Der Drache im Weihnachtsbaum - Marlies Lüer - E-Book
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Der Drache im Weihnachtsbaum E-Book

Marlies Lüer

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Beschreibung

Wer braucht schon Streichhölzer, wenn er einen echten Drachen im Weihnachtsbaum hat? Max hat mit Weihnachten nicht viel am Hut. Eigentlich wollte er das Fest allein verbringen mit Nachos, Tequila und seiner Filmsammlung vom Marvel Universe. Aber es musste ja unbedingt bei seinen Eltern der Strom ausfallen und die Heizung kaputtgehen, was zur Folge hat, dass sie - samt Erbonkel Walter - die Feiertage bei ihm verbringen wollen. Also muss Max einen Weihnachtsbaum schmücken und Kekse backen, damit Onkel Walter ein schönes, typisch deutsches Weihnachten erleben kann. Doch als ihm auch noch seine Ex einen Hilferuf schickt, gerät alles aus dem Ruder. Nur gut, dass der Baumschmuck dieses Jahr lebendig wird und Max unterstützt.

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EPUB

Veröffentlichungsjahr: 2024

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Inhaltsverzeichnis

Der Drache im Weihnachtsbaum

Impressum

Kapitel 1

Kapitel 2

Kapitel 3

Kapitel 4

Epilog

Der Drache im Weihnachtsbaum

Ein Weihnachtsmärchen

von Marlies Lüer

Impressum

Marlies Lüer, Fuhrberger Str. 95, 29225 Celle

https://marlies-lueer.jimdosite.com/

Cover: Susanne Ptak

Erstveröffentlichung 2024

Kapitel 1

„Das darf doch nicht wahr sein!“ Max hielt den Atem an. So ein Scheiß aber auch! Da ging es hin, sein ruhiges, garantiert nicht-weihnachtliches Weihnachten! „Und ihr bekommt wirklich keinen Klempner? Es gibt doch diesen Notdienst der Innung. Nein? Schon versucht? Nun ja, dann … kann man da wohl nichts machen. Klar doch, dann kommt ihr halt zu mir. Hier ist es warm.“

Er beendete den Anruf und starrte sein Handy ungläubig an. Der letzte Satz seiner Mutter hallte in ihm nach: Wir kommen dann gleich mal vorbei und bringen dir den Baum und die Kiste mit den Kugeln vorbei … Kritisch beäugte Max den Zustand seiner Wohnung: Gemütlich-schmuddelig-chaotisch, wie er es mochte. Aber für ein Weihnachtsfest mit Eltern und Erbonkel völlig unzureichend. Wo sollte er nur anfangen? Am besten damit, dass er den Müll rausbrachte. Die kalte Luft würde ihm frischen Wind um die Nase bescheren und geistige Klarheit. Das hier war ein Notfall. Mayday, Mayday! Doch niemand würde kommen und ihm helfen, da konnte er noch so lange um Hilfe rufen und sich einen Putz- und Aufräum-Engel wünschen. Also nahm er sich den Mülleimer, steckte seinen Hausschlüssel in die Hosentasche und trug das müffelnde Ding die Treppe hinunter, trat ins Freie – wo dicke Schneeflocken vom Himmel fielen – und leerte ihn aus. Die Tonne war schon voll, er musste mit dem Eimer energisch hinterherstopfen. Bäh.

Max warf einen kritischen Blick zum Himmel. Ja, da war noch mehr Schnee zu erwarten. Der Wetterbericht hatte davor gewarnt, an Heiligabend ohne triftigen Grund Auto zu fahren. Was Mutter natürlich nicht kümmerte. Vermutlich waren sie in weniger als einer halben Stunde da und bis dahin musste er einigermaßen Klarschiff gemacht haben, sonst würde sie am Abend die ganze Zeit nur nörgeln und ihn vorwurfsvoll anschauen, während Vater sich den obligatorischen Apfel-Zimt-Glühwein hinter die Binde kippte. Aufräumen und Putzen war also das kleinere Übel.

Er machte kehrt, um wieder ins Haus zu gehen, und legte sich dabei fast auf die Nase. Jedenfalls schaffte er es im letzten Moment, sein Gleichgewicht wiederherzustellen und verfluchte die eisige Stelle unter dem Schnee. Während er die Treppe hochging, zog er sein Smartphone aus der Hosentasche und schrieb seinen Eltern eine warnende WhatsApp. Nicht, dass die sich gerade heute ihre Knochen brachen oder so. Die Notaufnahme im städtischen Krankenhaus war immer so überfüllt an den Weihnachtstagen.

In der Wohnung wieder angekommen, räumte er den Geschirrspüler aus und wieder ein; dann warf er allen Kram, der an Heiligabend nichts im Wohnzimmer zu suchen hatte, in sein Schlafzimmer. Dort würde ja niemand hineingehen. Im Bad hing Wäsche zum Trocknen über der Wanne, daran konnte er nichts ändern. Aber er scheuerte schnell das Waschbecken blank, putzte Wasserfleckchen vom Spiegel mit dem Ärmel weg und nahm sich abschließend die Toilette vor. Das musste reichen. So langsam kam er ins Schwitzen. Eigentlich hatte er sich auf ein langes Wochenende mit all seinen Marvel-Universe-DVDs gefreut, dazu Nachos und Bier, und ebenfalls auf den obligatorischen Truthahn am ersten Feiertag bei seinen Eltern. Den ließ er sich nie entgehen.

Er unterbrach sein Werkeln und dachte nach. Den würde es ja auch nicht geben, wenn das Elternhaus eiskalt war, so ohne Warmwasser, ohne Heizung! Fieberhaft nach einer Lösung für dieses Problem suchend, dachte er weiter nach, ging alle Optionen durch. Da war doch … ja, klar! Er nahm sich seine Handykontakte vor und suchte nach Bernhard, seinem ehemaligen Kumpel von der Oberschule, inständig hoffend, dass der immer noch seinem Beruf als Heizungsmonteur nachging. Zu seiner Erleichterung nahm dieser den Anruf an. „Hey, Bernie, altes Haus! Wie geht’s dir?“ Nach einigem Hin und Her hatte Max einen Deal ausgehandelt. Bernhard würde bzw. könnte frühestens morgen Nachmittag, spätestens bis zur Mittagszeit des zweiten Feiertags die Heizung seiner Eltern reparieren, vorausgesetzt, er hatte alle nötigen Ersatzteile im Regal. Im Gegenzug würde Max, zusätzlich zur Rechnung mit Feiertagsaufschlag an die Eltern, ihm einen Sommer lang den Rasen mähen und die Hecke schneiden.

Es klingelte dreimal hintereinander. Max drückte auf den Summer, ohne zuerst die Fernsprechanlage zu bemühen, denn es konnten ja nur seine Eltern sein. Seufzend nahm er wieder seinen Hausschlüssel an sich und ging ihnen entgegen, um beim Tragen zu helfen.

„Lass mich den Baum tragen, Vater. Hi! Seid gegrüßt. Wie war die Fahrt?“

„Schwierig. Die Scheibenwischer werden kaum mit dem Schnee fertig“, sagte sein Vater und sah alles andere als glücklich aus.

Max klemmte sich die Nordmanntanne, die zum Glück noch eingenetzt war, unter den Arm und trug sie in seine Wohnung, während sein Vater nochmals zum Auto ging, um weitere Kisten und Taschen anzuschleppen. Seine Mutter trug derweil den Karton mit dem Christbaumschmuck, als wäre dieser wertvoller als ihr eigenes Leben. Sie neigte zum Theatralischen, hatte aber im Großen und Ganzen das Herz am rechten Fleck.

„Max, mein Schatz, du bist unser Retter. Was hätten wir sonst tun sollen? Onkel Walter kommt in zwei Stunden am Flughafen an und fährt von dort ins Hotel. Es ist wie ein Wunder, dass er überhaupt noch ein Zimmer bekommen hat! Wir können ihn ja unmöglich bei uns schlafen lassen, so wie geplant. Der alte Mann holt sich sonst eine Lungenentzündung oder Schlimmeres. Dabei habe ich extra für ihn neue Bettwäsche gekauft. Hoffentlich kann das Flugzeug auch landen! Ich mache mir solche Sorgen.“

Liebevoll nahm er seine Mutter in den Arm, auch wenn sie ihn manchmal tierisch nervte. „Wird schon alles gutgehen. Setz dich doch erstmal. Ich mache euch einen Kaffee.“

„Das ist lieb von dir, aber wir haben dafür keine Zeit. Wir müssen noch Essen kaufen, irgendwas, das du aufwärmen kannst. Der Feinkostladen hat heute nur bis 14.00 Uhr geöffnet. Und wir müssen uns noch umziehen. Ich denke, wir kommen mit Onkel Walter nicht vor 16.30 Uhr hier an. Nein, keinesfalls eher.“ Sie schaute ihn skeptisch an und warf dann einen Rundumblick in sein Wohnzimmer. „Du räumst doch vorher noch auf und ziehst dir was Ordentliches an, oder?“

Er hatte doch aufgeräumt! Max unterdrückte ein Seufzen. „Wo willst du den Baum stehen haben?“, lenkte er ab und nahm dann seinem Vater eine prall gefüllte Reisetasche ab. In der in der anderen Hand trug er einen großen Gegenstand aus Max‘ Kindheit. „Was wollt ihr um Himmels Willen mit dem Schlitten? Dafür seid ihr doch längst zu alt. Nichts für ungut.“

„Ach, sei nicht albern, mein Junge“, zwitscherte seine Mutter. „Der ist noch nur Deko. Darauf kannst du die Geschenke stellen. Du weißt doch, Onkel Walter ist traditionsbewusst und wünscht sich, auf seine alten Tage, noch mal ein richtig deutsches Weihnachtsfest mit allem Drum und Dran. Dazu gehört eben auch ein Schlitten.“

„Nun ja. Immerhin haben wir reichlich Schnee. Wir können ja auf dem Balkon eine Schneeballschlacht machen.“

Sein Vater klopfte ihm auf die Schulter. „Recht so, mein Sohn. Niemals den Humor verlieren. Erst recht nicht, wenn Onkel Walter im Anmarsch ist.“

Max grinste breit; der alte, reiche Mann war berüchtigt für seinen schrägen Lebensstil. Gut möglich, dass er hier im Weihnachtsmannkostüm aufschlug und an alle Nachbarn im Haus Kekse und Schokolade verteilte und dabei Jingle Bells sang. Oder er stellte Weihnachtsmänner in knapper Badehose und mit Sonnenbrille vor die Türen.

„Also, kommst du hier klar, oder soll ich noch schnell helfen, den Baum in den Ständer zu bringen?“

„Das geht schon, Papa, fahrt ihr nur los, um das Essen zu besorgen. Ich habe nur Nachos und Bier gehortet.“

Sein Vater schlug sich vor die Stirn. „Oh, was bin ich für ein Idiot! Ich habe vergessen, den Ständer mitzubringen!“

„Was hast du?“, rief seine Mutter mit schriller Stimme und sprang vom barocken, roten Sofa auf, das zu der modernen Wohnlandschaft in aschgrau einen starken Kontrast bildete. „Das bringt den Zeitplan völlig durcheinander! Das ist eine Katastrophe!“

Max gluckste nur. Er kannte seinen Vater, der einen nicht minder schrägen Humor als sein Onkel Walter hatte. Die Männer grinsten sich an und duckten sich gleich darauf, weil ihnen Sofakissen um die Ohren flogen.

„Ihr Blödmänner! Alle beide! Ihr sollt mich nicht so erschrecken!“ Sie riss den Reißverschluss der Sporttasche auf und atmete erleichtert auf. „Da ist der Ständer doch! So, und jetzt müssen wir aber los.“

„Lisbeth, sei nicht sauer, ich konnte einfach nicht widerstehen“, bat ihr Mann, kein bisschen reumütig, und folgte ihr hinaus. „Bis dann, Max, man sieht sich“, sagte er und fragte noch, ob er für ihn etwas Besonderes mitbringen sollte, weil sie ihn derart überfielen.

Max dachte fieberhaft nach, die Gelegenheit sollte er nicht ungenutzt lassen. „Oh ja! Baumkuchen. Das wäre toll. Den Salzwedeler bitte!“

„Pauuuul!“, erklang es aus dem Treppenhaus.

„Geht in Ordnung, Max. Ich muss los, bevor sie mir durchdreht. Bis dann!“

„Bis dann, Paps! Ich schließe noch die Garage auf für nachher. Du kannst schlecht draußen parken bei dieser Schlechtwetterfront. Ich schiebe mein E-Bike an die Wand, das müsste passen.“

„Danke dir.“

Unbewusst rieb Max sich in Vorfreude auf diesen Hochgenuss über seinen Magen. Baumkuchen bester Qualität, dünn mit weißer Schokolade überzogen. Jetzt sah die Welt schon freundlicher aus. Beschwingt schloss er die Tür hinter seinem Vater, der treppab eilte, und machte sich an die Arbeit. Den Baum in den Ständer zu stellen, war für ihn kein Problem. Der Stamm passte gut in die Halterung. Schwieriger war es, ihn zu schmücken. Diese Kugeln waren so verdammt zerbrechlich. Seine Hände waren an Werkzeug gewöhnt, an schwere Lasten und Gartenerde. Max atmete tief durch und öffnete dann die erste Schachtel. Große Kugeln eher unten, kleine Kugeln oben im Baum. Und was musste er noch beachten? Ach ja, Wasser in den Ständer geben. Und die Kerzenhalter am besten an die Stelle setzen, wo die Zweige sich nach rechts und links aufdröseln und vor allem keine Kerzen dicht unter einem darüberliegenden Zweig. Max beschloss, sollte er jemals einen eigenen Tannenbaum kaufen, dann kämen LED-Lichterketten hinein. Er nahm sich alle Schachteln vor und stellte sie geöffnet auf den Tisch, um sie systematisch abzuarbeiten. Für dieses Jahr hatte Mutter ein Farbschema ausgesucht: Gold und Rot. Blau und Silber, oder kunterbunt, wäre ihm lieber gewesen, aber das war ihre Show heute, nicht seine.

Ich bin sauer! Max schreckte zusammen. Wo kam diese Stimme her? Waren die Eltern etwa schon wieder da und standen im Treppenhaus? Er ging zur Tür und öffnete. Niemand zu sehen. Aber er hatte etwas gehört! Komisch. Nun ja, dann war es wohl die Nachbarin, die über ihm wohnte. Die hatte wohl den Fernseher zu laut gestellt. Alte Leute sind ja meist schwerhörig. Beruhigt arbeitete Max weiter am Baum und hängte sorgfältig die Kugeln und Sterne in die Nordmanntanne. Je länger er den Duft der Tannennadeln einatmete, umso mehr wuchs die Vorfreude auf ein richtiges Weihnachten, was ihn selbst überraschte. Er brauchte noch fast eine Stunde, ehe er mit dem Ergebnis zufrieden war und auch die Honigwachskerzen in die Halterungen gesteckt hatte. Ja, das sah gut aus. Aber irgendwas fehlte noch. Doch was?

Max ging erstmal in die Küche. Hunger! Er befüllte eine Schüssel mit seinen geliebten Nachos und überbuk sie in der Mikrowelle mit Käse. Während sie sich im Kreis drehten und vom Käse umhüllt wurden, schenkte er sich ein dunkles Bier ein. Als er den ersten Schluck nahm, schaute er aus dem Fenster und sah zu seiner Erleichterung, dass der Schneefall aufgehört hatte. Unten auf der Straße wuselte ein Schneeräumfahrzeug entlang.

---ENDE DER LESEPROBE---