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Mit ungläubig geweiteten Augen starrte Deputy Rupert Gimly auf die Toten, dann auf seinen rauchenden Colt. Dann ließ er die Waffe fallen, als hätte er sich an ihr verbrannt, und blickte Sheriff Bannister an.
"Das... das war falsch", raunte Gimly mit spröder Stimme. "Die Männer wollten sich ergeben. Ich hätte nicht auf Sie hören dürfen, als Sie den Schießbefehl gaben."
Regungslos stand der Sheriff da und meinte schließlich: "Mein Junge, diese Bastarde hätten die erstbeste Gelegenheit genutzt, um uns fertig zu machen! Gnade oder falsches Mitleid sind völlig unangebracht. Halte dich an diese einfache Regel, wenn du lebendig zu deiner Familie zurückkehren möchtest."
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Seitenzahl: 129
Veröffentlichungsjahr: 2024
Cover
Sheriff ohne Gewissen
Vorschau
Impressum
Sheriff ohne Gewissen
von Des Romero
Mit ungläubig geweiteten Augen starrte Deputy Rupert Gimly auf die Toten, dann auf seinen rauchenden Colt. Dann ließ er die Waffe fallen, als hätte er sich an ihr verbrannt, und blickte Sheriff Bannister an.
»Das... das war falsch«, raunte Gimly mit spröder Stimme. »Die Männer wollten sich ergeben. Ich hätte nicht auf Sie hören dürfen, als Sie den Schießbefehl gaben.«
Regungslos stand der Sheriff da und meinte schließlich: »Mein Junge, diese Bastarde hätten die erstbeste Gelegenheit genutzt, um uns fertig zu machen! Gnade oder falsches Mitleid sind völlig unangebracht. Halte dich an diese einfache Regel, wenn du lebendig zu deiner Familie zurückkehren möchtest.«
Stumm nickte Gimly, hob seinen Revolver auf und steckte ihn ins Holster. Er stand erst seit einer Woche im Dienst von Sheriff Clive Bannister und hatte bis zum jetzigen Tag geglaubt, seine Ausbildung mit links zu schaffen. Dieser Eindruck war mit dem heutigen Tag getrübt worden, doch aufgeben wollte Gimly nicht.
»Wir machen so etwas nicht jeden Tag«, fuhr Bannister fort. »Aber du musst dich dran gewöhnen, dass nicht immer alles wie im Lehrbuch beschrieben verläuft. Das Leben hält seine ganz speziellen Herausforderungen für jeden von uns bereit. Eine davon hast du mit Bravour bewältigt. Doch falls du ein schlechtes Gewissen hast und meinst, Strauchdiebe und Mörder wie diese mit Samthandschuhen anfassen zu müssen, dann kann ich dich nicht gebrauchen! Pack deine Sachen und verschwinde!«
Die Aussage versetzte Rupert Gimly einen Stich mitten ins Herz. Sein Gesicht wurde kalkweiß. »Nein, Sir, ich will von Ihnen lernen!«, beeilte er sich zu versichern. »Es ist nur so, dass ich Verbrecher ihrer gerechten Strafe zuführen möchte. Sie sollen vor ein ordentliches Gericht, das entscheidet, was mit ihnen geschieht. Ich dachte, das wäre unser Auftrag.«
»Es ist unser Auftrag«, erwiderte Bannister, »Verbrechen zu verhindern! Denk daran, dass auch Richter nicht unfehlbar sind. Ein mildtätiges Urteil wird dafür sorgen, dass dieselben Gangster weitere Opfer finden. Frauen, Mütter und Kinder! Für dieses Geschmeiß macht es keinen Unterschied! Willst du den Hinterbliebenen dann erzählen, dass dir eine faire Gerichtsverhandlung wichtiger war, als das Leben Unschuldiger vor Schaden zu bewahren?«
Verzweifelt versuchte der Deputy, sich zu verteidigen. »Das wäre niemals meine Absicht, Sir!«, stieß er aus. »Aber ich habe Männer getötet, die nicht einmal eine Waffe auf mich gerichtet haben! Wie kann ich auf der Seite des Gesetzes stehen, wenn ich selbst es missachte?«
»Denk immer daran«, antwortete der Sheriff, »dass du zu mir gekommen bist! Ich habe nicht darum gebeten, jemanden unter meine Fittiche zu nehmen. Du wolltest von mir lernen, um später selbst einmal ein verantwortlicher Gesetzeshüter in einer anderen Stadt zu werden. Offenbar aber glaubst du, schon alles zu wissen! Du versuchst, mit deinem Kopf gegen meine Erfahrung anzukämpfen! Wenn du nur gekommen bist, um dich über das hinwegzusetzen, was ich dir beibringe, kannst du mir gestohlen bleiben! Such dir irgendein Kaff, protze mit deinem Nichtwissen und lass dich von einer ahnungslosen Menge zum Sheriff wählen! Mir ist meine Zeit zu schade, um sie mit einem Kindskopf wie dir zu verschwenden!«
Der erneute Angriff auf seine Person ließ Rupert Gimly erstarren. Er wollte erneut seine Stimme erheben, um seinen Standpunkt zu rechtfertigen, gab aber schließlich klein bei. Er war jung und motiviert, einmal selbst Marshal oder Sheriff einer kleinen Gemeinde zu sein, die sich auf seine Kompetenz und sein Urteilsvermögen verlassen konnte. Doch offensichtlich gab es noch eine Menge zu lernen. An erster Stelle die Bereitschaft, sich zurückzunehmen, wenn etwas nicht den eigenen Erwartungen gemäß geschah. »Ich bitte um Entschuldigung für meine Widerworte«, sagte er seinem Gegenüber. »Es war einfältig von mir, Ihre Entscheidung infrage zu stellen...«
Ein leises Grinsen huschte über Clive Bannisters Züge. »Also schön«, meinte er, »Einsicht ist eine erstrebenswerte Charaktereigenschaft. Du darfst auch weiterhin für mich tätig sein. Vergiss aber niemals, dass man mich für all deine Taten zur Verantwortung ziehen wird. Baust du Scheiße, kommt man zuerst zu mir. Und da Scheiße von oben nach unten fällt, kannst du dir sicher vorstellen, wer von uns beiden ein Bad darin nehmen wird.«
»Ich habe verstanden, was Sie mir sagen wollten«, beteuerte Rupert Gimly.
»Ich wollte dir nichts sagen«, zischte Bannister, »sondern habe dir etwas gesagt! Halte dich an mich, und du kannst zu den Besten gehören! Du wirst angesehen und von der Bevölkerung geliebt sein. Und solltest du ganz hoch hinauswollen, hol dir auch die Richter auf deine Seite. Die sind dankbar für jede Gerichtsverhandlung, der sie nicht beiwohnen müssen...«
Deputy Gimly fasste neuen Mut. Vermeintlich hatte er überreagiert. Die Kerle jedenfalls, die sie soeben über den Haufen geschossen hatten, würden niemals wieder ihre Hand gegen unbescholtene Bürger erheben können. Und wenn man es genau nahm, war es letztlich das, wofür sich der Vierundzwanzigjährige gemeldet hatte.
✰
Die junge Frau war eine Schönheit vor dem Herrn, hatte langes blondes Haar und jedes Gramm ihres verführerischen Körpers an der richtigen Stelle. Sie war in Begleitung eines stiernackigen Mannes in den Saloon gekommen, der sie plötzlich stehenließ und den Tresen ansteuerte. Ein wenig verloren wirkte die Blondine, als sie mit einem Mal allein auf weiter Flur war. Und wie es der Zufall wollte, kreuzten sich ihre Blicke mit denen Lassiters, der an einem kleinen Tisch saß und sich in regelmäßigen Abständen Whisky nachschenkte.
Die blonde Frau lächelte verhalten, ohne irgendein Interesse an dem Mann der Brigade Sieben zu signalisieren. Ihre Geste schien der Höflichkeit geschuldet. Doch nachdem sie ihren Blick durch den Schankraum hatte kreisen lassen, kam sie schüchtern näher und fragte: »Darf ich mich zu Ihnen setzen, während mein Vater an der Theke steht?«
»Seien Sie mein Gast«, gab Lassiter zurück und wies auf den freien Stuhl ihm gegenüber.
»Ich heiße Lorraine«, stellte sich die Frau vor und nahm Platz. »Verstehen Sie es bitte nicht falsch, dass ich Sie angesprochen habe. Ich habe mich unter den gaffenden Blicken der Gäste einfach unwohl gefühlt.«
Lassiter nickte. »Verständlich. Eine Frau mit Ihrer Ausstrahlung dürfte stets ein Blickfang sein.«
»Haben Sie auch einen Namen?«
»Ich heiße Lassiter.«
Lorraine biss sich auf die Unterlippe und schaute den großen Mann aus strahlend leuchtenden Augen an. »Uuuhh, Lassiter!«, sagte sie mit geheimnisvoller Betonung. »Das hört sich nach Abenteuer und Verwegenheit an.«
»Von allem ein bisschen«, erwiderte Lassiter. »Sind Sie mit Ihrem Vater auf der Durchreise?«
»Wir gehören einem Viehtreck an, der nach Süden zieht«, erklärte die blonde Frau. »Meinem Vater gehören ein paar Rinder, und er hat sich dem Treck von Osmond Harker angeschlossen. Er meinte, dadurch besser vor Dieben geschützt zu sein. In Texas wollen wir dann ein neues Leben beginnen.«
»In Arizona gibt es große freie Weiden«, sagte Lassiter. »Warum wollen Sie die Strapazen eines langen Ritts auf sich nehmen? In Texas werden Sie mit einer kleinen Rinderzucht mit den Preisen der großen Züchter nicht mithalten können.«
Lorraine lachte. »Das fragen Sie am besten meinen Vater. Wenn er sich was in den Kopf gesetzt hat, kann man es ihm nur schwer wieder austreiben.«
Lassiter gab dem Barkeeper ein Zeichen, ihm ein zweites Glas zu bringen. »Wenn Sie nichts dagegen haben«, teilte er Lorraine mit, »würde ich Sie gerne zu einem Drink einladen.«
»O nein!«, entfuhr es der blonden Frau. »Mein Vater würde mir den Hals umdrehen! Er achtet auf mich wie auf seine Augäpfel!«
Kurz schaute Lassiter hinüber zum Tresen und wandte sich anschließend wieder seiner Gesprächspartnerin zu. »Ich denke, Ihr Vater ist beschäftigt«, meinte er grinsend und deutete mit dem Daumen über seine Schulter hinweg auf eine dralle Brünette. Die pfundige Frau nahm in diesem Moment einen Bierhumpen entgegen und ließ sich anstandslos von Lorraines Vater begrapschen.
Schamhaft senkte Lorraine ihren Kopf und wisperte: »Seit Mutter verstorben ist, hatte er viele Affären. Mir ist es unangenehm, ständig eine neue Frau in seinen Armen zu sehen, aber ich habe nie mit ihm darüber gesprochen. Der Verlust seiner geliebten Mary-Ann hat ihn schwer getroffen. Ich habe nicht das Recht, seinem Glück im Wege zu stehen.«
Lassiter wirkte betroffen, nahm das Glas, das der Schankwirt ihm reichte und füllte es aus seiner Whiskyflasche auf. »Einen sollten Sie sich genehmigen«, sagte er zu Lorraine. »Ihr Vater wird nichts bemerken.«
Noch haderte die junge Lady mit dem Drink und warf einen Blick hinüber zum Tresen, um sich zu versichern, unbeobachtet zu sein. Dann griff sie zu und schüttete sich den Inhalt des Glases in die Kehle.
Lassiter staunte nicht schlecht, hatte er doch erwartet, dass Lorraine lediglich nippen würde. Anscheinend aber war ihr der Umgang mit hochprozentigem Alkohol vertraut, denn sie verzog nicht die kleinste Miene und musste auch nicht husten.
Während Lassiter und Lorraine sich in ein angeregtes Gespräch vertieften und der Inhalt der Whiskyflasche zunehmend schrumpfte, näherte sich unbemerkt von beiden das Unheil. Es kam in Gestalt von Lorraines Vater, der seine linke Pranke um den Hals seiner Tochter legte und sie mühelos in die Höhe zog. Sein Augenmerk jedoch galt Lassiter. »Füllst du meinen Schatz etwa mit Whisky ab, du elender Bastard?«, polterte er los. »Ich habe meine Tochter nicht keusch erzogen, damit ein Dahergelaufener wie du sie verdirbt!«
»Immer mit der Ruhe«, versuchte Lassiter zu beschwichtigen. »Lorraine hat nur Anschluss gesucht, als Sie es vorgezogen haben, sich zu betrinken. Warum haben Sie sie überhaupt mitgebracht, wenn Sie sich nicht um sie kümmern?«
»Das geht dich einen Dreck an!«, versetzte der Stiernacken. »Aber du scheinst es ja darauf anzulegen, Prügel zu bekommen, und hast dir genau den Richtigen dafür ausgesucht!« Der Mann stieß Lorraine von sich, die daraufhin über ihre Füße stolperte und zu Boden ging, packte den Tisch und schleuderte ihn mitsamt Flasche und Gläsern in den Raum. Seine Hände waren wie Schaufeln, die sich zu Fäusten ballten, um auf Lassiter einzudreschen.
Geschickt wich der Brigade-Agent aus, federte in die Höhe und verpasste dem Angreifer einen Rippenstoß. Der nächste Hieb krachte ihm in den Nacken und ließ ihn mit der Stirn auf Lassiters Stuhllehne aufschlagen.
So leicht aber war Lorraines Vater nicht außer Gefecht zu setzen. Seine Rechte beschrieb einen Halbkreis und schmetterte gegen Lassiters Brust.
Der große Mann glaubte, von einem Amboss getroffen worden zu sein. Stahl traf auf Knochen, presste die Luft aus Lassiters Lungen und ließ ihn keuchend zurücktaumeln. Schwärze wechselte sich mit blitzenden Punkten vor seinen Augen ab. Wenn er diesen Menschenberg nicht schnellstens ausschaltete, würde dieser ihn überfahren wie eine Dampflokomotive.
Mit einem Mal aber hatte der Kerl eine Flasche in der Hand, zerschmetterte sie auf einer Stuhllehne und wischte mit dem scharfkantigen Flaschenhals vor Lassiter herum. Er stellte sich dabei äußerst geschickt an, täuschte mehrmals einen Angriff vor, bis es ihm mit einem plötzlichen Vorstoß gelang, in die Schulter des Brigade-Agenten zu stechen und sie aufzuschlitzen.
Hastig wich Lassiter zurück. Außerhalb der Reichweite des Berserkers versuchte er wieder zu Atem zu kommen. Seine nächsten Schläge mussten die Schwachstellen seines Gegners treffen, denn mit bloßer Körperkraft war diesem Mann nicht beizukommen.
Wie Dreschflegel schwirrten die muskulösen Arme des Vaters an Lassiter vorüber und wirbelten die Luft auf, ohne ein Ziel zu finden. Der Mann der Brigade Sieben fokussierte sich auf seinen Widersacher, wich den Dampfhammerhieben nahezu spielerisch aus und sah plötzlich seine Chance gekommen.
Lassiter winkelte seine Finger an, verbiss sich die Schmerzen in seiner Schulter und schlug mit den Knöcheln wuchtig gegen den Kehlkopf von Lorraines Vater. Der Hieb war dosiert, sonst hätte er den Mann umgebracht – doch er zeigte sofortige Wirkung!
Mitten in seiner Vorwärtsbewegung kam der Angreifer gurgelnd zum Stillstand. Er riss seine Augen auf und japste nach Luft. Gleich darauf rammten Lassiters Fäuste gegen seine Schläfen, ließen ihn torkeln und schließlich zusammenbrechen. Gleich einem Felsbrocken krachte er auf die Dielen des Saloons und blieb im aufwirbelnden Staub regungslos liegen.
»Was hast du getan?«, kreischte Lorraine, warf sich auf die Knie und rüttelte an den Schultern ihres Vaters. Anklagend richtete sie ihren Blick auf Lassiter. »Du mieser Hund! Das ist mein Dad! Wie kannst du es wagen, ihm wehzutun?«
»Er hat mir wehgetan«, antwortete Lassiter lakonisch. »Du brauchst dir aber keine Sorgen zu machen. Dein Vater ist wohlauf, sobald er wieder zu Bewusstsein kommt.«
Lorraines Blick war hasserfüllt. Sie stemmte sich auf die Füße und schrie in den Saal: »Und ihr steht alle da und unternehmt nichts? Habt ihr etwa Angst vor dieser feigen Ratte?« Sie deutete auf Lassiter.
»Der Penner wollte mir für das Bier, das er mir spendiert hat, an die Wäsche!«, schrie die üppige Brünette. »Ich hätte ihm selbst aufs Maul gehauen, wenn er jetzt noch stehen würde!«
»Daddy«, flüsterte Lorraine und ließ sich wieder auf ihre Knie herab. »Ich liebe dich und bin immer für dich da!«
Kopfschüttelnd ging Lassiter an den beiden vorüber, bezahlte seinen Whisky und verließ den Saloon. Seine Wunde blutete stark und musste genäht werden. Auf schnellstem Weg begab er sich zum nächsten Doc.
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Sie lagen auf der Lauer. Schon seit einer halben Stunde. Für den jungen Deputy Gimly war es reine Zeitverschwendung, denn er wusste ohnehin nicht, weshalb der Sheriff diesen Beobachtungsposten aufgesucht hatte. »Warum sind wir eigentlich hier?«, fragte er Bannister. »Diese Leute haben nichts Unrechtes getan. Und so, wie es aussieht, werden sie es auch nicht.«
Sheriff Clive Bannister hob einen Zeigefinger zum Mund. »Nicht so laut, mein Junge«, sagte er. »Die Prärie trägt weit.« Fast hatte es den Anschein, als wollte er sich mit dieser Erwiderung begnügen, doch er reichte eine Erklärung nach. »Dieser Viehtreck« – er deutete voraus auf die Planwagen und die kleine Rinderherde – »befindet sich auf dem Grund und Boden von Raymond Bucannon. Du weißt doch, wer das ist, oder?«
Rupert Gimly machte große Augen und sah den Sheriff verwundert an. »Jeder weiß, wer Bucannon ist! Aber das ist freies Weideland. Bloß weil er es mit Beschlag belegt hat, heißt das nicht, dass niemand seine Tiere darauf grasen lassen darf.«
»Freies Weideland...« Sheriff Bannister lachte auf. »Ja, so etwas sollte es wirklich geben, dann würde ich mir vielleicht auch noch eine kleine Zucht zulegen. Bei uns aber gilt der Grundsatz: Wer zuerst kommt, mahlt zuerst. Und Bucannon war eindeutig der Erste auf dem Land.«
Irritiert schüttelte der Deputy seinen Kopf. »Er kann aber trotzdem kein Land für sich vereinnahmen, das ihm nicht gehört. Wollen Sie den Treck etwa jetzt vertreiben? Wie wollen Sie das rechtfertigen?«
»Ich rechtfertige mich vor Bucannon!«, gab der Sheriff eindringlich zurück. »Er hat das Sagen! Wir halten uns immer an jene, die im Besitz der Macht sind. Und wenn das heißt, dass wir das Recht ein wenig verbiegen müssen, sind wir gut beraten, das auch zu tun.«
Gimly war erschrocken und wich vor seinem Ausbilder zurück. »Das ist nicht Ihr Ernst!«, stieß er keuchend aus. »Ich will ein Vertreter des Gesetzes sein und kein Handlanger derjenigen, die sich mit ihren Dollars alles erkaufen können!«
Beschwichtigend hob Bannister eine Hand und schaute seinen Schützling an. »Prinzipiell gebe ich dir recht«, meinte er, »aber du musst das ganze, das große Bild sehen. Diese Leute machen fast immer Ärger, wenn sie in die Nähe der Stadt kommen. Und leider habe ich schon oft erlebt, dass sie Brandzeichen überbrennen und mit mehr Tieren weiterziehen, als sie mitgebracht haben. Das will ich schon im Vorfeld verhindern, denn wenn es einmal geschehen ist, nehmen die Ereignisse einen wirklich hässlichen Lauf.«
Gänzlich überzeugt war Rupert Gimly nicht und teilte seine Bedenken mit. »Ich weiß nicht, ob das eine gute Idee ist. Mit Ihrem Vorgehen schüren Sie Aggressionen, ehe überhaupt ein Straftatbestand vorliegt. Wir sollten uns zurückziehen und erst eingreifen, wenn eine kriminelle Handlung vollzogen wurde.«