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LI S1 – Der Weg des Schwertes, Band 2 Ein Schwert. Ein Versprechen. Ein gefährlicher Pfad. Nach den tragischen Ereignissen seiner Vergangenheit findet Li in der Schmiede von Meister Wang nicht nur ein neues Zuhause, sondern auch eine Bestimmung. Doch sein Schicksal hält andere Pläne für ihn bereit. Geheimnisse aus der Vergangenheit, rätselhafte Träume und ein Schwert, das mehr als nur Stahl ist, begleiten ihn auf seinem Weg. Doch als er der mutigen Mei begegnet, die ihren eigenen Kampf um Freiheit und Überleben führt, wird ihm klar, dass sich ihre Schicksale untrennbar verflechten. Mit jedem Schritt nähert sich Li der Wahrheit über sich selbst – und dem unausweichlichen Sturm, der über ihn hereinbrechen wird.
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Seitenzahl: 62
Veröffentlichungsjahr: 2025
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Autoren: Manuela Wieninger · Martin Wintersberger
Illustrationen: Jia Ying Wu, Midjourney
Cover: Acht Schätze & Midjourney
astro-entertainment.at
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Eingebettete Schriften: Fira Sans (OFL), PT Serif (OFL), Ailerons (lizenziert). Sollte Ihr E-Book-Reader diese Schriften nicht laden können, kontaktieren Sie bitte Ihren Händler.
Nach einer Idee von Martin Wintersberger
Copyright 2020 © Martin Wintersberger
Neuauflage 2025
Alle Rechte vorbehalten
ISBN 978-3-99119-241-1
STAFFEL 1
DER WEG DES SCHWERTES
Episode 4: Dämmerzustand
Episode 5: Gefährlicher Auftrag
Episode 6: Gasthaus zum frischen Hasen
»AUCH DIE LÄNGSTE REISE BEGINNT MIT DEM ERSTEN SCHRITT«
EPISODE 4DÄMMERZUSTAND
Erschöpft lag Li auf seinem Bett und streckte Arme und Beine von sich. Er befand sich in einem friedlichen Dämmerzustand zwischen Wachsein und leichtem Schlaf. Seit etwa zwei Wochen stand Li in den Diensten seines neuen Herren, des Waffenschmiedes Meister Wang. Seine Schmiede lag am westlichen Ende des Dorfes Atasi und Wangs Arbeiten waren überall sehr gefragt. Li arbeitete hart, er wurde rasch geschickter und schneller. Er sog das Wissen und die Worte des Meisters wie ein Schwamm in sich auf. Meister Wang lobte seine Arbeit sehr: »Die Schmiedekunst liegt dir im Blut, mein Junge. Ich freue mich sehr, dass du die Schmiedearbeit ebenso respektierst wie ich.«
Schon lange hatte Li sich nicht mehr so wohl gefühlt. Eine Zeit lang vergaß er sogar, dass er einmal ein anderes Leben gehabt hatte. Jeden Tag fiel er müde ins Bett, manchmal, ohne sich zu waschen und ab und zu vergaß er sogar das Abendbrot.
Es war früher Abend, als Li die Augen einen Spalt breit öffnete. Seine Finger waren noch immer rußgeschwärzt von der Arbeit mit dem Schmiedehammer und dem Feuer. Als er sie bewegte, schmerzten sie und auch seine Beine und Arme waren schwer wie Blei.
Er war nach dem Mittagessen eingeschlafen und jetzt versucht, einfach liegenzubleiben. Er schloss wieder seine Augen. Plötzlich ertönte ein verärgertes Pfeifen. »Cry! Lass’ mich in Ruhe, ich will schlafen!«, murrte er unter der Decke, doch der Adler dachte nicht daran, ihm Folge zu leisten, und setzte sich auf seine Brust. Durch das Gewicht und die scharfen Krallen blieb Li nichts anderes übrig, als die Augen wieder aufzuschlagen.
Er lugte versteckt unter der Decke hervor und stöhnte: »Ja, ich weiß. Ich habe dir versprochen, dass wir heute wieder zum Wasserfall gehen.« Cry legte seinen Kopf schief, er stellte offensichtlich den Wahrheitsgehalt der Aussage in Frage.
»Hättest du die Güte, dich woanders hinzusetzen, damit ich aufstehen kann?« Sein gefiederter Freund flog zum Fenster, ließ ihn aber keine Sekunde aus den Augen. Li schüttelte den Kopf, so ein hartnäckiger Vogel.
Er rappelte sich auf: »Wir treffen uns vor der Schmiede!« Dann verließ er sein Zimmer und trat in den vollgeräumten Gang. Aus dem Türspalt der Werkstätte drang schwaches Licht. Meister Wang würde bald zu Bett gehen, er verfolgte einen strikten Tagesablauf. Jeden Tag um die gleiche Zeit aßen sie zu Abend, sofern Li nicht schon vorher ins Bett gefallen war. Und anschließend deckte der Meister die Feuerstelle ab und schloss alle Fenster und Türen.
Er versuchte, Li dieselbe Disziplin beizubringen, doch in dieser Hinsicht war der Junge kein guter Schüler.
»Bis später, Meister Wang! Ich muss nochmal raus!«, rief Li und die Antwort kam prompt: »Ich verstehe! Bis später, mein Junge!«, schmunzelte der Meister und schaute dem Adler nach.
Li verließ die Schmiede und machte sich auf den Weg zu dem kleinen Wasserfall, der den Bach des Dorfes speiste. Cry flog die letzten Meter voraus und tauchte in das kühle Nass, um einen Fisch zu ergattern. Li entledigte sich seines Gewandes, tippelte vorsichtig die letzten Schritte bis zum Wasserfall und genoss die angenehme Kühle auf seiner schwieligen Haut.
Nach der wohltuenden Dusche briet sich Li sein Abendessen über einem kleinen Feuer. Cry hatte erfolgreich zwei Fische gefangen. Zufrieden lauschte der junge Schmied dem Rauschen des herabfallenden Wassers.
Das Dorf Atasi lag friedlich da. Die Nachtruhe war eingekehrt und die meisten Dorfbewohner schliefen bereits.
Plötzlich ertönten gehetzte Schritte, dicht gefolgt von einem lauten Ruf, der die Stille durchbrach: »Meister Wang! Meister Wang! Ein Unglück ist passiert! Meister Wang!« Ein Junge aus dem Dorf Mato rannte aufgeregt durch die Straßen und scheuchte die schlafenden Atasier aus ihren Häusern. Ein paar machten sich die Mühe und entzündeten Fackeln vor dem Haus.
»Was ist denn los? Schrei’ doch nicht so!«, meldete sich ein grantiger Alter aus dem Fenster seines Schlafzimmers lehnend. Der Junge blieb stehen und fuhr in gleichbleibender Lautstärke fort:
»Man schickt mich! In Mato ist ein Damm gebrochen! Der Reis droht im Wasser zu ertrinken! Wir benötigen den Meister des Eisens! Und zwar schnell!«
In der Zwischenzeit lugten mehrere Dorfbewohner aus ihren Fenstern und schüttelten die Köpfe. Der Alte schmunzelte: »Du scheinst ja ein guter Läufer zu sein, mein Junge!«
»Danke, Ihr seid sehr nett. Doch ich komme in höchster Not. Sagt mir bitte, wo ich den Meister des Eisens finde?«, keuchte der Bote aus Mato und hüpfte nervös von einem Fuß auf den anderen.
Der Alte ließ sich jedoch nicht aus der Ruhe bringen: »Du bist zwar schnell, aber du bist wohl nicht sehr klug. Aber keine Angst, mein Kleiner, das wird schon noch. Reis ertrinkt nicht im Wasser, er wächst darin. Und in unserem Dorf gibt es keinen Meister des Eisens. Wir nennen ihn einfach den Schmied. Er schlägt das Eisen, damit wir wiederum die Pferde beschlagen können. Doch Pferde sind ja furchtbar teuer geworden. Im Moment kann sich keiner diesen Luxus leisten. Ach ja, Kleinteile für Türen und Fenster macht Meister Wang auch. Und wenn er mal Zeit hat, dann schmiedet er ein Schwert. Aber was für eines, mein Lieber! So ein Schwert hast du noch nie …«
»Bitte, es eilt!«, unterbrach der Junge den Alten unhöflich. Der verzog verärgert den Mund, gab sich aber geschlagen: »Nun gut, der Schmied wohnt in dem Haus mit den drei Bäumen.
Vor seinem Haus findest du eine gemauerte Feuerstelle. Es liegt am Ende der Straße im Westen! Du kannst ihn gar nicht verfehlen! Obwohl, wahrscheinlich bist du daran vorbeigelaufen!« Dankbar lief der Junge wieder zurück. Als er die drei Bäume sah legte er einen Sprint hin.
Keuchend und nach Luft ringend kam er vor der Schmiede an. Er ging durch den Torbogen und blieb dann vor der Tür zum Haus stehen. Zögernd legte er seine Hand auf den Türgriff. Um sich selbst zu bestärken, flüsterte er: »Die Bewohner von Mato zählen auf mich!« Vorsichtig öffnete der Junge die Türe und trat ein.
Im Inneren der Schmiede war es dunkel. Er nahm all seinen Mut zusammen und rief: »Meister Wang! Seid Ihr wach?« Kurz darauf ertönte ein Rumpeln, dicht gefolgt von einem Fluch. Dann erschallte ein verärgerter Ruf aus dem Schatten:
»Wer bist du und was willst du mitten in der Nacht?« Der Junge konnte eine schemenhafte Gestalt am Ende des Flurs ausmachen. Stotternd antwortete er: »Seid … seid Ihr … der Schmied … Meister Wang?«