Der Prinz von San Lorenzo - Gudrun Leyendecker - E-Book

Der Prinz von San Lorenzo E-Book

Gudrun Leyendecker

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Beschreibung

Im Königreich von San Lorenzo, das sich in Norditalien befindet, beschließen König Ernesto und Königin Margarita, dass nun für die Prinzessin Federica die Zeit gekommen ist, sich einen Partner zu wählen. Dabei sind sich alle einig, dass der junge Mann kein Prinz sein muss. Er muss lediglich zu Prinzessin Federica passen und eine geeignete Persönlichkeit haben, um zu späterer Zeit einmal die königlichen Ämter übernehmen zu können. Nach einem öffentlichen Aufruf finden sich in dem idyllischen Ort San Lorenzo verschiedene junge Männer ein, die mit Federica Bekanntschaft schließen möchten. Federica ist sehr überrascht, wer sich ihr vorstellt, und ihre Freunde, der Zwerg Jorge und die Fee Lamina stehen ihr beratend zur Seite. Wird sie die große Liebe finden?

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Seitenzahl: 208

Veröffentlichungsjahr: 2025

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Inhaltsangabe:

Im Königreich von San Lorenzo, das sich in Norditalien befindet, beschließen König Ernesto und Königin Margarita, dass nun für die Prinzessin Federica die Zeit gekommen ist, sich einen Partner zu wählen. Dabei sind sich alle einig, dass der junge Mann kein Prinz sein muss. Er muss lediglich zu Prinzessin Federica passen und eine geeignete Persönlichkeit haben, um zu späterer Zeit einmal die königlichen Amter übernehmen zu können. Nach einem öffentlichen Aufruf finden sich in dem idyllischen Ort San Lorenzo verschiedene junge Männer ein, die mit Federica Bekanntschaft schließen möchten. Federica ist sehr überrascht, wer sich ihr vorstellt, und ihre Freunde, der Zwerg Jorge und die Fee Lamina stehen ihr beratend zur Seite. Wird sie die große Liebe finden?

Gudrun Leyendecker ist seit 1995 Buchautorin. Sie wurde 1948 in Bonn geboren.

Siehe Wikipedia.

Sie veröffentlichte bisher über 100 Bücher, unter anderem Sachbücher, Kriminalromane, Liebesromane, und Satire. Leyendecker schreibt auch als Ghostwriterin für namhafte Regisseure. Sie ist Mitglied in schriftstellerischen Verbänden und in einem italienischen Kulturverein. Erfahrungen für ihre Tätigkeit sammelte sie auch in ihrer Jahrzehntelangen Tätigkeit als Lebensberaterin.

Für RIKE

In tiefer Verbundenheit

Inhaltsverzeichnis

Kapitel 1

Kapitel 2

Kapitel 3

Kapitel 4

Kapitel 5

Kapitel 6

Kapitel 7

Kapitel 8

Kapitel 9

Kapitel 10

Kapitel 11

Kapitel 12

Kapitel 13

Kapitel 14

Kapitel 15

Kapitel 16

Kapitel 17

Kapitel 18

Kapitel 19

Kapitel 20

Kapitel 21

Kapitel 22

Kapitel 23

Kapitel 24

Kapitel 25

Kapitel 26

Kapitel 1

Während die munteren Vögel im Schlossgarten bemüht sind, in den hohen Bäumen ihre Nester zu bauen, sitzen Königin Margarita und die Prinzessin Federica im gelben Salon des Schlosses von San Lorenzo, um ein wichtiges Gespräch zu führen.

„Dieses türkisfarbige Kleid steht dir besonders gut“, beginnt die Mutter und betrachtet ihre Tochter liebevoll. „Und die Mondsteine in deiner Kette glänzen wie deine Augen.“

Die Prinzessin lächelt. „Danke, das hast du jetzt sehr hübsch gesagt. Kann es sein, dass du eine schlechte Nachricht für mich hast?“

Die Königin atmet tief. „Nein, ganz bestimmt nicht. Ich kenne eine ganze Reihe von jungen Frauen, die sich über diese Botschaft sehr freuen könnten. Aber ich fürchte, dass dir diese Angelegenheit eher unangenehm ist.“

Federica schmunzelt. „Oh, ich weiß schon, was du mir sagen möchtest. Meine Freundin, die gute Fee Lamina hat es mir eben verraten. Heute sind drei junge Männer im Schloss angekommen, die, nachdem sie ein Video von mir gesehen haben, unbedingt ein Date mit mir haben wollen.“

„Aber Liebes!“ Die ältere Dame sendet ihrer hübschen Tochter einen mahnenden Blick. „Hier im Schloss reden wir doch nicht von einem Date. Enrico, Pietro und Gianni stellen sich dir ganz förmlich vor. Du hast die Gelegenheit, sie näher kennenzulernen, um festzustellen, wie sie dir gefallen.“

Die Prinzessin seufzt. „Kannst du mir etwas über sie erzählen?“

Königin Margarita lächelt und ergreift die rechte Hand ihrer Tochter. „Da möchte ich nicht vorgreifen, schließlich ist es wichtig, dass du ganz unvoreingenommen bist.“

„Das bin ich, ganz bestimmt“, verspricht Federica. „Aber über ihre Berufe kannst du mir doch schon ein klein wenig berichten, oder?“

Die Mutter seufzt. „Als kleines Mädchen warst du kein Quälgeist, aber heute fehlt dir die Contenance. Du bist neugierig wie ein kleines Kind. Du musst ja nicht gleich einen der drei jungen Männer heiraten. Es haben sich bereits weitere angemeldet.“

„Ich hoffe, es ist kein Frosch dabei, den ich erst küssen muss, damit es ein Prinz wird“, scherzt die Prinzessin.

„Es ist weder ein Frosch noch ein Prinz dabei“, verrät die Königin. „Enrico arbeitet in einer großen Bank.“

Federica staunt. „Ich soll wohl noch einiges dazu lernen wegen der Staatsfinanzen?! Oder soll ich etwa lernen, das Geld zu lieben?!“

„Es ist wichtig, dass du das Geld schätzt“, merkt die Mutter an. „Enrico ist ein sehr charmanter Mann, und hat mit seiner eleganten Erscheinung sogar mir imponiert.“

Die Prinzessin stöhnt. „Und was ist Pietro? Hat er vielleicht eine Ölraffinerie?“

„Nein, er ist Steinmetz und arbeitet als Künstler. Seine Arbeiten findet man in sämtlichen berühmten Museen der Welt. Natürlich hat er vorher Kunst studiert.“

Die Tochter sieht ihre Mutter nicht sonderlich interessiert an. „Vermutlich ist er in seine Arbeit verliebt. Und was ist mit Gianni?“

„Er hat Sport studiert, betätigt sich jetzt allerdings als Tanzlehrer für die High Society, er arbeitet nur für Königshäuser.“

Federica hebt die Augenbrauen. „Was sagen denn unsere Minister dazu? Befürchten sie nicht, dass es in unserem Land auch Menschen geben wird, die keinen Tanzlehrer zum König haben wollen?“

„Sie werden Gianni genau unter die Lupe nehmen, und herausfinden, ob er beim Regieren genauso empathisch und flexibel reagieren kann wie beim Tanzen.“

„Am Anfang dachte ich schon, ihr wolltet euch einen Scherz mit mir erlauben“, gesteht die Prinzessin. „Ich hoffe, dass ihr bei eurer ernsthaften Arbeit das Tanzen nicht verlernt habt. Hast du einen Plan für meine königlichen Rendezvous?“

Die Königin schmunzelt. „Enrico wird dich tatsächlich zuerst in seine Philosophie des Geldes einführen, Pietro erklärt dir sein neuestes Kunstwerk, und mit Gianni wirst du natürlich tanzen. Aber vorher darfst du dich bei einer Tasse Kaffee im Blauen Salon stärken, denn dort wartet schon die weiße Schneekatze auf dich.“

Federica freut sich. „Lucia ist hier? Was für eine hübsche Abwechslung! Ich habe sie lange nicht mehr gesehen. Sicher hatte sie an den schmelzenden Gletschern sehr viel zu tun. Hatte sie wieder einen Auftrag, einem der Rettungsteams zuzuschauen?“

„Sie hat selbst mit Hand angelegt, beziehungsweise ihre Pfote“, weiß die Mutter. „Das Abtauen der Gletscher schreitet schnell voran. Da wird jeder Helfer gebraucht. Aber augenblicklich hat Lucia ein paar Tage frei, und ich habe den Eindruck, dass sie dir gerade jetzt mit Rat und Tat zur Seite stehen möchte.“

„Die Prinzessin schmunzelt. „Das ist eine schöne Idee! Sicher hilft sie mir beim Aussortieren der Bewerber. Wer keine Katzen mag und Lucia ablehnt, wird schon von vornherein abgeschrieben.“

Königin Margarita runzelt die Stirn. „Deinen Worten nach zu urteilen habe ich den Eindruck, dass du die ganze Angelegenheit nicht ernst nimmst. Deinem Vater und mir sind diese Treffen mit den Bewerbern sehr wichtig, und ich bitte dich, diese Rendezvous nicht auf die leichte Schulter zu nehmen, vor allen Dingen nicht als Spaß abzutun!“

„Keine Angst, Mama!“ Federica steht auf und umarmt ihre Mutter. „Ich weiß, dass ihr euch bei allem, was ihr tut, etwas denkt. Und wenn es um mich geht, dann meint ihr es auch immer sehr gut mit mir. Wir werden darüber sprechen, sobald ich die jungen Männer kennengelernt habe. Aber jetzt entschuldige mich bitte, denn ich möchte Lucia nicht warten lassen. Die Schneekatze hat immer sehr viel für mich und das Königreich getan.“

Die Königin nickt. „Ich erinnere mich gut. Als uns die böse Hexe Nüssli in verschiedener Hinsicht schaden wollte, war es die weiße Katze, die aus der Gletscherregion herunterkam und uns mehr als einmal rettete. Geh nur! Das Wichtigste haben wir ja nun schon besprochen. Bis später also!“

Kapitel 2

Federica umarmt das große, weiße Tier, das geduldig vor dem Kamin sitzt. „Wie schön, dass wir uns gerade heute wieder sehen!“

Lucia zeigt ihre weißen Zähne, und die Prinzessin erkennt, dass die Katze lächelt. „Ich habe durch die kleine Elfe Lorena erfahren, dass dir deine Eltern ein paar Heiratskandidaten ins Haus schicken. Ich kann mir vorstellen, dass das für dich nicht nur reine Freude bedeutet, und deswegen bin ich so schnell wie möglich zu dir hinuntergeeilt.“

„Das ist total lieb von dir. Hat man dir wenigstens in der Küche schon etwas Leckeres zubereitet?“ erkundigt sich Federica.

„Oh ja, Helene hat mir meinen Lieblings-Brei serviert, und weil ich sie nicht enttäuschen wollte, habe ich mich an das alte Ritual erinnert und bin dreimal um den heißen Brei herumgelaufen.“

Die Prinzessin schmunzelt. „Hat es dir wenigstens geschmeckt?“

„Seit Hieronymus in deiner Küche arbeitet, bin ich sehr vorsichtig geworden. Immerhin sollte man nicht vergessen, dass er der Sohn der Hexe Nüssli ist. Und man weiß ja nie, was er bei ihr alles so gelernt hat. Man spricht nicht umsonst von einer Hexenküche und einem Hexenkessel.“

„Er versucht, sein Bestes zu geben. Und seit wir nicht mehr bemüht sind, uns gegenseitig ständig in irgendeiner Art und Weise helfen zu wollen, können wir freundschaftlich sehr gut miteinander umgehen.“

Die Schneekatze kratzt sich hinter den weißen Ohren. „Wenn das nur überall so auf der Welt wäre! Echte Freundschaft, dann sähe es auf diesem großen Kürbis schon ein bisschen freundlicher aus. Und das hängt damit zusammen, dass die beiden Worte Freundschaft und freundlich miteinander verwandt sind. Aber ich bin nicht gekommen, um mit dir über Hieronymus zu plaudern, denn er ist und bleibt ein Hexensohn, das solltest du nie vergessen! Ich wollte dich bei deinen Rendezvous begleiten, wenn du magst.“

Federica freut sich. „Das ist eine geniale Idee. Ich finde es nämlich scheußlich, sich auf Bestellung mit fremden Menschen zu treffen.“

Lucia schnurrt ein wenig. „Da geht es mir genauso wie dir. Ich suche mir meine Freunde am liebsten selbst aus. Wen treffen wir als erstes?“

„Enrico erwartet mich. Seine Lebensphilosophie dreht sich um die Finanzen“, berichtet die Prinzessin.

Die Schneekatze blinzelt. „Ach ja, deshalb wartet er im Schlossgarten auf einer Bank. Sollen wir ihn direkt in die Flucht schlagen, oder möchtest du ihm die Gelegenheit geben, dich zu langweilen?“

„Packen wir‘s an!“ macht sich Federica selbst Mut und begibt sich mit ihrer Freundin in den Garten, in dem der weiße Jasmin und der zartviolette Flieder um die Wette duften.

Als die beiden in den Rosengarten einbiegen, entdecken sie einen jungen Mann, der von einer weiß lackierten Bank aufspringt und ihnen mit schnellen, aber gleichmäßigen Schritten entgegenkommt.

Die Prinzessin registriert sein gepflegtes Aussehen und begutachtet den großen schlanken Herrn, auf dessen cremeweißem Anzug das Licht ruht. Seine kaum gebräunte Gesichtshaut kontrastiert zu seinem kurzen, schwarzen Haar, das ihr sorgfältig frisiert erscheint.

„Herzlich willkommen“, presst sich Federica hervor. „Ich hoffe, du hast dich nicht gelangweilt, als du hier gewartet hast.“

Der Fremde ergreift ihre Hand und küsst sie formvollendet. „Im Gegenteil, ich habe die Zeit hier im Garten genossen. Es ist sehr stilvoll bei euch. Ich bin Enrico. Wie schön, dass hier alle Du zueinander sagen. Habt ihr das den Engländern abgeschaut.“

Die Prinzessin lächelt. „Nein, in unserem kleinen Königreich entwickelt sich vieles von selbst, weil wir ständig bemüht sind, mit der Zeit zu gehen und Neuerungen einführen, wenn sie sinnvoll sind.“

Der junge Mann entdeckt die Schneekatze, die sich jetzt hinter ihrer Freundin hervorwagt und auf ihn zugeht. Er sieht das Tier erstaunt an. „Was für eine Überraschung! Ich hätte nie gedacht, eine solche Spezies in dieser Gegend anzutreffen. Hat sie freiwillig ihre weißen Regionen verlassen?“

„Ich bin Lucia, und du kannst mit mir reden wie mit einem Menschen“, macht sich die Katze bemerkbar. „Selbstverständlich bin ich aus freiem Willen hier. Denn San Lorenzo ist meine Wahlheimat, die ich regelmäßig besuche. Meine traurig schmelzenden Gletscher habe ich dieses Mal verlassen, um mir die Bräutigam-Show anzuschauen, die vermutlich ein illustres Spektakel sein wird.“

Enrico räuspert sich. „Das hoffe ich nicht, denn ich denke, dass sich alle Bewerber, die sich in der nächsten Zeit hier in San Lorenzo einfinden werden, hoffentlich fair zueinander verhalten. Wir befinden uns schließlich nicht mehr im Mittelalter, in dem sich Rivalen bekämpften.“

Lucias Stirnhaare sträuben sich. „Es gibt gewisse menschliche Verhaltensweisen, die sich durch alle Jahrtausende hindurch lebendig erhalten haben. Liebst du eigentlich Autorennen?“

Enricos steife Haltung lockert sich. „Jetzt bin ich etwas irritiert. Sollte ich mich damit besser qualifizieren?“

Federica schmunzelt. „Nein. Ich habe mit diesem Rennsport nichts zu tun. Lucia ist eine sportliche Fahrerin, und es dauerte eine Weile, bis ich mich an ihren Fahrstil gewöhnt hatte.“

Der junge Mann staunt. „Eine Katze, die einen Führerschein hat?“

Lucia streicht um ihn herum und sieht ihn mitleidig an. „Nein, einen Führerschein habe ich nicht, aber natürlich eine amtlich beglaubigte Sondergenehmigung.“

Enrico blickt verwirrt auf die Katze. „Ach so, ja. Ich habe selbst einen Führerschein, für mich musst du dich also nicht bemühen. Wenn du so klug bist, hast du bestimmt auch ein Sparbuch.“

Die Schneekatze spitzt die Ohren. „Ein Sparbuch? Du liebe Zeit, nein. Ich bin über die Zinssätze aller Sparanlagen weltweit informiert, so eine Einlage ist tatsächlich unrentabel. Ich besitze auch keine Wertpapiere, die können nämlich schnell zu Asche werden. Hast du keine besseren Ratschläge für die Vermehrung von Geld?“

„Auf jeden Fall muss man es mögen“, verrät der junge Mann. „Menschen, die es nur als Münzen oder Scheine oder als Zahlen auf dem Konto betrachten, werden nie in den Genuss des Geldes kommen. Es reicht nicht nur, es zu besitzen, man muss es lieben.“

Lucia hebt eine Pfote und macht eine abwehrende Bewegung. „Diesen Spruch kenne ich. Darüber haben schon viele Menschen Ratgeber oder langweilige Bücher geschrieben.“

„Das muss gar nicht langweilig sein“, findet Enrico. „Es ist eine ganze Lebensphilosophie, denn Geld bedeutet auch, leben zu können. Und manchmal sogar, gut leben zu können. Natürlich kann man nicht alles mit Geld erkaufen. Schon gar nicht die Gesundheit. Aber man kann sich sehr gut damit helfen und einige Probleme damit lösen.“

„Ich verachte das Geld auch nicht“, behauptet die Schneekatze. „Aber es gehört nicht zu den Themen, über die ich mich in meiner Freizeit gern unterhalte. Auch sind meine Gedanken nicht mehr als notwendig damit beschäftigt.“ Sie sieht den jungen Mann lauernd an. „Ich bin eine Katze, ich denke an die Mäuse.“

Ein schiefes Lächeln zeigt sich auf seinem Gesicht. „Mäuse ja, das ist gut. Ich glaube, du hast Humor. Ich denke auch nicht ausschließlich an Geld. Du wirst staunen, wie viele Hobbys ich besitze und auch ausübe.“

„Ich möchte staunen“, fordert ihn Lucia auf, davon zu erzählen.

„Eines meiner Hobbys wirst du bestimmt teilen“, vermutet er. „Ich gehe gern angeln, besonders zum Eisangeln. Sicherlich kennst du da oben in deiner Eiseskälte auch ein paar Bergseen, in denen du im Winter Fische angelst.“

Die Katze dreht sich einmal im Kreis. „Ich kann gut darauf verzichten. Auch wenn Fisch sehr gesund sein soll, muss ich mir nicht in dem eisigen Wasser die Pfoten erfrieren. Hast du noch andere Hobbys?“

Während Federica amüsiert zuhört, fährt Enrico fort. „Ich singe auch gern, denn wie mein Namensvetter Caruso hat man mir Talent in die Wiege gelegt.“

„Ich hoffe, du hast es nicht dort liegen lassen“, scherzt Lucia. „Das wird Federica sicher gefallen. Sie leitet einen berühmten Kinderchor. Dafür bist du zwar schon ein bisschen zu alt, aber grundsätzlich ist mit diesem Talent ein gemeinsames Musizieren möglich.“

Federica mischt sich ein. „In welcher Tonlage singst du denn? Bass, Bariton oder Tenor?“

„Ein bisschen Tenor, ein bisschen Bariton“, berichtete der junge Mann. Es reicht zwar nicht zum Opernsänger, aber für den Hausgebrauch genügt es.“

„Solange es nicht in einem Katzenjammer endet“, wirft die Schneekatze ein, „kann es ein hübsches Duett werden.“

Federica freut sich in den Gedanken an ein Duett. „Wir können gleich einmal ein Lied zusammen singen. Vielleicht passen unsere Stimmen zueinander.“ „Welches Lied schlägst du vor“, erkundigt sich Enrico.

Lucia überlegt. „Vielleicht O Sole Mio? O Sole Miau?“

„Die Prinzessin soll es entscheiden“, findet der junge Mann.

„Das ist gut“, behauptet die Katze. „Ich sage euch ein paar Titel, und Federica sucht sich etwas davon aus. Ich denke, damit mache ich es euch beiden sehr leicht. Wenn es mit dem Singen nicht klappt, habe ich euch das falsche Lied gegeben.“

„Mir scheint, du bist wirklich ein intelligentes Tier“, stellt der junge Mann fest. „Wo hast du so viel gelernt?“

„In der Natur, in meinem Reich und in San Lorenzo, meiner Wahlheimat. Ich gebe aber auch zu, dass ich sehr kluge Freunde habe. Da ist zum Beispiel die Schneeeule, und das Alpen-Murmeltier ist ebenfalls sehr schlau.“

Enrico lächelt. „Aber du willst mir jetzt bestimmt nicht weismachen, dass deine Freunde auch Rennfahrer sind und das Autofahren perfekt beherrschen?!“

Lucia verzieht keine Miene. „Natürlich nicht. Die Schneeeule beherrscht das Fliegen perfekt, und Laura, das Murmeltier hasst Autofahren. Ihr wird es regelmäßig dabei schlecht.“

Der junge Mann runzelt die Stirn. „Das wäre also geklärt. Ich bin gespannt auf deine Freunde. Möchtest du sie nicht herbeiholen, dann kann ich sie ebenfalls kennenlernen?“

Die Schneekatze schließt kurz die Augen. „Möchtest du mich loswerden? Obwohl Schneeeulen sowohl in der Nacht als auch am Tag jagen, und sich daher ihre Zeit einteilen können, stehen sie nicht ständig zur Verfügung. Und Laura, das freundliche Murmeltier-Mädchen besucht gerade ihre Verwandten in den Bergen. Du wirst also vorerst mit mir allein vorliebnehmen müssen. Doch du kannst mir ehrlich sagen, ob ich dich hier bei deinem Rendezvous störe!“

Enrico sieht zu Federica, die belustigt zuschaut und antwortet schnell: „Nein, nein! Unser Gespräch ist sehr interessant, und du hattest außerdem vor, uns ein paar Lieder vorzuschlagen, von denen wir uns eines aussuchen können, um unser Duett zu probieren.“

Lucia kratzt sich hinter den Ohren. „Also gut. Wie wäre es denn mit dem Lied „Lippen schweigen“?“

Die Prinzessin schmunzelt. „Das sollten sie eigentlich nicht bei unserem Lied. Mir fällt gerade eins ein. Wir können das neue Lied der Berge singen, dass ich gestern gerade mit den Kindern geübt habe. Es wird hier in San Lorenzo zu allen Festen gesungen. Kennst du es?“ wendet sie sich an den jungen Mann.

Er nickt. „Ich glaube es jedenfalls. Dann fang einfach an, die Melodie zu singen, und ich finde mich schon darein!“

Federicas glockenhelle Stimme schwingt in der Luft, und Enrico begleitet sie mit einem klangvollen Tenor, während die Schneekatze das Paar unentwegt beobachtet.

Kaum sind die letzten Töne davongeschwebt, erscheint der kleine Zwerg Jorge, und verkündet der kleinen Gruppe, dass dieses musikalische Intermezzo ein Ende haben muss. „Lamina wartet im Grünen Salon, und sie hat eine wichtige Nachricht für die Königliche Hoheit.“

Kapitel 3

Federica umarmt die gute Fee Lamina. „Wie schön, dass du mich ausgerechnet heute besuchst! Es ist ein denkwürdiger Tag!“

Die Freundin lächelt. „Ich habe davon gehört, die kleine Elfe Lorena hat mir alles berichtet, deswegen habe ich mich sehr beeilt, um so schnell wie möglich nach San Lorenzo zu kommen.“

„Das ist sehr lieb von dir. Ich habe die Aufgabe, fremde junge Männer kennenzulernen, die mir wahrscheinlich in meinem ganzen Leben sonst nie begegnet wären.“

„Nach welchen Kriterien haben deine Eltern diese Bewerber denn ausgesucht?“

Federica seufzt. „Das haben sie mir bisher noch nicht verraten. Bisher sieht es so aus, als hätten sie wahllos den einen oder anderen herausgepickt.“ „Wie ist es denn bisher gelaufen?“ möchte die Fee wissen.

„Bisher habe ich einen Enrico kennengelernt, ganz flüchtig nur. Er hat Interesse an Musik und singt sehr schön. Das konnte ich bereits feststellen. Und offenbar hat er eine besonders gute Beziehung zum Geld, er ist Banker.“

„Dann hat er ja vielseitige Talente“, findet Lamina. „Und wie gefällt er dir?“

„Er ist ein hübscher, attraktiver junger Mann, der bestimmt vielen Frauen gefallen wird. Aber er weckt in mir überhaupt keine Gefühle.“

„Das ist ein schlechtes Zeichen“, findet die Fee. „Zum Glück haben dir deine Eltern noch andere Männer zum Auswählen versprochen.“

Die Prinzessin atmete tief. „Bis jetzt haben sie die Zahl noch nicht begrenzt. Aber bist du wirklich nur gekommen, um mir zu helfen? Jorge hat mir berichtet, du hättest eine wichtige Nachricht für mich.“

Lamina nickt. „So ist es. Ich habe dir etwas Wichtiges zu sagen.“

Federica sieht die Freundin erwartungsvoll an. „Du machst mich neugierig.“

„Es geht um einen Bewerber, den deine Eltern für dich ausgesucht haben. Dabei handelt es sich um Professor Adam Grützenhausen, einen reichen Chemiker, der eine große pharmazeutische Fabrik besitzt.“

Die Prinzessin spielt mit einer Haarlocke. „Aha! Und was ist mit ihm?“

„Er hat nicht nur für jede körperliche Krankheit eine Pille, sondern auch für emotionale Probleme, zum Beispiel auch gegen Liebeskummer.“

Federica überlegt. „Damit ist er bestimmt schon sehr reich geworden.“ „Er hat sehr viel Geld“, bestätigt Lamina. „Ich habe gehört, dass er meist anonym unterwegs ist, damit er nicht allzu sehr bedrängt wird.“

„Ist er denn seriös?“ erkundigt sich die Prinzessin. „Oder hat er irgendetwas mit der Hexe Nüssli zu tun? Der traue ich nämlich tatsächlich zu, dass sie irgendwelche Placebos zu hohen Preisen an gutgläubige Menschen verscherbelt.“

„Darüber kann ich noch nichts sagen. Ich weiß nur, dass er mit der Medikamentenherstellung gar nicht nachkommt und hofft, sich mit einer Zweigstelle hier in San Lorenzo niederlassen zu können.“

„Den möchte ich gern einmal kennen lernen“, gesteht Federica. „Über seine Lebensphilosophie soll er mir einmal etwas erzählen!“

„Dazu wirst du bald Gelegenheit haben“, weiß die Fee. „Er wird schon heute Abend hier ankommen.“

„Wirst du so lange bleiben können?“ erkundigte sich die Prinzessin und sieht Lamina bittend an.

„Leider nicht. Ich begleite heute Adelaide nach Mühlwald. Sie feiert dort ihren Hochzeitstag. Den Tag, an dem sie und Moro sich dort das Eheversprechen gegeben haben.“

Federicas Gesicht drückt Mitleid aus. „Wird das nicht furchtbar traurig für die alte Dame?! Vielleicht sollte sie eine von Adams Pillen nehmen?“

Lamina schüttelte energisch den Kopf. „Adelaide hat keinen Liebeskummer. Obwohl Moro nun schon länger nicht mehr auf dieser Erde sichtbar ist, spürt sie sich ihm jedoch näher als jemals zuvor. Sie braucht keine Pillen.“

„Bitte richte ihr liebe Grüße von mir aus!“ beauftragt Federica die Freundin. „Ich freue mich, wenn sie bald mal wieder nach San Lorenzo kommt.“

Die Fee schmunzelt. „Ganz gewiss kommt sie bald wieder hier in ihren Lieblingsort, und ganz gewiss auch zu dir. Spätestens zu deiner Hochzeit.“

Kapitel 4

Auf dem Weg zum Seerosenteich sieht Lucia die Prinzessin besorgt an. „Ich hoffe, Lamina hatte keine schlechte Nachricht für dich. Jorge meinte, sie sei sehr aufgeregt gewesen.“

„Bis jetzt sehe ich noch keine Bedrohung“, antwortet Federica. „Lamina berichtete mir von dem Professor Adam Grützenhausen, den ich heute Abend kennenlernen soll. Er stellt als Konzern-Apotheker jede Menge Pillen her. Da gibt es sowohl die üblichen, gegen allerlei körperliche Beschwerden, aber auch einige, die sich ganz gezielt mit speziellen Emotionen befassen. Hervorragend ist da die Pille gegen Liebeskummer.“

Die Schneekatze faucht. „Hört sich das nicht sehr gefährlich an? Natürlich kann man mit jedem Medikament Missbrauch treiben. Aber die Anwendung eines solchen Präparates kann zu großen Katastrophen führen.“

„Wie soll ich mir das jetzt vorstellen?“ erkundigt sich Federica.

„Ganz einfach. Liebeskummer kann sehr viele unterschiedliche Gründe haben. Da gibt es die Frau oder den Mann mit Liebeskummer, weil sie ihrem Partner einen Treuebruch zutrauen, obwohl es nicht den geringsten Anlass gibt. Aber es gibt auch den Mann und die Frau, die tatsächlich betrogen werden und mit Recht enttäuscht sind. Es gibt die vielen Verlassenen, in jeder Weise Betrogenen, Vernachlässigten, und es handelt sich jedes Mal um ganz individuellen Kummer. Wie soll da eine Pille helfen?“

Die Prinzessin schmunzelt. „Das kann ich dir auch nicht sagen. Ich habe Adam ja bis jetzt noch nicht getroffen und konnte ihn auch noch nicht darüber ausfragen. Es hört sich alles ein bisschen verrückt und märchenhaft an. Möglicherweise handelt es sich dabei auch um den Placebo-Effekt.“

Die Schneekatze kichert. „Das könnte noch am ehesten individuell helfen. Ich bin schon sehr gespannt. Aber warum haben ihn deine Eltern zu den Kandidaten hinzugefügt? Doch bestimmt nicht wegen des vielen Geldes?!“

„Nein, bestimmt nicht. Die Notwendigkeit des Geldes in unserer Zivilisation ist jedem Menschen bewusst. Aber die Gedanken daran füllen nicht die vielen schönen geschenkten Stunden des Tages aus, die das Leben für einen bereithält. An diesem Mann muss wohl noch etwas anderes dran sein.“

Lucia horcht auf. „Wie kommst du darauf?“

„Das kann ich dir genau sagen, denn du wirst es nachvollziehen können. Dieser Banker, Enrico. Er kam mir am Anfang sehr nüchtern und unromantisch vor. Aber im Laufe des Gesprächs stellte sich doch heraus, dass er musikalisch ist. Menschen mit einer musikalischen Seele müssen eine gewisse Empathie und Sensibilität in sich tragen, und die ist einfach wichtig für eine Partnerschaft. Man muss nur individuell herausfinden, wie viel von diesem Potenzial bei einem Menschen vorhanden ist, und worauf sich diese Sensibilität bezieht.“

„Jetzt weiß ich nicht genau, was du damit meinst“, gesteht die Schneekatze.

„Es ist auch nur schwer zu verstehen, denn es ist sehr kompliziert. Genauso kompliziert wie mein Reden darüber. Es gibt sehr gefühlvolle Menschen, die aber ständig nur in sich hineinhören und mit sich selbst Mitleid empfinden, ja, der Meinung sind, die ganze Welt sei ihnen etwas schuldig. Sie können sehr unter diesem Gefühl leiden, aber diese Sensibilität bezieht sich dann ganz auf sie selbst. Dagegen gibt es andere Menschen, die ihre Sensibilität für eine soziale Tätigkeit nutzen, die herausfinden wollen, was anderen Menschen fehlt und wie man ihnen helfen kann. Das meine ich. Und in diesem Punkt sollten mein zukünftiger Partner und ich übereinstimmen.“

„Eine Zeit lang sah es doch so aus, als habe Hieronymus eine gewisse Macht über dich, so als könnte er dich zu seiner festen Partnerin wählen. Wie hast du da empfunden?“

„Tatsächlich haben wir keinen Zugang zueinander gefunden. Er hatte eine gewisse Macht über mich, und die habe ich auch zugelassen. Aber mit seiner Hexenpersönlichkeit hatte er keine Möglichkeit, sich in mich hineinzuversetzen.“

„Und wie ist es mit Mario, deinem Freund?“



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