sie hatte gelächelt und gefragt, wie er sich fühlt.