Erhalten Sie Zugang zu diesem und mehr als 300000 Büchern ab EUR 5,99 monatlich.
LI S1 – Der Weg des Schwertes, Band 3 Ein Junge auf der Suche nach sich selbst. Li bricht auf, um seine Vergangenheit zu entschlüsseln – und findet sich zwischen den Mauern von Xenos wieder, wo Schönheit und Grausamkeit dicht beieinanderliegen. Während die Dorfhälften in einem stillen Machtkampf stehen, trifft er auf den jungen Akio, dessen Schicksal untrennbar mit seinem eigenen verbunden scheint. Zugleich bedrohen dunkle Erinnerungen und eine aufziehende Gefahr Lis innere Balance. Doch je tiefer er in das Herz von Xenos vordringt, desto klarer wird: Nicht jeder Feind trägt ein Schwert. Und nicht jede Wahrheit schenkt Frieden.
Sie lesen das E-Book in den Legimi-Apps auf:
Seitenzahl: 64
Veröffentlichungsjahr: 2025
Das E-Book (TTS) können Sie hören im Abo „Legimi Premium” in Legimi-Apps auf:
Autoren: Manuela Wieninger · Martin Wintersberger
Illustrationen: Midjourney
Cover: Acht Schätze & Midjourney
astro-entertainment.at
Dieses Werk einschließlich aller seiner Teile ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung außerhalb der engen Grenzen des Urheberrechtsgesetzes ist ohne schriftliche Zustimmung des Autors unzulässig und strafbar. Das gilt insbesondere für Vervielfältigungen, Übersetzungen, Mikroverfilmungen und die Einspeicherung und Verarbeitung in elektronischen Systemen. ASTRO und alle darin vorkommende Personen und ihre Namen, alle Handlungen, Gegebenheiten und Naturgesetze sind fiktiv. Jede Ähnlichkeit mit lebenden oder toten Personen oder Fischen ist rein zufällig und nicht beabsichtigt.
Eingebettete Schriften: Fira Sans (OFL), PT Serif (OFL), Ailerons (lizenziert). Sollte Ihr E-Book-Reader diese Schriften nicht laden können, kontaktieren Sie bitte Ihren Händler.
Nach einer Idee von Martin Wintersberger
Copyright 2020 © Martin Wintersberger
Neuauflage 2025
Alle Rechte vorbehalten
ISBN 978-3-99119-242-8
STAFFEL 1
DER WEG DES SCHWERTES
Episode 7: Architekt Goldhand
Episode 8: Voller Wut
Episode 9: Licht und Schatten
»AUCH DIE LÄNGSTE REISE BEGINNT MIT DEM ERSTEN SCHRITT«
EPISODE 7ARCHITEKT GOLDHAND
Seit Meister Wang den Auftrag für die zwanzig Schwerter erhalten hatte, war er schweigsamer als sonst. Er konnte sich noch nicht entschließen, die Schwerter zu schmieden, Wang hatte um Bedenkzeit gebeten. Denn auch auf Nachfrage wollte Meister Zhang ihm den Namen seines Auftraggebers nicht nennen. Das alles machte Meister Wang nachdenklich.
Li stand in der Schmiede und fertigte Eisenteile für Scarletts Karren. Er wollte die Räder verstärken, damit sie nicht so schnell kaputt gingen. Meister Wang machte einen langen Spaziergang, um den Kopf frei zu bekommen. Li hingegen half die Arbeit in der Schmiede, um sich von seinen Alpträumen abzulenken. Diese hatten ihn seit der Nacht im Keller wieder verstärkt heimgesucht. Die Träume konnte er beim besten Willen nicht deuten. Oft ging es um Feuer, er hörte Schreie und seinen Namen. Aber manchmal hörte er nur Gemurmel und alles war schwarz. Er wollte diesen Erinnerungsfetzen keinen Platz in seinem Leben einräumen, aber sie waren erbarmungslos und trafen ihn immer wieder. Mit aller Kraft schlug Li mit dem Hammer auf das Eisenstück ein. Er hatte so viel Wut in sich. Er schlug und schlug und schlug, bis ihn jemand aufhielt:
»Li, mein Junge! Es reicht!« Li blinzelte, Schweiß und Tränen trübten seine Sicht. Meister Wang betrachtete die Schmiedearbeit: »Sie ist jetzt wohl unbrauchbar.« Li fühlte sich ertappt. »Entschuldigt, Meister, ich war wohl zu übereifrig und habe nicht aufgepasst. Darf ich die Schmiede kurz verlassen? Ich bin gleich zurück«, bat Li. Meister Wang nickte wortlos. Li legte den Hammer beiseite, nahm sein Schwert und rannte aus der Schmiede. Meister Wang sah ihm lange nach, dann flüsterte er zu sich selbst: »Mein armer Junge, was quält dich so?«
Unter der Leitung der fleißigen und klugen Mei Linn blühte das Gasthaus zum frischen Hasen auf. Von Tag zu Tag kamen mehr Gäste, und obwohl Mei sich darüber freute, war sie doch immer wieder überfordert. Die Speisekammer war voll, so dass sie tagsüber ihr Klappbett hinter das Haus stellte. Wenn die Gäste gegangen waren, brachte sie es zurück in die kleine Kammer, um dort zu schlafen. Nicht nur, dass sie mit dem Servieren nicht nachkam, es wurde auch langsam eng. Als Scarlett ihr die wöchentliche Lieferung Reis und Gemüse brachte, stand Mei vor dem Kochtopf und starrte hinein. In der linken Hand hielt sie einen Teller, in der rechten den Deckel des Topfes. »Willst du den Reis mit der Kraft deiner Gedanken auf den Teller befördern?«
Scarlett kam auf sie zu und nahm ihr den Deckel aus der Hand. Mei hatte tiefe Ringe unter den Augen: »Danke, Scarlett. Seit ich den Hasen serviert habe, stehen die Leute Schlange. Ich will mich nicht beschweren, aber ich bin wohl etwas überfordert.« Scarlett zog ihre Freundin mit sich und setzte sie auf einen Stuhl: »Komm, ich helfe dir. Wo soll das hin?« »Gleich links, also nein, hinten, der Herr mit dem... und du musst gleich kassieren... Warte... ich mach das selbst ...«, stotterte Mei und stand auf. Plötzlich kullerten Kupferstücke aus ihrer aufgerissenen Schürze. Scarlett wollte sie aufheben, doch dann sah sie, dass die Kupferstücke überall auf dem Küchenboden verstreut lagen: »Mei! Du bist ja reich geworden, seit ich das letzte Mal hier war! Willst du dir einen neuen Fußboden aus Kupferstücken zulegen?« Mei lächelte müde, dann seufzte sie: »Vielleicht ist es doch besser, wenn du die Bestellung rausbringst.«
Scarlett half Mei beim Abendgeschäft. Sie wirbelte zwischen den Gästen hin und her und brachte die Bestellungen raus. Nach einigen Stunden rief sie schließlich dem letzten Gast freundlich zu: »Vielen Dank, mein Herr! Kommen sie bald wieder! Wir freuen uns auf ihren Besuch!« Sie wischte die Tische ab und stellte die Bänke zusammen. Ein weiterer Gast kam herein, Scarlett hörte nur seine Schritte und rief: »Wir haben für heute geschlossen! Aber kommen sie doch ...« Als sie sich umdrehte, erblickte sie Li. Er hatte wieder Hasen gefangen. »Ach, du bist es! Bring die Hasen in die Küche!« Li nickte und Scarlett folgte ihm. »Mei, schau mal, wer ...« Doch die Küche war leer, keine Spur von ihrer Freundin. Nach kurzer Suche fanden sie Mei völlig erschöpft hinter dem Gasthaus. Sie lag auf ihrem Bett im Freien und war eingeschlafen. Li sah Scarlett fragend an. »Das arme Ding ist überwältigt. Li, hilf mir, sie und das Bett ins Gasthaus zu tragen.« Auch als sie Mei in die kleine Kammer trugen und mehrmals gegen die Regale stießen, wachte sie nicht auf.
Kopfschüttelnd holte Scarlett zwei Gläser Minzwasser: »Danke für deine Hilfe.« Li nickte. »Warum so still? Ist alles in Ordnung?«, fragte Scarlett. Er sah sie ernst an, sein Gesicht war wie versteinert. Li hätte sich am liebsten jemandem anvertraut, aber er entschied sich dagegen. Wie sollte er Scarlett von seinen Alpträumen erzählen, wenn er sie selbst nicht verstand: »Alles in Ordnung, ich wollte Mei nur die Hasen bringen und muss zurück in die Schmiede.« Ohne ein Wort des Abschieds ließ er Scarlett stehen. »Versteh einer die Männer«, sagte sie grinsend zu sich selbst.
Scarlett verbrachte die Nacht in Meis Gasthaus. Sie schlief unbequem auf dem Boden, aber für ihre Freundin nahm sie das gerne in Kauf. Am nächsten Morgen ließ sie Mei ausschlafen und hängte ein Schild an die Eingangstür: Heute geschlossen. Mit dem Karren drehte sie eine Runde auf dem Marktplatz. Vom westlichen Torbogen drangen Geräusche an ihr Ohr. Neugierig ging sie dorthin. Eine große Baustelle breitete sich vor ihr aus. Scarlett bestaunte die Handwerker und ihre Tätigkeiten. Die Arbeiter trugen Uniformen, die ihr bekannt vorkamen ... Es waren Mondianer! Hinter der Baustelle waren Shuttles zu sehen, und sie benutzten Geräte, die viel Lärm machten. Sie dachte an ihren Besuch auf der Mondstation. Das waren elektrische Maschinen. »Es ist gar nicht mal so schlecht«, hörte sie einen Mann mit einer wohlklingenden Stimme sagen, der das Treiben ebenfalls beobachtete. Sie musterte ihn, hatte er mit ihr gesprochen? Scarlett sah sich um, aber es war niemand anderer in Hörweite. Dann fügte er hinzu: » ... aber keineswegs optimal.«