LI S1 - Band 4: Unvorstellbar, Herausforderungen, Ein sicherer Hafen - Martin Wintersberger - E-Book

LI S1 - Band 4: Unvorstellbar, Herausforderungen, Ein sicherer Hafen E-Book

Martin Wintersberger

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Beschreibung

LI S1 – Der Weg des Schwertes, Band 4 Gefangen in einem Netz aus Täuschung, Macht und alten Geheimnissen. Während Li seinen Platz in der Welt sucht, stößt Scarlett auf ein dunkles Geheimnis unter den Armenhäusern von Rogos Veridis – ein Geheimnis, das nicht nur ihre Überzeugungen erschüttert, sondern die gesamte Ordnung bedroht. Gleichzeitig keimt in Li ein neues Gefühl auf: Wärme, Zugehörigkeit … und eine zarte Liebe. Doch als dunkle Machenschaften ans Licht kommen und Vertraute sich als Verräter entpuppen, steht plötzlich alles auf dem Spiel. Wem kann Li noch trauen? Und wie viel Wahrheit erträgt das Herz?

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Seitenzahl: 64

Veröffentlichungsjahr: 2025

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Autoren: Manuela Wieninger · Martin Wintersberger

Illustrationen: Midjourney

Cover: Acht Schätze & Midjourney

astro-entertainment.at

Dieses Werk einschließlich aller seiner Teile ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung außerhalb der engen Grenzen des Urheberrechtsgesetzes ist ohne schriftliche Zustimmung des Autors unzulässig und strafbar. Das gilt insbesondere für Vervielfältigungen, Übersetzungen, Mikroverfilmungen und die Einspeicherung und Verarbeitung in elektronischen Systemen. ASTRO und alle darin vorkommende Personen und ihre Namen, alle Handlungen, Gegebenheiten und Naturgesetze sind fiktiv. Jede Ähnlichkeit mit lebenden oder toten Personen oder Fischen ist rein zufällig und nicht beabsichtigt.

Eingebettete Schriften: Fira Sans (OFL), PT Serif (OFL), Ailerons (lizenziert). Sollte Ihr E-Book-Reader diese Schriften nicht laden können, kontaktieren Sie bitte Ihren Händler.

Nach einer Idee von Martin Wintersberger

Copyright 2020 © Martin Wintersberger

Neuauflage 2025

Alle Rechte vorbehalten

ISBN 978-3-99119-243-5

STAFFEL 1

DER WEG DES SCHWERTES

Episode 10: Unvorstellbar

Episode 11: Herausforderungen

Episode 12: Ein sicherer Hafen

»AUCH DIE LÄNGSTE REISE BEGINNT MIT DEM ERSTEN SCHRITT«

EPISODE 10UNVORSTELLBAR

Li war nach dem Besuch bei Darax im Gewühl der Straßen von Xenos Ost untergetaucht. Er hatte Darax vorgetäuscht, etwas Dringendes erledigen zu müssen. Schnell hatte er das Haus verlassen und einen verwirrten Darax zurückgelassen, der vermutlich gerade Lis kalt gewordenen Tee wegkippte. Seine Aufgabe war erfüllt, der Händler hatte die Lieferung der Schwerter von Meister Zhang erhalten. Doch nun wartete tatsächlich diese unaufschiebbare Aufgabe auf ihn: die Verfolgung der beiden Xenosianer, die letztendlich der Auslöser dafür gewesen waren, dass er sich auf die Suche nach Antworten gemacht hatte. Egal, was Darax davon hielt und was er subtil in seinen Worten androhte.

Unbekümmert bewegten sich die beiden Handlanger durch die Straßen mitten in Xenos Ost. Sie scherzten miteinander, lachten laut und gestikulierten. Li blieb dicht hinter ihnen. Er entdeckte eine Tätowierung am Hals der beiden. Ein Schwert, ein wenig aus der Scheide gezogen. Kein Zeichen bloßer Kampfbereitschaft. Ein Schwert, das auch nur teilweise gezogen ist, ist fast schon verpflichtet, einen Kampf zu führen und mit Blut getränkt zu werden. Dieses Bild symbolisierte eindeutig eine kriegerische Mission.

Als sich einer der beiden plötzlich umdrehte, hechtete Li hinter einen Verkaufsstand. Der Xenosianer blickte sich in der Menge um, dann gab er seinem Begleiter einen Klaps auf die Schulter und sie betraten das Armenhaus von Xenos. Li spähte zwischen den Waren des Händlers hindurch. »Junger Herr, es freut mich, dass Euch meine Waren so faszinieren.« Li brauchte einen Moment, um zu begreifen, dass der Händler mit ihm sprach. Für einen Händler aus Xenos Ost war er ungewöhnlich freundlich. »Ihr dürft die Waren gerne anfassen, sie beißen nicht«, gluckste der Händler. »Tut mir leid, ich muss weiter«, erwiderte Li und wollte gehen. Doch der Mann ließ nicht locker. Mit lauter werdender Stimme fügte er dramatisch hinzu: »Warum sind alle so von Stress geplagt? Ständig hetzen wir von einem Ort zum anderen und nehmen uns keine Zeit für die schönen Dinge.«

»Vielen Dank für die weisen Worte. Aber ich muss jetzt weiter«, wollte Li den Händler abwimmeln. Doch plötzlich griff sich der Händler an die Brust: »Ach, mein Herz. Wie lange wird dieses gütige Herz noch schlagen? Mein Leben zieht an mir vorbei.«

Li fragte besorgt: »Geht es Euch nicht gut? Seid Ihr krank?« Der Mann nahm eine Tüte mit gelben Bonbons und hielt sie Li unter die Nase: »Krank. Ja. Das war ich. Aber dank dieser hochwertigen, lebensverlängernden Pastillen geht es mir wieder gut. Sie sind heute im Angebot. Aber nur heute!« Li schüttelte den Kopf und hob abwehrend die Hand: »Nein, danke! Ich muss jetzt wirklich weiter ...«

Der Händler setzte noch einen drauf, mit theatralischer Stimme sinnierte er: »Ihr erinnert mich an meinen Sohn. Der arme Junge. Er hat mich verlassen, als ich noch ganz klein war. Ich war kaum einen Meter groß. Oh, du unbarmherziges Schicksal! Hätte ich doch damals diese Pastillen gehabt. Was wäre aus ihm geworden?« Dann warf sich der Händler auf den Verkaufstisch und schluchzte laut auf. »Wahrscheinlich ein Schauspieler«, murmelte Li, dem die Aufmerksamkeit gar nicht passte.

Die umstehenden Xenosianer wurden auf die beiden aufmerksam. Sie zeigten auf sie und tuschelten. Das konnte Li jetzt nicht gebrauchen! Bloß nicht auffallen. »Wie viel wollt Ihr für diese ... heilenden Pastillen?« Der Händler hob den Kopf und grinste, wobei zwei Zahnlücken zum Vorschein kamen: »Heute nur ein Kupferstück. Wenn Ihr zwei Beutel nehmt, mache ich Euch ein spezielles Angebot! Alles zusammen nur zwei gefertigte Kupferstücke!«

Li durchschaute das falsche Spiel: »Das ist doch kein spezielles Angebot ...« »Weh mir! Mein armer Sohn. Mein aaaarmer Sohn«, klagte der Mann laut und griff sich wieder an die Brust. Li klatschte verärgert zwei Kupferstücke auf den Tisch, und der Händler reichte ihm zwei Beutel. »Ihr seid ein guter Mann, mein Herr. Deshalb bekommt Ihr noch ein Kleidungsstück dazu. Völlig umsonst.« Der Händler griff gekonnt zu einem Stapel gefalteter Stoffe und packte ihn in eine kleine Stofftasche. »Das hat mein Sohn getragen, als er in Eurem Alter war. Ein Unikat, die neueste Mode aus Kendo. Hier für Euch.«

Der Händler reichte den Beutel Li, der mit seiner Geduld am Ende war: »Das sind dann vier gefertigte Kupferstücke. Vielen Dank, junger Herr!« Li platzte fast der Kragen, aber er musste weiter. Wortlos legte er das Geld auf den Tisch. »Und jetzt verschwinde, damit die anderen Kunden Platz haben!« Da war sie plötzlich wieder, die charmante Art der Bewohner von Xenos-Ost.

Verärgert eilte Li davon, auf dem Weg zum Armenhaus. Noch rechtzeitig, denn die beiden Xenosianer verließen das Armenhaus gerade. Aber sie waren nicht mehr nur zu zweit. Sie eskortierten einen verzweifelt aussehenden Dritten in ihrer Mitte. Die Gruppe ging am Zeremonienplatz vorbei, auf dem eine kleine Geishagruppe tanzte. »Die müssen noch dazulernen«, kommentierte ein Handlanger und zog den Gefangenen an sich heran. »Hörst du? Dazulernen!«, dann lachte er und wollte weitergehen. Der andere zögerte. »Wir könnten uns die jungen Tänzerinnen ansehen, was meinst du?«

»Ich sage nein, vielleicht gibt es heute einen Schaukampf, oder sogar einen richtigen, auf Leben und Tod. Das wäre doch was. Aber wir gehen weiter!«

»Du immer mit deinen Kämpfen«, protestierte der eine.

»Du immer mit deinen Geishas«, spottete der andere.

Der Mann in der Mitte gab keinen Laut von sich. Li folgte dem Gespann unauffällig, doch als sie sich der Dorfgrenze näherten, wurde es immer lauter, denn plötzlich näherten sich immer mehr Schaulustige einem brutalen Szenario. Es fand tatsächlich ein Kampf statt. Ein Kampf auf Leben und Tod, der nur zwischen zwei ehrenhaften Kriegern geduldet wurde. Ein Herausforderer und der Herausgeforderte, die beide diesem Kampf zugestimmt hatten.

Li folgte den Handlangern, die sich zu den anderen Zuschauern um den Kampfplatz gesellt hatten. Der Platz für die Kämpfer war eben, aber ansonsten unscheinbar und ungepflegt. Ein Teil der Menge war schweigend und betroffen fasziniert, andere gaben sich euphorisch und schlossen horrende Wetten auf den vermeintlichen Sieger ab:

»Drei Silberstücke auf den Mann mit der roten Tsuba!«

»Der andere hat die bessere Haltung - fünf Silberstücke auf ihn!«

In der Mitte standen die Krieger, deren Kampf bereits begonnen hatte, auch wenn es noch nicht so aussah. Beide trugen einen Menpo, der Mund und Nase bedeckte. Die Schwerter wie ein verlängerter Arm in ihren Händen. Ihre Bewegungen waren kaum wahrnehmbar. Ein leichtes Gleiten mit dem Fuß. Eine winzige Drehung des Schwertes um die eigene Achse, nur mit dem Handgelenk. Jede Bewegung war präzise gesetzt, um sich nach einem Moment des Innehaltens wieder zu verändern. Als ob in den Köpfen der Krieger der Kampf selbst bereits ausgetragen würde. Ihre Blicke waren wie die Klingen selbst, scharf und durchdringend. Ein Windhauch ließ die Säume ihrer leichten Kampfanzüge flattern.